Skip to main content

Full text of "Journal fèur Ornithologie"

See other formats



6-13 



DiTision o; 








:h-, 




I 

I 


I 

I 

t 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE 

GEGRÜNDET VON J. C A B A N I S. 

Im Aufträge der 

Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 

herausgegeben 

von 


Dr. Erwin Stresemann 

Generalsekretär der Gesellschaft. 


70. Jahrgang: 1923. 


2fM\0 


Berlin 1922. 

Verlag der Deutschen Ornithologischen Oesellschaft. 


In Kommission bei L. A. Kittier 
Leipzig, Sternwartenstr. 46, 


Es sind erschienen von Band 70: 

Heft 1 (p. 1 — 136) am 13. Februar 1922. 

, Heft 2/3 (p. 187—418) am 25. Juli 1922. 

Heft 4 (p. 419—518, I— IV) am 1. Oktober 1922. 


Inhalt des 70, Jahrganges (1922). 

Seite 


H. F/hr* von Berlepsch, Mein ornithologischer Lebenslauf 825 
H. Duncker, Die Eeich’sche Gesangeskreuzung (Nachtigall/ 

Kanarienvogel) eine „erworbene“ Eigenschaft 423 

0. F e h r i n g e r , Die Vogelwelt Macedoniens 89, 286 

E. Gebhard, Andreas Johannes Jäckel 56 

H. FrhreGeyrv. Schweppenburg, Zur Theorie des Vogel- 
zuges 361 

H. Grote, Zur Avifauna des nördlichen Deutsch-Südwestafrika 39 

— Bemerkungen über einige neue afrikanische Formen . . 397, 482 

0. Heinroth, [Die Jugendentwicklung von Habicht, Blaurake 

und Scheiereulej . 131 

— [Handschwingenmauser der jungen Fasane] 183 

-- Die Beziehungen zwischen Vogelgewicht, Eigewicht, Gelegoge- 
wicht und Brutdauer. Mit 7 Kurventafeln 172 

— - [lieber Kaubwürger und Neuntöter] 503 

— [Die Jugendentwicklung von Zaunkönig, Nebelkrähe, Schwarz- 
specht und den Lappentauchern] 511 

C. Hey der, Nachträge zur Ornis Saxonica 1, 137 

K. Lind n er. Zum Gedächtnis von Oberpfarrer Dr. Lindner, 

Quedlinburg 488 

H. Baron London, [Geographische Besonderheiten der baltischen 

Ornis] 514 

_F. V. Lucanus. [Heber die Flugformen der Zugvögel] . . . 184 

— Erwiderung auf die Arbeit des Freiherrn Geyr von Schweppen- 

burg „Zur Theorie des Vogelzuges“ ......... 386 

— [Nachruf an J. A. Allen und Th. Krüper] 414 

— Stephan von Chernel zu Chernelhäza f • • * 491 


0. Neumann, [Heber die Gattung Fhormöplectes'\ .... 412 

R. P ä f s 1 e r , In der Umgebung CoroneTs (Chile) beobachtete 

Vögel. Beschreibung der Nester und Eier der Brutvögel . . 480 

A. Reichenow, [Heber F. v. Lucanus, Die Rätsel des Vogel- 
zuges] 126 

H. Sachtleben, [Heber die geographische Variation des Formen- 
kreises MotaciUa aiba] • • • ISO 

H. Schalow, [Bericht über die Festsitzung zur Feier des 70. Ge- 
burtstages des Herrn Schalow] 492 

— [Heber das Vorkommen der Zwergohreule in Deutschland] . £11 

H. Seilkopf, Der Daumenfittich der Raubvögel als Steuerorgan 123 


IV 


£. Stresemann, Rafinesque*s BenennangeQ sizilianischer Vögel 

— Neue Formen aus dem papuanischen Gebiet 

— [Ueber Sprungvariationen in der Gefiederfärbung einiger Vogel- 
arten] 

— Einige Bemerkungen zur „Synopsis of the Accipitres“ von 

H. Kirke Swann. Die indoaustralischen Tagraubvögel . . 

— [Die Entwicklung der Vogelsammlung des Berliner Museums 

unter Illiger und Lichtenstein] 

— [Meine Molukkenreise] 

J. Thienemann, XX, Jahresbericht (1920) der Vogelwarte 

Rossitten der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft . . . 

V. V. Tschusi zu Schmidhoffen, Zum heurigen Durchzug 

des Seidenschwanzes 1920/21 

0. Graf Zedlitz, [Beitrag zur Biologie der Corviden] . . 

— Ein Beitrag zur Biologie von Colymhus arcticus L, . . . 

Deutsche Ornithologtsehe Gesellschaft. 

Bericht über die Oktobersitzung 1921 

Bericht über die Novembersitzung 1921 

Bericht über die Dezembersitzung 1921 

Bericht über die Januarsitzung 1922 

Bericht über die Festsitzung zur Feier des 70. Geburtstages des 

Herrn Herman Schalow 

Bericht über die Aprilsitzung 1922 . 

Bericht über die Jahresvers ^mmlung in Berlin vom 13. — 15. Mai 1922 
Bücherei der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft .... 
Bericht des Bibliothekars 


Namenverzeichnis 
Berichtigungen . 


Seite 

128 

405 

409 

487 

498 

509 

61 

49 

416 

419 


129 

182 

408 

412 

492 

413 
506 
135 
517 


519 

528 


JOURNAL 



für 

ORNITHOLOGIE. 

GEGRÜNDET VON J. CARANJS. 

Im Aufträge* dur 

Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 

herausgegftben 

von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow, 

Goh. Regierungsrat, GenoralsHlcrotRr der Doiitschen OrnitliolD'jrjwf'lien Oesfillschaf't. 


Heft 1. 


<0. Jahrgiiiig, 


Januar 19 2S. 





6 v „ 


- ÄPn M 


G'VfR f-, 


tieipzig 1033. 

Verlag von L. A. Kittier. 


Williams & Norgate, 14 F. Vieweg, rne Ricltelieu 67. Lemcke & Buechner 

Henrietta Street, Coventgarden. ’ 30—32 West, 27 th Street, 



London, 


Paris, 


New-York, 




JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 


Siebzigster Jahrgang. 


No. 1. Januar. 193*3. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 

£in zweiter Beitrag zur Kenntnis der Yogelwelt des Staates Sachsen. 

Von RiolL Heyder, Oederan. 

V orbemerkungen. 

Seit dem Erscheinen meiner Abhandlung „Ornis Saxonica. 
Ein Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt des Königreichs Sachsen“^) 
sind viele Teile derselben naturgemäfs durch neuere Ergebnisse 
der rastlos vorwärts schreitenden Forschung überholt v/orden, 
sodafs eine zusammenfassende Ergänzung der damals veröffent- 
lichten Mitteilungen nach dem gegenwärtigen Stande unserer 
Kenntnis geboten erscheint. 

Zwar war die seit dem Abschlufs meiner Arbeit im No- 
vember 1914 verstrichene Zeit im allgemeinen der faunistischen 
Bearbeitung der sächsichen Vogelwelt nicht sonderlich günstig, 
weil der Krieg mit seinen Begleit- und Folgeerscheinungen tief 
in die Lebensverhältnisse jedes einzelnen eingriff, jede wissen- 
schaftliche Betätigung erschwerte und viele der jüngeren Vogel- 
kundigen für oft lange Zeit dem Vaterlande fernhielt. Trotz 
dieser schädlichen Einflüsse ist dennoch heute in vielen Einzel- 
heiten eine zunehmende Kenntnis der örtlichen Vogelverbreitung 
wahrzunehmen, die uns für die kommende Zeit zu den schönsten 
Hoffnungen berechtigt, während die Untersuchung der geo- 
graphischen Abänderungen, soweit solche innerhalb der sächsischen 
Vogelwelt erkennbar sind, erst eigentlich in neuester Zeit aufge- 
griffen worden ist. Gerade in letzterer Hinsicht treten in der 
„Ornis Saxonica“ die Mängel eines vorzeitigen Abschlusses, zu 
dem mich meine drohende Einziehung zum Heeresdienst bewog, 
sehr offensichtlich hervor. Andererseits darf ich zu meiner Ent- 
lastung wohl sagen, dafs die mir 1914 zur Verfügung stehenden 


Joum. f. Ornith. 1916 p. 165 ff. 
Joun. f» Om. LXX. Jahrg. Jaaou ld22. 


1 




Eich. Heyder: 


Beleg- uod Vergleichsvögel kaum ausgereicht hätten, um die 
Kenntnis der geographischen Beziehungen vieler unserer Brutvögel 
der Entwicklungsstufe entgegen zu führen, die wir heute, wenn 
sicher auch als vielfach nur vorläufige, einnehmen. 

In der Behandlung und Anordnung des Stoffes folgte ich 
im wesentlichen den in der „Ornis Saxonica“ eingeschlagenen 
Wegen. Bei den nicht allgemein bezw. den sporadisch im Ge- 
biet verbreiteten Brutvögeln strebte ich eine schärfere 
Darstellung ihrer B r u t g e b i e t e an, die namentlich 
bei einzelnen derjenigen Arten, welche ihre Ansprüche an die 
Landschaftsausprägungen gewisser Höhenstufen in sichtbarer 
Weise betonen, zu dem Versuche führte, vertikale „Verbreitungs- 
linien“ zu entwerfen. Immer gab ich in solchen oder ähn- 
lichen Fällen einer Auflösung des Gebiets in geographisch be- 
gründete Einzelteile (z. B. Lausitzer Niederung, Leipziger Bucht, 
Erzgebirgisches Becken usw.) den Vorzug vor einer Gruppierung 
der Fundorte nach politischen Bezirken (Amts- und Kreishaupt- 
mannschaften). Bei Wasservögeln wurde eine solche Gruppierung 
auch nach Flufsgebieten vorgenommen und teilweise sogar lieber 
zur Bildung behelfsmäfsiger Gebietsabgrenzungen (z. B. Elbe- 
Röder-Abschnitt) geschritten als zu der Abtrennung nach poli- 
tischen Begriffen zurückgekehrt. Von diesem Verfahren versprach 
ich mir neben nicht minder leichter Orientierung den Vorteil, 
dafs dem Leser damit die Beziehung der Vogelver- 
breitung zu L a n d s c h a f t s a u s d r u c k und geolo- 
gischem Aufbau und zu der in beider Gefolgschaft 
stehenden Pflanzenbedeckung ohne viele Worte näher 
gebracht werde. Noch zweckmäfsiger würde die kartographische 
Wiedergabe der einzelnen Verbreitungsgebiete („Brutareale“) sein, 
doch ^bezweifle ich die Durchführungsmöglichkeit einer solchen 
in der gegenwärtigen Zeit. Später gedenke ich noch umfassender 
auf die ökologische Seite der Verbreitung unserer sächsichen 
Brutvögel zurückzukommen. 

Wo der Inhalt der „Ornis Saxonica“ Veranlassung zur 
Kritik gegeben hat, bin ich bemüht gewesen, Aenderungen platz- 
greifen zu lassen. So habe ich z. B. durchgängig jeder Angabe 
im besonderen Teile dieser Arbeit die Belegstelle nach ihrer 
Nummer im Schriftenverzeichnis bezw. den Namen des Gewährs- 
mannes angefügt. Das Schrifttum der Zeit vor 1800, das ich 
nicht etwa deshalb unbeachtet liefs, weil es mir unbekannt war 
oder mir ein solches Verhalten „bequemer“ schien, habe ich 
diesmal insofern herangezogen, als ich ihm einige bestimmte An- 
gaben entnahm, die Belegstellen aber nur zitierte und nicht im 
Literaturverzeichnis aufführte. Eine allgemeine Einbeziehung 
jener alten Unterlagen hätte eine Menge kritischer Bemerkungen 
erfordert, wesentliche Beiträge mit Ausnahme der eben erwähnten 
Angaben aber kaum geliefert. Einen Wechsel erfährt auch die 
Benamung der hier verzeichneten Vogelarten, indem ich dies- 


I 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


3 


mal die Nomenklatur nach Harfcert, Die Vögel der paläarktischen 
Fauna bezw. nach der Hand-List of British Birds wählte, in 
einigen Fällen auch anderen Systematikern folgte. Doch 
ist in jedem Falle durch die dem Namen vorangesetzte Nummer 
aus meinem ersten Beitrag auch dem Fernersteheuden jedwede 
durch den Wechsel entstandene Schwierigkeit aus dem Wege ge- 
räumt und deshalb auch die bisherige ßeibenfolge nach Reiche- 
nows Kennzeichen von 1902 nochmals beibehalten worden. 

Irreführende Druckfehler in der Ornis Saxonica sind im 
besonderen Teile bei jeder Art, im Schriftenverzeichnis am 
Eingang berichtigt worden. 


Trotz des verhältnismäfsig kleinen Untersuchungsgebietes 
bleibt faunistisch noch unendlich viel zu tun übrig. Die nach- 
stehend niedergelegten Ergebnisse und die ihnen auch späterhin 
folgenden periodischen Zusammenfassungen wollen selbstredend 
nur als Etappen auf dem Weiterweg betrachtet sein. Zu meiner 
Befriedigung konnte ich mich wieder der Unterstützung durch 
eine Reihe bewährter Vogelkenner erfreuen, denen ich auch hier 
meinen herzlichsten Dank abstatte. Es sind dies vor allem 
folgende Herren: 

A. Bär, Präparator, Oederan ; 

Dr. V. C 0 1 d i t z , Studienrat, Rochlitz ; 

O. Henker, Assistent an der Städt. Naturwissenschaft!. 
Sammlung in Chemnitz; 

H. Hildebrandt, Domänenkassierer, Altenburg; 

M. Kästner, Seminar-Oberlehrer, Frankenberg; 

J. Keller, Dentist, Chemnitz ; 

P. Köhler, Oberlehrer, Grüna; 

fH. Mayhoff, cand. phil., Dresden; 

M. Nestler, Lehrer, Leipzig ; 

A. Rechenberger, Lehrer, Annaberg ; 

P. S a 1 V e t e r , Totenbettmeister, Waldheim ; 

Dr. E. Stresemann, München; 

F. Türk, Limbach; 

Dr. A. Voigt, Studienrat Professor, Leipzig; 

P. Weifsmantel, Lehrer, Grüngräbchen bei Schwepnitz; 

Dr. W. Z u m p e , Rittergut Munzig bei Miltitz. 

Literarische Hilfe verdanke ich besonders den Herren: 

H. S c h a 1 0 w , Professor, Berlin-Grunewald ; 

R. Zimmermann, Schriftsteller, Dresden. 

Einen nicht zu unterschätzenden Nutzen zog ich aus der 
Bekanntschaft mit zwei aus Liebhaberei zusammengebrachten 
Privatsammlungen, die zahlreiche Vögel sächsischer Herkunft 
enthalten : ln Limbach die Sammlung des Herrn Rob. Berghähnel, 
die hauptsächlich Jagdtrophäen von den nahegelegenen Teichen 
enthält, und in Waldheim die Salvetersche Kollektion, die zu 

1 * 


4 


Bich. Heyden 


einem grofsen Teile aus Vögeln der dortigen Gegend besteht. 
Leider vermochte es der als Sonderling bekannte Besitzer der 
ersteren nicht über sich zu bringen, mir die Tür des im Halb- 
dunkel des Flurs stehenden Sammlungsschrankes zu öffnen (!), 
sodafs die genauere Bestimmung einiger ungünstig stehenden 
Präparate (so einer Raubmöwe, eines Seetauchers usw.) unter- 
bleiben mufste. Interessant ist gewifs, dafs der Ursprung beider 
Sammlungen indirekt auf Ornithologen von Klang und Namen 
zurückzuführen ist. Der Ausstopfer Berghähnels namens Bach- 
mann lernte die Kunst des Präparierens von Chr. Ludw, Brehms 
zweitem Sohne Oskar, der einige Zeit in Limbach als Provisor 
an der dortigen Apotheke tätig war und später bekanntlich im 
Nil ertrank. Und der Besitzer der anderen Sammlung, Herr 
Salveter, stammt aus Stolp in Pommern und lernte als Knabe 
dort die grofse Vogelsammlung Eugen Ferdinand von Homeyers 
kennen, die auf ihn einen so nachhaltigen Eindruck machte, 
dafs er sich ebenfalls eine anzulegen beschlofs, die er auf eine 
für seine Verhältnisse jedenfalls beachtenswerte Höhe brachte. 
Es entbehrt nicht des Reizes, diese feinen, die Gegenwart mit 
der Vergangenheit verknüpfenden Fäden blofszulegen. — 

Zuletzt noch einige Mitteilungen, die als Nachträge zu dem 
Abschnitt über die geschichtliche Entwickelung der Vogelkunde 
in Sachsen betrachtet werden können. Die literarischen Er- 
scheinungen brauche ich hier nicht zu berühren; sie gehen aus 
dem nächsten Abschnitt hervor, und ihr Inhalt ist, soweit es ihre 
Bedeutung erforderte und der Raum zuliefs, im übernächsten 
benutzt. Es bleibt mir lediglich die traurige Pflicht, derer zu 
gedenken, die während der Berichtszeit aus den Reihen der 
Lebenden geschieden sind. Als Opfer der Krieges fielen von 
Vogelkundigen, die mit Arbeiten über Sachsen hervorgetreten 
sind, Realschullehrer Hugo Oskar Grimm (Leipzig) Anfang 
November 1914 an der Westfront, Landgerichtsrat Dr. Mus- 
hacke (Freiberg) im Januar 1915 auf den Höhen von Craonne; 
1917 starb an einer Schwerverwundung Lehrer J. W. Stolz 
(Trachenberg in Schlesien). Am 20. II. 1916 verschied in 
Rochlitz, wo er am Lehrerseminar wirkte, Professor Ernst Max 
Höpfner. Er war am 18. VI. 1854 in Grubnitz bei Riesa 
geboren, studierte, nachdem er sich in Dresden darauf vorbe- 
reitete, an der Universität Leipzig, wurde 1879 Oberlehrer am 
Seminar zu Grimma und kam 1895 in gleicher Eigenschaft nach 
Rochlitz. Als Ornitholog trat er besonders hervor als einer der 
eifrigsten und zuverlässigsten Berichterstatter für Meyer und 
Helms Jahresberichte. Er war der erste wirkliche Vogelkundige, 
der meinen Weg kreuzte. Seine Anregung und Anleitung, Se 
ich dann geniefsen durfte, wirkten auf mich un verlösch bar ein- 
drucksvoll und verpflichten mich zum Dank über sein Grab hin- 
aus. Am 11. VII. 1917 ist mit Hugo May ho ff ein vielver- 
sprechender und hochbegabter Vogelkenner in der Blüte der 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


5 


Jahre dahingegangen. Eine vorzügliche zeichnerische Begabung 
gewährte ihm vor allem das rasche Erfassen der für die Freibe- 
obachtung wichtigen Kennzeichen und befähigte ihn so in hohem 
Mafse zum Feldornithologen. Freundeshand hat ihm bereits 
Worte des Gedenkens gewidmet. Mit Recht wird dort auf die 
grofse Bedeutung seiner Arbeiten für die sächsische Faunistik 
hingewiesen, die durch ihn eine ungewöhnliche Förderung er- 
fahren hat. Soweit der Inhalt seiner peinlich genau geführten 
Tagebücher nicht schon veröffentlicht ist, habe ich ihn — mit 
gütiger Erlaubnis der ^Mutter — meinen Aufgaben dienstbar ge- 
macht und ihm das für meine Zwecke Wichtigste entnommen. 
Besonders Dank schulde ich dem Verstorbenen für die Bereit- 
willigkeit, mit der er in meiner Abwesenheit einen Teil des 
Druckes der Ornis Saxonica überwachte und da und dort noch 
nachträglich Nachprüfungen vornahm. Das Schicksal hat uns 
ein Wiedersehen versagt; ich werde seiner jederzeit mit Dankbar- 
keit gedenken. - — - 

Eine Berichtigung am Inhalt des ersten Abschnitts 
der Ornis Saxonica auf p. 167 macht sich insofern nötig, als es 
nicht der Kantor Lange in Hirschfelde war, der bei Bechstein 
eine Studienzeit in Dreifsigacker verlebte, sondern sein Sohn Gott- 
helf, der nachmalige „Revierjägeradjunkt“ und spätere Kämmerei- 
verwalter und Stadtrat in Zittau. 


Berichtigungen und Nachträge zum Schriftenverzeichnis. 

Die nachstehend unter Fortsetzung der laufenden Nummer 
verzeichneten Schriften sind wieder nach denselben Grundsätzen 
ausgewählt und zusammengestellt, die mich im ersten Beitrag 
leiteten. Eine Neuerung führte ich ein, indem ich denjenigen 
Arbeiten, deren Titel Bemerkungen über die Vogelfauna Sachsens 
nicht erwarten läfst, knappe Inhaltsangaben und die in Frage 
kommenden Seitenzahlen angliederte. Bis auf die Nummern 
42, 43, 63, 68 und 264 habe ich alle Arbeiten entweder einge- 
, sehen oder mir — es sind dies nur wenige Fälle — von ge- 
wissenhafter Seite Abschriften bezw. Auszüge machen lassen. 

üeber die Literatur aus der Zeit vor 1800 vergleiche man 
das im vorigen Abschnitt Gesagte; ich habe mich unter Hinblick 
auf den Druckraum nicht entschliefsen können, sie hier zu be- 
rücksichtigen, obschon man das vom bibliographischen Standpunkt 
aus zu fordern berechtigt ist. 

Berichtigungen: Lies p. 183 unter Nr. 158 statt 
„60. Jg.“ 59. Jg., 


Verhandlungen der Orn. Gesellschaft. Bayern Bd. XIII (1918) 

p. 860—862. 


6 Rieh. Hey der: | 

■ß. 

p. 185 unter Nr. 205 statt „16. Jg. (1908)“ 17. Jg. (1909), I 

p. 190 unter Nr. 307 statt „(1914/05)“ (1904/05), | 

p. 191 unter Nr. 323 statt „Naturh.“ Naturk., 1 

p. 191 unter Nr. 327 statt „(1907/08)“ 1903/04, 

p. 194 unter Nr. 391 statt „29. Jg. (1904)“ 30. Jg. (1905), 

p. 195 unter Nr. 410 statt „Frohberg“ Frohburg. j 

Nachtrag. I 

416. Bäfsler, F. A., Die Gartenammer. Mitteil. ü. d. Vogel- j 
weit 19. Jg. (1920) p. 78. 

417. Beck, [Notizen aus der Sächsischen Schweiz.] Sitzungs- 1 

ber. d. Naturforsch. Gesellschaft Leipzig 19.— 21. Jg. s 
1892—94 (1895) p. 10—11. ] 

418. Brehm, [L.] Schilderung mehrerer Ausflüge nach Brinnis ■ 
bey Delitzsch, 4 Stunden von Leipzig, in zoologischer, vor- J 
züglich ornithologischer Hinsicht. Isis (von Oken) Heft 1 
(1841) p. 39—67, Heft 2 p. 121—157, Heft 3, p. 200-218, 
Heft 4 p. 293—309, Heft 6 (1842) p. 409-435, Heft 7 

p. 488-516, Heft 8 p. 566—590, Heft 9, p. 647-681, 1 

Heft 10 p. 752-783. ^ 

419. — üeber den Aufenthalt und Zug der Vögel vom 15. Mai J 

1846 bis zum 17. März 1847. Allgem. deutsche Natur- 1 
histor. Zeitung 2. Jg. (1847) p. 149 — 159. ^ 

420. Brehm, 0., Naturbistorische Wanderung durch einen 

Teil des Harzes im Monat August 1846. Ebenda 2. Jg. 
(1847) p. 104—115. I 

Erwähnung auch einiger sächsischen Beobachtungen. 1 

421. Gaetke, H., Geschwindigkeit und Höhe des Zugfluges. ^ 

Aquila 1. Jg. (1894) p. 132-134. % 

422. Gen gier, J., Emheriea cUrinella c? ad. Ein Versuch, I 
den Goldammer nach der Färbung gewisser Gefieder- I 
Partien in geographische Gruppen einzuteilen. Journ. f. j 
O rn. 55. Jg. (1907) p. 249—282 m. 2 Tafeln. 

423. G e r 1 a c h , R., Von der Singdrossel. Orn. Monatsschr. I 

45. Jg. (1920) p. 154. I 

424. Grofse, H., [Tannenheherzug]. Monatsschr. d. Deutsch. | 

Ver. z. Schutze d. Vogelwelt 12. Jg. (1887) p. 79. J 

425. — [Steppenhühner]. Ebenda 13. Jg. (1888) p. 170—171. | 

426. — [Steppenhühner]. Ebenda 13. Jg. (1888) p. 171 — 172. | 

427. Hagen, W., Zur Biologie und Faunistik von Totanus 1 

fuscus L. Orn. Monatsber. 21. Jg. (1913) p. 17—22. | 

428. Hantzsch, B., Beitrag zur Charakteristik und Lebens- | 

weise unserer Reiher, e. Die kleine Rohrdommel {Ärdetta | 
minuta [L.]), f. Die grofse Rohrdommel {JBotaurus stellaris | 
[L ]). Orn. Monatsschr. 27. Jg. (1902) p. 417—420. I 

429. Heller, F., [Beobachtungen im oberen Vogtland]. | 

Ebenda 43. Jg. (1918) p. 160. | 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


7 


430. Heller, F., [Abzug der Turmschwalben 1918.1 Ebenda 

44. Jg. (1919) p, 191 192. 

431. “ Ornithologische Beobachtungen auf kleinem Gebiet. 
Ebenda 45. Jg. (1920) p. 177-184. 

432. Helm, F.,' Ornithologische Beobachtungen an den Berg- 
werksteichen von Grolshartmannsdorf und Berthelsdorf bei 
Freiberg. Journ. f. Orn. 64. Jg. (1916) p. 252 — 267. 

433. Henze, A., Land für Vogelschutz bei Dresden. Orn. 
Monatsschr. 45. Jg. (1920) p. 115—118. 

434. Hesse, E., [Ansammlungen von Grauammern zur Brut- 
zeit] Orn. Monatsber. 22 Jg. (1914) p. 166. 

435. — Einige bemerkenswerte Belegstücke der deutschen Ornis 
im Königl. Zoolog. Museum Berlin. Journ. f. Orn 63. Jg. 
(1915) p. 569-603 [593, 599]. 

436. — Von Jagdfalk und Alpen-Lämmergeier im Zoolog. Mu- 
seum der Universität Leipzig. Ebenda 65. Jg. II. Band 
(Reichenow» Festschrift) (1917) p. 112—115. 

437. — Feldlerche ein Nestjunges forttragend. Orn. Monatsber. 
25. Jg. (1917) p. 143—144. 

438. — Wieder ein trommelnder Grünspecht Ebenda 26. Jg. 
(1918) p. 113—115. 

439. — Das Vorkommen der Schwanzmeisen bei Leipzig im 
Winter. Ebenda 26. Jg. (1918) p. 115—117. 

440. — Zur Ornis des Leipziger Gebietes. Journ. f. Orn. 67. Jg. 
(1919) p. 392— 430. 

441. — Lausfliege von Sitta. Orn. Monatsber. 28. Jg. (1920) 
p. 38—39. 

442. — Gewöllinhalt eines Bruchwasserläufers {Totanus glare- 
ola L.). Ebenda 28. Jg. (1920) p. 54-55. 

443. — Ergänzungen zu: R. Schlegel, Aufzeichnungen über das 
Vorkommen unserer Drosselarten im Leipziger Flachland- 
gebiete usw. Journ, f. Orn. 68. Jg. (1920) p. 388—389. 

444. — üeber Vorkommen zweier seltenen Ammerarten in 
Mitteldeutschland. Ebenda 68. Jg. (1920) p. 393 — 396. 

445. H e y d e r , R , Einige Bemerkungen über das vermeintliche 
Brüten der Reiherente bei Frohburg in Sachsen. Orn. 
Monatsber. 23. Jg. (1915) p. 70 — 71. 

446. — Ornis Saxonica. Ein Beitrag zur Kenntnis der Vogel- 
welt des Königreichs Sachsen. Journ. f. Orn. 64. Jg. 
(1916) p. 165—228, 277-324, 429-488. 

447. — Neuere Beobachtungen an Weidenmeise und Schlag- 
schwirl in Sachsen. Orn. Monatsber. 27. Jg. (1919) p. 31 — 32. 

448. — Einige Gedanken über die Zunahme der Wachtel. Orn. 
Monatsschr. 44. Jg. (1919) p. 60—62. 

449. — Ueber Massenzüge und Zugstrafsen von Kranich und 
Saatgans in Sachsen. Orn. Monatsber. 27. Jg. (1920) 
p. 79—81. 


8 


Bich. Heyder: 


460. Heyder, R., Bemerkungen über das Vorkommen von 
Bart- und Uralkauz in der sächsichen Oberlausitz. Ebenda 
29. Jg. (1921) p. 81-84. 

— siehe auch unter Stresemann, E. und H e y d e r , R. 

451. Hildebrandt, H., Beitrag zur Ornis Ostthüringens. 
Mitteil, aus dem Osterlande 35. (N. F. 16.) Band (Fest- 
schrift z. Feier d. hundertjähr. Bestehens d. Naturforsch. 
Gesellsch. d. Osterlandes). (1919) p. 289 — 371. 

452. Hoffmann, B., Beitrag zur Kenntnis von Certhia fami- 
liaris L. = C. macrodactyla Brehm. Orn. Monatsschr. 

41. Jg. (1916) p. 82-87. 

453. — Zum Gesang der beiden Goldhähnchen (Begulus regulusL. 
und Regulus ignicapillus Tem.). Ebenda 41. Jg. (1916) 
p. 273—277. 

454. — Der harte Winter 1916/17 und unsere Vogelwelt. Ebenda 

42. Jg. (1917) p. 254—257. 

455. — Weifsflügelige Seeschwalben (Eydrochelidon leucoptera 
[Schinz]) am Dippelsdorfer Teich in Sachsen. Orn. Monats- 
ber. 25. Jg. (1917) p. 147—148. 

456. — Einige Bemerkungen und Ergänzungen zu Heyders 
„Ornis Saxonica.“ Journ. f. Orn. 66. Jg. (1918) p. 317—324. 

457. — Musikalischer Wettstreit zweier eifersüchtiger Kuckucke. 
Orn. Monatsschr. 43. Jg. (1918) p. 245—247. 

458. — Vom Vogelleben im binterpommerschen Küstengebiet. 
Verhandl. Orn. Gesellsch. Bayern Band XIV (1919) p. 89— 102. 

Erwähnt p. 92 eine üferschwalbensiedelung bei Zschorna 
in Sachsen. 

459. — Ein interessanter Fall von Schulung eines jüngeren 
Raubvogels im Fangen der Beute. Orn. Monatsschr. 45. Jg. 
(1920) p. 50—53. 

460. J a c 0 b i , A., Weiteres Vorkommen von Aquila clanga 
Pall, in Sachsen. Orn. Monatsber. 23. Jg. (1915) p. 125. 

461. Kabitzsch, E., [Steppenhühner.] Monatsschr. d. Deutsch. 
Ver. z. Schutze d. Vogelwelt 13. Jg. (1888) p. 171. 

462. Kees, W., Einiges über den Turmfalken. Orn. Monats- 
schr. 45. Jg. (1920) p. 207—208 m. Textbild. 

463. Kleinschmidt, 0., Berajah, Zoogeographia infinita. 
Erithacus Domesticus, [Bastard von Haus- und Baumrot- 
schwanz] p. 6 Tafel VII (1908). 

464. — Ebenda Realgattung Falco Peregrinus p. 8 Fufsnotö 
(1914). 

465. Klengel, A., Hat der Krieg Einflufs auf das Wandern 
der Vögel? Orn. Monatsschr. 40. Jg. (1915) p. 315—316. 

466. — Kuckucke mit fehlerhaftem Ruf. Ebenda 42. Jg. (1917) 
p. 179. 

467. — Störche und Storchnester im östlichen Sachsen. Mitteil. 
Landesverein Sächs. Heimatschutz Band VI (1917) p. 99—112 
mit 6 Textbildern u. 1 Karte. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. d 

468. Klengel, A., Unsere sächsichen Störche und Storch- 
nester. Ebenda Band VII (1918) p. 34—46 nait 5 Text- 
hildern. 

469. — Stare und Mufflons. Orn. Monatsschr. 42. Jg. (1917) 
p. 293-294. 

470. — Der Wechsel im Bestände der Wachtel. Ebenda 43. Jg. 
(1918) p. 172--177. 

471. — Einige strittige Punkte in der Storchforschung. Ebenda 
44. Jg. (1919) p. 161—168 m. 1 Karte. 

472. Köhler, P., Eydrochelidon leucoptera in Sachsen. Ebenda 
44. Jg. (1919) p. 223- 224. 

473. Kollihay, P., Die Vögel der Preufsischen Provinz 
Schlesien. Breslau 1906. 

Enthält p. 106, 107, 153, 154, 179, 187, 262, 269, 345 
Hinweise auf sächsische Vorkommen. 

474. Kramer, H., Besetzte Storchnester in der sächsischen 
Oberlausitz im Jahre 1913. Mitteil. d. Naturw. Gesellsch. 
in Zittau. Zittau 1916. p. 95—104. 

— siehe auch unter Üttendörfer, 0., und Kramer, H. 

475. Krezschmar, C., Später Abzug unserer Zugvögel. 
Orn. Monatsschr. 40. Jg. (1915) p. 314—315. 

476. — Sommerausflug in den Wermsdorfer Forst. Ebenda 
43. Jg. (1918) p. 227—231. 

477. — Kreuzschnäbel inmitten der Grofsstadt. Ebenda 43. Jg. 
(1918) p. 247-248. 

478. Krezschmar, J. G., Beitrag zu einem systematischen 
Verzeichnifs der Oberlausitzischen Vögel. (1823) 29 pp. 
Mskr. im Archiv d. Oberlaus. Gesellsch. d. Wissenschaften: 

III. B. 40. 

479. Krüfs, P., Berichte über die Vogelberingungsversuche in 
den Jahren 1913—1916 und über den Vogelzug auf Hel- 
goland in den Jahren 1914—1917. Journ. f. Orn. 66. Jg. 
(1918) Sonderheft. 

Sachsen betreffende Funde siehe p. 35 und 37. 

480. Kümmler, A., Durchziehende Seidenschwänze in 
Gartenanlagen Dresdens. Orn. Monatsschr. 41. Jg. (1916) 
p. 222—223. 

481. Kurelia, H., Die Stimmlaute der Sumpfmeisen. Falco 
6. Jg. (1910) p. 10-12. 

482. Lange, A., Kückgang des Wachtelvorkommens. Orn. 
Monatsschr. 45. Jg. (1920) p. 57. 

483. Langerhans, Die Selbstdomestizierung der Singvögel. 
Ebenda 29. Jg. (1904) p. 464—466. 

484. L i n d n e r , C., Reminiscenzen an eine ornithologische 
Reise durch Oesterreich-Ungarn und Bosnien im Jahre 1902. 
Ebenda 28. Jg. (1903) p. 209—223. 

Erwähnt p. 222/223 eine Wanderfalkenfamilie in der 
Gegend der „Bastei“ (Sächs. Schweiz). 


10 


Eich. Heyder: ;?! 

485. L i n d n e r , C , Ein Beitrag zur Biologie des Steinsperlings '1 

{Fetronia petronia L.). Ebenda 31. Jg. (1906) p. 46—65, S 
105-121, Tafel VI. | 

Auf der beigegebenen Bunttafel (gez. von Geisler) ein^ J 
„altes Männchen aus Sachsen“ dargestellt (Vergleiche hier- 1 
zu Nr. 207). j 

486. — Etwas von den Staren. Ebenda 39. Jg. (1914) p. 550. 

487. Mayhoff, H., Seeadler auf dem Herbstdurchzug im 
sächsischen Elbtal. Orn. Monatsber, 24. Jg. (1916) p. 43—44'. 

488. — Nachtrag zu Heyder, Ornis Saxonica. Journ. f. Orn. 

64. Jg. (1916) p. 488. ! 

489. — Ungewöhnlich später Kuckucksruf. Orn. Monatsschr. j 
41. Jg. (1916) p. 404« 405. 

490. — Zum Schwingengeräusch der Schellente (Claucionetta c. 
clangula L ). Verhandl. Orn. Gesellsch. Bayern Band XIII - 
(1918) p. 351—359. 

491. — und Schelcher, R., Beobachtungen im Gebiete der 
Moritzburger Teiche 1906—1914. Orn. Monatsschr. 40. Jg. 
(1915) p. 268—286, 289-306, 323—340, 364-379, 385—395 
m. 2 Tafeln. 

492. — [und Stresemann, E.] Von den Brutvögeln des 
Moritzburger Teichgebiets. Verhandl. Orn. Gesellsch. Bayern. 
Band XIV Sonderheft (1920) p. 3—63. 

493. N a u m a n n , J. F., üeber den Vogelzug, mit besonderer 
Hinsicht auf Helgoland. Rhea I. Band Heft 1 (1846) 

p. 18-26. 

494. Neumann, R., [üeberwinternde Stare.] Zoolog. Garten 

44. Jg. (1903) p. 233. J 

495. Nieselt, E., Das Mifsgeschick eines Schwarzplättchen- ' 

Pärchens. Orn. Monatsschr. 42. Jg, (1917) p. 84—85. ^ 

496. Nit sc he, H., [Kranich Brutvogel in Sachsen.] Sitzungs- 

ber. und Abhandl. der Naturwissensch. Gesellschaft Isis in 
Dresden Jg. 1902. Januar bis Juni (1902) p. 3. 1 

497. — [Kranich bei Hermsdörf erlegt] Ebenda Jg. 1901 
Januar bis Juni (1901) p. 4. 

498. P u d 0 r , V., Girlitz als Brutvogel in Hellerau bei Dresden. ^ 

Orn. Monatsschr. 45. Jg. (1920) p. 61. . 

499. Rechenberger, A., Ornithologiscbes aus Annabergs 

Umgebung. XII. Bericht über den Annaberg-Buchholzer 
Verein für Naturkunde 1904—1909 (1909) p. 67—80. ^ 

500. Reichenow, A., Nachtrag zur „Neuen Namenliste der 
Vögel Deutschlands“. Journ. f. Orn. 64. Jg. (1916) 

p. 611—612. j 

501. — [Bemerkungen über die in Sachsen brütenden Formen v 

von Sitta und Certhia.^ Ebenda 65. Jg. (1917) p. 228. 1 

— Ueber den fahlbäuchigen Kleiber. Orn. Monatsber. 

26, Jg. (1917) p. 55-57. ^ 


502 . 


Nachträge zar Ornis Saxonica. 


11 


503. Reichenow, A., Die Kennzeichen der Vögel Deutschlands. 
[1. Aufl] Neudamm 1902. Auf Sachsen bezügliche Hin- 
weise p. 77, 80, 99, 100. 

2. Auflage Neudamm 1920. 

Mitteilungen über unser Gebiet p. 65, 75, 81, 82, 85, 
94, 103, 104, 117, 121, 135. 

504. Rey, E., [Steppenhühner.] Monatsschr. d. Deutsch. Ver. 
z. Schutze d. Vogelwelt 13. Jg. (1888) p. 171. 

505. — [üeber ein Schwalbennest.] Orn. Monatsschr. 30. Jg. 
(1905) p. 552. 

506. Roch, H., Beobachtungen des Zugs der Vögel, der Vege- 
tation und der Witterung im Jahre 1855 Allgem. deutsche 
Naturhistor. Zeitung. N. F. 2. Bd. (1856) p. 151 — 154. 

507. Sachtleben, H., Zur Kenntnis der Wasserschmätzer. 
Verb. d. Orn. Gesellsch. in Bayern Band XIV (1919) 82—88. 
■— siehe auch Stresemann, E., und Sachtleben, H. 

508. Scbalow, H., lieber das Vorkommen von Sula bassana (L.) 
im deutschen Binnenlande. Orn. Monatsber. 23. Jg. (1915) 
p. 129-132. 

509. Schaufufs, W., [üeber Circaetos hrachydactylus] Sitzungs- 
ber. d. Naturforsch. Gesellsch. Isis Dresden Jg. 1861 (1862) 
p. 54—59. Abdruck: Schaufufs, W., Nunquom otiosus 
1. ßd. 1870/71 p. 233-240. 

510. Schelcher, R., Die Weidenmeise in Holstein und im 
sächsischen Erzgebirge. Verhandl. d. Orn. Gesellsch. in 
Bayern Band XIV (1919) p. 155. 

Schelcher, R., s. auch Mayhoff, H., u. Schelcher, R. 

51 L S c h 1 e g e 1, R., Ein 25 er Gelege von Euticilla phoenicura, 
Zeitschr. f. Ool. und Orn. 22. Jg. (1912) p. 89. 

512. — Ornithologische Beobachtungen aus dem mittelsäch- 
sischen Berg- und Hügellande. Orn. Monatsber. 24. Jg. 
(1916) p. 97-103. 

513. — Die Rohrsänger des Leipziger Flachlandsgebietes mit 
besonderer Berücksichtigung ihres Vorkommens in den 
Flufsgebieten der weifsen Elster, Pleifse, vereinigten und 
Zwickauer Mulde nach dem sächsischen Berglande und Erz- 
gebirge zu. Journ. f. Orn. 65. Jg. (1917) p. 169—181. 

514. — Aufzeichnungen über das Vorkommen der Sylvien im 
Leipziger Flachlandgebiete. Ebenda 66. Jg. (1918) p. 43—51. 

515. — VVie vollziehen die Spechte den Begattungsakt? Orn. 
Monatsber. 26, Jg. (1918) p. 42—43. 

516. — Einige bemerkenswerte Winterbeobachtungen aus dem 
mittelsächsischen Berg- und Hügellande. Ebenda 26. Jg. 
(1918) p. 67—71. 

517. — Ein Beitrag zur Ornis des westlichen Rufsland. Verhandl. 
d. Orn. Gesellsch. in Bayern. Band XIII (1918) p. 325—336. 

Verf. zieht vergleichsweise auch Kleider sächsischer 
Vögel heran. 


12 Rieh. Heyder; 

518. Schlegel, R., Zur Abwehr. Orn. Monatsber. 27. Jg. 
(1919) p. 14--15. 

519. — Kurze systematische VorbemerkuDgen zu einer in der 
„Z. f. 0. u. 0.“ erscheinenden Arbeit über die Eier der 
deutschen Baumläuferarten. Zeitschr. für Ool. u. Orn .24. Jg. 
(1919) p. 111-115, 25. Jg. (1920) p. 28. 

520. — Die sächsischen Spechtmeisen und Baumläufer. Ver- 
handl. d. Orn. Gesellsch. in Bayern. Band XIV (1920) 
p. 189—198. 

521. — Die früheren Saatkrähenkolonien Leipzigs und seiner 
Umgebung. Orn. Monatsschr. 45. Jg. (1920) p. 150 -154. 

522. — Wie man falsche Kuckuckseier als solche leicht be- 
stimmen kann. Zeitschr. f. Ool. u. Orn. 25. Jg. (1920) p 8—12. 

523. — Aufzeichnungen über das Vorkommen unserer Drossel- 
arten im Leipziger Flachlandgebiete, in Mittelsachen und 
im Erzgebirge. Journ. f. Orn. 68. Jg. (1920) p. 292—308. 

524. — Beobachtungen und Untersuchungen an sächsischen 
Schwanzmeisen, Aegithalos caudatus europacus (Herrn.). 
Verhandl. Orn. Gesellsch. Bayern XV (1921) p. 51 — 57. 

525. Schneider, K. M., Fulmarus glacialis in Sachsen. 
Journ. f Orn. 69. Jg. (1921) p. 41—45. 

526. Schreitmüller, W., Ueber das Vorkommen des 
Bienenfressers im Bielatale in Sachsen. Mitteil, über die 
Vogelwelt 19. Jg. (1920) p. 40. 

527. Simroth, H., Ueber eine merkwürdige Auswahl und 
Ausstattung der Niststätte bei der Kohlmeise. Monatsschr. 
d. deutschen Vereins z. Schutze der Vogelwelt 12. Jg. (1887) 
p. 362-363. 

528. Stolz, J. W., Zu der Arbeit „Ornithologisches aus den 
Grenzgebieten der sächsischen und preufsischen Oberlausitz“. 
Orn. Monatsschr, 39. Jg. (1914) p. 292—295. 

529. — Ornilhologische Nachlese aus der Oberlausitz. Abhandl. 
d. Naturforsch. Gesellsch, zu Görlitz 28. Bd. (1917) 
p. 163—250 mit 2 Karten. 

530. Stresemann, E., Ueber die europäischen Baumläufer. 
Verhandl. d. Orn. Gesellsch. in Bayern Band XIV (1919) 
p. 39—74 mit 1 Karte. 

531. — Ueber die Formen der Gruppe Aegithalos caudatus und 
ihre Kreuzungen. Beiträge zur Zoogeographie der paiä- 
arktischen Region. Heft 1 (1919) p. 1 — 24. 

532. — Ueber die europäischen (}impel. Ebenda Heft 1 (1919) 
p. 25—56 mit 1 Karte. 

533. — Avifauna Macedonica. München 1920. 

Zahlreiche Vergleiche mit sächsischen Vögeln p. 4, 88, 
100, 125, 144, 148, 183, 191, 200, 212, 221. 

534. — und Heyder, R., Zugbeobachtungen an Wasservögeln 
Mittelsachsens. Verhandl. d. Orn. Gesellsch. in Bayern 
Band XIV, Sonderheft (1920) p. 64—86. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. IS 

535. Stresemann, E., und Sachtleben, H., lieber die 
europäischen Mattkopfmeisen (Gruppe JBarus atricapillus). 
Ebenda Band XIV (1920) p. 228-269. 

-- siehe auch unter May ho ff, H. [und Strese- 
mann, E.] 

536. Thiene mann, F. Ä. L., Systemat. Darstellung der Fort- 
pflanzung der Vögel Europas. Leipzig 1825—1836 mit 
28 Tafeln. 

537. — Meine Schwalbe. Rhea 1. Bd. 1. Heft (1846) p. 98—103. 

538. — , G., Gröfsere und späte Durchzüge von Gimpeln. Orn. 
Monatsschr. 36. Jg. (1911) p. 188 — 189. 

539. — , J., Das häufige Vorkommen von Filarien in Lanius 
collurio. Orn. Monatsber. 10. Jg. (1902) p. 91 — 93. 

540. — IX. Jahresbericht (1909) der Vogelwarte Rossitten der 
Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. Journ. f. Orn. 
58. Jg. (1910) p. 531 — 676 [620]. 

541. — XL Jahresbericht (1911) der Vogelwarte Rossitten der 
Deutschen Oroithologischen Gesellschaft. Ebenda 60. Jg. 
(1912) Sonderheft p. 46. 

542. — XVI. Jahresbericht (1916) der Vogelwarte Rossitten der 
Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. Ebenda 65. Jg. 
(1917) p. 313-367 [331-332, 320—321, 348, 350] 

543. — XVII. Jahresbericht (1917) der Vogelwarte Rossitten 
der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. Ebenda 66. Jg. 
(191,8) p. 343-406 [366]. 

544. Tischler, F., Das Vorkommen der Reiherente {Nyroca 
fuligula) in Deutschland. Orn. Monatsschr. 41. Jg. (1916) 
p. 257—273 [Sachsen: p. 267—268]. 

545. — Das Vorkommen der Reiherente {JSyroca fuligula) in 
Deutschland. II. Nachtrag, Ebenda 43. Jg. (1918) p. 239 -245. 

546. — Inwieweit hat der Grauammer {Emherim calandra) als 
Zugvogel zu gelten? Journ. f. Orn. 66. Jg. (1918) 
p. 425-436. 

547. Türk, F., Vom Micropus apus. Orn. Monatsschr. 45. Jg. 
(1920) p. 223—224. 

548. Uechtritz, M. F. von, Beyträge zur Naturgeschichte der 
Oberlausitz. Isis (von Oken) 1. Band (1821) p. 278—291. 

549. Uttendörfer, 0., Unsere Beute an Raubvogeltaten im 
Jahre 1916. Orn. Monatsschr. 42. Jg. (1917) p. 249 — 253. 

550. — Verschiedene Beobachtungen bei Herrnhut. Ebenda 
44. Jg. (1919) p. 139-140. 

551. — und Kramer, H., Raubvogeltaten im Jahre 1917. 
Ebenda 43. Jg. (1918) p. 185 — 192. 

552. — Raubvogelrupfungen 1918. Ebenda 44. Jg. (1919) 
p. 133-137. 

553. — Raubvogeltaten im Jahre 1919. Ebenda 45. Jg. (1920) 
p. 209-213. 


14 Bich. Hejder t 

554. Voigt, A., Dorndreher und Vogelschutz. Ebenda 31. Jg. 
(1906) p. 14—16. 

555. — Ueberwinternde Girlitze im Leipziger Stadtgebiet. Ebenda 
41. Jg. (1916) p. 157—158. 

556. — Deutsches Vogelleben. Leipzig [II. Auflage] 1918. 

Enthält viele Mitteilungen über Sachsen. 

557. W e i g 0 1 d , H., II. Jahresbericht der Vogelwarte der Kgl. 
Biologischen Anstalt auf Helgoland 1910. Journ. f. Orn. 
59. Jg. (1911) Sonderheft p. 121, 123. 

558. Weise, A., Pflege und Schutz der Singvögel. Lusatia 
1. Jg. (1885) p. 35, 42—44. 

559. Wicht rieh, P., Der Leipziger Schlachtfeldgau als Winter- 
aufenthalt der Krähen. Sitzungsber. der Naturforsch. Ge- 
sellsch. zu Leipzig 38. Jg. (1911) p. 22—25. 

560. Zedlitz, 0. Graf, Die Avifauna des westlichen Pripjet- 
Sumpfes im Lichte der Forschung deutscher Ornithologen 
in den Jahren 1915—18. Journ. f. Orn. 68. Jg. (1920) 
p. 177-235, 350- 388, 69. Jg. (1921) p. 50-90, 269— 406, 
mit zwei Tafeln. 

Gelegentlich sind zu systematischen Untersuchungen auch 
sächsische Vögel herangezogen, so p. 231—234. 

561. Zimmermann, R., Ueber das angebliche Brüten der 
Reiherente auf den Frohburg-Eschefelder Teichen. Orn. 
Monatsber. 23. Jg. (1915) p. 10—11. 

562. — Tannenhäher und Seidenschwänze im Winter 1913/14 
im Königreich Sachsen. Ebenda 23. Jg. (1915) p. 22—23. 

563. — Eine weifse Fulica atra in Frohburg erlegt. Ebenda 
24. Jg. (1916) p. 183—184. 

564. — Bilder aus dem Vogelleben. Orn. Monatsschr. 41. Jg. 
(1916) p. 356-367 mit 2 Tafeln. 

565. — Auf Bahnschutzwache in Niederwartha. Ein Beitrag 
zur Ornis des Elbtales unterhalb Dresdens. Ebenda 44. Jg. 
(1919) p. 145-158. 

566. — Storch und Kreuzotter. Ebenda 45. Jg. (1920) p. 46—50 
mit 2 Karten. 

567. — Zur Höhenverbreitung der Vögel. Journ. f. Orn. 68. Jg. 
(1920) p. 344—350. 

568. — Tragen die Vögel ihre gefährdeten Jungen fort? Orn. 
Monatsber. 29. Jg. (1921) p. 9 — 12. 


Ergänzungen zu 

Verbreitung und Vorkommen der Vögel in Sachsen. 

Es liegt in der Natur besonders der faunistiseben Arbeiten, 
dafs sie in Einzelheiten oft schon zur Zeit ihrer VeröÖentlichung 
überholt sind, denn alle die Lücken zu schliefsen, die sich allein 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 15 

schon bei der Zusammenfassung des Stoffes ergeben, ist einem 
einzelnen selbst bei gröfster Hingabe nicht möglich. Aufserdem 
erleidet ja auch die Vogelfauna beständige Aenderungen. Es 
gilt deshalb, der Verbreitung der sächsischen Vogelwelt auch 
fernerhin Aufmerksamkeit zu widmen. Aus diesem Grunde ist 
mir jede Ergänzung der nachstehenden Bemerkungen im höchsten 
Mafse willkommen. — 

Wo die Nummern der in () angefügten Belegstellen noch 
eine römische Zahl aufweisen (z. B. 268/111) ist mit dieser ent- 
weder die Baud- resp. Jahrgangszahl, in einigen anderen Fällen 
auch die Auflagenummer gemeint. 

3. Colymbus a. arcticus L. 

Berichtigung: Lies p. 201 der Orn. Sax. unter dieser 
Art Zeile 12 von oben statt „auf dem“ am. 

Die neuerdings nachgewiesenen Polartaucher geben mir 
hinsichtlich ihres Auftretens zu besonderen Bemerkungen kaum 
Anlafs, denn ihre Fundzeiten fallen nicht aus den gewohnten 
Zugperioden Ende Oktober - Auf. Dezember und Mitte 
A p r i 1 - M a i heraus. Die von mir gewählte Bezeichnung als 
Wintergast gilt nur teilweise. Die Vögel befanden sich, soweit 
das festzustellen war, in der im Binnenland häufig auftretenden 
Tracht des Jugend- bezw. Winterkleides. 

Während des Frühjahrszuges beobachtete Schelcher (491) 
am 21. IV. 1914 einen auf dem Moritzburger Grofsteich. An- 
scheinend trug er trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit noch 
nicht das Hochzeitskleid, denn sein Beobachter erwähnt nur den 
grau gefärbten Scheitel und Nacken, nicht aber den dunklen 
Vorderhals, der doch mit seiner seitlichen Streifung gewifs nicht 
weniger auffällig gewesen wäre. Den gleichen Stand der Be- 
fiederung trug ein anderer, den ich selbst am 23. IV. 1919 auf 
der kleinen Talsperre bei Neunzehnhain (bei Lengefeld im Erz- 
gebirge) lange beobachten und mich mittels Prismenglases gut 
vom Fehlen einer dunklen Kehlfärbung und weifsen Rücken- 
zeichnung überzeugen konnte. Ein Seetaucher mit ebenfalls 
hellem Vorderhals (derselbe?) zeigte sich schon am 18. IV. 1919 
auf dem Grofshartmannsdorfer Grofsteich, doch konnte ich in- 
folge zu grofser Entfernung nicht über die Art klar werden, 
vermute aber doch arcticus in ihm. Aus dem gleichen Grunde 
mufs ich die Bestimmung eines am 28. X. 1913 auf demselben 
Gewässer beobachteten, vermutlich hierher gehörenden Seetauchers 
offen lassen. Ein Stück im Jugendkleid, etwa 8. XII. 1917 bei 
Falkenau (bei Flöha) erbeutet, sah ich beim Ausstopfer Bär. In 
Berghähnels Sammlung steht ein ebensolches von den Limbacher 
Teichen. 

4. Colymbus stellafus Pontopp. 

Standen die bisher für Sachsen bekannten Nordseetaucher, 
denen ein in Heids Sammlung (104) befindliches „cT Zittau, 


16 


Bich. Heyder: 

Herbst 1872 gefangen“ noch nachzutragen ist, alle, soweit die 
Literatur dahingehend Auskunft gibt, im schlichten Herbstkleide, |i 
so kann ich heute die erste Mitteilung über das Vorkommen 9 
eines solchen im Hochzeitskleid machen: Salveter teilte mir ^ 
mündl. mit, dafs im Dezember 1914 ein Stück mit roter Kehle 1 
auf der Zschopau bei Waldheim erbeutet wurde, das er selbst | 
sehen, aber nicht erwerben konnte. Aufserdem kamen natürlich. | 
noch weitere, im Jugend- bezw. Winterkleid steckende Exemplare 3 
zur Festellung, darunter bemerkenswerterweise auch eins i m Jt 
Frühjahr, das Mayhoff (534) am 25. IV. 1915 auf der Elbe | 
bei Wildberg beobachtete, ferner je ein Junger, Ende der | 
neunziger Jahre vor. Jahrhunderts bei Dittmannsdorf (bei | 
Zschopau) erbeutet, jetzt im Chemnitzer Museum (Henker briefl.), | 
einer bei Frankenberg gefangen, in der Sammlung des dortigen | 
Lehrerseminars (Kästner mündl.) und ein weiterer verletzt bei l 
Grüna (bei Chemnitz) gefunden, in der Grünaer Schule (Köhler J 
mündl.). Endlich sei noch erwähnt, dafs Mayhoff (534) am | 
13. X. 1915 auf der Talsperre bei Malter einen Seetaucher | 
beobachtete, den er (nach briefl. Mitteilung) zu dieser Art zu I 
stellen geneigt war. | 

Der Durchzug dieser Art tritt also, wie noch kurz zu- | 
sammengefafst sei, nur im Herbste schärfer in Erscheinung und I 
umspannt die Zeit der Monate Oktober bis Dezember. ^ 
Der Frühlingszug ist bisher nur durch eine Beobachtung (534) | 
belegt. ^ I 

5. Fodiceps c. cristatus (L.). j 

Die von mir angegebene Aufenthaltsdauer mufs, wenn sie | 
auch im allgemeinen zutrifft, für Ausnahmefälle dahin erweitert j 
werden, dafs zuweilen einzelne Haubentaucher im Herbste bis ^ 
Dezember (34), andere schon wieder im Februar (268/IlI,/IV, ^ 
13, 534), namentlich auf den gröfseren Flüssen, anzutreffen sind, j 
Ausgesprochene Ueberwinterung ist mir nicht vorgekommen und i 
bei der verhältnismälsig geringen Gröfse unserer Gewässer auch j 
kaum zu erwarten. ; 

8. Fodiceps n. nigricollis B r e h m. ^ 

Schwarzhalstaucher beobachtete ich 1918 schon zu unge- ^ 
wohnlich früher Zeit, am 17. III., auf dem Frohburger Ziegel- ^ 
teich, wo auch am 31. X. 1917, also ziemlich spät, vermauserte ^ 
Vögel noch in Menge vertreten waren. - i 

Den Mitteilungen über das Brüten dieses Tauchers sei j 
angefügt, dafs schon F. A. L. Thienemann (536) sein Nest aus i 
der Leipziger und Dresdener Umgegend und der Lausitz erhielt. , 
Bei Moritzburg, woher er durch Helm (111, 124) vom Dippels- 
dorfer Teich bekannt war, brütete er nach Mayhoff (492) in " 
neuerer Zeit auf folgenden Teichen aufserdem schon genannten: ^ 
Grofsteich, Oberer und Niederer Waldteich, Schlofs-, Frauen- und I 


Nachträge zur Örnis Saxonica. 17 

Köckritzteich, Niederauer Neuteich und lehrte durch die Ver- 
teiluDg seines Bestandes die Gebundenheit der Art an ausge- 
dehnte Dickichte von Typha angustifolia, Acorus calamus, Scirpus 
lacuster, Sparganium ramosum“. 6. VI. 1919 sah ich einen 
solchen Taucher auch auf dem Bauernteich bei Moritzburg. Da- 
gegen vermifste ich ihn auf allen von mir besuchten — mehr als 
vierzig — Teichen der westlichen Lausitz zwischen Schönfeld- 
Zschorna im Westen und Weifsig im Osten. Für die weiter im 
östlich gelegenen Teile der Lausitz ist er mehrfach (2, 99, 268/1, 
230, 376) brütend nachgewiesen, wie schon (446) näher ange- 
geben wurde. Nachzutragen bleibt hierzu, dafs nach Hager (268/111) 
15. V. 1888 ein nistendes Pärchen auf dem Oberoderwitzer Teich 
erlegt wurde. Im Gebiet der Vereinigten Mulde beobachtete 
ihn Höpfner (268/X) zur Brutzeit, am 3. VI. 1894, in einem 
Paare auf den Püchauer Teichen (bei Wurzen), Voigt (384) 
zuweilen in derselben Gegend auf den Teichen um Machern. 
Hülsmann (198) kannte ihn für diese Gebiete nur als Gast, ver- 
merkt aber ein ähnlich frühes Beobachtungsdatum wie oben 
(15. III.). Auf dem Grofsteich bei Grofshartmannsdorf, dem 
wahrscheinlich höchsten Brutplatz, brütete er recht unregelmäfsig. 
Er bewohnte ihn zur Brutzeit 1910 (432), 1912, 1913, 1919 und 
1920. brachte aber Nachkommenschaft nachweislich nur 1912, 
1919 und 1920 auf. Helm (432) beobachtetete 1 St. am 19. VI. 
1910 auch auf dem Helbigsdorfer Grofsteich, 2 km südöstl. vom 
vorigen gelegen, sodafs auch hier sein zeitweiliges Brüten möglich 
erscheint. Regelmäfsig ist es aber keineswegs, da mir die Art 
dann wohl kaum entgangen wäre. 

Fulmarus g. glacialis (L.). 

Nach Schneider (525) wurde in der Nacht vom 5. zum 
6. X. 1919 bei Wurzen ein volkommen ausgefärbter weiblicher 
Eissturmvogel gefanj;en und einige Tage später lebend im Zoolog. 
Garten zu Leipzig eingeliefert, wo er verendete. Der Balg be- 
findet sich in Schlegels Sammlung. 

Der Eissturmvogel ist durch dieses Vorkommnis nicht nur 
neu für Sachsen, sondern anscheinend auch für das innere 
Deutschland überhaupt nachgewiesen, da seine seitherige Fest- 
stellung nur im Nordsee- und (selten) im Ostseelitorale erfolgte. 

14. Larus a. argentatus Pontopp. 

Meine Mitteilungen über das Erbeuten dieser Art bei 
Höckendorf und Stollberg (268/III) sind fragwürdig, denn Meyer 
und Helm (268/Vl) bezweifelten schon die Richtigkeit derselben. 

Behms (12) versichert ein cf der Silbermöwe aus Zittau 
bekommen zu haben. Berge (25) beobachtete im Okt. 1898 am 
Zwickauer Schwanteiche 2 Möwen, die er als Silbermöwen im 
Jugendkieide ansprach. Mayhoff (534) notierte am 19. XI. 1915 
2 über der Elbe bei Blasewitz im Winterkleid. 

Jonzn. f. Oxn. LXX. Jahrg. Januar 1922. 


2 


18 


Rieh. Heyder; 


15. Larus f, fuscus L. 

Ein wichtiges Belegstück der Heringsmöwe vergafs ich auf- 
zuführen, ein junges Stück, nach J. Thienemann (541) am 24. X. 
1911 in Rossitten beringt und am 25. XI. 1911 im Revier Leub- 
nitz bei Plauen i. V. geschossen. Heller (429, 431) beobachtete 
ebenfalls im Vogtlande, bei Bad Elster, einmal 9 auf einem 
Sturzacker. Mayhoff (534) notierte ein altes Exemplar am 
31. X. 1914 über den Wilisch bei Kreischa streichend. 

16. Larus c. canus L. 

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dafs schon Ludwig 
die Sturmmöwe in seinem Vogelverzeichnis Sachsens (251) auf- 
führt. Für neuere Zeit liegt durch Mayhoff (491, 534) eine 
Reihe Beobachtungen aus dem Bereich des Elbstromes vor: 
15. X. 1914 1 im ersten Winterkleid am oberen Waldteich bei 
Moritzburg, 26. XII. 1914 1 juv. über der Elbe bei Wachwitz, 
3. 11. 1915 3 Junge bei Kötzscheubroda, 1 unterhalb der Gauer- 
nitzer Elbiusel, 25. XII. 1915 3 im Winterkleid am Wildberger 
Haken (Elbe), 24. IL 1916 1 Junge über der Elbe bei Kötitz. 
Am 25. Hl. 1921 beobachtete ich eine ebensolche lange auf dem 
Grofshartmannsdorfer Grofsteich. 

17. Larus r. ridihundus L. 

Die zur Zeit gröfste sächsische Lachmöwenkolonie auf dem 
Vierteich beiFreitelsdorf, südöstlich von Grofsenhain, 
war mir bei Abfassung der Orn. Sax., wie Hoffmann (456) richtig 
vermutet, unbekannt, bis mich Hinweise in der Literatur (542) 
und briefl. und mündl. Nachrichten Mayhoffs auf sie aufmerksam 
machten. Inwieweit sie identisch ist mit der Kolonie, die nach 
den Angaben Neumanns und Grünewalds (1/HI) sich 1878 „in 
mehreren hundert Stück“ von der des Adejsdorfer Gr. Spittel- 
teichs „abgezweigt“ und auf dem Teiche bei Schönfeld gebildet 
hatte, vermag ich nicht zu sagen, zumal nach diesen Gewährs- 
männern (l/lll) im selben Jahre auch nach dem „Teich bei 
Kalkreuth“ Brutmöwen von Adelsdorf in geringerer Zahl ab- 
zweigten, der (1/V, 268/1) auch für spätere Jahre — 1880, 
1885 — wieder als Brutort erwähnt wird. An letzterer Stelle 
wird der Kalkreuther Teich „Grofsteich“ genannt. Hierzu ist zu 
bemerken, dafs heute bei Kalkreuth unmittelbar kein gröfserer 
Teich, zwischen diesem Ort und Schönfeld aber folgende 3 Teiche 
liegen: Mühlbacher, Röhricht- und Dammmühlenteich; 2 km 
südlich vom letzteren liegt der Vierteich. Die Angabe „Grofs- 
teich bei Kalkreuth“ läst vermuten, dafs sich Neumann und 
Grünewald nur sehr flüchtig oder durch Mittelspersonen über 
die tatsächlichen örtlichen Verhältnisse unterrichtet haben, sodafs 
die Vierteich-Kolonie damals schon gemeint bezw. mitgemeint 
gewesen sein kann. 1919 brüteten auf den genannten 3 Teichen 


Nachträge zur Örnis Saxonica. 


keine Möwen, doch ist natürlich nicht ausgeschlossen, dafs dies 
zu Neumanns und Grünewalds Zeiten der Fall war. Die Aus- 
kunft Jacohis (446, 456) betraf aber wohl die Kolonie auf dem 
Vierteich. Sie umfafste nach Hoffmann (456) 1916 schätzungs- 
weise 1500 Paare ; auch Mayhoff schätzte (492) über 1000 Paare. 
Jacobi (542) nimmt ihre Stärke ebenfalls mit 3000 Köpfen an 
und vermutet, dafs sie von der der Moritzburger Teiche besiedelt 
worden sei. Indessen findet ein Individuenaustausch auch 
zwischen Kolonien auf gröfsere Entfernungen bin statt, wie eine 
am 21. V. 1913 bei Militsch (Schlesien) beringte, dort erbrütete 
Möwe beweist, die nach J. Thienemann (542) am 30. IV. 1916 in 
der Kolonie des Vierteichs an Legenot verendet aufgefunden 
wurde. Am 7. VI. 1919 überschlug ich die Zahl der in dem 
stark verlandeten Teichareal gerade anwesenden mit 600—800 
Stück; eine sehr grofse Zahl war natürlich dauernd abwesend, 
und es herrschte, besonders in Kichtung nach der Elbe, ein be- 
ständiges Kommen und Gehen der Alten. Junge wurden noch 
nicht gesichtet. 

üeber die Kolonie auf dem Gr. Spittelteich bei 
Adelsdorf, die im Jahre 1913 noch ca. 50 Paare aufwies, 
fehlen mir neuere Nachrichten. 

Die ehedem so starken Kolonien bei Moritz bürg, auf dem 
Dippelsdorf er und dem Frauenteich, nördl. von Dresden, 
sind nach Mayhoff und Schelcher (491, 492) dem Erlöschen nahe. 

Erloschen ist ferner die schwache Siedelung, die ich 
1912—1914 auf dem südwestlichen Ausstichgelände am Grofs» 
teich bei Grofshartmannsdorf feststellte (181, 446). 
Die Nester standen damals wahrscheinlich auf den unzugänglichen 
Kesten der alten Torfstichdämme, die inselartig vom Wasser um- 
flutet und mit Kaupen besetzt sind. Sobald ich zur Brutzeit in 
deren Nähe kam, wurde ich von den Alten heftig angenommen. 
Später safsen dann auch die Jungen gern auf den schlammigen 
Rändern und Bänken dieser Orte. Mehrfach fand ich unter den 
Jungen solche von so unbeholfener Flugbarkeit, dafs sie unmöglich 
von anderen Orten zugewandert sein konnten. Helm (432), der 
den Teich 1910 und 1911 vor mir besuchte, fand die Lachmöwe 
hier nicht als Brutvogel. Die Siedelung hat demnach nur S Jahre 
bestanden. 

Wahrscheinlich gleichfalls erloschen blieben die ehemaligen 
Siedelungen bei Commerau (99), Burkersdorf (268/1, 230 etc.), 
Burkhardshain (198), Frohburg (268/1, 391 etc.), Grethen (311, 
151), Grofshennersdorf (230) und Kohrbach (133, 137), die ich 
bereits (446) erwähnte. Von der Fiohburger Kolonie besitze ich 
2 Eier: „19. V. 1910 Ziegelteich.“ 

18. Rissa t. tridactyla (L.). 

Zu den von mir aufgeführten Nachweisen sächsischer Drei- 
zehenmöwen gesellen sich noch die Angabe Langes (245), die 

2 * 


20 


Rieh. Heyder; 

Art einmal bei Zittau gefunden zu haben, sowie der Nachweis 
eines noch nicht erwähnten Belegstücks der Sammlung der Natur- 
forsch. Ges. des Osterlandes in Altenburg mit der Aufschrift 
„Crimmitschau, 22. I. 1873“ durch Hil iebrandt (451). Die Mit- 
teilung des Berichterstatters Bauer in Friesen bei Reichenbach 
(268/IV), am 25. VII. sei eine erlegt worden, die ich ausliefs, 
versahen Meyer und Helm schon mit einem berechtigten Frage- 
zeichen. (S. 209 Jahrg. 1916 5 Zeile von unten lies IX anstatt XI). 

20. Sterna a. albifrons Pall. 

Weifsmantel (Tgbch.) beobachtete eine Zwergseeschwalbe 
noch am 11. XI. 1917 am Tschernitzteich beiBulieritz (bei Kamenz). 

21. Eydrochelidon leucoptera (Temm.). 

Das einzige sächsische Belegstück der Weifsflügeligen See- 
schwalbe (2 VI. 1887 Breitenbach bei Meerane) gelangte nach 
Päfsler (268/Vl) in die Naturwissenschaftliche Sammlung des 
Chemnitzer Museums. Dieser Vogel ist, wie mir Henker ver- 
sichert, noch vorhanden, nur ist nicht zu ersehen, welches der 
zwei in der gen. Sammlung aufbewahrten leucoptera älterer Her- 
kunft hierfür in Frage kommt, weil beide undatiert sind. Da 
sich eins dieser Tiere im Brutkleid befindet, das andere in der 
Brutmauser steht, kommt angesichts des Erlegungsdatums wohl 
das erstere in Frage. Auf jeden Fall aber besteht Päfslers Be- 
stimmung zu Recht. Im Neuen Naumann ist übrigens dieses 
Vorkommnis fälschlich nach Sachsen-Altenburg verlegt. 

Neuerdings ist diese Seeschwalbe vonHofi'manu (455,456) am 
19. VI. 1917 in 10—11 Exemplaren am Dippelsdorfer Teich bei 
Moritzburg und von Köhler (472) am 6. VI. 1919 in einem Stück 
auf dem Poltermühlenteich in Grüna bei Chemnitz beobachtet 
worden. 

22. Eydrochelidon n. nigra (L,). 

Gegenwärtig sind, wie ich durch Weifsmantel weifs und 
mich auch durch eigene Besichtigung überzeugte, die von Lübeck 
(268/11) genannten Brutplätze der Trauerseeschwalbe bei 
Brauna, Grüngräbchen und Schwepnitz nicht mehr bewohnt. 
Auch zur Zugzeit ist in der westlichen Lausitz nach ersterem 
Gewährsmann das Auftreten spärlich. Aehnlich vermochte May- 
hoff (491, 492) neuerdings bei Moritzburg keine derartigen 
Durchzügler festzustellen, obwohl die Art nach Schelcher (491) 
1910 noch am Dippelsdorfer Teich gebrütet haben dürfte. 

Helm (127) beobachtete eine noch am 16. X. 

23. Ehalacrocorax carho suhcormoranus (Brehm). 

Eine alte üeberlieferung (T. Heydenreich, Leipzigische 
Cronicke 1635 p. 371; 69, 150) erwähnt den Fang eines „wilden 
Seeraben, so gröfser als sonst ein gemeiner Rabe“, auf dem 
Gange des Thomasturmes zu Leipzig am 2. XL 1627, 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


21 


Dehne (58) berichtet über eine Scharbe, die im Herbst 
1853 bei Chemnitz erlegt wurde. Neuerdings beobachtete May- 
hoff eine am J8. X. 1908 auf dem Grofsteich bei Moritzburg; 
weitere Beobachter (491) sahen zu derselben Zeit dort 2. 

Insgesamt ist das Auftreten des Kormorans nunmehr in 
folgenden 11 Fällen durch Nachrichten oder Belegstücke be- 
kannt: Leipzig (siehe oben), Grofsteich bei Moritzburg (289, 
290, 269, 124, 271), Leipzig (289, 290, 269, 124, 491), Walden- 
burg (331, 58, 491), Cossebaude (58, 491), Chemnitz (58), 
Lützschena (150), Crostau (446), Gräfenhain bei Königsbrück 
(284), Neudorf (25, 29, 491), Grofsteich bei Moritzburg (491). 

26. Mergus serrator L. 

Berichtigung: Lies p. 213 in der üeberschrift statt 
f^Meryus'^ Mergus. 

Den bereits erwähnten Fällen des Vorkommens Mittlerer 
Säger sind nachzutragen cf9 vom Herbst 1875 aus Kleinschönau 
in der Sammlung Th. Held (105), 9 IL XII. 1878 bei Grofsen- 
hain erbeutet (284) und Mayhoffs Beobachtungen an der Elbe: 
5. IV. 1915 5 bei Loschwitz und 13. II. 1915 2 bei Laubegast (534). 

27. Mergus albellus L. 

Berichtigung: Lies p. 213 Zeile 5 von oben statt 
,,9 vom Herbst 1875 aus“ 9 von 1872 aus. 

Die bisher einzige Herbstnotiz ist laut vorstehender Be- 
richtigung zu streichen. Mayhoff (492) beobachtete den Zwerg- 
säger mehrfach an der Elbstrecke zwischen Dresden und Meifsen 
aber auch schon im Dezember (19., 25., 30.). Sein Auftreten 
ist nunmehr erwiesen für die Zeit vom 19. XIL bis 8. IV. (2) 
und folgende Flufsgebiete : Weifse Elster: Schleufsig (150); 
Mulde: Chemnitz (268/VlI), Limbach (cf in Berghähnels 

Sammlung, am Grofsteich bei Limbach erlegt), Grimma (268/VIII, 
/IX.), Nischwitz (268/III, /IV, 197, 198), unterhalb Wurzen (384, 
395); Elbe: Pillnitz (446), Dresden (120) bis Meifsen (492); 
Spree: Königswartha (2), Neifse (67, 245, 268/1 V): Klein- 
schönan (104), Burkersdorf (230), Die Fundorte schliefsen sehr 
augenfällig alle gebirgigen Striche aus. 

28. Somateria m. mollissima (L.). 

Die schon von Helm (130) erwähnte, im Dezember 1908 
auf dem Chemnitzer Schlofsteich ergriffene Eiderente konnte ich 
im Chemnitzer Museum besichtigen: Ein junges cf, dessen 
Mauserung in das Brutkleid beginnt, wie einzelne weifse Federn 
auf Brustmitte und -seiten zeigen. Gegenwärtig kenne ich von 
den 4 bezw. 5 sächsischen Vorkommen 2 Belegstücke: 9 13- L 1889 
Chemnitz (genauer „Auerswalder Gebiet“ (268/V)) im Zool. 
Museum Dresden und das oben erwähnte. 


Rieh. Heyder; 


29. Oidemia f. fusca (L.) 

Berichtigung: Lies p. 214 auf Zeile 12 von oben statt 
„Soritsch“ Saritsch. 

30. Oidemia w. nigra (L.). 

Nach Dietrich aus dem WinckelH) sollen 1805 und 1808 
zwischen Leipzig und Wurzen zwei Trauerenten erlegt worden sein. 

32. Nyroca fuUgula (L.). 

Bedauerlicherweise habe ich in der Orn. Sax. die Notizen, 
die das Brüten der Reiherente auf dem Eschefelder Grofsteich 
bei Frohburg festlegen, übersehen, obwohl Helm dieselben wieder- 
holt veröffentlicht hat. Ich konnte sie aber noch anhangsweise 
kurz nachtragen. Helm (124, 127) beobachtete nämlich Ende 
Juli 1896 ein 9 8 ziemlich grofsen Jungen, am 11. VII. 1897 

ein 9 12 (an anderer Stelle [124] steht 13) und am 17. VII. 

1899 ein 9 3 Jungen auf dem erwähnten Teiche. Angaben 

über die Fortpflanzung dieser Ente auf den Teichen bei Froh- 
burg sind auch ~ wenngleich in knapper Form und bezüglich 
des Ortes unrichtig — in die Neuausgabe vom Naumann über- 
gegangen. Zimmermann (561) berichtigt das Letztere und 
äufsert sich dahin, dafs die Angaben von einem dortigen Brut- 
vorkommen irrtümliche seien. Zimmermanns Zweifel, die übrigens 
auch Hildebrandt (545) teilt, beziehen sich aber wohl haupt- 
sächlich auf die Behauptung im Naumann und sind anscheinend 
ohne Kenntnis jener eingangs erwähnten Brutnachweise ent- 
standen. Ich glaube sie jedoch nicht nur durch Hinweis auf die 
gut begründete Stellungsnahme Tischlers (545), sondern vor allem 
durch Helms eigene Worte entkräften zu können, in denen er 
(124) sagt: „Ich war dort auch in den beiden letzten Jahren — 
die Beobachtung von 1899 war damals noch nicht erfolgt — in 
der glücklichen Lage, je eine weibliche Reiherente mit Jungen 
wiederholt in solcher Nähe betrachten zu können, dafs über ihre 
Identität kein Zweifel herrschen konnte, denn mit Hilfe des 
Feldstechers sah ich nicht nur den Schopf, sondern auch die gelbe 
Iris des Vogels“. Schon in den Jahren vorher waren Helm die 
Brutzeit hindurch bald einzelne, bald kleine Gesellschaften dieser 
Art vorgekommen (124), sodafs er schon damals es für „höchst 
wahrscheinlich“ hielt, dafs die Art daselbst brüte (119, 122). 
Eine Veranlassung zu Zweifeln dürfte angesichts obiger Be- 
merkungen kaum noch bestehen und das Brüten der Art 
wenigstens für die angeführten Jahre als sicher anzunehmen 
sein. Es ist sonach für Sachsen nachgewiesen für die Teich- 
gebiete von Moritz bürg (1891 Schlofsteicb, 1892 Dippels- 
dorfer Teich) und Frohburg (1896, 1897, 1899 Eschefelder 


1) Handbuch für Jäger 2. Aufl. Leipzig 1820. I. Teil p. CCCCIV. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


28 


Grofsteich). Gegenwärtig brütet die Ente in keinem der 
beiden Gebiete mehr, sondern besucht sie nur auf dem 
Durchzuge. 

Einzelne Exemplare zeigen sich, wie verschiedene Beobachter 
übereinstimmend bestätigen, nicht selten zur Brutzeit Den 
wenigen in der Orn. Sax. aufgefübrten derartigen Fällen sei an- 
gefügt, dafs Zimmermann (561) am 17. VI. 1914 ein einzelnes 
bei Frohburg, ich am 6 VI. 1909 ein ebenda auf dem 
Grofsteich, am 18. VIII. 1919 ein einzelnes Stück auf dem 
Grofsteich bei Grofshartmannsdorf, Mayhoff (492) ein einzelnes 
cf am 20. VII. 1916 auf dem Moritzburger Schlofsteich beob- 
achteten. Fast stets sind es, wie Hildebrandt (545) zutreffend 
hervorhebt, cf, die in dieser Weise umherbummeln, 

35. Nyroca n, nyroca (L.). 

1916 fand Mayhoff (492) ein Brutpaar der Moorente auf 
dem Moritzburger Schwanteiche. Weifsmantel (Tgbch. und 
mündl.) kennt sie als Brutvogel aller gröfseren Teiche der west- 
lichen Lausitz. 

Alle nunmehr bekannt gewordenen Brüteplätze be- 
schränken sich, mit Ausnahme des ehemaligen bei Burkersdorf, 
auf die Niederung. Sie gruppieren sich fokendermafsen: 
Leipziger Bucht: Teiche bei Frohburg : Früher hier häufig 
nach Kratzsch (246, 217) brütend, berichten neuere Beobachter 
(119, 127, 391, 451) nichts mehr von einem Brutvorkommen ; ich 
selbst bemerkte sie zur Brutzeit neuerdings mehrmals (13. V. 
1915 cf9^ 10- VI. cf, 22. VII. 1917 cf$), ohne indessen Brut- 
beweise ermitteln zu können. Teiche bei Eohrbach: 1906—09 
ein Brutpaar (149, 150, 151, 152, 157). Teiche bei Püchau: 
Bruten während der achtziger Jahre (268/V). Rödergebiet: 
Teiche bei Moritzburg (491, 492); am 5. VI. 1919 9 von mir 
auf dem Schlofsteich beobachtet; 7. VI. sodann zwei cf am 
Vierteich bei Freitelsdorf. Lausitzer Niederung: Teiche 
bei Zeisholz, Cosel, Schwepnitz, Grüngräbchen, Grofsgrabe, 
Bulleritz, Biehla, Weifsig, Döbra, Milstrich, Schönbach, Rohrbach, 
Brauna, Deutschbaselitz, (Weifsmantel mündl.), Königswartha 
(2, 99). Ich beobachtete sie an mehreren der genannten Orte 
zur Brutzeit, aufserdem am 4. VL 1914 auf Teichen bei Holscha, 
Commerau und Brohna (446). Die Teiche ostwärts von hier be- 
wohnt sie vermutlich ebenso, doch sind diese Gebiete bisher 
kaum bekannt geworden. Neifsegebiet: Früher nach Held 
(104) an den Teichen bei Burkersdorf brütend, von Kramer 
neuerdings dort (230) nicht mehr bemerkt. 

36. Bucephala c. clangula (L.). 

Mehr und mehr rundet sich das Bild vom örtlichen B rut- 
vorkommen der Schellente, das bisher auf die Teiche der 


24 


Rieh. Heyder; 


Flufsgebiete von Spree und Schwarzer Elster beschränkt er- 
schien. Neuerdings hat der so erfolgreiche Mayhoff das plötz- 
liche Auftreten dieser Ente westlich aller bisher bekannten 
Brutorte auf den Teichen bei Moritzburg festgestellt. 
Er beobachtete, wie er in umfassenden und vorbildlich gründ- 
lichen Mitteilungen (492) darlegt, 1916 auf dem Schlofsteich 
2 Bruten und schildert unter zahlreichen biologischen Be- 
merkungen, auf welche hier verwiesen sei, das Heranwachsen der 
Jungen. 1919 war es mir zu meiner grofsen Freude vergönnt, 
das Brüten der Ente auf diesem Gewässer zu bestätigen. Am 
Nachmittag des 5. VI. trieben sich auf der östlichen Seite des 
Westbeckens gen. Teiches 7 der durch ihre weifse, scharf kon- 
trastierende Wangenfärbung leicht kenntlichen Dunenjungen 
eigentümlich zerstreut und sehr selbständig unter fortwährendem 
Tauchen umher, ohne dafs zunächst ein 9 ihnen gewesen 
wäre. Wohl aber schwammen 2 braunköpfige Alte — die eine 
mehrfach „kopfruckend“ — und eine ebensolche einzeln nahe 
dem Schwanenhäuschen umher, während sich fast gleichzeitig 1 9 
und 10 etwas kleinere, sich gedrängt haltende Junge auf der 
westlichen Seite des Teiches tummelten. Gegen abend zählte 
ich in beiden Ketten aufser den 99 6 und 7 Junge, doch 

ist bei der schon erwähnten Selbständigkeit dieser Zahlenunter- 
schied schon erklärlich. Am Morgen des 6. VI. beobachtete ich 
nur die Jungen einer Brut hinter kleinen Pflanzenbüscheln im 
Wasser sitzend, bis das 9 sie zusammenlockte. 1 braunköpfiger 
Vogel vollführte währenddem zahlreiche Rundflüge, die ihn fast 
stets durch den Garten des Moritzburger Schlosses führten. Noch 
am nämlichen Tage erblickte ich auf der Mitte des Bauernteichs 
(nordwestl. vom Moritzburger Mittelteich) ein grünköpfiges cf 
und 2 Braunköpfe, gleichzeitig aber auch ca. 8 Dunenvögel, 
wiederum über einen grofsen Teil des Teiches verstreut. Das 
aus dem Schilf hervorkommende 9 führte sie schliefslich bis 
auf 2, die weiter auf der Blänke verblieben, in dieses zurück. 
Dieser Brutort ist der westlichste sächsische, soweit mir diese 
bisher bekannt wurden. Das spontane Auftreten im Moritzburger 
Gebiet bleibt bemerkenswert; ein früheres Brüten würde gerade 
bei dieser Art weder Mayhoff noch Helm entgangen sein. Der 
erstere vermutet übrigens, dafs diese Moritzburger Brutvögel es 
sind, die z. T. auf der Elbe überwintern. Für weit zurückliegende 
Zeit führt sie als Brutvogel dieses Gebietes schon F. A. L. Thiene- 
mann (536) an, der zwei Eier „aus einem Neste aus den 
Moritzburger Teichen“ erhalten zu haben angibt. Thienemann 
läfst wie Naumann die Schellente im Schilf nisten, was Mayhoff 
(492) nicht ohne Grund mit Zweifeln erfüllt und zur Glaubhaft- 
machung nur ebenso schwach beitragen kann wie die mitge- 
teilten Mafse der Eier eine Nachprüfung gestatten, weil sie nach 
Zoll angeführt sind, das angewendete Zollsystem aber unbekannt 
bleibt. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


25 


Für die westliche Lausitz konnte ich bereits (446) 
eine Reihe von Brutstätten namhaft machen: die Teiche bei 
Deutschbaselitz (268/III, /V, 2, 446), Milstrich (268/IV) und 
Schwepnitz (446). Durch die Freundlichkeit Weifsmantels (Tgbch.) 
bin ich zu einer grofsen Zahl weiterer Brutbefunde gekommen, 
die ich kurz anführen möchte: Deutschbaselitz: auf dem Grofs- 
teich 1918 2, 5 und 6 Dunenjunge, 1919 Nest in hohler Eiche, 
am Sandteich 1914 Nest in hohler Eiche mit 4 Eiern, |1919 5 
und 7 Dunenjunge; Milstrich: auf dem Rocknitzteich 1919 

3 halbwüchsige Junge; Biehla: 1918 1 9 Nistkasten ^) am 
Teichdamm abfliegend; Weifsig: 1919 auf dem Grofsteich 4 und 7 
halbwüchsige Junge, auf dem Alten Teich 6 Dunenjunge; 
Brauna: am Grenzteich 1919 Nest in hohler Eiche; BuHeritz: 
auf dem Tschernitzteich 1917 6 Dunenjunge; Grofsgrabe: 1918 
fliegt am Langen Teich 1 9 aus hohler Eiche, auf dem Grofsteich 

4 Junge; Schwepnitz: 1918 auf dem Triemigteich 5 und 6 halb- 
wüchsige Junge, am Hinteren Teich Nest in hohler Eiche. Bei 
eigenen, verhältnismäfsig flüchtigen Besuchen dieser Gebiete 
notierte ich neben alten Vögeln, die natürlich Weifsmantel 
regelmäfsig und nicht selten antraf, am Abend des 11. VI. 1919 
9 mit ca. 7 kleinen Jungen auf dem Nordbecken des Sandteichs 
bei Deutschbaselitz, am 8. VI. 1920 auf dem Triemigteich bei 
Schwepnitz 1 halbwüchsigen Vogel wenige Meter vor mir am 
Schilfrande. Aus der Anzahl vorstehender Notizen ergibt sich 
zur Genüge die Art des Vorkommens. Wahrscheinlich ebenso 
verbreitet mag die Schellente auf den zahlreichen Teichen östlich 
der ebenerwähnteu sein, doch liegen Nachrichten nur über 
(Königswartha (2, 99), Milkel (2) und Klix (268/IV) vor. 

37. Clangula hyemalis (L.). 

In Salveters Sammlung ein cf „aus der Gegend von Dresden“ 
Salveter mündl.); Näheres war nicht zu ermitteln. 

41. Anas penelope L. 

Die von Fritzsche (268/III) gemachte und von mir (446), 
übernommene, aber nicht als vollwertig betrachtete Angabe, die 
Pfeifente sei Brutvogel an den Moritzburger Teichen und im 
Sommer 1879 dort in ziemlicher Zahl erlegt, ist bereits durch 
Meyer und Helm (268/Vl) widerrufen worden und bezieht sich 
auf die Tafelente. 

43. Anas querquedula L. 

Die Knäckente kann ich nunmehr als Brutvogel auch für 
den 500 m hoch liegenden Grofsteich Won Grofshartmannsdorf 

D An den riesigen Kiefern der dortigen Teichdämme sind sowohl 
für die Schellente als auch für die Blaurake Nistkästen (Holzkisten 
mit seitlicher Oeffnung) mit Erfolg ausgehängt worden. D. Yerf. 


26 


Rieh. Heyder: 




aufföhren. Am 12. VII. 1920 beobachteten Voigt und ich ein 9 
mit 8 kleinen Jnngen. |i 


45. Tadorna tadorna (L.), 

Hesse (440) wendet sich in der Annahme, dafs ich ihn 
Laienangaben gegenüber für nicht vorsichtig genug kennzeichnen 
wolle, gegen meine Bemerkung, dafs man zugetragenen Nachrichten 
über das Vorkommen von Brandgänsen (Brandenten) mit äufserster 
Vorsicht entgegentreten müsse, weil im Volksmund da und dort 
auch die Tafelente „Brandente“ genannt werde. Er beachtet 
nicht, dafs — während seine Angaben (148) auf ihm von dritter 
Seite übermittelte Gefieder beschreibun gen sich gründen — 
ich vom erwähnten Volksnamen ausgehe und unterläfst bei An- 
führung meiner Worte, einen wesentlichen Satzteil anzuführen, 
so dafs der Leser den Eindruck erhalten mufs, als richte sich 
meine Bemerkung gegen die von Hesse aufgewendete Sorgfalt. 
Diesen Sinn habe ich, wie hier ausdrücklich erklärt sei, meinen 
Worten nicht zu geben beabsichtigt. 

53. Cygnus olor (Gm.). 

In der Orn. Sax. schrieb ich vom Höckerschwan; 

— Insbesondere werden auch die, welche da und dort den 
Sommer verbrachten, halbzahm gehaltene und entwischte Vögel 
sein. Diese Art ist also nur als seltener Durchzugsvogel anzu- 
sehen“. Dies wird von Hesse (440) beanstandet, weil ich dem- 
nach „die alten im Nordwesten Leipzigs gelegenen Brutplätze 
gänzlich zu erwähnen vergessen“ hätte. Hesse meint damit die 
von ihm früher (143, 150) bereits namhaft gemachten sog. 
Brandt’schen Lachen südlich des Leipziger Vorortes Möckern 
mit den ihnen benachbarten Auegebieten. In ihnen haben 
„Höckerschwäne z. T. in mehreren Paaren eine lange Reihe von 
Jahrenund noch bis in das jetzige Jahrhundert hinein gebrütet. — — 
Sie hielten auch den Winter aus, solange noch offenes Wasser 
in den stehenden oder den nahen fliefsenden Gewässern, auf 
welch letztere sie schliefslich bei völliger Vereisung der ersteren 
abwanderten, vorhanden war.“ 

Die ganze Frage findet ihren Angelpunkt darin, ob man 
in den Vögeln Wildlinge erblickt oder nicht, denn mit meiner 
oben ausgesprochenen Kennzeichnung will ich natürlich nur das 
Auftreten des wilden Höckerschwans in Sachsen festlegen. 
Hesse selbst (440) läfst unentschieden, ob sie „als ursprünglich 
wilde oder als entwichene, oder endlich als Abkömmlinge teils 
entwichener teils einzelner daraufhin zugewanderter wilder anzu- 
sehen“ sind. Schon das starre Festhalten des für einen so grofsen 
und als Wildvogel gewandten Flieger immerhin verhältnismäfsig 
kleinen Gebietes zu allen Jahreszeiten läfst vermuten, dafs die 
Leipziger Brutstätten mit Wildschwänen nicht besiedelt waren 


i 

I 

■y 

y\ 


1 


'S; 








Nachträge zur Oruis Saxonica. 


27 


Ich gehe wohl auch kaum fehl in der Annahme, dafs es gerade 
die besprochenen Oertlichkeiten sind, von denen Voigt (384) 

schreibt: „Der Höckerschwan brütet in hiesiger Gegend 

auf gröfseren Ausstichsümpfen halb w i 1 d ^) ; aber in voller 
Majestät erscheinen die stolzen Vögel erst, wo sie auf weltfernen 
Seen in ungebrochener Wildheit hausen“. Stehe ich somit in der 
Meinung, dafs dieses Brutvorkommen kein natürliches ist, nicht 
allein da, so gewinnt sie noch ferner an Nachdruck, wenn man 
bedenkt, dafs J. F. Naumann (280/IX) schon 1842 bitter beklagte, 
dafs die letzten (wilden) Schwäne seines Beobachtungskreises 
längst [heute vor ca. 100 Jahren 1] ihre Nistplätze aufgaben, ob- 
wohl diese — wenigstens teilweise — den Kultureinflüssen viel 
weiter entrückt waren als die Brutstätten wenige Kilometer vor 
der Grofsstadt Leipzig. Zu einer ähnlichen Stellungnahme wie 
ich kommt übrigens auch Hildebrandt (451) in der Beurteilung 
des vom älteren Brehm erwähnten Brütens von Höckerschwänen 
auf den Teichen bei Haselbach (Sachs.* Altenburg), obgleich die 
Vorbedingungen für ein Wohnen wilder Schwäne damals wesent- 
lich günstiger gewesen sein werden als in neuerer Zeit. Die 
vorstehend vorgebrachten Erwägungen liefsen mich keinerlei 
Veranlassung finden, auf die von Hesse erwähnten Brutplätze 
einzugehen und die Art daraufhin als einen Brutvogel Sachsens 
anzunehmen. Auch die ältere Literatur liefert hierzu keine 
Handhabe. Heinrich Wilhelm Döbel 2) z. B., der ganz in der 
Nähe grofser Teiche — in Reckwitz bei Hubertusburg — wohnte, 
vermag von den Schwänen nur zu sagen : „Die wilden kommen 
nicht viel hier zu Lande, als bis sie etwan durch Seesturm ge- 
schüchtert werden.“ 

54. Cygnus cygnus (L.). 

Der in der Sammlung der Rochlitzer Realschule aufbewahrte 
Schwan (446) ist nach briefl. Mitteilung von Colditz kein Höcker-, 
sondern ein Sing schwan. Ich habe das Ex. nicht gesehen, 
sondern Nachricht über dasselbe mündl. von Höpfner erhalten, 
der es seinerseits aber vermutlich ebenfalls nicht in Augenschein 
genommen haben dürfte. 

56. Eaemaiopus o. ostralegus L. 

Zufolge einer brieflichen Nachricht Nestlers sah er 1916 
im Gasthof Poppengrün bei Falkenstein i. V. einen Austernfischer 
ausgestopft, der einige Jahre vorher vom Gastwirt Rudert nahe 
des Dorfes erlegt wurde. 


1) Urschriftlich nicht gesperrt. Verf. 

®) Neueröffnete Jäger-Practica, oder der wohlgeübte und Erfahrene 
Jäger. II. Aufl. Leipzig 1754. Erster Teil p. 68. 


28 


Rieh. Heyder; 


58. Cursorius g. gdlUcus (Gm.). 

In einem Briefe, den mir Mayhoff ins Feld sandte, teilte 
er mir mit, dafs ihm „fide Schwarze und Hantzsch ein drittes 
sächsisches Stück bekannt, das leider auch nicht erhalten“ sei. 
Der frühe Tod Mayhoffs verhinderte leider, Näheres hierüber in 
Erfahrung zu bringen. 

59. Squatarola s, squatarola (L.). 

Berichtigung: Lies p. 227 Zeile 5 von unten statt 
„1889“ 1 89 2. 

Nachzutragen ist, dafs nach Berge (41) am 17. X. 1906 
ein Junger bei Kirchberg erlegt und von Helm (127) am 27. X. 
1895 zwei am Eschefelder Grofsteich bei Frohburg beobachtet 
wurden. Mayhoff (491) beobachtete 4. X. 1909 einen am Mittel- 
teich bei Moritzburg, und Hildebrandt (451) stellte 6. X. 1912 
1 und 12. X. 1912 2 am schon erwähnten Eschefelder Grofs- 
teich fest. 

Herbstliche Durchzügler sind sonach festgestellt für 
die Zeit von Mitte September bis dahin No- 
vember; der Frühjahrszug ist bisher mit einer Beob- 
achtung (140, 391) — Mitte April — belegt. Soweit dahin- 
gehende Mitteilungen vorliegen, standen erbeutete Herbstvögel 
stets im Jugendkleid (269/HI, 41.) 

62. Charadrius h. hiaticula L. 

Berichtigung: Lies p. 228 in der Ueberschrift statt 
^fiharadricus^^ Char ad rius. 

Sowohl für die Moritzburger Teiche als auch für das Elbe- 
gebiet, für welche der Sandregenpfeifer schon nachgewiesen war, 
konnte Mayhoff (534) neue Vorkommen feststellen: 19.111.1906 
sah er mit Stresemann 1 auf einem Elbheger bei Dresden; am 
Moritzburger Grofsteich bemerkte er 24. IX. 1915 12, 8, IX. 1916 
1, 23. IX. 1916 11 und am Köckritzteich 28 IX. 1916 2. 28. XI. 1878 
wurde ein cT bei Grofsenhain geschossen (284) Weifsmantel (Tgbch.) 
beobachtete 19. X. 1919 zwölf Stück am Deutschbaselitzer Grofsteich. 

Der Frühlingszug liegt nunmehr fest für 19. III. — 11 . V. 
der H e r b s t z u g für 20. VlIL— 28. XL 

r 

63. Charadrius duhius curonicus Gm. 

Nachstehend seien die bisher bekannt gewordenen Brut- 
plätze des Flufsregenpfeifers unter Einschlufs der in jüngster 
Zeit festgestellten kurz nach Flufsgebieten gesondert zusammen- 
gestellt: Weifse Elster: Grofsteich bei Frohburg (446): 
9. V. 1918 fand ich hier ebenfalls ein Gelege mit 3 Eiern; 
Lehmausstich bei Gautzsch (149); Kläranlagen beim Leipziger 
Rosental (514); an der Elster bei bezw. in Leipzig (440), dieser 


^9 


Hachträge zur Ornis Saxonica. 

Brutort wohl identisch mit dem Elsterbecken auf den ehemaligen 
Lindenauer Wiesen, an welchem nach (briefl.) Mitteilungen 
Nestlers die Art neuerdings den Sommer verbrachte. M ulde: 
Flufsufer bei Zwickau (345, 13), Breitenbach (268/ V), Grofs- 
weitzschen (268/Iil, /IV), Grimma (268/111, /VIII, /X), Wurzen 
(197, 198, 397); Elbe: Flufsufer bei Dresden (364, ein Dunen- 
junges ,, Dresden“ im dortigen Museum), Niederwartha (268/I1I, 
/VII, 492, 565), Nünchriiz (268/lX). Röder: Grofsteich bei 
Moritzburg (491), Zabeltitz (268/1). 

Zimmermann (565) nennt als Durchzugsdatum noch den 
8. XIL, anscheinend ist aber seine Bestimmnng nicht ganz ein- 
deutig erfolgt. 

65. Burhinus oe. oedicnemus (L.). 

Weifsmantel bezeichnete mir (mündl.) die Umgebung der 
Orte Königsbrück, Schmorkau, Weifsbach, Reichenau, Koitsch, 
Neukirch, Gottschdorf und Schwepnitz in der westlichen Lausitz 
als Oertlichkeiten, an denen er zur Brutzeit die Rufe des Triels 
gehört habe. Unter seiner Führung habe ich dies Anfang Juni 
1919 für Reichenau, woher er übrigens zwei Eier besitz^ auch 
bestätigt gefunden. HofTmann (457) verhörte den Triel in der 
Gegend nördlich von Radeburg, wo er ebenfalls brütet. Die Zu- 
gehörigkeit der vorgenannten Gegenden zum sächsischen Brut- 
areal der Art stand nach ihrem oberflächengeologischen Ge- 
präge mit Bestimmtheit zu erwarten. Die von mir (446) gegebene 
Kennzeichnung der Brutplätze hat auch in ihnen wohl ausnahme- 
los Gültigkeit. 

Fassen wir kurz die nunmehr bekannten Brutplätze 
zusammen, so wird zunächst deutlich, dafs das sächsische Brut- 
areal des Triels mit der Südgrenze des Norddeutschen Tieflands 
endet. Weiter ergibt sich als Hauptverbreitungsgebiet die ost- 
sächsische Niederung, die als südliche Randwasserbahn des 
Breslau-Magdeburger Urstromtales durch reichliches Vorkommen 
eiszeitlicher Schotter und weitausgedehnte Talsandflächen, aufser- 
dem durch nicht minder bedeutende Decksande gekennzeichnet 
ist. Hier ist die Art nachgewiesen für die Gegenden um Klix 
(268/lV) und Königswartha (99), die nach Weifsmantel oben auf- 
geführten Orte nördlich Königsbrück, die Gegend von Grofsen- 
hain : Schönfeld (268/1II), Göhra (268/II1), Dallwitz (268/III), 
Radeburg (457) bis hinüber zur Elbe bei Nünchritz (268/lV— X). 
Nach Naumann-ßautzeii (268/VIlI) wurde 1892 bei Bautzen 
ein noch nicht ganz flügger Junger von einem Hunde ge- 
fangen ; leider gibt der Gewährsmann, dessen Mitteilungen sich 
oft auch auf die weitere Umgebung von Bautzen (z. B. Klix, 
Königswartha) beziehen, den Fundort nicht genauer an. Im 
Mai 1890 wurde ein Triel bei Kronförstchen bei Bautzen erlegt 
(268/Vl). 


so 


Bich. Heyden: 


Westlich der Elbe liegt das Brüten fest für die Gegend 
von Zöschau (Marx sen. briefl , 384), Schotterflächen und Mulden- 
heger unterhalb Wurzen (197, 198, 384, 268/IV, /X), Grimma 
(268/X), in einem nicht ganz sicheren, aber nach dem geologischen 
Charakter der Gegend durchaus glaubhaften Fall bei Klinga 
(311) und für weit zurück liegende Zeit (ca. 1840) für Seehausen 
und Podelwitz nördlich Leipzig (156). 

Der Angabe Schusters (268/IV), die zwei Eier der Art, die 
er übrigens als „Brachvogel“ bezeichnet, bereits am 4. IV. ge- 
funden zu haben, dürfte irgend ein Irrtum (Druckfehler?) zu- 
grundeliegen. Sonst sind die Gelege von Anfang Mai bis Ende 
Juni (268/IV— VI, 311) gefunden worden. 

Der Durchzug wurde schon Ende März (268/VI, /VIII) be- 
obachtet, ein herbstlicher Spätling am 7. XII. noch bei Breiten- 
bach erlegt (268/V). Ansammlungen gelegentlich des Herbstzuges 
notierte Peschei (268/IV, /V) bis zu 80 Stück. 

69. Crocethia alba (Pall.). 

Helm (432) beobachtete 25. IX. 1910 einen am Hüttenteich 
bei Berthelsdorf (bei Freiberg). 

71. Calidris a. alpina (L.). 

Helm (127) bemerkte die ersten herbstlichen Alpenstrand- 
läufer 1896 und 1897 bereits ausgangs Juli; es waren, wie 
dies auch im August wohl stets der Fall zu sein pflegt. Alte im 
Brutkleid. 

72. Calidris ferruginea (Brünn.). 

Den Bogenschäbligen Strandläufer beobachtete Helm (432) 
am 18., 25. und 30. IX, 1910 am Berthelsdorfer Hüttenteiche in 
einer Anzahl von vier bis zehn Stück. Mayhofif (292) stellte 
zwei vom 2.-5. IX. 1914 an der Elbe bei Kotitz fest und 
notierte ihn feiner für den Moritzburger Grofsteich als am 
24. IX. 1915 in einem und am 8. IX, 1916 in drei und einem 
Exemplar vorgekommen. Hildebrandt (451) hat ihn am Esche- 
felder Grofsteich öfter bemerkt. 

Der Durchzug ist nunmehr durch 17 Einzeldaten für die 
Zeit vom 2. IX. bis 2 6. XL, jedoch nicht fürs Frühjahr 
festgestellt. 

73. Calidris minuta (Leisl.). 

Einegröfsere Reihe von Herbstzugdaten Mayhoffs (49 1,492), 
denen ich drei eigene (1. IX. 1918 vier, 15. IX. 1918 einer am 
Eschefelder Grofsteich, 10. VIII. 1919 einer am Grofsteich von 
Grofshartmannsdorf) anfügen kann, bestätigt aufs neue das 
regelmäfsige herbstliche Erscheinen des Zwergstrandläufers bei 
uns. Der Frühlingsdurchzug ist bisher nur für Mai (127) 
belegt, sein Verlauf sicher viel schwächer als der des Herbst- 


Nachträge %my Ornis Saxonica. Bi 

Zuges, wii das auch aus Ostpreufsen (Tischler), Mecklenburg 
(Wüstnei und Clodius), Schlesien (473), Ostthüringen (451), 
Bayern (Jäckel) etc. bekannt ist. 

Nachgewiesen ist die Art nunmehr für die Herbstzeit vom 
9. VII. bis 17. XI. und für folgende Oertlichkeiten : Königs- 
wartha (2), Kleinschönau bei Zittau (104), Moritzburg (491, 492), 
Elbstrecke zwischen Dresden und Meifsen (111, 127, 534), Rein- 
hardtsdorf a. d. Elbe (268/III), Grofshartmannsdorf (181), Crim- 
mitschau (41), Frohburg (119, 127, 172, 389), Rohrbach (141, 
148) und Gundorf (149). Das von Loos (268/IV) erlegte und 
von mir (446) aufgeführte Exemplar stammt aus der Gegend von 
Schluckenau in Böhmen, nicht wie ich schrieb, aus der von 
Sohland. 

74. Calidris temminckii (Leisl.). 

Zwei neue Beobachtungen von Teinmincks Strandläufer liegen 
vor: 28. VIII. 1910 einer von Helm (432) am Berthelsdorfer 
Hüttenteich, 20. IV. 191 1 einer von Mayhoff und Schelcher (491) 
am Dippelsdorfer Teich bei Moritzburg beobachtet; letztere 
Notiz ist der erste Nachweis für den Frühjahrsdurchzug 
für unser Gebiet. 

Weitere Notizen Helms (127, 432), die teils auf diese, teils 
auf vorige Art zu beziehen sird, mufs ich hier ausschalten, weil 
sie sich nicht sondern lassen. 

75. Tringa hypoleucos L. 

Berichtigung: Lies p. 281 auf Zeile 8 von unten statt 
,,Kretzschmar“ Krezschmar. 

Die Zugnotiz Zimmermanns (565): 14. 111. 1916 ist auf 
einen Druckfehler zurückzuführen und mufs, wie mir der Verf. 
mitteilt, 14. V. heifsen. 

77. Tringa t. totanus (L.). 

Die Brutplätze des Rotschenkels an den Teichen bei 
Moritzburg (268/VlII, 111, 121, 124) sind, wie Mayhoff und 
Schelcher (491, 492) berichten und mir auch durch einen am 
5. VI. 1919 der grofsen Mittelteich witse abgestatteten Besuch 
glaubhaft wurde, bis in die neueste Zeit bezogen worden. May- 
hoff (492) schätzt die Zahl der Brutpaare auf 5—6 Paare, die 
sich auf die Umgebung von Frauen-, Grofs-, Dippelsdorfer und 
Mittelteich verteilen. Am obengenannten Tage beobachtete ich 
an letzterem Teich einen Rotschenkel in seinem bekannten, Be- 
sorgnis um die Brut ausdrückenden Gebaren. Einige Tage 
später wiederholte sich das vor Weifsmantel und mir an einigen 
Teichen der westlichen Lausitz: 10. VI. 1919 einer unter Warn- 
rufen („gip — — “ etc.) am Südufer des Grofsteichs Grofsgrabe, 
11. VI. 1919 mindestens drei am Neuen Teich bei Weifsig; die 
letzteren auf einem flach aus dem Wasser herausstehenden 


feich, Heyder: 


Wiesenrücken, an den die Annäherung nicht so leicht möglich 
war, die Vögel daher nicht so beunruhigt und fast nur Balzrufe 
vernehmen lassend. Ganz teilnahmslos flog am 10. VI. 1919 
einer vor uns am Tschernitzteich bei Bulleritz auf; er schien 
hier nicht zu brüten. Im Vorjahre hatte Weifsmantel an diesem 
Teich zwei Brutpaare und fand (Tgbch.) am 24. V. 1918 auch 
das Gelege des einen mit 4 Eiern, wodurch das Brutvorkommen 
in der Lausitzer Niederung (2, 97, 99, 446) erneute Bestätigung 
erfährt. 

78. Tringa erythröpus (Pall.). 

Die Zugzeiten des dunklen Wasserläufers sind auf Grund 
neuerer Beobachtungen erweitert wiederzugeben: Mitte April 
(Mayhoff und Schelcher (491): 17. IV. 1908 und 20. IV. 1911 
bei Moritzburg) bis Mai, August bis E n d e 0 k t o b e r (31. X. 
1917 zwei am Frohburger Ziegelteich. Verf.). 

Einen Herumstreicher zur Brutzeit beobachtete Hesse (148): 
17. VI. 1905. 

79. Tringa nebularia (Gunn.). 

Auch hier sei einiger Fälle des Vorkommens von Hellen 
Wasserläufern während der Brutzeit gedacht: 16. VI. 1901 einer 
bei Frohburg (127), 10. VI. 1908 einer bei Gundorf (152). 

80. Tringa stagnatilis (Bechst.). 

Hesse (440) beobachtete 25. und 29. IX. je ein Stück in 
einem Lehmausstich bei Gundorf, vermutlich beidemal denselben 
Vogel. Der nunmehr dritte Nachweis für unser Gebiet (396, 410). 

81. Tringa ochropus L. 

Im Anhang zur Orn. Sax. hat sich Mayhofif (488) über die 
Nachprüfung jener schon von mir (446) erwähnten angeblich 
sächsischen Eier des Waldwasserläufers verbreitet: Bedenken 
gegen die Echtheit von vier Eiern lassen sich nicht geltend 
machen, desgleichen besteht, wie Mayhoff hervorhebt, auch kein 
Grund, die Richtigkeit der Herkunftsangabe „Moritzburg“ anzu- 
zweileln, sodafs in den Eiern, die vermutlich ein Gelege dar- 
stellen, tatsächlich ein sächsischer Brutbeleg vorzu- 
liegen scheint. In seiner „Systemat. Darstellung der Fortpflanzung 
der Vögel Europas“ (536) geht F. A. L. Thienemann in „Ab- 
theilung 4“ (erschienen 1830) zwar auf das Brutvorkommen des 
Waldwasserläufers in Deutschland ein, nennt aber obigen Fund- 
ort nicht, sodafs er die Eier damals noch nicht besessen zu 
haben scheint. 

83. Limosa l, limosa (L.). 

In der Orn. Sax. konnte ich nur vom Auftreten der 
Schwarzschwänzigen Limose im Frühjahr reden; inzwischen ge- 
lang Mayhoff (492) auch eine Herbstzug beobachtung; 4. VII. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


33 


1916 eine an der Gauernitzer Elbinsel. Der Frühlingsdurchzug 
(früheste Notiz 30. lil., späteste 26. V.) ist nachgewiesen für 
Gundorf (148), Pomfsen (152), Frohburg (119, 127, 184, 391, 
410), Oschatz (268/VII), Dippelsdorf (491), Moritzburg (127, 534) 
Ädelsdorf (284) und Grofshennersdorf (230). 

84. Limosa L lapponica (L.). 

Mayhoff (534) notierte 3. IX. 1914 zwischen Kotitz und 
Brockwitz an der Elbe acht Rostrote Pfuhlschnepfen und machte 
mir (briefl.) die Mitteilung, dafs Hantzsch früher zwei im Jugend- 
kleid befindliche bei Moritzburg beobachtet habe. 

89. Lymnocryptes gallinula (L.). 

Berichtigung: Lies p. 286 in der üeberschrift statt 
^^Gallinago gallinago^' G alli n a g o g all in ula. 

91. Otis t. tarda L. 

Berichtigung: Lies p. 287 auf Zeile 5 von unten 
statt „Hencke“ H e u c k e. 

93. Otis orientalis tetrax Hart. 

Die Mitteilungen Kunz’s (243) über das B r u t vorko mmen 
der Zwergtrappe enthalten auch, wie hier kurz nachgeholt sei, 
die Bemerkung, dafs (?1901) auf Wiederitzscher Flur ein Gelege 
von vier Eiern gefunden worden sei. Neben den zwei Exem- 
plaren aus dem Grofsen Gehege bei Dresden und Grafsdorf bei 
Leipzig, welch letzteres sonach aus einer Gemarkung inmitten 
des ehemaligen Brutgebietes Wiederitzsch -Seehausen -Taucha 
stammt, führte Reichenbach (289) noch eins „von Kredeler Revier 
an der Elbe“, 1835 erlegt, auf. Da es einen Ort dieses Namens 
nicht gibt, wird damit Grödel am nämlichen Flusse, südl. Riesa, 
gemeint gewesen sein. Ferner macht Held (104) noch eine Zwerg- 
trappe namhaft, die zu Anfang vorigen Jahrhunderts erlegt im 
Besitz des Gutsbesitzers Riedel in Luptin gewesen sei, indessen 
bleibt deren Herkunft zweifelhaft. Die weiter im Gebiet erlegten 
und beobachteten Vögel (nördl, Bautzen 268/1II), Reichenbach 
im Vogtl. (38) und Altenbach (199) bei Wurzen) sind bereits 
(446) erwähnt. 

99. For0ana parva (Scop.). 

Ueber das Kleine Sumpfhuhn sind von Hesse (162, 440) 
sehr bedeutsame Beobachtungsergebnisse veröffentlicht worden, 
die uns in der Stimmenkunde dieser Art als auch in der Kennt- 
nis ihres in Sachsen zu vermutenden Brütens sehr gefördert 
haben. Er hörte am 15. YI. 1908 von abends gegen 9 h an bis 
tief in die Nacht hinein an einer Stelle des dicht verwachsenen 

JoTun. f. Oru. LXX. Jahrg. J^vnuar 1921. 3 


S4 


Eich. Heyder: 


Südufers des Rohrbacher Grofsteichs Rufe, die er mit „tjip tjip 
tjip trre^“ oder auch „tjip . . . brri^“ notierte, das „tjip“ auch 

manchmal nur ein- oder zweimal vorangestellt, die seiner An- 
gabe nach „mithin von 0. parva herrühren mufsten.“ ln den 
folgenden Sommern vermochte er zunächst ähnliche Beobach- 
tungen nicht mehr zu machen. Diese Angaben gab ich in der 
Orn. Sax. wie folgt wieder: — Aus am 15. VI. 1908 bei 

Rohrbach aufgezeichneten Stimmnotizen mutmafste Hesse den 
Aufenthalt von entweder einem unbeweibten cf oder einem 
Paar am dortigen Grofsteich, vermochte aber den Rufer weder 
zu sehen noch in den folgenden Sommern festzustellen. Hesse 
(440) findet nun den von mir angewendeten Ausdruck „mutmafst“, 
den ich aus Gründen der Vorsicht wählte, um nicht mehr zu 
sagen als die Beobachtung damals ergab, unzutreffend und be- 
merkt, dafs „diese ehemalige Beobachtung und ihre Deutung nicht 
nur eine „Mutmafsung“, sondern die Feststellung einer Tatsache“ 
seien. Icli vermag aus den oben zitierten Worten der Orn. Sax. 
nicht herauszulesen, dafs ich die Beobachtung an sich einer 
Mutmafsung gleichstellen wollte. Die Deutung auf parva aber 
war eine Mutmafsung, denn Hesse sagt nichts davon, dafs er den 
rufenden Vogel so gesehen habe, dafs er ihn seinem Gefieder 
nach bestimmen konnte. Er begründete seine Artbestimmung 
demnach lediglich auf die Stimmbeschreibungen anderer Forscher 
(Döbbrick, Alexander v. Homeyer) in der Literatur. Dafs die 
Bestimmung richtig war, woran ich niemals gezweifelt habe und 
was spätere Beobachtungen dann auch bestätigten, ändert meines 
Erachtens nichts an ihrem Charakter als „Mutmafsung“. Soviel 
nur nebenbei 1 

Mehr Freude als die eben behandelte Angelegenheit be- 
reitete mir die neuerliche Feststellung dieses Sumpfhühnchens 
durch Hesse (440) im gleichen Teichgebiet von Rohrbach. Er 
vernahm am 7. VI. 1918 nachmittags bei sonnigstem heifsen 
Wetter wiederum am Grofsen Teich „jene stereotypen Rufkombi- 
nationen“, wenn auch nicht entfernt so lange wie damals, sah den 
Vogel, ein cf, auch und erwähnt seine Rufe auch als am 19. VI. 
gehört. Beidemal konnte er sich von der üebereinstimmung 
mit den oben näher angeführten, vor zehn Jahren verzeichneten 
Rufformen hinlänglich überzeugen. 

Zu meiner besonderen Freude kann auch ich einen weiteren 
Beitrag zur Kenntnis dieser Rufe liefern, wenngleich, wie ich 
vorausschicken will, meine Ergebnisse nicht so eindeutige sind 
wie die Hesses und ich dem Wein anfänglicher Begeisterung mit 
jedem Beobachtungstage mehr Wasser zusetzen mufste. Ich 
hörte nämlich am 20. VI. 1920 in den inneren Partien des süd- 
westlichen Torfstichgebietes am Grofshartmannsdorfer Grofsteich 
aus einem mit Wasser gefüllten und überwachsenen Aussticharm 
nacheinander gegen 20 helle Rufe, die ich anfänglich mit „witt 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


SS 


witt berrerrr“ notierte. Nach längerer Pause, die nur durch 
wenige Einzelrufe unterbrochen wurde, setzte wieder lebhaftes 
Rufen ein, das sich während des ganzen Nachmittags unter Ein- 
schaltung von Pausen beständig fortsetzte. Die Rufe ertönten 
ziemlich nahe, bis wenige Meter vor uns, und verstummten auch 
nicht, als ich schliefslich den Austausch mit meinem Begleiter, 
Lehrer Uhlig-Oederan, halblaut fortsetzte. Der Rufer hielt 
sich dabei in einem Glyceriafeld auf, das an der einen Seite, 
dem Damm zu, lückiger stand und offenes Wasser zwischen den 
einzelnen Pflanzen zeigte, nach der anderen, unzugänglichen 
Seite aber üppiger siedelte und mit Trupps von Lysimachia 
vulgaris und Garex gracilis durchsetzt war, in deren Verein es 
die dichte niedrigere Flora (Eriophorum Menyanthes trifoliata^ 
Fotentilla palustris etc.) einer hier vorhandenen Sphagnumdecke 
überschattete. Es schien mir, als kämen diese Rufe meist aus be- 
sonders dichten Büscheln Garex und Glyceria. Zu sehen war 
trotz angestrengtester Aufmerksamkeit nichts, kaum dafs sich das 
Gehälm der höher stehenden Pflanzen einmal bewegte. Einige 
Male rief auch Eallus hier seine mir wohlbekannten grunzenden 
Rufreihen. Am 24. VI. safs ich wieder beinahe einen halben 
Tag an zum besonderen Vergnügen der blutgierigen Mücken, 
Der Vogel rief in seinem Bezirk wieder teilweise sehr lebhaft 
teilweise stundenlang auch nur ein, zwei Rufe. Nach vielfachen 
Notierungen hörte ich diesmal vorwiegend „tjip berrerrr*‘ und 
fand das Tonbild wenig veränderlich, hingegen die Stimme 
ziemlich wandlungsfähig. Die Zahl der voranstehenden, wie 
herausgeplatzten „tjip“ wechselte zwischen eins bis drei; oft 
wurden die Pausen zwischen den einzelnen Rufgebilden mit 
diesen „tjip“ (zuweilen absinkend auf „tjep“ bis „tjop“) ausge- 
füllt. Der zweite, schnarrende Teil der „Strophe“ gliederte sich 
ständig in zwei hörbare, aber in einem Atem herausgestofsene 
Silben, von deren letzter ich offen lassen mufs, ob sie wirklich 
tiefer lag oder ob sie lauter gerufen wurde als die erste (also 
entweder „tjip berrg^j.^. oder „tjip berrerr“). Der ganze 

„Schnarrer“ begann oft mit dumpfem bauchrednerischen Einsatz. 
Dieser hohle Klnag beherrschte zuweilen den ganzen Ruf: „tjöp 
borrirrr“ und brachte ihn in gewisse lautliche Verwandtschaft 
zu den gewöhnlichen Grunzrufen der Ralle, die der Stimmen- 
kenner jedoch immer noch ohne Schwanken würde unterschieden 
haben. 

Vorstehende Notizen ergeben eine bis ins einzelne gehende 
Uebereinstimmung mit den Aufzeichnungen Hesses (162, 440) und 
V. Homeyers^) mit dem Unterschiede, dafs Hesse den letzten 
Teil der Rufe deutlich herabgezogen und dumpfer als ich betont 
(»tjip brrio“ etc.) hörte. Ein mehr als einmaliges Ab- 


1) Orn. Monatsschr. 17. Jg. (1892) p. 411. 


3 * 


86 


Bich. Heyder: 


fallen dieses Telies, wie es Döbbrick laut Voigt (384) verzeichnete, 
bezw. ein mehr als zweisilbiges Schnarren, wie es Grafsmann^) — 
ohne genauere Kenntnis des Rufers — in den Rokitnosümpfen 
hörte, vernahm ich nie. Ich würde auf Grund der festgesteilten 
Rufe ohne Bedenken die Laute parvjx zugeschrieben haben, wenn 
sich dem nicht am 2. VIL folgende Klompikationen in den 
Weg gestellt hätten: Am Vormittag, kurz nach meiner Ankunft, 
hörte ich plötzlich „borrief borriei borrief borr tjip tjip berrerrr“, 
also eine Verbindung der bisher am gleichen Orte gehörten Rufe 
von Ralle und Sumpfhuhn, was sich bei regster stimmlicher 
Tätigkeit namentlich des letzteren nochviermal an diesem 
Tage wiederholte! Ich war nach den Eindrücken dieses Tages 
nicht imstande, mir diese Kombinationen (in einem Fall auch: 
„borrie borr borr“, also stets unverkennbare Ralienrufe, und un- 
mittelbar an sie anschliefsend ca. zehn „tjip — — berrerrr“) anders 
entstanden zu erklären, als aus einem und demselben Schnabel 
stammend, wie es tatsächlich in geradezu zwingendster Weise den 
Anschein hatte. Heute neige ich jedoch der Erklärung zu, ein 
Begegnis beider Vogelarten (der cf?) im Pflanzendickicht anzu- 
nehmen, bei welchem sich beide mit ihren „Balzrufen“ entgegen- 
traten, wie ich es von einigen Eallus in der Tat schon erlebte 
(17. IV. 1908 am Frohburger Ziegeiteich), nur dafs damals die 
Rufe regellos durcheinander, nicht nacheinander zu hören waren. 
Am 6. VII. hörte ich trotz dreistündigen Ansitzens keine auf 
parva zu deutenden Rufe; das gleiche Ergebnis zeitigten einige mit 
Prof. Voigt am 11. und 12. VII. vorgenommene Besuche desPlatzes. 

Ich habe geschwankt, ob ich das Vorstehende, dessen Er- 
gebnisse ich als durchaus vorläufige und keineswegs 
abschliefsende betrachtet wissen möchte veröffentlichen sollte 
oder nicht. Jedenfalls möchte ich aus ihnen heute noch 
nicht den eindeutigen Nachweis des Vorkommens vom Kleinen 
Sumpfhuhn im genannten Gebiete ableiten, sondern will 
versuchen weitere Beobachtungen anzustellen. Ein Betreten des 
in Frage stehenden Gebietes, in dem wohl die Niststätten der 
Vögel zu vermuten waren, war nicht möglich; selbst als im 
Herbst (12. X.) der Teichspiegel und mit ihm die Sumpfdecke 
jenes Ausstichs um etwa einen halben Meter gefallen waren, er- 
wies sich die letztere noch als unbetretbar, da sie schon bei den 
ersten tastenden Schritten bedenklich zu schwanken begann. 

Flatalea 1. leucorodia L. 

Der Vollständigkeit halber sei angeführt, dafs nach alten 
Angaben 2) 1625 bei Zittau eine „Löffelgans“ erbeutet wurde. 

1) Journ. f. Orn. 67. Jg. (1918) p. 295. 

2) Job. Bened. Karpzow, Analecta fastorum Zittaviensium, 
Leipzig 1716 1. Teil p. 39; Christ. Ad. Pescheck, Handbuch d. Geschichte 
von Zittau. 2. Teil. Zittau 1887 p. 817 (ferner 280, 281, 369, 371). 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


B7 


104. Ciconia c. ciconia (L.). 

lieber den Bestand an sächsischen Storchnestern sind kurz 
nacheinander zwei umfangreiche Aufnahmen veranstaltet worden: 
Eine von Kramer (529, 474) für den Bereich der Oberlausitz, 
dem zur Zeit wichtigsten Storchengebiet, und für das gesamte 
Sachsen durch Klengel (467, 468). Ich kann hier wohl darauf 
verzichten, auf die Einzelheiten dieser mühsamen und dankens- 
werten Untersuchungen einzugehen und verweise auf die Arbeiten 
selbst. Ihre Ergebnisse erhärten das von mir (446) über gegen- 
wärtige Verbreitung und Abnahme Gesagte; speziell für die 
Oberlausitz fafst sie Stolz (529) nach Kramers Befunden folgender- 
mafsen zusnmmen : ,,In der dicht besiedelten sächsischen Ober- 
lausitz ist trotz ursprünglich günstiger Bedingungen sehr starke 
Abnahme erfolgt“. Kramer ermittelte 1913 20 besetzte und 19 
unbesetzte Nester. Klengel bestätigt und ergänzt diese Angaben 
unter Zugrundelegung der Verhältnisse von 1916 und 1917 und 
erwähnt für ganz Sachsen 45 Nester, davon waren 1916 19, 1917 
17 besetzt. Faunistisch weiter von Interesse ist die Erscheinung, 
dafs der Storch am ehesten der höher gelegenen und bergigen 
Striche seines Brutgebietes verlustig gegangen ist und sich bis 
heute nur noch in der Niederung, die er wohl von jeher dichter 
besiedelte als jene, halten konnte. Der am weitesten nach 
Süden liegende Brutort neuerer Zeit ist Drausendorf in der 
Neifseaue bei Zittau (467, 474, 529). Das ganze westelbische 
Sachsen wies nach Klengel nur noch ein Storchnest auf: Malk- 
witz bei Dahlen (468); die Siedelungen zwischen Hubertus- 
burger Wald und Mulde und im Pleifsegebiet (169, 171) waren 
erloschen. 

Einen ungewöhnlich frühen Ankunftstag des Storches über- 
mittelte mir Zimmermann (briefl.) nach einer Ueberlieferung 
aus alter Zeit: 1680 traf der Storch nach voraufgegangenem „ge- 
inden“ Winter bereit s am 9. II. ein. 

105. Ciconia nigra (L.). 

Bei Tobias (371) findet sich in Klammer der Hinweis: 

„Nach Fechner brütete er im Jahre 1851 bei Kölitz“ Ich habe 
die betr. Arbeit Fechners (wohl 68) nicht einsehen, aber auch 
einen Ort dieses Namens in der Oberlausitz nicht ermitteln 
können. Doch scheint mir soviel sicher, dafs „Köblitz“ (bei 

Wilthen) nicht gemeint sein dürfte, wie ich (446) irrtümlich an- 

nahm. Auch Berge (26) scheint einen sicheren Anhalt nicht ge- 
funden zu haben, denn er umschreibt unter Hinweis auf die 
Tobias’sche Stelle den Brutplatz mit „östlich von Bautzen“. 


1) Christian Schoettgen, Historie der Chur-Sächsischen 
Stiflts-Stadt Wurtzen. Leipzig 1717. 


38 


Eich. Heyder; Nachträge zur Ornis Saxonica. 


Das Brüten des Schwarzstorchs in Sachsen ist sonach für die 
Zeit nach 1800 nicht erwiesen. 

Für die Zeiten vordem ist ein solches gewifs zu vermuten, 
doch fehlen hierfür sichere Nachrichten. Die Unterlagen hierzu, 
die Klengel (467) in der alten Abhandlung G. Fabricius’^) gefunden 
zu haben glaubt, sind viel zu allgemein gehalten und können 
ebensogut auf vorübergehendes Vorkommen gedeutet werden. 

107. Botaurus st. stellaris (L.). 

Berichtigung: p. 294 Zeile 12 von unten ist „(Grenz- 
teich)“ zustreichen. 

Aufser den von mir zusammengestellten Brutrevieren 
der Grofsen Kohrdommel finde ich von Hantzsch (99) noch das 
Teichgebiet von Wartha in der Lausitz als solches verzeichnet. 
Für entlegenere Zeiten, vor Mitte vor. Jahrhunderts, erwähnte 
Fechner (68) nach Baer (2) sogar die Zittauer Gegend als Nist- 
gebiet; das mag nach den heutigen örtlichen Verhältnissen kaum 
möglich erscheinen. Doch ist das recht gut glaubhaft, weil die 
Umgebung von Zittau um jene Zeit noch zahlreiche Teiche ^) 
aufwies. 

119. Coturnix c. coturnix. (L.). 

Die von mir für das Brutvorkommen der Wachtel auf- 
geführten Höhenangaben bedürfen zufolge sehr wesentlicher Er- 
gänzungen durch Hoffmann (456) der Berichtigung: Hoffmann 
stellte die Wachtel im westlichen Erzgebirge (Sosa, Eibenstock) 
bis zu 650 m, im östlichen (Schellerhau, ^ Hermsdorf) teilweise 
bis über 800 m hinauf fest; es ist anzunehmen, dafs sie dort 
auch brütete. Etwa vom Jahre 1915 an hob sich der Bestand 
der Wachtel deutlich und ziemlich allgemein. 

Noch am 4. XI. 1917 fand ich in Rochlitz den frischen 
Kadaver eines jungen cT, das noch gestopft werden konnte. 

120. Tetrao u. urogallus L. 

Berichtigung: Lies p. 299 in der Ueberschrift statt 
„121“ 120, p. 300 unter Nr. 40 statt „Elternlein“, E 1 1 e r 1 e i n. 

(Schlufs folgt.) 

1) Georgii fabricii rerum Misnicarum libri VII. Lipsiae (1569) 
p. 224. — Verfasser der hier aufgeführten Elbvogelfauna ist Johannes 
Kentmann, seinerzeit Stadtarzt in Meifsen und „der erste mitteldeutsche 
Faunist aus der Zeit der ßenaissancezoologie“ (R. Zaunick in Mitteil, 
z. Geschichte d. Medizin u. der Naturwissenschaften Nr. 82 XVIII. Bd. 
Nr. 8 (1919) p. 180). Abdrucke obiger Arbeit in Wittenbergsches 
Wochenblatt auf das Jahr 1779 12. Bd. p. 278—279 und Archiv für 
Naturgeschichte 82. Jg. (1866) p. 269—270. 

*) Chr. Ad. Pescheck, Handbuch d. Geschichte von Zittau I 
(1884) p. 199. 


Zur Aylfauna des nördlichen Deutsch-Südwestafrika. 

(Dr. Leo WaibeFs Sammelausbeute aus dem Etosohagebiet.) 

Von Hermann Grote. 

Zu den deutschen Forschungsunternehmen, deren glückliche 
Vollendung durch den Ausbruch des Weltkrieges jäh vereitelt 
wurde, gehörte auch die im Frühjahr 1914 von Prof. Dr. Fritz 
Jaeger und Dr. Leo Waibel im Aufträge des Eeichskolonial- 
amts unternommene Expedition ins nördliche Deutsch-Südwest- 
afrika. Das Hauptziel des Unternehmens war, eine landes- 
kundliche Beschreibung des Kaokoveldes, des Karstveldes und 
der Etoschapfanne zu gewinnen, daneben sollte geologisch, 
meteorologisch, botanisch, zoologisch und ethnographisch be- 
obachtet und gesammelt werden. Aber die hoffnungsvollen 
Pläne konnten nur zu einem Teile ausgeführt werden: kurz 
darauf, als im nördlichen Deutsch-Südwestafrika die Forschungen 
begonnen hatten, brach der grofse Krieg aus, und die beiden 
Reisenden wurden als Reiter der Schutztruppe eingezogen Nach- 
dem später die deutsche Truppe vor der erdrückenden Über- 
macht des Feindes hatte kapitulieren müssen, und Deutsch-Südwest 
von den Engländern besetzt worden war, wurde von diesen den 
beiden Forschern nicht gestattet, die Expedition fortzusetzen und 
ihr eigentliches Forschungsfeld — das Kaokoveld und das 
Etoschagebiet — zu bereisen. So haben die Ergebnisse der 
Forschungsreise (wenigstens soweit die zoologische Seite in Be- 
tracht kommt) naturgemäfs nur einen Teil der Erwartungen er- 
füllen können, die ursprünglich in sie gesetzt worden waren ; 
immerhin ist aber dasjenige, was durch die Wirren der Kriegs- 
zeit hindurch gerettet werden konnte und von dem Sammler 
— - Dr. Waibel kürzlich dem Berliner Museum für Naturkunde 
überwiesen wurde, der Wissenschaft besonders willkommen ge- 
wesen. Gibt es doch Kunde aus einem zoologisch bisher fast 
gänzlich unbekannten Gebiet. 

Die Ausbeute an Vogelbälgen besteht in 81 Exemplaren, 
die 40 verschiedenen Arten angehören. Bedauerlich ist, dafs 
von den meisten Arten nur je ein oder zwei Exemplare ge- 
sammelt wurden, und für den ornithologischen Systematiker gilt 
ja bekanntlich im allgemeinen der Grundsatz: ein Balg ist 
kein Balg! Die beiden Formen, von denen eine gute Serie 
zusammengebracht worden war, nämlich der JBhiletairus und eine 
Mirafra des Gebiets, haben sich als für die Wissenschaft neu 
erwiesen; es ist anzunehmen, dafs bei genügendem Material sich 
manche andere Rasse hätte erkennen lassen, die vorläufig auf 
Grund des einen vorliegenden Stückes hat unbeschrieben bleiben 
müssen. Im ganzen konnten vier Formen der Waibel’schen 
Vogelsammlung als neu abgetrennt werden; ihre Beschreibung 


40 


Hermann Grote: 


folgt nachstehend. Die Vögel wurden alle im Etosch agebiet 
gesammelt 

Dies Gebiet war bis vor kurzem einer der am wenigsten 
erforschten Teile Afrikas. In seiner weltfernen Abgeschlossen- 
heit blieb es lange von der wissenschaftlichen Forschung unbe- 
achtet, umsomehr, als es nichts von tropischer Pracht, 
nichts von der freundlichen Fruchtbarkeit gemäfsigter Zonen 
aufzuweisen hat, und seine Öde grofse und besonders lohnende 
Forschungsergebnisse kaum zu versprechen schien. Den 
Zugang zu ihm sperrte überdies ira Westen das grofse Sand- 
meer — die „Namib“, die wasserlose Wüste; im Norden 
verlegte das unzugängliche jungfräuliche Amboland mit seinem 
üppigen Tropenwald den Weg. Im Südosten lagerte sich die 
unendliche Kalaharisteppe davor. Nur ein paar Jäger und 
Händler durchbrachen den Ring und brachten spärliche Nach- 
richten über das Land und seinen grofsen Wildreichtum zurück . . . 

Die riesige Lagune oder Pfanne Etosch a breitet sich 
zwischen dem Amboland im Norden, dem Kaokoveld im Westen 
und dem Hereroland im Süden in einer Länge von weit mehr 
als 100 und einer mittleren Breite von mindestens 40 km aus. 
In der Regenzeit (die zu Ende des Jahres eintritt) wird sie von 
den Saisonfiüssen des Gebiets, den Omuramben, gespeist und 
teilweise von zusammengeflossenem Regenwasser überschwemmt, 
ferner sendet ihr der Kunene bei Hochwasser einen kleinen Teil 
seiner Fluten zu, aber während des gröfsten Teils des Jahres 
ist sie eine weite trockene graugrüne Fläche, die an ihrem Rande 
mit einer Salzkruste von mehreren Zentimetern Dicke bedeckt 
ist. Der Pfannenboden ist absolut vegetationslos, die salz- 
inkrustierten Uferstreifen hingegen weisen bereits spärlichen 
Pflanzenwuchs in Gestalt rötlicher Salsolabüsche auf. Stellen- 
weise bedeckt ein Queckgras die Uferterrassen, die im übrigen 
meist mit Busch bestanden sind. Die flache ebene Umgebung 
der Etoscha wird durch Gras- und Buschsteppe gebildet; etwas 
Gehölz ist hier und da eingesprengt. Im Osten tritt der Trocken- 
wald des Okawangogebiets bis dicht an die Etoschapfanne heran. 

Ungemein grofs ist der Tierreichtum des Etoschagebiets. 
Zahllose Wildrudel beleben laut Waibel die Buschsteppe und 
ziehen auf die Salzflächen der Lagune hinaus, um das begehrte 
Salz zu lecken. Trupps von 50 — iOO Blauen Gnus, sowie Zebras 
in zwei Arten und Straufse vergesellschaften sich, Scharen von 
Springböcken wandern hin und her, Oryxantilopen und Kuhanti- 


Von den Fundorten der gesammelten Vögel liegt Okaukwejo am 
westlichen Südrande, Namutoni an der östlichen Ausbuchtung der Etoscha, 
unterhalb der Mündung des Omuramba-u-Owambo. Achawachab ist etwa 
in der Mitte zwischen Etoscha und Otavi gelegen; Obab liegt im Karst- 
veld, Rietfontein und Gaigosaub am Südrande der Etoscha, Tsumeb und 
Gaub nordöstlich von Otavi. 


Zur Avifauna des nördlichen Deutsch-Südwestafrika. 


41 


lopen stehen mit Vorliebe in den grofsen Ausbuchtungen der 
Etoschapfanne, da wo die Quellen austreten und sich grofse 
Grasflächen landeinwärts erstrecken. Von anderen hier vor- 
kommenden Antilopen sind zu nennen: Grofses Kudu, Pferde- 
antilope, Schwarzfersenantüope, Steinböckchen, Ducker, Blau- 
böckchen, aber „zur Signatur der Etoschapfanne gehören sie 
nicht, ebensowenig wie die Giraffe, die gelegentlich durch das 
Karstfeld streift“ (Waibel). Die weiten Grasflächen werden 
ferner bewohnt von Springhasen (Pedetes), Erdferkeln (Oryc- 
teropus), Erdhörnchen (Xerus), Hasen. Diesen Tieransamm- 
lungen folgen natürlich die Raubtiere: Löwe, Leopard, Hyäne, 
Schakal. 

Unter den Vögeln ist der Straufs ein Charaktervogel des 
Gebiets, in Trupps von 10—12 Stück durchstreift er die Gras- 
ebenen. Eine Grofstrappe (vermutlich Otishori?) ist hier gleich- 
falls nicht selten. Vor allem macht sich aber die kleine Trappe 
{Eupodotis afroides etoschae) überall im Graslande bemerkbar. 
„Die schwarzweifsen Vögel gehören mit ihrem Geschrei und Ge- 
gacker durchaus zur Physiognomie der Etoscha. Laut lärmend 
steigen sie, im Gras aufgescheucht, mit raschen, schweren Flügel- 
schlägen in die Höhe, lassen sich dann mit vorgestrecktem Hals 
senkrecht herunterfallen ins Gras hinein. Ruhig und lautlos 
bleiben sie liegen. Dem Auge sind sie sofort verschwunden. 
Die Hottentotten nennen sie Garas, wegen ihrer schnellen und 
aufgeregten Bewegung“ (Waibel). Von gröfseren Vögeln sind 
neuerdings durch Roberts (cfr. das Referat in „The Ibis“ 1918) 
Francolinus hartlaubi^^ und ^^Vinago calva^^ für unser Gebiet 
bekannt geworden, die von Leutnant Finch-Davies bei Otavi ge- 
sammelt wurden. Über Francolinus gariepensis bei Tsumeb be- 
richtet W. Sclater in Bull. Brit. Ornith. CI. 1917, p. 46—47. 

Ornithogeographiscb scheint das Etoschagebiet noch ganz 
zum Herero- und Damaralande zu gehören: das Steppenland 
hat dieselben Charaktervögel wie die südwestafrikanischen 
Steppen überhaupt aufzuweisen, teilweise allerdings in anderen 
geographischen Formen. Selbst der Siedelsperling (Fhilefairus) 
— dieser Charaktervogel Südafrikas — dringt bis hierher vor, 
doch in einer heller grau gefärbten vikariierenden Rasse. (Ver- 
mutlich gehört jedoch das im Osten der Etoscha beginnende 
Waldgebiet schon zu einem anderen Tiergebiet, nämlich dem 
des Okawango und des Ambolandes. Dies letztgenannte Gebiet 
ist aber noch fast ganz unbekannt, und es läfst sich vorläufig 
wenig darüber sagen ; spätere Forschungen werden hier zweifellos 
überraschende Tatsachen zutage fördern). Das Wenige, was wir 
bis jetzt über die Vogelwelt der Etoscha wissen, läfst den Wunsch 
aufkommen, mehr Material aus diesem Tiergebiet zu erlangen. 
Dankbar indessen müssen wir dem Sammler und Forscher 
Dr. Waibel sein, der uns aus einem unerforschten Lande die 
erste Kunde über dessen Ornis brachte und trotz der Kriegs- 


42 


Hermann Grote: 


wirren es fertig zu bringen verstand, der Wissenschaft wert- 
volles Material zu retten.^) 

Herrn Dr. E. Stresemann, der mir die systematische Be- 
arbeitung der Waibel’schen interessanten ornithologischen Sammel- 
ausbeute anvertraute, möchte ich auch an dieser Stelle meinen 
herzlichsten Dank aussprechen. 


1. Burhinus capensis damarensis (Rchw.) [Oedicnemus ca- 
pensis var. damarensis Reicheno w 1905]. — In der Waibel’schen 
Sammlung ist leider nur ein einziges Exemplar vorhanden ; unter 
einer mir vorliegenden Reihe (8 Stck.) aus Damaraland usw. ist 
es das hellste. Es wäre verfrüht, auf Grund des einzigen 
Exemplars die Vermutung auszusprechen, dafs wir es im Gebiet 
der Etoscha mit einer besonderen geographischen Form zu tun 
haben, die sich auf dem Salzboden dieses Gebiets zu einer sehr 
hellen Rasse ausbildete, wie dies bei einigen anderen Vogelarten 
stattgefunden hat (vgl. Eupodotis afroides etoschae, Mirafra sa- 
hota waibeli). 

Waibel’s Exemplar stammt von Okaukwejo (VII); Flügel- 
länge 220 mm; Körpergewicht i. FL: 322 gr. 

2. Eupodotis afroides etoschae nov. subsp. Diese 
neue Form unterscheidet sich aulfällig von der typischen 
E, afroides durch die sehr hellen (fast weifsen) welligen Quer- 
binden — die bei der Nominatform braun sind — der Oberseite. 
(Verglichen mit sechs Exemplaren von Damaraland). 

Typus: cf, von Okaukwejo, 31. VII. 1914. Gefieder ziemlich 
frisch. Flügellänge: 283 mm; der Körper wiegt i. Fl. 785, das 
Herz 5 gr. 

3. Streptopelia capicola damarensis (Finsch u. Hartl.) {Turtur 
damarensis Finsch und Hartlaub 1870]. — Ein Exemplar von 
Okaukwejo (VIII); Flügellänge 154 mm. 

4. Tyto alba splendens (Br.) [Strix splendens Chr. L. Brehm 
1840 (= Strix maculata BreW 1858)]. — Ein alter Vogel 
sowie ein Pullus, beide von Achawachab (12. VI. 1914). Der 
alte Vogel hat 255 mm Flügellänge; die Grundfärbung der 
Unterseite ist ockergelb ; in Damaraland leben neben ebenso 
gefärbten auch Vögel mit weifser Grundfärbung der Unterseite. 

5. Tricholaemo leucomelan (Bodd.) [Bucco leucomelas Bod- 
daert 1783]. — Zwei Exemplare, von Tsumeb bezw. Okaukwejo, 
Flügellänge 77 bzw. 80 mm, beide Stücke unterseits ungefleckt. 


1) Dr. Waibel hat sich nicht darauf beschränkt, Vögel nur lu 
sammeln, sondern er hat die meisten der von ihm gesammelten Exem- 
plare auch im Fleische gewogen. Seine Gewichtsangaben stellte er 
mir für diese Abhandlung freundlichst xur Verfügung. 


Zur Avifauna des nördlichen Deutsch-Stdwestafrika. 


4S 


Eine gröfsere Serie von Damaraland (im Berliner Museum) ist 
durchweg unterseits ungefleckt, während ein Stück von Port- 
Elizabeth unterseits starke Fleckung aufweist, sich aufserdem 
durch sehr starken Schnabel auszeichnet. Ein Exemplar, das 
ebenso aussieht und gleichfalls dicken Schnabel hat, befindet sich 
— wie mir Herr Dr. Hartert freundlichst brieflich mitteilte — 
im Museum zu Tring: es stammt von Klipfontein im Namaqua- 
lande, also gleichfalls aus dem Süden ! Ein cf von Hopetown 
am Oranjeflufs (im Tring-Museum) ist laut Hartert (in litt) inter- 
mediär in der Fleckung. Daneben besitzt dies Museum aber 
auch ungefleckte Exemplare von Transvaal. Es scheint mir nicht 
unwahrscheinlich, dafs die Südwestafrikaner von den Vögeln der 
Südspitze Afrikas subspezifisch verschieden sind; leider fehlt 
mir gutes Vergleichsmaterial aus dem Süden. 

Ein von Waibel gewogener Vogel hat 29 gr. Körpergewicht 

6. Dendromus ahingoni smitJiii (Malh.) [Ficus {Chrysoptilo- 
picus) smithii Malherbe 1845]. -- Ein Exemplar (auf dem Etikett 
irrtümlich als cf bezeichnet) von Okaukwejo, 29. VII.; Flügel- 
länge 1 18 mm; Gewicht i. Fl. 70 gr. 

7. Dendropicos guineensis stresemanni nov. sulbsp. 

Dem Dendropicos guineensis guineensis (Scop.) sehr ähnlich, ist 
aber unterseits schmäler gestrichelt, was besonders auf dem 
Bauche und den Körperseiten auffällt. Bewohnt das nördliche 
Deutsch-Südwestafrika bis nach Angola hinein. In den Grenz- 
gebieten der Verbreitung sind (wie bei allen Formen dQx guineensis^ 
Gruppe) üebergänge nicht selten ; so z. B. ist ein mir vorliegendes 
cf von Chaungu, Angola, (Ansorge leg.) auf der Oberseite etwas 
grüner. 

Als Typus der Form bestimme ich das von Dr. Waibel bei 
Okaukwejo gesammelte Stück, ein 9 vom 29. VII.; Flügellänge 
90 mm ; Körpergewicht i. Fl. 26 gr. (Die Schnabelfärbung ist 
auf dem Etikett als „schwarz“ angegeben; laut Reichenow [Vög. 
Afr. II, p. 193] ist sie bei D. guineensis bleifarben). Sechs 
weitere Exemplare, die ich zu dieser neuen Form rechne, liegen 
mir aus Angola und dem Nordteile Deutsch-Südwestafrikas vor 
[im Berliner Museum]. 

Dr. E. Stresemann, wohl unser bester Spechtkenner, hatte 
die Freundlichkeit, die Form zu begutachten. Ich benenne sie 
nach ihm. 

8. Ficrocercus hirundineus hirundineus (A. Lcht.) [Merops 
hirundineus Lichtenstein 1793]. — Ein Exemplar (cf), Tsumeb 
(V); Flügellänge 98 mm. 

9. Ehinopomastus cyanomelas cyanomelas (Vieill.) [Falci- 
nellus cyanomelas Vieillot 1819]. — Ein Exemplar (9), Namu- 
toni (VII); Flügellänge 100 mm; Gewicht i. Fl. 25 gr. 


44 


Hermann Grote*. 


10. JBradornis mariqucnsis mariquensis A. Sm. [Bradornis 
mariquensis Smith. 1847]. — Zwei Exemplare, von Okankwejo 
(VIII), die solchen von Damaraland durchaus gleichen. Flügel- 
iänge 83,5 und 85 mm; Gewicht i. Fl. 21 gr. 

11. Batis molitor molitor (Küster) {Muscicapa molitor 
[Licht.] Küster 1850] — Ein 9‘^) von Obah, 20. V.; Flügeliänge 
59 mm ; Gewicht i. Fl. 10 gr. 

12. Lanioturdus torquatus Waterhouse 1868. — Ein Exemplar, 
von Okaukwejo, 14. VIII., Flügellänge 88 mm; Gewicht i. Fl. 
26 gr. 

13. Prionops poliocephala poliocephala (Stanl.) [Lanius 
poliocephalus Stanley 1814; (= talacoma k, Sm.)] — Ein Stück, 
von Obab, 20. V.; Flügeliänge 109 mm; Gewicht i. Fl. 34 gr. 

14. Harpolestes australis damarensis (Rchw.) [Bomato- 
rhyncJius australis damarensis Reichenow 1915]. — Die beiden 
von Dr. Waibel gesammelten Exemplare (von Namutoni bzw. 
Obab) stimmen mit den Typen (von Windhuk) dieser Subtilform 
völlig überein. Die Nominatform (aus Südafrika) liegt mir nur in 
ganz unzulänglichem Material vor. Flügeliänge der WaibeTschen 
Stücke 77 und 78 mm; Gewicht i. Fl. 31 und 34 gr. 

15. Laniarius atrococcineus (Durch.) [Lanius atrococcineus 
Durcheil 1822]. — Drei Exemplare von Namutoni (VII), die 
Stücken aus Damaraland gleichen. Flügeliänge 92, 96, 96 mm; 
Gewicht i. Fl. 44—45 gr. 

16. Bicrurus adsimilis adsimilis (Dchst., Lath.) [Corvus ad- 
similis Dechstein, Latham 1794]. — Drei Exemplare von Gaub 
(IV) und Okaukwejo (VIII); Flügeliänge 130 — 133 mm. 

17. Ploceus intermedius lühherti Rchw. [Ploceus lühherti 
Reichenow 1902]. — Drei Exemplare im Wintergefieder; Fund- 
orte: Rietfontein und Obab (V, VII). Flügellänge 74—75 mm; 
Gewicht i. Fl.: 18 (?), 23, 24 gr. 

18. Plocepasser mahali mahali A. Sm. [Flocepasser mahali 
A. Smith 1836]. — Zwei Exemplare von Tsumeb bezw. Riet- 
fontein (V bezw. VII). Weifse Schwanzsäume schmal; Oberseite 
sehr wenig dunkler als bei Stücken von Windhuk, dagegen etwas 
Keller als bei zwei mir vorliegenden P. m. ansorgei von Mossa- 
medes. Flügeliänge: 92 und 95 mm; ein Expl. wiegt i. Fi. 39 gr. 

19. Sporopipes squamifrons damarensis Reichenow 1905. — 
Reichenow beschreibt diese Form als oberseits heller und grauer 
als typ. squamifrons \ dies trifft vollauf zu, aber ich möchte 
hinzufügen, dafs in denselben Gegenden dunkler und heller ge- 
färbte Stücke nebeneinander Vorkommen. So ist z. D. ein mir 


^) Vom Sammler irrtümlich als cf bezeichnet. 


Zur Avifauna des nördlichen Deutsch-Südwestafrika. 45 

vorliegendes c? von Windhuk (Wilde leg.) sehr hell grau (man 
hat sofort den Eindruck, eine „Wüsteiiform“ vor sich zu haben), 
während andere Exemplare von Damaraland sowie zwei Stücke 
von Mossamedes nur unbedeutend heller als squamifrons sind. 
Das von Dr. Waibel gesammelte Stück (von Gaigosaub, 23. VII.) 
ist gleichfalls ziemlich hell, aber etwas bräunlicher. „Auge 
braun, Schnabel rosa, Füfse grau“. Flügellänge 59 mm^); Ge- 
wicht i. Fl. 12 gr. 

Hartert schreibt in den Novit. Zool. 1907 p. 489: „We 
have a series of S. s. squamifrons from Damaraland (Ändersson)“ 
usw. und läfst die Form damarensis Benguella bewohnen. Der 
Typus von S. s. damarensis Rchw. stammt aber gerade von 
Damaraland, sogar aus dem Süden des Landsei 

20. Ämadina erytJirocephala (L.) [Loxia ery{thro)cephala 
Linnaeus 1758]. — Ein cf von Okaukwejo (1. VIll) und zwei 9 
von Gaigosaub (23. VII), die mit dem mir vorliegenden Ver- 
gleichsmaterial aus Damaraland völlig übereinstimmen. Flügel» 
länge: cf 71, 99 70 bezw. 72,5 mm; ein Exemplar wiegt 
i. Fl. 23 gr. 

21. Fytilia melba melba (L.) [Fringüla melha Linnaeus 
1758]. — Drei Exemplare (cf, 99)» von Obab, im Mai ge- 
sammelt. Flügeiiänge 60 — 62 mm; Gewicht i. Fl. 15, 12, 13 gr. 
[Die Form P. m. angolensis Rchw. 1919 scheint mir der Be- 
stätigung auf Grund eines gröfseren Vergleichsmaterials zu 
bedürfen. Dagegen ist die gleichzeitig beschriebene ostafrikanische 
Form P. m. grotei Rchw. (Typus von Mikindani) an der grofsen 
Ausdehnung der roten Färbung am Kopie recht gut kenntlich. 
P. m. mosambica van Someren (Bull. Brit. Orn, CI. 1920, p. 
55—56) von Nord-Mossambik ist augenscheinlich ein Synonym 
von P. m. grotei Rchw.]. 

22. Estrilda erythronotos erythronotos (Vieill.) [Fringüla 
erythronotos Vieillot 181 7. j — Mir stehen als Vergleichsmaterial 
nur Stücke aus Südwestafrika zur Verfügung, denen das von 
Dr. Waibel in Rietfontein (24. VII) gesammelte Exemplar voll- 
ständig gleicht. Flügeiiänge 53,5 mm; Gewicht i. Fl. 10 gr. 

23. JJraeginthus granatinus (L.) [Fringüla granatina Lin- 
naeus 1766]. — Ein cf von Obab (20. V); Flügeiiänge 57 mm; 
Gewicht i. Fl. 12 gr. 

24. Fhiletairus socius geminus noY. sulbsp. Der 
Nominatform sehr ähnlich, aber das Graubraun der Oberseite 
deutlich heller (besonders auf dem ünterrücken) und graulicher. 


1) Dies grofse Flügelmafs würde nach Hartert (Nov. Zool. 1907, 
p. 489) besser auf S. s. squamifrons als auf S. s. damarensis 
passen. 


46 


Memaüu tretet 


Flügelläüge 72—765 je einmal 70 und 71 mm. Die 9 sind meist 
etwas kleiner als die cf. 

Wurde mit Exemplaren aus Damaraland verglichen; Stücke 
aus dem eigentlichen Südafrika dürften vermutlich noch etwas 
dunkler als Damaravögel sein. 

Diese neue Form liegt mir in 16 Exemplaren vor, alle von 
Dr. Waibel in Okaukwejo im Juli und August gesammelt. 
Mausert im Juli, wie einige Mauserstücke dartun, wenigstens so- 
weit es sich um die Schwingen handelt. Das Kleingefieder ist 
frisch. Zwei Expl. wiegen i. Fl. 26 und 28 gr. 

25. Fässer motitensis motitensis A. Sm. [Fässer motitensis 
A. Smith 1848]. — Ein 9 von Okaukwejo (1. VIII), das mit 
solchen aus südlicher gelegenen Teilen Deutsch-Südwestafrikas 
übereinstimmt. Jedoch fällt die Unterseite durch ihre reinweifse 
Färbung auf (die bei den übrigen mir vorliegenden Stücken 
schmutzigbräunlich verwaschen, gewissermafsen verstaubt er- 
scheint). Flügellänge 80 mm; Gewicht i. Fl. 34 gr. 

26. Poliospiza angolensis deserti Reicheno w 1918. — Zwei 
Exemplare von Rietfontein, 24. VII. Flügellänge 68 und 70 mm; 
ein Vogel wiegt i. Fl. 10 gr. 

Diese Rasse bedarf wohl weiterer Untersuchung auf Grund 
ausreichenden Vergleichsmaterials. Von der Nominatform liegt 
mir lediglich ein Balg vor (von Dr. Falkenstein in Tschintschoscho 
[Loangoküste] gesammelt), von Südwestafrika (Damaraland) drei 
Exemplare {deserti)^ ferner die beiden Stücke der Waibelschen 
Sammlung. Von den drei Damaravögeln ist der eine (der Typus 
der Form) allerdings sehr hell, die beiden anderen dagegen sind 
nur wenig merklich heller als das Loangoexemplar. 

27. Emheriea flaviventris flaviventris Steph. [Emheriza fla- 
viventris Steph. 1815]. — Ein Exemplar von Rietfontein, 24. VII; 
Flügellänge 81 mm; Gewicht i. Fl. 25 gr. 

28. Mirafra sahota waiheli nov. subsp. Eine sehr 
helle Form. Steht der Mirafra sahota naevia Strickl. nahe, ist 
aber — verglichen mit einer gröfseren Reihe (7 Stck.) von 
Vögeln aus Damaraland (Windhuk, Rehoboth) — erheblich heller, 
die Säume der Rückenfedern sind weniger braun, sondern mehr 
,,wüstenfarbig“, die Federn des Nackens sehr hell, fast weifs ge- 
säumt, ebenso die des Unterrückens. Die Unterseite ist bis auf 
den gefleckten Kropf fast rein weifs, nicht so bräunlich über- 
laufen wie bei M. s. naevia, was besonders auf den Flanken 
auffällt. 

Mirafra (? sahota) pleheia (Cab.) ist oberseits viel brauner 
und hat zierlicheren Schnabel [Typus untersucht]. 

Von der neuen Form liegen mir 8 von Dr. Waibel im 
Etoschagebiet (Okaukwejo, Namutoni, Obab, (^aigosaub) im Mai, 


Zur Arifauna des nördlicheu Deutsch-SÜdwestafrika. 47 

Juli uud August gesammelte Bälge vor. Flügellänge 82—86 mm; 
sechs Vögel wiegen i. Fl. 25, 26, 26, 27, 28, 28 gr. 

Typus 9> von Okaukwejo, 13, VIII. („Auge grau, Schnabel 
grau Füfse grau“). [Die Augenfarbe bei den übrigen Exemplaren 
ist — wohl irrtümlich! -- - sehr verschieden angegeben: „gelb, 
grau, braun, schwarz, rot“, die Färbung des Schnabels durchweg 
„grau“, die der Füfse „grau“, einmal „rotgrau“]. 

Zu Ehren des Sammlers benannt. 

29. Fycnonotus capensis nigricans (Vieill.) [Turäus nigricans 
Vieillot 1818]. — Das einzige von Dr. Waibel gesammelte Stück 
(von Tsumeb, V) stimmt mit Exemplaren von Damaraland völlig 
überein. Flügellänge 96,5 mm. 

30. Cinnyris (? bifasciatus) ovamhoensis Rchw. [Cinnyris ma^ 
riquensis ovamboensis Reichenovi 1904]. — Drei cf (V, VI, VIII), 
Fundorte Tsumeb, Okaukwejo, Namutoni. Flügellänge 67—70 mm ; 
Gewicht i, Fl. von zwei Expl. 13 und 15 gr. 

31. Cinnyris fuscus Vieillot 1819. — Ein Exemplar (cf, das 
ins Prachtkleid umzumausern beginnt) von Okaukwejo, 1. VIII; 
Flügellänge 59 mm; Gewicht i. Fl. 9 gr. — Ein recht nördlicher 
Fundort. 

32. Farus afer damarensis Reichenow 1902. — Ein Exem- 
plar (von Namutoni), das mit typischen Stücken von Damaraland 
übereinstimmt. Flügellänge 75 mm; Gewicht i. Fl. 19 gr. — 
Die Flügellänge ist bei dieser Form (ebenso bei der Nominat- 
form) einer nicht unerheblichen Variationsweite unterworfen, 
wenn es sich nicht vielleicht später doch auf Grund gröfseren 
Materials heraussteilen sollte, dafs in dieser Gruppe noch weitere 
Rassen abzutrennen sind. Das Exemplar aus Namaland, auf welches 
hin Reichenow neuerdings die Form brunnescens abgetrennt hat 
(Ornith. Mtsber. 1916, p. 154), ist sehr braun und klein (Flügel 
71 mm). 

33. Farisoma subcaeruleum cinerasccns Reichenow 1902. — 
Ein Exemplar von Okaukwejo (17. VIII), das mit den Typen von 
Hereroland übereinstimmt. Flügellänge 71 mm ; Gewicht i. Fl. 13 gr. 

Durch das vorliegende Exemplar ist erwiesen, dafs die Ver- 
breitung dieser Rasse nördlich mindestens bis zum Etoscbagebiet 
einschliefslich reicht; die Veibreitungsgrenze zwischen P. s. eine- 
rascens und der jüngst von Graf Zedlitz beschriebenen^) Ben- 
guellaform F. s. ansorgei bedarf nach wie vor der Feststellung. 

34. Frinia flavicans flavicans (Vieill.) [Sylvia flavicans 
Vieillot 1820]. — Zwei Exemplare von Obab bzw. Rietfontein 
(V bzw. VII) im rost gelblichen, langschwänzigen Winterkleide. 


Ornith. Monatsber. 1921, p. 52. 


48 Hermaim Grote : 

Flügellänge 54,5 (cf) und 51 mm; Gewicht i. Fl. eines Exem- 
plars 7 gr. 

35. Sylvietta rufescens ? rufescens (Vieill.) [Bicaeum rufes- 
cens Vieillot 1817]. — Ein Exemplar — Flügellänge 52,5 mm, 
Gewicht i. Fl. 10 gr. — , vom Sammler als bezeichnet, von 
Rietfontein (VII), das anscheinend mit dem Typus von Sylviella 
flecki Rchw. 1900 übereinstimmt. Sclater und Mackworth-Praed 
haben neuerdings behauptet, dafs Sylviella flecki Rchw. ein Sy- 
nonym von Sylvietta rufescens rufescens (Vieill.) sei („The Ibis“ 
1918, p. 667), dagegen sondern sie 1. c. die intensiver gefärbten 
Transvaalvögel als neue Form S. r, transvaalensis ab. Ich nehme 
ihre Behauptung hin, ohne — wegen Mangels an genügendem 
Vergleichsmaterial — die Möglichkeit einer Nachprüfung der- 
selben zu haben. Es sei hier aber darauf hingewiesen, dafs die 
Vögel vom Süd westafrikanischen Küstengebiet augenschein- 
lich nicht dasselbe sind, wie der als Syllviella flecki beschriebene 
Vogel vom Ngamisee. Mehrere mir vorliegende von Dr. Baum- 
gart in Windhuk gesammelte Exemplare sind oberseits (besonders 
kenntlich auf dem Oberkopfe) bräunlicher als der Typus von 
S. flecki, imterseits meist etwas kräftiger gelbbraun gefärbt, ebenso 
auf den Kopfseiten. Der Schnabel ist in drei von vier Fällen 
nicht unbeträchtlich länger als bei flecki. Sollten sich diese 
Unterschiede als konstante erweisen, so müfste der Name S. r. 
flecki Rchw. den reiner grau gefärbten Vögeln des binnen- 
ländischen Südwestafrika erhalten bleiben. 

36. Crateropus hicolor Jardine 1830. — Ein Exemplar von 
Namutoni (VII), Flügellänge 114 mm; Gewicht i. Fl. 80 gr. 
Ein sehr nördlicher Fundort. 

37. Erythropygia paena damarensis Hartert 1907. — Ein 
Exemplar („cf“) von Okaukwejo (1. VllI), Flügellänge 74 mm; 
Gewicht i. Fl. 20 gr. 

38. Erythropygia munda ovamhoensis 0. Neumann 1920. — 
Ein Exemplar dieser kürzlich von Prof. Neumann beschriebenen 
Form, ^,9“ von Obab, V; Auge „braun“, Schnabel „schwarz“, 
Füfse „grau“. (Die Basis des ünterschnabels ist hell, im Leben 
vermutlich gelb). 

Mit dem mir vorliegenden Typus von E. m. munda (Cab.) 
[von Malange, Angola] verglichen, hat der Waibelsehe Vogel 
graueren Oberkopf, dessen Färbung von dem braunen Rücken 
deutlich abgesetzt ist, die Oberschwanzdecken sind etwas heller 
rotbraun, die Wangen haben schwach grauliche Tönung, während 
sie bei der Nominatform rein braun sind. Letztere ist auch 
vielleicht etwas kleiner: der Typus von E. m. munda Mi 63 mm 
Flügel- und ca. 60 mm Schwanzlänge, das Waibelsehe Exemplar 
von E. m. ovamhoensis 67 mm Flügel- und ca. 64 mm Schwanz- 
länge. Der Schnabel ist etwas länger und stärker als bei E. m. 


^ur Avifauna des nördlichen Üeatsch-Südwestafrika. 49 

mmda. Doch mögen die letzgenannten Unterschiede auf indivi- 
dueller Abänderung beruhen. — 

Zwei weitere Bälge der Waibelschen Sammlung können 
wegen ihres äufserst mangelhaften Erhaltungszustandes nur un- 
sicher bestimmt werden: 

39. eine BatiSf die vermutlich zu pririt gehört, und 

40. eine Beutelmeise {Hemiz sp.). 


Zum heurigen Durchzug des Seidenschwanzes 1930/21. 
Von V. V. Tsohusi zu Schmidhoffen. 

Das Auftreten des Seidenschwanzes in Mitteleuropa ist 
keine Seltenheit, doch handelt es sich da zumeist um kleine 
Gesellschaften, die besonders im Osten öfters zur Beobachtung 
gelangen und da oft sehr weit nach Süden Vordringen. Im heu- 
rigen Jahre scheint wieder ein ganz beträchtlicher Durchzug 
stattgefunden zu haben, dessen Ausbreitung eine ganz bedeutende 
gewesen sein dürfte. Die gehabte Absicht, auch diesen Zug in 
seiner Gänze zu bearbeiten, scheiterte an dem Umstande, dafs 
der wissenschaftliche Verkehr mit den Deutschen und Deutsch- 
Oesterreichischen Kandstaaten bedauerlicherweise noch sehr im 
Argen liegt. Wir sind, da über den Südzug nur dürftige Nach- 
richten vorliegen, über den Zugbeginn ganz ungenügend orien» 
tiert, wissen daher nicht, wann er seinen Anfang nahm und 
ebenso nicht, woher er erfolgte; nur über seine Entfaltung und 
das Abflauen des Zuges, sowie sein allmähliches Erlöschen sind 
wir einigermafsen unterrichtet. Da die ersten Nachrichten über 
das Erscheinen von Seidenschwänzen aus der Schweiz erfolgten, 
könnnte das den Anschein erwecken, dafs die Fremdlinge den 
Weg zu uns aus dem Westen genommen hätten. Das wäre aber 
ein Trugschlufs, denn die Schweiz sah nur eine verhältnismäfsig 
kleine Zahl im Land, und so müssen die grofsen Mengen, welche 
besonders in Mähren und auch in Schlesien auftraten, wohl aus 
dem Osten hergekommen sein. Völlige Klarheit darüber wird 
sich wohl später ergeben, wenn im Interesse der Wissenschaft, 
für welche es keine politischen Grenzen geben soll und darf, 
ein freier Verkehr wieder Platz gegriffen hat. 

Die uns vorliegenden Daten sind folgende; 

Schweiz. 

Watt wie 1 (Toggenburg). Nach Dr. J. Winkteler am 
21. November 1920 ein Schwarm, der bis Ende Dezember gesichtet 
wurde [Orn. Beob. XVIII, 1920/21. Nr. 4. p. 62, Nr. 5. p. 79]. — 
Ende Februar 1921 meldet F. Matchys je einen von Heimis- 
w i 1 und Dürrenroth (Bern) [Orn. Beob. XVIII, 1920/21, 

Joom. f. Om. LXX. Jabxg. Januar 1822. 4 


60 V. V. Tscbusi zu Schmidhoffen : 

Nr. 6. p. 93.] und wenige Exemplare bei I f f w i 1 (Bern) 
Chr. Hofstetter einige am 8. und 21. Januar auf Ranflühberg. 
[Ibid. Nr. 7. p. 108] — Am 15. März wurde von E. Platel 1 Stück 
bei Iltiswil (Bern) gesehen. [Orn. Beob. XVIII, 1920/21. 
Nr. 7. p. 108]. — Forstpraktikant G. Winkelmann beobachtete 
den 6. März im Auenwald (Schachen) an der Emme b./B u r g - 
d or f (Luzern) ca. 10 Stück. Vormittags hielten sie sich eng bei 
einander, völlig ruhig in den Gipfeln einiger Eschen, nachmittags 
sah Winkelmann, wie einer nach dem anderen zu kurzem Fluge 
aufstieg nach Art der Fliegenschnäpper, um gleich wieder auf 
den verlassenen Baum rückzukehren. Ob dabei Insekten ge- 
fangen wurden, konnte nicht sichergestellt werden [Orn. Beob. 
XVIII. 1920/21. Nr. 6. p. 93.] 

DeutsoMand. 

Preussen. 

Brandenburg. W. Rüdiger beobachtete am 18. XII. 
1920 bei der Kolonie Neubrück auf Oberförsterei Hochzeit 
i. Um. 20 Stück beim Verzehren der Früchte des Schneeball. 
[Hege und Jagd. I. 1921. Nr. 9. p. 143 ] — Dafs die Seiden- 
schwänze vielfach vorkamen, beweist das Offert der Schmiede- 
berg’schen zoologischen Handlung in Berlin, welche in der „Gefied. 
Welt“, Heft 4 vom 17. Februar lebende Exemplare zu 30 Mk. 
anbietet. 

West-Preufsen. Laut H. Rasmus-Z o p p o t b./Danzig 
zeigte sich am 1. April um 2 h p. m. mitten in der Stadt ein 
Flug von ungefähr 7 Köpfen, die sich bei recht warmem Wetter 
an Mistelbeeren gütlich taten. [Wild und Hund. XXVII. 1921. 
Nr. 15. p. 395, „vom Tage“]. 

? Den 14. Februar zeigten sich am hinteren 

Raubschlofs 40—50 Stück, im K i t m i t s c h t a 1 ein sehr grofser 
Schwarm. Die Vögel taten sich an den Ebereschen und Hirsch- 
holunderbeeren gütlich. Wohin man kam, erzählte man von den 
vielen Seidenschwänzen. [W. : St. Hubert. 39, 1921. Nr. 8. 

p. 112.] 

? Auf R. Marcken b./Starchau trieben sich am 28. I. in 
einer Rotdornhecke 14 Stück herum. [Hege und Jagd. I. 1921. 
Nr. 9. p. 143]. 

Sachsen. 

Im E 1 b e t a 1 trat der Seidenschwanz in ganzen Schwärmen 
auf. [Hege und Jagd. I. 1921, Nr. 9. p. 143]. 

Bayern. 

Wie wir E. Gebhardt-Nürnberg unter dem 29. März 
mitteilt wurde in der ersten Februarhällte aus einem Fluge von 
ungefähr 16 ein Stück erlegt. 


Zum^ heurigen Durchzug des Seidenschwanzes 1920/21. 51 

Oesterreioh. 

Niederösterreich. 

In Oberhollabrunn beobachtete Fritz Hirnschall am 
25. Januar ungefähr 20 Stück, die sich auf 40 Schritte ruhig 
beobachten liefsen. [Waidmh. 41. 1921. Nr. 3. p. 37; Hege und 
Jagd. I. 1921. Nr. 9. p. 143 — 144.] — Unter dem 2. März be- 
richtet ein „fl.“ zeichnender Beobachter, dafs seit Tagen ein Flug 
Seidenschwänze in Gesellschaft vieler Misteldrosseln die Anlagen 
des im Kernpunkte Wiens gelegenen Volksgartens bevölkern, 
auch im Augarten hielten sie sich vorübergehend auf, dagegen bekam 
er in den Auen der Lobau keinen einzigen dieser Vögel zu Ge- 
sicht [St. Hubert. 39. 1921. Nr. 13. p. 191/92]. — „Die Seiden- 
schwänze hielten sich in den Wiener Parks wochenlang auf 
und nährten sich während dieser Zeit von Misteln. Interessant 
ist, dafs ich noch am 2. Mai im Wiener Stadtpark um 7 Uhr 
früh und 2 Uhr nachmittags 10 Stück beobachtete.“ [F. Ra- 
gowsky in litt., 20. V. 21.] 

ln Vösendorf zeigte sich 1 Stück am 19. Januar 
[J. Spurng, Deutsch. Volksbl. v. 23. I. 1921.] — Nach G. Ho- 
feneder hielten sich inKorneuburg 9 Stück vom 13—16. Fe- 
bruar auf, in Mauerbach nach H. Endl am 17. Februar 
4 Stück. [E. P. Tratz, D. Waldrapp. III. 1921. Nr. 1. p. 6.] 

Oberösterreich: 

Oberstleutnant Pointner in Steyr sah am 9. Februar vor- 
mittags an der Grenze des Stadtgebietes einen Flug von 20 Stück 
auf etwa 10 Schritte Entfernung. [Waidmh. 41. 1921, Nr. 5. 
p. 62.] — Wie mir Oberlehrer 0. Koller aus Mauerkirchen mit- 
teilt, fehlte der Seidenschwanz im Innviertel. Die nördliche 
Grenze scheint der Kobernauser Wald zu sein, denn sie treten 
in Frankenberg immer noch auf, wenn man in Mauerkirchen 
negative Beobachtungen macht. [In litt. 11. 7. 21.] 

C. Ruff beobachtete in G o i s e r n den 18. Februar 6 Stück, 
am Freinberg — Uinz wurden nach Dr. Th. Kirschner den 
30. Januar 3 und in Spielberg b./S t. Georgen am 18. Februar 
20—30 Stück gesichtet. Bei Schlots Hagenau laut Fr. Kmitta 
8—10 St. (nahe Ende Februar), in Linz nach Fr. Schöffmann 
Ende Februar 1 Stück, in Ampfelwang (Hausruck) 0. Koller 
zufolge am 7. Februar zahlreich. [E. P. Tratz in Waldrapp. III. 
1921. Nr. 1. p. 6.] 

Salzburg. 

Den 29. Januar wurde vom Landschaftlichen Bauführer 
T. Zagler in Michaelbeuern am Lilonberge ein Flug von 
12 Exemplaren beobachtet, am 16. Februar 9 Stück in der Nähe 
des regulierten Oigtenflusses an der Grenze Salzburg- 

4 * 


^2 


V. Y. i^schusi zu Schmidhoffeni 


Oberoesterreich und in Nussdorf, 5. Februar 5 Stück. [Salzb. 
Volksbl. 51. 1921 Nr. 39, p. 4 ; D. D. Jäger 43. 1921 Nr. 12, 
p. 178 ] — Nach den letzten Schneefällen traf K. v. Tbanner 
am 10. Februar am Adneter Riedl b./Halleiu einen Flug von 10 
und am 12. Februar einen solchen von 5 am Wimberg 
b./Adnet. [D. D. Jäger 43. 1921. Nr. 12, p. 177 ] — R. Michl 
in Weit wörth zufolge gab es zahlreiche Seidenschwänze, am 
15. Februar 10 Exemplare zugleich. — Oberstleutnant Haas in 
Salzburg traf zwischen dem 10.— 15. Februar in seinem am Süd- 
abhange des Mönchsberges gelegenen Garten in der Rieden- 
burg ungefähr 5— 6 Stück. Beobachter bemerkt, dafs sich 
die Art schon im Januar des Vorjahres gezeigt habe. — Maler 
G. Kutil sah den 15. Februar in Bischofhofen auf den 
Sträuchern des Gartens des Forstrat Garies 15 Stück. [R. 
V. Thanner: D. D. Jäger 43, 1921, Nr. 12, p. 178.] 

In W e i t w ö r t h (F. Bruckbauer) am 30. Januar 6 Stück, 
in Salzburg (Thumegg) am 13. Februar 1 Stück (Tratz), in 
Oberndorf (F. Bruckbauer) um den 10. Februar 1 Stück, 
in Hellbrunn Mitte Januar 20—25 Stück, 11. Februar 10 
Stück (Tratz), St. Martin 1. Februar 10 Stück (F. Wagner), 
Go Hing, Mitte Februar 15 Stück (J. Harasser) [E. P. Tratz, 
D. Waldrapp. III. 1921, Nr. 1, p. 6.] 


Steiermark. 

Aus Oeblarn berichtet F. Grogger unter dem 15. Februar. 
„Dieser Tage waren ca. 30 braune nordische Vögel mit Schopf 
in meinem Garten, sind aber wieder fort. Hatten die Gröfse 
eines Stares.“ [R. v. Thanner: D. D. Jäg. 43, 1921, Nr. 12, 
p. 178 ] — Regierungsrat 0. Reiser zufolge soll der Seiden- 
schwanz überall in Steiermark vorgekommen sein. [In litt: 
lO./V. 21.] 

In Fürstenfeld zeigten sich nach J. Langhans am 13. Fe- 
bruar 10 Stück. [E. P. Tratz, Waldrapp. III. 1921, Nr. 1, p. 6.] 


Tirol. 


A. Kasswalder meldet: Kufstein? 5 Stück und Walchen? 
2 Stück A. Kasswalder. [E. P. Tratz, D. Waldrapp. III. 1921, 
Nr. 1, p. 6.] 

CseolLOSlowakGi. 

Böhmen. 

„Erlaube mir zu berichten, dafs Seidenschwänze im Dezember 
1919 und Jänner 1920 sich bei Trauten au im Riesengebirge 
eingefunden haben.“ [A. Hauptvogel in litt., 19. III. 1921.] 

Mähren. 

Der Seidenschwanz war hier im heurigen Winter sehr zahl- 
reich, in einigen Gegenden sogar massenhaft aufgetreten. 


Zum heurigen Durchzug des Seideuschwauzez 1920/21. 58 

Die grofsen Schwärme sind aber erst spät im Winter an- 
gekommen, einzelne Exemplare dafür ungewöhnlich lange hier 
geblieben. 

Die ersten Nachrichten über die Seidenschwänze in der 
B r ü n n e r Umgebung haben die Vogelsteller Ende Dezember 
gebracht. Ich selbst habe die ersten bei Brünn am 3. Jänner 
gesehen. Seit etwa 20 Jänner waren die Vögel häufig und über- 
all anzutreffen. Die gröfsten Schwärme haben sich aber erst 
anfangs Februar eingestellt. In der Umgebung von 0 1 m ü t z 
und hauptsächlich in Schlesien wurden sehr viele gefangen und 
der hiesige Vogelhändler Blimsrider hat viele in den Käfigen 
gehalten und noch mehrere tote zum Verspeisen gehabt. Am 
13. II. habe ich bei ihm 12 St. zum Präparieren gekauft 
1 altes cf, 2 junge 99> die übrigen junge cf cf. Am 16. II. kam 
ein Mann zu mir, der mir einen fast vollen Rucksack toter 
Bombycilla — es waren sicher 200 St — zum Kaufe anbot. 
Er behauptete, die Vögel bei Wisch au gefangen zu haben, 
ich glaube aber, dafs die Vögel auch aus Schlesien stammten. 
Ich habe 10 gekauft und alle gemustert und auch in diesem 
Haufen toter Seidenschwänze waren nur drei alte cf cf, das 
Uebrige meistens junge cf cf, die 99 iß Minderzahl. Bis zum 
10. März haben wir die Seidenschwänze in Flügen gesehen, vom 
20. März schon nur vereinzelt mehr. Am 10. April einen Vogel 
bei Rai gern — 13 km südlich Brünn — gesehen. Noch bis 
etwa Ende April haben die Vogelsteller über Seidenschwänze 
berichtet und auch noch einige gefangen. Am 3. Mai habe ich 
ein altes 9 ßßd am 9. Mai ein schönes, altes cf aus E i s g r u b 
erhalten. Die Vögel waren tadellos im Gefieder, aber sehr ab- 
gemagert Die Testikel waren wenig vergröfsert, der Eierstock 
fast unverändert 

Oberlehrer Häla aus Her manic — 40 km westlich Brünn, 
eine höher gelegene Gegend, wo der Uhu und Wanderfalke 
nistet — berichtet auch über das häufige Vorkommen von 
Bombycilla. [J. Karäsek in litt] 

Aus Mähris ch- Schönberg berichtet F. 1., dafs sich 
am 19. Februar vormittags ein Schwarm in seinem Garten ge- 
zeigt der 50—60 Köpfe stark, auf einer Birke safs und sang. 
[Waidmh. 41, 1921, Nr. 6, p. 71.] — Der Seidenschwanz erchien 
in starken Scharen fast in ganz Mähren. [Ed. Schimitscheck : 
D.-Jäg.-Zeit 77, 1921, Nr. 13/14, verm. Teil p. 45.] — Den 
9. Februar zeigten sich in losen Flügen 20—30 Seidenschwänze 
in der Umgebung von Znaim. Sie nährten sich ausschliefslich 
von den Früchten der Hundsrose wie dies auch die Untersuchung 
des Mageninhaltes ergab. Nach 3 tägigem Aufenthalte ver- 
schwanden sie. Am 6. März erschienen 4 Stück auf einer Birke, 
wo sie noch nach 3 Stunden an getroffen wurden und den Beob- 
achter auf 5 Schritt Entfernung Vorbeigehen liefsen. [A. H.: 
Waidmh. 41, 1921, Nr. 7, p. 84.] 


54 


V. V. Tschusi zu Schmidhoffen; 


Schlesien. 

Anfangs Februar in grofsen Schwärmen in Sehlesien. 
[Dr. Karäsek in litt.] | 

Jugoslavien. 

Bosnien. 

„Am 29. April d. J. gingen der Forstschüler Krainz und 
sein Kamerad Eogulja gegen Abend in das Bjelava-Viertel der 
Stadt Sarajevo auf Vogeljagd. Da erblickten sie einen Flug 
von 6 Seidenschwänzen, aus welchen Krainz mit einem einzigen 
Schufse 3 herabholte, worauf die andern 3 verschwanden. Einer 
der Getroffenen wurde nicht gefunden, der zweite wurde bei 
einem Versuche ihn abzubalgen, total zerrissen, den dritten er- 
hielt Präparator Santarius, dem ich auch diese Miteilung ver- 
danke, noch warm und fertigte einen tadellosen Balg (9)- Alle 
Nachforschungen am nächsten Tag nach dem Verbleib der üebrigen 
blieben erfolglos.“ [0. Reiser in litt., lO./V. 21.] 

Das Ergebnis aus den wenigen vorliegenden Angaben, die 
aufserdem mehr weniger Zufallsbeobachtangen darstellen, kann 
begreiflicherweise ein nur sehr bescheidenes sein; immerhin ge- 
statten auch diese dürftigen Daten einen Einblick auf den Zug 
und seinen Verlauf. 

Chronologisch bietet der Zug folgendes Bild; 


1920. 

21. November. Schweiz (Wattwiel) ein Schwarm — bis Ende 
Dezember. 

18. Dezember. Preufsen (Brandenburg) 20 St. 

Ende (vgl. November, 21. Schweiz). Mähren zuerst. 

1921. 


5. Januar 

Mähren (Brünn). 

8. 

j» 

Schweiz (Ranflühberg) einige — 21. 

Mitte 

jj 

Salzburg (Hellbrunn) 20—25 St 

19. 


Niederösterreich (Vösendorf) 1 St. 

Seit 20. 

5» 

Mähren, überall häufig. 

21. 

5» 

vgl. 8. Januar, Schweiz. 

25. 

)> 

Niederösterreich (Oberhollabrunn) 20 St 

28. 

» 

Preufsen (Marken) 14. St 

29. 


Salzburg (Michaelbeurn) 12 St 

30. 

»1 

„ (Weitwörth) 6 St 


1, Februar „ (St. Martin) 10 St. 

Anfang „ Mähren in gröfsten Schwärmen, besonders um 
Olmütz und in Schlesien. 

5. Februar Mähren (Oitzenflufs) 5 St. 

7. „ Oberösterreich (Ampfelwang) zahlreich. 

9. „ Oberösterreich (Steyr) 20 St, Mähren (Znaim) 

ea. 20—30 St. 


Zum heurigen Durchzug des Seidenschwanzes 1920/21 


55 


10. Februar Salzburg (Adnet) 10 St., (Möncheburg) 5—6 St. 
(Oberndorf) 1. St. 

11. Februar Salzburg (Hellbrunn) 10 St. 

12. „ „ (Wimberg) 5 St. 

13. „ Niederösterreich (Korneuburg) 9 St, Ober- 
österreich (Goisern) 6. St 

13. Februar Salzburg (Thumegg) 1. St, Mähren (bei Brünn) 

viele. 


14. „ ? (Hinteres Raubschlofs) 40—50 St, ? (Kimitsch- 

thal) grofse Scharen. 

Erste Hälfte. Bayern (Nürnberg) 16 St 

15. Februar Salzburg (Weitwörth) 10., war zahlreich, (Nufs- 
dorf) 5 St., (Bischofshofen) 15 St Steiermark (Oeblarn) ca. 30 St. 

Mitte Februar Salzburg (Golling) 15 St. 

16. „ ? Mähren oder Schlesien circa 200 gefangene 

tote Stücke. 


17. „ Niederösterreich (Mauerbach) 4 St 

18. „ Oberösterreich (b./St. Georgen) 20—30 St. 

19. „ Mähren (Mähr. Schönberg) 1 Schar. 

Ende? „ Oberösterreich (Hagenau) 8—10 St., (Linz) 

1 St, Schweiz (Heimisweiel und Dürrenroth) je 1 St, (Iffwil) wenige. 
30. Februar. Oerösterreich (Linz) 4 St 
3. März. Niederösterreich (Wien) 1 Flug. 

6. „ Schweiz (b./ Burgdorf) ca. 10 St; Mähren 


(Znaim) 4 St 
10. März. 
15. „ 

20 . „ 
29. „ 

1. April. 
10 . „ 
29. „ 

Ende „ 


Mähren. Bis dahin in Flügen. 
„ (Iltiswie) 1 St 
„ von da an vereinzelt. 
Bayern (Nürnberg) 16 St. 
Preufsen (Danzig) 7 St. 

Mähren (Raigern) 1 St 
Bosnien (Sarajevo) 6 St. 
Mähren. Noch welche. 


2. Mai. Niederösterreich (Wien) 10 St 
’* J Mähren (Eisgrub) c?9 


Das heurige Auftreten des Seidenschwanzes kann sich zwar 
an Zahl und Ausdehnung mit dem grofsartigen Zuge des Jahres 
1903/04 nicht messen,* *) doch gestatten die vorliegenden Daten 
die Annahme, dafs er gröfser war, als diese zu ergeben scheinen 
und dafs es nur an der geringen Beachtung lag, die man seinem 
Erscheinen schenkte, wodurch eine wünschenswerte genaue Um- 
fassung des ganzen Zuges vereitelt wurde. 


^) 18. Februar, Oberösterreich (Goisern) 6 St. 

*) vgl. meine Bearbeitung dieses und des Durchzuges 1910/11 
(„Ornis^'i 1905, 56 pp. und „Zoolog. Beobachtern^ 1911, 9 pp.) 


56 V. Tschusi zu Schmidhoffen : Durchzug des Seidenschwanzes 1920/21. 

Aus den hier mittgeteilten Daten ergibt sich folgendes: 

Der Zug bez. Aufenthalt der Seidenschwänze währte vom 
21. November 1920 bis 9. Mai 1921. 

Erstes Erscheinen in der Schweiz 21. XI. 20, letztes in 
Niederösterreich 2. V., bezw. Mähren, 3 und 9. V. 

Vermehrtes Auftreten im Jannar (Schweiz, Salzburg, Nieder- 
österreich, Preufsen, Mähren). 

Gröfste Ausbreitung im Februar (Schweiz, Salzburg, Ober- 
und Niederösterreich, Steiermark, Mähren, Bayern). 

Abflauung des Zuges im März (Schweiz, Bayern, Nieder- 
österreich, Mähren.) 

Erlöschen des Zuges, Nachzügler im April (Bosnien, Mähren, 
Preufsen), im Mai in Niederösterreich und Mähren. 

Am längsten hielten sich die Seidenschwänze in der Schweiz 
auf (November 1920 bis März 1921). 

Sie erschienen in Scharen, Schwärmen (Schweiz, Ober- 
österreich, Kimitschthal? Mähren), häufiger in Flügen (Branden- 
burg, Bayern, Salzburg, Steiermark, Oberösterreich und Mähren) 
am öftesten in kleinen Gesellschaften. 

Die meisten Beobachtungen der Zahl nach entfallen auf 
Oesterreich und die Cschecho-Slowakei. Deutschland hat das Er- 
scheinen der Fremdlinge weniger in den Kreis seiner Beobachtungen 
gezogen, doch auch die dürftigen Daten von dort lassen ein min- 
destens gleich häufiges Auftreten wie in der Cschecho-Slowakei und 
Oesterreich vermuten und erwarten. 

Nach den wertvollen Angaben Dr. Karäsek’s mufs die Zahl 
der in Mähren und wohl auch in Schlesien aufgetretenen Seiden- 
schwänze eine ganz gewaltige gewesen sein und scheinen selbe 
hier ihr Verbreitungszentrum gefunden zu haben, da sonst 
nirgendsher von solchen Massen berichtet wurde. Es dürfte 
daher meine noch vor Empfang des Berichtes Dr. Karäseks ge- 
äufserte Ansicht, daCs der Anzug aus dem Osten erfolgte, durch 
diesen eine weitere Stütze erhalten, auch die späte erste Beob- 
achtung — 21. November, Schweiz — deutet darauf hin, da bei 
den früheren grofsen Zügen die ersten Beobachtungen in den 
Oktober, fallen. 

Tännenhof b. Hallein, September 1921. 


Andreas Johannes Jäckel. 

Am 6. Januar 1822 waren es 100 Jahre, dafs der Altmeister 
der bayerischen Zoologie, Pfarrer Andreas Johannes Jäckel 
als Sohn des Kirchners zu St. Aegydien, Jakob J., in Nürnberg 
das Licht der Welt erblickte. Pietät und Dankbarkeit erhei- 
schen es, dieses um unsere Wissenschaft so hochverdienten Mannes 
auch in einer ornithologischen Zeitschrift zu gedenken. 


Andreas Johannes Jäckel. 


57 


J. verlebte eine an Entbehrungen reiche Jugend, besuchte 
als einziges von seinen Geschwistern das Melanchtbon-Gymnasium 
zu Nürnberg, studierte in Erlangen Theologie und hatte dann 
als Vikar die Pfarrstellen von Kloster Sulz, Oberampfrach, 
Wendelstein und Ammerndorf, als Pfarrer die von Neuhaus b. 
Höchstadt a. Aisch, Sommersdorf b. Ansbach und Windsheim 
inne, wo er am 12. Juli 1885 starb. 

Dies die kurzen Daten seines Lebens. Mehr darüber zu 
sagen, verbieten die Raum- und Zeitverhältnisse, zumal wir ja 
auch einen ausführlichen Nachruf über ihn, nebst Verzeichnis 
seiner Arbeiten, aus der Feder seines Freundes Viktor R. 
von Tschusi zu Schmidhoffen besitzen. Es soll daher hier nur 
auf die Bedeutung Jäckels als Ornithologe eingegangen werden. 

Zunächst durch seinen Vater, der eifriger Vogelliebhaber 
war, dann durch dje Gebrüder Sturm angeregt, benützte J. jede 
freie Stunde zum Studium der Natur und zum Sammeln von 
Pflanzen und Tieren. Auch lernte er bald das Ausstopfen von 
Vögeln und Säugetieren, das er lange Jahre mit Geschick und 
künstlerischem Geschmack betrieb. 

Als Jäckel im Jahre 1848 zum ersten Male mit einer 
wissenschaftlichen Arbeit an die Oeffentlichkeit trat, besafs er 
bereits eine eingehende Kenntnis nicht nur der Vogelwelt, son- 
dern auch sämtlicher anderen Tierklassen sowie der Pflanzen. 
Sein scharfes Ohr rühmte sich, die beiden Baumläuferarten mit 
Sicherheit am Lockruf unterscheiden zu können, auch hatte J. 
auf Ausflügen bereits einen grofsen Teil Mittelfrankens durch- 
streift. Sein Ruf als Naturkenner war schon in weite Kreise ge- 
drungen, von überallher bekam er Vögel und andere Tiere zur 
Bestimmung zugesandt und wurde um Rat und Auskunft in 
naturwissenschaftlichen Fragen angegangen. Selbstverständlich 
waren ihm auch alle Geheimnisse der Vogelliebhaberei und des 
Vogelfangs wohlbekannt. 

Zu systematischen Studien hatte J., dem auf seinen entle- 
genen Wohnsitzen jedes Vergleichsmaterial fehlte, kaum Gelegen- 
heit, weshalb wir auch über solche Fragen nur wenig in seinen 
Schriften finden, zumal auch die Systematik damals erst in ihren 
Anfängen steckte. 

Seine Lebensaufgabe erblickte J. darin, die Verbreitung 
der in Bayern vorkommenden Tierarten zu erforschen, ihr wid- 
mete er mit rastlosem Eifer jede Stunde seiner durch Amtsge- 
schäfte und auch Krankheit meist karg bemessenen freien Zeit. 
Aus eigener Anschauung kannte J. ganz Mittelfranken, den süd- 
lichen und westlichen Teil Oberfrankens, sowie grofse Teile von 

18. Jahresbericht des Naturhist. Vereins zu Passau 1883—86. 
Herr v. Tschusi hatte auch die grofse Liebenswürdigkeit, mir die Briefe 
J.’s an ihn zur Einsicht zu überlassen, wofür ihm auch an dieser Stelle 
herzlichst gedankt sei. 


58 


Andreas Johannes Jäckel. 


Unterfrankeu und Schwaben, von Ältbayern eigentlich nur 
München. Besonders ergebnisreich waren die in Neuhaus ver- 
brachten Jahre, in dessen teichereicher Umgebung J. eine Menge 
der seltensten Sumpf- und Wasservögel als Durchzügler oder 
Brutvögel feststellen konnte.^) Aus den übrigen Teilen Bayerns 
brachte ihm eine ungeheuer ausgedehnte Korrespondenz mit 
wohl sämtlichen damaligen bayerischen Naturkennern, mit Jägern, 
Lehrern, Geistlichen und Aerzten eine Fülle des wertvollsten 
Materials, das aufs sorgfältigste geprüft und gesammelt wurde. 
J. verstand es aber auch, wie selten jemand, anzuregen, zu er- 
muntern, Irrtümer auf die zarteste, liebenswürdigste Weise zu be- 
richtigen und den Einsender durch lobende Nennung seines 
Namens zu weiteren Beiträgen zu veranlassen. Alle vor J. er- 
erschienenen faunistischen Arbeiten behandeln fast durchweg nur 
Teile Bayerns und enthalten, was die Verbreitung betrifft, 
meist nur spärliche und allgemeine Angaben, ganz abgesehen 
von groben Fehlern und Irrtümern. In seinem nachgelassenen, 
1891 erschienenen Werke „Systematische Uebersicht der Vögel 
Bayerns^* konnte J. 312 für Bayern nacbgewiesene Arten auf- 
führen und damit sein Vaterland in die Reihe der ornithologisch 
am besten durchforschten Länder Deutschlands stellen. Er 
schuf die Grundlage, auf der weiterzubauen für seine Nach- 
folger eine wesentlich leichtere Aufgabe war. Besondere Auf- 
merksamkeit schenkte J. hei seinen Forschungen der Ausbreitung 
neueingewanderter Tierarten, wie Girlitz, Haubenlerche und 
Wachholderdrossel. 

üeber die Biologie unserer Vogelwelt verdanken wir J. 
manche wertvolle Mitteilung. J., der selbst ständig Singvögel, 
seltene Wintergäste, Sumpf-, Wasser- und Raubvögel hielt, 
notierte sofort jede ihm neuerscheinende Beobachtung, um sie 
mit dem von ihm hochverehrten „Naumann“ zu vergleichen. 
Eingelieferte Vögel wurden auf das genaueste auf ihren Kropf- 
und Mageninhalt, auf Schmarotzer und Eingeweidewürmer unter- 
sucht. Durch die mühevolle und sorgfältige Untersuchung von 
mehr als 10,000 Eulengewöllen hat sich J. ein bleibendes Ver- 
dienst um die Wertschätzung dieser lange verkannten Vogelklasse 
erworben. Abnormitäten wie Schnabelmifsbildungeu, deforme 
Fufsbildungen, Leucismus, Hahnenfedrigkeit usw. erfreuten sich 
der besonderen Aufmerksamkeit J.’s, der dafür wohldurchdachte 
und geistvolle Erklärungen gab. 

Hervorhebung verdient J. auch als H i s t o r i k e r. In allen 
gröfseren Arbeiten J.’s finden sich historische Angaben aus 
seltenen alten Werken und Zeitschriften oder alte Gemälde, 
Abbildungen und Stiche von Vögeln erwähnt. (Nur Zorns treff- 
liche Petinotheologie scheint ihm merkwürdigerweise unbekannt 


1) Die Vögel des unteren Aisch-, Seebach u. Aurachgrundes. 
6. Bericht der naturf. Gesellschaft zu Bamberg 1863. 


Andreas Johannes Jäckel. 


59 


geblieben zu sein.) Auch wurden alte Akten, Jagdrechnungen, 
Schufs- nnd Fanglisten aufgesucht oder aus den verschiedensten 
Archiven Bayerns verschrieben, um über die früheren Vorkomm- 
nisse genaue Aufschlüsse zu erhalten, auch die gesamte Literatur, 
soweit zugänglich, benützt und zitiert. 

Endlich sei J., der Freud und Leid und den Tageslauf des von 
ihm betreuten fränkischen Landvolkes aufs genaueste kannte, 
als Heimatforscher genannt. J., der mit Stolz und Be- 
wufstsein Bayer und Franke war, versäumt nie, Lokalbezeich- 
nungen, Volksnamen und Volksglauben zu erwähnen und bieten 
seine Werke auch in dieser Hinsicht eine reiche, noch lange 
nicht ausgeschöpfte Fundgrube. Eine von J.’s Arbeiten behan- 
delt ja speziell Volkssitte, Aberglauben und Volksmedizin in 
Franken, i) 

In gleicher Weise, wie über die Vogelwelt, hat J. über die 
Säugetiere gearbeitet und uns wertvolle, heute kaum mehr zu 
beschaffende Angaben über längst ausgerottete Raubtiere hinter- 
lassen. Besondere Aufmerksamkeit widmete er der wenig be- 
kannten Familie der Fledermäuse (und ihrer Nahrung), von denen 
er mehrere Arten für Bayern als neu nachwies. Wir besitzen 
von ihm auch eine Arbeit über die Fische Bayerns, 2) in der er 
mehrere von ihm entdeckte Weifsfischbastarde beschreibt, und 
eine über die Kriechtiere und Lurche Bayerns®) mit vielen bio- 
logischen und historischen Angaben. J. besafs auch eine aus- 
gezeichnete Kenntnis der Insekten und hat seinerzeit das 
Wiener Nachtpfauenauge in Windsheim eingebürgert. Mehrere 
seiner Arbeiten behandeln die Geschichte der Heuschreckenzüge 
in Bayern. J. war auch guter Kenner auf dem Gebiete der 
Conchylien, ebenso auf dem der Pflanzenwelt, die Pilze mit ein- 
geschlossen; im Garten pflegte J. stets eine Menge schöner 
Blumen und seltener Blattpflanzen. 

J., der uns mehr als 100 verschiedene Veröffentlichungen 
hinterlassen hat, war kein Vielschreiber im gewöhnlich ge- 
brauchten Sinne dieses Wortes. Seine ganze Kraft vereinigte er 
auf das von ihm geplante grofse Werk über die Säugetiere, 
Vögel, Fische, Lurche und Kriechtiere Bayerns. Die vielen 
kleineren Aufsätze J.’s stellen gleichsam nur Antworten des 
bayerischen Heimatzoologen vor, in denen er irgendwo gelesene 
unrichtige Angaben über bayerische Vorkommnisse richtig stellt 
oder umgekehrt Beobachtungen in anderen Landesteilen durch 
solche aus Bayern bestätigt und ergänzt. 


1) Abhandlungen der naturhist. Gesellschaft zu Nürnberg II. 1861. 
•) Correspondenzblatt des zool. miner. Vereins zu Kegensburg 
XVIII. 1864. 

*) Correspondenzblatt des zool. miner. Vereins zu Regensburg 

XXV. 1865. 


60 


Andreas Johannes Jäckel. 


lieber J.’s Arbeiten wie auch über seine prächtigen, mit 
zierlicher Handschrift geschriebenen Briefe ist die Weihe klas- 
sischer Bildung ausgegossen. Sich von Allgemeinheiten fern- 
haltend, erfeuen sie immer wieder durch ihre klare, eigenartige 
und anschauliche Darstellungsweise, die sich nicht selten zu 
warmer Begeisterung steigert, üeberall spürt man in ihnen den 
Mann, der den Gegenstand, über den er schreibt, vollständig be- 
herrscht und meist noch etwas Neues aus seiner eigenen reichen 
Erfahrung darüber zu erzählen weifs. Von Natur friedfertig, ist 
es immer die Sache, für die J. kämpft. Findet er aber seine 
mühevollen und gewissenhaften Beobachtungen in leichtsinniger 
oder ungerechter Weise angezweifelt, so scheut er sich auch nicht, 
in seine gewandte Feder gelegentlich die Lauge beifsenden Spottes 
oder heimatlicher Derbheit einfliefsen zu lassen. 

J.’s Arbeiten sind anfänglich im Korrespondenzblatt und 
in den Abhandlungen des zoologisch mineralogischen Vereins zu 
Regensburg erschienen, einer Gesellschaft die sich unter der 
Leitung Herrich-Schäfers die Erforschung der bayerischen Fauna 
zur Hauptaufgabe gestellt hatte. Später wurde von ihm die 
„Naumannia“, unser „Journal für Ornithologie“ und der „Zoo- 
logische Garten“ (jetzt „Zoologischer Beobachter“) bevorzugt. 

J.’s Verdienste fanden Ausdruck in der Ernennung zum 
korrespondierenden oder Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaft- 
licher Vereine, wovon hier nur die Ernennung zum Mitgliede 
der kaiserlich Leopold. Carolin. Akademie der Naturforscher 
unter dem Beinamen „Fr. von P. Schrank“ erwähnt sei. Von 
seinen Windsheimer Mitbürgern, die den hochgewachsenen, 
äufserst liebenswürdigen Mann als treubesorgten Seelsorger und 
glänzenden Kanzelredner schätzten, hatten wohl die allerwenigsten 
eine Ahnung von seiner wissenschaftlichen Bedeutung, so still 
und schlicht, so gar nichts aus sich machend, lebte er unter ihnen. 

Durch seine zahlreichen, gewissenhaften und gründlichen 
Forschungen hat sich J. selbst ein unvergängliches Denkmal ge- 
setzt und sein Name wird unter den bayerischen Naturforschern 
stets in erster Reihe genannt werden. Mögen diese Zeilen dazu 
beitragen, die Erinnerung an ihn auch in Ornithologenkreisen 
wieder wachzurufen! 


E. Gebhardt-Nürnberg. 


XX. Jahresbericht (1920) der Vogelwarte Eossitten 
der Eentsehen Ornithologisehen Gesellschaft. 

Von J. TMenemann. 

Als ich im Jahre 1910 den zehnten Jahresbericht schrieb 
— ich weifs es noch wie heute — da flogen meine Gedanken 
in die Zukunft. Was wird das nächste Jahrzent bringen? Und 
heute, wo ich über dem zwanzigsten Berichte sitze, da weifs ich 
es, und man sitzt und sinnt und läfst die verflossenen zehn 
Jahre an seinem geistigen Auge vorüberziehen. 0, damals im 
Jahre 1910 stand die Vogelwarte in hartem Kampfe. Der Vogel- 
beringungsversuch hatte sich in Deutschland durchzusetzen. 
Damals liefs unter anderen noch ein Hermann Löns seinen 
beifsenden Spott und Hohn auf dieses neue Unternehmen über- 
fliefsen — und hat damit der Sache so unendlich viel genützt, 
indem er für Bekanntwerden sorgte. Dann nahm die Wissen- 
schaft den Versuch allgemein an, und nun kamen herrliche Jahre: 
1911; 12; 13; 14. 

Das war wirklich eine internationale Arbeit 1 In allen 
Kulturländern schossen die Beringungsstationen wie Pilze aus 
der Erde hervor. Man tauschte die Ergebnisse gegenseitig aus, 
und wo man ging und stand, war man in kurzer Zeit von einem 
Stofse Briefe aus aller Herren Länder umgeben, die Fundorte 
beringter leichtbeschwingter Versuchsobjekte oft unter den 
wunderlichsten, verzwicktesten und spafsigsten Begleitumständen 
meldeten. 

Man stand bei Ulmenhorst auf der Düne und sah die Zug- 
vögel in grauer Ferne verschwinden. Damit hörte früher die 
Beobachtung auf. Die Fortsetzung der Wanderstrafse warmehr oder 
weniger in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. Und jetzt war es, 
als ob plötzlich ein Schleier nach dem andern fiel. Man sah 
die Zugvögel in ihrer Winterherberge Einkehr halten. Der Storch, 
den man eben in seinem Neste auf dem Dache eines Insthauses 
besucht hatte, der stolzierte jetzt am Nil entlang, um dann im 
Kaplande Heuschrecken zu fangen, und die Drossel, die die 
heimatlichen Ebereschenbäume plünderte, sah man in den Oliven- 
hainen am Guadalquivir ihr Wesen treiben, und das kleine 
Wollbällchen von Möwe, das auf dem Eossittener Bruche in 
seinem unordentlichen Neste hockte und mir als Dank für Ver- 
leihung des ehernen Geburtsscheines halbverdaute Fische über 
die Hand spie, das sah ich dann im Geiste in schmuckem Kleide 
überm Golf von Mexiko schweben. Und das alles nicht Vermutung 
und Hypothese, sondern natururkundlich verbrieft und versiegelt. 
Das war bald wie Hellseherei, und nur der kann den Reiz und den 
Zauber solcher Arbeit verstehen, der selbst einmal an einer 
Zentralstelle des Beringungsversuches gesessen hat. 


62 


j*. Thienemaimt 


Der Versuch zog immer weitere Kreise.. Die Entwicklung 
ging rasend schnell vor sich. Noch ein paar Jahre so weiter in 
gemeinsamer Arbeit der Völker, und noch viele Fragen, über 
denen die Forscher früher grübelnd gesessen hatten, wären ihrer 
Lösung näher gebracht worden, und zwar nicht nur Vogelzug- 
fragen, sondern auch Fragen aus allen möglichen anderen Ge- 
bieten der Zoologischen Wissenschaft, denen sonst schwer bei- 
zukommen ist. 

Da kam der Weltkrieg und legte seine schwere eiserne 
Hand auch auf dieses Friedenswerk. Die Menschen, die eben 
noch friedlich miteinander gearbeitet hatten, schlugen blind wütend 
aufeinander los, und es schien ihnen ordentlich Spafs zu machen, 
das im Frieden Aufgebaute so recht gründlich wieder zu rui- 
nieren. Wohl wird der Beringungsversuch weiter geführt, bringt 
auch noch recht gute Resultate und ist auf dem besten Wege 
sich wieder emporzuarbeiten, aber immerhin müht er sich 
noch an dem Fufse der Höhe herum, die er schon einmal er- 
klommen hatte. Es treten ja jetzt noch so manche andere 
Punkte hindernd in den Weg. Ich darf nur an das teure Porto, 
an die hohen Aluminiumpreise, an die Verkehrsschwierigkeiten 
und dergleichen erinnern. Das Ausland meldet wieder, aufser 
Frankreich. 

Und nun kamen die langen, langen Kriegsjahre des 
Wartens und Höffens; dann Zusammenbruch, Revolution und 
„Friede“. Die Leute waren an das Zerstören gewöhnt, kamen, 
schlugen mir mein ülmenhorst entzwei und legten die Haupt- 
wirkungsstätte der Vogelwarte lahm. Waren denn das noch 
dieselben Menschen wie vor dem Kriege? War man selbst an- 
ders geworden ? üeberall üeberreiztheit und Nervosität. 
Draufsen in der grofsen Welt haderte und stritt man, und auch 
in unser Nehrungsdörfchen zog mancherlei Unfrieden ein, und 
ich kann als gewissenhafter Berichterstatter nicht an einer grofsen 
Hemmung vorübergehen, die die Vogelwarte gerade im letzten 
Jahre erfahren hat. 

Der alte Streit mit der Rossittener Forstverwaltung kam 
wieder einmal zum Ausbruch und erreichte seinen Höhepunkt. 
Schon die Gründung der Vogelwarte damals vor zwanzig Jahren, 
als das Rossittener Gebiet noch Dünenbezirk war, erfolgte gegen 
den Willen und unter heftigem Gegenstemmen des damaligen 
Revierverwalters. Die Verhältnisse bringen es mit sich, dafs der 
Leiter der Vogelwarte gewisse Befugnisse auf forstfiskalischem 
Gebiete haben mufs , die ihm vom Herrn Minister in 
dankenswerter Weise gewährt worden sind. Das greift ein 
wenig in die Rechte der hiesigen Forstbeamten ein, und so 
wird die Vogelwarte immer als eine Art störendes Element 
angesehen. Im vergangenen Jahre rückte man nun dem Leiter 
der Vogelwarte arg zu Leibe. Ein gewildertes ,, Rehkalb“ 
sollte ich durchs Dorf getragen haben, und in Wirklichkeit war’s 


XX. Jahresbericht der Yogelwarte Bossitten. 63 

doch der ausgestopfte Stations-Jagduhu gewesen, der zum Rucksack 
herauslugte. Man brachte mich als Wilddieb vor den Staats- 
anwalt, und als durch endlose Zeugenvernehmungen und Ver- 
höre der arme Uhu als corpus delicti glücklich festgestellt war, 
da wollte man’s immer noch nicht glauben, und die Sache zog 
immer weitere Kreise. Die hohen Ministerien wurden zu Hilfe 
gerufen ; ich mufste für schweres Geld nach Berlin fahren, wo 
eine Kuratoriumsitzung in der Sache abgehalten wurde, und 
wer weifs, was noch alles geschehen wäre. Man sagt mir 
manchmal nach, ich sei sehr gutmütig, aber ich konnte doch un- 
möglich aus Gefälligkeit meinen Uhuschwanz für einen Rehkopf 
erklären. Da legte sich der Herr Regierungspräsident in wohl- 
wollendster und geschicktester Weise ins Mittel. Wie ein Friedens- 
engel landete der hohe Herr an den hiesigen Gestaden, und er 
mag in dem erhebenden Bewufstsein abgefahren sein, das Schönste 
und Herrlichste vollbracht zu haben, was man hier auf Erden 
tun kann: Frieden stiften, Eintracht wiederherstellen, Mifs- 
verständnisse beseitigen. 

Doch lassen wir diese tragikomische Geschichte, die aller- 
dings den tief ernsten Hintergrund hat, dafs durch solche 
Dinge die ruhige, ungestörte, wissenschaftliche Arbeit der Vogel- 
warte durchaus in Frage gestellt wird. Das Wirken in der 
freien Katur, das ist das Fundament für die Vogelwarte, sonst 
hätte sie ja in der Stadt gegründet werden können, und gerade 
diesem Wirken werden von seiten der Rossittener Forstverwaltung 
gern Steine in den Weg gelegt. So wollte man im vergangenen 
Jahre dem Leiter der Vogelwarte den Zugangsweg zum Möwen- 
bruche sperren, den er fünfzehn Jahre lang in Jagdausrüstuug ge- 
gangen war, und was der Hemmungen mehr sind. Möchte es 
gelingen für die Anstalt festere Grundlagen zu schaffen. — 

Ja, es waren zuweilen bewegte Zeiten, die das zweite' Jahr- 
zehnt barg, in dessen Dunkel ich damals bei Abfassung des 
zehnten Jahresberichtes hineinzuschauen suchte, und der Krieg mit 
seinen Folgeerscheinungen ist auch an der Vogelwarte nicht 
vorübergegangen ohne hart anzuklopfen — und doch ist gerade 
in den schwersten Jahren ein gewaltiger Aufstieg und Fortschritt 
zu verzeichnen, wie man das ja im Leben so oft beobachten 
kann. 

Ich denke da zunächst an das neue schöne Heim, 
das die Vogelwarte durch das Entgegenkommen der „Kaiser 
Wilhelm Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ er- 
halten hat, und worüber ich schon im vorigen Jahresberichte 
schrieb. Aber auch dieses neue Haus mufste ich mir erst wieder 
schwer erkämpfen. Es stand, ehe die Vogelwarte einzog, so zu 
sagen leer. Wo darf es heutzutage ein unbesetztes Haus geben! 

• Also rückte man von allen Seiten gegen an, am energisch- 
sten von seiten der Zollbehörde, die sich jetzt hier der nahen 
Grenze wegen festzusetzen hat und kein Unterkommen besafs. 


64 3 , ThieDdmann: 

Ich hatte zu kämpfen wie ein Löwe; mufste bis an den 
Herrn Finanzminister gehen, und auch Herr Unterstaatssekretär 
G e i b hat mir in dankenswerter Weise treu zur Seite gestanden. 
Ich glaube, es wäre ganz unstatthaft gewesen, das Haus zwangs- 
weise zu belegen, und der Fernstehende wird vielleicht über 
solche Mikhelligkeiten den Kopf schütteln, aber wir leben eben 
hier an einem weltabgeschiedenen Punkte — und je kleiner 
der Ort, um so schwieriger die Verhältnisse, das ist und 
bleibt eine alte Wahrheit. Jetzt ist der Vogelwarte in der 
Person des Herrn Kurators der Albertus-Üniversität eine neue 
Behörde in Königsberg erstanden, an die ich mich in Zukunft 
bei Ausbruch solcher Schwierigkeiten wenden könnte. Und das 
ist gut. 

Auch das alte Vogelwartengebäude hätte ich sehr wohl noch 
mit gebrauchen können, um die Anstalt zu erweitern, aber darauf 
habe ich in Anbetracht der Wohnungsnot im Einverständnis mit 
dem Vogelwartenkuratorium von vorn herein verzichtet. Das 
Haus ist vom Forstfiskus angekauft worden. 

Am 27. Juli siedelte ich mit der Sammlung in das neue 
Heim über, und es mag recht originell ausgesehen haben, als 
die Schulkinder in langer Polonäse mit den Vögeln in der Hand 
die Dorfstrafse entlang marschierten. Aber nun hiefs es Samm- 
lungsschränke besorgen 1 Denn die Vögel, die im alten Raume 
dicht gedrängt und unübersichtlich gestanden hatten, sollten jetzt 
auseinander gerückt und schön geordnet aufgestellt werden. Wo 
kann man sich aber jetzt neue Schränke fertigen lassen! Als 
der Tischler die alten schönen grofsen Schränke auseinander- 
nahm, meinte er, die würden jetzt ebensoviel oder noch mehr 
kosten als der ganze Bau des Vogelwartengebäudes im Jahre 
1907. Da trat Herr Geheimrat Braun in liebenswürdiger Weise 
helfend ein und stellte ein paar vom zoologischen Museum in 
Königsberg ausrangierte kleinere Schränke zur Verfügung. 
Aufserdem durfte der Museumspräparator, Herr Krichel- 
d 0 r f f , beim Ordnen der Sachen helfen. Herrn Geheimrat ver- 
bindlichsten Dank dafür! Nun stehen für die Sammlung zwei 
schöne grofse Zimmer zur Verfügung, die etwa dreimal so viel 
Raum bieten wie im alten Gebäude; ferner ein geräumiges 
Arbeitszimmer, ein Präparierzimmer mit Nebengelafs, oben 
Assistentenzimmer und Vorratskammer. 

Der erste offizielle Besuch im neuen Heim war die Geo- 
graphische Gesellschaft Greifswald mit einigen 50 Teilnehmern 
unter Führung von Herrn Prof. Dr. G. B r a u n. 

Am 25. September wurde eine kleine schlichte Einweihungs- 
feier veranstaltet. Wir fanden uns mittags in der Sammlung 
zusammen. Ich hatte die Ortsbebörden und einige Familien ge- 
laden, und auch von auswärts waren Gäste gekommen. Vom 
Berliner Kuratorium war leider kein Vertreter hier. Die Reise 
ist ja aber auch heutzutage zu umständlich und kostspielig. 


XX. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 65 

Nachdem ich die Gesellschaft begrüfst hatte, hielt Herr 
Amtsgerichtsrat F. Tischler eine herzliche Ansprache und 
gab einen kurzen ümrifs der Geschichte der Vogelwarte und 
ihrer Sammlung. Darauf überbrachte Herr Rittergutsbesitzer 
E. U 1 m e r - Quanditten im Aufträge des leider am Erscheinen 
verhinderten Herrn Landrats Schiufs die Grüfse und Glück- 
wünsche des Kreises Fischhausen. Dann wurden die neu aufge- 
stellten Sammlungsobjekte besichtigt, und die aufgehängten Zug- 
karten, die ja immer das Hauptinteresse der Besucher in An- 
spruch nehmen, einer eingehenden Prüfung unterzogen. Jetzt 
habe ich in der Sammlung eine Art „Renommierecke“ einge- 
richtet. Da stehen unter anderen : Dünnschnäbliger 
Brachvogel, F a 1 k e n b u s s a r d , Steinmerle, La- 
surmeise, Schwarz kehlige Drossel, Sturmschwalbe 
u. a. Am Abend gemütliches Beisammensein beim Glase Bier. 

Wenn ich oben von einem Aufstieg und Fortschritt der 
Vogelwarte sprach, so denke ich zweitens an das grofse Inter- 
esse für die Natur, das gerade jetzt in unserm Volke 
wach geworden ist. Menschen mit ihrer Kultur meiden und zur 
Natur flüchten! So heifst im Allgemeinen jetzt die Losung, und 
dieses Streben ünd Sehnen kommt einesteils der Vogelwarte zu 
gute, andrerseits hat sie aber auch die hohe und schöne Auf- 
gabe, diese Gefühle im Interesse der Heimatliebe und Heimat- 
kunde und im Interesse der Belehrung und Veredelung unseres 
Volkes zu pflegen und zu hegen. Dahin gehört alles das, was 
die Vogelwarte und ihren Leiter in Berührung mit breiteren 
Schichten der Bevölkerung bringt, also zunächst die Besuche 
auf der Anstalt, nicht nur von vielen Einzelpersonen, sondern 
auch von Schulen, Gesellschaften, akademischen Verbänden und 
dergleichen, wobei wohl mancherlei Belehrungen und Anregungen 
mit fortgenommen werden, denn ich halte nach Möglichkeit 
darauf, dafs die Besucher nicht stumm und teilnahmslos durch 
die Sammlung gehen, sondern dafs jedem etwas gegeben wird, 
wie es für ihn pafst, und ich könnte von manchen rührenden 
und begeisterten Dankesworten erzählen, die beim Abschied ge- 
sprochen wurden. Manche Leute sind ganz erstaunt, dafs man 
sich über die Vogelwelt so lange unterhalten und dafs man 
dabei soviel Interessantes und Schönes sehen und hören kann. 
Sollten damit nicht einem vernünftigen Vogelschutz die Wege 
geebnet werden können 1 

Der Besuch war im 'verflossenen Jahre sehr rege, sowohl 
von Einzelpersonen als auch von Schulen und Gesellschaften. 
Um eine Probe aus der Besucheiiiste des Fremdenbuches zu 
geben, seien folgende Namen erwähnt: die Präparandenanstalt 
Friedland; die geologisch -botanische Exkursion der Albertus- 
Universität Königsberg unter Führung der Herrn Prof. Dr. 
A n d r e e und Prof. Dr. A b r o m e i t ; die Geographische Ge- 
sellschaft Greifswald wurde schon erwähnt; der Kriegsseminaristen- 

Joum. t Om. LXX. Jahrg. Ja&uar 1922. 5 


ie 


3 , i?hieBemanü: 


kursus Königsberg unter Führung von Herrr Dr. Schmidt; 
die geologische Exkursion der Volkshochschule Königsberg mit 
78 Teilnehmern unter Führung von Herrn Dr. H of f m a n n ; die 
Präparandenanstalt Ragnit; die Landw. Realschule Heiligenbeil 
mit 80 Teilnehmern. Von Einzelpersonen, die sich längere Zeit hier 
aufhielten, um Studien zu treiben, folgende Herren: Manfred 
Grote; Dr. Dampf; Dr. Ä. Ginzberger vom botanischen 
Garten und Institut der Universität Wien; cand. rer. nat. 
F. Neubaur aus Bonn ; F a b e r ; Tischler und Ulmer 
wurden schon erwähnt. Auch Herr Dr. D e i c h 1 e r aus Berlin 
war wieder hier; Herr Karl Niemann von der Stettiner 
Urania filmte Möwen u. s. w. 

Auch die Baukommission von der Regierung in Königsberg, 
bestehend aus den Herren Regierungs- und Baurat Dr. Mayer 
und Prof. Dr. Dethlefsen, hatte in Bauangelegenheiten für 
das neugekaufte Haus hier wieder zu tun. 

Weiter gehören hierher die mancherlei Vorträge, die 
vom Berichterstatter alle Jahre gehalten werden. Erwähnt seien 
die Vorträge im „Verein der Vogelliebhaber in Königsberg“; im 
Landwirtschaftlichen Zentralverein Insterburg; in der faunistischen 
Sektion der Physikalisch -ökonomischen Gesellschaft; auf der 
Monatsversammlung des Fischereivereins für die Provinz Ost- 
preufsen; im landwirtschaftlichen Zentralverein in Rössel; vor 
den Gymnasialklassen in Rössel. Als besondere Veranstaltungen 
sind hervorzuheben die Mitwirkung des Berichterstatters an 
dem ,, Ferienkursus für Heimatkunde“, der in 
Königsberg eine Woche hindurch abgehalten wurde. Es ist das 
eine neue Einrichtung, die die Lehrerschaft mit den verschieden- 
sten Wissenszweigen, so weit sie sich auf die beiden Provinzen 
Ost- und Westpreufsen beziehen, bekannt und vertraut machen 
soll, um das Dargebotene der heranwachsenden Jugend nahe zu 
bringen und damit den Sinn für die Heimat zu wecken und zu 
stärken. Auch die Vogelwarte wurde zur Mitwirkung herange- 
zogen. Die Teilnehmerzahl war sehr grofs. Hunderte von Zu- 
hörern und Zuhörerinnen hatten sich eingefunden. Es war auch 
ein Ausflug nach Rossitten in das Programm des Ferien- 
kursus mit aufgenommen, der aber verschiedener widriger Um- 
stände wegen, wie sie die jetzige Zeit mit sich bringt, leider 
nicht stattfinden konnte. 

Ferner die Vorträge an der Volkshochschule, 
die im vergangenen Winter auch wieder stattfanden; diesmal 
leider nicht im Höisaal des zoologischen Museums, wo mir so 
wertvolles Anschauungsmaterial zur Verfügung gestanden hätte, 
sondern im Naturwissenschaftszimmer des Loebenicht’schen 
Realgymnasiums. Ich verband mit meinen Vorträgen auch Ex- 
kursionen, die sich eines regen Zuspruchs zu erfreuen hatten. 
Am Ende dieser Veranstaltungen wurde ich freudig überrascht, 
als mir von meinen Zuhören eine Sammelbüchse mit 283 Mark 


XX. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 


67 


„zum Wiederaufbau der zerstörten Ulmenhorsthütte“ feierlichst 
überreicht wurde. Dafür sei auch hiernoch mals herzlichst gedankt. 
Ich schreibe solches Entgegenkommen immer der Lage der 
Vogelwarte zu. Die Nehrung ist es, die es den Leuten angetan 
hat, und deshalb suche ich auch, wo und wie ich nur immer mit 
meinen schwachen Kräften es vermag, für die Erhaltung dieses 
Kleinodes unter den deutschen Landschaftsbildern einzutreten. 
Die Kurische Nehrung verdient eine besondere Behandlung. Sie 
mufs noch einmal zu etwas Grofsem ausgenutzt werden. Ich 
denke so oft an ein Naturschutzgebiet mit wissenschaftlichem 
Hintergründe, wie es zum Beispiel Prof. Dr. F. Fax in seiner 
kürzlich erschienenen Schrift : „Naturd enkmalpflege 
und wissenschaftlicheZoologie“ meint. (Naturdenk- 
mäler. Vorträge und Aufsätze. Herausgegeben von der Staatl. 
Stelle für Naturdenkmalpflege. Band 3, 3. Heft 23. Gebrüder 
Borntraeger in Berlin 1921.) 

Schliefslich sind hier auch noch meine Kurse über 
V ogelkunde und V ogelschutz zu erwähnen, die jährlich 
abgehalten werden. Der letzte fand zu Pfingsten in den Tagen 
vom 22.-26. Mai statt und war sehr gut besucht. Ich kann 
die Termine für diese Kurse immer nur ganz vorsichtig und 
unter der Hand bekannt geben, sonst würden sich zu viel Teil- 
nehmer melden, und darunter würde das Ganze leiden, soweit die 
Exkursionen in Betracht kommen. Wiederum ist’s die Nehrung 
die auf die Leute eine so grofse Anziehungskraft ausübt. | 

An Gutachten, die die Vogelwarte abzugeben hatte 
ist zu nennen ein solches für die Landwirtschaftskammer in 
Darmstadt über Krähenzug, das die Grundlage bilden sollte für 
eine in’s Werk zu setzende Krähenvertilgung; ferner ein 
solches für den Magistrat in Marienburg in Westpreufsen über 
Einrichtung von Vogelschutzanlagen. 

An die Bibliothek haben folgende Autoren, der Zeit- 
folge nach aufgeführt, Schriften eingeschickt: 

Oberpfälzische Buchhandlung in Kallmünz bei Regensburg. 

Alfred Richard Neuchatel. 

Kroatische Ornithologische Zentrale.. (Prof. Erwin Röfsler.) 

B. Horring-Kopenhagen. 

H. F. Witherby. 

Hans Hefs von Wichdorff stiftet sein Buch „Geologie der 
Kurischen Nehrung.“ 

Prof. Dr. Karl Eckstein, Geh. Reg. Rat, Eberswalde. 

Prof. Dr. F. Pax. 

Albert Hefs in Bern. 

Wilhelm Rüdiger (Zeitschrift für Oologie und Ornithologie). 

Dr. L. Pittet-Fribourg. 

G. J. Visscher-Amsterdam. 

Versuchs- und Musterstation für Vogelschutz Seebach (Hans 
Freiherr von Berlepsch und Friedrich Schwabe). 


5 * 


68 


J. Thienemami: 


Dansk. Ornithologisk Forenings-Tidsskrift. 

Eduard Paul Tratz. 

Prof. R. Poucy-Genf, Rhone 59. 

Das Königl. Ungarische Ornithologische Institut Budapest. 

Prof. Dr. E. Stechow-München. 

P. Skovgaard-Viborg Dänemark. 

Prof. Dr. Bernhard Hoffmann. 

Rud. Zimmermann-Dresden A. 

H. Chr. C. Mortensen-Vihorg Dänemark. 

Dr. Traugott Müller, Elbing. 

James A. Grieg. 

Dr. Hugo Weigold-Helgoland. 

Prof. Ibarth-Danzig-Langfuhr. 

Walther Bacmeister. (Heilbronn.) 

Hermann Grote. 

Dr. Fr. Lindner-Quedlinburg a./Harz. 

Dr. J. Gengier. 

Heinrich Gottfried Gengler-Erlangen. 

Verbindlichsten Dank allen freundlichen Gebern 1 

Nun ist noch über eine Anzahl hochherziger Schenkungen 
und Stiftungen zu berichten. Aufser der oben erwähnten Sammlung 
in meiner Volkshochschule für Wiederaufbau der ülmenhorshütte, 
gingen für denselben guten Zweck noch folgende Beträge ein: 
Vom Göthehund in Königsberg 50 M.; von einem Mitglied des 
Vereins für Vogelliebhaber in Königsberg, Herrn Sandring, 
10 M. ; von Herrn Ulmer-Quanditten 200 M. ; von der 
Geographischen Gesellschaft Greifswald 50 M. Auch die im 
Sammlungsraum aufgestellte Sammelbüchse wurde sehr gut be- 
schickt. Ich kann verraten, dafs ich sogar Hundertmarkscheine 
herausnehmen konnte. 

Herr Liefsmann, ein eifriges Mitglied des „Vereins 
der Vogelliebhaher in Königsberg“, stiftete für die Vogelwarte 
einen neuen photographischen Apparat. Wahrlich ein wertvolles 
Geschenk heutzutage F Die Provinz Ostpreufsen bewilligte wieder 
ihren Beitrag von 300 M. auf 5 Jahre. 

Allen freundlichen Spendern sei an dieser Stelle im Namen 
der Vogelwarte der herzlichste Dank ausgesprochen. — 

Erwähnt soll noch werden, dafs im Bund für Vogel- 
schutz e. V. in ünterfranken, Sitz Würzburg, eine Zentralstelle 
für den Beringungsversuch, soweit Süddeutschland in Betracht 
kommt, eingerichtet worden ist. Die Vogelwarte schickt die 
Ringe an Herrn Schnabel, der die Verteilung und das Ein- 
sammeln der ausgefüllten Listen vornimmt. — 

Ein Assistent oder eine Assistentin zur Unterstützung 
des Leiters der Anstalt beim Schreiben, Sammlung zeigen. Beob- 
achten und dergleichen konnte im verflossenen Jahre nicht an- 
genommen werden. Der Museumsdiener, den die Anstalt zur 
Verrichtung der groben Arbeiten unbedingt braucht, da ein 


XX. Jahresbericht der Vogelwarte Kossitten. 


69 


ganzes Grundstück zu verwalten ist, nimmt jetzt zu viel Lohn 
in Anspruch. Da reicht das Geld nicht. 


Bericht über den Vogelberingungsversuch im Jahre 1920. 

Diesem Abschnitt soll folgende Bemerkung vorangestellt 
werden: Die Aluminiumfufsringe wurden bisher unentgeltlich und 
porteifrei geliefert. So ganz ohne Einschränkung geht das nun 
leider nicht mehr. Der Etat der Vogelwarte ist wohl ein 
wenig erhöht worden, aber doch in gar keinem Ver- 
hältnis zur herrschenden Teuerung. So nimmt die Vogel- 
warte die freiwillige Bezahlung der Ringe und des Portos 
jetzt dankbarst an. Auf der jeder Ringsendung beigefügten Liste 
findet sich eine entsprechende Bemerkung aufgedruckt, und es 
ist höchst erfreulich, wie die meisten Ringempfänger der aus- 
gesprochenen Bitte willig Folge leisten. Zuweilen gehen nam- 
hafte Beträge ein, die den für die Ringe gezahlten Preis weit 
übersteigen. Das kommt dem Ringversuche zu statten. Die 
Lasten werden auf die Weise auf viele Schultern gelegt und 
tragen sich leichter. Aber es herrscht kein Zwang. Niemand 
lasse sich durch diese Ungunst der Verhältnisse von der Mit- 
wirkung am Beringungsversuche abhalten. 

In Rossitten selbst wurden folgende Vögel markiert : 

2 Sturmmöwen {Larus canus) 

1 Lachmöwe (Larus ridihundus) 

1 Rauchschwalbe (Hirundo rustica) 

1 Trauerfliegenscbnäpper (Muscicapa atricapilla) 

2 Haussperlinge (Passer domesticus) 

1 Wiesenpieper (Anthus pratensis) 

1 weifse Bachstelze (Motacilla alba) 

1 Kohlmeise (Larus major) 

2 Gartenrotschwänze {Erithacus phoenicurus) 

94 Rotkehlchen (Erithacus rubecula) 

Summa 106 Vögel. 


Nach auswärts wurden folgende Ringe abgegeben: 

Gröfse A: 21 Stück. 

B: 165 

Cu. D: 724 
E: 653 
F: 1508 
F: 2405 


Summa 5476 Stück. 


Im ganzen wurden also 5582 Ringe gebraucht, 900 mehr 
wie im vorigen Jahre. 


ro 


J. Thienemanns 


Zurückgeliefert oder zurückgemeldet wurden im Jahre 1920 
folgende Vögel: 

3 Nebelkrähen. 

1 Storch {Ciconia ciconia) 

10 Lachmöwen. 

1 Silbermöwe. 

2 Stockenten. 

1 Bläfshuhn {Fulica atra). 

1 Ringeltaube. 

1 Hühnerhabicht. 

2 Sperber. 

6 Mäusebussarde (Buteo huteo). 

1 Wanderfalke. 

1 Turmfalk. 

1 Waldkauz. 

2 Schleiereulen. 

1 Mauersegler {Cypselus apus), 

2 Elstern. 

5 Stare. 

1 Buchfink. 

3 Grünlinge. 

1 Dompfaff. 

2 Goldammern. 

1 Kleiber. 

8 Kohlmeisen. 

6 Blaumeisen. 

4 Sumpfmeisen. 

3 Amseln. 

3 Hausrotschwänze. 

2 Gartenrotschwänze. 

3 Rotkehlchen. 

Summa 78 Vögel in 29 Arten. 

Nebelkrälieii (Corvus cornix): 

1 ) Nr. 21750 D. Gezeichnet auf dem Zuge am 
13. Oktober 1913 in Ulmenhorst bei Rossitten mit 36 Art- 
genossen. 

Geschossen am 12. Februar 1921 in Popelken 
Kreis L a b i a u Ostpr. von Herrn Wilhelm W a b b e 1 s. Ring 
eingeschickt. Rand sehr ausgeschliffen. Schrift tadellos. 

Zeit: 7 Jahr, 4 Monate. 

' Entfernung: etwa 60 km nach SO. 

Die Krähe hat entweder in jenem Teile Ostpreufsens 
Winterquartier bezogen, oder sie ist schon auf dem Frühjahrs- 
rückzuge gewesen. Dann wäre der Fall ein Beleg für den 
Krähenzug auf dem jenseitigen Haffufer. 

Nun folgen noch zwei im Neste gezeichnete Stücke: 


XX. Jahresbericht der Vogelwarte ßossitten. 


71 


3) Nr. 28398 D. G e z e i c h n e t als junger Horstvogel 
am 21. Mai 1919 am Fürstenteich in Königsberg i. /Pr. 
durch Herrn Gotthold K o h b e r t. 

Geschossen im Oktober 1920 in Posilge bei Altfelde 
18 km südwestlich von Elbing von Herrn Ernst Klein aus 
Elbing, Brückstr. 15 II. Beringten Fufs eingeschickt. 

Zeit: 1 Jahr, 5 Monate. 

Entfernung: ca. 110 km. nach SW. 

Die Krähe ist auf dem Zuge nach SW. begriffen gewesen. 
Also auch die in Ostpreufsen erbrüteten Nebelkrähen wandern. 
Schon mehrfach durch den Ringversuch bewiesen. 

3) Nr. 29097. Gezeichnet am 17. Mai 1920 als junger 
flügger Nestvogel bei Tschammendorf (am sogen. Teich- 
busch) bei Obermois Bez. Breslau durch Herrn Hans-Georg 
Ecke. 

Das Nest stand im Kopfstück einer Pappel. Das aus 
6 Eiern bestehende Gelege war am 25. April ausgefallen. 

Geschossen am 19. Dezember 1920 im Revier Pläs- 
Witz, Kreis Striegau, Regbez. Breslau durch Herrn Förster 
H. Rudel. 

Zeit: 7 Monate. 

Entfernung: 3 km. 

Die Krähe ist an ihrem Geburtsorte geblieben. 

Storoll (Ciconia ciconia), 

1) Nr. 9917. Gezeichnet am 27. Juni 1914 in Open 
bei Wormditt Kreis Braunsberg Ostpreufsen durch Herrn 
Lehrer Frank. 

Erbeutet am 10. August 1920 auf der Försterei 
Gradtken bei Tollack Kreis Allenstein, Ostpreufsen. 

Zeit: 6 Jahre, 2 Monate. 

Entfernung: 32 km. nach SO. 

In die Heimat zurückgekehrt. 

Laohmöwen {Larus ridihundus). 

I. Anf dem ßossittener Möwenbrnche im Halbdunenkleide markiert. 

Unter den eingelieferten Möwen sind sehr bejahrte Stücke 
von sechs, sieben, zehn und zwölf Jahren. Unter drei Jahren 
ist nur eine. Jetzt werden der teuern Ringe wegen nicht mehr 
so viel Möwen gezeichnet, und da fehlt der frisch markierte 
Nachwuchs. Daher die vielen alten Vögel. 

1) Nr. 27471. Gezeichnet am 24. Juli 1915 mit noch 
67 Artgenossen. — 

Vom Raubvogel geschlagen aufgefunden Anfang 
April 1920 am Ufer der Werra bei Salz u n g e n io Thüringen 
von Herrn Ernst N i e d n e r. 


72 


J. Thienemann: 


Zeit: 4 Jahre, 9 Monatn. 

Entfernung: 860 km nach SW. 

Eine von den Möwen, die in’s Binnenland gezogen ist. 

2) Nr. 28554. Gezeichnet am 24. Juli 1916 mit 
42 Artgenossen. 

Aufgefunden im Walde von Gr. Basken, Post 
Sentken, Ostpreufsen im masurischen Seengebiet. 

Von einem Raubvogel geschlagen und zum Teil angefressen. 

Meldung und Ring am 15. Dezember 1920 durch Herrn 
Lehrer G r i g o. Ring gar nicht abgeschliffen. 

Zeit: ca. 4 Jahre. 

Entfernung: ca. 180 km nach SO. 

Es folgen nun drei Stücke, die in ihre alte Brutkolonie 
zurückgekehrt sind, um selbst da wieder zu brüten. 

3) Nr. 1120, Gezeichnet am 8. Juli 1908. 

Ganz zufällig vom Berichterstatter ebenda erbeutet am 
11. Juli 1920. Das Stück ward zu einem Balge für die Sammlung 
gefertigt. In der Mauser befindlich. 

Zeit: 12 Jahre. 

Schrift auf dem Ringe sehr abgeschliflfen. Zwölfjährig be- 
findet sich diese Möwe zur Brutzeit noch in ihrer alten Stamm- 
kolonie. Wieviel Nachhommen hat die im Laufe der Jahre er- 
zeugt, die ohne Zweifel auf dem Bruche brüten. Inzucht! 

Bei solchen bejahrten Stücken sucht man unwillkürlich 
nach Merkmalen, die das hohe Alter andeuten könnten, da man 
doch bejahrte Käfigvögel oft recht gut als solche zu erkennen 
vermag — ich habe aber an Wildvögeln noch nie derartige 
Merkmale entdecken können. 

4) Nr. 20701. Gezeichnet am 17. Juli 1913. 

Wiedergefangen ebenda im Jahre 1920 von dem Fänger 

Watzkat. Am 7. August 1920 wird der Ring eingeliefert. 
Genauer Erbeutungstermin nicht bekannt. 

Ring tadellos erhalten. 

Zeit: 7 Jahre. 

5) Nr. ? Die Nummer ganz abgeschliffen; als Rossittener 
Ring aber an der Aufschrift zu erkennen. 

Der Ring wird von einem Rossittener Fänger am 7. August 
1920 an die Vogelwarte eingeliefert. Er kann nur das sagen, 
was schon so oft gesagt worden ist, dafs eine Rossittener Lach- 
möwe nach langen Jahren an ihrem Geburtsorte wieder ange- 
troffen worden ist und selbst da gebrütet hat. 

Es folgen drei Stücke von der Insel Riems. 

6; 7; 8) Nr. 29174; 29052 und 29057. 

Alle drei Stücke wurden am 5. Juli 1917 als noch nicht 
flügge Vögel auf der Insel Riems im Greifswalder Bodden 


XX. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 73 

Kreis Grimmen Pommern durch Herrn Dr. Turowski 
markiert. 

Davon wurde das erste Stück am 15. Januar 1920 auf dem 
Landgute Cubero Provinz Granada in Südspanien, da wo 
die drei Provinzen Granada, Jaen und Albacete zusammenstofsen, 
geschossen; Meldung durch Herrn Eloy Romero y Lopez in 
Huescar (Granada). 

Das zweite Stück hei Guarofia Provinz Badajoz in 
Estrematura im südwestlichen Spanien. ErheutungS“ 
termin nicht genau angegeben. Meldung unterm 24. November 
1920 durch Herrn Ricardo Guerrero Administrator de Correos 
de Zalamea de la Serena. 

Das dritte Stück am 17. März 1921 im Hafen von 
Lissabon in Portugal vom Arbeiter Guilherme Inocencio 
do Sonza gefangen. Nachricht und Ring durch die deutsche Ge- 
sandtschaft in Lissabon. Ring von innen dünn geschliffen. Schrift 
gut erhalten. 

Zeit: 2 Jahre 6 Monate; 3 Jahre 4 Monate und 3 Jahre 
8 Monate 

Entfernung: 2250 km ; 2300 km und 2400 km nach SW. 

Bei diesen drei Stücken sind verschiedene auffallende Mo- 
mente zu erwähnen. Erstens, dafs die von einem Brutorte 
stammenden Vögel auch dieselbe Winterherberge, nämlich die 
Pyrenäen-Halbinsel, aufgesucht haben, und zwar wie scheint, in 
mehreren aufeinanderfolgenden Jahren; im Winter allerdings 
nicht zusammenbleibend. Zweitens, dafs die drei zu gleicher Zeit 
und an gleichem Orte geborenen Möwen fast das gleiche Alter 
erreicht haben, und dafs drittens ein Markierer von seiner Tages- 
arbeit einen so hohen Prozentsatz Treffer gehabt hat. Schliefslich 
ist auch noch hervorzuheben, dafs sich das zuletzt genannte 
fortpflanzuugsfähige Stück noch am 17. März bei Lissabon, so 
weit von der heimatlichen Brutstelle entfernt, aufgehalten hat. 

Es folgt eine am 2. Juli 1914 auf der Oberförsterei 
Sonderburg in Holstein von dem inzwischen gefallenen 
Oberförster P 1 a a s gezeichnete Lachmöwe. 

9) Nr. 18852. 

Geschossen am 5. Dezember 1920 in der Nähe von Z w oll e 
in Holland. 

Meldung und Ring durch Herrn Dr. W. P. A. J e n k e n 
in Zwolle, Veerallee. 

Ring von innen dünn geschliffen. Schrift gut erhalten. 

Zeit: 6 Jahre, 5 Monate. 

Entfernung: 360 km nach SW. 

Ist in gewohnter Weise nach Südwesten ahgewandert. 

Eine an demselben Tage und von demselben Herrn ge- 
zeichnete Lachmöve wurde bereits früher nach 5 Monaten bei 
Barcelona erbeutet 


74 


J. Thienemann; 


Zum Schlufs noch ein auf dem Wörthsee bei München 
von der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern markiertes 
Stück: 

10) Nr. 21888. Gezeichnet am 17. Juni 1914. 

Geschossen am 23. Oktober 1920 in Genf. 

Meldung dnrch Herrn Dr. P. Revilliod, Assistent am naturhist. 
Museum in Genf. 

Zeit: 6 Jahre, 4 Monate. 

Entfernung: 450 km nach SW. 

Die gewohnte Strafse gezogen. 

Silbermöwe (Larus argentatus), 

Nr. 4670. Gezeichnet als Dunenjunges im Juli 1910 
auf dem Memmert bei Juist durch Herrn 0. L e e g e. 

Erbeutet im Juli 1920 auf Juist. Der Ring wurde 
an einer verendeten Möwe aufgefunden von Herrn Emil Wafs- 
muth aus Elberfeld, Aders Str 33a. 

Zeit: 10 Jahre. 

Entfernung: 3 km. 

Der sehr gut erhaltene, gar nicht dünn geschliffene Ring 
wird eingeschickt. Schrift tadellos. 

Jahraus jahrein in gewohnter Weise in der Nähe der 
Heimatkolonie geblieben. 

Stockenten (Anas boschas), 

1 ) Nr. 28936 C. Gezeichnet im Sommer 1920 am 
Wehren teich bei Steinhorst in Lauenburg durch Herrn 
Wilhelm B 1 o h m. 

Erbeutet am 18. September 1920 bei Osterhorn 
Post Danenhof Kreis Pinneberg Holstein von Herrn Gemeinde- 
vorsteher J. D. F ü 1 s c h e r. 

Die Ente war gut bei Wildbret und glatt im Gefieder. 

Zeit: etwa 3 Monate. 

Entfernung: etwa 45 km nach W. 

Vorläufig in der weiteren Umgebung umhergestreift. 

2) Nr. 24526 C. Gezeichnet als junger Vogel am 
2. Juli 1920 in Lenzen a. d. Elbe von Herrn Hermanir 
B a r t e 1 1. 

Geschossen am 17. Dezember 1920 an der Rögnitz, 
Amt Dömitz von Herrn Hofbesitzer J. Muchow in Grebs 
beiMallis, Mecklenburg Schwerin. 

Zeit: ca. 5 Monate. 

Entfernung: etwa 17 km nach NW. 

In der Nähe der Geburtsstelle geblieben. 


XX. Jahresbericht; der Vogelwarte Rossitten. 


75 


Bläfsliulin (Fulica atra), 

Nr. 26567 D. G e z e i c h n e t als alter Vogel am 22. April 
1919 in Seligen fei d bei Königsberg i./Pr. von Herrn Wilh. 
Kahl. Gleichzeitig mit einem zweiten markierten Stück auf 
einem Teiche in der Nähe des Dorfes ausgesetzt, wo sich die 
beiden Vögel bis zum Eintritt des Frostes hielten. 

Geschossen am 16. November 1920 auf der Enten- 
jagd Ostwinkel Schiefsfeld Nr. I im Frischen Half von dem 
Entenjäger Herrn Herrmann Böhm, Terranowa, Kreis Elbing 
Westpreufsen. 

Ring eingeschickt. 

Zeit: 1 Jahr, 7 Monat. 

Entfernung: 90 km nach SW. 

Nach Südwesten abgezogen. 

Kingeitaube {Columba palumbus), 

Nr. 27251 D, Gezeichnet als junger Nestvogel am 
4. August 1920 in A u e r h o f bei Thierenberg, Samland, 0 s t - 
preufsen durch Herrn H a u f f e jr. 

Im Netze gefangen am 7. März 1921 in Sarbazan 
(Landes.) im südwestlichen Frankreich. Nach einer Nach- 
richt aus dem Saint -Hubert Club April 1921. Meldung durch 
Herrn Prof. P o n c y - Genf. 

Zeit: 7 Monate. 

Entfernung: ca. 2000 km nach SW. 

Der Fall ist von besonderem Interesse, da im vorigen Jahres- 
berichte über eine ostpreufische Ringeltaube geschrieben 
werden konnte, die in Mittelitalien erbeutet war. Die in ein 
und demselben Brutgebiete grofs gewordenen Wildtauben haben 
also ganz verschiedene Winterherbergen aufgesucht. Die zwei 
Niststellen liegen nur etwa 30 km aus einander. 

Hübnerbabiobt {Astur palumbarius). 

Nr. 24479 C. Gezeichnet als ausgewachsener Vogel 
im Jugendkleide in Schaffhausen, Schweiz, am 2. Dezember 
1920. Der Vogel war in Thayngen 1 Vs Stunden von Hil- 
z i n g e n in Baden Kreis Konstanz auf dem Hühnerhofe ge- 
fangen und von Herrn Karl S t e m 1 e r in Schaffhausen gehalten 
und dann aufgelassen worden. 

Gefangen wiederum in H i 1 z i n g e n im Hühnerstalle 
am 15. Januar 1921, nachdem ihm 5 Haushühner zum Opfer ge- 
fallen waren, von Herrn Jagdaufseher Friedrich Vögele. 

Zeit: 44 Tage. 

Entfernung: 13 km nach NO. 

Der Habicht hat sich weder durch Fang noch durch Ge- 
fangenschaft abhalten lassen, an seine Wirkungsstätte zurück- 


T6 


J. Thienemaims 


zukehren und dem Hfthnerfange weiter obzuliegen. Man hätte 
doch meinen sollen, dafs er sich nach solch schlechten Er- 
fahrungen von Gehöften mehr fern gehalten hätte. 

Sperber {Acdpiter nisus), 

1 ) Der jetzt folgende Sperberfall birgt eine ganze Ge- 
schichte in sich, die sehr wohl zu einem Schüleraufsatze verar- 
beitet werden könnte. 

Am 26. April 1918 safs ich mit meiner Familie vor unserm 
Häuschen um den runden Tisch herum. Dicht daneben, etwa 
3 Schritt entfernt, hing ein Vogelbauer mit einem Buchfinken. 
Plötzlich stöfst ein Sperber auf dieses Bauer, um sich unsern 
Finken zu holen. Ich springe rasch zu und greife den dreisten 
Räuber auch wirklich mit den Händen. Ein Weibchen. Rasch 
wird ihm ein Ring umgelegt, Nr. 27291 D, und schon fiiegt er 
wieder davon. Wer hätte damals gedacht, dafs wir von unserm 
Tischgäste wieder etwas hören würden! 

Aber siehe da, am 26. Februar 1921 wird er in Ham ers- 
te ben etwa 10 km westlich von Oschersleben in der Pro- 
vinz Sachsen von Herrn Max Seifert geschossen. 

Zeit: 2 Jahre, 10 Monate. 

Entfernung: 730 km nach SW. 

Wir haben uns den Zug dieses Sperbers auf Grund der Be- 
ringungsresultate und der örtlichen Beobachtungen folgender- 
mafsen zu denken. Beim Einfangen und Beringen im April be- 
fand sich der Vogel auf der Rückwanderung nach seiner nörd- 
lichen oder östlichen Brutheimat. Gerade in der zweiten Hälfte 
April finden in jedem Jahre auf der Kurischen Nehrung ausge- 
dehnte Sperberzüge statt. Dann hat der Vogel im Herbst regel- 
mäfsig seine Wanderungen nach Südwesten durch Deutschland 
und Frankreich angetreten, und bei der Erbeutung im Februar 
in der Provinz Sachsen war er wieder auf der Rückwanderung 
begriffen oder hatte in jener Gegend schon Winterquartier auf- 
geschlagen. 

Nr. 28501. Jung aufgezogen in Lohr am Main von Herrn 
Dr. Stadler. Aus Erlach a./Main stammend. Dann beringt 
entflogen am 26. August 1919. 

Wiedergefangen ebenda in einem Viehstalle am 
4. September 1919 und erschlagen. 

Zeit: 9 Tage. 

Mäusebussard (Buteo huieo). 

Zunächst drei ostpreufsische Vögel, die manches In- 
teressante bieten. Sie wurden alle drei Ende Mai 1920 als 
junge Horstvögel von Herrn Blochberger beringt, der ge- 
rade den Raubvogelmarkierungen grofses Interresse entgegen- 
hringt. 


ix, Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 

1 ) Nr. 20308 C. Gezeichnet Ende Mai 1920 als 
junger Vogel in einem Horste im Zehlaubruch, Ost- 
preufsen. 

Erbeutet, und zwar im Fuchseisen gefangen, am 
14. Dezember 1920 in Sasslauken bei Rudau, Samland, 
Ostpreufsen. 

Meldung und ganzer Vogel (leider verwest) durch Herrn 
Gutsbesitzer Schwarz. 

Zeit: 7 Monate. 

Entfernung: etwa 50 km nach NW. 

Der Vogel ist den Winter über in seiner Brutheimat Ost- 
preufsen geblieben. 

3) Nr. 29039 C. Gezeichnet als junger Horstvogel 
am 29. Mai 1920 im Kreise Fischhausen nicht weit von 
Königsberg i/Pr. 

Erbeutet am 16. Februar 1921 im Bezirk Aussig 
a./Elbe. Ward dem Herrn Präparator Anton Oskar Beutel in 
Teplitz in Böhmen eigeliefert. 

Zeit; 9 Monate. 

Entfernung: ca. 620 km nach SW. 

Der Vogel ist nach Südwesten abgezogen. 

3) Nr. 29044 C. Gezeichnet an demselben Tage und 
an derselben Stelle wie die vorhergehende Nr. 

Der Horst stand 28 m hoch auf einer alten Kiefer. Im 
Horste, der mit grünen Zweigen ausgelegt war, ein Eichhörn- 
chenschwanz und eine Blindschleiche. 

Am 12. November 1920 trifft eine Postkarte aus Sarrebourg 
Moselle (so lautet der Postempel) ein mit einem aufgeklebten 
Zeitungsausschnitt „Bordeau 30. Oktober 1920.“ Danach hat ein 
Einwohner der Gemeinde Manciet (Gers) im südlichen Frankreich 
„dieser Tage“ einen grofsen Falken (un önorme faucon) ge- 
schossen, der diesen Ring trug. Kein Absenderl Kein Hinweis, 
welcher Zeitung der Abschnitt entnommen ist! Nur Adresse: 
„Vogelwarte Rossitten Ostpreufsen.“ Es macht den Eindruck, 
als ob sich die Leute scheuen, offen mit Deutschland in Ver- 
bindung zu treten. Es war das die erste Meldung wieder aus 
Frankreich. 

Unterm 23. November 1920 zweite Meldung durch Herrn 
Ed. Jean Lafond aus Meyrin bei Genf. Nun erfahre ich 
auch, aus welcher Zeitung die Notiz stammt. Es ist die Zeitung 
für Jagd und Hund l’Eleveur, Paris. Herr Lafond ist mit dem 
Dorfbürgermeister von Manciet in direkte Verbindung getreten 
und hat erfahren, dafs der Bussard am 21. September 1920 
geschossen und vergraben, der beringte Fufs aber aufbewahrt 
worden ist. 

Zeit: 4 Monate. 

Entfernung: 1950 km nach SW. 


Thienemänn: 


n 

Ein interessanter Fall. So haben also von diesen drei 
ostpreufsischen Bussarden zwei im Winter ihre Heimat ver- 
lassen, davon hat einer eine weite Reise nach Frankreich unter- 
nommen. Einer ist geblieben. Man kann also nicht sagen, dafs 
Nahrungsmangel, etwa Mäuseknappheit, unsere Bussarde vertreibt, 
und Nahrungsüberflufs zurückhält. Nein, die drei Vögel lebten 
unter den gleichen Bedingungen. Bei den Mäusebussarden 
scheint nach den bisherigen Erfahrungen das weite Wandern in- 
dividuelle Veranlagung zu sein, oder es ist von Zufälligkeiten 
abhängig. 

4) Nr. 28934 C. Im Iltiseisen, das mit einem Frosche be- 
ködert war, gefangen am 1. Januar 1921 am Wehrenteich 
mitten in der Steinhorster Forst, L a u e n b u r g Bez. 
Hamburg. Die Hinterzehe ist im Eisen eingeklemmt. 

Wieder auf gefunden im kranken Zustande in der- 
selben Forst am 10. Februar 1921. 

Meldung und beringter Fang eingeschickt von Herrn Aug. 
G r e V e r aus Stubben bei Steinhorst. Die Hinterzehe fehlt, 
Stumpf gut verheilt. Der Vogel hat mit diesem Fange nicht 
greifen können und ist nach und nach verkümmert Mit einem 
Fange hat er sich nicht durchhelfen können. 

Zeit: 1 Monat, 10 Tage. 

5) Nr. 27565 C. Im Frühjahre 1919 in Gefangenschaft 
aufgezogen in Lohr am Main von Herrn Dr. Stadler. 

Am 19. März 1919 in Erlach am Main beringt und freige- 
lassen. Wiedereingefangen im November 1919 und in Gefangen- 
schaft gehalten. Dann wieder freigelassen. 

Erbeutet ganz in der Nähe am 22. März 1920 bei 
Bergrothenfals in ünterfranken als er einen Hasen zu 
schlagen suchte. 

Meldung durch Herrn Schnabel, Vertreter des Bundes 
für Vogelschutz in Unterfranken in Würzburg. 

Zeit: 1 Jahr. 

Immer in der Nähe geblieben. Dieser Gefangenschafts- 
vogel sucht einen Hasen zu schlagen! 

6) Nr. 16124 D. Ring am 18. Dezember 1912 an Herrn 
von Lucanus geschickt und von ihm an die Oberförsterei 
Sand bei Cassel weitergegeben, Beringung leider nicht ge- 
meldet. Wohl Bussard? 

Erbeutet am 8. August 1920 in den langen Bergen bei 
Grofsenritte Bez. Cassel. Mit Schufsverletzungen, die 
wohl vom Tage vorher herrührten, tot aufgefunden. 

Meldung und Ring durch Herrn E. K ö h n Cassel, Stände- 
platz 6 III. 


IX. Jahresbericht der Vogelwarte Rossittea. fÖ 

Da über Ort und Zeit der Beringung nichts Genaues be- 
kannt ist, lassen sich keine sichern Schlüsse ziehen. Der Vogel 
ist jedenfalls in der Nähe seines Geburtsortes geblieben. 

Wanderfalke (Faleo peregrinus). 

Nr. 29043 C. Gezeichnet^ als junger völlig flügger 
Vogel im Horste am 10. Juni 1920 bei P o w a y e n im Samlande, 
Ostpreufsen, durch Herrn Bloch berge r. Der Vogel 
hielt als letzter von 4 Jungen am längsten im Horste aus. Im 
Horste lagen 21 Taubenfüfse. 

Dieser Wanderfalke wurde im Sommer 1920 am Seestrande 
bei Rossitten angespült. Den beringten Fang brachte der 
Fischer Ernst nach der Vogelwarte. 

Zeit: etwa 1 Monat. 

Entfernung: etwa 60 km nach NO. 

Der Falke mufs doch wohl bei seinen ersten Ausflügen in 
der See verunglückt sein. Powayen liegt 15 km vom Seestrande 
entfernt. 

Turmfalk (Cerchneis tinnunculus). 

Nr. 18630. Ring am 13. 2. 1913 an Herrn von Lucanus 
nach Berlin geschickt. Beringung leider nicht gemeldet. Es 
konnte nichts Näheres festgestellt werden. 

Gefangen am 8. März 1921 vormittags 10 Uhr in 
Reinickendorf bei B e r 1 i n von dem Feuerwehrmann Herrn 
Gustav Krüger Berlin N 20 Wriezenerstr. 30 II. Der Herr 
war auf dem Wege nach seinem Laubengelände begriffen. 

Waldkauz {ßyrnium aluco). 

Nr. 23932 C. Gezeichnet im Halbdunenkleide am 
9. Mai 1920 in einem Taubenschlage in Losgehnen bei 
Bartenstein Ostpreufsen d urch Amtsgerichtsrat F. Tischler. 

Gefangen in Plensen bei Bartenstein. 

Nachricht und Ring unterm 20. April 1921 durch Herrn 
Richter. 

Zeit: 11 Monate. 

Entfernung: 5 km nach NW. 

Der Kauz ist in der nächsten Umgebung geblieben. 

Sollleiereule {Strix flammea). 

1 ) Nr. 28065 C. Gezeichnet am 14. September 1919 
in Liebertwolkwitz bei Leipzeig durch Herrn Pfarrer 
Schneider. 

Erbeutet am 2. Februar 1921 in Wachau bei Leipzig. 

Meldung und Ring durck Herrn D e c h o. 

Zeit: 1 Jahr, 5 Monate. 


80 


j. Thienemanns 


Entfernung: 3,5 km nach W. 

Die Schleiereule ist sefshaft geblieben. 

2) Nr. 30019. Gezeichnet am 2. April 1920 in Lohr 
am Main von Herrn Dr. Stadler. Die Eule war als alter Vogel 
Ende Februar 1920 in Bodenbach, ünterfranken, gefangen und 
bis zum 2. April in Gefangenschaft gehalten worden. 

Tot auf gefunden am 29. April 1920 in einer Scheune 
in Bodenbach. 

Meldung durch Herrn Hauptlehrer Koopf namens der Volks- 
schule Bodenbach. 

Zeit: 27 Tage. 

Entfernung: 4 km. 

Die Eule hat den Weg nach Bodenbach (4 km) zurück- 
gefunden. 

Mauersegler {Cypselus apus), 

Nr. 18529 F. 

Am 11. Juni 1918 erhielt das H ei n r o t h ’sche Ehepaar in 
Berlin, Aquarium, aus Braunschweig zwei 10 Tage alte, 
also noch nackte Mauersegler zum Aufziehen. Die beiden Vögel 
wurden am 17. Juli 1918, als sie das Kunstnest verliefsen, be- 
ringt aufgelassen. Der eine erhielt den Ring F. 18550. Die andere 
Nr. wurde leider vergessen aufzuschreiben. Heinroth nimmt 
aber bestimmt an, dafs es sich um obige Nr. 18529 F, die 
auch in seinem Besitz war, handelt, da er keinen andern Vogel, 
am allerwenigsten einen Mauersegler mit einer ähnlichen Ring- 
nummer versehen hat. 

Das Kunstnest stand im Zimmer, von wo aus die beiden 
Mauersegler die weitere Umgebung nicht sehen konnten. Der 
Abflug erfolgte vom Dache aus, wo die Tiere vorher nie ge- 
wesen waren. 

Am 9. Mai 1920 vormittags 11 Uhr, also nach zwei Jahren, 
verflog sich derselbe Mauersegler F. 18529 in eine Badestube in 
Spandau, Hohenzollernring 96 III zu Herrn Schlossermeister 
Ludwig Hamberge r. Er wurde wieder freigelassen. 

Dr. Heinroth bemerkt zu diesem interessanten Falle, 
dafs sich also ergeben hat, „dafs ein ganz jung aufgezogener 
Mauersegler, der nie seine Eltern kennen gelernt hat und in 
keiner Weise zum Futterfangen angeleitet worden ist, sich doch 
draufsen gut zurecht finden kann und wieder an die Stelle zu- 
rückkehrt, an der er Ireigelassen worden ist“. 

Zu betonen ist, dafs es d i e Stelle ist, wo er freigela ssen, 
also „ausgeflogen“ ist, — Berlin und Spandau sind für einen 
flugbegabten Mauersegler als eins zu rechnen — nicht wo er 
geboren ist, denn dann hätte er nach ßraunschweig zurückfliegen 
müssen. So scheint also das Auffinden der Heimat von seiten der 
Zugvögel nicht durchweg instinktmäfsig vor sich zu gehen, sondern 
es scheint auch auf Orientierung zu beruhen. Der aus Braunschweig 


XX. Jahresbericht der iTogelwarte Bossitten 


^1 


nach Berlin künstlich verpflanzte Mauersegler hat nach dem 
„Ausfliegen“ Berlin als seine Heimat kennen gelernt, hat die 
dort erbrüteten Artgenossen als Landsleute betrachtet und ist 
wieder aus der Winterherberge dahin zurückgekehrt und zwar schon 
zum zweiten Male. Wäre der Vogel in Braunschweig zum Aus- 
fliegen gekommen, dann wäre er unfehlbar dorthin zum 
Brüten zurückgekehrt. Das hat der Ring versuch gerade von 
Mauerseglern schon durch eine ganze Reihe von Fällen unfehlbar 
bewiesen. 

Solche Experimente der Verpflanzung müfste man öfter 
unternehmen. 

Zeit: 2 Jahre. 

Entfernung: etwa 8 km. 

Elster {Fica pica), 

1) Nr. 29953 E. Gezeichnet als junger Nestvogel am 
11. Juni 1919 im Oberförstereigarten Peine von Herrn 
Dr. Bode in Peine, Hannover, Ilsederstr. 35. 

Geschossen am 16. Juli 1920 in der Forst des Herrn 
Baron von Gadenstedt von Herrn Förster H. Mühl in 
Gadenstedt bei Peine. 

Zeit: 1 Jahr, 1 Monat. 

Entfernung: 8 km nach S. 

Beringter Fufs eingeschickt. 

Der Vogel ist sefshaft geblieben. 

3) Nr. 26629 E. Gezeichnet als alter Vogel im Fe- 
bruar 1919 in Burghütte bei Burg Dillkreis, Hessen 
Nassau von Fräulein Else Jung. War einige Zeit in Ge- 
angenschaft gehalten worden. 

Tot aufgefunden (anscheinend gegen einen Draht ge- 
flogen) am 24. April 1920 bei H e r b o r n , Dillkreis. Zum 
Präparieren zu Herrn Präparator Carl Deuster in Herborn 
gebracht, der den Fall meldet. 

Zeit: l Jahr, 2 Monate. 

Entfernung: 2 km. 

Auch diese Elster ist sefshaft geblieben. 

Stare {Sturnus vulgaris). 

a) Die jungen Stare b 1 ei b e n nach dem 
Ausfliegen zunächst in ihrer engeren Heimat. 

1) Nr. 29602 F. Gezeichnet als junger Vogel am 
15. Juni 1920 in Liebertwolkwitz bei Leipzig durch 
Herrn Pastor Schneider. 

Geschossen ebenda aus einem grofsen Fluge heraus 
ip einer Obstplantage am 17. Juli 1920. 

Zeit: 1 Monat, 2 Tage. 

Joiim. t Om. LXX. Jalirg. 1821. 


ö 


Thienemanii : 


U 

b) Die sächsischen Stare ziehen nach 
Südspanien. 

3) Nr. 29489 F. G e z e i c h n e t als Jungvogel im Neste 
mit noch 30 Artgenossen zusammen am 12. Mai 1920 in 
Liebertwolkwitz bei Leipzig von Herrn Pastor 
Schneider. 

Geschossen am 1. Februar 1921 in dem Dorfe 
Brenes bei Sevilla, Spanien von dem Arzte Juan de 
Lern US, Sevilla, San Vincente 23. 

Ich beglückwünsche Freund Schneider, der mit seinem 
Sohne zusammen das Vogelmarkieren mit gröfstem Eifer und 
Geschick betreibt, zu diesem interessanten Erfolge. 

Der Ring ist auf eine offene Postkarte aufgenäht, die die 
Aufschrift trägt „Prussia Vogelwarte Rossitten“, und alles 
kommt glücklich an. 

Zeit: 9 Monate. 

Entfernung; 2100 km nach SW. 

Im vorigen Jahresberichte konnte ein Magdeburger Star 
aus Portugal gemeldet werden. Es ist immer dieselbe Strafse 
nach Südwesten. 

c) Die Stare kehren aus der Winterherberge 
in ihre Heimat zurück. 

3) Nr. 29612 F. G e z e i c h n e t als junger Nestvogel am 
25. Juni 1920 in Liebertwolkwitz bei Leipzig durch 
Herrn Pastor Schneider. 

Wied er gefangen ebenda am 18. März 1921. 

Zeit: 8 Monate; 23 Tage. 

4) Nr. 29101 F. Gezeichnet als alter Vogel am 
30. September 1919 in Liebertwolkwitz bei Leipzig 
durch Herrn Pastor Schneider. 

Wiedergefangen ebenda am 2. März 1921. 

Zeit: 1 Jahr; 5 Monate. 

Auch der nächste Fall zeigt deutlich den Südwestzug der 
norddeutschen Stare: 

6) Nr. 22740 F. G e z e i c h n e t als alter Vogel, der mit 
andern Artgenossen zusammen im Netze gefangen war, am 
15. März 1915 am Schlofs Rosendahl bei Ostende 
(Belg.ien) von Herrn Boeder, Mag. Fuhrparkkolonne 1, 
4. Ers Division. 

Erbeutet um den 22. März 1920 in Mellingstedt 
bei Bergstedt in H o 1 s t e i n. 

Meldung durch Herrn Gemeindevorsteher Lemsahl. 

Der Star war in einem vom Sturm herabgeworfenen Star- 
kasten verunglückt. 


XX. Jahresbericbt der Vogelwarte Eossitteü. 


83 


Zeit: 5 Jahre. 

Entfernung: ca. 560 km nach NO. 

Wir haben uns den Fall folgendermafsen zu denken: Als 
der Star im März in Ostende gefangen und beringt wurde, be- 
fand er sich auf dem Zuge, und als er nach 5;Jahren in Holstein 
wieder in Menschenhände gelangte, war er in seiner Heimat be- 
reits angelangt. 

Buohflnk {Iringilla coelehs), 

Nr. 19877. Gezeichnet am 22. Januar 1918 in Berxen 
bie Vilsen in Hannover im Offiziers - Gefangenlager von 
Herrn Leutnant Rutkowski. Zwei Wochen im Käfig gehalten. 

Tot aufgefunden Ende Dezember 1920 in Ochtmannien 
bei Vi Isen von Herrn Pächter Johann Müller. 

Meldung durch Zeitungsausschnitt vom „Hoyaer Wochen- 
blatt“ und vom „Verdener Anzeigeblatt“ vom 1. Januar 1921. 

Zeit: fast 3 Jahre. 

Entfernung: In derselben Gegend verblieben. 

Grünling {Chlor is chloris). 

1 ) Nr. 23878. Gezeichnet am 11. Dezember 1919 in 
Berlin-Friedenau, Wiesbadenerstr. 4 I von Herrn Manfred 
Grote. 

Zugeflogen am 22. Dezember 1920 ebenda, Le- 
fevrestr. 24 bei Herrn Ernst K 1 u k e. 

Zeit: 1 Jahr; 11 Tage. 

E nt f e r n u n g : ca. 600 m. 

Sefshaft geblieben. 

3) Nr. 23879. Gezeichnet am 27. Dezember 1919 von 
Herrn Manfred Grote in Berlin-Friedenau, Wiesba- 
denerstr. 4 I. 

Gefangen am 7. Juli 1920 früh 5 Uhr auf dem Balkon 
Berlin - Wilmersdorf, Augustastr. 18 III 1. 

Meldung durch Herrn J u n k e 1. 

Zeit: 6 Monate; 10 Tage. 

Entfernung: In derselben Gegend verblieben, auch 
während der Brutzeit. 

3) Nr. 20931. Gezeichnet am 30. März 1919 in Frei- 
halde n in ScWaben durch Herrn Oberförster E. Sch äff er. 

Wiedergefangen ebenda am 8. März 1920, 

Zeit: fast ein Jahr. 

Sefshaft geblieben. 

Doxnpfaül 

Nr. 10641 G. Gezeichnet im Frühjahr 1919 als junger 

Vogel bei Frankenberg, Eder, Hessen-Nassau 
durch Herrn Lehrer C. Tiese. Vier Geschwister hatten sich 
in den Schulsaal verflogen. 

o*-- 


84 


J. Thienemann: 


Erbeutet ebenda Anfang April 1920 im Garten des 
Herrn Bürgermeisters Dertz. Tot aufgefunden. 

Zeit: 1 Jahr. 

Sefshaft geblieben. 

Goldammer (Emheriea ciirinella), 

1) Nr. 22761 G. Männchen. Gezeichnet am |15. De- 
zember 1919 in Lohr am Main durch Herrn Schwindt. 

Wiedergefangen ebenda von demselben Herrn am 
18. März 1920. 

Zeit: 3 Monate. 

Der Goldammer ist den ganzen Winter über an ein und 
derselben Stelle geblieben und hat sicher da auch gebrütet. 
Standvogel. 

2) Nr. 24746. Gezeichnet am 8. März 1920 in Frei- 
halden in Schwaben durch Herrn Oberförster Scbäffer 

Aufgefunden um den 28. November 1920 in Ettel- 
ried bei Dinkelscherben bei Augsburg. 

Meldung durch Herrn Oberförster a. D. Doesel. 

Zeit: 8 Monate. 

Entfernung: 15 km nach SO. 

In der engem Heimat geblieben. 

Kohlmeise {Parus major), 

1) Nr. 5469. Gezeichnet am 3. November 1919 in 
Lübeck von Herrn Werner Hagen. 

Wiedergefangen ebenda am 19. Dezember 1919. 
In diesen 46 Tagen hat sich der Oberschnabel verändert. Er ist 
4 V 2 über den ünterschnabel hinübergewachsen. Gefieder 
sehr schmutzig, da sich der Vogel nicht putzen kann. Im Juli 
1921 Balg an die Vogelwarte eingeschickt. 

2) Nr. 23876. Gezeichnet am 18. November 1919 in 
Berlin-Friedenau von Herrn Manfred Grote. 

Wiedergefangen ebenda am 20. Oktober 1920. 

Zeit: 11 Monate. 

Sefshaft geblieben. 

3) Nr. 14135. Gezeichnet auf dem Fensterbrett am 
5. Oktober 1920 in Düsseldorf, Kurfüstenstr. 12 durch 
Herrn Tiermaler Waller. 

Aufgefunden in den ersten Tagen des Januar 1921 
ebenda. 

Meldung und Ring durch die Herren Gebr. Beckers- 
hoff u. Co., Pianohaus. 

Zeit: 3 Monate. 

4) Nr. 20930. Gezeichnet am 7. Januar 1920 in 
Freihalden in Schwaben durch Herrn Oberförster E. Scbäffer. 


XX. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 8^ 

Erfroren aufgefunden am 30. März 1920 ebenda. 

Zeit; 2 Monate; 23 Tage. 

Blaumeise (Farns caeruleus). 

1 ) Nr. 23874. Gezeichnet am 15. November 1919 in 
Berlin-Friedenau von Herrn Manfred Grote. 

Wiedergefangen am 19. Februar 1920 ebenda Oden- 
waldstr. 18 11 von Herrn G. Wilcke. 

Zeit: 3 Monate. 

2) Nr. 21913 G. Gezeichnet am 28. Oktober 1918 in 
Lübars bei Berlin von Herrn Ing, Dluczewski. 

Gefunden am 16. März 1920 in Glin nicke (Nord- 
bahn) bei Berlin von Herrn Harnisch, Rinderstr. 40. 

Zeit; 1 Jahr; 5 Monate. 

Entfernung: In derselben Gegend geblieben. 

Ring eingeschickt. 

3) Nr. 25895. Gezeichnet am 21. Juli 1920 in 
Liebertwolkwitz bei Leipzig von Herrn Pastor Schneider. 

Wiedergefangen ebenda am 8. Oktober 1 920. 

Zeit: 2 Monate, 18. Tage. 

Sumpfmeisen. 

1 ) Nr. 23752 G. (mattköpfig). Gezeichnet am 12. Ok- 
tober 1919 in Berlin-Friedenau von Herrn Manfred Grote. 

W ieder ge fangen ebenda am 14. Dezember 1919 und 
am 18. Januar 1920 und schliefslich am 19. Februar 1920 in 
Friedenau in der Odenwaldstr. 1811 von Herrn G. Wilcke. 

Zeit: 2 Monate; dann 3 Monate; dann 4 Monate. 

2) Nr. 25046. Gezeichnet am 23. November 1919 in 
Liebertwolkwitz bei Leipzig von Herrn Pastor Schneider. 

Wiedergefangen ebenda am 16. März 1921. 

Zeit: 1 Jahr, 3 Monate, 26 Tage. 

Sefshaft geblieben. 

3) Nr. 23595 G. Gezeichnet am 3. Januar 1919 in 
Nürnberg, Sulzbacherstr. 54, durch Herrn Erwin Gebhardt. 

Wie im XVIII. Jahresberichte Seite 289 schon erwähnt ist, 
wurde diese Meise schon nach 6 Tagen abermals ebenda wieder- 
gefangen, und jetzt ist sie, wie Herr Gebhardt meldet, am 
28. Oktober 1920 in einer Strafse etwa 200 m entfernt noch- 
mals aufgefunden worden. 

Zeit: 1 Jahr, 9 Monate. 

Standvogel. 

„Meise**. 

Nr. 25261. Gezeichnet am 18. Januar 1920 auf 
einem Balkon der Landwirtschaftskammer in Kön igs- 
berg i./Pr., Bethovenstr., von Herrn Dr. Reinhold Hoffmann. 


J. Tbienemana : 


Wiedergefangen am 6. März 1920 in einer benach- 
barten Strafse (Straufsstr.) von Herrn Werner. 

Zeit: 2 Monate. 

Amsel {Turdus merula), 

1 ) Nr. 29102, F. Gezeichnet am 3. Oktober 1919 in 
Liebertwolkwitz bei Leipzig durch Herrn Pfarrer 
S ch n e i d e r. 

Wiedergefangen ebenda am 16. Dezember 1920. 

Zeit: 1 Jahr, 2 Monate, 13 Tage. 

3) Nr. 16809. F. Gezeichnet am 11. Dezember 1919 
in Lohr am Main von Herrn Werkmeister Schwindt. 
Ein Männchen. 

Wiedergefangen ebenda am 5. Mai 1920 als Brutvogel. 
Wieder frei gelassen. Meldung durch denselben Herrn. 

Zei t : 5 Monate. 

Sefshaft geblieben. 

3) Nr. 18485, F. G e z ei c h n e t als junger Nestvogel am 
3. Juni 1914 bei Fra^nkfurt am Main durch Herrn Förster 
Dürrfeld. 

Aufgefunden ebenda am 10. März 1919 auf der 
Kennbahn. 

Meldung durch denselben Herrn, dem der Vogel ge- 
bracht wird. 

Zeit: 4 Jahre, 9 Monate. 

Die Amsel, die als Jungvogel markiert wurde, ist in ihrer 
Heimat geblieben und hat da gebrütet. 

HausrotsoKwanz (Erithacus titys). 

1 u. 3) Herr B. Volz in Hermsdorf bei Berlin zeich- 
nete ein seiner Ansicht nach gepaartes Paar Hausrotschwänze, 
das Männchen mit Nr. 18645, das Weibchen mit 18653. Beide 
Vögel kehrten aus der Winterherberge an ihren Geburtsort zurück. 

3) Nr. 25032. Gezeichnet am 17. Oktober 1919 in 
Liebertwolkwitz bei Leipzig von Herrn Pastor Schneider. 

Wiedergefangen ebenda am 8. Juli 1920. 

Zeit: 8 Monate, 22 Tage. 

Der Vogel ist in seine Heimat zurückgekehrt. 

Gartenrotsoliwaiiz (Erithacus phoenicurus). 

1 ) Die Lebensgeschichte von dem Gartenrotschwänzchen 
Nr. 18647 G, das Herr B. Volz in Hermsdorf bei Berlin 
am 16. Mai 1919 von einem Brutpaare einfing und beringte 
(s. XIX. Jahresbericht Seite 37), kann jetzt weiter erzählt werden. 
Wo hätte man das früher gekonnt! Da war Gartenrotschwanz 


XX. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 


87 


Gartenrotschwanz und Fink war Fink, und man dachte dabei 
immer an die Spezies und behandelte sie als solche im Grofsen. 

Jetzt kennt man das Individuum. Der Beringungsversuch 
treibt Kleinarbeit, und da fällt für alle möglichen Wissenszweige 
etwas ab, zum Beispiel mancherlei auch für die Tierpsychologie. 

Der Gartenschwanz nahm — um kurz zu wiederholen — 
bald nach der Auflassung Mehlwürmer vom Fensterbrett, zeigte 
sich überhaupt sehr zutraulich und wurde nochmals wieder ein- 
gefangen, um die Ringnummer festzustellen. Am 28. Juni 1919 
brachte man ihn in einen vier km entfernt gelegen Wald und 
liefs ihn fliegen. Sofort kam er wieder zurück. Am 4. Juli 1919 
morgens wurde er mit nach Berlin genommen und in der luva- 
lidenstrafse in einem Gebüsch an der Landwirtschaftlichen Hoch- 
schule losgelassen. Von da ab blieb er verschwunden, und Herr 
Volz schliefst seinen Bericht mit den Worten: „Vielleicht kehrt 
er im nächsten Jahre an seinen Nistort zurück.“ 

Ja, er ist zurückgekehrt. Am 21. April 1920 wurde er von 
Herrn Volz im Garten von Hermsdorf wieder eingefangen. 
Vogel gesund. Bein, Ring tadellos. Dann auch noch am 5., 14. 
und 21. Mai und am 1. Juni 1921 wiedergefangen und immer 
wieder freigelassen. 

3) Nr. 25112. Gezeichnet am 20. Mai 1920 in Zitz- 
schewig bei Dresden von Herrn Keller. Als alter Vogel 
frei gefangen. 

Erbeutet am 3. Mai 1921 in Naundorf bei Kötz- 
schenbroda Bez. Dresden. War in eine verschlossene Ve- 
randa geflogen. 

Meldung und Ring durch Herrn Erich Möbius. 

Zeit: fast 1 Jahr. 

Entfernung: 1 km nach S. 

Der Vogel ist in seine Brutheimat zurückgekehrt. 

RotkeMolien {Erithacus ruhecula), 

1) Nr. 27097 G. Gezeichnet beim Durchzuge in Ros- 
sitten am 2. Oktober 1920. 

Wiedergefangen in einer Drosselschlinge am 24. Ok- 
tober 1920 in Jalhay ca. 30 km. südöstlich von Lüttich in 
Belgien. 

Meldung durch die Herrn L. Coopmann aus Brüssel, 
Generalsekretär der Ornithologischen Gesellschaft von Ost- 
Belgien und Eugen Attö aus Frankfurt am Main. 

Zeit: 22 Tage. 

Entfernung: 1135 km nach SW. Ergibt für die Zug- 
nacht rund 51 km. 

Bemerkenswert ist die stark westliche Richtung der 
durch Ostpreufsen wandernden Rotkehlchenflüge (s. Orn. Monber. 
September/Oktobernummer 1921). 


J. Thienemaim: 


3) Nr. 22764 G. Gezeichnet am 9. Dezember 1919 in 
Lohr am Main durch Herrn Schwindt. 

Das Rotkehlchen wurde im Zimmer gehalten, flog' öfters 
weg und kam immer freiwillig wieder bis zum 15. März 1920. 
Dann war es verschwunden. 

Zeit: 3 Monate, 

Kleinvögel, 

die in Danzig-Langfnlir während der Wintermonate am Fntterplstze 
beringt nnd ebenda wiedergefangen wurden. 

Herr Major a. D. Weg n er hat das Beringen in Gemein- 
schaft mit seiner Tochter eifrig und mit gutem Erfolge fort- 
gesetzt. Es liegt ein besonderer Bericht vor,| dem einige Ab- 
schnitte wörtlich entnommen werden: 

„In den Wintern 1919/20 und 1920/21 habe ich in Danzig- 
Langfuhr 75 Kleinvögel mit Ringen der Vogelwarte Rossitten 
versehen und von ihnen 22 wiedergefangen, also 29®/o- Die be- 
ringten Vögel waren in der gröfsten Anzahl Meisen, liefsen 
sich leicht durch Futter, das ich schwebend anbrachte, um die 
Sperlinge davon fern zu halten, anlocken und in einem daneben- 
stehenden Fangkasten ohne Schwierigkeit fangen. Sie gingen 
beim Einfangen immer wieder in dieselbe Falle und für den, der 
sich mit dem Kennzeichnen der Meisen beschäftigen will, ist es 
ein Leichtes, auf diese Art zu verfahren “ 

„Wer sich mit dem Beringen der Vögel beschäftigen will, 
für den ist es das Beste, im Winter damit anzufangen, Meisen 
zu beringen. Es wird ihm viel Freude machen, weil nämlich 
die Meisen sich leicht wieder einfangen lassen und er dadurch 
eine hohe Prozentzahl wiedergefangener Vögel erreichen kannn . . .“ 

„Sämtliche Vögel sind von mir in demselben Fangkasten, 
und in demselben Orte, nämlich Danzig-Langfuhr wiedergefangen, 
bis auf folgende Tiere:“ 

1 ) Blaumeise 25179 G. wurde am 25. Dezember 1919 
beringt und nach 4 Monaten 18 Tagen, am 18. Mai 1920, in 
der Nähe der Post in Danzig-Langfuhr tot aufgefunden. 

Meldung und Ring durch Herrn Dr. Stremei. Ferner 

3) Kohlmeise 23443 F. Gezeichnet am lö. November 
1919, wurde am 20. Mai 1920 nach 6 Monaten 4 Tagen Steffens- 
weg 2 in einer Mausefalle gefangen. 

Meldung durch Herrn Landgerichtsdirektor Riesenthal, 
und schliefslich 

3) Kohlmeise 25271 G. Gezeichnet am 16. März 1920. 

^ Wiedergefangen in einer Rattenfalle, die mit Speck 
beködert war, am 2. März 1921 im Garten von Herrn Moritz 
St umpf. 

Zeit: 1 Jahr. 


XX. Jahresbericht der Vogelwarte ßossitten. 


89 


Entfernung: ca. 800 ra. 

Ring eingeschickt. 

Im übrigen handelt es sich bei den wiedergefangenen 
Vögeln in der Hauptsache um Kohlmeisen und Blaumeisen, 
ferner um einen Kleiber und ein Rotkehlchen. 

Hervorzuheben sind eine 

4) Kohlmeise Nr. 25275 G, die zunächst am 6. Februar 
1920 gefangen und beringt wurde. Dann wiedergefangen am 
8. Februar 1920, am 21. März 1920 und am 21. Dezember 1920. 
Der Vogel ist also das ganze Jahr über an ein und derselben 
Stelle verblieben. 

5) Ferner eine Blaumeise, Nr. 25161 G, die am 11. De- 
zember 1919 beringt, dann nach einem Jahre am 22. Dezember 
1920 und nochmals am 6. Februar 1921 wiedergefangen wurde. 

6 ) Eine Blaumeise, Nr. 25165 G, beringt am 19. Dezember 
1919, wiedergefangen am 30. Januar 1920 und am 1. Januar 
1921. Also auch das ganze Jahr über dageblieben. 

7) Schliefslich eine Sumpfmeise, Nr. 25615 G, die sich 
mit staunenswertem Eifer immer und immer wieder in’s Ver- 
derben gestürtzt hat. Sie wurde gefangen am 16., 22., 23. und 29. 
Dezember 1920. 


Die Yogelwelt Macedoniens. 

Forschungsreise auf dem macedonischen Kriegsschauplatz 
1917 und 1918. 

Von Professor Dr. Otto FeliPinger. 
Allgemeiner Teil. 

Am 1. Februar 1917 wurde ich auf Wunsch auf eine Feld- 
wetterwarte in Macedonien versetzt. Die Formation bestand 
aus 7, meist gebildeten Menschen. Der Dienst war leicht, die 
Verpflegung gut und die Belästigung durch den Feind gering. 
Wie wertvoll und genufsreich hätte das Leben dort gestaltet 
werden können, wenn alle Beteiligten darnach gewesen wären I 
Obwohl ich jede freie Stunde zu ornithologischen Studien ver- 
wandte, so hinderte mich doch der Dienst, gröfsere Ausflüge zu 
unternehmen. Deshalb war es auch nicht möglich, den be- 
ginnenden Frühjahrszug genauer festzustellen, und so kommt es, 
dafs aus dieser Zeit nur wenige und nur ungefähre Zugdaten 
festgestellt werden konnten. Gleich in den ersten Tagen meines 
dortigen Aufenthaltes konnte ich Weidenlaubsänger, Braunellen, 
weifse Bachstelzen, Misteldrosseln, scbwarzkehlige Wiesen- 
schmätzer und andere feststellen, konnte aber natürlich nicht 


9® 


Otto Fehringer: 


entscheiden, ob diese schon wieder zurück waren oder ob sie 
den Winter über dageblieben sind, und mufste mich damit auf 
den nächsten Winter vertrösten. Ich benutzte zunächst meine 
freie Zeit dazu, die Umgebung meines Standortes näher zu be- 
trachten. 

Unsere Wetterstation lag bei Hudova (41® 20' n. Br. und 
22® 32' ö. L.) auf einem Vorhügel der Hudowa-Ebene, 
ca. 100 m ü. d. M. Die Hudova-Ebene war vom Wardar durch- 
strömt und rings von Vorhügeln eingeschlossen, hinter denen 
sich Berge von mittlerer Höhe erhoben. Diese Vorhügel hatten 
als Hauptvegetation alte knorrige Büsche der Quercus coccifera, 
die selten höher als 1 m waren und zwischen denen das nackte, 
zerklüftete Gestein blofslag. Die Hügel waren von tiefen 
Schluchten durchzogen, die durch das zur Regenzeit herunter- 
stürzende Wasser immer mehr vertieft wurden. Obwohl dieses 
Gebirgsland zum Mittelgebirge gehört, gibt ihm der zerklüftete, 
kable Fels den Charakter eines Hochgebirges. Die scharfkantigen 
Urgesteine, die ausgedehnten Schutthalden, grolse Felsenmeere, 
kahle Kuppen bedingen die Schwierigkeit und Unwegsamkeit des 
Geländes. Hinter den Vorhügeln stieg östlich von Hudova die 
Plaus-Planina an, die sich bis zu einer Höhe von ungefähr 
1000 m erhob und in ungefähr nord-südlicher Richtung die 
Hudova-Ebene von der Struraiza-Ebene trennte. Den öden Ein- 
druck, den diese Berge auf den Reisenden machen, der vom 
winterlichen Deutschland im Februar hierhinverschlagen wird 
und sich einbildet, in die sonnigen Gestade des Südens zu ge- 
langen, kann man nicht beschreiben. Das von den Bergen her- 
abstürzende Wasser sucht sich immer wieder neue Bahnen und 
wäscht den kahlen Fels immer wieder rein. In der Ebene ver- 
wandelt es alles zu einem endlosen Morast, sodafs man selbst 
an den Stellen, die offiziel den Namen „Wege“ führen, bis an 
die Waden, wenn nicht noch weiter einsinkt. Die Seitentäler 
des Warder sind zu dieser Zeit von breiten, reifsenden Strömen 
durchflutet und unpassierbar. Das nafskalte Wetter trägt noch 
dazu bei, die Stimmung zu erhöhen. Die Temperaturen sind 
des Nachts weit unter dem Nullpunkt. Man ist in jeder Hin- 
sicht enttäuscht. Morgens wird man öfter durch den Anblick 
einer Winterlandschaft erfreut, aber nach wenigen Stunden hatte 
die Sonne alles in einen lieblichen Matsch aufgelöst. Behält die 
Sonne einmal tagsüber die Herrschaft, so trocknen die Hänge schnell 
ab. Man geniefst in kurzer Zeit Bilder, die uns den endlosen 
Morast der Ebene vergessen lassen. Auf kleinen Wiesen an den 
Abhängen der Hügel tummeln sich in dem üppigen Polster der 
Vogelmiere Scharen der Girlitze, Distelfinken und Bluthänflinge. 
Die Kraft der Sonne hat sie die letzten Tage vergessen machen, 
und sie klirren, singen und flöten durcheinander, als ob jetzt 
schon der Frühling eingezogen wäre. Crocus-Blüten und Herbst- 
zeitlosen, die um diese Jahreszeit ihre bescheidene Pracht ent- 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


91 


falten, vermögen beinahe, eine bessere Jahreszeit vorzutäuschen. 
Gegend Abend wird es wieder empfindlich kalt. Wer an diese 
Schwankungen noch nicht gewöhnt ist, mufs sich erst durch 
einige Erkältungen dagegen abhärten. An Gegensätze mufs man 
sich in Macedonien gewöhnen; sie beherrschen alles. Auf einen 
schönen Tag mit Sonnenschein konnte dann ein nafskalter mit 
Schneetreiben folgen. Der Vogelgesang war verstummt. Mit 
aufgeplustertem Gefieder kamen dann die Vögel in die Nähe 
menschlicher Behausungen und nährten sich kümmerlich von den 
Abfällen der Landstrafse und der Dungstätten. Die Gesellschaft 
war zu solchen Zeiten oft eine recht gemischte. Da sah man 
Heidelerchen unter Feldsperlingen, Buchfinken bei Staren, Sing- 
drosseln bei Feldlerchen, ferner Goldammern, Zaunammern, 
Zippammern, Stelzen, Pieper und Meisen. Sie alle einigt die 
Not, und sie werden ungemein zahm in der Nähe des Menschen. 
Sofort baue ich mir einige Käfige mit den einfachsten Werkzeugen, 
um zufällig erbeutete Vögel einige Zeit beherbergen zu können. 
Dann kamen wieder einige schöne Tage; man sah in der 
2. Hälfte des Februar die ersten Eidechsen. Buchfinken balgen sich 
um die Weibchen und studieren ihren Gesang ein. Zaunammern 
sieht man paarweise. Die Männchen singen schon vollständig. 
Hoch oben ziehen die Adler ihre Kreise. Ab und zu fliegt eine 
Schar Gänse vorüber, die in mustergültiger Ordnung immer das 
gleiche Flugbild, den stumpfen Winkel mit den ungleichen 
Schenkeln, zeigen. Das schöne Wetter und die kurze freie Zeit 
werden benutzt zu kleineren Ausflügen in die Umgegend. 

Bevor der Wardar in die Hudova-Ebene eintritt, durch- 
strömt er das Gebirge, das nach Norden zu immer näher an den 
Flufs herantritt und nur an den Einmündungsstellen der Seiten- 
tälchen etwas Platz für Siedelungen freiläfst. An einem solchen 
Platz liegt ca. 5 km nördlich von Hudova das Dorf Gradec. 
Die ärmlichen Häuser liegen z. T. unter mächtigen, uralten Pla- 
tanen. Die Bevölkerung ist ärmlich und besteht nur noch aus 
Kindern, Frauen und Greisen. Man merkt die Spuren des 
Krieges; die meisten Häuser sind zerfallen. Aber trotzdem 
wirkt das ganze Bild mit dem hohen Baumwuchs wie eine Oase 
inmitten der „Wüste“ der Krüppelsträucher der umliegenden 
Hänge. Für die Vogelwelt waren solche Stellen besonders be- 
liebt. Man trifft hier zu dieser Zeit Gimpel und Buntspechte. 

Am nördlichen Ende Hudovas lag die Abdeckerei. Hier 
wurde alles, was von den gefallenen Tieren nicht mehr irgendwie 
verwendbar war, am freien Ufer des Wardar hingeworfen, den 
Vögeln und Ratten zur willkommenen Beute. Hier bleichten die 
Skelette von Pferden und Ochsen, und die Eingeweide stanken 
zum Himmel. Es war dies ein beliebter Tummelplatz für alle 
Rabenvögel die sich hier gütlich taten und so eine Art Gesund- 
heitspolizei darstelten. Ein prächtiger brauner Milan trieb sich 
Ende Februar und den ganzen März über hier herum, stand aber 


92 


Otto Fehringer: 


mit den Stammgästen dieses Ausschankes, den Kolkraben, immer 
auf gespanntem Fufs. Der Kampf war meist harmlos und endete 
damit, dafs der Milan nach Beendigung seiner Mahlzeit sich 
mühelos in grofse Höhen schraubte und verschwand. Zwei 
Adler stellten sich auch als tägliche Gäste, besonders in den 
frühen Morgenstunden, hier ein, um sich zu sättigen. Auch 
kleinere Gäste beherbergte diese interessante Stätte. So turnte 
auf den Rippen eines gebleichten Pferdekadavers öfter ein Weiden- 
laubsänger herum, der hier die so zahlreichen Fliegen mit so 
grofser Gewandheit wegfing, als bewegte er sich auf den natür- 
lichsten Sitzstangen der Welt. War die Zeit knapp, so konnte 
man an diesem Platz, der von allen andern streng gemieden 
wurde, interessante Beobachtungen machen. Man mufste nur 
die herrschende Windrichtung berücksichtigen. 

Hatte man mehr Zeit, so konnte man einen Ausflug ins 
Nicola-Tal unternehmen. Dieses Tal liegt an der rechten Wardar- 
Seite nördlich von Hudova und ist von einem strömenden Ge- 
birgsbach durchflossen, der sich nach unten zu mäfsigt und sich 
in gemütlichem Lauf in den Wardar ergiefst. Die Vegetation 
dieses Tales ist vollständig verschieden von der der umliegenden 
Hänge, die es durchschneidet. Hier herrscht gemischter Laub- 
wald, vorwiegend Eichen und Buchen, die auch den gröfsen Teil 
des niedrigen Gebüsches bilden. Der Bach ist begleitet von 
mächtigen Platanen, die nach Art unserer Weiden hohl sind und 
deren Hohlraum von den Hirten mit Vorliebe zur Anlage eines 
Feuers benutzt wird. In diesem Wald treiben sich Ende Februar 
Rotkehlchen, Singdrosseln. Misteldrosseln, Amseln, Kohl-, Blau-, 
Sumpf- und Schwanzmeisen, Eichelhäher und Buntspechte herum. 
Zaunkönige schmettern ihr fröhliches Lied, und Buchfinken stu- 
dieren fieifsig. Man glaubt sich in den deutschen Wald versetzt, 
nur ist der Vogelgesang zu dieser Zelt bei uns noch nicht so 
stark. Auch der Rückweg am Wardar-Üfer entlang auf einer 
Strafse, die die Deutschen erst gebaut haben, bietet interessante 
Bilder. Auf dem Warder tummeln sich Wildenten, über dem 
Strom fliegen Möwen, in der Ferne sieht man das Gewimmel 
der schwarzen Brüder am Aas, und über dem Ganzen schweben 
kreisend einige Adler. Man mufs sich am Abend eilen, heim- 
zukommen; denn kurz ist die Dämmerung, und schnell bricht 
die Nacht herein. 

Ein anderer Ausflug führt in den Auwald nach Miletkovo. 
Man begibt sich über die hölzerne Wardar-Brücke und geht 
wardarabwärts an Mirovce vorbei bis zum Dörfchen Miletkovo. 
Auf dieser rechten Wardar-Seite ist die Hudova-Ebene verhält- 
nismäfsig schmal, bietet aber doch genügend Platz für ausge- 
dehnten Getreidebau, soweit die Felder überhaupt bestellt sind. 
Zwischen Miletkovo und Wardar breitet sich ein Wäldchen aus, 
dessen Hauptbaumbestand alte hohle Weiden sind. Zwischen den 
Weiden wächst ein undurchdringliches Gestrüpp, das durch 


bie Vogelwelt Macedoniens. 


93 


Brombeerranken und Waldreben noch dichter wird. Zwischen 
diesen Beständen sind einzelne Wiesen eingestreut, wodurch 
malerische Partien entstehen, zumal da auch das Wasser nicht 
fehlt. Durch diesen Wald zieht sich ein Altwasser des Wardar. 
Dieses Gehölz ist im späteren Teil unter dem Namen „Auwald 
bei Miletkowo“ öfter erwähnt. 

Hier herrscht das ganze Jahr hindurch reges Vogelleben. 
Die ganze Umgegend war öde, und das Wäldchen lag wie eine 
Oase mittendrin. 

Meine Zeit brachte ich hin zwischen Dienst und ornitho- 
logischen Ausflügen. Der März brachte durch die Rückkehr 
der verschiedenen Zugvögel eine Menge Abwechslung, und immer 
gröfser wurde mein Bedauern, an eine bestimmte Stelle gebunden 
zu sein und zu wenig freie Zeit zur Verfügung zu haben. 

Im April bahnte sich dann eine Aenderung an, und im Mai 
kam die Erlösung. Es wurde eine Einrichtung getroffen, die 
unter dem Namen „Malako“ (Macedonische landeskundliche Kom- 
mission) die Aufgabe hatte, das Land gründlich zu durchforschen. 
Der Kaiser stiftete eine namhafte Summe, aus der ich die 
laufenden Unkosten bestritt. Als Mitglied der Malako war ich 
von jeglichem militärischen Dienst befreit und konnte mich als 
Privatmann ausschliefslich ornithologischen Studien widmen. 
Zwar war die Sache nicht so einfach, da ich nunmehr für die 
notwendigsten Bedürfnisse des Lebens selbst sorgen mufste. Ich 
hatte hierbei aber eine derart weitgehende Unterstützung von 
seiten der Formationsleiter, dafs ich über alle Schwierigkeiten 
bequem hinweg kam. Es ist mir eine angenehme Pflicht, diesen 
Herren allen hiermit nochmals meinen Dank auszusprechen 
Nach einiger Zeit hatte ich in Hudova, das ich mir als Haupt- 
aufenthaltsort wählte, 5 Einzelhäuschen mit elektrischem Licht 
und der notwendigen Einrichtung. In einem Russen namens 
Wassilji fand ich einen treuen Diener. Er war zu allem ge- 
schickt, präparierte Vögel nach einiger Zeit mit grofser 
Gewandtheit, kochte vorzüglich, war grundehrlich und nüch- 
tern, war Nichtraucher und für mein Wohl derartig besorgt, 
dafs ich mir keinen treueren Menschen wünschen konnte. 
Für die gröbere Hausarbeit hatte ich einen Rumänen. Ein 
junger Serbe bewährte sich nicht und wurde wieder abgeschafft. 
Nach einiger Zeit wurde mir ein Landsturmmann zugeteilt, der 
in der Heimat einem Terrarien- und Aquarienverein angehörte 
und mich mit grofsem Interesse unterstützte. Zuletzt wurde 
mir noch mein Bruder zur Assistenz zugewiesen. Inzwischen 
hatte sich meine „Formation“ noch weiter vergröfsert: ich erhielt 
noch einen prachtvollen Jagdhund und zwei äufserst intelligente 
Esel. Diese Tiere scheinen überhaupt nur dadurch in den Ge- 
ruch der Dummheit gekommen zu sein, weil sie bisweilen klüger 
handeln, als der Mensch es versteht. Ein Reitpferd stand mir 
zeitweise zur Verfügung. Zur Beobachtung diente mir das 


94 


Otto Fihringers 


siebenfache Marineglas von Zeifs. Flinten und Präparierzeug 
besorgte mir das zoologische Museum in Berlin. Wenn man 
nun noch die Nähe von Feldbäckerei, Etappenmagazin und 
Schlächterei, Viehdepot, Bekleidungsamt, Pionierpark und Bau- 
stofflager bedenkt, so wird man mir zugeben, dafs der Platz nicht 
gerade ungeschickt gewählt war. Aber die Verbindungen mit den 
erwähnten Stellen mufsten erst angeknüpft werden. Mit der Ein- 
richtung des Unternehmens ging viel Zeit verloren. Erst Anfang 
Juli 1917 war ich in meinem neuen Heim fertig eingerichtet. 
Von nun an erst konnten die gröfseren Unternehmungen be- 
ginnen. Aber auch die Zwischenzeit war nicht nutzlos ver- 
strichen. Der Frühjahrszug 1917 konnte nur soweit festgestellt 
werden, als die zurückkehrenden Zugvögel in unmittelbarer Nähe 
meiner Wetterstation sich sehen liefsen. Durchschnittlich kamen 
die Vögel 1917 früher an als 1918. Ich führe hier einige Daten 
an und setze die entsprechenden Beobachtungstermine aus dem 
Frühjahr 1918 in Klammern. Hausrotschwanz 18. 2. (7. 3.), Grau- 
ammer 28. 2. (6. 3. Hauptzug). Braunelle 3. 3. (2. 3. Hauptzug). 
Grauer Steinschmätzer 19. 3. (2. 4.). Zaungrasmücke 22. 3. 
(6. 4.). Rauchschwalbe 25. 3. (1. u. 6. 4.). Weifser Storch 26. 3. 
Gartenrotschwanz 27. 3. Oestl. Mittelmeersteinschmätzer 27. 3. 
(4. u. 5. 4.). Schwarz)iopf und Dorngrasmüeke 31. 3. (8. 4.). 
Wiedehopf 31. 3. (9. 4.) Weifsbartgrasmücke 31. 3. (4. 4.), 
Schafstelze 3. 4. Kurzzehige Lerche 6. 4. (5. 4.). Kuckuck 
8. 4. (5. 4). Braunkehlchen 9. 4. (16. 4.). Baumpieper 10. 4. 
(7. 4.). Grauer Fliegenschnäpper 12. 4. (17. 4.). Halsbandfliegen- 
schnäpper 12. 4. Turteltaube 21. 4. (18. 4.). Rotrückiger 
Würger 24. 4. (20. 4.). Ortolan 25. 4. (15. 4.). Uferschwalbe 
28. 4. (20. 4.). Bienenfresser 29. 4. (12. 4.). Kappenammer 
1. 5. (5. 5.). Graue Grasmücke 1. 5. 

Bis 1. Juli 1917 dauerten die Vorbereitungen und Einrich- 
tungen in meinem Heim, das in einer geschützten Schlucht bei 
Hudova sich an den Berg lehnte. Von meinem Häuschen aus 
konnte man die ganze Hudovaebene überblicken. Bis zu dieser 
Zeit konnten nur kleine Exkursionen unternommen werden, die 
man bequem in einem Tag zu Fufs bewältigen konnte. Ende 
Mai wurde die Plaus-Planina (Plagusa-Planina) besucht. Hier 
hatte man Gelegenheit, in halber Höhe in der Nähe des Dorfes 
Pläus den Balzflug der Steinrötel zu beobachten. Aus kleinen 
Gehölzen in der Nähe der höchsten Erhebung sangen die Am- 
seln. Heidelerchen waren im vollem Gesang, den sie aus der 
Luft herab und vom Boden aus erschallen liefsen. Sie führten 
damals gerade ihre halberwachsenen Jungen spazieren. Schwarz- 
kehlige Wiesenschmätzer waren an allen Hängen zu sehen. 
Ebenso Mittelmeersteinschmätzer und graue Steinschmätzer. 
Ueber den Höhen zogen Adler ihre Kreise und die Fälkchen, 
Turmfalken und Rötelfalken betrieben eifrig die Käferjagd. 
Blauracken, Turteltauben, rotrückige Würger und Zaun- 


Die Yogelwelt Macedoniens. 9S 

ammern waren an den Hängen und auf den Höhen zu 
sehen. An den höchstgelegenen Punkten brüteten in grofser 
Zahl Feldsperlinge. Die Wiesen auf den Höhen beherbergten 
ein überaus üppiges Insektenleben. Päonien wuchsen wild. 
Der Abstieg nach Valandova war zum Teil eine recht mühsame 
Kletterpartie. Felsentauben und Kolkraben brüteten dort. Beim 
Heimweg von Valandova nach Hudova konnte man gegen Abend 
ungezählte Dohlen beobachten, die nach ihren Butkolonien bei 
Valandova heimeiiten. Noch in später Abendstunde rüttelten 
Turmfalken über der Wiese, und noch bei Einbruch der Dunkel- 
heit hörte man Kappenammern und Haubenlerchen singen, 
während schon allenthalben die Steinkäuzchen auf den Tele- 
graphenstangen safsen. Ende Mai trieben sich in der Hudovaebene 
Rosenstare in geringer Anzahl herum ; viele waren von den eifrigen 
Nimroden erbeutet worden. Rotköpfige Würgerweibchen hatten 
am Ende dieses Monats völlig reife Eier im Leib, als ob sie in 
Bälde zum zweiten Mal legen wollten. Der Grünberg östlich 
von Kaluckova war hauptsächlich von Weifsbartgrafsmücken, 
Dorngrasffiücken , Kappen- und Zaunammern bewohnt. In 
der Hudovaebene fallen Anfang Juni die Grauammern besonders 
auf, die jetzt ihre Jungen spazierenführen und sich sehr auf- 
geregt gebärden. Sie lassen jetzt immer einen rätschenden Ton 
hören, was sie vorher nicht taten. Auch die Dorngrasmücken 
führen jetzt ihre Jungen herum, während man kleine Gruppen 
von Staren, überwiegend Junge, allüberall in der Ebene herum- 
streichen sieht. In den Maulbeerpflanzungen bei Kaluckova 
fütterte ein Kohlmeisenpaar zehn Junge, die schon fast ausge- 
wachsen waren. Nachtigallen waren sehr .aufgeregt. Ihre 
Jungen waren am Ausfliegen. Kappenammern haben ihre all- 
zugrofse Vertrauensseligkeit eingebüfst und sind jetzt scheuer 
als zur Balzzeit. Aus den Kronen der Weiden tönte unablässig 
das Geschwätz des Blafsspötters. Distelfinken sah man zum 
ersten Mal mit ihren Jungen, die noch gefüttert wurden. Or- 
pheusgrasmücken sangen an den Abhängen, und Trauermeisen 
führten ihre Jungen spazieren. Ein Pärchen Baumfalken trieb 
sich in der Hudovaebene herum. Im Arazlital waren die Hals- 
bandregenpfeifer in der steinigen Talsohle ziemlich häufig. 
Grünlinge führen ihre ausgewachsenen Jungen herum und füttern 
sie mit Wolfsmilchsamen. Schwarze Milane zogen hier ständig 
ihre Kreise. Im G e 1 e 1 1 1 a 1 , einem Seitental des Arazlitales, 
traf mau Steinkäuze am hellen Tage. Blauracken brüteten in 
der Dorfplatane und Turmfälkchen fast in jedem Haus. Nacht- 
schwalben brüteten in der Umgegend des Dorfes und waren 
gegen Abend flügelklatschend zu beobachten. In diese Zeit 
fallen die Verhandlungen wegen der Einrichtung der Malako 
und ein Besuch bei Etappeninspekteur Generalleutnant Frhr. 
V. Krane, der wegen seiner Verdienste um die Einrichtung der 
Malako zum Ehrendoktor der Freiburger Universität ernannt 


Otto fehringe^: 


wurde. Auf der Rückfahrt von Nisch nach Hudova konnte mau 
die Fruchtbarkeit des serbischen Landes beobachten. Einige 
Dörfer waren kürzlich abgebrannt als Strafe für einen Banden- 
aufstand, der im Rücken unserer Front gemacht wurde. Die 
Morava zeigt ungefähr die gleiche Ufervegetation wie der Wardar 
Bei der Rückkehr nach Hudova waren die Haubenlerchen alle 
ausgeflogen. Mitte des Monats Mai hatten die Stare schon zum 
2. Mal Junge, die sie fleifsig fütterten. Ebenso führten Zaun- 
könige im Araslital ein sehr aufgeregtes Dasein, da sie frisch- 
ausgeflogene Junge hatten. Bei Kaluckova konnte man in einem 
gröfseren Busch eine kleine Kolonie Weidensperlinge beobachten, 
die dort ihre Nester hatten. Kappenammern fütterten ihre fast 
erwachsenen Jungen. In den Maulbeerplantagen trieben sich 
Grünlinge, Grasmücken und Bienenfresser und Stare herum, die 
sich alle an den süfsen, seit Mitte Juni reifen Früchten gütlich 
taten. Weidensperlinge hüpften mit ihren Jungen im Gras 
herum, wobei man beobachten konnte, wie die Alten ihre schon 
grofsen Jungen mit reiner Insektennahrung fütterten, die sie 
hüpfend erhaschten. Die Ebenen waren starkbewohnt von Zieseln, 
die allüberall aus ihren Löchern hervorkamen, aufrecht Umschau 
hielten, um dann plötzlich wieder zu verschwinden. Auf einem 
Maulbeerbaum stand in voller Sicht ein schönes Nest des rot- 
rückigen Würgers, das aufsen mit Hälmchen und kleinen Zweigehen 
schön geflochten war wie ein Körbchen; innen war es mit richtiger 
weifser Watte ausgepolstert, die von dem benachbarten Lazarett 
stammen mufste. Am 21. Juni verliefsen die 6 Jnngen alle wie 
auf Kommando das Nest und hüpften unbeholfen im Gras umher. 
Der Alte war so aufgeregt, dafs er uns Neugierigen fast auf die 
Nase flog. An diesem Tage flogen auch junge Kappenammern 
aus. Die Vogelwelt war jetzt überall zahlreicher, weil man jetzt 
die ausgeflogenen Jungen, die zum Teil schon erwachsen waren, 
umherstreichen sah. An Piatanenbüschen safsen im Arazlital 
und seinen Seitentälern in diesen Tagen Rosenkäfer so zahlreich, 
dafs man das Fallen ihres Kotes wie ein Rauschen hörte. Oest- 
liche Heckensänger brüteten io der Ebene bei Kaluckova und 
über dem Wardar bei Mirovee. Rotköpfige Würger hatten grofse 
Jungen, die sie aber immer noch fütterten. Ein alter zeigte sich 
als vorzüglicher Spötter und hatte in seinem Gesang grofse 
Aehnlichkeit mit einem Sumpfrohrsänger. In Gelelital übertönten 
jetzt alle Stimmen die durchdringenden Töne der Cikaden, die 
unbeweglich an den Rinden der Platanen safsen und schwer 
zu sehen waren. Die Blafsspötter hatten jetzt auch schon ihre 
ersten Jungen, die sie mit grofser Liebe und Aengstlichkeit 
herumführten. Am Ende des Monats Juni trifft man von fast 
allen hier brütenden Vögeln Junge an, unter denen Zaunammern, rot- 
rückige Würger und graue Steinschmätzer die Mehrzahl bildeten. 

Die Mittelmeersteinschmätzer waren jetzt zum Teil in der 
Mauser des Grofsgefieders. Damit war die Zeit herangekommen, 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


97 


wo meine Häuschen so weit gediehen waren, dafs ich Qbersiedeln 
konnte. Ich versuchte es zuerst mit einem serbischen Diener, 
der sich als 15 jähriger Bengel in deutscher Uniform im Ge- 
folge des deutschen Heeres herumtrieb und auf den Namen Emil 
hörte. Er besafs eine vorzügliche Sprachbegabung und war 
besonders zum Einkauf von Lebensmitteln und als Dolmetscher 
vorzüglich brauchbar. Sobald es aber an ernstere Arbeit ging, 
versagte er völlig. Dafür aber lielfte er sehr die Zigaretten. 
Da er in Bezug auf Nahrung äufserst anspruchsvoll war, so 
schaffte ich ihn bald ab. Ich konnte das umso leichter, als ich 
zu Anfang Juli meinen Diener Wasiiji bekam, der bis zum 
Schlufs ein unbezahlbar treuer und anhänglicher Diener blieb. 
Dieser Mensch konnte einfach alles. Nachdem er dann noch in 
ganz kurzer Zeit das Präparieren von Vögeln lernte, war er für 
mich unersetzlich. Er hatte es dann auch entsprechend schön, 
da er nur für bessere Arbeit Verwendung fand. Für die üblichen 
Hausarbeiten wurde ein Rumäne eingestellt, der sich für alles 
andere nicht geeignet hätte, aber das Beinhalten der Kleider vor- 
züglich verstand. 

Die nächsten Tage wurden einige Ausflüge unternommen, 
die man wegen der grofsen Hitze so einrichten mufste, dafs 
man frühmorgens aufbrach und dann die heifsesten Mittagsstunden 
an irgend einem geschützten Platze zubrachte, um dann gegen 
Abend den Heimweg anzutreten. Um Mitte Juli machte ich 
eine neue Bekanntschaft mit einer dort üblichen Einrichtung, die 
unter dem Namen Pappataci-Fieber bekannt ist und sehr grofse 
Aehnlichkeit mit einer heftig auftretenden Grippe hat. Das 
Fieber wird übertragen durch die sehr kleine Pappatacifliege, 
der man nur schwer den Zutritt in die Häuser verwehren kann. 
Das Fieber dauerte meist nur drei Tage, hinterliefs aber eine 
grofse Mattigkeit, die mich aber trotzdem nicht abhielt, vom 
18. Juli ab wieder gröfsere Touren zu machen. Nun hatten 
auch die östlichen Heckensänger Junge, die mit halblangen 
Schwänzchen ausgeflogen waren. Die Alten waren sehr aufgeregt, 
setzten sich immer frei auf Zweige und lockten unaufhörlich. 
Das Locken hatte Aehnlichkeit mit dem der Kurzzehenlerchen. 
Aufserdem machten sie noch ein scharfes sst. Ihren Gesang 
liefsen die Männchen zu dieser Zeit nur noch bruchstückweise 
hören. Die schönsten Töne darin waren ein oft wiederholtes 
titrö, das auch meist die Einleitung zum Gesang bildete. Was 
dann noch folgte, war nicht viel wert und erinnerte an aus- 
einandergerissenes Rosenstarengequetsch. Es scheinen sehr grofse 
Unterschiede unter den einzelnen Sängern zu bestehen, ähnlich 
wie bei den Blaukehlchen, mit denen sie auch mit ihrem Be- 
nehmen auf dem Boden einigermafsen Aehnlichkeit haben. Die 
Abhänge rings um die Hudovaebene herum, die grofsenteils nur 
von Quercus coccifera bestanden waren, wimmelten jetzt von 
jungen Dorn- und Zaungrasmücken, denen sich weiter oben noch 

Jotim. f. Om, LXX, Jahrg, Januar 1922, < 


Otto Fehringef: 


öS 

die Weifsbartgrasmücke zugesellte. In den Tälern waren die 
Konzerte, die die Cikaden und die Frösche miteinander veran- 
stalteten, direkt beängstigend. Die Maulbeerplantagen sind fleifsig 
besucht von allen möglichen Liebhabern dieser süfsen Früchte. 
Die Kappenammern sind jetzt schon grofsen Teils verschwunden, 
während man nur noch an Hängen gelegentlich einige später 
noch sah. Auf Tagesausflügen mufste man sich jetzt so einrichten, 
dafs man die Vögel möglichst bald nach dem Erlegen abbalgte. 
Die Nacht vom 23. auf 24. Juli verbrachte ich im Auwald von 
Miletkovo. Waldohreulen und Nachtschwalben machten die 
Nachtmusik. Am 24. Morgen fielen einige Tropfen, und es blieb 
fast den ganzen Tag über bedeckt, was zu dieser Zeit sehr selten 
vorkam. So kam die Hitze erst gegen Mittag auf. Der ganze 
Auwald schien den Elstern zu gehören, die dort im ganzen Land 
ungemein zahlreich vertreten waren. In diesem Wald brüteten: 
Störche, Krähen, Dohlen und eine Unmenge Kleinvögel. Da ein 
Altwasser der Vardar sich daneben befand, so hat man Gelegen- 
heit, Reiher, Flufsseeschwalben, Flufsregenpfeifer u. a. zu beob- 
achten. Tagesausflüge auf die Höhen hinter Gabres (von Milet- 
kovo aus) und auf die Gradec-Planina brachten nicht viel Neues. 
Besonders auf der Gradec-Planina war das Vogelleben verhältnis- 
mäfsig gering. Am Ende des Monats bemerkte man, wie sich 
bei Gradec die rotrückigen Würger zum Wegzug sammelten. 
Eine verspätete Familie Kappenammern trieb sich dort herum, 
deren Junge grünlingsähnlich djöll, djöll lokten. Sie fielen direkt 
auf, weil die anderen längst fort waren. Mittelspechte und 
grofse Buntspechte trieben sich in den Baumbeständen um die 
Gradecer Kirche herum. Geschossene Spechte hielten sich am 
Baumstamm oft noch sehr lange und fielen manchmal erst nach 
einigen Minuten tot herab. Dort flogen auch Familien von Kirsch- 
kernbeifsern herum. Unter den hohen Bäumen bei Gradec 
fanden sich neben uralten Platanen auch hochstämmige Quercus 
coccifera, die bis zu acht Meter hoch waren. Es schien die 
gleiche Art zu sein, die überall an den steinigen Hängen die 
niederen Büsche bildeten. 

Um diese Zeit hatte ich durch einen befreundeten Stabs- 
arzt einen jungen Türken aus Arazli-Menecli kennen gelernt, der 
mit den Herren aus der Etappe in regen Handelsbeziehungen 
stand. Es war dies ein Jungtürke mit dem Namen Halil-Mustaca, 
den ich bald für meine Sache interessieren konnte. Er war ein 
in jeder Hinsicht brauchbarer Mensch von guten Sitten, edlem 
Anstand und unbedingt zuverlässig. Es war ihm ein Vergnügen 
auch Menschen gegenüber, mit denen er keine Geschäfte machen 
konnte, behülflich zu sein und Gastfreundschaft zu üben. In 
seinem Dorfe war er, obwohl erst 25 Jahre alt, der erste und 
erfüllte auch das Amt eines Priesters, die man dort Hodschas 
nennt. Das Ansehen Halils reichte weit, und in allen umliegenden 
Dörfern mit türkischer Bevölkerung ja selbst im Türkenviertel 


Die Vogelwelt Macedonieüs. 99 

Strumiza’s verschaffte seine Empfehlung Eintritt in jedes Türken- 
haus. Am Morgen des 31. Juli schickte mir Halil einen kleinen 
Türkenjungen mit einem Lastesel und stellte mir beide für 2 Tage 
zur Verfügung. Ich wollte mit einem Ethnographen die Dörfer 
westlich der Plaus-Planina besuchen. Der Weg führte uns durch 
Arazli-Menecli an der Wohnung Halils vorbei. Ich wollte so 
schnell als möglich in die Berge, aber ich rechnete nicht mit 
der ortsüblichen Gastfreundschaft der Türken. Halil hatte uns 
nämlich ein Frühstück bereitet, das wir nach der Meinung des 
Völkerkundlers unmöglich abschlagen durften. Wenn auch das 
Frühstück an und für sich nichts zu wünschen übrig liefs, bei 
dem gebratene Hühner und gebackene Eier die Hauptrolle spielten, 
und wenn auch die Schafmilch und die herrlichen Früchte vor- 
züglich schmeckten, so bestand doch der Hauptgenufs in der 
Art und Weise, wie die reichen Türken es verstehen, das Essen 
zu einem ästhetischen Genufs zu machen. Bei den vorzüglichen 
türkischen Zigaretten hatte man dann Gelegenheit, sich den ge- 
mütlichen Raum etwas genauer anzusehen. Der Hauptreichtum 
bestand in den schweren Teppichen, die den unteren Teil des 
Gemachs vollständig anfüllten. Die Wände waren völlig weifs ge- 
tüncht, ja auch die Nester der Rauchschwalbe, die sich im Innern 
des Zimmers befanden, waren mit übertüncht worden. Zum 
grofsen Leidwesen Halils waren die Schwalben in diesem Jahr 
zum ersten Mal ausgeblieben. Die Verständigung war uns sehr 
leicht gemacht, da Halil ziemlich gut deutsch verstand und aufser- 
dem noch ständig ein Wörterbuch bei sich trug. Es war mir 
sehr schwer zum Aufbruch zu drängen, da der Ethnograph so- 
viel Interessantes bei den Türken vorfand, besonders als die 
beiden noch miteinander über einige alte türkische Bücher ge- 
rieten. Kostbar war ein Ausspruch des Türken, als er seine 
Bücher mit den unsrigen verglich: „Die Deutschen schreiben so- 
herum verkehrt, wir Türken so“, wobei er jedesmal auf die 
Richtung hinwies in der die beiden Völker ihre Schriftzeichen 
setzten. Erst gegen Mittag brachen wir wirklich auf und stiegen 
durch das Arazlital weiter empor. Bei Kara-Eliasli erquickten 
wir uns an einem köstlichen natürlichen Sauerbrunnen, der im 
Schatten eines Gebüsches aus dem Boden quoll. Hier war 
wieder das Vogelleben ein reichhaltigeres. Hier trieben sich 
Schwarzköpfe, Amseln, Dorngrasmücken, Zaunammern und Blau- 
meisen herum. Bis hierhin gab uns Halil das Geleite und gab 
uns eine schriftliche Empfehlung an die Oberhäupter der nächsten 
Dörfer mit. Es stand recht wenig auf dem Zettel, eigentlich 
nur ein Wort, es mufs aber eine mächtige Zauberformel gewesen 
sein, denn wir wurden überall in gleich freundlicher Weise auf- 
genommen wie bei Halil selbst. Wir stiegen zum Dorfe Barakli 
empor, wo wir einen türkischen Gottesdienst beiwohnten und mit 
den Aeltesteu des Ortes auf der Veranda eines Hauses auf 
Teppichen sitzend den Kaffee schlürften. Von hier aus zogen 

7 * 


100 


Otto Fehringer: 


wir weiter über das liebliche Bacelli, wo wir glücklicherweise in- 
cognito durchreisten, nach dem Dorfe Plaus, wo wir erst spät 
abends ankamen. Blauracken, Amseln, Turmfalken, Grasmücken 
rotrückige Würger und Kohlmeisen mit ihren Jungen trieben 
sich noch sehr spät am Abend hier oben herum. Die Empfehlung 
Halils verschaffte uns Eintritt im Hause des dortigen Hodscha, 
und wir fanden freundliche Aufnahme in dem Fremdenhaus neben 
der Moschee, wo wir auf Teppichen einer Veranda eine an- 
genehme Nacht verbrachten. Die alten weifsbärtigen Türken 
safsen vor unserm Haus unter einem Baum und verbrachten 
die warme Mondnacht im Freien, wobei sie ihre Tschibuks 
rauchten und flüsternd weise Gespräche führten. Es machte 
fast den Eindruck, als ob sie uns zuliebe als Ehrenwache da 
wären. Man fühlte sich von dem Zauber umgeben, wie er in 
1001 Nacht geschildert ist. Am nächsten Morgen machte ich 
mich sehr frühzeitig allein auf, um die Umgegend nach Vögeln 
zu durchstreifen. Gleich vor der Moschee safs ein Distelfinken- 
weibchen auf 5 Eiern. Das Nest stand auf einem Pflaumenbaum 
und war so ausgiebig mit Schafwolle durchsetzt, dafs es einen 
ganz weifsen Eindruck machte. Oberhalb des Dorfes machten 
Steinrötel ihre Balzflüge, deren Nester man aber nur ahnen, aber 
nicht ersteigen konnte. Man sah die Alten in Steinhöhlen ein- 
und ausschlüpfen. Blauracken bauten in hohlen Platanen, und 
das ganze Dorf war bewohnt von zahlreichen Turmfalken, die 
nicht nur unter den Dächern der Häuser, sondern auch in 
hohlen Pappeln standen, die man immer in der Umgegend der 
schöngebauten türkischen Brunnen antraf. Den Rückweg traten 
wir nach einem herzlichen Abschied von unseren neuen Freunden 
durch ein direktes Tal nach Arazli-Menecli an. Hier wechselten 
prachtvolle Gebüschgruppen mit gutgepflegten Weinbergen, wo 
am ersten August noch allenthalben Nachtigallenschlag zu hören 
war, wenn auch die Strophen lange nicht mehr so feurig waren 
wie zu Anfang. Weiter unten im Arazlitale hörte man dann 
noch das liebliche Geschwätz der Wasseramsel, die im ganzen 
Verlauf des Arazlibaches brütete. Auch Gebirgsbachstelzen 
wurden durch uns in ihrer Einsamkeit gestört und begleiteten 
uns eine Strecke Weges mit ihrem Gesang. 

Die nächsten Tage waren wieder dem Auwald bei Miletkovo 
gewidmet. Viele Vögel rüsteten sich schon zur Abreise. Vor 
allen die rotrückigen Würger, die bis zum 10. August fast alle 
verschwunden waren. Nachtigallen hörte man immer noch singen, 
allerdings nur noch bruchstückweise. Am 8. August war der 
letzte Gesang verstummt. Einige Pärchen fütterten zu dieser 
Zeit ihre fast ganz ausgewachsenen Jungen. Bienenfresser safsen 
auf einem Ueberständer im Auwalde, der mit einigen dürren 
Zweigen frei in die Luft ragte, häufig herum und ruhten hier 
von ihrem kunstvollen Fluge aus. Reiher und Störche waren 
mit ihren Jungen am Wasser, ln den Feldern unterhalb des 


Die Yogelwelt Macedoniens. 


101 


Auwaldes sah man kleinere Völker Rebhühner. Nördlich des 
Auwaldes sammelten sich auf den verdorrten Wiesen grofse 
Scharen von Kurzzehenlerchen, die in den nächsten Tagen ver- 
schwanden. Wiedehopfe und Rosenstare trieben jetzt auch 
wieder ihr Wesen. In diesen Tagen erhielt ich zwei Esel, die 
mir ein Pionierhauptmann gegen eine Gebühr von 60 M. für 
die Dauer meines dortigen Aufenthaltes leihweise überliefs. Es 
waren dies zwei ganz hervorragend begabte Tragtiere, die mir 
auf meinen späteren Fahrten grofse Dienste erwiesen. Dann 
machte ich eine gröfsere Fahrt mit dem Pferdewagen von Kal- 
kova, Valandova, Rabrova, Kostorino, Roborci nach der bul- 
garischen Grenzstadt Struraiza, wo ich mir für meine Esel zwei 
Sättel erstand, wie sie die Eingeborenen dort für ihre Tragtiere 
zu gebrauchen pflegten. In Strumiza berschte ein reges Markt- 
leben. Man konnte hier zentnerweise Lebensmittel einkaufen, 
die der Heimat in der damaligen Zeit gut zu statten kamen. 
Die Strafse von Strumiza nach Valandova führte über die Pässe 
der Plagusa-Planina und der Bellasica-PIanina. Vom Wagen 
aus fiel die grofse Anzahl der grauen Steinschmätzer und der 
Zaunammern auf. Sonst schien die Vogelwelt am jenseitigen 
Abhang gegen Strumiza zu genau so zusammengesetzt zu sein 
wie am diesseitigen Abhang gegen die Hudovaebene. Nur in 
einem Kiefernwald bei Strumiza lebten Meisen und Spechte. Am 
12. August machte ich mit dem Hauptmann des Pionierparks nach 
einem Ritt nach Gradec eine Nachenfahrt Vardar abwärts, wobei 
wir mit der sog. Piouierangel (Handgranaten) Fische erbeuteten. 
Karpfen, Barben, Nasen, Weifsfische und Wels ergaben die Haupt- 
beute. Leider wurden auf diese Weise manche fischreiche Ge- 
genden während des Krieges schwer geschädigt, da durch die 
Handgranaten meist auch die Brut der Fische zerstört wurde. 

Mitte August füttern Hänflinge und Grünlinge noch ihre 
Jungen im Arazlital. Vom 16. August ab erkrankte ich plötz- 
lich mit starkem Fieber und Schüttelfrost und begab mich in*s 
Seucheulazarett Kaluckova, wo andere Mitglieder unserer Malako 
damals ihren dauernden Wohnsitz hatten und wo ich deshalb 
mit besonderer Liebe und Sorgfalt gepflegt wurde. Die Malaria 
allein wäre ja nicht so schlimm gewesen und hätte mich sicher 
nicht veranlafst, das Lazarett aufzusuchen, wenn sich nicht gleich- 
zeitig die Ruhr eingestellt hätte. Aber die liebevolle Pflege der 
Aerzte und der netten Schwestern vom Roten Kreuz brachten 
mich nach einigen Wochen so weit, dafs ich mich zur Erholung 
in die Heimat begeben konnte, von wo ich völlig wiederherge- 
stellt und mit neuen Kräften Ende Oktober an den Ort meiner 
Tätigkeit zurückkehrte. Leider war während meiner Abwesen- 
heit von einem Kenner in meinem Häuschen ein Einbruch ver- 
übt worden. Er hatte aber meine Schätze unberührt gelassen 
und sich nur meinen allerbesten hahnenlosen Drilling mitge- 
nommen. 


Otto Fehringers 


loi 

Die Vogelwelt hatte sich inzwischen geändert. Würger, 
Bienenfresser, Heckensänger, Nachtigallen, Steinschmätzer u. a. 
waren verschwunden. Dafür aber traf man jetzt in den Ebenen 
Amseln, Braunellen, Rotkehlchen, Buchfinken und Laubsänger. 
Kormorane und Enten waren jetzt am Vardar häufig. Kiebitze 
trieben sich in grofser Zahl in der Ebene herum. Anfang No- 
vember machte ich wieder einen Besuch in dem mir so lieb ge- 
wordenen Blaus mit unserem Stabsarzt und zwei Schwestern. 
Durch unseren gemeinschaftlichen Freund Halil waren wir bei 
einem der reichsten Türken des Dorfes angemeldet und n ufsten 
uns ein vorzüglisches Türkisches Gastmahl gefallen lassen. Es 
war einer der herrlichen Herbsttage, wie wir sie noch oft ge- 
nossen. Ueberall hörte man Rotkehlchen mit ihrem lauten 
Herbstgesang und Zaunamraern, Buchfinken, Braunellen, Zaun- 
könige und Drosseln belebten die Büsche. Auch Hausrotschwänz- 
chen und Zippammern, Laubsänger und Stieglitze, Stare und 
Schwarzköpfchen waren jetzt überall zu sehen. 

In der Ebene trieben sich Anfang November Stare, Buch- 
finken, Zaunammern, Stieglitze, Feldsperlinge, Heidelerchen, 
Trauermeisen, Haubenlerchen, Hänflinge, Amseln, Rotkehlchen, 
Braunellen und Wiesenpieper herum. Am 10. November wurde 
noch ein prachtvoll ausgefärbtes Männchen vom rotrückigen 
Würger gesehen, der sich merkwürdig scheu in die Büsche 
drückte. Er hatte eine schlecht verheilte Flügelverletzung und 
konnte deshalb nicht mit den andern fortziehen. Wahrscheinlich 
war er früher schon einmal mit mir in unliebsame Berührung 
geraten. Die Stare machten bei schönem Wetter ihre ge- 
schickten Fangfiüge in der Luft nach Schwalbenart. In den 
Hecken tummelten sich besonders schönausgefärbte alte Haus- 
rotschwänze. Bei Miletkovo konnte man bei der Hasenjagd 
jetzt auch immer auf Schnepfen rechnen, die sich in den dichten 
Brombeerhecken verbargen und von den Hunden mit den Hasen 
zusammen aufgestöbert wurden. Sperber, Reiher und Enten 
wurden von Tag zu Tag häufiger. 

Nun setzte auch wieder das übliche Regenwetter ein. 
Man mufste die einzelnen schönen Tage gut ausnützen. Mitte 
Novemberkonnte man auf den Höhen nördlich von Demirkabu lockere 
Verbände von Misteldrosseln und grofse Mengen zusammenge- 
scharter Distelfinken herumstreichen sehen. Die Hühner-, Hasen- 
und Entenjagden boten zu dieser Zeit manche Abwechselung. 
Gegen Ende des Monats November erchienen in den Büschen 
der Abhänge gelbköpfige Goldhähnchen. Ortolane waren immer 
noch da. 

Die Jagden in den Bergen waren äufserst schwierig und 
verliefen oft ergebnislos. An der Eisenbahnbrücke über den 
Vardar in der Nähe des Nicolatales lag als Wachkommando 
eine Abteilung Bulgaren, die in den Jagdgründen des Nicola- 
tales eifrig jagten. Bei diesen sah ich als Beute zwei junge 


Die Vogel weit Macedoniens. 


103 


Wildschweine und ein Reh. Da es mir bei dem besten Willen 
nicht möglich war, Schädel und Decke von diesen einzuhandeln, 
so beschlofs ich selbst das Jagdglück zu versuchen und rüstete 
in der Folgezeit mehrere Jagden dahin aus. Aber das Wild 
muls dort recht spärlich sein, denn wir kehrten meist ohne Beute 
heim. Die Vogelwelt des Nicolatales war zu dieser Zeit recht zahl- 
reich. Eichelhäher, Drosseln, Meisenschwärme, besonders Schwanz- 
meisen, Kleiber und Baumläufer belebten die Büsche und Säume. 
Die Vegetation war ja auch dort eine recht abwechslungsreiche 
und bot mancherlei Versteck und Nahrung. Eichen, Silber- 
linden, Hainbuchen, Feldahorn und Platanen bildeten den höheren 
Baumwuchs. Sanddorn, Weifsdorn, Heckenrosen, bildeten dichte 
Gebüsche. Weiter oben traf man dann noch alte Bestände von 
Wacholder. 

Im Anfang Dezember hatten sich die Wasseramseln weiter 
heruntergezogen in die Täler. An der Bosava bei Demirkapu 
hielten sie sich fast bis zur Mündung des Baches in den Wardar 
auf. Die Nächte waren jetzt schon empfindlich kalt, und der 
Vogelreichtum liefs merklich nach. An den Ufern des Vardar 
überwinterten zahlreiche Rotschenkel und Wasserläufer. Auch die 
übrige Vogelwelt konzentrierte sich jetzt mehr und mehr in die 
Nähe des Wassers. Im Arazlital waren bis zum 10. Dezember 
noch Hausrotschwänze zu sehen. In der Hudovaebene scharten 
sich Zaunammern, Feld- und Heidelerchen zusammen. Bei der 
Entenjagd wurden auch immer Kormorane, Nachtreiher, Fisch- 
reiher, Rotschenkel, Eisvögel u. a. erbeutet. Die Entenjagd war 
nicht ganz ungefährlich, weil sie von so vielen ausgeübt wurde, 
die mit Karabinern auf Enten scharf schossen. Gänse ziehen in 
ihrer typischen Schlachtordnung täglich vorüber und lassen sich 
oft zum Aesen in der Hudovaebene nieder. Sie sind aber 
äufserst scheu und bei dem weithin freien Gelände, das sie sich 
immer aussuchen, nicht zu erbeuten. Grofse Kormorane, Zwerg- 
scharbe, Moorenten, Tafelenten, Krickenten und Stockenten waren 
unsere häufigste Beute, während noch Knäckenten, Pfeifenten und 
Spiefsenten von anderen Schützen erbeutet wurden. Bekassinen 
wurmten an den flachen Ufern der Altwasser. Hohltauben 
konnte man auf dem Hin- oder Rückweg zum Entenwasser bei 
Miletkovo mitnehmen. Jedenfalls litten wir sehr selten unter 
Fleischmangel. Grauammern waren in kleinen Scharen bei 
Miletkovo. Kurz vor Weihnachten gelang es mir endlich, eine 
schöne Blässengans, ein Weibchen von 1815 Gramm, zu erlegen. 

Zwischen der Gradec-Planina und Plugusa-Planina lag in 
Höhe von 600—900 m ein ausgedehnter Laubwald, der lediglich 
seiner grofsen Entfernung von den nächsten bewohnten Plätzen 
und der schweren Zugänglichheit sein Dasein verdankte. In 
diesem Walde hatte unser Freund Halil eine Köhlerei errichtet, 
um auch diesen Wald allmählich auszurotten. Die Holzkohlen 
verkaufte er nach Strumiza, die bei der allgemeinen Not an Brenn- 


104 


Otto Fehringer: 


materialien damals hoch im Preise standen. Die Köhlerei war ein 
ziemlich umfangreicher Betrieb, und viele Meiler rauchten gleich- 
zeitig. Die Arbeiter, Eingeborene von den primitivsten Ver- 
hältnissen, wohnten in einigen Hütten im Walde. Für Halil 
oder seine Aufseher war ein „Herrenhaus“ erbaut, dafs sich 
aber von den anderen nur dadurch unterschied, dafs es etwas 
gröfser war, dafs man eine „Türe“ anlehnen konnte und dafs 
das Feuer einen Abzug hatte, der aber trotzdem zuliefs, dafs 
das Haus mit Rauch erfüllt war. Zur weiteren Einrichtung 
dienten hier noch zwei Schlafbänke, unter denen ein Raum für 
Hühner sich befand. Das ganze Haus bestand aus einem Ge- 
flecht von Buchen- und Haselzweigen, die gleichzeitig die Mög- 
lichkeit zum Kleideraufhängen boten. Das Geflecht war aufsen 
durch Lehm verschmiert, das Dach aufserdem noch durch grofse 
Stücke hohler Platanen geschützt. Die Türöffnung liefs genügend 
Licht ein, wenn man den vor ihr befindlichen Sack schob. 
Fenster waren der leichteren Heizbarkeit wegen nicht angebracht. 
Diese herrliche Jagdhütte, die im Vergleich zu den Wohnungen 
der Köhler villenartig ausgestattet war, bot mir Hali zur unum- 
schränkten Benützung für immer an. Da es sonst nicht gut 
möglich gewesen wäre, diesen entlegenen Wald auf einer Tages- 
fahrt zu besuchen, so nahm ich das Anerbieten mit Vergnügen 
an und machte erstmals am Jahresschlufs eine gröfsere Exkur- 
sion in diese Wälder. Die Sylvesternacht verbrachte ich mit 
Halil und dem befreundeten Stabsarzt in dieser Hütte, und ich 
mufs gestehen, dafs wir alle vorzüglich schliefen. Am Neujahr- 
morgen machten wir uns alle früh auf, während ein Vetter Halils 
zurückblieb, um den Exkursionskoch zu markieren. Die Vege- 
tation war eine äufserst üppige und ähnelte sehr der im Nicoia- 
tal. Eichen und Hainbuchen bildeten den Hauptbestand ; auch 
Birke, Silberlinde und Platanen waren vertreten. Die Vogelwelt 
war eine äufserst reichhaltige. Grofse Schwanzmeisenschwärme, 
unter denen sich ein kleiner Buntspecht herumtrieb, Kleiber, 
glanzköpfige Sumpfmeisen, Kohl- und Blaumeisen, Grün- und 
Grauspechte, Eichelhäher, Kernbeifser, Gimpel, Goldammern, 
Zaunammern, Zaunkönige, Braunellen, Amseln, Misteldrosseln, 
Singdrosseln und Heidelerchen belebten den Wald und das sich 
öffnende Tal. Später kamen hier noch verschiedene Buntspechte 
und Waldkäuze zur Beobachtung. Die Individuenzahl der auf- 
geführten Vögel war eine verhältnismäfsig grofse, und ich nahm 
mir vor, diesen Wald öfter zu besuchen, was ich auch in der 
folgenden Zeit ausführte. Auch jagdlich war das Gebiet 
sehr interessant, da hier noch Wölfe, Schakale, Füchse und 
Wildschweine vorkamen. Ich verabredete mit Halil, in aller- 
nächster Zeit eine grofse Treibjagd zu veranstalten, und er ver- 
sprach mir, seine Köhler und noch eine grofse Zahl anderer Ein- 
geborener als Treiber zu Verfügung zu stellen. Die Ernährung 
dieser Leute war ja nicht sehr schwierig. Wir konnten jeden 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


105 


Abeud sehen, wie diese gehandhabt wurde. Gegen Abend kam 
von jeder Gruppe seiner Leute ein Abgesandter ins „Herrenhaus“ 
und empfing hier die Rationen für seine Kameraden, die 
genau zugewogen wurden. Die Zusammensetzung war recht 
einfach. In einem Sack von undefinierbarer Farbe bekam 
er die zugewogene Menge Maisschrot, das natürlich Mais- 
mehl sein sollte. In seine schmutzige Mütze bekam er eine 
Handvoll Salz und in seine Leibbinde steckte er die wenigen 
empfangenen Lauchstengel. In flachen kupfernen Blechen buken 
sie sich über offenem Feuer eine Art Maisbrot, das wegen seiner 
Kuchenform und seiner gelben Farbe so verführerisch schön 
aussah, dals wir uns trotz des Abratens Halils nicht enthalten 
konnten, davon zu kosten. Wir konnten nichts anderes tun, als 
uns möglich wenig anmerken zu lassen und im Stillen die Leute 
zu bedauern, denen dieses Brot als Hauptnahrung diente. Aus 
den paar Lauchstengeln kochten sie sich eine Art Suppe, um die 
sie sich dann zur gemeinsamen Malzeit in ihrer Hütte vereinigten. 
Das Brot wurde gebrochen und jedem sein Teil frisch zugewiesen. 
In trockenem Zustand ist dieses Brot ungeniefsbar. Schweigend 
safsen die Männer in malerischen Lumpen um die dampfende 
Schüssel voll Suppe und verzehrten ihr Brot, das sie ab und zu 
noch in die reine Asche des Feuers tauchten, die ihnen das 
kärglich zugemesse Salz ersetzen half. Nur ab und zu, wenn 
das Brot gar nicht mehr rutschen wollte, langten sie sich mit 
einem selbstgeschnitzten Holzlöffel ein wenig Suppe aus der ge- 
meinschaftlichen Schüssel. So verbrachten diese Menschen 
den ganzen Winter als Saisonarbeiter in diesem Wald. Es 
war für sie ein Festtag, wenn sie am Freitag, dem Ruhetag der 
Türken, als Zukost ein wenig getrocknetes Hammelfleisch er- 
hielten. Die Arbeiter waren Eingeborene aus den umliegenden 
Dörfern und scheinen Südserben zu sein. Die Besitzer und 
Aufseher der Köhler waren Türken, die ein besseres Leben ge- 
wöhnt waren. Halil bewirtete uns in unserm Bau mit anderen 
Sachen. Eine grofse Rolle bei der Ernährung der Türken spielt 
das Geflügel. Deswegen waren auch die Plätze unter den Bänken 
zu Hühnerställen eingerichtet. Voll befriedigt über den Auf- 
enthalt in diesem herrlichen Laubwald, dessen Tage gezählt 
waren, traten wir den Heimweg an. Halil nahm gleich den 
Bau einer Hütte in Angriff, die uns als Aufenthalt für gröfsere 
Jagden dienen sollte. Vor allem sollten auch Pferde darin unter- 
gebracht werden können. 

Die nächsten Tage wurden trotz Kälte und Wind ver- 
schiedene Exkursionen Vardar auf- und abwärts unternommen. 
Besonders häufig waren jetzt die Zwergscharben, die auf den 
Altwassern bei Miletkovo fleifsig fischten. Sobald man einen 
dieser Fischräuber herabschofs, so spie er sofort seine er- 
beuteten Fische wieder aus. Man konnte auf diese Weise 
am bequemsten Kunde erhalten von den Fischen, die sich 


106 


Otto Fehringer; 


in den Nebenflüssen und Seitenarmen des Vardar aufhielten. 
Meist waren es Elritzen, Nasen und Groppen. Einmal 
wurden um diese Zeit zwei Trauerseeschwalben beobachtet, die 
in reifsendem Flug über die Wasserfläche dahinsausten. Auch 
Alpenstrandläufer sausten in der Gegend herum in einem ge- 
schlossenen Schwarm von zirka 10 Stück. Haubentaucher, 
Zwergtaucher, Kormorane, Enten und Möwen belebten die Ge- 
wässer. Gänse ästen, nachdem sie sich unter viel Geschrei 
und langer Sicherung vorsichtig niedergelassen hatten. Auch 
die grofsen Raubvögel liefsen sich jetzt wieder mehr in der 
Ebene sehen und waren sofort bei der Hand, wenn irgendwo 
ein Tier gefallen war. Einem Hirten war ein Schaf verendet. 
Er zog das Fell ab und liefs den Kadaver liegen. Da es gegen 
Abend war, so lag die Vermutung nahe, dafs hier am nächsten 
Morgen bequem Gelegenheit wäre, auf gröfsere Raubvögel zu 
Schufs zu kommen. Wir schleiften den Kavader in die Nähe einer 
hohlen Weide, die man bequem zu einem Anstand herrichten konnte. 
Einige Elstern waren zwar in der Nähe und warteten lüstern auf 
unser Verschwinden, doch sonst war weiter nicht viel zu sehen. Da 
die Dunkelheit sehr rasch zunahm, beschlossen wir, am nächsten 
Morgen sehr zeitig wiederzukommen. Wir führten unser Vor- 
haben aus, aber wie erstaunten wir, als am nächsten Morgen 
das ganze Schaf aufgezehrt war und nur noch die Federn von 
Elstern und Gänsegeiern zeigten, dafs es wohl nicht ganz fried- 
lich beim Schmause zugegangen sein mag. 

Eine Fahrt vardaraufwärts gab uns eines Tages Gelegenheit, 
den grofsen Gänsesäger bei der Arbeit zu beobachten. 10 Säger 
schwammen in der Mitte des Vardar in der Nähe von Gradsko. 
Interessant war die Art und Weise, wie diese Tiere gemein- 
schaftlich fischten. Sie sammelten sich auf einer kleinen Stelle, 
um dann wie auf Kommando alle auf einen Schlag unterzu- 
tauchen. Sie blieben ziemlich lange unter Wasser und tauchten 
dann weit zerstreut einzeln, die letzten oft nach langer Zeit, 
wieder auf. Dann schwammen sie aufeinder zu und sammelten 
sich etwas weiter stromaufwärts, um von Neuem des gemeinschaft- 
liche Tauchen zu beginnen. Dieses Manöver wiederholten sie längere 
Zeit, strichen dann gemeinschaftlich ab und begannen an einer 
weitentfernten Stelle von Neuem ihre gemeinschaftliche Fisch- 
jagd. Während des ganzen Fischfangs liefsen sich die Säger be- 
quem beobachten und zeigten absolut keine Scheu. Sie hielten 
sich aber respektvoll aufser Schufsweite. Sonst waren auf dem 
Vardar immer Stockenten, Möwen und andere zu beobachten. 
An der unteren Cerna sah man Taucherchen zwischen den ver- 
dorrten Rohrbeständen umherschwimmen. An den Ufern tum- 
melten sich in den Büschen Singdrosseln, Rotkehlchen, Stare, 
Amseln, Ammern, Weidenlaubsänger, Grünlinge, kurzzehige 
Baumläufer und Buntspechte. Elstern, Sperber, Bussarde sorgten 
für Abwechselung. Kohlmeisen und Seidenrohrsänger zeterten 


Die Vogel weit Macedoniens. 


107 


bei ihrem Anblick. Hoch oben zogen Adler ihre Kreise, und 
Gänse flogen in geordneten Reihen vorbei. In stillen Buchten 
stand regungslos der Fischreiher. Durch das Glas konnte man 
sein gelbes Auge als das einzig lebendige an ihm feststellen. 
Grofse Kormorane und verschiedene Enten waren die Hauptbeute 
dieser Tage. Im zweiten Drittel des Januar machte ich eine zweite 
gröfsere Fahrt nach unserer Jadhütte, die uns Halil zur Ver- 
fügung gestellt hatte. Bei den Eingeborenen hiefs das Waldge- 
biet, in dem die Köhlerei lag, Salanschack. Es hatte sich noch 
nicht viel geändert, nur hatten die Wildschweine scheinbar zu- 
genommen, und ihre Spuren waren allenthalben zu sehen. Wir 
begaben uns abends auf Hochsitze, die wir uns schnell herrich- 
teten, hatten aber keinen Erfolg, während Halil einige Zeit 
vorher einen mittelmäfsigen Keiler beim Gang durch den Wald 
geschossen hatte, dessen Schädel ich für meine Sammlung er- 
hielt. Die Vogelwelt war noch die gleiche wie das letzte Mal. 
Nur wurde diesmal noch ein Tannenhäher erbeutet. Spechte 
Meisen, Kernbeifser, Gimpel, Grünlinge, Singdrosseln und 
Misteldrosseln bildeten den Hauptbestand. Bei der Rückkehr 
konnten bei Barakli Wasseramseln beobachtet werden. Der 
kurze Schneefall,der zu Anfang dieser Fahrt einsetzte, war nicht von 
grofser Dauer. Gegen Ende des Monats wurden in den Schluchten 
und an den steilen Hängen einige erfolgreiche Jagden auf Steinhühner 
unternommen. Da starker Nordwind herrschte, hielten die Hühner 
sehr gut. Bei diesem starken Wind war es auffallend, wie niedrig 
die Gänse bei ihren täglichen Flügen über die Berge hinflogen, und 
wie sehr sie bestrebt waren, die Gunst des Geländes auszunützen. 

Um diese Zeit schofs mir Rittmeister Reichard einen weifs- 
köpfigen Geier und schenkte ihn mir für meine Sammlung. 
Damit war unsere Freundschaft begonnen. Wir beschlossen, eine 
gröfsere gemeinschaftliche Jagd im Salanschack zu veranstalten. 
Wir wollten den nächsten Schnee abwarten und diesen dann 
gründlich ausnützen. Anfang Februar machte ich noch einmal 
mit meinem Esel eine Vorexkursion dorthin, um ja alle Wege 
gründlich kennen zu lernen. Die nächsten Tage waren von 
herrlichem Frühlingswetter beglückt. Man konnte überall am 
Vardar aus den Büschen den Gesang von Meisen, Rotkehlchen, 
Hänflingen, Girlitzen, Stieglitzen und Weidenlaubsängern hören. 
Bei Grazko lachten die Grünspechte schon ganz laut. Es waren 
dort einige wenige hohe Bäume auf der linken Vardarseite, wo 
sich Meisen, Baumläufer und Spechte gerne herumtrieben. Auch 
Grauammern waren dort in gröfserer Zahl und sangen an schönen 
Tagen ihr einförmiges Lied. Eine Fahrt nach Drenovo führte 
durch die tierarme Adlerschlucht, die ebenso vegetationslos und 
felsig aussah wie die weitere Umgebung Grazkos. Aufser Wasser- 
amseln, die dort ziemlich reich vertreten waren, sah man fast 
keine Vögel. Inzwischen war auch noch mein Bruder angekommen, 
der mir von der Heeresverwaltung als Assistent zugeteilt wurde. 


108 


Otto Fehringer: 


Ich führte ihn gleich in unsere Jagdgründe bei Miletkovo, wo 
es immer noch viele Enten gab und wo neben den Weidenlaub- 
sängern auch der Seidenrohrsänger in vollem Gesang war. Feld- 
lerchen zogen in Scharen von 30—40 Stück lockend herum, 
während man Haubenlerchen bei schönem Wetter schon voll im 
Gesang geniefsen konnte. Kiebitze, Stare und Wachholder- 
drosseln waren in grofsen Scharen auf den Wiesen und Feldern 
nördlich des Auwaldes von Miletkovo. Der Auwald selbst machte 
durch sein Vogelkonzert an diesen schönen Tagen schon einen fast 
frühjahrsmäfsigen Eindruck. Rotkehlchen, Seidenrohrsänger, Gir- 
litze, Hänflinge, Grauammern mischten ihren Gesang mit dem der 
Feldlerchen, die vom Boden aus und in der Luft sich schon 
recht fleifsig hören liefsen. Die Temperaturen waren über Mittag 
schon recht angenehm. Man hoffte auf ein schönes Frühjahr. 
Aber es sollte sehr bald anders werden. An Gegensätze war 
man ja schon einigermafsen gewöhnt. Dafs man aber nach den 
schönen warmen Tagen einen derartig harten Schneewinter noch 
durchzumachen hatte, ging doch über alle Erwartung. 

Am 15. Februar setzte zunächst leichter Schneefall ein, und 
sofort verständigte ich mich mit dem Rittmeister Reichard wegen 
der besprochenen Jagd im Salanschack. Es hatte die ganze 
Nacht hindurch mäfsig geschneit, und am Morgen des 16. Februar 
lag eine leichte Schneedecke von cirka 6 cm, als wir aufbrachen. 
Im ganzen waren wir zu sechs, die zusammen eine malerische 
Karawane bildeten. Dem Rittmeister und seinem Burschen 
folgten wir beiden Brüder, und die Karawane wurde beschlossen 
durch unsere beiden braven Tragtiere, die mit allem Nötigen 
für eine viertägige Reise bepackt waren. Einer von ihnen trug 
sogar noch einen Kanonenofen samt den notwendigen Ofen- 
röhren. Wir freuten uns über den herrlichen Neuschnee und 
träumten von Wildschweinen und Wölfen, lieber Tag schneite 
es gemütlich weiter. Der Schnee wurde immer höher und be- 
reitete den Tragtieren und uns selbst immer gröfsere Schwierig- 
keiten, so dafs wir zuletzt nur noch sehr langsam vorwärtskamen. 
Der immer tieferwerdende Schnee hatte natürlich die an 
und für sich nur wenig ausgetretenen Pfade längst unsichtbar 
gemacht und die Landschaft derartig verändert, dafs es kein 
grofses Kunststück war, sich zu verirren, was wir redlich be- 
sorgten. Um 9 Uhr morgens waren wir aufgebrochen und um 
9 Uhr abends irrten wir noch im Schnee herum, ohne irgend 
welche Aufssicht auf ein Nachtquartier. Im Schnee zu über- 
nachten schien doch wenig ratsam. So beschlossen wir, wenigstens 
immer in Bewegung zu bleiben, bis wir irgend etwas passendes 
gefunden hätten. Aber wir gerieten in eine Mulde, die so von 
Schnee erfüllt war, dafs unsere Esel mit dem besten Willen 
nicht mehr weiter konnten, da ihnen der Schnee bis an den 
Hals ging und sie grofse Schneemassen mit ihren Säcken vor 
sich herschieben mufsten. Wir waren notgedrungen zu einem 


i)ie Vogelwelt Macedoniens. 


109 


Stillstand gezwungen und gewahrten jetzt erst, dafs es inzwischen 
empfindlich kalt geworden war. Das Schneien hatte längst 
glücklicherweise nachgelassen. Wir hielten grofsen Kriegsrat 
und wufsten nichts schlaueres zu tun, als fünf Schufs aus einem 
Karabiner loszulassen, die in der einsamen Schneelandschaft 
mächtig wiederhallten. Die Schüsse hatten vor allem den Erfolg, 
dafs gar nicht weit von uns ein Hund anschlug und die Glöckchen 
einer Herde ertönten. Wir waren gerettet, denn nach kurzer 
Zeit fanden wir einen Gral, in dem eine Schaf- und Ziegenherde 
nächtigte. Nach Landessitte war ein viereckiger Raum durch 
Flechtwerk eingezäunt und der Zaun nach dem Innenraum so 
schief gestellt, dafs er gleichzeitig als Schutzdach diente. Der 
Eingang war durch eine primitive Türe aus Flechtwerk ver- 
schliefsbar. In diesem Raum wurden die Tiere des Nachts zu- 
sammehgetrieben, während der Hirte in einer am Eingang des 
Grals erbauten Hütte mit seinem Hund zusammen übernachtete. 
Diese Hütte bestand im vorliegenden Falle aus pyramidenförmig- 
zusammengestellten Baumstücken ohne jegliche Tür, wenn man 
nicht eine lose vor dem Eingang aufstellbares Holzstück so be- 
zeichnen will. In der Mitte dieser äufserst primitiven Hütte 
kohlte ein Baumstumpf und verbreitete eine behagliche Wärme, 
aber einen ungemütlichen Rauch. Der Raum war gerade grofs 
genug, dafs sich zur Not ein Mensch zusammengerollt schlafen 
legen konnte. Auf unsere Schüsse hin hatte der Hirte samt 
Hund wohl einen Ueberfall vermutet und waren verschwunden. 
Wir konnten nur noch im Schnee ihre Spuren erkennen. So 
hatten die beiden uns ihr Nachtquartier überlassen. Wir be- 
gannen uns häuslich einzurichten. Die Platzfrage war sehr bald 
erledigt, indem wir uns ja gerade in Hockerstellung um das 
Feuer gruppieren konnten. Die Esel wurden von ihrem Gepäck 
befreit und samt den Sätteln im Gral untergestellt; sie zogen 
es aber vor, im freien Mittelraum zu übernachten. Am nächsten 
Morgen aber zeigte sich auf ihren Sätteln eine Schneedecke von 
nahezu 40 cm, denn es hatte in der Nacht wieder lustig ge- 
schneit. Davon merkten wir in unserer herrlichen Behausung 
allerdings nichts, denn wir schliefen bald alle fest, obwohl wir 
alle zwei Stunden uns in der „Feuerwache“ ablösten. Wenigstens 
besorgten wir unseren Feuerdienst mehr im Schlafzustand als 
mit Bewustsein. Jedenfalls wurde das Feuer erhalten, und wir 
Überstunden die Nacht ohne weitere Fährnisse. Am nächsten 
Morgen waren wir alle ziemlich steif und mufsten uns erst all- 
mählich wieder einrenken. Nachdem wir gefrühstückt hatten 
und uns die herrliche Schneelandschaft betrachteten, kam ein 
Eingeborener auf einem Maulesel aus dem Dorfe Ric, um nach 
seiner Herde zu sehen. Nachdem er die Bescherung gesehen 
hatte, war er hoch befriedigt, denn der entflohene Hirte wird ihm 
wohl eine schöne Räubergeschichte vorgemacht haben. Wir ver- 
ständigten uns über den Weg nach seinem Dorfe, und er lud 


lio 


Otto B^ehringer; 


uns als Bürgermeister ein, in seinem Dorf die nächste Nacht zu 
verbringen. Zwar wollten wir eigentlich unsere Jagdhütte er- 
reichen, aber wir sahen doch bald ein, dafs es vernünftiger war, 
die nächste Nacht beim Bürgermeister von Ric zuzubringen. 
Die Sonne schien, und die Schneelandschaft war ganz herrlich. 
Wir brauchten nur die Fufsspuren des Maulesels zu verfolgen 
und mufsten schon nach Ric kommen. Am Nachmittag langten 
wir auch ziemlich müde dort an, denn wir mufsten alle vier 
vorausgehen und unsern Eseln den Weg bahnen, sonst hätten 
diese nicht folgen können. In Ric wurden wir gastlich auf- 
genommen, jedoch merkte man sehr den Unterschied zwischen 
hier und der Aufnahme bei Türken. Das ganze Dorf war von 
Südserben bewohnt, und die Leute waren nicht übermäfsig freund- 
lich. Auch scheint die Bevölkerung nicht besonders wohlhabend 
zu sein. Der Wohnraum des Bürgermeisters war eirr weifs- 
getünchtes Zimmer ohne jegliche Einrichtung, und hatte in der 
Mitte der einen Wand ein primitives Kamin, in dem das Feuer 
Tag und Nacht brannte. In diesem Raum wurde gekocht, ge- 
gessen, gewohnt und geschlafen. Es unterschied sich vorteihaft 
von den Wohnungen der andern Ortsbewohner, denn diese be- 
herbergten in dem einzigen Raum ihres Hauses meist noch ihr 
Vieh. Am Abend holten sich die Familienmitglieder aus einer 
Ecke des Zimmers aufgestapelte Decken und Felle, breiteten 
diese längs der einen Wand aus und legten sich hier schlafen. 
Die andere Wand gegenüber wurde uns als Schlafraum bedeutet. 
Wir machten uns hier unser Lager zurecht und folgten insofern 
dem Beispiel der Eingeborenen, als wir uns ebenfalls nicht aus- 
zogen. Die Nacht verlief ohne gröfsere Zwischenfäl'e, wenn man 
von den Wanzen und Flöhen, die trotz der Jahreszeit merk- 
würdig mobil waren, absieht. Am nächsten Morgen gelang es 
uns, einen Mann zu nHeten, der in der Köhlerei Halils scheinbar 
schon tätig war und den Weg nach dem Salanschack kannte. 
Er führte uns auch glücklich hin, und wir waren also endlich 
am Abend des dritten Tages an unserem eigentlichen Bestimmungs- 
ort angelangt. Der Weg dahin war ganz herrlich, denn die 
Schneelandschaft war äufserstabwechslungsreich. Wir mufsten eine 
Zeit lang durch ein flaches Tälchen wandern, durch das ein Bächlein 
flofs, an dessen Ufern sich die Vögel der ganzen Gegend zu- 
sammengefunden hatten. Dort hielten sich Wachholderdrosseln, 
Singdrosseln, Rotdrosseln, Amseln, Eichelhäher, Elstern, Kiebitze, 
Zaunammer, Zippammern, Goldammern, Buchfinken, Bergfinken 
und andere Vögel auf, die auf Insekten Jagd machten, die frisch 
aus dem Wasser ausgeschlüpft waren und nach kurzem Flug 
im hohen Schnee des Ufers landeten. Es war ein buntes Vogel- 
leben, und ihre Nahrung war sehr reichlich. Eine andere Er- 
scheinung in der Vogelwelt war aber noch viel auffallender. 
Viele Schwärme von Amseln, Drosseln, Kiebitzen und Hohltauben 
in Stärke von 20—40 Stück zogen genau in der Richtung von 


Die Togelweit Macedoniens. lil 

Westen nach Osten, als ob sie auf diese Weise dem Schnee ent- 
rinnen könnten. Von den vorbeiziehenden Taubenschwärmen 
gelang es, vier Stück herunterzuholen. Es waren alles Hohl- 
tauben. Wir machten es uns in unserer Jagdhütte gemütlich, 
sparten nicht mit unseren Vorräten, da wir beschlossen, am 
nächsten Tage nach Hudova zurückzukehren und diese Jagd als 
ergebnislos zu buchen. Aber es kam, wie so oft, etwas anders; 
denn am nächsten Morgen versagte unseren Eseln die Kraft 
und sie waren aufser Stande, mit dem Gepäck noch weiter bergan 
zu gehen, obwohl wir sie bisher noch sehr gut gefüttert hatten. 
Wir hielten abermals grofsen Kriegsrat und hatten nur zwei 
Möglichkeiten, entweder mufsten wir die Esel samt dem Gepäck, 
das wir nicht selbst tragen konnten, opfern und allein nach 
Hudova zurückkehren, oder aber wir mufsten uns trennen, denn 
Rittmeister Reichard mufste an diesem Tage nach Valandova 
zurückkehren, da sein Urlaub abgelaufen war. Unser Proviant 
reichte noch notdürftig für diesen Tag. Rittmeister Reichard 
machte sich allein auf den Weg und gelangte spät am Abend 
nach Hudova, von wo aus er noch rechtzeitig zu seiner Truppe 
kam. Meinen Bruder und den Burschen liefs ich allein mit den 
kärglichen Resten der Nahrung in der Hütte zurück und machte 
mich auf den Weg nach Strumiza, das ich nach mühseligem 
Marsch gegen Abend erreichte. Dort besorgte ich mir zunächst 
bei der bulgarischen Kommandantur Lebensmittel und hoffte 
auch am nächsten Tag Pferde aufzutreiben. Die Telephon- 
leitungen nach Valandova waren gestört und erst am Mittag 
wiederhergestellt. Da in Strumiza sowohl von Bulgaren als auch 
von Türken keine Hilfe zu erwarten war, bat ich Rittmeister 
Reichard telephonisch um Hilfe. Er schickte mir sofort einen 
Burschen mit zwei prächtigen Reitpferden. Die Hilfe traf noch 
am selben Abend ein, und nach einer weiteren Nacht in Stru- 
miza konnten wir morgens nach dem Salanschack abreiten. Der 
Ritt war nicht ganz ungefährlich, denn die Wege waren durchaus 
nicht für deutsche Reitpferde geeignet. Je näher wir an unsere 
Jagdhütte kamen, desto schwieriger wurde das Gelände. Die 
zweite Hälfte des Weges mufsten wir die Pferde führen. In der 
Zwischenzeit hatten die zurückgebliebenen Jagdgenossen samt 
den beiden Eseln etwas Erfahrung gesammelt über das Kapitel 
Hunger. Der Proviant, den ich aus dem bulgarischen Magazin 
Strumizas mitbrachte und der zum gröfsten Teil aus Hammel- 
talg und Maisbrot bestand, war keineswegs als gute Nahrung 
anzusprechen. Ich habe aber selten gesehen, dafs Nahrungs- 
mittel mit gröfserem Behagen verzehrt wurden als an jenem 
Abend in unserer Jagdhütte. Auch unsere Esel bekamen jetzt 
wieder genügend Nahrung, das sie mit den Pferden teilen 
durften. So herrschte am Abend wieder eine ganz behagliche 
Stimmung, und am nächsten Morgen wurde die endgültige Heim- 
reise angetreten. So kamen wir am 7. Tag wohlbehalten nach 


112 


Otto Pehringer? 


Hause und hatten als einzige Beute eine schöne Wildkatze, 
die wir am letzten Morgen noch erbeutet hatten. Unser Einzug 
in Hudova erregte grofses Staunen, denn man hielt uns schon 
für verloren. 

Der hohe Schnee dauerte noch einige Zeit an und gab uns 
noch Gelegenheit in der Hudovaehene viele ornithologische Be- 
obachtungen zu machen. Die gesamte Vogelwelt konzentrierte 
sich in die Umgebung der menschlichen Behausungen; besonders 
die Umgebung des Viehdepots in Hudova war der Sammelplatz 
zahlreicher Vogelarten. Buchfinken, Bergfinken und Heidelerchen 
waren oft beisammen. Auch Feldlerchen und Haubenlerchen be- 
fanden sich oft in einer Gruppe. Doch hielten die Kalanderlerchen 
unter sich am besten zusammen. Einige von ihnen sangen sogar 
bruchstückweise feldlerchenartig. Jegliche Scheu hatte aufge- 
hört. Kam man den Kalanderlerchen zu nahe oder schofs gar 
einige aus dem Schwarm heraus, so flog der ganze Schwarm mit 
lauten Lockrufen davon, um sich aber nach einer Schwenkung in 
der Nähe des ersten Platzes niederzulassen. Man konnte, wenn 
man wollte, ein und denselben Schwarm öfter hintereinander mit 
Erfolg beschiefsen. Auffallend war der bedeutende Gröfsen- 
unterschied zwischen Männchen und Weibchen, der sich be- 
sonders beim Fluge zeigte. Die Lerchen waren zu dieser Zeit 
alle recht fett. Anderen Vögeln ging es weniger gut. Rot- 
kehlchen und Braunellen, Wachteln und Amseln fand man ver- 
hungert. Auch eine Ringeltaube erlitt das gleiche Schicksal. 
Die Raubvögel hatten es jetzt besonders gut, denn es war ihnen 
leicht, halbverhungerte Vögel in Menge zu erbeuten. So erhielt 
ich einen Mäusebussard, der neben zwei kleineren Vögeln, die 
er noch im Kropfe hatte, im Magen die Reste von einer Taube 
zweier Amseln und anderer Vögel aufwies. Er war sehr fett 
Viele Vögel waren jetzt leicht lebend zu fangen. Überall hatten, 
die deutschen Soldaten ihr tierschützlerisches Herz entdeckt 
und hielten in primitiven Käfigen Singvögel, um sie über die 
schwere Zeit durchzufüttern. Besonders häufig sah man Zaun- 
und Zippammern. Nach reichlicher Beute verschwand der Schnee 
zuerst aus der Ebene, und diese wurde mal wieder in den üb- 
lichen braunen Morast verwandelt. So konnte man getrost 
einige Tage die Hudovaebene verlassen und sich anderweitig 
Quartiere für spätere Unternehmungen ausmachen. Am 27. Februar 
hatte ich Gelegenheit, in Uesküb einen Fackelzug mitanzusehen, 
der zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Zaren Fer- 
dinand von Bulgarien veranstaltet wurde. 

Am Anfang März war in der Hudovaebene wieder schönstes 
Frühlingswetter, und allenthalben sangen die Haubenlerchen, 
Weidenlaubsänger, Seidenrohrsänger, Gold-, Grau- u. Zaunammern, 
Feldlerchen, Braunellen, Rotkehlchen und Zaunkönig. Schwarz- 
kehlchen belebten jetzt in grofser Zahl die steinigen Hänge. Die 
nächsten Tagen verbrachte ich in Valandova bei Rittmeister 


jOie Vogelwelt Macedoniene. 


US 

Keichard. Interessant waren die Felsenkleiber in der Nähe der 
durchlöcherten Kalkfelsen, die den Dohlen zum Wohnsitz dienen. 
In den Gärten sangen die Trauermeisen und Rotkehlchen um die 
Wette. Buntspechte und Singdrosseln lockten fleifsig. An den 
Hängen aufserhalb des Dorfes sangen Stieglitze und Schwarz- 
kehlchen. In den überschwemmten Gebieten der Ebene sah man 
Waldwasserläufer, Brachvögel und viele Enten. Es war diesen 
aber wegen des offenen Geländes nicht beizukommen. Hoch 
oben in der Luft sahen wir einem Fliegerkampf zu. Ein Falke, 
vermutlich eine Baumfalke, stiefs auf eine Haubenlerche, die 
schon einige Zeit singend in der Luft war. Die Lerche wich ihm 
mit grofser Geschicklichkeit aus. Nachdem er es einige Male 
vergeblich versucht hatte von oben die Lerche zu fassen, ver- 
suchte er es scheinbar an ihr vorbeizustofsen und sie durch eine 
plötzliche Wendung halb von unten halb von der Seite zu fassen. 
Jedesmal aber stiefs er vorbei und mufste sich immer wieder 
von Neuem erheben, um den Stofs von oben beginnen zu können. 
Jedesmal, wenn der Falke sich erhob, versuchte die Lerche ein 
Stück tiefer zu kommen, hielt aber sofort im Abwärtsflug an, 
wenn der Falke sich zu neuem Stofs anschickte. Nachdem sich 
dieses Spiel einige Male noch wiederholt hatte, war die Lerche 
dem Boden so nahe gekommen, dafs sie sich nach dem letzten 
Fehlstofs des Falken auf den Boden herablassen konnte, wo sie 
inmitten einer Schafherde landete und so ihrem Schicksale für 
diesmal entgangen war. Hätte sich die Lerche nach dem ersten 
Angriff gleich zum Boden herabgelassen, so hätte der Falke 
sicherlich diese nachstürzend erreicht, bevor sie auf dem Boden 
gelandet wäre. 

Im Nicolatal herrschte jetzt Frühling. Ganze Rasen waren 
voller Anemonen und Krokus, und überall blühten die Veilchen, 
lieber den Halden sangen die Heidelerchen. Trauermeisen, 
Buchfinken und Gebirgsbachstelzen liefsen sich fleifsig hören. 
Amseln flöteten ihre schwermütigen Weisen. In Gradsco erhielt 
ich einen prächtigen Uhu. Aufserdem bekam ich von dort her 
noch eine weitere Hilfskraft. 

Gegen Ende des Monats führte mich mein Weg nach Kuma- 
novo, nördlich von üesküb. Die Gegend war öde und bot wenig 
landschaftliche Reize. Westlich von Kumanovo lag auf einem 
Berge über 1000 Meter hoch eine Klosterruine, die man in einer 
gröfseren Tagesfahrt besuchen konnte. Die Vegetation dieser 
Berge war abweichend von den meisten Bergen gleicher Höhe 
des südlichen Macedoniens, da hier die Laubhölzer vorherrschten. 
Nur war der Holzreichtum ein geringer, und alle grofsen Bäume 
waren längst den Weg alles Holzes gegangen. Der Vogelreich- 
tum war kein grofser, allerdings war die Gegend noch recht 
winterlich. Wir konnten bei diesem Ausflug beobachten Kaiser- 
und Steinadler, Turmfalke und Sperber, Nebelkrähen, Dohlen, 
Elstern und Eichelhäher, Grünspechte, gelbe und weifse Bach- 

Joum. f. Om. LJLX, Jitbrg. Juiaar 1932. B 


Otto Fehringer i 


lu 

stelzen, Rotkehlchen, Zaunkönig und Gartenbaumläufer, Blut- 
hänflinge, Zaun- und Grauammern, Schwarzkehlchen und Pieper, 
Feld- und Heide- und Kalanderlerchen. Letztere balzten und 
sangen auf der ganzen Ebene um Kumanovo herum. Es gab 
ganz vorzügliche Spötter unter ihnen. 

In den nächsten Tagen konnte man in der Hudovaebene den 
Einflufs des Wetters auf die Vogelwelt beobachten. An schönen 
Tagen war die ganze Gegend voll herrlichen Vogelgesangs, 
während an kalten Tagen die ganze Gesellschaft aufgeplustert 
herumsafs oder in Schwärmen herumstrich. Gegen Ende März 
setzte Schneefall ein. Zippammern, Singdrosseln, Wintergold- 
hähnchen, Braunellen, Rotkehlchen und Heidelerchen kamen 
wieder vor die Türen unserer Wohnungen. Während dieser nafs- 
kalten Tage fielen in der Ebene die Misteldrosseln, Amseln, 
Singdrosseln und Ringdrosseln auf. Der Auwald von Miletkovo 
wimmelte in dieser Zeit von Drosseln, die während der schlechten 
Witterung dort Zuflucht suchten, um bei Eintritt besseren Wetters 
und südlicher Winde ihre Wanderfahrt nach Norden weiter fort- 
zusetzen. Vor allem fielen die W^achholderdrosseln auf, in deren 
Gesellschaft sich auch Stare aufbielten. Heidelerchen, Feldlerchen 
und Hänflinge flogen in Schwärmen. Auch Amseln waren an 
manchen Stellen so zahlreich, dafs man sie für Zugvögel halten 
mufste. 

Nach kurzem Aufenthalt in üesküb, in dessen Umgebung 
einige Touren gemacht wurden, kehrte ich wieder nach Hudova 
zurück, weil jetzt hier der Frühjahrszug mit Gewalt einsetzte. 
Schwalben, Steinschmätzer, Steindrosseln, Kuckucke, kurzzehige 
Lerchen, Gartenrotschwänze, Nachtigallen, Dorngrasmücken, 
Klappergrasmücken waren bis zum 6. April alle da. Das Wetter 
war günstig, und die Vorberge der Plaus-Pianina und die Hudova- 
ebene konnten nach allen Richtungen durchstreift werden. Die 
Zippammern waren jetzt endgültig aus der Ebene verschwunden. 
Rotkehlchen, Braunellen und Amseln machten sich schon sehr 
selten. Einige Singdrosseln hörte man Morgens noch halblaut 
singen, aber auch diese waren bald verschwunden. Baumpieper, 
Halsband- und Trauerfliegenschnäpper brachten Abwechslung ins 
Landschaftsbild. Besonders die Fliegenschnäpper waren im 
Arazlital sehr auffallende und zahlreiche Gäste, die aber nach 
einigen Tagen spurlos verschwunden waren. Auch Wintergold- 
bähnchen strichen noch zahlreich. Ueber meiner Wohnung 
machten täglich die Kolkraben paarweise ihre Liebesspiele. Als 
dann noch am 8. und 9. April Schwarzköpfe und Orpheusgras- 
mücken angekommen waren und fleifsig sangen, verschwanden 
die Töne der weniger Begabten. Trauermeisen bauten schon 
fleifsig in den hohlen Platanen ihre Nester. Wiedehopfe hupten 
fleifsig. Das Heer der Körnerfresser, besonders Hänflinge, Gir- 
litze und Distelfinken waren überall anzutreffen und zu hören. 
Zwei Mal wurden yorüberfliegende Zeisige gesehen und gehört. 


t)ie Vogelwelt Macedoniens. 


ilS 


Flufsregenpfeifer belebten das breite jetzt fast ausgetrocknete 
Strombett des Arazlibaches, der längst wieder seine normale be- 
scheidene Gröfse angenommen hatte. Graue Fliegenschnäpper 
kamen nun noch dazu^ während die Anzahl der vorhin erwähnten 
schon merklich abnahm. Am 12. April erschienen gegen Abend 
die Bienenfresser. Es war eine, Schar von ungefähr dreifsig 
Stück, die hoch oben ihre Kreise zogen und unaufhörlich ihre 
Locktöne hören liefsen. Sie waren mit frisch einsetzenden süd- 
lichen Winden als Vortrupp erschienen, während die Hauptmasse 
erst später kam. Die Buchfinken, die in den letzten Tagen des 
März meist paarweise gesehen wurden und sich auch schon wie 
an ihren Brutplätzen hitzig bekämpften, waren zu Anfang des 
April alle aus den Ebenen verschwunden und hatten sich in die 
höhergelegenen Gegenden zurückgezogen. Den tiefstliegenden 
Brutplatz fand ich im Nicolatal nicht weit vom Vardar entfernt. 
Anfang April bauten sie dort schon ihre Nester mit Vorliebe auf 
die horizontalen dicken Aeste der Platanen. Das ganze Nicola- 
tal war erfüllt von Buchfinkenschlag. Desgleichen sangen dort 
um die Mitte April Nachtigallen, Misteldrosseln, Amseln, Schwarz- 
köpfe, Orpheusgrasmücken und Baumpieper. Die Ausflüge dort- 
hin waren jetzt recht lohnend. 

Ortolane, Braunkehlchen und Rotkopfwürger waren neu hinzu- 
gekommen. Während die Braunkehlchen sich nur kürzereZeit in der 
Ebene singend und sich neckend aufhielten, um dann an ihre hochge- 
legenen Brutplätze zu verschwinden, blieben Ortolane und Rot- 
kopfwürger in der Ebene und an den Hängen zurück und 
wurden noch in den nächsten Tagen immer häufiger. Auch 
Brachpieper, Waldlaubsänger und Trauerfliegenschnäpper rückten 
jetzt ein. Sie liefsen sich bei schönem Wetter strophenweise 
hören. Während der Zug noch in vollem Gange war und täg- 
lich wechselnde Bilder brachte, safsen viele der einheimischen, 
frühangekommenen oder überwinternden Vögel schon längst auf 
ihren Eiern, besonders Stare und Trauermeisen. Fitislaubsänger 
und Weidenlaubsänger sangen im Nicolatal so fleifsig, als ob sie 
hier Brutvögel wären. Später aber waren auch sie dort ver- 
schwunden. Eine aufiallende Erscheinung waren die Turtel- 
tauben, die vom 18. April ab überall zu sehen waren. Sie 
hielten sich am Anfang an allen möglichep und unmöglichen 
Plätzen auf und zogen sich erst allmählich in ihre Brutplätze zurück. 
Mehl-, Ufer- und Nachtschwalben hatten sich nun auch eingestellt. 

Eine herrliche Fahrt in die Berge am Doiransee zeigte die 
Braunkehlchen auf ihrer Wanderung nach den Höhen. In den 
Ebenen hatten sie sich jetzt recht selten gemacht und trieben 
sich neckend in mittleren Höhen umher. Bei Kizildoganli 
waren sie recht häufig. Blauracken waren zurückgekehrt und 
brachten Farbe ins Landschaftsbild. Während des Durchzugs 
liefs sich auch mal ein Gelbspötter hören und sehen, der aber 
bald spurlos verschwunden war. 


8 ^ 


Il6 


Otto Fehriügef: 


Im Auwald von Miletkovo waren vom 20. April ab die 
Pirole sehr häufig, während sich die rotrückigen Würger 
gleich nach ihrer Ankunft überall verteilten und an allen mög- 
lichen und unmöglichen Plätzen zu sehen waren. In der Ebene 
hatten sich die meisten Vögel zur Brut angeschickt. An Plätzen, 
die in der Nähe der vorjährigen lagen, war eine kleine Brut- 
kolonie des Weidensperlings. Beutelmeisen bauten fleifsig an 
ihren kunstvollen Nestern. Schwarzstirnwürger, Schilfrohrsänger 
und Kappenammern gehörten zu den letzten zurückkehrenden 
Vögeln, während die Stare zu dieser Zeit schon ihre halber- 
wachsenen Jungen fütterten. 

Anfang Mai wurde eine gröfsere Fahrt in die Gegend Bar- 
lova-Sermenli-Kojnsko unternommen. Diese Gegend war völlig 
verschieden von den bisher besprochenen. Denn nachdem wir 
die Steinhänge verlassen hatten, gelangten wir in richtiges Wald- 
gebiet, wo deutsche Kolonnen lagen und wo wir gastlich empfangen 
wurden. Unter uralten Platanen strömte ein Gebirgsbach, den 
wir abends bei Fackelschein nach Krebsen absuchten, die sehr 
zahlreich vorkamen. In den Höhlungen der Platanen brüteten 
häufig die grauen Fliegenschnäpper und Steinkäuzchen, die uns 
nachts ein liebliches Konzert gaben. Der Hochwald oberhalb 
Borlova, den wir durchstreiften, war wie ein deutscher Wald. 
Buchen und Eichen bildeten den Hauptbestand. An manchen 
Stellen war er noch wirklich urwaldmäfsig, und gefallene Baum- 
riesen moderten am Boden. Auf kleinen Lichtungen prangten 
üppige Blumenwiesen und manche Stellen waren von Orchideen 
ganz übersät. Im Buchenhochwald traf man Kirschkernbeifser, 
die den Kropf ganz voller grüner Raupen hatten, um ihre kleinen 
Jungen damit zu füttern. Schwarzspechte riefen ihr gedehntes 
Signal und flogen mit lautem grü-grü-grü-grü-grüpü davon. 
Der Wald war so dicht, dafs es unmöglich war, an sie heranzu- 
kommen. Amseln und Singdrosseln sangen hier an ihrem Brut- 
platz sehr fleifsig. Turteltauben, Blaumeisen und Kleiber waren 
zahlreich. Schwarze Störche waren paarweise zu sehen. Wasser- 
amseln und Gebirgsbachstelzen belebten den Bach bis hoch ins 
Gebirge. Auf den Höhen waren grofse Eichenwälder, in deren 
Schatten Maiblumen, Salomonssiegel und Bärenlauch wuchsen. 
Andere Hänge waren vorwiegend mit Buchen bestanden. Hoch oben 
auf einer freien Bergwiese hatte man einen prächtigen Blick nach 
Süden, und der Doiransee und der Ardzansee lagen friedlich zu 
unseren Füfsen, während man im Hintergründe den Götterberg 
Olymp stolz emporragen sah und auf dem Golf von Saloniki die 
Dampfer mit dem Marineglas beobachten konnte. Beim Abstieg 
mufsten oft grofse Schwierigkeiten überwunden werden, denn es 
fehlten Weg und Steg. Wir kletterten mühsam durch eine dicht- 
verwachsene Schlucht abwärts. Zaunkönige und Meisen schimpften 
über die hier sicherlich seltenen Gäste. In der Nähe unseres 
Quartiers, das höchstens 500 m hoch lag, baute ein Steinrötel 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


117 


in einer Felsenschlucht ungefähr 10 Meter über dem Boden 
der Schlucht. Am Abend wurde trotz der anstrengenden Tages- 
arbeit noch der Krebsfang bei Fackelschein ausgeführt, wobei 
uns 72 Krebse zur Beute fielen. Es waren herrliche Tage in 
diesem Waldgebiet, und eine solche Stelle wäre sehr geeignet 
zur Errichtung eines Erholungsheimes. 

In der zweiten Hälfte des Mai war der Auwald von Milet- 
kovo voller Vögel. Störche hauten auf einer Weide ihr umfang- 
reiches Nest. Es war höchstens sechs Meter vom Boden ent- 
fernt und bequem zu besteigen. Seidenreiher zogen über dem 
Wald ihre Kreise. Krähen und Dohlen safsen auf den Eiern. In 
der Ebene schlugen Wachteln. Am Bergesrand waren die Jungen 
der Weifsbartgrasmücken am 15. Mai gerade ausgeflogen. 

Vom 16. Mai ab siedelte ich nach Uesküb über, wo mir 
mit meinen Leuten zusammen ein ganzes Haus zur Verfügung 
gestellt wurde. Die Einrichtung erhielt ich von einem Lazarett. 
Nur die Wanzen waren vorhanden. Von hier aus wurden zu- 
nächst einmal die Sumpfgegenden südlich von Uesküb bis zum 
Katlanowosee besucht, die eine ungemein reichhaltige Vogelwelt 
bargen. Rohrammern und Rohrsänger waren hier sehr häufig. 
Die Rohrammern waren die Form des Gimpelammers, der in 
seinem Lockton unserem Rohrammer sehr ähnlich war und auch 
einen ähnlichen stammelnden Gesang hören liefs. Die Sumpfrohr- 
sänger waren besonders in kleinen Gehölzen, die mit Weiden 
bestanden waren, recht häufig. Einige waren ganz vorzügliche 
Spötter. Die Schilfrohrsänger machten eifrig ihren Schwebeflug, 
wobei sie ihren Gesang vortrugen. Neben dem typischen Rohr- 
sängergesang verfügen sie über einige hellklingende volle Töne, 
die dem Gesang mehr Abwechselung verleihen. Oft fangen sie 
ihre Strophen mit dem Lockton der Maskenstelze au, die dort 
ungemein häufig ist. Besonders die Paare der Maskenstelzen, 
die schon erwachsene Junge haben, sind sehr aufgeregt, wenn 
man sich ihrem Brutplatze nähert. Zwischen hinein ertönt all- 
überall das unablässige Geschwätz der Teichrohrsänger. Alle 
werden übertönt durch das laute Geknarre der Drosselrohrsänger, 
Besonders im Schilfwald des Katlanovosees waren sie sehr häufig. 
Aber auch an Plätzen, wo die Gräser auf fast trockenem Unter- 
grund standen, waren sie anzutreffen. Grofse und kleine Kor- 
morane, Rohrweihen und Wiedehopfe sah man dort auf Schritt 
und Tritt. Grünfüfsige Teichhühner schwammen auf den kleinsten 
Tümpeln und Gräben herum, die oft ganz voll von herrlich- 
blühenden Wasserranunkeln waren. Auf diesem Pflanzengewirr 
sonnten sich Ringelnattern, die sich beim Herannahen aufrollten 
und geräuschlos im Wasser verschwanden. Zwischen den See- 
rosen des Katlanowosees schwammen die Taucherchen. Zwerg- 
rohrdommeln, Purpurreiher, Fischreiher und Moorenten erhoben 
sich aus dem Schilfwald. Es war ganz unmöglich bis an ihre 
Brutplätze vorzudringen, so dicht war das Pflanzengewirr. Auch 


IIS 


Otto Fehringers 


mit den Einbäumen, die am Ufer einsam und verlassen standen, 
konnte man nicht weit in den Schilfwald eindringen. Beutel- 
meisen waren an ihren Locktönen weithin hörbar. Bei Marzalick 
war ein grofses ausgedehntes Sumpfgebiet, in dem Silberreiher, 
Purpurreiher und andere so zahlreich brüteten, dafs sie die 
Störenfriede in grofser Anzahl aber aufser Schufsweite um- 
kreisten. Sie hatten die Nahrungssuche- dort wirklich sehr 
leicht, denn an den Rohrstengeln und Schilfblättern safsen junge 
Laubfrösche in derartig grofser Anzahl, dafs man sie zentner- 
weise hätte einsammeln können. Auch Störche waren dort sehr 
häufig. Sie hatten auf den einzelnen hohen Bäumen in der 
Nähe der Gehöfte oft vier bis fünf Nester nahe beiander. In 
der Nähe Ueskübs befand sich eine Lehm- und Kiesgrube, die 
als Brutplatz der farbenprächtigen Bienenfresser und Blauracken 
von uns öfter besucht wurde. 

Die nächste Zeit galt gröfseren Ausflügen ins Vardartal 
und seinen Seitentälern. Das Bergwerk von Radusche und 
Orasche war ornithologisch sehr interessant. In seiner Umgebung 
brüteten besonders häufig die Pirole, die Blafsspötter und die 
östlichen Mittelmeersteinschmätzer. Auf dem Weg dahin traf 
man häufig Wiedehopfe. Die Dorngrasmücken waren jetzt 
wieder vorherrschend, da sie überall ihre zahlreiche Nachkommen- 
schaft herumführten. Elstern und Dohlen waren auch hier recht 
häufig. 

Eine Fahrt ins Nicolatal zu Anfang Juni zeigte hier schon 
grofse Veränderungen. Die Wiesen waren üppig mit Dolden- 
blüten, Winden, Wicken und Lippenblütlern bewachsen. Weifse 
Lilien, Johanniskräuter, Schafgarben und Skabiosen sorgten für 
die nötige Abwechselung. Auch Orchideen blüten unter den 
Lebensbäumen, den Feldahornbäumen und Buchsbäumen, Eschen, 
Hainbuchen und Eichen. Amseln, Gebirgsbachstelzen, Zaun- 
könige und Dorngrasmücken hatten Junge. An den Felsen des 
Vardartales safsen immer noch die Kolkraben und sperrten bei 
der Hitze ihre Schnäbel auf, und schwarze Milane zogen hoch 
oben ihre Kreise. Eine Tour ins Felsengebiet des eisernen 
Tores bei Demirkapu war zu dieser Zeit sehr interessant. Aas- 
geier, Weifskopfgeier und Bartgeier hatten hier an unzulänglichen 
Felsen ihre Brutplätze. Eine Blaudrossel machte ihre herrlichen 
Balzflüge von der Höhe des eisernen Tores aus bis hinunter zu 
den Felsen im Vardar. Ihr lautflötender Gesang war etwas ein- 
förmiger und melancholischer als der der Steinrötel. In den 
Felsennischen waren Kolonien von Felsenschwalben angesiedelt 
und hatten ihre Nester in Abständen voneinander an die Felsen 
angeklebt. Von der Ferne sahen diese Nester papierdünn aus. 
Oben auf den Höhen des eisernen Tores, in der Nähe des Dorfes 
Klisura, waren Felder angebaut. Beim Ueberblick über die Gegend 
hatte man den Eindruck einer Hochebene, die von einem tiefen 
Tal durchschnitten wird, ähnlich wie das bei manchen Stellen 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


119 


des Rheintals beim Durchbruch durch das Schiefergebirge er- 
scheint. Das Insektenleben war hier oben besonders reichhaltig. 
Nachtigallen, Seidenrohrsänger uud Grasmücken bildeten den 
Hauptbestand der Kleinvogelwelt. Der Abstieg durch Geröll- 
halden nach Demirkapu war sehr anstrengend. Weifsbartgras- 
mücken, Steinrötel, Steinschmätzer und Felsenkleiber herrschten 
hier vor. Von den letzteren waren die Retortennester überall 
an den Felsen zu sehen, aber nicht zu erlangen. 

In üesküb herrscht zu Anfang Juni in den umliegenden 
Gärten reiches Vogelleben. Grau- und Grünspechte lassen sich 
noch hören, und die Buntspechte trommelten fleifsig. Die Schul- 
jugend der Eingeborenen mifshandelt junge Dohlen und Elstern, 
die sje oft an Füfsen anbinden und herumziehen, ähnlich wie 
es unsere liebe Schuljugend oft heute noch mit den Maikäfern 
macht. Viele Herren der dortigen Offizierskasinos sind eifrige 
Jäger, und ich höre viel von deren Jagderfolgen. Grofstrappen, 
Zwergtrappen und zahlreiche Raubvögel waren von diesen er- 
beutet worden und als Jagdtrophäen erhalten geblieben. Es ist 
nur schade, dafs man keine Gelegenheit hat, von diesen ornitho- 
logischen Schätzen genaue Kenntnis zu erlangen. 

Am 10. Juni fuhr ich über Veles nach Prilep. Mancherlei 
Gerüchte über ein baldiges Kriegsende waren im Umlauf. In 
Bulgarien sollten damals schon häufig Hungerrevolten aus- 
gebrochen sein. Deshalb war es geraten, sich zu beeilen, dafs 
man noch möglichst viele Landschaftstypen kennen lernte. 
Herrlich war die Fahrt im Auto von Veles nach Prilep über 
den Bapunapafs. Die Felsenkuppen in der Umgebung Prileps 
waren von Felsensperlingen bewohnt, die hier einsam hausten. 
Schon bei Herannahen liefsen sie ihre ängstlichen Locktöne 
hören, die noch am meisten Aehnlichkeit mit denen der Girlitze 
hatten. In Prilep und seiner nächsten Umgebung waren Mauer- 
segler zu hören und zu sehen. Raubwürger befanden sich in 
den Gärten bei der Stadt. Dohlen und Elstern trieben sich auf 
den Feldern herum. Brachpieper und Haubenlerchen bewohnten 
die kurzrasigen Hänge, aus denen die nackten Felsen grau her- 
vorragten. Sie safsen mit Vorliebe auf diesen Felsen. Dem 
Kloster Treskovac statteten wir einen Besuch ab und wurden in 
seinen wohleingerichteten Räumen gastlich empfangen ünd be- 
herbergt. Der Aufstieg nach diesem Kloster wurde durch un- 
wegsames Felsgewirr gewählt und war sehr anstrengend. Ein 
überhängender Felsen mit einer darunter befindlichen Höhle war 
der Schlafplatz und Zufluchtsort von vielen Vögeln, wie man 
am Kot erkennen konnte. Vor allem scheinen Steinsperlinge 
und Steinschmätzer dort zu nächtigen. Heidelerchen waren an 
den Hängen überaus zahlreich. Felsenkleiber lockten und sangen 
und tummelten sich mit ihren Jungen an den Felsblöcken, die 
sie kopfauf und kopfab bekletterten. Nachtigallen und Dorn- 
grasmücken lebten hier, obwohl das Gebüsch äufserst spärlich 


120 


Otto Fehringer; 


war. An manchen Stellen waren die einzelnen Gebüschgruppen, 
die nur einige Quadratmeter Umfang hatten, über 100 Schritte 
auseinander, und jeder Busch enthielt seine Dorngrasmücke. 
Bluthänflinge brüteten in den Büschen und flogen weit weg auf 
Felder mit Unkrautsämereien, um sich die Kröpfe zu füllen für 
ihre schreienden Jungen. Auf den Rücken der Felsen hatte sich 
in ausgewaschenen Löchern Regenwasser angesammelt. Von 
weither kamen die Vögel zum Trinken und Baden. Zippammern 
brüteten auf den Kuppen und sangen von den Felsen herab ihre 
anmutigen Lieder. Der Gesang hat durchaus nichts ammerähn- 
liches, sondern erinnert an das Lied der Braunelle. Turteltauben 
und Elstern waren auf die höchsten Höhen hinauf zu beobachten. 
Die Elstern neckten eine Eule, die sie irgendwo aufgestöbert 
hatten. Oben in der Nähe des Klosters, das in 1400 m Höhe 
liegt, fand man Felsentauben, Dohlen, Turmfalken, Felsenkleiber 
und Blaudrosseln. Steinhühner und Wiedehopfe liefsen sich um 
das Kloster herum vernehmen. Weiter unten in der Nähe der 
Ruinen von Kalimarco flogen viele Schwalben herum. Die Rost- 
bürzelschwalbe war deutlich zu erkennen an dem rotbraunen 
Band um die Kopfplatte. Besonders wenn das Tier auf den 
Felsen ausruhte war es mit dem Glas sicher anzusprecheu. Im 
Fluge waren sie von den Rauchschwalben, die ebensfalls dort 
herumflogen, kaum zu unterscheiden. An den grofsen mächtigen 
Felsen machten die Steinrötel einen Eindruck wie die Rot- 
schwänze. In Prilep vergnügten sich einige Schuljungen mit 
jungen Alpendohlen, die sie auf den benachbarten Höhen wohl 
erbeutet haben müssen. Bei der Rückkehr über die Bapuna- 
strafse nach Veles fiel besonders ein schönes Gebiet mit dichterem 
Wald auf, wo sich das Erholungsheim Han-Abdipasa befand. 
Hier hörte man vor allem die herrlichen Ueberschläge der 
Schwarzköpfe. 

Bei Uesküb sangen jetzt wieder Nachtigallen und Schwarz- 
köpfe um die W’^ette, da sie sich zu einer neuen Brut anschickten. 
Rauchschwalben fütterten ihre ausgeflogenen Jungen, die in 
Bäumen und Gebüschen safsen. An den umliegenden Abhängen 
machten Brachpieper ihre netten Flugspiele. Buntspechte, Wiede- 
hopfe, Dohlen und Elstern fütterten ihre erwachsenen Jungen. 
Grün- und Grauspechte waren in den Gärten um Uesküb recht 
zahlreich. In den Pappeln horsteten die Turmfalken. Leider 
erlitten die Ausflüge damals öfter Unterbrechung durch eine üble 
Zahnfisteleiterung, die ich in Hudova mit Erfolg behandeln liefs. 
So mufste ich gegen Ende des Monats öfter zwischen Hudova 
und Uesküb die Bahn benutzen. 

Am 26. Juni wurden die Abhänge des Wodno nochmals be- 
sucht, wo jetzt überall zahlreiche Jungvögel waren. Besonders 
Kappnammern, Ortolane, Blafsspötter, Dorngrasmücken und rot- 
rückige Würger waren direkt häufig. In den Gärten bei Uesküb, 
die man das Paradies nannte, hörte man beim Heimweg am 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


m 


Abend die Grünspechte lachen und Pirole flöten. Ich übergehe 
hier alles, was Uesküb sonst noch bot, wie das bunte Marktleben, 
der Tanz der fanatischen Derwische, die bettelnden Zigeuner und 
die schreienden Strafsenhändler. Alles dies ist an anderen 
Orten ausgiebig geschildert. Erwähnen möchte ich nur einen 
Vogelfänger, der als Invalide dieses wenig einträgliche Geschäft 
betrieb. Er war gerade mit seiner Beute heimgekehrt, die in 
zwei ganzen Distelfinken bestand. Die Fangweise war eine äufserst 
humane, denn er benutzte nur Lockkäfig mit Fangabteil. Die 
Liebhaberei mufste früher dort auf einiger Höhe gewesen sein, 
denn in vielen Häusern sah man Käfige. Wegen der Teuerung 
des Futters aber waren diese fast alle leer. Deswegen war es 
auch begreiflich, dafs der Fänger seine Vögel so billig anbot. Er 
wollte für einen Distelfinken nur einen Leva = 80 Pf. Ein 
Kilo Hanf dagegen kostete 20 Leva == 16 M. 

Gegen Ende des Monats wurde mein Hauptwunsch in Er- 
füllung gebracht, und es wurde mir ermöglicht, das Hochgebirge 
kennen zu lernen. In der Nähe der albanischen Grenzgebirge 
war ein deutsches Holzfällkommando bei Mawrowa (1800 M.). Mit 
einer Kleinbahn konnte man von Uesküb aus bis nach Gosdivar 
fahren. Die Bahn war in bulgarischem Betrieb. Die Kleinbahn- 
idyllen waren recht unterhaltsam. Das Bähnchen fuhr durch das 
Vardartal, der hier in seinem Oberlauf von fruchtbarem Gelände 
umgeben war. Von der Bahn aus konnte man Blauracken, die 
mit Vorliebe auf Telegraphendrähten safsen, beobachten. Dohlen 
und Nebelkrähen waren häufig Pirole, Haubenlerchen und Kohl- 
meisen sangen fleifsig. Kappenammern und Schafstelzen fütterten 
ihre Jungen. In der Nähe der Stadt Kalkandelen flogen viele 
Störche und Turmfalken. In den Kornfeldern vor Gosdivar 
schlugen die Wachteln. Wiedehopfe und Elstern waren gemein. 
Amseln, Ortolane und Goldammern liefsen überall ihren Gesang 
erschallen. Bis Gosdivar verfolgten wir das nicht sehr breite 
aber fruchtbare Vardartal. Dieses nette Städtchen Gosdivar war 
die Endstation der Nebenbahn. Nicht weit davon entfernt war 
die Vardarquelle. Von Gosdivar aus fuhren wir im Auto nach 
Mawrowa, wo ein Holzfällkommando stationiert war. Von da 
aus stiegen wir zu Fufs noch einige hundert Meter höher, wo 
inmitten eines prächtigen Mischwaldes der Leiter des Kommandos 
Leutnant Herz seine Wohnung hatte. Wir waren hier aufs beste 
aufgenommen und gut bewirtet. Den Hauptbestandteil unserer 
Nahrung lieferte die Umgegend, denn wir mufsten uns zeitweise 
fast ausschliefslich mit Forellen in Butter und Gemsbraten be- 
gnügen. Der Mischwald bestand hauptsächlich aus Eichen und 
Buchen, zwischen denen auch Nadelhölzer eingesprengt waren. 
Nicht weit davon waren auch gröfsere Bestände mit reinem 
Fichtenwald. Die Waldgrenze lag ungefähr bei 1900 m. Da- 
rüber waren die Kuppen, die sich in der Gegend zu 22 — 2300 m 
erhoben von kurzem Rasen bedeckt. An einigen wenigen Stellen 


122 


Otto Febringer: 


hatten sich am Nordabhang noch einige kleine Schneeplatten 
erhalten. Es war um diese Zeit hier oben des Nachts recht 
empfindlich kalt, und man mufste gehörig einheizen. In den 
dichten Beständen der Wälder traf man hier alles an, was 
der sommerlichen Hitze der Ebenen und der vegetationsarmen 
Mittelgebirge entfiohen war. Hier brüteten Misteldrosseln, 
Singdrosseln und Amseln, Rotkehlchen und Braunellen, Baum- 
pieper, Schwarzköpfe und Zaunkönige, Kohl-, Blau-, Wald-, 
Sumpf- und Schwanzmeisen, Schwarzspechte, Grün- und Grau- 
spechte, Buntspechte, beide Goldhähnchenarten, sowie beide 
Baumläufer; Hohl-, Ringel- und Turteltauben waren an ihren 
Brutplätzen ziemlich scheu. Dagegen waren die Schwarz- 
spechte so liebestoll, dafs sie sich aus allernächster Nähe 
beobachten liefsen. Interessant war die Verschiedenartigkeit des 
Schwarzspechtrufes während des Fluges. Das krükrükrtikrükrü 
ging bald in ein gügügügügü, über das zuletzt dem Lachen des 
Grünspechtes und dem Rufen des Grauspechtes ähnlich wurde. 
Ebenso waren die Kuckucke völlig liebesblind, überschlugen sich 
in den Tönen, riefen ihr kuck meist dreimal und liefsen sich 
auch ganz nahe heranlocken. Buchfinken schmetterten, Gimpel 
lockten, und die meisten Vögel hatten ihre Jungen bei sich. 
Die Misteldrosseln sollen erst vor kurzem hier oben eingerückt 
sein. Es wäre ja leicht denkbar, dafs sie in tieferen Lagen wie 
im Nicolatal ihre erste Brut erledigten und dann zur zweiten 
Brut höher in die Berge gingen. Die Weidenlaubsänger waren 
unermüdlich beim Abhacken ihres einförmigen Gesanges. Kleiber 
strichen mit ihrer zahlreichen Nachkommenschaft umher und 
lockten und schrien eifrig. Am Abend schallten die Lieder von 
Amseln, Singdrosseln und Rotkehlchen und die melancholischen 
Weisen der Misteldrosseln weithin über die Berge, und von be- 
nachbarten Höhen antworteten andere, bis die völlige Nacht herein- 
gebrochen war. Der Bergesfriede in dieser Waldeinsamkeit war 
herrlich. Wenn man die Waldzone verliefs und auf die kurz- 
rasigen Kuppen kam, so begegnete einem hier eine völlig andere 
Vogelwelt. Hier waren Steinschmätzer, Braunkehlchen, Heide- 
lerchen, Feld- und Ohrenlerchen. Die Braunkehlchen hatten 
flügge Junge. Graue Steinshmätzer, die ihre schon erwachsenen 
Jungen herumführten, waren in voller Mauser. Die gröfsten 
landschaftlichen Reize bot die Radica-Schlucht, die von einem 
reifsenden Wasser durchströmt war, das dem Ochridasee zueilte. 
Durch diese Schlucht zog sich noch eine gutgebaute Fahrstrafse, 
die dadurch noch abwechselungsreicher war, dafs sie bald rechts 
bald links am Wasser hinführte, wobei die alten steinernen 
Brücken den Reiz der Landschaft erhöhten. So konnte man 
viele Kilometer weit durch diese romantische Schlucht wanderu 
und dem Auge boten sich immer wieder neue Bilder. Die 
Felswände stiegen rechts und links steil und zerklüftet ungefähr 
100 m an. Felsenschwalben und Alpenmauerläufer waren hier 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


12S 


zu Hause. Im Bachbett vergnügten sich Wasseramseln, und auf 
den Steinen sangen prachtvoll ausgefärbte Gebirgsbachsteizen. 
Unterhalb des Waldes traf man schwarzkehlige Wiesenschmätzer. 
In einem Busch lauerte ein Sperber auf Beute, und Schwalben 
umflogen ihn schreiend, ln dem Dorf Mawrowa brüteten Mehl- 
schwalben an den Häusern, während man nicht weit davon in 
der Radicaschlucht dieselben Schwalben an Felsen brütend fand. 
Sie hatten dort ihre Nester dicht nebeneinander unter dach- 
förmigen Vorsprüngen an die Felsen hingeklebt. Auch Hausrot- 
schwänze brüteten dort in der Felseinsamkeit. Bei der Rück- 
kehr von der Bergeshöhe nach Gosdiva mufsten wir durch einen 
herrlichen Kastanienwald, in dem viele Eichelhäher ihr Wesen 
trieben. 

Nachdem ich so einen Einblick in die Hochgebirgsgegend 
Macedoniens gewonnen hatte, kehrte ich wieder nach üesküb zu- 
rück, um langsam die Vorbereitungen für einen gröfseren Heimat- 
aufenthalt zu treffen. Nach verschiedenen kürzeren Touren im 
Vardartal und seinen Seitentälern fuhr ich am 20. Juli nach 
Deutschland. Zwar vermutete man, durch alle möglichen An- 
zeichen veranlafst, dafs der Krieg seinem jähen Ende entgegen- 
gehe. Jedoch glaubte ich nicht an die Plötzlichkeit, mit der 
dann die Ereignisse eintraten, sonst hätte ich mein ganzes Hab 
und Gut rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Als dann der Zu- 
sammenbruch an der macedonischen Front begann, fuhr ich 
schleunigst wieder auf den Balkan, um noch zu retten, was noch 
zu retten war. Es war zu spät. Ich kam nicht einmal mehr 
bis üesküb. Meine Habseligkeit in Hudova und üesküb war 
alle in Feindeshand gefallen. Zum Glück war die wissenschaft- 
liche Ausbeute gerettet. So fand die Forschungsreise ihr 
schnelles vorzeitiges Ende. 


Der Daumenfittlcli der Banbydgel als Steuerorgaii. 

Von Dr. Heinrich Seilkopfl 

Das Problem des Vogelfluges ist Gegenstand eines umfang- 
reichen Schrifttums geworden, das die Mechanik des Ruder-, 
Segel- und Gleitflugs im wesentlichen geklärt hat. Die Funktionen 
der Schwingen als Triebflügel, des Armflügels als Tragflügel sind 
nachgewiesen (Ahlborn, Der Segelflug, p. 13). Einzelheiten 
scheinen jedoch noch der Klärung zu bedürfen, wie beispielsweise 
die Frage der Verwendung des Daumenflttichs, der Alula. 

Zu dieser Frage liegen zunächst einige Beobachtungen 
Kleinschmidts vor (Falco 1912, p. 7, Berajah 1914, p. 16). Klein- 
schmidt sah, wie ein in einer Pappel niedergehender Wanderfalk 
beim Landen den Daumenfittich stark spreizte. Ganz ähnliche 
Beobachtungen machte V. Franz (Naturwissenschaftliche Wochen- 


124 


Heinrich Seilkopf: 


Schrift 1918 p. 200) 1915 und 1916 in Nordfrankreich heim Baum- 
oder beim Turmfalken; das eine Mal, als ein Falk im Gleitflug 
in ein Ufergehölz eirifiel, sodann hei einem um einen Fichten- 
wipfel kreisenden Falken, der immer den Daumenflügel abspreizte, 
wenn er sich den Zweigen näherte. Beide Beobachtungen sind 
durch Flugbildskizzen nach dem Gedächtnis festgehalten, die den 
aus dem ümrifs des Flugbildes deutlich heraustretenden Daumen- 
fittich zeigen. Nach diesen Skizzen liefs Franz einen Baum- und 
einen Turmfalken ausstopfen, deren Photographien a. a. 0. p. 201 
veröffentlicht sind. Bei dem in Horizontallage schwebenden Turm- 
falken ist der Daumenflügel annähernd in der Ebene der Flügel 
vorgestreckt, während bei dem mit stark in V-Stellung erhobenen 
Flügeln aufgestellten Baumfalken die Lage des Daumenfittichs 
zum übrigen Flügel nicht so klar ersichtlich ist. 

Die Beobachtungen von Kleinschmidt und Franz werden 
wertvoll ergänzt durch eine in Meerwarths Lebensbildern aus der 
Tierwelt veröffentlichte und in dem Aufsatze von Franz im Aus- 
schnitt wiedergegebene Photographie einer Rohrweihe vonR. Moore; 
Der Vogel fliegt mit weit gespreizten Flügeln, an denen die durch 
den Luftwiderstand nach vorn und aufwärts gebogenen ersten 
Handschwingen schön erkennbar sind, mit Beute in den Fängen 
zum Horste nieder. An der Vorderkante der Flügel treten die 
Daumenflügel deutlich hervor. Auf beiden Seiten sind sie ge- 
spreizt, aber ihre Lage zum übrigen Flügel ist eine andere, als 
aus den Beschreibungen und Bildern von Franz hervorgeht: Sie 
sind aus der Flügelfläche herausgedreht, nach vorn und nach 
aufsen hochgeklappt. 

Aus den Beobachtungen und der Photographie geht hervor, 
dafs die Raubvögel kurz vor der Landung die Daumenfittiche 
entfalten. Ob sie es nur zuweilen, in noch näher zu unter- 
suchenden Fällen, oder in der Mehrzahl der Fälle tun, mufs erst 
durch weitere Beobachtungen festgestellt werden. Es scheint 
jedoch nicht immer zu erfolgen, sonst wäre diese eigenartige 
Stellung der Daumenfittiche wohl schon anderen Beobachtern 
aufgefallen, wenn es auch schwer fällt, bei dem raschen Vorgang 
des Landens den richtigen Augenblick zu erhaschen. 

Die Frage, welche Bedeutung dieser Haltung der Alula beim 
Landen zukommt, hat Franz bereits zu beantworten gesucht 
(1. c. p. 201). Nach Ablehnung der Annahme, der vorgespreizte 
Daumenfittich könne als vorgestrecktes Tastorgan oder als mecha- 
nischer Schutz gegen etwaiges Anstofsen an Zweigen oder ähn- 
lichen Hindernissen dienen, führt Franz (a. a. 0. p. 202) aus, 
die Alula sei wohl ein Flügelchen am Flügel, das im geeigneten 
Zeitpunkt die Flügelflächen vergröfsere, damit den Flug bremse 
und zugleich vermöge seiner Lage ganz erheblich mitwirken mag 
zum Einnehmen der halbaufrechten Sit2stellung des vorher in 
Horizontallage geflogenen Vogels. — Da durch diesen kurzen 


i)er Daumenfittieh der BaubyÖgel als Steuerorgan. 125 

Hinweis das Wie der Wirkung nicht erläutert wird, erscheint 
es angebracht, die Steuerwirkung der Alula näher zu unter- 
suchen. 

Auf die Bremswirkung des kurz vor der Landung gespreizten 
Daumenflügels dürfte es nicht wesentlich ankommen, wenn auch 
durch diese Vergröfserung des Stirnwiderstandes der Tragfläche 
zweifellos eine Bremsung eintritt. Viel wesentlicher scheint die 
Steuerwirkuug des Daumenfittichs zu sein: In annähernd hori- 
zontaler Lage, die Fänge angezogen oder schräg nach hinten ge- 
streckt, fliegt der Vogel heran. Bei der Landung handelt es sich 
nun darum, den Körper mehr oder weniger aufzurichten, damit 
die Füfse nach vorn zum Festhalten im Gezweig, zur Landung 
auf dem Erdboden greifen können. Der Vogel mufs in die Stellung 
„Schwanzlandung“ übergehen. Um diese halbaufrechte Sitzstellung 
zu erreichen, entfaltet der Vogel die Alula, wie Franz bereits 
hervorhebt. 

Schon das Vorspreizen des Daumenfittichs an sich bewirkt 
ein aufricbtendes Drehmoment. Es stellt eine Aenderung der 
Flächenentfaltung dar, wodurch der Luftwiderstand nach Gröfse 
und Anordnung gegenüber dem Schwerpunkt verändert wird 
(Ahlborn, Der Segelflug, p. 23). Der Widerstandspunkt, der 
vorher bei Gleichgewichtslage über dem Schwerpunkt lag, wird 
durch das Vorlegen der Daumenfittiche nach vorn verschoben 
und verursacht eine Drehung des Vogelkörpers um die Querachse, 
bis der Widerstandspunkt wieder über dem Schwerpunkt liegt. 
Genauer betrachtet wird allerdings auch der Schwerpunkt etwas 
verschoben, aber seine Verlagerung ist nur gering, da die Daumen- 
fittiche nur eine geringe Masse im Verhältnis zum übrigen Körper 
haben, so dafs die Schwerpunktsveränderung gegenüber der Ver- 
änderung des Widerstandspunktes vernachlässigt werden kann. — 
Dann aber werden, wie aus der Photographie der Rohrweihe 
ersichtlich ist, die Daumenfittiche nicht in der Ebene der Trag- 
fläche entfaltet, sondern nach vorn hochgeklappt. Sie wirken 
also als schräg nach oben gerichtete Steuerflächen, an denen 
durch Zerlegung der auf sie wirkenden Normalkraft in die hori- 
zontale Widerstandskomponente und die vertikale Auftriebskom- 
ponente eine vertikal nach oben gerichtete Kraft auftritt, die 
dem Vogel ein aufrichtendes Moment erteilt. Aehnliche, an den 
Tragflächen angewandte Steuerorgane stellen die Verwindungs- 
klappen der Flugzeuge dar, nur dafs sie an der Hinterkante der 
Tragflächen angebracht sind und nicht zur Höhensteuerung, 
sondern zur Quersteuerung dienen. Ob der Vogel die Daumen- 
fittiche durch ungleichartiges Aufrichten auf beiden Seiten eben- 
falls zur Quersteuerung beim Landen benutzt, — die unsymme- 
trische Stellung der Daumenfittiche in der einen Skizze von 
Franz legt die Vermutung nahe, — müfste erst durch weitere 
Beobachtungen geklärt werden. Für die jetzt schon recht zahl- 
reichen Tierphotographen bietet sich hier eine sehr lohnende 


l26 H. Seilkopf: Der Daumenfittich der BaubTÖgel als Steuerorgan. 

Aufgabe, da jede Aufnahme von grofsem Werte sein kann, die 
den kurzen Augenblick der Landung festhält 


F. V. Lucanus, Die Rätsel des Vogelzuges. Ihre Lösung auf 
experimentellem Wege durch Aeronautik, Aviatik und Vogel- 
beringung. (Beyer u. Mann, Langensalza) 1922. — Brosch. 
30 M., geh. 37 M. 

Ist je ein Buch mit Fug und Recht als „zeitgemäfse Er- 
scheinung“ begrüfst worden, so verdient das vorliegende diese 
Bewillkommnung. Die „Rätsel des Vogelzuges“, wie der Verfasser 
sehr treffend die Zugerscheinungen bezeichnet, bilden heute das 
anziehendste Kapitel der gesamten Vogelkunde, das namentlich 
durch die Beringungsversuche und die daraus gewonnenen Er- 
gebnisse volkstümlich geworden ist, nicht nur unter den Vogel- 
kundigen im engeren Sinne, sondern auch in den weitesten 
Kreisen von Jägern, Landwirten und Naturfreunden Beifall und 
Teilnahme gefunden hat. Seit Jahren durch eifrige Beschäftigung 
mit dem Gegenstände vertraut und durch seine Untersuchungen 
und Mitteilungen darüber in Wort und Schrift als Sachkundiger 
bekannt, war der Verfasser die berufendste Kraft zürn Schaffen 
dieses zeitgemäfsen Werkes, das in der Gründlichkeit der Bear- 
beitung, in der übersichtlichen Einteilung des ungemein umfang- 
reichen Stoffes, in der klaren kritischen Beurteilung der Er- 
scheinungen und der verständlichen und fesselnden Darstellung 
allen berechtigten Anforderungen entspricht. 

In der Einleitung wird zunächst ein geschichtlicher Rück- 
blick gegeben, der mit der ältesten wissenschaftlichen Ueber- 
lieferung vom Vogelzüge bei Aristoteles beginnt und durch die 
Darstellungen in den Werken des Kaisers Friedrich II. (13. Jahrh.) 
und Linnös (18. Jahrh.) zu den Anschauungen der hervorragendsten 
Vogelkundigen des 19. Jahrhunderts, Bechstein, Brehm, Naumann, 
V. Middendorff, Palmen u. a. bis zu Gätke, dem Vogelwart von 
Helgoland, führt, womit die erste, die alte Epoche der Vogelzug- 
forschung abschliefst. — Mit dem 20. Jahrhundert beginnt nach 
des Verfassers Darstellung eine neue Epoche, die experimentelle 
Methode der Forschung, und der erste Abschnitt des Buches 
behandelt die V o g e l b e r i n g u n g. Es werden hierin ver- 
schiedene ältere Versuche, durch Zeichnen der Vögel über deren 
Verbleib auf und nach der Herbstwanderung Nachricht zu erhalten, 
erwähnt, bis durch Vorgehen des dänischen Ornithologen Mor- 
tensen und die danach von der Vogelwarte Rossitten u. a. auf- 
genommene Markierung mit Aluminiumringen am Fufse der Vögel 
das zweckentsprechendste Mittel für die Versuche gefunden 
worden ist. Dieses gegenwärtig geübte Zeichnen mit Ringen 
wird eingehend beschrieben und durch eine beigegebene Tafel 
erläutert — Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit dem Zug 


F. T. Lucanus, Die Eätsel des Vogelzages. 121 

der einzelnen deutschen Vogelarten nach den 
Ergebnissen des Ringversuches, wobei 133 Arten aufgeführt sind. 
Unter diesen haben Lachmöwe, Waldschnepfe und Storch eine 
besonders ausführliche Darstellung beansprucht und sind mit 
Kartenskizzen ihrer Zugstrafsen ausgestattet. Eine Uebersicht 
über die Literatur der Vogelberingung und der erlegten Ring- 
vögel schliefst dieses Kapitel. — Im dritten Abschnitt werden 
Entstehung und Ursachen des Zuges abgehandelt. 
Unter eingehender Darstellung der Weissmannschen Hypothese 
werden die an diese sich anschliefsenden Streitfragen kritisch 
untersucht. Hinsichtlich der Unterscheidung von „Sommer- 
frischlern‘‘ und „Winterflüchtern“ nimmt Verfasser einen ver- 
mittelnden Standpunkt ein, dafs je nach den betreffenden Arten 
beide Anschauungen Berechtigung haben, „dafs die Eigenschaft 
des Ziehens nicht bei allen Vögeln in ein und derselben Weise 
hervorgerufen, sondern offenbar auf verschiedenen Wegen er- 
worben wurde, für die die geographische Ausdehnung des ur- 
sprünglichen Verbreitungsgebiets, die Veränderung des Klimas 
und der orographischen Verhältnisse und nicht zum mindesten 
die biologischen Eigenschaften der Vögel selbst von entscheidender 
Bedeutung waren.“ Gegenüber der Anschauung, dafs meteorolo- 
gische Verhältnisse Veranlassung zum Zuge seien, steht Verfasser 
auf ablehnendem Standpunkt. „Der Zugtrieb erwacht, ohne dafs 
es einer besonderen Veranlassung bedarf.“ — Den R ichtungen 
des Zuges und dem Zugstrafsenproblem ist der 
vierte Abschnitt gewidmet, worin der Unterschied von Zugstrafsen 
und Wanderung in breiter Front erörtert und insbesondere die 
darin vom Verfasser auf Grund der Ringversuche entworfenen, 
in südwestlicher Richtung durch Europa laufenden Zugstrafsen 
besprochen und skizziert sind. — In der noch immer gänzlich 
dunklen Frage der Orientierung der Zugvögel, der 
der fünfte Abschnitt gilt, kann zur Zeit zur Erklärung nur auf 
einen angeborenen unbewufsten Trieb zurückgegriffen werden, 
wenngleich in Einzelheiten auch der Tradition eine Rolle zu- 
gewiesen werden mufs. — Hinsichtlich der Beziehungen 
zwischen Witterung und Vogelzug, dem Inhalt des 
sechsten Abschnitts, schliefst der Verfasser sich im wesentlichen 
den von Bretscher vertretenen Ansichten an. — In dem nun 
folgenden Kapitel über die Höhe des Zuges berichtet der 
Verfasser nicht nur als sachkundiger Kritiker über die vor- 
ji liegenden Tatsachen und Erfahrungen, sondern schildert die Er- 
gebnisse seiner eigenen Forschungen und weist nach, dafs die 
Zughöhe vielfach, namentlich von Gätke bedeutend überschätzt 
worden ist, dafs der Zug sich im allgemeinen nur innerhalb 
einer Höhe von iOO m oder einigen Hundert Metern bewegt 
j und immer unterhalb der Wolken bleibt. — Die übrigen Abschnitte 
behandeln die Schnelligkeit des Zuges, die ebenfalls 
vielfach überschätzt ist, die Rückkehr im Frühjahr und 


i2S Beichenow: F. y. Lucanus, Die Bätsel des Yogelzages. 

besondere Gewoh n h eiten der Zugvögel. Zuletzt 
ist die Einrichtung der Vogelwarte Rossitten 
beschrieben, und ein Schlufswort fafst die bisher gewonnenen 
Ergebnisse in 10 Thesen zusammen. 

Es erfüllt mit Genugtuung, dafs gerade aus dem Kreise der 
Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, deren Vogelwarte unter 
Leitung des Prof. Thienemann so wesentlich an der Förderung 
der Erkenntnis des Vogelzuges mitgewirkt hat, ein Werk hervor- 
gegangen ist, das eine dauernde Grundlage für diesen Zweig der 
Vogelforschung bildet, das die Richtungen angibt, in der die 
ferneren Untersuchungen sich zu bewegen haben, um fördernd 
für die weitere Aufklärung zu wirken, zur Lösung der Rätsel 
des Vogelzuges. Rchw. 


Rafiiies^ue^s Benennungen sizilianischer Vögel« 

Von E. Stresemann. 

Der Zufall spielte mir kürzlich eine seltene Schrift von 
C. S. Rafinesque-Schmaltz in die Hände: „Pröcis des 
döcouvertes somiologiques“, Palermo 1814. Die drei darin ent- 
haltenen Neubenennungen von Vögeln sind inHarterts Werk 
nicht zitiert worden, und nicht besser ist es vielen anderen 
Namen ergangen, welche Rafinesque in einer 1810 erschienenen 
Broschüre veröffentlicht hat. R i c h m o n d hat vor einer Reihe 
von Jahren (Auk 1909 p. 252—255) die ornithologischen Ab- 
schnitte aus diesen beiden Schriften abdrucken lassen (ohne in- 
dessen eine Deutung der Namen zu versuchen), so dafs ich im 
folgenden (mit einer Ausnahme) von einer Wiedergabe der Dia- 
gnosen absehen und auf Richmonds Neudruck verweisen werde. 

I. Caratteri di alcuni nuovi generi e nuove specie di Ani- 
mali . . della Sicilia . . Palermo 1810. 

p. 6, 5. Sp. [Richmond p. 253] Tringa Ficta = Tringa gla^ 
reola L. 1758. 

p. 6, 7. Sp. [R. p. 253] 7 . ingilla Olivacea = Carduelis 
citrinella (L. 1766). ^) 

p. 6, 10. Sp. [R. p. 254] .^Sylvia Juncidis. — Penne fosche 
marginate di fulvastro al disopra, gola, spalie, fianchi e coscie 
fulvastre, petto e ventre bianchiccio, coda cuneiforma solle penne 
fosche alla base, nere all’ estremitä e terminate di fulvo, le 
due piü esteriori lo sono di bianco; uno spazio nudo fra Toc^ 
chio e l’orecchie, rostro fosco, piedi bianchicci — Oss. Mo visto 
questa piccola Capinera vicino alla Roccella saltellare sopra i 
giunchi nei luoghi umidi; l’avevo pure osservata nelle vicinanze 


^) Im Cat. Birds B. M. XII, p. 391 unbegreiflicher Weise in die 
Synonymie von Carpodacus erythrinus gestellt. Hartert hat diese 
falsche Deutung übernommen (Vögel pal. Fauna III, p. 2058). 


129 


Bafin6sque* *s Benennungen sizilianiscber VOgel. 

di Liverno, insleme colla seguente.“ Das ist eine unverkenn- 
bare Beschreibung des Vogels, den Temminck 10 Jahre später 
Sylvia cisticola benannte. Der weit verbreitete Formenkreis, der 
bisher mit dem Namen Cisticola cisticola belegt wurde, mufs 
künftig Cisticola juncidis heifsen. Seine europäischen Kassen D 
sind: 

1. Cisticola juncidis juncidis (Rafin.) [Synonym: Cisticola 
cisticola harterti Witherby 1920]: Südfrankreich, Italien, Corsica, 
Sardinien, Sizilien (terra typica), Griechenland, Kleinasien. 

2. Cisticola juncidis cisticola (Temm.) [Synonym: Cisticola 
cisticola jordansi Tratz 1913]: Iberische Halbinsel (terra typica) 
Balearen, Nord west- Afrika; Aegypten? 

p. 6, 11. Sp. [R. p. 254] Sylvia Capinera = Sylvia m, 
melanocephala (Gm. 1789). 

p. 6, 12. Sp. [R. p. 254] Sylvia Xanthogastra = Hip- 
polais sp. 

p. 6 , 13. Sp. [R. p. 254] Sylvia Ehodogastra — Sylvia 
c, cantillans (Pallas 1764). 

p. 6, 15. Sp. [R. p. 255] Sylvia meleuca = Sylvia atrica- 
pilla (L. 1758). Falls es sich bestätigt, dafs die italische Rasse 
durch geringere Gröfse sich von der schwedischen unterscheidet, 
mufs jene Sylvia atricapilla meleuca Rafin. genannt werden, 

II. Prdcis des decouvertes somiologiques, Palermo 1814. 

p. 14, 8. Esp. [R. p. 255] JSumenius aterrimus = ? Tringa 
erythropus (Pall. 1764). 

p. 14, 9. Esp. [R. p. 255] Sylvia Azuricollis = Luscinia 
svecica subsp. (wahrsch. cyanecula Wolf 1810 aberr. Wolßi 
Brehm 1822). 

p. 14, 10. Esp. [R. p. 255] Falco torquatus = "^ Accipiter nisus 
L. 1758.*) Die Diagnose läfst Zweifel zu, > den Trivialnamen 
Falchettu stellt Benoit (Ornitologia Siciliana, Messina 1840 
p. 15) zum Sperber. 


Deutsche Ornithc^sgische Gesellschaft. 

Bericht über die Oktober-Sitzung 1921. 

Verhandelt: Berlin, Montag, den 3. Oktober 1921, abends 
?Vi Uhr im Aquarium des Zoologischen Gartens. 

Anwesend die Herren : Jung, Sachtleben, Pau- 
lickjSchalow, Strahl, Nyncke,Beckel,Hauche- 


1) vgl. Meinertzhagen, Ibis 1922 p. 11. 

*) Falco torquatus Rafin. 1814 praeoccupiert den Namen Falco 
torquatus Temminck 1821 (Timor)'; ich benejine diesen Habicht nach 
meinem verehrten, um die Ornithologie Timors so verdienten Freunde 
Accipiter fasciatus heUmayri nom. noT* 

JoTirn. t Om. LXX. Jahrg. JanTiar 1922. 9 


130 


Bericht Über die Oktober-Sitzung 1921. 


corne, Schuster, v. Stralendorff, Steinbacher, 
Börner, Preufs, Ohnesorge, Heck, Helfer, v. 
Versen, Bogatsch, Freyer,Stresemann,v. Schuck- 
mann, Berger, Arndt, Skopnik, Keichenow, v. 
Lucanus, Heinroth, Gottschalk, Fenk, Voigt- 
Leipzig, Zumpe, Hildebrandt - Altenburg, sowie 15 Gäste. 

Vorsitzender: Herr v. Lucanus. Schriftführer: Herr 
Heinroth. 

Der Vorsitzende begrüfst die zahlreich erschienenen aus- 
wärtigen Mitglieder und dankt für ihr Erscheinen. Die Herren 
Graf V. Zedlitz, Schulz, Steinmetz, v. Berlepsch, 
Reiser und Frl. Friedrich sind am Erscheinen verhin- 
dert. Von ihnen allen, sowie auch von Herrn Thienemann- 
Rossitten, sind Grüfse eingegangen. 

Die Herren Reichenow, Schalow und Heinroth 
legen die eingegangenen Bücher und Zeitschriften vor. Herr 
Sachtleben spricht hierauf über geographische Variation des 
Formenkreises Motacilla alha L. Zur Kenntnis der geographischen 
Variation ist die Kenntnis der Gefiederfolge und des Gefieder- 
wechsels unumgängliche Vorbedingung, da bei Motacilla alha L. 
nach Alter, Jahreszeit und Geschlecht grofse Verschiedenheiten 
herrschen. Besprechung der Gefiederfolge und des Gefieder- 
wechsels: An Hand von Bälgen werden Jugendkleid, komb. erstes 
Ruhekleid, komb. erstes Brutkleid, einheitl. zweites Ruhekleid, 
komb. zweites Brutkleid charakterisiert und von einander unter- 
schieden, Zeit und Ausdehnung der Jugendmauser, der ersten Ruhe- 
mauser, ersten Brutmauser und zweiten Ruhemauser behandelt. 

Die Kennzeichen der Rassen von Motacilla alha werden 
beschrieben und die Verbreitung dieser Rassen angegeben. Be- 
handelt wurden: M, a. alha L., M. a. dukhunensis Sykes, M. a. 
haicalensis Swinh., M. a. personata Gould., M, a. hodgsoni Blyth, 
M. a, leucopsis Gould., M. a. ocularis Swinh., M. a. Ingens Kittl., 
M. a. grandis Sharpe, M, a. luguhris Temm., M, a. arduenna 
Kleinschm., M. a. suhpersonata Meade-Waldo, M. a. persica Blanf. 
Die Stellung von Motacilla forwoodi Grant & Forbes sowie von 
Motacilla maderaspatensis Gmel. noch nicht geklärt; unsicher 
ob sie auch zum Formenkreis Motacilla alha gehören. Ruhe- 
und Brutkleider der meisten genannten Formen werden in Bälgen 
vorgeführt; besonders interessant sind Stücke aus der Sammlung 
Weigold (Szetschwan) von M. a, hodgsoni und leucopsis. 

Vergleich der verschiedenen Rassen. Annahme eines hypo- 
thetischen ürkleides der weifsen Bachstelze: ähnlich dem Jugend- 
kleid, graurückig und grauköpfig, mit dunklem Kropfband. Für 
ein solches Kleid spricht das ähnlich gefärbte Ruhekleid vieler 
Rassen; ferner dafs durch Fehlmauser oder Mauserunterdrückung, 
besonders bei dem Weibchen, bei allen Rassen nicht selten im 
Brutkleid ein diesem ursprünglichen Kleid mehr oder weniger 


Bericht über die Oktober-Sitzung 1921. 131 

ähnlich gefärbtes angelegt wird. Nimmt man ein solches ur- 
sprüngliches Kleid der weifsen Bachstelze an, so kann man drei 
Entwicklungsrichtungen feststellen, die am deutlichsten im Brut- 
kleid hervortreten: 

1. Ausdehnung des schwarzen Kropfbandes über Kehle und 
Kinn und schliefslich über die Ohrdecken und den gröfsten 
Teil der Kopfseiten: 

Obere Kehle bleibt noch weifs: M. baicalensis^ leucopsis. 

Bis zum Kinn schwarz: M. alha^ dukhunensis^ luguhris, 
arduenna. 

Schwarz greift auf die Kopfseiten über: M. personata, 
hodgsoni, grandis. 

2. Der Oberkopf wird schwarz (dieser Entwicklungsgrad von 
allen Rassen im Brutkleid, wenigstens im voll ausgefärbten, 
erreicht); die übrige Oberseite wird dunkler und schliefslich 
ganz schwarz: 

Rücken grau: M. haicalensis^ duMmnensis^ (beide heller 
als:) alha. 

Schwarz des Oberkopfes greift weiter auf den Rücken 
über: M. personata. 

Rücken dunkler grau, schwärzlich gefleckt: M. arduenna, 

Rücken schwarz: M, luguhris^ hodgsoni, leucopsis, grandis» 

3. Ausbildung eines schwarzen Augenstreifens: 

(Zu 2. oben; Rücken grau: M. ocularis. 

Rücken schwarz: M. Ingens, 

zu 1. oben; bei beiden bleibt das Kinn weifs.) 

Die Zunahme der schwarzen Färbung bei insularen Rassen 
wie M. Ingens, grandis, lugnhris könnte auf klimatische Einflüsse 
zurückgeführt werden; dem steht aber das Auftreten ebenso 
dunkler und rein kontinentaler Rassen, z. B. M. hodgsoni und 
leucopsis entgegen. 

Gang und Richtung der Entwicklung sind feststellbar, aber 
nicht die Ursachen. 

Besprechung des Zuges und der Winterquartiere der ver- 
schiedenen Rassen unter besonderer Berücksichtigung der von 
Weigold am mittleren Yangts und in Szetschwan gemachten 
Beobachtungen. Hinweis auf das Ueberziehen hoher Alpenpässe 
(z. B. Theodulpafs 3322 m) und hochgelegener Orte im Himalaya 
(Leh 3517 m, Shadidulla 3670 m). 

Herr Heinroth hat in diesem Jahr unter anderem 
Habicht, Blaurake und Schleiereule jung aufgezogen, zeigt eine 
Anzahl Lichtbilder über die Jugendentwicklung dieser Vögel und 
führt sie in verschiedenen bezeichnenden Stellungen vor. Die 
Brutdauer der Blaurake wurde mit 19 Tagen, die Entwicklungs- 
zeit im Nest mit 28 Tagen festgestellt. Frisch geschlüpft ist 
die Blaurake völlig nackt, Augen und Ohren sind geschlossen. 
Am Schnabelwinkel sind, den Spechten und Eisvögeln ent- 

9 ^ 


132 Bericht über die Noyember-Sitzang 1921. 

sprechend, Tastwarzen, bei deren Berührung der Kopf sofort 
herumfährt und den vorgehaltenen Bissen in Empfang nimmt. 
Aehnlich wie bei den Eisvögeln, dem Kuckuck und den Sporen- 
kuckucken ist das Gefieder zuerst längere Zeit von Hüllen um- 
schlossen, so dafs das Junge einen stachligen Eindruck macht. 
Der Vortragende geht des Näheren auf die geistige und körper- 
liche Entwicklung namentlich im Vergleich zu den Passeriformes 
ein. Ein aus dem Ei jung aufgezogenes Habichtweibchen ent- 
wickelte sich im Vergleich zum Bussard auffallend rasch. Während 
der Nestzeit sehr sanft und umgänglich, änderte sich dieses 
Verhalten aber bald nach dem Ausfliegen so, dafs es gefährlich 
wurde, den Raum zu betreten, in dem das Tier hauste. — Bei 
Besprechung der Schleiereule wies der Vortragende darauf hin, 
dafs sie von den mittelgrofsen Eulen die längste Brutdauer 
(30 Tage) und langsamste Jugendentwicklung aufweist. In Be- 
daunung und Benehmen hat sie manches von den anderen Eulen 
sehr Abweichende. 

Nach einer kleinen Pause wird zu einer geschäftlichen 
Sitzung geschritten, zu der mehrere Anträge vorliegen. Herr 
Stresemann regt an, dafs eine Bibliothek für die D. 0. G. 
geschaffen werden soll. Es sollen im Austausch gegen das 
Journal acht ausländische Zeitschriften erworben werden, wozu 
der Druck einer etwas gröfseren Auflage erforderlich ist. Der 
Antrag wird angenommen. Einem anderen Anträge, wieder 
25 Sonderdrucke an die Mitarbeiter des Journals zu geben, kann 
wegen der hohen Kosten vorläufig nicht stattgegeben werden. 

Ferner beantragt Herr H e i n r o t h , dafs der Jahresbeitrag 
auf M. 50,— erhöht werde, und zwar dergestalt, dafs zu dem 
eigentlichen Beitrag von M. 20, — ein Teuerungszschlag von 
M. 30,— erhoben werden soll. Der Antrag wird angenommen 
mit dem Zusatz, dafs auf besonderes Ersuchen der Vorstand von 
der Erhöhung Abstand nehmen könne. 

Betreffs des Anlegens der Bücherei kommt man zu dem 
Entschlufs, dafs sie durch Austausch von Zeitschriften zustande 
kommen soll. Aufserdem werden von den Mitgliedern gestiftete 
Schriften mit Dank angenommen. Irgend ein Erwerb von Büchern 
usw. durch Kauf ist ausgeschlossen. Die Satzungen über das 
Ausleihen u. s. w. werden vom Vorstand festgelegt werden. 

Heinroth. 

Bericht über die November-Sitzung 1921. 

Verhandelt: Berlin, den 7. November 1921, abends 8 Uhr 
im Aquarium des Zoolog. Gartens. 

Anwesend die Herren v. Boxberger, Schuster, 
Strahl, Schulz, v. Stralendorff, Steinbacher, 


Bericht über die NoTember-Sitzung 1911. 


133 


Steinmetz, V. Schuckmann, Sachtleben, Helfer, 
Schalow, V. Lucanus, Ohnesorge, Nyncke, Spatz, 
Hauchecorne, Hamburger, Heinroth und Frl. Fried- 
rich, sowie 17 Gäste. 

Vorsitzender: Herr v. Lucanus. Schriftführer: Herr 
Heinroth. 

Die Herren v. Lucanus und Schalow legen die ein- 
gegangenen Bücher und Zeitschriften vor. Herr N e u m a n n 
macht die Mitteilung, dafs im südlichen Kongobecken eine Brut- 
kolonie von Pseudochelidon eurystomina entdeckt worden sei. 
Herr v. Boxberger hat von Herrn N a t o r p die Mitteilung 
bekommen, dafs in Schlesien mehrere Beutelmeisennester, zum 
Teil mit Eiern, gefunden worden seien. Herr Schalow weist 
darauf hin, dafs vor vielen Jahren Herr Reg. Rat Schmidt in 
Schwedt a. Oder alte und junge Vögel nebst Nest erhalten hat, 
und Herr Stresemann erwähnt, dafs nach C 1 o d i u s im 
Mai 1920 ein Nest der Beutelmeise bei Neustrelitz (Mecklen- 
burg) gefunden worden sein soll. Herr Heinroth hat im 
Karlsruher Naturalien-Kabinett das Nest des Purpurreihers mit 
fast flüggen Jungen und den beiden Alten gesehen. Die ganze 
Gruppe stammt aus einem grofsen Schilfbestande des benachbarten 
Altrheins. Herr Stresemann ergänzt hierzu, dafs in Loth- 
ringen dieser Vogel 1897 als Brutvogel nachgewiesen sei. 

Herr Schalow berichtet über eine Mitteilung von Fr. 
Siegmund Voigt aus dem Jahre 1825, nach der in den zwanziger 
Jahren auf der Insel Mainau im Bodensee Kanarienvögel ein- 
gebürgert sein sollen, und stellt die Frage, ob darüber etwas 
Näheres bekannt sei, oder ob jetzt noch Reste dieser Ansiedlung 
vorhanden sind. Er selbst hat bei einem Besuch der Insel vor 
einigen Jahren nichts derartiges gefunden und auch in der ganzen 
dortigen Gegend nichts in Erfahrung bringen können. Im An- 
schlufs hieran gibt er eine Zusammenstellung der Urteile über 
den Gesang des wilden Kanarienvogels, wobei er sich namentlich 
auf Hartwig, König, Schmitz, Pollaczek und andere stützt. Hier- 
nach mag es wahrscheinlich unter den älteren Vögeln doch recht 
gute Sänger geben, die Hervorragenderes leisten, als die gesang- 
lich recht minderwertigen Stücke, die die Herren v. Lucanus und 
Heinroth im Käfige zu hören Gelegenheit hatten. 

Unter Hinweis auf seine Ausführungen über die Schwingen- 
raauser junger Hühnervögel im November vorigen Jahres bemerkt 
Herr Heinroth, dafs von ihm jung aufgezogene Jagdfasanen- 
hennen auch die äufsersten beiden Handschwingen wechselten; 
die letzte fiel im Alter von 3Vi Monaten aus. Daraufhin unter- 
suchte junge Silber-, Gold- und Swinhoefasanen zeigten dasselbe 
Verhalten, das der Vortragende ja früher schon bei Pfau und 
Haushuhn festgestellt hatte. Bekanntlich werden beim Reb- und 
Rothuhn, bei der Schopfwachtel und vielleicht auch bei den 


134 Bericht über die November-SitzuDg 1921. 

Tetraoniden die äufsersten beiden Schwungfedern im ersten Jahr 
nicht erneuert. 

Herr v. Lucanus spricht hierauf über die Flugformen 
der Zugvögel und führt folgendes aus: Wir kennen 2 Flugformen, 
die von einigen Vogelarten auf ihren Wanderungen gebildet 
werden: Die Winkelform und die gerade Linie. Erstere wird 
z. B. von den Kranichen und Wildgänsen, letztere von den 
Austernfischern, Brachvögeln und Ibissen gebildet. Im allgemeinen 
nimmt man an, dafs diese Flugformen den Vögeln eine Flug- 
erleichterung verschaffen. Man hat die Winkelform als aero- 
dynamisches Ganzes aufgefasst, das wie ein Luftschiff die Luft 
durchschneidet, wodurch der Luftwiderstand leichter überwunden 
wird. Bei dem Flug in einer geraden Linie nebeneinander soll 
der vom Nebenvogel erzeugte und nach seitwärts entweichende 
Luftstrom mit aufwärts treibender Wirkung den einzelnen Vögeln 
zu Gute kommen. Gegen diese Erklärungen läfst sich ins Feld 
führen, dafs doch nur wenige Vögel solche Flugformen bilden, 
und dafs die Wirkung eines aufwärts treibenden Luftstroms nur 
bei grofsen Vögeln, die mit grofsem Kraftaufwand fiiegen, zur 
Geltung kommt, während dies bei kleineren Vögeln, die sehr 
gewandt fiiegen, nicht der Fall ist. Bei den fluggewandten 
Austernfischern, die auch in breiter Front fliegen, bedeutet also 
diese Fluganordnung keinen aerodynamischen Vorteil. Bei der 
Winkelform fällt es auf, dafs die einzelnen Vögel nicht auf 
Vordermann, sondern stets seitwärts gestaffelt fliegen. So er- 
gibt sich die Winkelform wie die breite Linie vielleicht nur aus 
dem Bestreben der Vögel beim Fluge ein freies Gesichtsfeld zu 
haben und sich vor einem Aufprellen zu schützen, wenn der 
Vordermann zufällig seine Geschwindigkeit verkürzen sollte. 

Herr Heinroth bemerkt zum Vortrag, dafs die Staffelung 
oder die schiefe Reihe, wie sie z. B. Gänse und Schwäne im Fluge 
zeigen, bei dieser Gruppe auch im Schwimmen und Gehen ein- 
gehalten wird. Beim sogen. Gänsemarsch gehen die Gänse nicht, 
wie gewöhnlich angenommen wird, genau hintereinander, sondern 
hinter- und nebeneinander, also genau so, wie sie auch fliegen. 
Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dafs die Tiere nicht 
durch den Vordermann behindert sein wollen. Dafs Vögel bei 
der Dreieckform irgend welchen Vorteil aus der Flugbewegung 
des Vorder- oder Nebenmannes ziehen sollen, ist nicht recht 
verständlich. Der Nebenmann ist bei den weiter von der Spitze 
entfernten Vögeln in viel zu grofsem Abstand und durch Luft- 
wirbel, die der Vordermann erzeugt, könnte der dahinter fliegende 
Vogel, streng genommen, nur beirrt werden, da sie ja nur einen 
Flügel treffen. Eigentümlich ist, dafs die schiefen Reihen immer 
seitlich, nicht aber über- oder untereinander gestaffelt sind, und 
merkwürdig, dafs viele Vögel auch ohne bestimmte Anordnung, 
wie z. B. die meisten Tauben, Stare und andere, gut vorwärts 
kommen. Herr Schuster bemerkt, dafs ScheerenschnäbeJ, 


Bücherei 4er Deutschen Oruithoiogischen Gesellschaft. 185 

Hhynchops^ stets genau hintereinander dicht über das Wasser 
hinfliegen. Herr Stresemann berichtet dasselbe von den 
Trauerenten, und Herr Baron London hat beobachtet, dafs 
Kormorane sich zu Tausenden in einer langen Linie anordnen, die 
dicht über den Boden hinfliegt und Hindernisse nicht durch seit- 
lichen Ausbiegen, sondern durch üebersteigen überwindet. Diese 
Vögel fliegen dabei ganz genau auf Vordermann. 

Zum Schlüsse bittet der Vorsitzende, zu den künftigen 
Sitzungen stets pünktlich um 8 Uhr, also nicht wie bisher 
üblich, mit akademischem Viertel, zu erscheinen. 

O. Heinroth, 


Bücherei der Deutschen Ornithologisehen Gfesellsehaft. 

In der Sitzung am 3. Oktober wurde die Gründung einer 
Vereins-Bücherei beschlossen und der Vorstand beauftragt, die 
für Errichtung und Verwaltung der Bücherei erforderlichen Mafs- 
nahmen und Bestimmungen zu treffen. Dieser hat folgende 
Büchereiordnung aufgestellt: 

Biiohereiordnung. 

§ 1. Die Bücherei wird auf dem Museum für Naturkunde 
in Berlin, Invalidenstr. 43, aufbewahrt und von einem vom Vor- 
stande der Deutschen Ornithologisehen Gesellschaft gewählten 
Bücherwart verwaltet. Dieser ist für die ordnungsmäfsige Auf- 
bewahrung und Verwaltung der Bücherei verantwortlich. Er 
stellt ein nach Verfassernamen geordnetes Verzeichnis auf und 
hat bei Jahresschlufs dem Vorstande über den Stand der Bücherei 
und über die laufenden Einnahmen und Ausgaben Bericht zu 
erstatten. 

§ 2. Die Bücherei steht den Mitgliedern der Deutschen 
Ornithologisehen Gesellschaft unentgeltlich, Nichtmitgliedern gegen 
eine vom Vorstande bestimmte Leihgebühr zur Verfügung. 

§ 3. Die Ausleihefrist beträgt 4 Wochen. Eine Verlängerung 
dieser Frist ist spätestens 8 Tage vor Ablauf beim Bücherwart 
schriftlich zu beantragen. Für jede weitere Woche ist pro Band 
eine Gebühr zu entrichten. 

§ 4. Beim Entleihen eines Buches hat der Entleiher eine 
eigenhändig Unterzeichnete Empfangsbescheinigung auszustellen, 
die nach Rückgabe des Buches zurückerstattet wird. 

§ 5. Die Bücher können auch nach auswärts verliehen 
werden. Die Kosten der Verpackung und der versicherten flin- 
und Rücksendung trägt der Besteller. Der Betrag ist im voraus 
einzuzahlen. 

§ 6. Der Entleiher haftet für jedes entliehene Buch. Er 
ist bei Beschädigung des Buches zu Schadenersatz verpflichtet. 


186 Bücherei der Beutichen Örnithologischen Öesellschaft. 

Bei Verlust eiues Buches hat er den vollen jeweiligen Wert 
desselben, sowie alle durch die Wiederbeschaffung entstehenden 
Kosten zu ersetzen. 

§ 7. Die Ausgabe der Bücher erfolgt wöchentlich am 
Montag zwischen 10 und 12 Uhr vormittags. 

§ 8. Die Bestellung der Bücher hat stets schriftlich zu 
erfolgen und mufs die genaue Angabe des Titels enthalten. 

§ 9. Da zur Anschaffung von Büchern keine gröfseren 
Geldmittel zur Verfügung stehen, werden alle Mitglieder und 
Gönner der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft gebeten, 
Sonderabdrucke ihrer Arbeiten oder einen Abzug ihrer selbständig 
im Buchhandel erschienenen Bücher der Bücherei zu stiften. 
Die Sendungen sind an die Deutsche Ornithologische Gesellschaft, 
Berlin N 4, Invalidenstr. 43, Museum für Naturkunde, ohne 
weitere Namensnennung zu richten. 

Den Eingang solcher Sendungen hat der Bücherwart sofort 
nach Empfang dem Absender schriftlich zu bestätigen. 

Berlin, im November 1920. 

Der Vorstand der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. 

V. Luoanus. Eeiolieiiow. 


Das zweite und dritte Heft des Journal für Orni- 
thologie 1922 wird als Doppelheft erscheinen. 


Druek toi Otto Dornbltttk N«ehf. in Bornkurg. 



a 

Inhalt des 1. Heftes 1922. 

Seite 

1. Nachträge zur Ornis Saxouica. VonR. Heyder . . . 1 

2. Zur Avifauna des nördlichen Deutsch-Südwestafrika. Von 

H. G r 0 1 e 39 

3. Zum heurigen Durchzug des Seidenschwanzes 1920/21. Von 

V. V. T s c h u s i z u S c h m i d h 0 f f e n 49 

4. Andreas Johannes Jäckel. Von E. Gebhardt . . . . 56 

^5, XX. Jahresbericht (1920) derVogelwarte Rossitten der Deutschen 

Ornithologischen Gesellschaft. Von J. T h i e n e m a n n . . 61 

6. Die Vogelwelt Macedoniens. I Allgemeiner Teil. Von 0. 

Fehringer . . . . . 89 

7. Der Daumenfittich der Raubvögel als Steuerorgan. Von H. 

Seil köpf ' 123 

8. F. V. L u c a n u s , Die Rätsel des Vogelzuges. Bericht von 

Reich enow . . . . 126 

9. Rafinesque’s Benennungen sizilianischer Vögel. Von E. Strese- 

manm 128 

Deutsche Ornithologische Cfesellsehaft. 

10. Bericht über die Oktobersitzung 1921 ........ 129 

11. Bericht über die Novembersitzung 1921 . . . . . . . 132 

12. Bücherei der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft . . . 135 


Druck von Otto DornblUtb Nachf. in Barnburg. 


JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

GEGRÜNDET VON J. CABANIS. 

Im Aufträge der 

Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 

herausgegeben 

von 

Dr. Erwin Stresemann, 

Generalsekretär der Deutschen Ornithölogischen Gesellschaft. 

Heft 2/3. 70. Jahrgang. April/JuU 1922 





Aasgegeben am 25. Juli 1922. 



Iseipzig 1922 . 

Kommissions -Verlag von L. A. Kittier. 



Journal für Ornithologie. 

Im Aufträge der 

Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 

herausgegeben von Dr. E. S t r e s e m a n n. 


Das Journal für Ornithologie ist das deutsche Centralorgan 
für alle Zweige der Vogelkunde. Es erscheint vierteljährlich und 
wird den Mitgliedern der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 
kostenlos zugestellt. Der Mitgliedsheitrag beträgt für 1922 

M. 50.—. Für das Ausland ist ein Valutazuschlag festgesetzt 
worden, dessen Höhe beim Generalsekretär zu erfragen ist. 

Anträge um Aufnahme als Mitglied der Gesellschaft sowie 
alle literarischen Beiträge, Anzeigen etc. zum J. f. 0. bittet man 
zu richten an den Generalsekretär, Dr. E. Stresemann, Berlin 

N. 4, Zoologisches Museum, Invalidenstr. 43, alle Geldsendungen 
an den Kassenführer, Herrn H. Steinmetz, Berlin-Charlotten- 
burg, Tegeler Weg 13. (Für das Inland wird Einzahlung auf 
das Postscheckkonto der D. 0. G., Berlin 36941, empfohlen.) 



Von den Jahrgängen 1894—1921 sind noch vorrätig und 
durch den Kommissionsverlag L, A. Kittier, Leipzig, Stern- 
wartenstr. 46 zu beziehen: 


Einzelnummern der Jahrgänge 1894—1921 je M. 22.50 

Jahrgänge 1894, 1896, 1897, 1900— 1903, 1906, 1915— 
1919 je M. 90.— 

Inhaltsverzeichnis für die Jahrgänge 1894 — 1913 , zu- 
sammengestellt von E. Hesse (1914) M. 9. — 

Verhandlungen des V. Internationalen Ornithologen -Kongresses 
Berlin 1910. Leinwandband. M. 225. — 

Für das Ausland Yaliitazuschlag. 

Mitglieder im In- und Ausland erhalten die oben genannten 
Veröffentlichungen, soweit sie vor ihrem Eintritt ausgegeben 
wurden, bei unmittelbarem Bezug durch die Gesellschaft (Berlin 
N 4, Invalidenstr. 43) zu ermässigtem Preis. 


JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 


Siebzigster Jahrgang. 


No. 2/3. April/Juli. 1932. 


Nachträge zur Ornis Saxoniea. 

Ein zweiter Beitrag znr Kenntnis der Yogelwel des Staates Sachsen. 

Von Rieh. Heyder, Oederan. 

(Schlafs von S. 38.) 

123. Aegypius monachus (L.). 

Berichtigung: Lies p. 303 auf Zeile 5 von unten statt 
„c?“ $. 

125. Circus ae. aeruginosus (L.). 

Von mir nicht aufgeführte Brutorte der Rohrweihe erwähnen 
für die Mitte der achtziger Jahre noch Neumann und Grünewald 
(268/1, /III) für die Gegend von Grofsenhain, in welcher sie damals 
auf allen gröfseren Teichen nistete; genannt werden der grofse 
Spittelteich bei Grofsenhain und der „Strafsenteich bei Kalkreuth.“ 
Unfern dieser Gegend (ich vermute, da dieselbe nur annähernd 
zu ermitteln ist, bei Zschorna oder Freitelsdorf) beobachtete 
Mayhoff (Tgbch.) noch neuerdings, am 13. VI. 1915, also zur 
Brutzeit, mehrmals Exemplare. 

131. Circaetus gallicus (Gm.). 

Berichtigung: Lies p. 307 auf Zeile 13 von oben statt 
„Schlagschwirl“ Buschschwirl. 

136. Aquila c. chrysaetos (L.). 

Neuerliche Einsicht in die Originalstelle der Nachricht vom 
Horsten des Steinadlers, die ich (446) Lange zuschrieb, veran- 
lafst mich zu bemerken, dafs dieselbe möglicherweise nicht von 
diesem, sondern von Chr. Ad. Pescheek stammt, dem Herausgeber 
des „Neuen Lausitzischen Magazins“, in welchem Langes Angaben 
(245) enthalten sind. Es handelt sich um eine Fufsnote ohne 

Jonm. t Om. LXX. Jahrg. AprU/Jali 1022. 10 


188 


Rieh. Heyder: 


Signum des Verfassers, sodafs derselbe nicht klar zu erkennen 
ist. Im Text ist A. chrysaetos als eine derjenigen Arten ge- 
kennzeichnet, die nicht bei Zittau brüten; dem widerspricht die 
Fufsnote folgendermafsen : „Ein Steinadler horstet seit undenk- 
lichen Zeiten auf den Felsen des Töpfers, eines herrlichen 
Berges ohnweit Oybin; auf einer Felsenmauer, in welcher ein 
gotisches Tor mit seinem Spitzbogen befindlich ist und die Be- 
wunderung auf sich zieht, habe ich ihn oftmals mit halbausge- 
breiteten Flügeln sitzen sehen. Das Männchen pflegt mit aus- 
gebreiteten Fittichen auf einem Felsen einige hundert Schritte 
davon auf dem Oybin zu stehen 

Aus alter Zeit kann ich noch einige Nachrichten vom 
Brüten des Steinadlers anfügen, die schon von Berge (26) zitiert 
werden: 1551 berichtete der Meifsner Rektor Georg Fabricius^) 
an Conrad Gesner, dafs im Sommer jenes Jahres zwischen 
Meifsen und Dresden ein Adlerhorst ausgenommen wurde, der 
anscheinend unserer Art angehörte. Im Jahre 1642 erhielt ein 
Hammerherr zu Jöhstadt zwei junge Steinadler aus einem Horste 
in des Grafen von Thum Hammerholz 2), also aus dem Erzgebirge. 
Aus der Tatsache, dafs er je einen der aufgezogenen Vögel an 
den deutschen Kaiser und an den Kurfürsten von Sachsen 
schickte, läfst sich schliefsen, dafs Adler im Erzgebirge schon 
damals nicht mehr so regelmäfsig horsteten, wie man vermuten 
möchte. Auch Döbel®) scheint Horste des Steinadlers gefunden 
zu haben, schweigt sich aber über nähere Ortsangaben aus. Hin- 
gegen macht Berge (26) nicht unbegründete Zweifel geltend an 
den Mitteilungen Dietrich’s^), der den „Königsadler“ auf Felsen 
des Spitzgrundes (bei Moritzburg) horsten läfst. 

137. Aquila clanga Pall. 

Den drei bisher vorliegenden Funden (Quatitz, 268/II,/VII— X; 
Georgewitz, 268/VII; Czorneboh, 182) reihen sich die folgenden 
zwei von Jacobi (460) untersuchten und beschriebenen Schell- 
adler sächsischer Herkunft an; Jüngerer Vogel, Mitte November 


1) Die Quelle hierfür ist mir nicht bekannt geworden, vermutlich 
aber zu suchen in „Epistolarnm medicinalium Oonradi Gesneri Uber 
quartus VitebergaO 1584.“ — Verf. 

*) Christian Lehmann, Historischer Schauplatz derer natürlichen 
Merckwürdigkeiten in dem Meifsnischen Ober-Ertz-Gebirge. Leipzig 1699 
p. 685. 

®) Heinr. Wilh. Döbel, Neueröffnete Jäger-Practica etc. II. Aufl. 
Leipzig 1754. Erster Teil p. 76. 

^) Geschichte und Beschreibung des schönen und berühmten Königl. 
Sächs. Lust- und Jagd-Schlosses Moritzburg aus alten glaubwürdigen 
Nachrichten und neuen Ansichten dargestellt von D. Ewald Dietrich 
[Moritzbg. 1822] p. 5. 


Nachträge zur Oraiä Saxonica. 


m 


1914, Grofsgrabe bei Schwepnitz (Museum Dresden), jüngeres 
cf, 18. IV. 1915, Schwepnitz (Privatbesitz). Alle fünf entfallen 
also auf den Osten Sachsens, die Oberlausitz. 

139. Fernis a. apivorus (L.). 

Berichtigung: Lies p. 310 auf Zeile 3 von oben statt 
„Honigfak“ H o n i g f a 1 k. 

Speziell für die Leipziger Auewaldungen konnte Hesse 
(157, 158) zeitweilig eine auffallende, in anderen sächsischen Ge- 
bieten kaum beobachtbare Häufigkeit an Brutpaaren des Wespen- 
bussards verzeichnen, die er zahlenmäfsig mit jener des Mäuse- 
bussards verglich. Inzwischen ist, wie er neuerdings (440) mit- 
teilt, die Zahl auch dort wieder zurückgesunken. Trotzdem 
halte ich gerade die ganze Leipziger Niederung bis herüber zum 
Laufe der Mulde für dasjenige sächsische Gebiet, das sich in- 
folge seiner grofsen Laubwälder noch einer ziemlichen Regel- 
mäfsigkeit horstender Wespenbussarde erfreut. 

142. Haliaeetus albicüld (L.). 

Berichtigung: Lies p. 312 Zeile 6 von oben statt 
„Hencke“ Heucke. 

143. Fandion h. haliaetus (L.). 

Berichtigung: p. 312 auf Zeile 12 von oben ist zwischen 
„Stunde“ und „entfernten“ einzufügen von Borna. 

Nach Angaben Hildebrandts (451) kannte Liebe einen alten 
Horst des Fischadlers „an der Elster im Vogtlande“, der noch 
1893 bezogen wurde. Ob aber das sächsische Vogtland 
hierbei in Frage kommt, ist leider nicht zu ersehen. Dem von 
mir (446) auf Grund der Mitteilungen Liebes (246), Koeperts (217) 
und Sperlings (268/I1I,/ IV) vermuteten Horsten dieses Adlers in 
den sächsisch-altenburgischen Grenzwaldungen tritt Hildebrandt 
(451) mit nicht unberechtigten Zweifeln entgegen; jedensfalls 
möchte ich den Nachweis eines solchen Brutvorkommens in der 
zwar sehr bestimmt lautenden, aber zu knappen Angabe Sper- 
lings (268/III): „1 Brutpaar“ (bei Frohburg) allein nicht erbracht 
sehen. Für ältere Zeit macht auch F. A. L. Thienemann (536) 
eine Brutangabe; „Vor einigen Jahren (also vor 1825) horstete 

ein Paar in der Nähe von Leipzig auf einer grofsen 

Buche.“ Hesse erwähnt in seinen zusammenfassenden Arbeiten 
über das Leipziger Gebiet diese Angabe nicht. 

7. VI. 1920 beobachtete ich auf Coseler Staatsforstrevier 
bei Schwepnitz (Lausitz), in der Nähe des Wehrichtteiches, einen 
Fischadler. Baer (9), der übrigens die Fänge eines am 26. VI. 1903 
an denselben Coseler Teichen erbeuteten erhielt, hob schon die 
Seltenheit des Vogels um diese Jahreszeit hervor. 

10 ’^ 


140 


Eich. Heyder: 


144. Falco r, rusticolus L. 

Das einzige Belegstück eines sächsischen Jagdfalken, das 
ich nach Hesse (150) unter ,^Falco rusticolus islandus Gm.“ 
anführte, hat nach neueren Untersuchungen desselben Schrift- 
stellers „als typischer Falco rusticolus L. zu gelten“ (436). 

149. Falco V. vespertinus L. 

Salveter in Waldheim besitzt in seiner Sammlung zwei 
Exemplare aus der dortigen Gegend. 

154. Äsio f. flammeus (Pontopp.) 

Berichtigung: Lies p. 320 auf Zeile 4 von oben statt 
„Leubitzer“ Leulitz er, auf Zeile 7 von unten statt „185“ 
185 1. 

Jährig (268/IV,/VI) führt als Brutgebiete der Sumpfobreule 
auch die Umgegend von Kamenz an und behauptet, wiederholt 
kaum flügge Junge aus dortigen Wäldern und einem Steinbruch 
erhalten zu haben. Ich vermute hier eine Verwechselung mit 
der Waldohreule, obwohl auch von anderen Seiten (268/1 V, 327) 
das Brüten der ersteren in Waldgebieten behauptet wird. 

157. Strix u. uralensis Pall. 

Neuerdings habe ich nochmals (450) die literarischen Be- 
lege für das Vorkommen von Habichts- und Lapplandseule durch- 
geprüft und dabei festgestellt, dafs mit Bestimmtheit nur das 
sächsische Bürgerrecht der ersteren Art besteht. Für das Vor- 
kommen der Lapplandseule spricht nur das Zeugnis von Tobias 
(369, 371); seine Angabe läfst sich jedoch, da die Belegstücke 
für beide Arten verschollen sind, nicht nachprüfen. 

159. Nyctea nyctea (L.). 

Aufser den von mir (446) aufgeführten Fällen des Vor- 
kommens von Schneeeulen existieren noch einige weitere aus der 
Zeit vor 1800. Reichenbach (289) verweist auf „zwei Exemplare, 
weiche bei Leipzig geschossen“ und „aus Leske bekannt“ sind. 
Soweit ich jedoch die Schriften dieses alten Leipziger Zoologen 
kenne, führt er^) nur eins aus dieser Gegend auf, das seinerzeit 
„im Link’schen Kabinett [in Leipzig] aufbewahrt“ wurde, erwähnt 
aber weiter „die 1758 bey Dresden geschossenen zwo Eulen 
dieser Art.“ Aus diesem Jahr liegt noch ein weiterer Nachweis 
vor; es ist nicht unwahrscheinlich, dafs er mit einem der er- 
wähnten Fälle zusammenfällt: Wildmeister Freisieben schofs bei 


N. G. Leske, Anfangsgründe der Naturgeschichte des Thierreichs. 
Wien X788 p. 158. 


Nachträge eur Omis Saxonica. 


141 


Dahlen ein Stück, das „abgekommen und mager“ war und „in 
die Königliche Naturaliensammlung geliefert“^) wurde. 

Das Vorkommen von Schneeeulen ist nunmehr bekannt in 
folgenden zwölf Fällen : Leipzig (Leske 1. c.), Dahlen (siehe oben), 
Dresden (Leske 1. c.), Meifsen (251), Oybin (44, 369, 371), Nieder- 
schöna (289, 290, 271), Kalkreuth (289), Kamenz (290), Zabeltitz 
(l/lll), sächsisches Vogtland (Ilennicke, Orn. Monatsschr. 1894 
p. 188), Zwickau (345, 268/VIP) Plagwitz bezw. Wurzen 
(268/IV, 286). 

160. Surnia u. ulula (L.). 

Keller machte mir (mündl.) Mitteilung von einer bei Königs- 
hain (bei Mittweida) erlegten Sperbereule, die er beim Erleger, 
einem Chemnitzer Gastwirt, sah. 

161. Äegoliusf. funereus (L.). 

Den verhältnismäfsig reichlichen Brutnotizen aus dem 
sächsischen Vogtland gliedert sich die Mitteilung F. A. L. Thiene- 
manns (536) ein, dafs der jüngere Herr von Beust ein Nest von 
f.Strix acadica^^ in einer hohlen Buche auf den Gebirgen des 
Vogtlandes gefunden habe. 

171. Ficoides tridactylus älpinus Brehm. 

Reichenow (500) erwähnt gelegentlich der Erörterung der 
Zugehörigkeit der mitteldeutschen Dreizehenspechte u. a. ein 
Stück der Eberswalder Sammlung aus dem sächsischen Erzge- 
birge. Auf meine Bitte hin teilte mir Prof. Dr. Eckstein (briefl.) 
mit, dafs einer der beiden in der Sammlung der dortigen Forst- 
akademie befindlichen Dreizehenspechte folgende Signatur trage: 
,^Ficus tridactylus L. alt. cf Sachsen Dr. Afsmann.* *‘ Er sei 
älterer Herkunft und stamme aus einer älteren, Mitte des 
19. Jahrhunderts als Grundstock der dortigen Sammlung er- 
worbenen Vogelsammlung. Der Fundort dieses sächsischen Vogels 
liegt also wie bei vielen Sammlungsobjekten damaliger Zeit nicht 
mit wünschenswerter geographischer Genauigkeit fest, insbe- 
sondere scheint nicht erwiesen, dafs er dem Erzgebirge entstammt. 
Zwecks Klärung der Frage der Herkunft läfst sich zwar ver- 
muten, dafs der auf der Etikette genannte Dr. Afsmann der 
Leipziger Professor Dr. med. Friedr. Wilh. Afsmann ist, der 
auch ornithologisch interessiert war, doch ist dies nicht zu be- 
weisen. Noch schwieriger liefse sich ein Zusammenhang her- 
stellen zwischen den von Beichenbach (289) nach Frank (ich 

1) Dresdnisches Magazin. Zweyter Band. Dresden 1765 p. 394. — 
Eine beigefügte Kupfertafel („J. M. Vallier, del“) bildet den Vogel, ein 
nur schwach gezeichnetes Stück, ab. Verf. 

*) An dieser Stelle fälschlich als ^ySurnia nisoria (Wolf)“ be- 
zeichnet. Verf. 


142 


Bich. Heyder; 


schrieb 446 p. 431 fälschlich „Franke‘0 erwähnten Vorkommen 
dieser Art hei Leipzig und dem besprochenen Vogel, den Reiche- 
now (500) bezüglich seiner geograpischen Zugehörigkeit der 
Alpenform zuweist. Für das Erzgebirge liegt bislang nur ein 
sicheres Belegexemplar (9, Schwarzenberg) im Zoolog. Museum 
Dresden vor; die Angabe bei Reichenow (503/11), der Dreizehen- 
specht sei „im sächsischen Erzgebirge als Brutvogel nachge- 
wiesen“, bedarf der Berichtigung. 

173. Ficus c. canus L. 

Berichtigung: Lies p. 432 auf Zeile 10 von oben statt 
„Leipzig“ L e i s n i g. 

Nach Voigt (384/VIII) ist das Nisten des Grauspechts bei 
Leipzig neuerdings sicher festgestellt, nachdem dasselbe nach 
verschiedenen Beobachtungen Hesses (148, 149, 150, 152, 157, 
158) und Voigts (382) sowie für frühere Zeit nach einem cf juv. 
vom 7. VI. 1847 im Zoolog. Museum Leipzig schon sehr wahr- 
scheinlich war. 

175. Merops apiaster L. 

Nach Hesse (435) ist das Erlegungsdatum des im Berliner 
Museum für Naturkunde befindlichen sächsischen Bienenfressers 
laut Etikette der 21. X. 1893. Auch die Angabe, dafs es ein 
junges cf sei (268/X, 293) ist nach dem Genannten dahin zu 
berichtigen, dafs es sich um „ein noch nicht ganz ausgefärbtes 
Stück im zweiten Herbst“ handele. 

Über das Auftreten von Bienenfressern, die sich 1914 in 
ca. 12—15 Exemplaren im Bielatale (Sächs. Schweiz) zeigten, 
berichtet Schreitmüller (526) folgendermafsen : „Die Vögel hielten 
sich längs der Biela auf, wo sie auf- und abfiiegend Li- 

bellen und allerlei fliegende Insekten erhaschten. Nahe einer 
sandig-lehmigen Böschung, in deren steilen Wänden viele Ufer- 
schwalben nisteten, weilten sie besonders gern. Sie safsen hier 
vielfach auf freistehenden Aesten, Felsen und Steinen umher oder 
flogen, Insekten schnappend, ab und zu. Zwei Stücke, anscheinend 
ein Paar, sah ich wiederholt in eine, in die Lehmwand führende 
Röhre kriechen, sodafs ich abZunehmen geneigt bin, dafs die 
Vögel daselbst auch gebrütet haben, was ich mit Bestimmtheit 
jedoch nicht behaupten kann, da der betreffende Ort unzugäng- 
lich war und ich die Sache nicht näher untersuchen konnte. 

Wie mir mein in Dresden befindlicher Bruder auf Anfrage mit- 
teilte, hat er die Bienenfresser noch öfter, zuletzt im Sommer 
1919 [!] beobachtet, sodafs anzunehmen ist, dafs diese Vögel dort 
ständig als Sommergäste erscheinen — — 

Es ist bedauerlich, dafs dieses Vorkommnis nicht näher 
untersucht und nicht rechtzeitig zur Kenntnis eines Vogelkundigen 
gebracht wurde. Eine Bestätigung namentlich des Vorkommens 
nach 1914 halte ich für sehr wünschenswert. 


Nachträge zur Ornis Saxouica. 


148 


Ein weit zurückliegendes Vorkommen einer Anzahl dieser 
Vögel bei Leipzig im Jahre 1517 „umb Philipp! Jacobi“ (Anf. Mai) 
wird uns durch alte Nachrichten^) übermittelt. 

176. Coracias g. garrulus L. 

Weifsmantels tätiger Hilfe verdanke ich einige neue Brut- 
ortangaben der Blaurake, die sämtlich in der Oberlausitzer 
Niederung, dem noch alleinigen sächsischen Siedelungsgebiet, ge- 
legen sind: die Umgebung der Orte Schwepnitz, Grücgräbchen, 
ßiehla und Reichenau, wo er die Art entweder am Brutplatz oder 
kurz nach dem Ausfliegen der Jungen beobachtete, und Cosel, von 
wo er durch den Revierverwalter glaubwürdig unterrichtet wurde. 

Das sächsiche Brutareal umgrenzt sich nach den Funden 
der letzten fünfzig Jahre mit folgenden Orten: Gohrischheide ? 
(374), Brofsnitz ? (268/1), Kienheide (268/IiI), Langebrück (268/III), 
Okrilla (268/I1I, 9), Reichenau (Weifsmantel Tgbch.), Grün- 

gräbchen (Weifsmantel Tgbch.), Cosel (Weifsmantel briefl.), 
Schwepnitz (Weifsmantel Tgbch.), Rohrbach (ein Ei „15. VI. 1853“ 
in der Tharandter Sammlung), Biehla (Weifsmantel Tgbch.), Döbra 
(268/IV), Deutschbaselitz (268/11— IV, /VI , Mayhoff Tgbch.), 
Truppen (99, Hantzsch briefl.), Eutrich (99), Cafslau (99), Nesch- 
witz (376), Neudorf (99), Droben ? (268/VIII), Merka (268/IX), 
Milkel (268/VI,/IX), Kauppa ? (9; „9 12. VII. 1905“ in der 
Tharandter Sammlung). Es fällt in deutlichster Weise mit 
dem lausitzischen Niederungsstreifen zusammen, geht teilweise 
(Reichenau) bis zu dessen Südgrenze und in einem Falle (Lange- 
brück) bis zur Dresdener Heide über dieselbe hinaus ; allerdings 
weist gerade dieser W^ald viel an die Niederungsheiden erinnernde 
Züge auf (Kiefernwälder auf sandigem Boden). 

177. Upupa e, epops L. 

Einige lausitzische Brutplätze des Wiedehopfs, die ich z. T. 
aus eigener Beobachtung kennen lernte, sird nach Weifsmantel 
(Tgbch.) bei Königsbrück, Höckendorf, Reichenau, Gräfenhain, 
Gottschdorf, Grüngräbchen und Weifsig. Hoffmann (456) ver- 
zeichnet einen solchen zwischen Nieder-Rödern und dem Vierteich. 

181. Eipana r, riparia (L.). 

Ungewöhnlich frühes Eintreffen der Uferschwalbe notierte 
Mayhoff (Tgbch.) bereits am 8. IV, 1916 an der Elbe. 

188. Lanius e. excuhitor L. 

Die verwandtschaftlichen Beziehungen und die Berechtigung 
der verschiedenen Raubwürgerformen sind gegenwärtig noch so 

1) T. Heydenreich, Leipzigische Cronicke 1635 p. 98; J. J. Vogel, 
Leipzigisches Geschichts-Buch, Leipzig 1714 p. 92 a (ferner Brehms Tier- 
leben IlL Aufl. Bd. V. p. 89, 280/IV, 69, 150, 440). 


144 


Rieh. Heyder; 


ungeklärt, dafs auch nur einigermafsen abschliefsende Urteile 
über die Natur der sächsischen Vögel nicht zu erwarten sind. 
In der Orn. Sax. nahm ich nach dem Vorgang von Reichenow 
(503) zwei geographische Formen als für Sachsen in Betracht 
kommend an; Brütend und überwinternd L. (exc.) excuhitor und 
gelegentlich überwinternd L. excuhitor maior auct. (jetzt rapax 
Brehm). Hartert verneint bekanntlich das Bestehen der letz- 
teren und hält sie für übereinstimmend mit der typischen Form ; 
ich will ihm aber darin vorläufig nicht folgen, da es nach den 
Auslassungen anderer Systematiker nicht ausgeschlossen erscheint, 
dafs neben den Unterschiedsmerkmalen des Flügelspiegels noch 
weitere, sich besser bewährende vorhanden sind. Die räumliche 
„Begrenzung“ der einzelnen Formen wird man nicht ohne wesent- 
liche Zugeständnisse an „Misch- und Uebergangsrassen“ durch- 
führen können. Dafs hierbei auch sächsischen Brutvögeln eine 
wichtige Bolle zukommen kann, steht zu erwarten, da Graf 
Zedlitz (560) geneigt ist, Brutvögel aus Mittelschlesien bereits 
zu L. exc. homeyeri zu ziehen. 

Das Brüten des Raubwürgers beschränkt sich auf die 
Niederung. Das bestätigen auch die neuerdings wiederholten 
Feststellungen. Weifsmantel (Tgbch.) verzeichn ete Ende Juli 
1917 Alte und ausgeflogene Junge zwischen Strafsgräbchen und 
Grofsgrabe und beobachtete von April bis August 1919 ein Paar 
am Sandteich bei Deutschbaselitz. Ein Stück des letzteren 
Paares beobachtete ich in Weifsmantels Gesellschaft am 11. VI. 
1919 auf einzelnen Kiefern am Sandteich, am 9. VI. 1920 ferner 
zwei, wahrscheinlich ein Paar, sehr scheu, auf hohen Kiefern- 
überhältern einer Randkultur auf Coseler Forstrevier, nahe 
dem Herrenteich. 

189. Lanius e. rapax Brehm. 

Die Aufenthaltsdaten sind nach Hesse (151, 152, 440) noch 
zu erweitern auf die Zeit von Oktober bis Anfang April. 

190. Lanius minor Gm. 

Berichtigung: Lies p. 439 Zeile 4 von unten statt 
„Freiburg“ F r e i b e r g. 

Das Brüten eines Paares des sehr selten gewordenen 
Schwarzstirnigen Würgers in den Jahren 1909 und 1910 in der 
Nähe von Plauen im Vogtlande verzeichnet Dersch (60). 

193. Corvus c. corax L. 

Die Held’sche Angabe von der Erbeutung eines Kolkraben 
bei Waltersdorf (104, 268/1) bezieht sich auf die 1820er Jahre, 
nicht auf die Zeit nach 1868, wie hier berichtigt sei. 

196. Corvus f. frugilegus L. 

Die mir seinerzeit von Voigt briefl. gemachte Mitteilung, 
dafs die Saatkrähe um Leipzig nirgends mehr zu brüten scheine, 


Kachträge zur Ornis Saxonica. 


145 


bestätigt neuerdings wieder Schlegel (521), der die in der Leip- 
ziger Niederung bekannt gewordenen Siedelungen einzeln auf- 
führt. Zweifellos hat früher die Verbreitung dieser Art io 
Sachsen viel weiter südwärts gereicht, sodafs es berechtigt ist, 
mit Hoffmann (456) den jetzt vielfach für die Rabenkrähe 
gebrauchten Volksnamen „Gake“ von der Saatkrähe übernommen 
anzusehen. Doch dürfte diese Verbreitung nicht bis zur Oederaner 
Gegend gereicht haben, in welcher der genannte Name ebenfalls 
gebräuchlich ist. 

197. Coloeus monedula spermologus (VieilL). 

Berichtigung: Lies p. 443 Zeile 3 und 4 wie folgt: 
von denen Oktober, November viele auch südwestwärts durch- 
ziehen und Februar, März zurückkehren. 

Die Herkunft dieser Zugdohlen und ihre subspezifische Zu- 
gehörigkeit bleiben noch zu untersuchen. 

207. Fetronia p. petronia (L.). 

Bei Lindner (485) findet sich auf Tafel VI ein Steinsperling 
von Geisler abgebildet, dessen Aufschrift ,,altes cf aus Sachsen“ 
lautet. Näheres über diese vermutlich irrtümliche Bezeichnung 
war bislang nicht zu ermitteln. 

210. Fringilla m. monfifringilla L. 

Mayhoff (Tgbch.) beobachtete 4. VII. 1916 in einem 
Kiefernwald bei Dippelsdorf einen männlichen Bergfinken. 

214. Carduelis f. flavirostris (L.). 

Berichtigung: Lies p. 449 Zeile 1 und 2 von unten 
statt „aus Leipzig“ aus der Gegend von Leipzig. 

Ergänzend sei erwähnt, dafs Behms (12) d* und 9 vom 
Berghänfling aus Olbersdorf bei Zittau in seiner Sammlung 
besafs. 

217. Carduelis spinus (L.). 

Ende August (25., 26., 28.) 1915 und später beobachtete 
ich kleine Zeisigflüge in Familienstärke auf Birken der Dresdener 
Heide; um diese Zeit für die Niederung eine seltene Erscheinung, 
die das Brüten nicht fern des Fundorts vermuten läfst. 

Carduelis c. citrinella (L.). 

Bei sehr vielen sächsischen Vogelarten liegt die Möglich- 
keit vor, dafs unter den festgestellten Exemplaren sich hier 
und da eins befindet, das aus der Gefangenschaft entflohen und 
dessen Anwesenheit am Feststellungsort mithin keinen natürlichen 
Vorgang bedeutet; das Tier ist also kein Beweis für das Vor- 


146 


Rieh. Heyder; 


kommen seiner Art, sobald seine Herkunft aus der Gefangen- 
schaft feststeht. Diese Feststellung ist jedoch begreiflicherweise 
nur im Ausnahmefall zu machen; meist unterscheiden sich ehe- 
malige Gefangenschaftsexemplare äufserlich in nichts von Wildlingen. 
Bei Arten, die infolge zahlreichen Auftretens als regelrechte Faunen- 
glieder anzusehen sind, spielen solche Einzelfälle keine oder eine 
nur örtliche Rolle von zweiter Bedeutung. Anders dort, wo eine 
Art nur durch wenige Beweisfälle gestützt Aufnahme in die Fauna 
findet. Hier ist, wenn es sich um Arten handelt, die öfters in 
Gefangenschaft gehalten werden, gewifs der Hinweis am Platze, 
dafs unter den als Beweis für das Vorkommen derselben auf- 
geführten Stücken eins oder das andere der Gefangenhaltung 
entflohen sein kann, ohne dafs es möglich ist, den Beweis für 
die wahre Herkunft des Stückes zu erbringen. Man wird aber 
doch mit Recht wohl den tatsächlichen Verhältnissen am nächsten 
kommen, wenn man bei einer Mehrzahl von Einzelnachweisen 
im allgemeinen der Annahme natürlichen Vorkommens zuneigt, 
Gefangenschaftsherkunft aber nur von Fall zu Fall annimmt. 
Sehr in Betracht zu ziehen sind bei der Entscheidung natürlich 
die näheren Umstände des Vorkommens, die Wesensart, Zug- 
gewohnheiten und Verbreitungsverhältnisse der jeweils in Frage 
stehenden Spezies. Von diesen Gedankengängen habe ich mich 
bei der Aufnahme einer Reihe von Arten leiten lassen, bei denen 
sich das Für und Wider im eben erwähnten Sinne geltend 
machte (z. B. Höckerschwan, Brand- und Rostga,ns Edelreiher). 
Ganz besonders schwierig war mir die Einreihung dort, wo ein 
Einzelexemplar die Aufnahme in die Fauna rechtfertigen soll 
und wie sie vorliegt bei der oben bezeichneten Art. Den Zitronen- 
zeisig, den Hesse (141, 150) in einem Exemplar im Botanischen 
Garten zu Leipzig beobachtete, nahm ich nicht unter die für 
Sachsen als sicher nachgewiesen zu betrachtenden Arten auf, 
weil ich das Tier für einen Flüchtling aus Gefangenschaft hielt. 
Mit einer gewissen Berechtigung erhebt daraufhin Hesse (440) 
den Vorwurf, dafs ich damit nicht folgerichtig verfahren sei und 
dies dann bei anderen Arten (z. B. Tadorna, Casarca^ Cygnus olor) 
ebenfalls hätte tun müssen, weil unter diesen auch aus Gefangen- 
schaft entflohene Stücke vermutet werden können. Zu meiner 
Auffassung, das natürliche Erscheinen als noch ungenügend 
gesichert anzusehen — mehr wollte ich auch (446) nicht sagen — 
wurde ich veranlafst durch folgende Gründe: Es fehlte bisher 
an ernsthaften Nachweisen des Zitronenzeisigs für ganz Mittel- 
und Norddeutschland; die Art zeigt jedenfalls nur geringe 
Neigung, im Herbste gröfsere Streifereien anzutreten, die sie bis 
zu uns führen könnten. Erst dem von Hesse erwähnten Vor- 
kommnis liegt eine eindeutige Bestimmung zugrunde. In Ver- 
bindung mit der Tatsache, dafs der Zitronenzeisig nicht selten 
von Liebhabern gefangen gehalten wird, deuten verschiedene 
Momente der Beobachtung (Einzeltier, mindestens vierzehntägiger 


Kacbiräge zur Ornis Saxonica. 


147 


Aufenthalt in einem Grofsstadtgarten, Gesang im Oktober) auf 
ein Tier aus Gefangenschaft hin, sodafs mir die Herkunft aus 
letzterer doch entschieden stärker in den Bereich der Möglich- 
keit tritt. Der zwingende Beweis dafür läfst sich natürlich nicht 
führen; mir war lediglich die gröfsere Wahrscheinlichkeit aus- 
schlaggebend. 

Die Behandlung derartiger Fälle wird immer, weil eine An- 
sichtssache, strittig bleiben. Für den Faunisten erfordert sie 
ein gewisses Mafs von Handlungsfreiheit, weil er sich zu einer 
Stellungnahme bereitfinden mufs, wo endgültige Klaiheit garnicht 
zu erreichen ist. Gewifs gibt es eine noch bequemere Lösung, 
indem man einfach alle mit Sicherheit beobachteten Vögel 
als Bestandteile der Fauna ansieht. Ob das aber in Fällen wie 
dem vorliegenden befriedigendere Ergebnisse verbürgt und die 
strenge Durchführung dieses Grundsatzes nicht zu üeberspannungen 
führt, möchte ich dem Leser doch zu bedenken geben. 

217. Serinus canaria germanicus Laubm. 

Den Girlitz belege ich vorläufig mit obigem Namen, ob- 
wohl bislang noch nicht entschieden ist, ob die in Sachsen hei- 
mischen Tiere dieser westdeutschen Rasse oder dem S. c, polo- 
nicus Dom. näher stehen. Die genauere Feststellung der geo- 
graphischen Variation eröffnet auch die Aussicht auf nähere Be- 
kanntschaft mit den von der Art eingeschlagenen Verbreitungs- 
wegen. 

Voigt (555, 384/VIII) stellte neuerdings den Girlitz bei 
Leipzig überwinternd fest, was durch Hantzsch (99) für Dresden 
ebenfalls schon geschah. 

221. Carpodacus e, erythrinus 

Berichtigung: Lies p. 453 auf Zeile 9 von oben statt 
„vom Kantor Lange“ von Lange. Es ist nämlich nicht mehr 
feststellbar, welcher Lange, Vater oder Sohn, der Erleger der 
Hirschfelder Karmingimpel ist. Vermutungsweise möchte ich 
allerdings den Vater, also den Kantor, dafür ansehen, dessen 
Wohnort Hirschfelde war, zumal der Sohn in seiner Aufzählung 
der „Zittauischen Gebirgsvögel“ (245) diese Art garnicht nennt. 

223. Fyrrhula p. germanica Brehm. 

In der Orn. Sax. führte ich die bei uns brütenden Gimpel 
unter dem damals üblichen Namen F. p. europaea Vieillot auf. 
Stresemann hat neuerdings in sehr beachtenswerten Darstellungen 
(532) ausgeführt, dafs weder dieser Name Vieillot’s, der bisher 
dem kleineren westeuropäischen Gimpel galt, fernerhin ange- 
wendet werden darf, noch die mitteldeutschen Gimpel mit den 
Westeuropäern übereinstimmen. Er wendet deshalb obigen 
Namen an und schreibt (1. c.): „Nahezu oder völlig intermediär“ 


148 


Eich. Heyder; 


zwischen P. p. pyrrhula mit boreoalpinem und P. p. minor mit 
westeuropäischem Areal — „und daher mit dem Namen 
Fyrrhula pyrrhula germanica (oder der Formel Fyrrhula p, 
minor X pyrrhula) zu belegen sind nach den bisherigen Kennt- 
nissen die Gimpel des Erzgebirges und Lausitzer Gebirges, 

sowie der sächsischen und preufsischen Oberlausitz und des öst- 
lichen Thüringen. 

Die Verbreitung des Gimpels als Brutvogel habe ich in 
groben Zügen bereits (446) dargestellt. Im einzelnen zeigt sie 
sich ungemein wechselvoll, sodafs ich in einigen ergänzenden 
Worten auf sie zurückgreifen mufs. Es ist bemerkenswert, dafs 
weite Gebiete von ihm zur Brutzeit völlig oder fast völlig ge- 
mieden werden. Dies gilt vornehmlich für die Niederungsgebiete 
von der Leipziger Bucht bis zur Niederung der Röder und das 
gesamte Hügelland westlich der Elbe bis zu der untersten Stufe 
des Erzgebirges und dem Südrand des erzgebirgischen Beckens. 
Einzelne schüttere Besiedelungsversuche sind auch für diese 
Landstriche gemeldet worden, so für Grofswischstauden bei 
Groitzsch (268/IV), die Wälder südöstlich von Leipzig (137), 
Schweizerthal (268/IV), Rofswein (268/IV) und Grofsvoigtsberg 
(268/IV), allein neuere Forschungen haben sie nicht zu be- 
stätigen vermocht; einige von ihnen sind wahrscheinlich über- 
dies zweifelhaft. Uebereinstimmend hiermit vermifste auch 
Hildebrandt (451) Brutgimpel in den westlich angrenzenden 
Teilen Sachsen-Altenburgs. 

Dafs diese Art im Elster-, Erz- und Elbsandsteingebirge 
ein recht verbreiteter, wenn auch nirgends häufiger Brutvogel 
ist, wird durch reichliche Literaturangaben (268/1— V, 13, 106, 
399, 499, 431) erhärtet. Ich begnüge mich daher damit, die- 
jenigen Fundorte aufzuzählen, die als ungefähr an der Nord- 
grenze dieses Vorkommens gelegen betrachtet werden können: 
Mylau (268/1), „südliche Wälder“ des Zwickauer Gebietes: 
Mylau — Reichenbach — Stangengrün — Hartmannsdorf — Schnee- 
berg (13), Dittersdorf bei Zschopau (Anf. Aug. 1915 Familie — 
Henker briefl.), Augustusburg (268/11), Lengefeld (23. VII. 1914 
im Lengefelder Wald — Verf.), Pobershau (11. V. 1913 beim 
Katzenstein. — Verf.), Tharandt (vielleicht Brutvogel, doch keine 
direkten Beweise. — Baer briefl.), Pirna (268/IV); letzterer Ort 
der bisher einzige bekannte, für welchen das Brüten in einem 
Garten vermerkt wird. Der Gimpel kann sonach für das west- 
elbische Sachsen als eine Art mit fast rein montanem Ver- 
breitungscharakter gelten. Fafst man den oben genannten Fund- 
ort Grofsvoigtsberg mit in die hypothetische Grenzlinie ein, so 
entspricht die gewonnene Linie vollkommen dem Nordrande des 
archäischen Gebirgszuges. 

Weit weniger scharf offenbart sich dieser montane Ver- 
breitungscharakter östlich der Elbe. Zwar setzt er sich längs 
der Bergketten an der sächsischen Südgrenze fort, denn der 


Nachträge zur Oruis Saxonica. 149 

Gimpel ist nachgewiesen als Brutvogel für Schmilka (268/IV, 
399), Schluckenau i, B. (268/VII, IX), Zittau (104), Neugersdorf 
(268/IV), den Kottmar (230) das Königsholz (230), Ebersbach 
(268/11, 385), die LÖbauer Gegend (268/11) und den Czorneboh 
(268/IV), ebenso für die ostwärts anschliefsenden schlesischen 
Grenzgebirge (473), aber die oben entworfene Nordgrenze seines 
Brutareals ändert in ihrem weiteren Verlaufe bald ihre bisherige 
West-Ostrichtung und biegt scharf nach Norden hin ab, sodafs 
fast das gesamte granitische Lausitzer Bergland von ihr erfafst 
wird. Vermutlich besiedelt der Gimpel auch den Nordzug des 
letzteren in gröfserem Umfange als heute bekannt ist: Weifs- 
mantel beobachtete ihn (Tgbch.) 1916 zur Brutzeit öfter bei 
Rauschwitz am Sibyllenstein. Etwa östlich der Röder schneidet 
schliefslich die angenommenen Grenzlinie die geognostisch und 
floristisch ganz anders als die bisher berührten Landstriche ge- 
artete Niederung des alten Breslau -Magdeburger Urstromtales 
und damit zugleich die Landesgrenze, weil auch die Ober- 
lausitzer Niederung als Wohngebiet des Gimpels laut folgender 
Befunde zu betrachten ist: Mayhoff (Tgbch.) stellte 30. V. 1915 
ein (f bei Schwepnitz fest. 7. VI. 1920 begegnete ich in einem 
auf sumpfigem Grunde anstehenden Kiefern -Fichtenmengwald 
mit vielem Unterwuchs von Frangula alnus und Fteridium bei 
Grüngräbchen wiederholt Gimpeln. Nach Weifsmantel (mündl.) 
steht ihr dortiges Nisten aufser Zweifel, weil er sie mit dem 
Aufsarameln von Niststoffen beschäftigt beobachtete. 27. IV. be- 
obachtete Mayhoff (Tgbch.) die Art bei Deutschbaselitz, woher 
auch das Zoolog. Museum Dresden Stücke besitzt, die Strese- 
mann (532) als dort beheimatet betrachtet, obschon ihre Fund- 
daten (6. IX. und 27. X.) teilweise erheblich aufserhalb der Brut- 
zeit liegen. A. von Vietinghoff (376) bezeichnet sie als bei 
Neschwitz brütend, und Hantzsch (99) fand sie als seltenen Brut- 
vogel bei Königswartha. Baer (2) nennt sie geradezu „einen 
Charaktervogel der Fichtenbestände der Berge und in allerneuester 
Zeit kaum weniger der des Tieflandes“ der Oberlausitz. Für 
das östlich benachbarte Schlesien macht Kollibay (473) nur zwei 
Landstriche namhaft, die eine deutliche Bevölkerungsdichte 
seitens des Gimpels aufweisen: Das Oberlausitzer Niederland 
und die südlichen Grenzgebirge. Beide stehen, wie wir sahen, 
in enger Berührung mit dem Areal der Art im Osten Sachsens. 

226. Loxia leucoptera hifasciata (Brehm). 

Berichtigung; Lies p. 455 auf Zeile 9 von oben statt 
,, Freiburg“ F r e i b e r g. 

228. Fasserina n, nivalis (L.). 

Zwei Beobachtungen der Schneeammer aus neuerer Zeit: 
20. XI. 1914 eine an der Bosel bei Meifsen (Mayhoff Tgbch.), 


15Ö Eich. Heyders 

30. XI. 1919 einige am Fufse des Keulenbergs (bei Königsbrück) 
(Weifsmantel Tgbch.). 

229. Emberiga c, calandra L. 

Rechenberger (499) beobachtete einzelne Grauammern zur 
Brutzeit im Erzgebirge bei Mildenau und Königswalde, also bei 
etwa gleicher Höhe noch weiter südlich und kammwärts als ich. 
Ueberwinternd vermochte ich sie bei meinem Wohnorte Oederan 
und weiter hinauf nicht festzustellen; es steht das im Gegensatz 
zu den tiefer gelegenen Strichen, in denen die Art kaum in 
einem Winter vollkommen fehlen dürfte, wenngleich auch da das 
winterliche Auftreten keineswegs gleichmäfsig ist. 

230. Emberiga melanocephala Scop. 

Hesse bemerkt i), dafs ich die Kappenammer „auf Grund 

zweier ganz unsicherer Fälle in die Ornis aufgenommen“ 

habe. Darin kann ich ihm nicht beistimmen. Meyer ^) macht 
die erste Mitteilung über das Vorkommen dieser Art und sagt; 
„Höchst selten in Deutschland. 1 Männchen wurde in der Ge- 
gend von Leipzig geschossen.“ Diese Notiz kehrt bei Naumann 
(280/HI) folgendermafsen wieder: Es soll zwar auch bei Leipzig 
ein Männchen geschossen worden sein, allein ich habe, aller Er- 
kundigungen ungeachtet nichts Gewisses davon erfahren können 
und mufs es deshalb bezweifeln“. Obwohl Meyers Angabe sehr 
bestimmt abgefafst ist, hat es den Anschein, als ob er das Stück 
nicht selbst gesehen habe, denn ich betrachte es als das Nächst- 
liegendste, dafs sich Naumann in seinen Nachforschungen zunächt 
an Meyer gewendet haben wird und dieser ihm das Vorkommen 
nicht zweifelsfrei verbürgen konnte. Den zweiten Fall erörtert 
Berge (13, 22) teilweise sehr ausführlich: 3. IX. 1877 wurde auf 
dem Bahnhof zu Zwickau ein Männchen verendet aufgefunden, 
„wo es sich den Tod anscheinend durch Anfliegen zugezogen hatte.“ 
Es gelangte in den Besitz des dortigen Präparators Rob. Riedel, 
bei dem Berge es sah und zu der Anschauung gelangte, dafs es 
„als Wildling anzusprechen“ sei. 

Gewifs ist die Möglichkeit vorhanden, dafs wie andere 
Irrgäste auch diese Kappenammern entflogen sein können; sowohl 
Berge als auch ich (446) haben dem auch Ausdruck gegeben. 
Dennochi befinde ich mich wieder in Uebereinstimmung mit Berge 
in der Annahme, dafs die Möglichkeit eines natürlichen 
Vorkommens die erstere überwiegt und die Art den 
Vögeln Sachsens zuzuzählen sei. Dazu veranlafst auch das ver- 
hältnismäfsig ofte Vorkommen der Art auf Helgoland usw. Hält 


1) Journ. f. Orn. 68. Jg. (1920) p. 274. 

8) Zusätze und Berichtigungen zu Meyer und Wolfs Taschenbuch 
der deutschen Vogelkunde (1822) p. 61. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


ISI 


Hesse (444) es für „sogut wie sicher“, dafs eine andere, von ihm 
besprochene und vermutlich vor 1869 erbeutete männliche Kappen- 
ammer, von deren einstiger Existenz lediglich ein von einem 
hessischen Schäfer gemaltes Bildnis zeugt (!), der Freiheit ent- 
stammend „auf einem der vielen früheren Vogelherde des 
Thüringes Waldes gefangen“ wurde, so mufs mindestens gegen- 
über dem Zwickauer Vorkommnis, dessen Belegstück wahr- 
scheinlich noch heute vorhanden ist, ohne weiteres dieselbe Her- 
kunft angenommen und damit der Vorwurf der Unsicherheit 
zurückgewiesen werden. 

232. Emberim hortulana L. 

Das Brutvorkommen der Gartenammer war bisher im 
wesentlichen nur für die ostsächsische Niederung bekannt (l/III, 
/IV, 268/1, /III, 2, 99, 230, 374). Es steht hier geographisch 
und ökologisch in innigem Zusammenhang mit dem derpreufsischen 
Oberlausitz, das von Baer (2) und Stolz (529) ausführliche Dar- 
stellung gefunden hat. Bei dem gleichlautenden Landschafts- 
ausdruck beider Gebiete stand ein derart einheitliches Verhältnis 
nur zu erwarten. Die ausgesprochene Vorliebe für besondere 
Bodenklassen, insbesondere Sand- und Löfsboden, bestimmt auch 
das sächsische Areal der Art und gibt die Erklärung für das nur 
strichweise Siedeln. 

Die neu angestellten Beobachtungen bestätigen die bereits 
(446) namhaft gemachten lausitzischen Fundorte. Speziell das 
von Kramer (2) und Hantzsch (99) berichtete Vorkommen bei 
Königswartha verbürgen aufs neue Hoffmann (456) und Stolz (529). 
Mayhoff (Tgbch.) beobachtete 6. V. 1915 ein 9 zwischen dem 
Keulenberg und Königsbrück, also in derselben Gegend, für die 
schon Fritzsche (268/III) 1877 das Brüten vermutete; nördlich 
von hier, bei Rohrbach und Grüngräbchen, stellte Weifsmantel 
(Tgbch.) in der Brutzeit singende Männchen fest. Nach Hoffmann 
(456) wurden 1915 Gartenammern bei Wantewitz südlich Grofsen- 
hain beobachtet, wiederum also auf altem Siedelungsbereich der 
Art (l/III, /IV, 268/1, /III). Interessant und wichtig ist die Tat- 
sache, dafs neuerdings zahlreiche Brutplätze westlich der Elbe 
gefunden werden konnten. Dieselben erstrecken sich etwa vom 
Weifseritztal an nordwärts über eine schwachwellige Hochfläche 
bis mindestens zur Meifsener Gegend. Bisher erhielt ich Kenntnis 
von Beobachtungen an folgenden Fundorten: Kästner (mündl. u. 
briefl.) beobachtete Gartenammern im Juli der Jahre 1916—1918 
in Kirschalleen zwischen Bahnhof Löbschütz und Klein-Kagen, 
Löbschütz und Nimtitz, am 28. V. 1917 auch eine zwischen 
Klein-Kagen und Pröda, westlich Meifsen. Ebenfalls auf Kirsch- 
bäumen beobachtete ferner Mayhofi (Tgbch.) am 28. V. 1916 
zwei cf zwischen Weifstropp und dem Tännichtgrund, was Hoff- 
mann (456) bestätigt. Zumpe und Voigt (briefl. u. mündl.) 


Bich. Heyder: 


m 

trafen sie im Sommer 1920 zwischen Munzig und Helbigsdorf 
in mehreren Männchen an; letzterer auch weiter nördlich noch- 
mals bei Görna, also unweit des oben genannten Löbschütz. 
Am weitesten südlich stellte sie Hoffmann(456) 1916 bei Nickern, 
südlich Dresden, fest, fand aber 1917 hier keine mehr. Bäfsler 
(416) fafst das Auftreten unter Nennung einiger weiteren Be- 
obachtungsorte nach seinen Beobachtungen von 1920 wie folgt 
zusammen: Von der Jocbhöhe (nördliche Weifseritzhöhen bei 
Potschappel) an über Kesselsdorf, Weifstropp bis hinauf nach 
Meifsen. Es scheint sich hier um ein geschlossenes inselartiges 
Siedelungsgebiet westlich der Elbe zu handeln, dessen Aus- 
dehnung noch garnicht fest liegt, dessen südliche Begrenzung 
aber wohl durch das Einsetzen des Gebirgscharakters in der 
Landschaft (etwa im Weifseritzgebiet) erfolgt. Da dieses Vor- 
kommen früher nicht bekannt, jetzt aber plötzlich von ver- 
schiedenen Seiten zugleich beobachtet wurde, wird man auf Neu- 
ansiedelung schliefsen. Indessen ist es eine bekannte Gewohn- 
heit der Gartenammer, bald zahlreich, bald selten aufzutreten, 
bald eine bisher bewohnte Gegend jahrelang ganz zu meiden. 
Die Meldung Edlichs an Meyer und Helm (268/1 V): „In ver- 
schiedenen Jahren, d. h. nicht jedes Jahr, 88 z. B. nicht, gegen 
Ende des Sommers familienweise Alte mit unlängst ausgeflogenen 
Jungen, was mich vermuten liefs, dafs hier gebrütet^*, die sich auf 
die Gegend von Rofswein bezieht, ist hier von besonderer Be- 
deutung und spricht für Neuansiedelung jedenfalls nicht. Ob 
die Elbtalhänge noch regelrecht von der Gartenammer bewohnt 
werden, wie dies nach W. Thienemann vermutlich früher der 
Fall war, ist nicht bekannt geworden; nur Zimmermann (565) 
beobachtete 21. und 31. V. 1916 je eine bei Niederwartha in 
Weinbergsgelände, unfern des oben erwähnten Fundortes Weifs- 
tropp ; vielleicht liegt aber auch der von Hoffmann (456) erwähnte 
Fundort bei Nickern noch im Bereich der Elbtalflanken. — 

Dafs die Gartenammer eine alteingesessene Vogelart ist und 
nicht, wie Marshall 3) meint, erst in den letzten Jahrhunderten 
in Mitteldeutschland einwanderte, dafür liegen durch das Inter- 
esse, welches das Wildbret des Vogels früher fand, gerade aus 
Sachsen und seinen Nachbargebieten genügende Beweise vor; 
Ortolanenherde bestanden in der Dresdener Gegend, und ein 
gewandter Ortolanenfänger, der „Schütze bei Ihro Excellenz dem 
Grafen von Flemming auf Hermesdorff, David Richter“ ver- 
mittelte zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts dem Dres- 


1) Monatsschr. d. Deutsch. Ver. z. Schutze d. Vogelwelt 6. Jg. 

(1881) p. 8. 

*) Deutschlands Vogelwelt im Wechsel der Zeit. Hamburg 1886, 

p. 20. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


m 

dener Arzt Wolff^) so vorzügliche Angaben über Lebensweise, 
Zug und Fang des Vogels, dafs Naumann mit Erfolg für seine 
Naturgeschichte aus ihnen hätte schöpfen können. 

234. Emleriea rustica Pall. 

Berichtigung: Lies p. 458 Zeile 6 von oben statt 
„Oberländische“ Oberländersche. 

Die Waldammer ist aus der Reihe der säch- 
sischen Vögel zu streichen, weil als genauer Fund- 
ort des von mir (440) angeführten Belegstückes Schönhaide 
bei Mannichswalde, jenseits der sächsichen Grenze, anzusehen 
ist, wie inzwischen durch Hildebrandt (451) nach älterer An- 
gabe *) festgestellt wurde und auch die Nachprüfung des Brief- 
wechsels zwischen Oberländer und Lichtenstein durch Hesse (444) 
ergeben hat. — 

Im „Neuen Naumann“ ist das Vorkommnis, wie hier kurz 
als Entgegung auf Hesses Schlufsnotiz (444) bemerkt sei, nicht 
weggelassen, sondern in den Nachträgen (III, p. 383) erwähnt. 

237. Änthus c. campestris (L.). 

Das sächsische Verbreitungsgebiet des Brachpiepers deckt 
sich aus ökologischen Ursachen im wesentlichen mit dem des 
Triels, nur mit der Einschränkung, dafs der letztere begreif- 
licherweise gröfsere Ansprüche an Ausdehnung und Abgeschie- 
denheit der einzelnen Wohnplätze stellt als ersterer. Unter 
Zuhilfenahme der neuerdings gelungenen Nachweise wissen wir 
ihn nunmehr durch die ganze nordsächsische Niederung ver- 
breitet, was die nachfolgende Zusammenstellung der Brutorte 
bezw. derjenigen Fundstätten, für die der Beobachtungszeit nach 
das Brüten vermutet werden darf, veranschaulichen möge. Vom 
Osten an bis zur Elbe sind dies die folgenden: Halbendorf 
(cf 25 V. 1904 Zoolog. Mus. Dresd. — 7), Milkel (2), Neudorf (99), 


D. Andreas Elias Büchner, Miscellanea physico-medico-mathe- 
matica . Erstes und Zweytes Quartal 1727 (Erfurth) p. 112 — 116. — 
Nach dem Bericht Richters kommen die Ortolane „gemeiniglich gegen 
die Mitte des Monats Aprilis zum Vorschein, halten sich gern in Wein- 
bergen auf und pflegen allda zu nisten. Die Winzer oder Weingärtner 
und Bauern pflegen sie in unserer Gegend Windische oder Wendische 
Goldammer zu nennen. Im Monat Augusto ziehen sie von hier weg 
und meistens des Nachts. — — Vom 12. Aug. bis den 24. ejusd. 

fliegen sie am stärksten, Nun folgen ausführliche Angaben über 

Anlage eines Herdes, Fang, Gefangenhaltung, Fütterung, Mästung und 
Zubereitung, Färbung und Stimme. „Während er des Nachts fleugt, so 
schnüpfet er eine Zippe, nur dafs er die Stimme länger ziehet und 
thönet, wer nicht wohl achtung giebt solte meynen es wären Zippen - — 

2) Ehea, 1. Heft (1846) p. S. Verf. 

Joom. f. Om. IjXX. Jahrg. April/ Juli 1922. 


11 


154 


Rieh. Heyder; 


Königswartha (2, 99), Neschwitz (2, 528), Truppen (99), Zerna 
(3. VI. 1914 beob. — Verf.), Kriepitz (Weifsmantel Tgbch.), Deutsch- 
baselitz (2, Weifsmantel Tgbch.), Schiedel (derselbe), „Wobrasch- 
ken“bei Schiedel (10. VI. 1919 beob. — Verf.), Zschornau (Weifs- 
mantel), Strafsgräbchen, Häslich, Reichenau (derselbe, 7. VI. 1919 
bei R. beob. — Verf.) Gottschdorf, Weifsbach, Königsbrück (Weifs- 
mantel Tgbch.), Laufsnitzer Heide (7. VI. 1919 beob. — Verf.), 
Bärnsdorf (9. V. 1915 beob. — Mayhofl Tgbch.), Radeburg (14. V. 
1916 beob. — Mayhoff. Tgbch.), Niederrödern (30. VI. 1916 
beob. — Mayhoff Tgbch.), Moritzburger Wald (21. V. 1916 beim 
Georgenteich, 4. VII. 1916 beim Rietzschkegrund, 13. VII. 1916 
in Weinböhlaer Kiefernheide beob. — Mayhoff Tgbch.), Grofsen- 
hain (l/ll, 268/1), Skassa (l/III), Roda (cTcTQ 17. V. 1903 im 
Zoolog. Mus. Dresden), Nünchritz (268/V, /VI, /VIII, /X), Goh- 
rischheide bei Zeithain (374). Am weitesten nach Süden vor- 
geschoben sind Kriepitz, Häslich, Laufsnitzer Heide uud der 
Moritzburger Wald. Ganz abgetrennt von diesem Gebiet ist der 
von Weise und Rudolph (385, 268/11) als Brutort aufgeführte 
Schlechteberg bei Ebersbach, ein Basaltberg im Lausitzer Ge- 
birge. Westwärts des Elblaufes liegen Nachrichten vor über 
Diesbar (384), Mautitz (268/1, /II), Oschatz (326), Wurzen (198, 
268/11), Böhlen bei Grimma (268/IX), Grofssteinberg-Pomfsen 
(157, 440), Schleufsig (für zurückliegende Zeit: cf juv. 14. VII. 
1862 im Zoolog. Museum Leipzig — 150, 440) und neuentstandene 
Kiesflächen nahe dem Leipziger Mefsplatz, wo sich Sommer 1920 
hindurch mehrere anscheinend unbeweibte aufhielten und 
vielleicht zu dauernder Ansiedelung schreiten (Nestler briefl.) 

Trotz der Fülle an Einzelangaben ist ein weiteres Studium 
des Verbreitungsgebietes erforderlich, da die Verbreitung nach 
Süden zu eine' natürliche Grenze findet, deren Verlauf noch 
nicht genügend klar ist. Es ist anzunehmen, dafs z. B. in der 
Bautzener Gegend der Brachpieper mit den diluvialen Sanden 
viel weiter nach Süden geht als gegenwärtig bekannt ist. — 

Ein ganz ungewöhnlich frühes Beobachtungsdatum nennt 
Hoffmann (456) mit dem 25. März ; ich beobachtete andererseits 
noch sichere Durchzügler am 1. und 6. Mai. 

238. Anthus sp. spindletta (L.). 

Berichtigung: Lies p. 460 auf Zeile 7 von oben statt 
„1908“ 1 909, auf Zeile 3 von unten statt „aus Leipzig“ aus 
der Gegend von Leipzig. 

241. Motacilla c. cinerea Tunst. 

Einige weitere Angaben über das Auftretetü der Gebirgs- 
bachstelze in der Niederung seien hier kurz angeführt: 9. IV. 
1909 ein Paar bei der Commerauer Mühle bei Königswartha 
(Mayhoff Tgbch.), 14. V. und 24. IV. 1916 je ein Paar am Brett- 


Nachträge zar Ornis Saxonica. 


155 


mühlenteich bei Zschorna (Mayhoff Tgbch.), 7. VII. 1919 eine 
Familie am Abflufs des Dammühlenteichs bei Schönfeld, 7. und 
9. VI. 1920 ein Paar fütternd bei Grüngräbchen (Verf.). Nach 
Weifsmantel (mündlich) ist das Brüten dieser Stelze im nörd- 
lichen Niederungsstreifen der Lausitz nichts seltenes. 

Motacilla flava thunhergi Billberg. 

Am 20. V. 1919 hielten sich auf einem Saatfeld nahe des 
Nordwestufers des Grofshartmannsdorfer Grofsteichs eine Anzahl 
Schafstelzen auf, die entgegen der Gewohnheit ihrer Artgenossen, 
welche sich schon auf ihre Brutplätze verstreut hatten, einen eng 
zusammenhaltenden Flug bildeten und sich dadurch als Durchzügler 
auswiesen. Es waren 5—6 Stück, worunter mindestens 3 cT. Da 
die Vögel anfangs nicht sonderlich scheu waren und erst nach 
mehrmaligem Angehen sichtlich mifstrauischer wurden, konnte 
ich mich mittels Prismenglases mehrmals genau vom Fehlen des 
Superziliarstreifs überzeugen und die dunkle Färbung des Ober- 
kopfes bei mindestens dem mir jeweils zunächst sitzenden cf 
feststellen. Es unterliegt für mich keinerlei Zweifel, dafs ich 
Motacilla flava thunhergi vor mir hatte und dafs alle Vögel des 
Fluges dieser nordischen Form zugehörten. 

Einstweilen reihe ich diese Form den sächsischen Vögeln 
noch nicht ein, da ich überzeugt bin, dafs fernere Beobachtungen 
diese erstmalige Feststellung bald bestätigen werden. 
Bedauerlich ist, dafs mir die Möglichkeit des Abschusses eines 
Belegs nicht geboten war. 

244. Melanocorypha c. calandra (L.). 

Neuerdings wandeln mich Zweifel an, ob das sächsische 
Belegstück nicht doch der Gefangenschaft entflogen und dann 
wieder in die Hände des Fängers geraten ist. Baers (2) Ge- 
währsmann versichert zwar, dafs der Vogel unter Haubenlerchen 
und Artgenossen betroffen wurde, welch letzteres mich auch zur 
Aufnahme bestimmte. Ich halte es jedoch für bedenklich, ledig- 
lich auf eine von dem Gewährsmann Preifsler nur weitergegebene, 
nicht durch Eigenbeobachtung befestigte Angabe hin das Stück 
als Wildling anzusehen und die Art in der Liste zu führen. 

248. Certhia familiaris macrodactyla (Br.). 

Dem Waldbaumläufer ist während der Berichtsjahre auch 
in Sachsen so lebhafte Aufmerksamkeit gewidmet worden, dafs 
ich die (446) gegebenen Mitteilungen nicht unwesentlich erweitern 
bezw. berichtigen kann. Was zunächst die subspezifische 
Einordnung der bei uns wohnenden Waldbaumläufer be- 
trifft, so haben sich Stimmen erhoben gegen meine Einbeziehung 
des sächsischen Vogels in die oben genannte mitteldeutsche 

11 * 


156 


Rieh, Heyder: 


Form. Reichenow (501) vertritt die Ansicht, er müsse zur öst- 
lichen Form gezogen werden, also familiaris heifsen. Dem- 
gegenüber kommt Schlegel (517, 519, 520), der neben den wenigen 
Vögeln des Zoolog. Museums Dresden, die mir seinerzeit Vor- 
lagen und die dann Mayhoff auf meine Bitte nochmals nach- 
prüfte, eine gröfsere Serie (17 Stück) aus dem Leipziger Gebiete 
daraufhin untersuchen konnte, zu folgendem Ergebnis: Es sind 
— — hinsichtlich des Einordnens des sächsischen Materials zwei 
Möglichkeiten gegeben. Entweder verweisen wir die Sachsen 
auf die unterste 'Stufe der Variationsbreite des hellen familiaris 
familiaris oder ziehen ihn zum dunklen familiaris macrodactyla. 
Da nun der Variationsausschlag gegen familiaris familiaris ein 
recht auffälliger ist, sich aber unsere Sachsen von bayerischen 
und thüringischen Stücken nach meiner üeberzeugung nicht 
unterscheiden lassen, halte ich es persönlich für zwingender und 
natürlicher, die Sachsen besser mit Certhia familiaris macro- 
dactyla zu identifizieren.“ Ebenso zieht Stresemann (533) ihm 
aus Sachsen vorliegende Stücke zu dieser Form, betont aber 
gleichzeitig, dafs macrodactyla „eine nur schwach ausgebildete 
geographische Form“ sei. Ich füge hinzu, dafs auch im vor- 
liegenden Falle dem vermittelnden Charakter unserer sächsischen 
Vögel am natürlichsten Rechnung getragen wird durch die An- 
wendung von Formelzeicheu, wie sie Stresemann neuerdings 
wieder empfiehlt. Sie müfsten wie folgt verwendet werden: 
Certhia familiaris macrodactyla >- familiaris. 

Im Ganzen darf ich mir hier wohl die Meinung zu eigen 
machen, die Graf Zedlitz^) sehr treffend äufserte, nämlich, dafs 
es nebensächlich ist und Ansichtssache bleibt, wieviel und 
welche Namen man benutzt, um darzutun, dafs eine allmähliche 
Veränderung des Gefieders von West nach Ost stattfindet. 

Hesse schofs am 24. XI. 1916 im Kanitzschforst bei Leipzig 
ein 9 'iJid verglich es mit dem /ameZmns- Material des Berliner 
Museums. Der Vergleich ergab ihm, dafs dieses 9 hellste 
von allen Stücken war. Hesse (440) zieht es deshalb zur letzt- 
genannten Form und erblickt in ihm eine Bestätigung der oben 
erwähnten Ansicht Reichenows. Wichtiger als die Frage, ob 
ein Einzelstück bei der nicht unerheblichen Pendelweite indivi- 
dueller Variation überhaupt zu einem Urteil berechtigt, erscheint 
mir der Hinweis, den sowohl Schlegel (520) als auch Graf Zed- 
litz (1. c.) damit geltend machen, dafs es sich um einen Winter- 
Vogel von möglicherweise östlicher bezw. nördlicher Herkunft 
handeln könne. Einstweilen warte ich weitere Untersuchungen 
in dieser Hinsicht ab, bevor ich auch die Nominatform als in 
Sachsen auftretend betrachte. 


1) Journ. f. Orn. 68. Jg. (1920) p. 72. 


Nachträge zur Omis Saxonica. 


157 


In einem Punkte mufs ich mich besserer Einsicht fügen: 
Für das Zustandekommen von Kreuzungen mit Exemplaren der 
äufserlich so nahestehenden Formengruppe CertJiia hrachydactyla 
haben sich auch neuerdings Beweise nicht finden lassen. Auch 
die Beobachtung Kramers (384, 230), der von einem Vogel sowohl 
den Gesang von hrachydactyla als den von familiaris gehört 
zu haben angibt, hat anderweite Bestätigung nicht erhalten. 
Die „physiologische Entfremdung“ — um mit Stresemann (530) 
zu reden — zwischen beiden Formengruppen ist doch tiefer als 
ich früher (446) glaubte. 

Der Waldbauffiläufer ist heute in allen Teilen Sachsens 
festgestellt und nicht, wie Hoffmann (452) anzunehmen geneigt 
ist, „in vereinzelten Posten“ im Lande vertreten. Er ist also 
nicht wie im Westen und Süden seines Verbreitungsareals, aus« 
schliefslich an das Gebirge gebunden und kettet sich ebensowenig 
überall an dessen Baumarten. Ein gemeinsames Merkmal seiner 
hiesigen Aufenthaltsplätze scheint in der Geschlossenheit der von 
ihm bewohnten Bestände zu liegen. Ich fand das bisher überall 
bestätigt, wo ich der Art begegnete. Vielleicht liegt hierin der 
Schlüssel zu der vielfältig (369, 371, 2, 230, 520) vertretenen 
Annahme, dafs der Waldbaumläufer auch in Mitteldeutschland 
den Nadelwald vorziehe, der uns ja in dieser Eigenschaft viel 
häufiger entgegentritt als Laubholzwuchs. Betrachten wir das 
örtliche Vorkommen in Sachsen näher, so finden wir durch 
Weifsmantel (Tgbch.), der ihn in den Kiefernhochwäldern der 
Lausitzer Niederung und auch an den mit Mischwald bestandenen 
Hängen des Pulsnitztales östl. von Königsbrück (Tiefental) be- 
obachtete, neuerdings die etwas allgemeine Angabe Baers (2) 
vom Vorkommen der Art in der Oberlausitz bestätigt. Bei Weifs- 
mantels Wohnort Grüngräbchen beobachtete ich 6. und 7. VI. 1920 
ein (? im mittelalten Kiefernwald mit Fichtenzwischenwuchs. 
Dem Elbelauf zu mehren sich die Einzelnachweise und liegen 
vor von Staatsforstrevier Okrilla (2 cf vom 10. VIII. 1905 im 
Dresdener Museum), Gutspark Hermsdorf an der Röder (452, 
456, Tgbch. Mayhoff), Moritzburger Wald (492, 453), Dresdener 
Heide (453, cf vom 10. VII. 1903 im Dresdener Museum), 
Gauernitz bei Dresden (446). Ebenso reichlich belegt ist das 
Vorkommen im nordelbischen Teile des Elbsandsteingebirges, 
insbesondere für das Doppelmassiv beider Winterberge und der 
es begrenzenden Taleinschnitte, aufserdem auch für Brand und 
Bastei durch Beobachtungen Voigts (briefl., 384), Hoffmanns(452, 
453, 456), Mayhoffs (Tgbch.) und Belegstücke im Dresdener 
Museum (3 cf vom Ottendorfer Revier). Über die Vorliebe für 
eine bestimmte Waldfazies der genannten Gegenden, deren Wälder 
vorwiegend von Nadelhölzern, in erster Linie Kiefern gebildet 
werden, erfahren wir wenig. Hoffmann (452) sagt, dafs er den 
Waldbaumläufer im Hermsdorfer Park meist an alten Eichen, 
Buchen, Kastanien, Erlen und Obstbäumen, an anderen Orten 


158 


Rieh. Heyder: 


mehr an Nadelhäumen betroffen habe; Mayhoff fand ihn bei 
Moritzburg in Kiefern-Birkenwald (Tgbch.). Für die Gegend 
von Grofshennersdorf (südöstl. Lausitzer Gebirge) weist ihn 
Kramer (230) dem Nadelwald zu. Das gleiche mufs ich ohne 
wesentliche Einschränkung für das Erzgebirge tun. Hier be- 
heohachteten ihn Rechenherger (briefl.) in der Gegend von Anna- 
herg, Stresemann (530) in Kieferwäldern bei Oberschlehia, woher 
die Staatssammlung München ein Belegstück besitzt. Ein weiteres 
enthält die Sammlung der Forstakademie Tharandt: „Tharandt, 
29. IV. 1905“. Ich selbst fand ihn im Erzgebirge bisher an 
folgenden Orten: 25. III. und 20. VI. 1920 je ein singendes cf 
in ca. hundertjährigem Fichtenbestand des „Oberen Freiwaldes“ 
hei Brand, 21. und 27. VIII. 1919, doch später nie wieder, ein 
solches in alter Fichtengruppe des Gutsparkes von Börnichen bei 
Oederan, seit 1914 alljährlich und sehr beständig in mehreren 
Paaren in einem alten Rotbuchenbestand des Röthenbachgehänges 
im Borstendorfer Walde (446) und den angrenzenden Fichten- 
parzellen sowie anderen Fichtenorten dieses Reviers, 23. IV. 1919 
im Lengefelder Walde, 18. IV. und 9.V. 1920 in der „Feldung“ 
im Flöhatal, wiederum stets in Fichtenwaldteilen von einem be- 
stimmten Gepräge: Durch Windwurf lückig gewordene Althölzer, 
in welchen infolge ihres schütteren Bestandes bezw. infolge des 
Alters der Bäume das durchfallende Tageslicht bereits wieder 
Bodenvegetation hervorzubringen imstande ist und besonders 
Aira flexuosa ausnahmelos in mehr oder minder zusammen- 
hängenden Polstern den Waldboden überzog. Zweifellos ist der 
Waldbaumläufer in den Bergwäldern, wenn auch nicht häufig, so 
doch viel verbreiteter als bisher festgestellt und seine Vertikal- 
verbreitung erst auf dem Rücken unserer Gebirgszüge abge- 
schlossen. Da, wo ich ihn im Gebirge zur Brutzeit fand, habe 
ich den Gartenbaumläufer nie angetroffen. In der Niederung aber 
treten beide auch brütend nebeneinander auf, wie die meisten 
Beobachter übereinstimmend berichten. Im Leipziger Gebiet 
fand Schlegel (520) beide als gleich häufige Standvögel, unsere 
Art in geschlossenen Waldkomplexen entschieden häufiger, den 
Gartenbauffiläufer im mehr freien Gelände als den ausschliefs- 
lichen Brutvogel. Aufser den 17 Belegvögeln aus diesem engeren 
Gebiet, die Schlegel seinen Balgstudien zu Grunde legte, besitzt 
die Sammlung des Zoolog. Instituts zu Leipzig nach Hesse (150, 
440) 2 Stücke aus dieser Gegend, für welche die Art aufser dem 
letztgenannten (146, 150, 151, 152, 157, 158, 440) mir auch 
Voigt (384, briefl.), Nestler (briefl.) und Schlegel (517, 519, 520) 
nachwiesen. Endlich liegt aus dem Muldegebiet, aus dem 
„Tiergarten“ bei Colditz, wo ich trotz mehrfacher Besuche immer 
nur Gartenbaumläufer und zwar häufig antraf, ein von Hantzsch 
gesammeltes Belegstück vor; 9 vom 28. IV. 1905 im Dresdener 
Museum (446). Auch hier herrscht, wie in den Leipziger Fund- 
gebieten, Laubwald. Für die meisten der genannten Oertlichkeiten 
dürfte die Art als Brutvogel anzusehen sein. 


Nachträge zur Ornis Saxonica. 


159 


249. CertJiia b, hrachydactyla Br. 

Den Gartenbaumläufer sucht man im Gebirge meist ver- 
geblich als Brutvogel, obschon ihn das Niederland und die Vor- 
berge regelmäfsig und an zusagenden Lebensräumen auch häufig 
aufweisen. Ursache davon ist seine deutliche Abneigung gegen- 
über reinem Fichtenwald, der ja im Gebirge mit zunehmender 
Höhe zu immer stärkerer Entfaltung kommt. Solange man diese 
Verhältnisse im Auge hat, kann man jedenfalls nicht ohne Be- 
rechtigung sagen, dafs der Gartenbaumläufer in der Niederung, 
der Waldbaumläufer hingegen im Gebirge vorherrscht. Mir ist 
nur einmal das Brüten unserer Art im reinem Fichtenwalde vor- 
gekommen: Kästner führte mich 13. V. 1920 im „Küchen wald“ 
bei Frankenberg an ein Nest, das in einem vom Schwarzspecht 
herrührenden Einhieb in einem Fichtenstamme stand. Nach der 
Brutzeit schwindet übrigens diese Eigenheit; Gartenbaumläufer 
im Fichtenwald sind dann keine Seltenheit mehr. Mit der Kiefer 
findet er sich weit besser ab; in den grofsen Heidewäldern der 
Lausitzer Niederung fand ich ihn verhältnismäfsig oft, meist 
allerdings dann, wenn die Kiefern gleichzeitig Zwischenwuchs 
alter Birken oder die Nachbarschaft eichenbestandener Teich- 
dämme aufwiesen. In ^anz besonderem Mafse folgt er der Eiche; 
selbst in völlig isoliert stehenden Gruppen alter Eichen wird man 
ihn selten vermissen. An Oertlichkeiten, wie sie hrachydactyla 
auch in der Niederung wählt, wie alten Baumgärten, Alleen, 
Parks mit rissig berindeten Bäumen usw., tritt sie jedoch auch 
im Berglande auf. Doch erreicht hier ihr Auftreten nicht mehr 
jene Häufigkeit, mit der sich ihr Vorkommen in tieferen Lagen 
charakterisiert, weil die angegebenen Plätze mit der Höhenzu- 
nahme seltener werden und schliefslich verschwinden. Das Auf- 
treten der Art ist deshalb schon in mittleren Stufen ausgesprochen 
selten und insulär, aufserdem aber noch ungenügend bekannt. 

Es kann sich hier also vornehmlich nur darum handeln, 
festzustellen, wieweit der Garten baumläufer das Gebirge ersteigt. 
Da uns bezüglich der Artunterscheidung zwischen beiden Gruppen 
die ältere Literatur völlig im Stich läfst, betrachte ich als ge- 
sicherte Funde nur die Angaben neuerer Beobachter: Schlegel 
(520) stellte ihn für mehrere Stellen des Zwickauer Beckens (um 
Hohenstein-Ernsttal, Wildenfels und im Revier Hainholz) fest. 
Ich selbst fand ihn bei Oederan, also auf der niedrigsten Schwelle 
des Erzgebirges, verschiedentlich brütend; die südlichsten Punkte 
in meinem engeren Beobachtungsgebiet, an denen ich ihn zur 
Brutzeit fand, sind Langenau (südl. Freiberg), Leubsdorf und 
der Rauensteiner Schlofsberg im Flöhatal und erreichen Höhen 
von reichlich 450 m; darüber hinaus fand ich ihn nicht mehr. 
Mayhoff (Tgbch.) notierte ihn noch für das tief eingeschnittene 
Weifseritztal bei Berreuth im östlichen Erzgebirge. Am weitesten 
hinauf hat ihn Rechenberger (mündl.) verfolgt, der ihn brütend 


160 


Eich. Heyden 


im Kurpark Wieseubad im Zscbopautal und beim Markus Roeh- 
lingschacht bei Annaberg (ca. 600 m) feststellte. 

250. Tichodroma muraria (L.). 

Den Mitteilungen Wünsches (268/III, /IV, /V, /VII, 399, 
401, 402) über das Auftreten des Alpenmauerläufers in den 
Postelwitzer Sandsteinbrüchen ist nacbzutragen, das von dem 
genannten Boobachter am 2. XII. 1879 einige und nach dem 
Winter 1894/95 zwei allwinterlich bis 1900 angetroffen wurden; im 
März 1901 war nur noch ein Stück festzustellen. Seitdem fehlen 
Aufzeichnungen. Wünsche kam seines vorgerückten Alters wegen 
nicht mehr an die Aufenthaltsorte, doch war er bis in die letzten 
Jahre seines Lebens vom unveränderten Vorkommen überzeugt, 
wie er mir gelegentlich meiner Besuche bei ihm (31. V. 1909 
und 21. VI. 1910) versicherte, sodafs auch heute noch der schöne 
Vogel im Winter die Steinbrüche besuchen, im Sommer aber 
wahrscheinlich in den zahlreichen höher gelegenen Wänden des 
Quadersandsteins brüten dürfte. 

Für das sächsische^) Sandsteingebiet ist die Art in nicht 
weniger als 17 Jahren (1834, 1836, 1859, 1878, 1879, 1881, 1882, 
1888, 1889, 1890, 1895, 1896, 1897, 1898, 1899, 1900, 1901) 
festgestellt. Wenn dies auch fast nur im Winter geschah, so 
sagt uns doch die Regelmäfsigkeit des Erscheinens, dafs die 
Brutplätze nicht weitab liegen können. Ueberdies wurde die 
Art 1890 zur Brutzeit beobachtet, und Reichenbach (289) erhielt 
ebenfalls ein „im Sommer“ geschossenes Stück. Das Elbsand- 
steingebirge darf sonach wohl als nördlichstes Brutgebiet Deutsch- 
lands angesprochen werden. 

Belegstücke enthalten das Zoolog. Museum in Dresden 
(c? 16. III. 1881), die Tharandter Sammlung (1 Ex. von 1859), 
die Sammlung des ,.Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz“ 
in Pirna (cf und 9» nach Wünsche beide aus den Postelwitzer 
Brüchen, wo aufser den von ihm gesammelten zwei Stücken noch 
weitere vier von anderer Seite geschossen wurden) und Wünsches 
Sammlung (cf 7. I. 1888, 9 14- HL 1878. — Die aufser ihnen 
vorhandenen Nestlinge hatte W. aus der Schweiz bezogen), die 
seit seinem Tode anscheinend aufgelöst ist. 

251. Sitta euröpaea caesia Wolf. 

Die Kleiber Mittel- und Osteuropas standen in den letzten 
Jahren mehr als je ein Mittelpunkte allgemeinen Interesses. Der 
üeberzeugung, dafs die Art von West nach Ost und von Süd 
nach Nord allmählich die Färbung der Unterseite in so augenfälliger 
Weise wandele, dafs auch die Uebergänge als konstante Rassen 


Desgl. auf böhmischer Seite (auf Kirnitzscher Forstrevier) in den 
ersten vierziger Jahren vor. Jahrhunderts (401). Verf. 


Nachträge zur Ornis Sazonica. 


161 


anerkanot und infolgedessen mit Namen belegt werden müssen, 
verschliefst sich niemand mehr. Wie aber das System und sein 
Werkzeug, die Namengebung, am ungezwungensten und zweck- 
mäfsigsten diese Abänderung wiederspiegele, darüber gehen die 
Ansichten weit auseinander. Wer sich als Faunist eines Teiles 
jener oben genannten Gebiete veranlafst findet, die von den 
Kleibern seines Untersuchungsbereichs erhaltenen Eindrücke zu 
bewerten, wird also von vorherein auf allseitige Zustimmung 
in seiner Auffassung verzichten müssen. 

Die Kleiber Sachsens sind von mir (446) zu obiger Form 
gezogen worden. Darin habe ich sowohl Widerspruch als auch 
Zustimmung gefunden. Keichenow (502) bemerkt: „Im nordöst- 
lichen Königreich Sachsen reicht die Verbreitung der S. c. sordida 
bis zur Elbe. Vögel aus der Sächsischen Schweiz, der Dresdener 
Heide und Colditz — — waren typische Fahlbäuche. Dagegen 
stellte Herr Dr. Hesse in der Umgegend von Leipzig den Rost- 
bäuchigen Kleiber, S. caesia, fest.“ Auch an anderer Stelle hebt 
Reichenow (501, 503/11) die Elbe als Grenze hervor. Hingegen 
sagt Stresemann (492): „Sächsische Kleiber lassen sich nicht von 
bayrischen unterscheiden. Sie sind typische caesm.“ Und Schlegel 
(520), der speziell sächsische Vögel untersuchte, schreibt: „Auf 
Grund meiner Untersuchungen stelle ich also fest, dafs alle 
sächsischen Kleiber in den Gebieten von Leipzig ostwärts bis 
in die Dresdener Gegend Sitta europaea caesia Wolf zugewiesen 
werden müssen. Wie sich in dieser Hinsicht Lausitzer Exemplare 
stellen zu der angrenzenden Kleinschmidt’schen reichenöwi 
Schlesiens, mufs späteren Untersuchungen Vorbehalten bleiben, 
da mir aus den östlichsten Gegenden Sachsens Material nicht 
zur Verfügung stand.“ Die Ergebnisse Schlegels ruhen z. T. auf 
denselben Stücken des Dresdener Museums, die Reichenow schon 
zur Beurteilung Vorlagen. Die zwei Vögel aus Colditz, nach 
Reichenow noch „typische Fahlbäuche“, nach Schlegel^) aber 
„von den dunkelsten Leipziger Stücken nicht unterscheidbar“ 
[und somit caesia\ überschreiten die von Reichenow angenommene 
Grenzzone des Elblaufes bedeutend, denn ihre Fundorte liegen 
nahe der westlichen Grenze Sachsens im Muldentale. 

Die Urteile stehen sich also scharf und unvereinbar gegen- 
über. Erwiesen scheint mir vorläufig nur das eine, dafs im west- 
elbischen Sachsen, für das zur Zeit allein Untersuchungsergebnisse 
vorliegen, sich die geographische Abänderung in so unmerklichem 
Ausmafs geltend macht, dafs sie von der individuellen Variation 
vollkommen verschleiert wird und dafs eine eindeutige Fest- 
stellung zweier Lokalformen nach Vögeln von dort ausgeschlossen 
erscheint. 


1) Schlegel (620) schreibt p. 19S fälschlich „Exemplare aus Roch- 
litz“ statt Colditz. Verf. 


162 


Bich. Hejder: 


Farus c, cyanus Pall. 

Die von mir (446) erwähnte Nachricht vom Fang von Lasur- 
meisen auf einer Meisenhütte in Sachsen dürfte auf L. Brehm 
(48/1) zurückzuführen sein. 

256. Farus atricapillus salicarius Br. 

Es hat der Aufmerksamkeit weniger Jahre bedurft, um über 
das Vorkommen der Mattkopfmeise in Sachsen im grofsen und 
ganzen im klaren zu sein. Den beiden (446) erwähnten Beleg- 
vögeln haben sich rasch weitere Funde aus fast allen Teilen des 
Landes zugesellt, sodafs das Vorkommen dieser Meise durch 
ganz Sachsen vermutet werden darf. Eine Ausnahme macht bis- 
lang unter den sächsischen Landschaften nur die Leipziger 
Niederung, doch steht, nachdem Hildebrandt (451) den Nachweis 
ihres Auftretens am Südrande der Leipziger Bucht, bei Altenburg, 
führte, ihre Feststellung auch hier zu erwarten. Im allgemeinen 
ist die Art selten, da und dort tritt sie jedoch zeitweilig auch 
in stärkerer Siedelungsdichte auf. Die Aufenthaltsorte, gänzlich 
abweichend von denen der glanzköpfigen Sumpfmeise, werden 
von den meisten Beobachtern eben dieser Unterschiede wegen 
genau beschrieben; sehr ausführlich und treffend geschieht dies 
besonders durch Stresemann (535). Speziell für meine erzge- 
birgiscben Fundorte waren immer undurchforstete Fichtenstangen- 
hölzer mit bald schütteren, bald undurchdringlich verwachsenen 
Bestandspartien, Ebereschen-, Birken- und Salweidenzwischen- 
wuchs bezeichnend. 

Aus der Lausitzer Niederung liegen neben den im Dresdener 
Museum befindlichen zwei Vögeln (cT9 10- V. 1903) aus der Ge- 
gend von Krakau, die ich schon (446) erwähnte, folgende Nach- 
weise vor: May hoff (Tgbch.) beobachtete 7. IV. 1909 am Deutsch- 
baselitzer Grofsteich eine, am 27. IV. 1916 auf dem Damm eines 
der Döbraer Teiche ein Paar und bei Königswartha (vermutlich 
zwischen Cunnewitz und dem Wollschankteich) nochmals eine. 
Weifsmantel (Tgbch.) begegnete ihr am 23. III. und 30. XI. 1919 
am „Wehrberg“ bei Reichenau. Im Lausitzer Gebirge fanden sie 
Uttendörfer und Kramer (551) an geeigneten Stellen regelmäfsig 
— der erstere (550) nennt sie sogar „häufig“ — bei Herrnhut. 
Auch fürs Erzgebirge und das ihm vorgelagerte erzgebirgische 
Becken ist sie als stellenweise nicht selten bekannt geworden: 
Schlegel (512, 516, 535) wies sie für das letztere durch im 
Januar, April und Dezember im Revier „Hainholz“ und bei 
Hermsdorf geschossene Belegstücke nach; Schelcher (510) und 
Stresemann (535, briefl.) fanden sie Ende August und im Sep- 
tember 1919 bei Schneeberg, Oberschlema und Aue, wo der 
letztere für das Zoolog. Museum München ebenfalls einige Be- 
legvögel erlegte. Bei Oederan stellte ich sie ebenfalls fest; im 
Jahre 1919 fand ich sie regelmäfsig bis in den April an zwei 


Nachträge zur Oruis Saxouica. 


m 


Oertlichkeiten, dem „Stadtwald“ (447) und am oberen Ausgang 
des „Dreibörnergrundes“ im „Oederaner Wald“, sodafs ich schon 
hoffte, den Nachweis ihres Brütens führen zu können, leider 
vergebens. Erst nach der Brutzeit gelangen wieder Beobachtungen 
am erstgenannten Ort. 1918 und 1920 war das Vorkommen 
weniger oft festzustellen. Weiter hinauf im Gebirge kennt sie 
Kechenberger (briefl.) für die Umgegend von Annaberg; unter 
seiner Führung beobachteten am 20. VIIL 1920 Köhler und ich 
die Art an vier Stellen des Sehmatales unterhalb Annaberg. 
Endlich bemerkte ich sie auch einmal im Gebiete der Mulde, am 
23. II. 1918 ein Stück durch einen Ziergarten in Rochlitz 
streifend. Soweit bekannt ist bisher das Brüten der Art für 
Sachsen noch nicht nachgewiesen, so bestimmt dasselbe auch 
anzunehmen ist; es mag das auf das heimliche Wesen der Matt- 
kopfmeise am Brutplatz zurückzuführen sein. In dem oben er- 
wähnten Pärchen aus Krakau liegen aber wahrscheinlich Brut- 
vögel vor. 

258. Aegithalos caudatus europaeus (Herrn.). 

In der Orn. Sax. fafste ich nach Reichenow (503/1) die 
Mehrzahl der bei uns vorkommenden Schwanzmeisen als Äeg. 
caudatus typ. auf, weil der gröfsere Teil von ihnen mehr weifs- 
als streifenköpfig gefärbt ist; diejenigen Stücke, die im Winter 
und nachher noch deutliche Kopfstreifung aufwiesen, der Jahres- 
zeit nach also nicht mehr in den Verdacht der Jugendfärbung 
kommen konnten, stellte ich unter besonderer Nnmmer zu Aeg- 
caudatus europaeus. Bereits in einer Korrekturnote hat dann 
Mayhoff darauf hingewiesen, dafs die sächsischen Vögel trotz 
der bei ihnen vorherrschenden Weifsköpfigkeit die von Hartert 
(Vög. d. pal. Fauna) genauer umschriebenen Merkmale der typischen 
Form nicht erreichen, sie mithin sämtlich zu europaeus zu ziehen 
seien und das Vorkommen des caudatus typicus 
bisher des Beweises entbehre, ein Standpunkt, der 
heute noch eingenommen werden mufs. Die Folgezeit hat Ar- 
beiten in gröfserer Zahl (439, 440, 451, 503/11, 516, 524, 532) 
sich mit den schwierig liegenden Verwandtschafts- und Ver- 
breitungsverhältnissen beider Formen beschäftigen lassen. Teil- 
weise ist dort versucht worden, die Variabilität der Kopffärbung 
prozentual auszudrücken, so von Stresemann (531), der u. a. 
30 sächsische Schwanzmeisen untersuchte und sein Ergebnis 
folgendermafsen gruppiert; Rein weifsköpfig 42.3 7o» hieran an- 
schliefsend drei vermittelnde und zur ausgeprägten Streifung 
überleitende Gruppen mit 31.3 7o> 10-0 Vo and 10.0 ®/o» endlich 
diese mit 6.6 7o- Schlegel (524) untersuchte 39 sächsische Bälge 
und fand unter ihnen rein weifsköpfige 25.9 7o» ausgesprochen 
streifköpfige 15.4 7o> vermittelnde 59.2 7o (diese nach Stresemanns 
Vorgang in drei Typen mit 20.8 7o> 15-4 % und 23 ®/o zerfallend); 
das üntersuchungsmaterial stammte aus Westsachsen (Leipziger 


164 


Bicb. Hejder: 


Bucht und Erzgebirgisches Becken). Aus dem westlich un- 
mittelbar angrenzenden Sachsen-Altenburg liegen durch Hilde- 
brandt (451); ähnliche Ermittelungen an 17 Tieren vor: 29 ®/o 
weifsköpfig, 59 7o vermittelnd, 12 7o schwarzbrauig, sodafs auch 
unter Berücksichtigung des Umstandes, dafs die Mafsstäbe dieser 
Forscher nicht völlig übereinstimmen werden, die durchschnitt- 
liche Zunahme der Kopfpigmentierung nach Westen selbst auf 
kleinere Entfernungen hin deutlich wird. Stresemann legt (1. c.) 
dann noch weiter dar, dafs das, was gemeinhin nach Harterts 
Vorgang als Ae. c. europaeus bezeichnet werde, keine geschlossene 
Einheit bilde. Korrekter sei die Benennung durch Formeln, was 
nicht nur zum Ausdruck bringe, dafs es sich um eine Misch- 
rasse handele, sondern auch den ungefähren Grad der Blut- 
mischung andeute, für Sachsen also etwa 

^.Aegithalos caudatus caudatuSrj X pyrenaicus 
Bezüglich der Verbreitung der Art im Gebirge mangelt es 
mir noch zu sehr an Angaben, als dafs ich ausführlicher auf die- 
selbe eingehen könnte. Schlegel bezweifelt (516) die Richtigkeit 
der mir von Markert (briefl.) gemachten Angabe vom ausnahms- 
weisen Brüten eines Pärchens auf Crottendorfer Forstrevier. Ge- 
wifs ist die Art schon von 400 m Meereshöhe ab nur noch sehr 
sparsam aufwärts verbreitet und deshalb leicht zu übersehen. 
In der Oederaner Gegend habe ich sie auch erst nach jahrelang 
vergeblichen Versuchen in letzter Zeit bestätigen können: 1919 
in einer Eichenpflanzung bei Falkenau zur Brutzeit (11. IV., 
11. V., 16. V.) ein mutmafslich brütendes Paar, am 16. IV. am 
Rauensteiner Schlofsberg und ferner öfter während der Winter- 
monate. Als völlig ausgeschlossen möchte ich das Brutvorkommen 
in den höheren Lagen aber doch nicht betrachten. 

Bemiz p. pendulinus L. 

Angeblich beobachteten Neumann und Grünewald (l/III) 
am 31. III. 1878 3 Pärchen Beutelmeisen in Fichtenbäumen bei 
Grofsenhain. Ich führe diese Notiz lediglich der Vollständigkeit 
halber auf, ohne von ihrer Richtigkeit überzeugt zu sein. 

269. Sylvia a. atricapilla (L.). 

Salveter (mündl.) teilte mir mit, dafs im Dezember 1918 
noch immer Schwarzplättchen auf dem Waldheimer Friedhof an- 
zutreffen waren. Er legte mir eins derselben, mit brauner Kopf- 
platte, vor. 

270. Acrocephalus^a, arundinaceus (L.). 

Einige mir neuerdings bekannt gewordene Brutplätze 
der Rohrdrossel halte ich für erwähnenswert, weil sie verhältnis- 
mäfsig weitab vom eigentlichen sächsischen Brutareal, der 
Niederung unter 200 m, nach Süden, also gebirgwärts, verlegt 


1^5 


Nachträge zur Oruis Saxonica. 

sind. Es sind dies der Schilfteich, in ca. 250 m Höhe in der 
Zschopauaue bei Frankenberg gelegen, auf welchem die Art nach 
Kästner (briefl. u. mündl.) fast alljährlich zur Brutzeit vorkommt, 
und der Dorfteich in Kreischa südl. von Dresden in ca. 190 m 
Höhe, wo sie Mayhoff (Tgbch.) 1915 feststellte. Mit dem schon 
(446) genannten Burkersdorfer Teichgebiet und dem von Grofs- 
hennersdorf bei Herrnhut (280 m), in welch beiden die Art nach 
K. A. Israel (268/III) und Kramer (230) brütet, sind die ge- 
nannten Brutorte gegenwärtiger Kenntnis nach als die südlichsten 
und gleichzeitig als die am höchsten gelegenen zu betrachten. 

In höher gelegenen Gegenden, insbesondere im Erzgebirge, 
tritt sie nur als selten beobachteter Durchzügler (268/IV, 181) 
auf. Der Herbstzug ist bekannt für E n d e J u 1 i bis M i 1 1 e 
September. 

271. Acrocephalus s, scirpaceus (Herrn.). 

Schlegels Versuch (513), die südlichsten Brutstätten der 
Rohrsänger im westlichen Sachsen festzulegen und ihre Ver- 
breitung gebirgswärts zu verfolgen, läfst auch beim Teichrohr- 
sänger deutlich erkennen, wie er in der Besiedelung des Gebiets 
an den Gewässern unterhalb der 200 m-Isohypse seine ausgiebigste 
Verbreitung findet, im Hügellande den an Zahl und Umfang 
geringer vorhandenen Teichen zufolge nur noch sporadisch auf- 
tritt und — abgesehen von wenigen Ausnahmen — am Gebirgs- 
fufse mit den letzteren reicheren Standorten von Fhragmites 
communis stehen bleibt. Diese Regel gilt aber nicht nur für 
Westsachsen, sondern sie kehrt im ganzen Staate in gleicher 
Weise wieder. Ich führe deshalb die quell wärts am weitesten 
vorgeschobenen Brutorte nach Flufsgebieten eingeteilt an: Weifse 
Elster: Teiche b. Tobertitz (450/500 m [268/1II, /IVJ), Teiche 
b. Steinpleis(200/300 m [38]); Zwickauer Mulde: Teiche b. 
Hartensein Cs50 m [Berge briefl.]); Freiberger Mulde: 
Grofsharttmannsdorfer Grofsteich (450/500 m [181], ~ hier un- 
regelmäfsig Brutvogel: 1912 und 1913 sangen im Röhricht eines 
Brutteiches 2 cT, in einer Schilfrohrstelle eines unzugänglichen 
Ausstichrains im südwestl. Torfstich 1 cf von Mai bis Juli. Seit- 
her fehlte die Art zur Brutzeit — nur 26. V. 1915 sang ein cf 
vorübergehend in einem nahen Fichtenbestand — , bis sich im 
Sommer 1920 an beiden genannten Oertlichkeiten wieder je 1 cf 
beständig hören liefs. — Dieser Brutplatz ist anscheinend mehr 
als alle bisher genannten vom übrigen sächsischen Brutareal ab- 
getrennt. Weiter flufsabwärts finde ich den nächsten erst für 
Grofsweitzschen (200 m [268/III, /IV]) verzeichnet; Elbe: 
Reinberger Teich (300/350 m [Mayhoff, Tgbch.]), Kreischaer Dorf- 
teich (200 m [Mayhoff, Tgbch.]), Teich b. Cunnersdorf südl. 
jDresden (200 m [268/X]). Eine diese Orte verbindende Linie 
dürfte annähernd der absoluten Südgrenze des westsächsischen 


166 


Rieh. Heyder; 


Brutareals entsprechen und damit zugleich dessen Höhengrenze 
bedeuten. Neifse: Teiche bei Grofshennersdorf und Burkers- 
dorf (280/300 m [2, 230]). Für das westwärts von hier sich er- 
streckende Lausitzer Gebirge einschliefslich des Gebietes bis zur 
Elbe fehlen mir bestimmte Angaben. 

272. Äcrocephalus (Bchst.). 

Berichtigung: Lies p. 474 Zeile 1 von oben statt „Werms- 
dorf“ Wernsdorf. (Der gleiche Druckfehler auch 513 p. 172) 

Mehr und mehr sichert seine Anpassungsfähigkeit dem 
Sumpfrohrsänger, der bei uns heute wohl treffender „Kornsänger“ 
zu benennen wäre, das Recht, als verbreitetster der sächsischen 
Rohrsänger bezeichnet zu werden. Denn gegenwärtig umfafst 
sein Besiedelungsbereich wohl die Feldfluren des gesamten Flach- 
und Hügellands, örtlich und jährlich natürlich mit den dieser 
Art besonders eigentümlichen Schwankungen in der Zahl. Ver- 
hältnismäfsig schwach scheint von diesen Gegenden nur der 
nördliche Talsandstreifen der lausitzischen Niederung besiedelt 
zu sein, für welchen Weifsmantel (Tgbch.) bisher nur wenige 
Nachweise verzeichnen konnte, ganz übereinstimmend mit meinen 
Wahrnehmungen an Ort und Stelle. 

Der Ansicht, dafs die Art erst in neuerer Zeit vermöge 
ihrer Uebersiedelung in die Getreidefelder auch im Bergland auf- 
wärts gehe, begegnet man allgemein. Es erscheint daher zu 
weiterer Beurteilung dieses Vorrückens unerläfslich und auch in 
sonstiger faunistischer Hinsicht wünschenswert, nach den bisher 
vorliegenden Befunden eine südliche „Venbreitungsgrenze“ allge- 
meineren Vorkommens zu skizzieren, deren spätere Vervoll- 
kommnung und Berichtigung angesichts ihrer vielfältigen Lücken 
natürlich eine Notwendigkeit darstellt. Nach dem Stande meiner 
gegenwärtigen Kenntnis würde eine solche Grenzlinie zu bezeichnen 
sein durch folgende Punkte: Bad Elster (431), Teiche b. Stein- 
pleis (41), Muidenröhricht bei Wernsdorf (13), Lungwitzbach- 
und Goldbachgebiet bei Hohenstein-Ernsttal (512, 513), Torteich 
bei Grüna (Köhler briefl.), Fluren südl. Chemnitz (Köhler briefl.), 
Augustusburg (446), Thiemendorf (Verf.), Oederan (268/IV^), Verf.), 
Grofshartmannsdorf (24. VI. und 13. VII. 1920 im Teichgebiet 
festgestellt, an letzterem Tage mit Prof. Voigt das Pärchen ge- 
sehen. — Verf.). Gänzlich aus dieser Linie heraus fallen einige 
von Rechenberger (mündl.) 1920 in der Zschopauaue bei Schön- 
feld-Wiesa im Erzgebirge entdeckte Brutorte. Dieselben liegen 
25 km südlicher als die entworfene Linie, allerdings dabei nicht 
höher als die höchsten der genannten Brutplätze (Augustusburg 
und Grofshartmannsdorf mit je 500 m Höhe), und wurden im er- 


^) Nach Flach 1889 „nur noch auf einem Teiche“. Ob wirklich 
diese Art? Verf. 


Nachträge 2nr Ornis Saxonica. 


16 T 


wähnten Jahre erstmalig als solche erkannt, wodurch ihr Charakter 
als neu erworbenes Verbreitungsgebiet deutlich und die Annahme 
einer noch beständig andauernden Arealerweiterung gestützt wird. 
Vielleicht liegt auch bei Bad Elster (470 m Höhe) der gleiche 
Fall vor. Ostwärts von Oederan versiechen meine Quellen ; in 
der Gegend von Freiberg-Brand habe ich den Sumpfrohrsänger 
nie bemerkt. Erst im Weifseritzgebiet ist er wieder festgestellt 
durch Mayhoff (Tgbch.) bei Grofsopitz-Kesselsdorf, Seifersdorf 
und Malter, sowie am südlichen Rande des Elbtales um Dresden, 
bei Neuostra, Leubnitz (456). lieber das Verhalten am Fufse 
des Lausitzer Berglandes sind wir ebenfalls nur teilweise unter- 
richtet: Stolz (529) vermerkt ihn nach Angaben der Gebrüder 
Kramer für das Gebiet der Mandau zwischen Bernstadt- Warns- 
dorf-Zittau-Ostritz. 

273. Acrocephalus sehoenohaenus (L.). 

Es ist sehr bemerkenswert, dafs der Schilfsänger, dessen 
Areal im Norden rund 10 Breitengrade weiter polwärts reicht 
als das von Teich- und Drosselrohrsänger, im Gebirge nirgends 
zu brüten scheint, ja kaum den Versuch macht, die bescheidenen 
Höhenlagen zu ersteigen, die den Uebergang aus der Ebene zum 
Gebirge vermitteln. Er gleicht in diesem Verhalten der Rohr- 
drossel, obwohl beide Arten so gänzlich verschiedene Ansprüche 
an die Beschaffenheit ihrer Brutplätze stellen. Unterhalb der 
200 m — Isohypse ist sein Brutvorkommen also am reichsten, doch 
ändern kleine örtliche Abweichungen auch hier nichts an der 
Regel, dafs er der seltenste der bei uns brütenden Acrocephalus 
ist. Seine Verbreitung ist aber selbst für das Niederland noch 
sehr ungenügend bekannt. Ich fasse deshalb kurz zusammen, 
was mir bislang an Brutstätten bezw. Orten, für welche 
man den Fundzeiten nach das Brüten vermuten darf, bekannt 
wurde: Leipziger Bucht: Ausstichsümpfe bei Gundorf 
(137, 148, 149, 151), bei Möckern (248, 377, 513), bei Grofs- 
zschocher (377, 513), Teiche bei Rohrbach (148, 149, 151), 
Pomssen (440), Grethen (440), Grimma (Müncherteich 268/ V, 151), 
Frohburg (u. a. hier 3. VI. 1911 1 cf, 10. VI. 1917 3 cf verhört, im 
Mai und Juli verschiedener Jahre, sowie während der Zugzeiten 
aufserdem vielfach beobachtet — Verf.). M u 1 d e - E 1 b e - A b - 
schnitt: Wermsdorf (173: 5. und 21. VI. 1908 am Langen 
Rodaer See, 21. VI. und 4. VII. 1909 am Horstsee, aufserdem 
ebenfalls zur Herbstzugzeit beobachtet. — Verf.). Elbe-Röder- 
Abschnitt: Teiche bei Moritzburg (491, 492), Grofsenhain ? 
(268/1). Lausitzer Niederung: Teiche bei Grüngräbchen, 
Grofsgrabe, Bulleritz, Weifsig, Deutschbaselitz, allerorts der 
seltenste Rohrsänger (im Vergleich zu Rohrdrossel und Teich- 
rohrsänger) nach Weifsmantel (Tgbch.), Königswartha (2, 99). 
Nach Baer (2) entspricht das Vorkommen dieser Art in der 


168 


Äich. Heyder t 

sächsischen Oberlausitz dem in der preufsischen, wo er sie für 
die Teiche der Moor-Heidegebiete als den häufigsten Rohrsänger 
bezeichnet. Sächsischerseits ist aber doch wohl das Phrag- 
mitetum die weitaus vorherrschende Pfianzengemeinschaft der 
Teichufer und demzufolge Acrocephalus schoenohaenus in seinem 
Auftreten ziemlich eingeengt. 

Jenseits der Höhenlinie 200 sind nur ganz wenige spora- 
dische Brutorte bekannt: Teiche bei Grofshennersdorf und 
Burkersdorf (2, 230) in 280 m Höhe, in starker Verlandung be- 
griffen, die unserer Art ja besonders zusagt; Zwickau (näherer 
Ort von Berge (13) leider nicht angeführt, sodafs sich die An- 
gabe hier nur erwähnen, nicht aber verwerten läfst. Die von 
Zwickau aus flufsabwärts gelegene Gegend von Rochlitz besucht 
die Art nur auf dem Durchzuge). Aus dem Erzgebirge kenne ich 
sie allein vom Grofshartmannsdorfer Grofsteich (181) und nur 
als unregelmäfsigen, zuweilen häufigen Herbstzügler. Der von 
Kämpfe (268/II) aufgeführte Fundort Schellenberg (= Augustus- 
burg) ist unbedingt abzulehnen (vergl Orn. Sax.). 

275. Locustella n. naevia (Bodd.). 

Berichtigung: Lies p. 475 Zeile 11 von oben statt 
„Bändern“ Rändern. 

Schlegel (513) hat neuerdings auf Grund eigener Beob- 
achtungen und literarischer Angaben das Auftreten des Busch- 
schwirls in derLeipzigerTiefiandsbucht sehreingehend abgehandelt. 
Für das engere Leipziger Auegebiet verdichtet sich die Zahl der 
Beobachtungsorte ganz auffällig, sodafs sowohl die gute Durch- 
forschung dieses Bezirks als auch die Vorliebe der Art für das 
Auegelände deutlich in Erscheinung treten. Die von Schlegel 
neugenannten Fundorte ergeben mit den bereits bekannten 
folgendes Bild: Elsteraue südl Leipzig („Eichholz“, „Bistum“) 
Pleifseaue (Crostewitz, Markkleeberg, Connewitz) mit Göselbach 
(Dechwitz), Elsteraue nordwestl. Leipzig einschl. Luppegebiet 
(Möckern, Wahren, Gundorf — jenseits der Grenze: Waldkater, 
Schkeuditz). Wenn sich dieses summarische Ergebnis zunächst nur 
unter Benutzung aller mir zur Verfügung stehenden Daten, also 
auch offenkundiger Zugvorkommnisse, gewinnen liefs, so dürfte 
man kaum fehlgreifen, wenn man in diesem engeren Gelände 
Brutplätze als bestehend annimmt, zumal auch für die neueste 
Zeit, speziell für das Gundorfer Gebiet von Hesse (440), das 
Auftreten wieder bestätigt wird. Er fand im Sommer 1917 den 
Buschschwirl mehrfach auf stark verwucherten Kahlschlägen und 
im Weidicht der Ausschachtungen vertreten und hörte im Mai 
und Juni ca. 6 cf. Im Sommer 1918 dagegen zeigte er sich zur 
Brutzeit nur ganz vereinzelt. Nestfunde aus diesem Leip- 
ziger Gebiet waren früher noch nicht verzeichnet, doch führt 
Schlegel (513) nunmehr den ersten ein: R. Müller fand Mitte 
Juni ein frisches Gelege bei Crostewitz. Es ist dies neben den 


Nachträge zur Omis Saxonicac 


169 


Angaben Paefslers (268/ V,), der ein Nest mit Eiern am 26. VI. 
1889 bei ßreitenbach (bei Meerane) fand, und Schulzes (268/IV), 
der angeblich ein Gelege aus Sahlis (bei Kohren) erhielt, die 
dritte Mitteilung über das Nisten in ganz Sachsen. 

Für weitere Teile der Leipziger Bucht bringt Schlegel neue 
Nachweise der Art nicht, wohl aber teilte mir Henker (briefl.) 
mit, am 25. VI. 1916 ein cf im Weidicht des Streckteichs bei 
Froh bürg schwirren gehört zu haben. Ein Jahr später, am 
10. VI. 1917, verhörten und sahen Köhler, Keller und ich ein 
cf in einem Winterroggenfeld und im üfergebüsch des Strafsen- 
teichs bei Frohburg. Der enge Änschlufs an die Ebene, den 
dieser Schwirl im allgemeinen, selbst auf dem Zuge, erkennen 
läfst, hindert ihn jedoch nicht, auch im Hügelland, selbst im Ge- 
birge aufzutreten, und je nach den Umständen zu verweilen. So 
hörte ich am Morgen des 21. V. 1918 sein Schwirren auf dem 
666 m hohen Schreckenberg bei Annaberg aus einem grofsen 
Wildrosenstrauch und sah ihn, nachdem ich mich ihm fast auf 
Reichweite nähern konnte, danach auf dem mit zahlreichen Gneis- 
brocken übersäten Boden umherhuschen, dessen Bewachsung sehr 
wenig an die sonstigen Aufenthaltsorte der Art gemahnte und 
deutlich genug für ein vorübergehendes und zufälliges Vorkommen 
sprach. Der Aufenthalt auf freier Bergkuppe war mir nicht 
neu, denn ich konnte schon früher, wenngleich für geringere 
Höhen, die gleiche Erfahrung sammeln und neuerdings bestätigt 
finden: 30. VI. 1909 cf in Roggenfeld südl. Markersdorf, (bei 
Burgstädt), 1.— 8. VI. 1910 ein cf nördl. Markersdorf, ebenfalls 
im Winterroggen (446), beide Orte in rund 300 m Meereshöhe, 
13. V. 1917 eins auf Fichten- und Lärchenkultur am Westhang 
des Rochlitzer Berges, 23. — 24. V. 1918 eins am „Schrödter- 
berg“ bei Rochlitz, 26. VI. — 5. VII. 1918 am „Wetzsteinberg“ 
bei Rochlitz, beidemal wiederum in Kornfeldern. Alle diese 
Standorte erwiesen sich — vielleicht mit Ausnahme des letz- 
teren — als rein vorübergehend und hoben sich hervor durch 
hohe freie Lage. Aufserdem hörte bezw. sah ich diesen Schwirl 
am V. VI. 1917 bei Seifersdorf (bei Narsdorf) in einem Kornfeld, 
23. V. 1918 am „Eichberg“ bei Rochlitz in einer Schlehenhecke 
und am 5. VII. 1918 in der Pennaer Muldenaue bei Rochlitz im 
Korn in je einem cf. Das Auftreten Jm Rochlitzer Gebiet war 
also in der Zeit meines letzten dortigen Aufenthaltes, besonders 
1918 im Gegensatz zu dem oben berührten bei Gundorf, ein ver- 
hältnismäfsig reiches. 

Je weiter wir nun sein Auftreten gegen Osten im Gebiete 
verfolgen, desto seltener ist es seltsamerweise nachgewiesen. 
Mayhoffs Tagebücher verzeichnen ihn nicht für die Dresdener 
Pflege, nur Hantzsch (98) erwähnt ihn nebenher als in einem 
Kornfeld bei Constappel (bei Meifsen) gehört, und Henker beob- 
achtete ein cf laut briefl. Mitteilung nahe Klotzsche (bei Dresden) 
im Sommer 1917. Hierzu kämen noch für Mittelsachsen die 

Joum. f. Om. LXX. Jahrg. April/JuU 1922. 12 


170 


Rieh. Heyäer: 


schon in der Orn. Sax. aufgeführten Funde Voigts bei Riesa 
(Marx sen. briefl.), Schwarzes bei Dresden und des Verf. bei 
Grofsenhain. Für die Oberlausitz führte ich keinen Nachweis 
auf, weil ich das bis dahin einzige dortige Belegstück c? 1869 
Zittau in Heids Sammlung (104) — übersehen hatte. Neuerdings 
fanden auch die Gebrüder Kramer und üttendörfer (550) ein 
schwirrendes cf am 19. V. und die folgenden Tage 1918 im 
Heuscheuner Walde (bei Grofshennersdorf). 

276. Locustella fluviatilis (Wolf). 

Hildebrandt machte mich (briefl.) darauf aufmerksam, dafs 
die bekannten Feststellungen Liebes (246) bezüglich des Schlag- 
schwirls ohne Zweifel sächsisches und nicht thüringisches Gebiet 
beträfen. In der Tat lehrt der Wortlaut von Liebes Schilderung, 
dafs der Ort, an welchem er 1875 und 1876 zur Pfingstzeit 
diesen Schwirl verhörte, auf dem „linken südlichen Ufer der 
Göltzsch“ (bei Netzschkau) liegt, welcher Flufs bis zu seiner 
Mündung in die Elster die Landesgrenze bildet. Es liegt hier, 
wie in den von Hantzsch (98, 384) und Hesse (147, 151, 152, 
157, 384, 440) festgestellten Fällen ein wiederholtes Vorkommen 
in aufeinanderfolgenden Jahren vor, dafs ein Nisten nahelegt, 
wie es Hantzsch tatsächlich auch bestätigt fand. Ein solches 
macht nun neuerdings auch Schlegel (513) namhaft, indem er 
mitteilt, dafs Nestler den Vogel im Jahre 1912 bei Möckern (bei 
Leipzig) wiederholt habe schwirren hören und am 28. VI. auch 
das Füttern der Jungen beobachtet habe. Hesse (440) fand ihn 
Sommer 1917 und 1918 im Gundorfer Auegebiet an mindestens 
je| einer Stelle wieder und erfuhr von Voigt, dafs sich der 
Schlagschwirl auch Mai 1916 in dem weiter nordwestlich Leipzigs 
gelegenen Auegelände habe feststellen lassen. Ganz besonders 
für dieses engere, für diese Art sehr charakteristische Gebiet 
macht sich also eine ähnliche Datenhäufung wie bei voriger 
Art bemerkbar. Desgleichen verhörte Nestler (briefl.) am 16. V. 
1920 ein cf bei Eythra. Aus dem übrigen Sachsen fliefsen die 
Beobachtungen spärlicher zusammen: üttendörfer und Kramer 
(551) beobachteten ein schwirrendes cf am 23. V. 1917 im Er- 
licht am „Sandberg“ bei Uerrnhut und konstatierten (550) am 
19. V. 1918 und später abermals ein solches im Heuscheuner 
Walde (bei Grofshennersdorf) in einem Bestände mit einzelnen 
hohen Kiefern und Unterwuchs von Birken, Himbeersträuchern 
und viel Calamagrostis. Ich selbst sah und hörte ein vom 
29. V. — 11. VI. 1918 sehr ausgiebig in einem verwilderten 
Beerenobstgarten bei Rochlitz, wie ich (447) ausführlicher be- 
reits mitteilte. 

Für die in der Orn. Sax. aufgeführte Angabe Neumanns 
und Grünewalds (268/1) vom Nisten der Art bei Grofsenhain, die 
ich auf Locustella naevia deutete, liegt bereits (268/VI) eine 


Nachträge zur Ornia Saxoniea. 


171 


BerichtuDg der Autoren vor, nach der es heifsen mufs: Loc. fluv, 
„vereinzelt bei Grofsenhain beobachtet“. 

278. Fhyllöscopus s. sibilatrix (Bechst.). 

Stellenweise hat sich die Zahl der Buchenlaubvogelpaare 
erheblich gehoben, wie mir Nestler (briefl.) für die Leipziger 
Gegend mitteilt, und Hesse verzeichnet dies (440) für dieselbe 
Gegend unter Hervorhebung des Eindringens der Art in Gärten 
und Anlagen. Keller, Köhler und Henker bestätigten mir (mündl.) 
das erstere für die Chemnitzer, Rechenberger (mündl.) für die 
Annaberger Gegend. Weifsmantel (Tgbch.) fand sie in Birken- 
beständen bei Weifsbach und Schwepnitz einzeln brütend. 

281. Cinclus c. medius Brehm. 

Nach Untersuchungen Sachtlebens (507), dem u. a. zehn 
sächsische Vögel Vorlagen, bestätigt sich die Annahme, dafs die 
Wasserschmätzer Sachens zu dieser Form (= C. e. merula Schäff.) 
zu stellen sind. Und zwar verkörperten sie mit Vögeln aus dem 
unterfränkischen Maingebiet das dunkelste Extrem der unter- 
suchten medius. Der Untersuchung Sachtlebens lagen teilweise 
dieselben Exemplare zugrunde, deren dunkle Unterseitenfärbung 
Nitsche (286) veranlafste, sie als ^.melanogaster^^ — die er aller- 
dings nur als Varietät gelten lassen wollte — aufzufassen. 

282. Turdus philomelos {hrehmi Zedl.V). 

Die Singdrossel beobachtete ich am 19. L 1919 in einem 
einzelnen Exemplar in einer Ebereschenallee bei Oederan; ich 
konnte das Stück u. a. einmal unterlaufen und es genau als 
Singdrossel feststellen. Ob dabei die bei uns heimische Form 
in Frage kam, liefs sich natürlich nicht entscheiden. Ueber- 
winterungen der Singdrossel sind anscheinend sehr selten und 
bisher für Sachsen nur in zwei Fällen bekannt (268/IiI) geworden, 
dabei zufällig schon einmal für Oederan. 

291. Turdus torquatus alpestris (Brehm). 

Berichtigung: Lies p. 481, auf Zeile 10 von oben statt 
„Alpensingdrosseln“ Alpenringdrosseln, auf Zeile 3 von 
unten statt „einige“ eine. 

292. Monticola saxaUlis (L.). 

Aus einer von J. G. Krezschmar hinterlassenen Niederschrift 
(478) läfst sich das Eriegungsjahr einer jener alten, von vielen 
Faunisten erwähnten lausitzischen Steindrosseln ermitteln: 1824 
wurde eine bei Zittau geschossen, offenbar der Beleg für Krezsch- 
mars Bemerkung (239). 


12 * 


172 Hich. Heyder: Nachträge zur Ornis Saxonica. 

295. Fratincola torquata ruhicola (L.). 

Mayhoff machte bei der Drucksicht der Ornis Sax. schon 
einige Notizen in Form einer Fufsnote über das Auftreten 
des Schwarzkehlchens in der Eibaue unterhalb Dresden: 1915 
und 1916 zwei Paare gegenüber Niederwartha, die auch von 
Hoffmann (456) und Zimmermann (565) beobachtet wurden. 
Oberhalb Dresden fand Mayhoff (Tgbch.) beim Tolkewitzer 
Wasserwerk am 11. VI. 1916 ebenfalls zwei Brutpaare dicht bei- 
einander, Hoffmann deren zwei bei Hosterwitz (456) im gleichen 
Jahre. 

297. Phoenicurus ph. phoenicurus (L.). 

Die bisher höchste Stelle, an welcher ich den Gartenrot- 
schwanz wahrscheinlich nistend fand, ist Forsthaus Siebensäure 
bei Neudorf (750 m). In dem einige Laubbäume mit Nistkästen 
enthaltenden Garten sang am 26. V. 1919 ein cf. 


Die Zahl der für den Staat Sachsen als nachgewiesen zu 
betrachtenden Vogelarten erfährt durch die Streichung von 
Emberisa rmtica^ Melanocorypha c. calandra und Aegithalos c. 
caudatus und das Hinzutreten von Fulmarus glacialis eine 
Aenderung auf 300 Arten und Formen. 


Die Beziehungen zwischen Vogelgewicht, Eigewicht, 
Glelegegewicht und Brutdauer. 

Von O. Heinroth, Berlin W 62. Aquarium. 

Mit 7 Kurventafeln. 

Seit einer langen Reihe von Jahren beschäftige ich mich 
sowohl in meiner tiergärtnerischen als auch in meiner aufser- 
dienstlichen Tätigkeit mit Beobachtungen über die natürliche und 
die künstliche Erbrütung von Vogeleiern. Ich habe daraufhin 
1908 schon einmal im „Zoologischen Beobachter“, Jahrgang 
49 Heft 1, eine Zusammenstellung von Trächtigkeits- und Brut- 
dauern gegeben und sie im Laufe der Zeit in meinem Sonder- 
heftchen allmählich recht vervollständigt. Dabei sei bemerkt, 
dafs sich in den älteren Werken, besonders im Naumann, un- 
glaublich viele falsche Angaben über die Länge der Brutdauern 
finden, die dann meist ohne Nachprüfung und Urteil auch in die 
neuesten Auflagen der üblichen Handbücher (Friderich, Arnold, 
Brehm u. a.) übernommen sind. So wird z. B. angegeben : 
Steinkauz 16 — 17 Tage statt 28 Tage, Uhu 3 Wochen statt 
35 Tage, Turmfalk 3 Wochen statt 4 Wochen, Kiebitz 16 Tage statt 
25 Tage, Lachmöwe 16—18 Tage statt 24 Tage, Gänsegeier 


Beziehungen zwischen jgelgewicht etc. und Brutdauer. 


178 


4— 6 W ochen statt 5 1 Tag Dafs d ieser letzten, von 0. v. Riesen- 

thal stammenden, im N^aen Naumann enthaltenen Behauptung 
offenbar jede Grundlage fehlt, liegt auf der Hand, denn Gyps kann 
doch unmöglich einmal 4 und das andere Mal 6 Wochen zu seiner 
Entwicklung im Ei brauchen, zumal beides nicht stimmt und bei 
regelmäfsigster, abwechselnder Bebrütung durch beide Eltern 
über 7 Wochen erforderlich sind. Von der Voraussetzung aus- 
gehend, dafs die Brutdauer von der Gröfse des Vogels abhängig 
sein müsse, wurde die Zeit, die die Entwicklung des Keimlings 
erfordert, oft einfach erdacht und so ein Kreisschlufs geschaffen. 
Es ist mir geradezu unverständlich, wie man so falsche Angaben 
über die doch leicht durch den Versuch festzustellenden Brut- 
dauern z. B. der meisten Raubvögel und des Kiebitzes frei er- 
finden konnte — anders vermag ich es beim besten Willen nicht 
zu bezeichnen, denn nach den eben angeführten Beispielen kann es 
sich unmöglich um Irrtümer handeln, auch kommen Ansichten 
und Auffassung bei Zahlen nicht in Betracht. Der Fehler liegt, 
wie in der Vogel-Biologie so oft, in der fast mittelalterlichen 
Scheu vor dem Experiment, ohne das man aber in der Wissen- 
schaft meist nicht auskommt. Was damit auch für andere Zweige 
der Wissenschaft für Unheil gestiftet wird, wurde mir vor einiger 
Zeit dadurch klar, dafs sich ein hiesiger Physiologe an mich mit 
der Bitte um üeberlassung von Eiern verschiedener Vogelarten 
aus dem Zoologischen Garten wandte. Er glaubte, die Brut- 
dauer müsse doch im einfachen Verhältnisse zur Ei- oder zur 
Dottergröfse stehen, und wollte dies durch Bestimmung der 
Kalorieen nachprüfen. In der Tat ergibt ein Blick auf die von 
Naumann behaupteten Brutdauern, dafs diese Annahme berechtigt 
erscheint. Nur liegen die Verhältnisse in Wirklichkeit leider 
ganz anders. So brütet von den entwickeltsten Nestflüchtern 
z. B. eine gegen 5 kg schwere Branta canadensis auf ihrem Ei 
von mindestens 170 g genau ebensolange, d. h. 28 Tage, wie die 
etwa 1 V 2 pfündige Chenonetta juhata auf ihrem 45 g-Ei, und 
die grofsen Geier brauchen trotz ihres Nesthockertums etwa 
10 Tage länger zur Zeitigung ihrer Eier als der nestflüchteude 
afrikanische Straufs. Dabei verhalten sich die Eigewichte wie 
V 4 kg: 1 ‘A kg! 

Die Ermittlung genauer Brutdauern ist nicht 
so einfach, wie man zunächst anzunehmen geneigt ist. Ich 
möchte dabei im folgenden unter Brutdauer die Zeit 
verstehen, die bei regelrechter, d. h. unge- 
störter Bebrütung eines frischen Eies bis zum 
Auskriechen des jungen Vogels verstreicht, 


1) Die Brut d a u e r ist nicht zu verwechseln mit der Brut zeit. 
Letztei e bezeichnet den Zeitraum des Jahres, in dem ein Brüten der 
Vogelait beobachtet wird, das heifst also z. B. bei der oft dreimal 
jährlich nistenden Amsel; März bis Juli. 


174 


0. Heinroths 


d. h. also die EntwickluDgsdauer des Keimlings bis zum Aus- 
schlüpfen. Diese Zeitspanne braucht nicht genau der Zeitdauer 
zu entsprechen, in der der alte Vogel brütet, wenigstens nicht 
bei den Formen, deren Gelege aus mehreren oder gar aus vielen 
Eiern besteht. Manchmal werden bekanntlich die ersten Eier 
schon bebrütet, ehe die letzten gelegt sind. Dann kommen die 
Jungen auch zu verschiedener Zeit aus, wie z. B. bei der Blau- 
rake und bei vielen Eulen. Ferner ist noch in Betracht zu 
ziehen, dafs sich frische Eier anscheinend etwas schneller ent- 
wickeln als ältere. Hierfür erfolgt aber dann in der Natur ein 
Ausgleich insofern, als die zuerst gelegten, also älteren Eier 
während des Degens der folgenden schon so weit angebrütet 
werden, dafs die Jungen schliefslich doch zugleich ausfallen, was 
für die meisten Nestflüchter lebenswichtig ist. Ich habe das 
bei Enten oft beobachtet. Man kann sich in solchen Fällen 
durch Schieren, d. h. bei der Betrachtung des Eies im durch- 
fallenden künstlichen oder im Sonnen-Licht, leicht davon über- 
zeugen, dafs beim Legen des letzten Eies schon recht weit 
vorgeschrittene Keimscheiben bei den ersten Eiern, die man 
sich als solche irgendwie gekennzeichnet hatte, vorhanden sind. 

Evans hat im „Ibis“ 1891, Seite 52—93, und 1892, Seite 
55—58, eine Anzahl mit grofser Genauigkeit festgestellter Brut- 
dauern gegeben, wobei er die sich dabei leicht einstellenden Be- 
obachtungsfehler geschickt vermieden hat. Wie man das tut, 
will ich in Kürze andeuten, da auch ich bei meinen Unter- 
suchungen darauf aufmerksam wurde. 

Man kann die Brutdauer im Freien feststellen, indem man 
die vom Beginn des Brütens bis zum Ausschlüpfen der Jungen 
vergehende Zeit aufzeichnet. Da ja nun bei vielen Arten die 
Jungen nicht zugleich auskriechen, so ist eine genaue Fest- 
legung der Zeit für das einzelne Ei nur schwer möglich. Weifs 
man den Zeitpunkt des Ablegens des letzten Eies und des Aus- 
schiüpfens des letzten Jungen, so kann man die Brutdauer mit 
grofser Sicherheit errechnen. Dazu gehört natürlich die Mög- 
lichkeit, dafs man den Inhalt des Nestes im Anfang und am 
Ende der Bebrütung täglich oder halbtäglich besichtigen kann. 
Man kommt bei dieser Art der Beobachtung meist auf die 
kürzeste Brutdauer, die sich für die betreffende Art überhaupt 
feststellen läfst : das letzte Ei ist eben das frischeste und braucht 
die geringste Entwicklungszeit; zudem scheint es, als wenn es 
schon in einer vorgeschritteneren Furchungsstufe zur Welt käme 
als seine Vorgänger. Die Befruchtung findet ja in den obersten 
Teilen der weiblichen Geschlechtswerkzeuge statt, sodafs das 
letztgelegte Ei, das sicher oft schon zugleich mit seinen letzten 
Vorgängern befruchtet wurde, dann im mütterlichen Körper eine 
verhältnismäfsig lange Zeit hindurch vorgebrütet ist. Daher 
kommt es auch, dafs ein letztes Ei, das der alte Vogel noch 
einen Tag nach dem Festsitzen gelegt hatte, oft zugleich mit 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 175 

den übrigen, namentlich mit dem vorletzten, ausschlüpft. Bei 
diesen Unterschieden in der Brutdauer kann es sich um etwa 
1 — 2 Tage handeln. 

Der zweite Weg zur Feststellung der Brutdauer ist der, 
das man frische Eier in den Brutofen oder unter einen unter 
Aufsicht brütenden Vogel (Huhu, Taube, Kanarienvogel) legt. 
Wie viele genaue Versuche von Evans und auch von mir ergeben 
haben, wird die natürliche Brutdauer durch dieseAb- 
änderung so gut wie nicht beeinflufst; höchstens insoweit, 
als der Brutofen oder die dauernd ungestört sitzende Hühnerglucke 
die Eier etwas schneller zeitigt als der freilebende Vogel, der 
sein Gelege öfter verlassen mufs. Die künstlich erbrüteten 
Jungen schlüpfen daun häufig etwa V 4 ~V 2 Tag früher aus als 
ihre Geschwister draufsen im Freien. Bei sehr schwächlichen 
Jungen kommt es vor, dafs sie zwar zur rechten Zeit „picken“, 
sich dann aber zu langsam aus der Schale herausarbeiten, auch 
braucht der Dottersack oft zu lange, um sich zurückzuziehen. 
Kriechen solche Vögel schliefslich aus, so haben sie die regel- 
rechte Zeit überschritten, was wohl manchmal etwa 2 Tage be- 
tragen kann. Der erfahrene Beobachter kann solche Fälle leicht 
sinngemäfs berichtigen. 

Wie wenig sich übrigens die für die Art gültige Brutdauer 
künstlich beeinflussen läfst, das ergibt folgendes Beispiel. Nach 
dem vorzüglichen Beobachter Drescher brütet der Kiebitz für 
gewöhnlich mit grofsen Unterbrechungen nur stundenweise, wobei 
die allerdings im Nestboden gemessene Brutwärme nie über 
25® C. steigt. Trotzdem schlüpfen die Jungen auch im Brutofen 
bei dauernd 39 Vg® Oberkante der Eier (=: etwa 36—37® 
Unterkante) ebenso wie im Freien mit 25-“ 26 Tagen aus. 

Die künstliche Brut ergibt also wohl 
manchmal eine um einige Stunden kürzere, 
fast nie aber eine längere Brutdauer als die 
ungestörte Freibrut. Ich betone das ausdrücklich, weil 
die alten Angaben, die natürlich stets aus der Freiheit stammen 
sollen, immer — oft um 1 bis 2 Wochen — zu kurz, nie aber 
zu lang ausgefallen sind. 

Verzögerungen der Brutdauern können durch lange Unter- 
brechung der Brut oder durch für längere Zeit stark herabge- 
minderte Brutwärme eintreten. In einem Falle beobachtete der be- 
kannte Holländer Züchter Blaauw, dafs bei seinen im Dezember 
bis Januar im Schnee brütenden Hühnergänsen, Cereopsis, statt 
30 Tagen 7 (!) Wochen erforderlich wurden. Aus all diesem 
geht hervor, dafs wir die Entwicklung des Keimlings 
zwar verzögern, aber nicht wesentlich be- 
schleunigenkönnen. 

Auf diese Dinge bin ich deshalb näher eingegangen, weil 
ich sehr oft die Erfahrung gemacht habe, dafs dem darin nicht 
Bewanderten zunächst der Gedanke nahe liegt, die langen oder 


176 


0. Heinrothi 


die kurzen Brutdauern verschiedener Vögel würden durch ver* 
schiedene Brutw ärme hervorgerufen. Aber wenn wir z. B. auf 
dem Hausboden unter dem Taubenpaar ein frisches Ei mit dem 
ebensogrofsen der gleichfalls dort, also unter genau denselben 
äufseren Verhältnissen nistenden Schleiereule vertauschen, so 
schlüpft das Eulenei doch erst nach 30 und nicht schon nach 
17 Tagen aus wie das Taubenei. 

Wenn ich nun hier der Kürze halber manchmal sagen 
werde, dafs ein Vogel z. B. 24 Tage brütet, so meine 
ich damit, dafs das frisch gelegte E i bei u n g e s t ö r t e r Be- 
brütung sei es durch die eigenen Eltern, den Ammenvogel 
oder den Brutofen 24 Tage braucht, bis das Junge aus- 
schlüpft. 

Nicht ganz leicht ist es, genau zu beurteilen, ob wir völlig 
unbebrütete Eier in den Brutofen oder unter die Henne legen. 
Am sichersten geht man, wenn man sie dem noch unvollständigen, 
also wohl auch noch unbebrüteten Gelege des Wildvogels ent- 
nehmen konnte. Durch das Schieren können wir dann bei den 
meisten weifsen und sonst gut durchscheinenden Eiern nach 
2 Tagen die Keimscheibe erkennen und so die Bebrütung fest- 
stellen; vorausgesetzt, dafs es sich nicht um sehr langbrütige 
Arten handelt, denn bei diesen müssen wir noch ein bis zwei 
Tage und länger warten. Diese Feststellung versagt aber völlig 
bei Eiern mit stark gefärbter Schale, bei denen auch später die 
Beobachtung der weiteren Entwicklung des Keimlings ausge- 
geschlossen bleibt, wie z. B. bei Emu, Trappe, Kranich, aber 
auch beim Habicht und bei vielen anderen. 

Ich selbst habe unter der Henne: Kormoran, Weifsen 
Storch (2. Hälfte), Schell-, Türken- und sehr viele andere Enten, 
Mittelsäger, Habicht (2. Hälfte), Korn- und Rohrweih, Wander- 
falk, Steifshuhn, Hokko und sehr viele fasanenartige Hühner- 
vogelarten, Bläfshuhn, Cariama, Triel, Brachvogel, Lachmöwe 
und Kolkrabe; unter Tauben: Sperber (2. Hälfte), Tüpfel- 
sumpfhuhn. Kampfschnepfe, Rotschenkel, Flufs- und Zwergsee- 
schwalbe, Blaurake, Waldkauz, Schleier- und Waldohreule; und 
endlich im Brutofen bei etwa 39 72^ C: Hauben-, Rotkehl- 
und Zwergsteifsfufs, Stockente, Teichhuhn, Kiebitz, Flufsregen- 
pfeifer (2. Hälfte), Brachvogel, Limose, Kampfschnepfe, Rot- 
schenkel, Flufs- und Zwergseeschwalbe, Haustaube, Rohr- und 
Grauammer, Kuckuck, Wiedehopf (2. Hälfte), Singdrossel, Amsel 
(etwa 7s)» Uferschwalbe (etwa 7s Gelbspötter und einige 
andere Sperlingsvögel ausbrüten lassen. Da ich die frisch ge- 
schlüpften Jungen des grölsten Teiles dieser Arten und auch 
noch viele andere mit meiner Frau zusammen in unserer eigenen 
Wohnung aufgezogen habe, so konnte ich mir auch ein Urteil 
über den körperlichen und geistigen Entwicklungsgrad und Ent- 
wicklungsgang bilden, was für meine folgenden Betrachtungen 
wichtig istc 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 177 

Angaben aus andern Veröffentlichungen habe ich im all- 
gemeinen nur dann als zuverlässig übernommen, wenn ich dabei 
die Brutbeginn- und die Schlüpfdaten vorfand, somit also die 
Brutdauern selbst nachrechnen konnte. Eine im März 1915 in 
Wilsons Bulletin, Chicago, von Burn gegebene Zusammen- 
stellung enthält leider so viele Irrtümer auch bei den bekanntesten 
Vogelarten (Haustaube 14 statt 17, Fulica 14 statt 22—23, La- 
gopus 18 statt 26 Tage u. a.), dafs ich von ihrer Verwendung 
Abstand nehmen mufste. Offenbar hat der Verfasser kaum per- 
sönliche Erfahrungen. Die im Practic. Handbook of Brit. 
Birds, Witherby, 1920, aufgeführten Brutdauern stellen, wenn 
nichts anderes dabei bemerkt ist, anscheinend die alten, z. T. 
wohl von Naumann herrührenden Angaben dar, entbehren also 
wohl manchmal der sicheren Grundlage. 

Von mir selbst festgestellte oder nachgeprüfte Brutdauern 
sind in der Tabelle mit (H.) bezeichnet. 

Nun zu den Eigewichten. Ich verstehe unter 
Eigewicht natürlich nicht das Gewicht der Eischale, sondern 
das des gesamten und zwar des frisch gelegten Eies. Da man 
nun bekanntlich sehr selten Gelegenheit hat, ganz frische 
Vogeleier zu wiegen, so bin ich auf ein anderes Auskunfts- 
mittel verfallen. Wenn man nämlich ein ausgeblasenes 
E i V 0 1 1 s t ä n d i g mit Wasser füllt und wiegt, 
so erhält man annähernd genau das Gewicht 
des frischen Eies: z. B. Kondorei frisch 278 g, mit 
Wasser gefüllt 270 g; Wanderfalkenei frisch 44 g, mit Wasser 
gefüllt 43,7 g; Hausente 74:73 g; Schleiereule 15,5:15 g; 
Wendehals 2,3:2,17 g. Die geringe Abweichung nach unten, 
die sich dabei ergibt, ist so unwesentlich, dafs man sie ruhig 
vernachlässigen kann, insbesondere auch schon deshalb, weil 
es sich ja auch sonst bei den Eigewichten nur um annähernde 
Durchschnittszahlen handeln kann , da die Eier selbst ein 
und desselben Vogels und innerhalb eines Geleges an Gröfse 
untereinander meist etwas verschieden sind. Aufserdem kommt 
es bei unseren Betrachtungen weniger auf die ganz genaue 
Eigröfse der einzelnen Vogelart, als vielmehr auf den Vergleich 
der einzelnen Vogelgruppen hinsichtlich ihrer Eier an. Da nun 
die Eigröfsen fast alle in derselben Weise bestimmt sind, so 
bleiben auch die Verhältnisse der Eier zu einander die gleichen. 

Beim Wiegen der Eier der einzelnen Arten habe ich mir 
aus der überreichen Sammlung des Berliner Museums, der ja 
seit einiger Zeit die berühmte Nehrkornsche Eiersammlung ein- 
verleibt ist, mittelgrofse Stücke herausgesucht; nur bei wenigen, 
besonders seltenen Formen hatte ich keine Auswahl. 

Nebenbei sei hier bemerkt, dafs diese Rauminhalts- 
oder Gewichtsangaben der Vogeleier (1 g Wasser 
= 1 ccm) für die Bestimmung der Arten und 
für die Vorstellung der Gröfse unabhängig von der 


178 


0. Heinroth: 


oft sehr verschiedenen Form einen mindestens ebenso guten 
Anhaltspunkt geben wie die üblichen Längen- und Breiten- 
mafse und die Schalengewichte. 

Ferner können wir jederzeit mit Hilfe der ausgeblasenen 
Eischale das GewichtdesfrischgeschlüpftenVogels 
bestimmen, da es, wie später besprochen werden wird, an- 
nähernd Ys^ös frischen Eies beträgt 

Das Schwierigste sind die V o g e 1 g e w i c h t e 
selbst Nur in den wenigsten Fällen liegen in der Literatur 
gute Gewichtsangaben vor; in ßrehm’s Tierleben z. B. vermifst 
man sie fast völlig, und in den doch sonst auf Vollständigkeit 
Anspruch machenden „Vögeln der paläarktischen Fauna“ von 
Hartert fehlen sie ganz. Die meisten Vögel werden ja als 
Beleg- und Museumsstücke gesammelt ohne Bedacht darauf, 
schon das frisch geschossene Tier gleich in jeder Weise für die 
Wissenschaft auszunutzen. In neuerer Zeit hatten sich namentlich 
Hantzsch und dann auch W e i g o 1 d auf mein Anraten be- 
reit erklärt, Wägungen vorzunehmen, und ich verdanke namentlich 
ersterem eine grofse Menge oft sehr brauchbarer Gewichtszahlen 
zumeist hochnordischer Vögel. Jablonsky und R e y lieferten 
viele Gewichtsangaben heimischer, Crawshay auch solche 
südamerikanischer Arten. Viele bisher veröffentlichte Vogel- 
gewichte sind für unsere Zwecke deshalb leider unbrauchbar, 
weil dabei kein Vermerk über Geschlecht und Körper- 
z u s t a n d enthalten ist. Gerade dieser aber mufs unbedingt 
berücksichtigt werden, wenn die Angabe überhaupt verwandt 
werden soll. Die vielen, namentlich in Jagdzeitungen ver- 
zeichneten Gewichte beziehen sich meist auf besonders schwere 
Tiere, mit denen sich der Erleger brüstet; sie kommen für 
unsere Zwecke nicht in Betracht. R. H e s s e-Bonn gibt in seiner 
soeben in den Zoologischen Jahrbüchern 1921, Bd. 38 S. 244—364, 
erschienenen Arbeit „Das Herzgewicht der Wirbeltiere“ eine 
wundervolle Zusammenstellung von 623 Vogelgewichten, die ich 
zum Teil auch berücksichtigt habe. Bei seinen Durchschnitts- 
gewichten sind — für meine Zwecke leider — auch sehr magere 
sowie junge Tiere mit einbezogen worden. 

Ich selbst sammle seit 25 Jahren Tiergewichte, verfüge 
gegenwärtig über mehrere tausende und bin dabei zu folgenden 
Ergebnissen gekommen. Man überzeuge sich gelegentlich mög- 
lichst häufiger Leichenöffnungen, ob man den allgemeinen Fett- 
und Ernährungszustand, den man vorher durch Gesicht und 
Tastgefühl abzuschätzen versuchte, richtig beurteilt hatte. Das 
Körpergewicht trage man in eine der Spalten folgender Ein- 
teilung ein: „Sehr fett, fett, gut, ohne Fett, mager, sehr mager, 
abgezehrt“. Man wird hierbei die Erfahrung machen, dafs der- 
selbe Vogel je nach seinem Ernährungszustand ein unglaublich 
verschiedenes Gewicht haben kann. Dieselbe Nachtigall z. B., 
die im regelrechten Futterzustande etwa 23 g wiegt, bringt es 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 179 

als Fettklumpen auf 35 g und mehr, sie kann aber, zum Skelett 
abgezehrt, auf nur 15 g herunterkommen. Freilebende Vögel 
sind im Herbst gewöhnlich fett, im Frühjahr und namentlich in 
der schon vorgerückteren Fortpflanzungszeit ziemlich fettlos, je- 
doch verhalten sich hier die einzelnen Vogelgruppen verschieden. 
Während einige, wie z. B. viele EnteiivÖgel, auch im Mittelgewicht 
eine gewisse Fettschicht aufweisen müssen, fehlt diese auch bei 
bestem Ernährungszustände manchen anderen Formen fast gänzlich. 

Ferner berücksichtige man, dafs die Weibchen namentlich 
verhältnismäfsig grofseiiger Arten kurz vor dem Legen sehr hohe 
Gewichte haben, wiegt doch z. B. bei kleinen Schnepfenvögeln 
das einzelne Ei oft 1/4 der Mutter, und dabei haben die noch 
folgenden drei auch schon eine gewisse Gröfse erreicht. So ist das 
Gewicht des Alpenstrandläufers für gewöhnlich 50 g, Hantzsch 
erlegte aber ein Weibchen mit legreifem Ei und entwickeltem 
Eierstock, das nicht weniger als 73 g wog. Limonites minutüla 
würde dann anstatt 20 sogar gut 30 g schwer sein. Auch der 
Füllungszustand des Verdauungsschlauchs ist namentlich bei 
solchen Gruppen, die auf Vorrat fressen können, wie bei Vögeln 
mit Kropf, aber auch bei Kormoranen u. a., in Betracht zu 
ziehen. 

Leider herrscht selbst bei sonst trefflich bewanderten Vogel- 
kundigen meist eine völlige Unkenntnis über Gewichte; diese 
aber allein und nicht die Längenmafse geben von der wirk- 
lichen Gröfse des Tieres eine Vorstellung. Bei der äufseren 
Betrachtung wird man durch Gestalt und Federkleid oft recht 
irregeführt, das beweisen z. B, Zwergsäger, Ringeltaube, Wald- 
kauz, Krähe und Goldfasanenhenne, die durchschnittlich alle 
7, kg wiegen und in ihrer Gesamterscheinung nicht ahnen lassen, 
dafs ihre Körper gleich schwer und bei etwa demselben spezi- 
fischen Gewicht also auch gleich grofs sind. Auch Naumann 
belehrt uns in dieser Hinsicht oft recht falsch, wenn er z. B. 
angibt, dafs der Habicht ungefähr die Gröfse der Rabenkrähe 
habe (C. corone 72 kg, Astur palumbariuSy Durchschnitt von cf 
und 9» dagegen das Doppelte). 

Zur Aufstellung guter Durchschnittsgewichte gehört gröfse 
Hebung, insbesondere dann, wenn man von einer Art nicht eine 
ganze Reihe von Gewichtsangaben zur Verfügung hat. Ich habe 
bei dem Verhältnis vom VogeF zum Eigewicht möglichst das 
Gewicht des m i 1 1 e 1 g e n ä h r t e n Weibchens zu 
Grunde gelegt in der Annahme, dafs nur dieses für die Gröfse 
der Eier bestimmend ist, auch bei den Arten, bei denen das 
Weibchen nur die Hälfte des Männchens wiegt (z. B. Auerhuhn 
und Moschusente) oder umgekehrt (Sperber). Ich ziehe hier also 
nicht das Durchschnittsgewicht der Art in Betracht, das durch 
das arithmetische Mittel aus den Gewichten beider Geschlechter 
auszudrücken wäre. Da die jungen Auerhühner z. B. zunächst 
alle gleich grofs sind, so entsprechen sie anfangs gewissermafsen 


180 


0. Heinroth: 


alle der weiblichen Form, denn die Hähne überholen ihre Schwestern 
erst späterhin im Wachstum. Auf die Gröfse der Eier hat das 
befruchtende Männchen natürlich keinen Einflufs, denn unbe- 
fruchtete Eier haben dasselbe Gewicht wie befruchtete, und das 
Cairina-^\ z. B. hat auch dann die regelrechte Gröfse, wenn es 
einen JBlectropterus-M\^QM\wg ergibt. 

Nun noch einige Worte über die herrschenden An- 
sichten, in welchem Verhältnis die Eigröfse zur Körpergröfse 
stehen soll. Es gilt als feststehend, und das ist im allgemeinen 
auch dann richtig, wenn wir Vögel einer Gruppe unter sich ver- 
gleichen, dafs die kleinen Vögel relativ gröfsere Eier legen als 
die grofsen. Ferner wird darauf hingewiesen, dafs wenig ent- 
wickelt zur Welt kommende Junge aus kleinen Eiern hervorgehen 
sollen; zugleich müsse es sich hierbei um verhältnismäfsig kurze 
Brutdauern handeln. Umgekehrt soll zur Erreichung eines voll 
bewegungsfähigen, mit entwickelten Sinneswerkzeugen und mit 
genügendem Kälteschutz ausgestatteten jungen Vogels ein grofses 
Ei mit längerer Brutdauer erforderlich sein, und schliefslich — 
darauf hat besonders Des M u r s aufmerksam gemacht, — 
müsse die Gröfse des Eies von der Gröfse des Geleges insofern 
beeiiifluUt werden, als je gröfser die Stückzahl ist, desto kleiner 
das einzelne Ei sein wird. Alle diese Erwägungen erscheinen 
von weitem gesehen gut und mechanistisch wohl begründet; sie 
stimmen auch ganz im allgemeinen für eine gröfse Anzahl von 
Vogelgiuppen, man ist aber bei näherem Zusehen darüber er- 
staunt, wie oft viele dieser Regeln durchbrochen werden. Man 
merkt nämlich bald, dafs mechanistisch nichts im Wege steht, 
wenn z. B. Vögel, die nur ein einziges Ei legen, trotzdem ein 
kleines Ei haben, es sehr lange bebrüten und doch nur einen 
hilflosen Nesthocker hervorbringen, wie z. B. Sula. Auf alle 
diese Punkte werde ich bei den einzelnen Gruppen und in der 
Schlufsbetrachtung einzugehen haben. 

Zum Verständnis der folgenden Tabelle sei 
vorausgeschickt, dafs ich mich bei der Auswahl der aufgeführten 
438 Arten vor allen Dingen danach zu richten hatte, von welchen 
Formen leidlich sichere Gewichte Vorlagen. Aufser von frei- 
lebenden Vögeln stammen sie bei den ausländischen zum grofsen 
Teil von Gefangenschaftstieren aus dem Zoologischen Garten. 
Nun liegt der Einwand nahe, dafs auf diese Art festgestellte Ge- 
wichte nicht den natürlichen aus der Freiheit entsprechen. Ver- 
gleicht man aber eine gröfse Zahl draufsen in der Natur frisch 
geschossener Vögel mit ihren entsprechenden Gefangenschaftsge- 
nossen, so ergibt sich, dafs auch die bei diesen festgestellten 
Gewichte recht gut zu brauchen sind. Bei manchen Formen, 
aber durchaus nicht bei allen, tritt zwar ein gewisser Schwund 
der Brustmuskeln ein, dafür sind Gefangenschaftsvögel aber 
häufig fetter als Freiheitstiere, sodafs schliefslich doch dasselbe 
Gewicht herauskommt. Durch Abrundung der Gewichtszahlen 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 181 

nach oben oder unten erhält man unter Berücksichtigung aller 
einschlägigen Verhältnisse recht brauchbare Werte. Dafs ich bei 
der Zusammstellung der Tabelle unsere einheimischen Vögel be- 
sonders berücksichtigt habe, liegt auf der Hand, denn von ihnen 
sind gute Gewichte auch aus der Freiheit verhältnismäfsig leicht 
zu erhalten. Aufserdem finden sich in der Liste eine Reihe von 
Bewohnern Neu-Pommerns bei Neu-Guinea, weil ich gelegentlich 
meiner Südseereise 1900—1901 diese Tropenbewohner in grofser 
Anzahl selbst gewogen und geöffnet habe. 

Bei der Einteilung der Vögel bin ich der auch in die 
4. Auflage von Brehms Tierleben übernommenen Gadowschen 
gefolgt, jedoch sind die hier aufgeführten Gruppen ziemlich un- 
gleichwertig, denn sie enthalten zum Teil Ordnungen i-formes) 
und Unterordnungen (z B. Psittaci), zum Teil auch nur Familien 
{-idae) und Unterfamilien (-inae). Das hat seinen Grund einmal 
in der Verschiedenheit derVermehrungsweise der einzelnen Formen, 
andrerseits aber auch darin, dafs mir von manchen besonders 
viele gute Gewichte der Körper und der Eier zugänglich waren (z. B. 
Hühner- und Entenvögel.) Innerhalb der einzelnen Gruppen habe 
ich die Arten nach ihrer Gröfse, d. h. also nach dem Körper- 
gewicht geordnet und auch sonst manch kleine, für den vorliegenden 
Zweck geeignete Verschiebung vorgenommen. Für die wissen- 
schaftliche Benennung ist im allgemeinen der bri- 
tische Katalog zu Grunde gelegt, weil er eine einheitliche 
Bezeichnung aller Vögel ermöglicht. Aufserdem sind in der 
Tabelle überall die deutschen Namen beigefügt, da sie erfahrungs- 
gemäfs in weiteren Kreisen viel bekannter sind als viele Gattungs- 
namen, wie z. B. Ajaja und Ereunetes. 

In der letzten Spalte der Tabelle finden sich einige 
Dottergewichte angegeben. Sie sind in der Weise ge- 
funden, dafs aus dem hart gekochten Ei der Dotter herausge- 
schält und dann gewogen wurde. Da das hartgekochte Ei fast 
genau dasselbe Gewicht hat wie das frische, so glaube ich nicht, 
dafs wesentliche Fehler bei diesen Gewichtsbestimmungen unter- 
gelaufen sind. Die Angaben über das Eiweifs be- 
ziehen sich auf das gekochte. 


182 


0. Heinroth 


3 « S d o5 ü 

:o3 0) .2 S Ä'C 

'S ^ ^ N :Ö i 

Isä mS) 


s a Ä 

W Ü3 


S 'S 

= ^ I Ä-S 
^ N =® ^ 
^ic Sj M öc 


w 

I *=> Ö 

® o w ^ 

ri - 1 

M « 


ä- 

®i3 

|l 

* «o 

to 


.® .i c 
ig 'S 

^ll| 

o 


ö . ^ 
©öS 

s 

.®c3 ^ 


^ <M 
D 


<->. 00 
O ^ 
lO ^ I 
CO I I 

I CO 

w xo 


u a 
^ 2 
^ ’S 

05 O 

1=1 ^ 
^ 00 


"iO 

<M 


s CO ;>o 

^ CO <M 
03 


^l>- 


O 

o 


«oo 

«D N 


OO 


^ Ö ® o 

eo th,h Tieo Sa .2^ 

CM 1-H •-< ,a 


bß 

bß 

bß 

bß 


lO 

o 

O 



o 

lO 

f-H 

lO 

CO 

uo 

bß 

bfl 

bß 

bß 





O 

o 

O 

CO 

03 

C<I 


CO 


CJD tdO bß 

lO o c^ 

UO r-^ lO 

^ (M 


^ bß 

.s ^ 




o 

•ea 

rSi 

»t-Ä 

s 2 

OD 

'S 

^ 'S 

§ 

OJ ^ 

;o $-• 
> o 

to 

!5 o 


je 

o 


^ « 
m V 
. 1^ 


03 

?-i 

03 

a 


s 

s 

I 


O «5© ] 

I 


i tife 

■'SS« 

bC<M . - 

«.,“5 

O.-giO Ö 

"•illS 

§M o J.s 

oP^ »5 m 

Q 


oi I ^r^ w I 

a "’S 

M ® s 

I öS.ä” 

^S^-AS 

ONOO ™2 

p fä’:l!5.9 


tfi^gOOCM - 

•-3 

. II OOCQ Ö . 
p* bc-" .^Wfö 

§S£§.|I 

o B C _ j © 
^Cl^’o o.^'o 
® O bo !> m BB 


tn 
^ ^ 

lO 

(M 


a 

CO 

<M 


I CO 

t» i-H 


JP ^ 

>t- ® 


gegen 

15 

o '9' 

^ . fl 
''-^ fl 

00 
CO 1 
1—1 1 

^ /— s 

lO CO 

1 1 

.a 

»o 

1 

1— 1 ^ 

CO 

CO 

lO S 

CO 

^ cq 

v_^ 


a 



va o 
^ rj< 

c3 c3 

<1-9 

03 03 


bß 

XO 


T3 

I OQ '3 

05 O 
CO ^ 


bß 


uO 

Ol 


bß 


03 bß 

^ ^ o 

O 
CO 


03 


<53 


C/J 

*e 

ec 



c3 


fl 

e 

Cm 


fl 

eS 

«' ■'7* 

fl 

a i 


<0 

^2; 


iM 


c<i 

CÖ 




g ^ 


. 

a r 

m W 


S S 

I I 

i 'S 


J 


^ fl 


g,2 ^ 

es 5-« ö 
W <1 C /2 


03 M 
-4-9» fl 
fl 03 

1^0 


ca 
ca 

_o *o 

O) <J9I 

cn ^ 
:o ö 

> 03 

JS rO 

2 == 
5 es 

£ M 


e 

s 

03 

.'öi 




ca 

ca 

’o 

<(-9 

02 

Ol 

rfl 

-1^ 

o 

a 


'Ci< 


O 


CO 


Beziehungen zwischen Yogelgewicht etc. und Brutdauer. 18B 


§ 

o 

Q 

«10^ 

P 

^11 

bl 

.2 t- 

mu> 

Cü 


J 

m co „ bo 


52 *^*0® 


> bo 


J2 ^ 

'loa 





w 

o 2 

38 

(Eudyp 
tes etw£ 
ßWochei 

o 

<M 

CO r0 
ro 
pti 



o 

.o 

cö 

a 


|2 

03 <— > 

© 

03 00 

bßco 

V 

tlD 

&D 

CO 

1 

HO 

j 

CO 

1 

1 

f 

1 


00 


o 

< I 

«—• _ o>0 


t- ^ 


0^ ^ 


iH 

00 


<M 


(M 


<M 


(M 


(M 


CO 


.o a 

»oo « OJ 

< iT' »-1^ <13 00 
CO &c 


ooo 

■>-» e« 

uO 


UO 


CO 


tu 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


bß 

bß 

22 

o 

<M 

ir^ 

urf 

i> 

t- 

o 

O 

00 

o 

lO 

S'l 

t- 

t— 1 

iO 

o 

tiO 

o 

bß 

O 

1 bß 

o o 

bß 

bß^ 

bß 

•« 

bß 

03 

bß 

bß 

o 

CO 

o 

CO 

o o 

»-I <M 


S)G^ 


(M 

CO 



CM 


«c 

1 

•na 

CO 

•ea 

r«a 

*«a 

ec 

•ea 

e 


1 

§ 


j 

1 

CC 

*«a 

«a 

CC 

i 

S 

V. 

ö 

•Cä> 

,03 

*t.a 

bs 

*<sa 

S> 

S 

e 

»*.* 

b>s 

CO 

60 

•5a 

•aa 

C3 

& 

CC 

i 

O) 

J 

§ 

cg^ 



<-H 

a 

a 

’S 

a 

S 

rO 

1 

c> 

V. 

55 

o* 

u 

03 

•52 

1 

cg 

a 
• 1—0 

^ CC 
bß 5g 

fl i 

’ca 

nsi 

cg* 

a 


CO 

CO 

fl 

«ib- 

O 

€ 

.fl 

C3 


s 

CL, S 

’fl 

ä 

’S 

03 

fl 

o 

S-i 

.fl 

"fl 

.fl 

c3 

CO 
“ 'ca 

CJ U 

’S 

C/3 

bß 

03 

u 

03 

.fl 

C3 

fl 

o3 

CO 

Xi 

C3 

fl 

fl 

'S 

fl 

fl 

-4^ 

© CO 
03 rCa 

.22 ö 

ns sg 

ä § 

O *«a 

.s 

03 

cn 

:o 

> 

ja 

“5 

o» 

^fl 

1’^ 
03 <U 

fl 

Sk 

.—I ^ 

o e 

.fl § 

a ^ 

^ 52 

bß 

fl 

’E. 

fl 

03 

*a 

o 

Cfl § 

tS5 


&H 


B 


W C3 

PQ 






. 

£ 




00 

ci 

O 

1-S 

c4 

CO 



UO 

CO 


184 


0. Heinroth: 


bO 

Ö 

P3 


O O) fH 

4^ rQ d <B O 

-2 (D t) ö Q,.r( 

^ S :§ I 

ö? CO M bf) 

vT O ^ 

p*' rö 


^ b£ 
d GJ 

.a .9 'S 

o 


H 


© 

© 5~~ 

^ rT~ 

CO 

„^,o 

iH © lH O 

1 1 

^»O ^(M 

rH r-H tH 

_o 

© ©" 

© 

© ©^ 
M eo 

.© 
« o" 
^ M 

t- o 

i1 C£> 




CO 

CO 

CO 

»-H 

»-H *— 1 

1— 1 

1 

1 

1 




<M 

<M 

cq 


■a 

^ - 


^ pd 

O) o 

■ Ä ^ 

' Pj ^ 

M &ß 


M Sb 


s 

$ ’S 

'S jQ 

’S 


® o 
^ Ci 


1 

^ ® 

o 

•2 §0^ 


1 

v> 

rSS 

CO 

1 

CO ^ 

CO 

s 

S CO 

CO 

lO 


CO 

CO 


Qi 

CQ 02 

^ ‘oS 
P^ 


o 

o~ 

-"'i* 


laß 

O 

l>* 


bß 

P4 


CO SS 

c;u ö 

g s 
^s, § 

t « 

Sä s 
S -s 
(? o 


"S CQ 

#2 

I i 

= <1 

CO 

t^ 


^.o 
th^ o~ 


I ;? I 

« lO ^ (M 

Pr^cM 


.o 
o ©^ 


© 

© 

« 

vH^ 

<M 


bß 


bß 


o 2 


bß 

t- 


bß 


<;o 


bß 


ura 

CO 


bß 


CO 

00 


c3 ^ 

^ O 
00 
CO 


a 


bß 


bß 

O 


^ ^ äp 


^2 


CO 


Ö 

p«o 

C5i 

05 

§ 


'S 

bß 

© 

> 

a 

B ^ 

.52 ö 

WS 

00 


e 

05 

05 

V 

i 

•i-a 

e 

“5 1 

o 

r© 

^ o 

o 

SS 

Ö 

qa 

ca 

o 

V. 

'’Ö 

tu 

s 

s 

si ©5 

o 

Qi 

jO 

.§ -2 
O «5 

•Äe 

'S 

^ fS 

^ © 


Qi pSS 
«J ^ 

I I 

B s 


CO 


05 

g g 

g'& 

3 J 
02 

Ö 


O) CO 

IS 

o <^-1 

o ^ 

iS o 
CO ^ 

s 


05 

§ 

§ 

ö 

CJ 


a 

d 

ä 3 

© 


05 

SS 

g- 

Is 

Ps' 


cö 

r— I 

CL, 

Ol 

O 

P4 

CO 

C3 

cä 


Ph *S W 

^ c4 

<M cq 




a 

cä 

'S 

Oh 

u 

<x> 

© 

d 

;h 

PO 

cö 

cq 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer, 


185 




“I 


43 

etwa 23 
-24(H.) 





30 



o 

^S: 

la o 
~ 3 i^ 
t- 

r 4 

,o 

w'QO 

O- 

.o 

00 

1-4 

t- 

« 

O 

1 s, 
^^ 1 —* 

O 

O^ 

iH 

0 

iH 

1 “ 

-~ 22 . ^ 


’Cj^ 

1 

Tf< 

1 

\d 

j 

<>• g 

CO S 
1 

1 <n 

CO 

lO 

1 


CO 


CO 

CO 


a 

o. 


CO 





,o 





o 

if4 

o 

H S" 

o' 
« CM 

o 

O 

.o 
«o O^ 

_o ^o 

(N CO O 

.o 

<N ® 

xa CO 

T-( 


o a 
^ ® 
bx> 
© 

-£2. CO 
1H 

CO 

T-i 0 ■ 

o 

02. M -02.02! « 

rT~ ^ 

CQ CN CM 

rT^-00. 

CO 

CO C3 

35^ ® 
bo 
® 

rH i 

^._eo CO 


öf> 




bD 

tH 


102 g 

47 g 

35 g 

bß 

r1 

Ol 

CM 

bß 

CM 

“Hl 

t-s 

bß 

o 

113 g 

bß 

00 

T-( 

bß 

CO 

00 

82 u. 

98 g 

cö ^ 

ÖD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

04 

bß 

04 

O ^ 

bß 

04 


B-ci 

02 rH 

^51 

04 

O 

lO 

CO 

04 

CD 

04 

uo 


»H 

bß*^ 

02 

CO 

1 


CO 

<N 





CO 

(M 



§ 

Ö 

cc 

CO 

ö 

fO 




O 

io 

Eh 

(M 


I 

O 

V) 

o 

l5 


cö 

o 

s ® 

w § 


o 

bß 

o 

> 

cc 


CO 

s 

e 

i 

öi 

qT 

.o 


cö 

I s 

§la 

•§ 

s 

o g ^ 
CO e CS3 


<» 

03 e 
02 


s s 

f ^ 

02 V.. 

P5 ^ 

O 

j=5 e 

ü 

s 

:0 C» 


CO 


CO 

5 

r..ö 
• ^ 
• 4 ^ 

6 
'W 

i- 


CO 


t- 

^ CO 
rO ^ 

S ö 
s ^ 

S.| 43 
<3 <*5 


^. 1 - 

C3 ^ 


»O 

<M 


CO 

(M 


<M 


00 

<M 


05 

<M 


CS 

Ҥ 


a 

0 

0 

CO 


o 


CO 

a> 

f§ 

‘S 


cs 

Os 

•«■a 

§ 

o’ 


O 


o 

-*-> 

CO 


o> 

CSJ 

0 

cö 

03 

« 

CO 

c5 

CO 


CG 

0 

O 

s 

a 

S 


1 CO 

.. s 

= cs 
*ss 

<» 

C.5 

O 

W 

S 


<33f^ 
03 ö 

O ^ 

■s I 

*KÄ 
d ^ 

►S ^ 


Joum. f. Orn. LXX. Jahrg. April/Juli 1@22. 


13 


186 


0. Heinroth 


ö tOD “ i 2 

d «'S 
‘■“ '2 9 a-c 

5 t> 3 ^ 


-H ^ 

:c3 'S 

■SO 

;> 


■? i :0 I 
s, M ^ 


rfl . 60 

n B S 

.S) .rH <U 

W o 


«'S a s ,.2 

^ Sd 


M 


§3 'S 

.r^ 

M & 


i'l 


OkO g 

« io'-‘5 

6B<M 60 
UO d eo 

«o 2-Ä 

•i^ 

|S,3 

Q 




CO 

CO 



l> 


O 

<M 

1 

CM 

1 

ÖÜ 


1-H 

1 


CO 

1 

1 

V—' 


1 



WO 

WO 

r— 1 


CO 



CM 

CM 

CM 


rH 

o 

"H 



~22. 




o -5. 

.o 


tH~^0 


»1 _o 

1-t __p 

^ o ^ o 


v(J 

i ^ 

o3 ® 

cä ^ 

a o" 

g o 

hT- lO 

;:ro 

1 CO 


fe O 




CM 

^t- p— 1 

S CM 



07 




07 

07 

tD 

'ci< 



wo 

WO 

CO 


CO 1 


»O 

1 

1 

1 

CO 

CO 



CO 


CM 



I ^ 


o 

«O 


CO ^ ® ^ a ^ 
; r - »^--=1 ® ,H 


CO 


o 

«o •r}^ 

a 

<x> 

tD 

® 

tß 


.O 

‘ 


« 


CO 


H O 

I o 

<M 00 


■3 

1 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

CO 

CM 

wo 

00 

o 

CO 

CO 

o 

CM 


GO 

CO 

07 

CO 

CO 


CO 

CO 

f-H 


fcß bß 

bß 

0^0 
o o 

^ (M CO 
<M <M 


bß 

o 

0 

01 


bß 


a tiß 

bß 

bß 

bß 

&ß ^ 

o 

o 

o 


wo 

o 

wo 

bß^ 

t- 

wo 

rH 


I 

§ 


o 


Sh 

07 

a 

§ ^ 
• iH ^ 

HH) 

cö 

ca 

Sh 

07 

a 

jz -2 

a <=^ 

a s§ 

Ä •«* 

cö « 

• 


a S2 

C3 

07 «0 

pi4 e 

iS g 




wo 

CO 

CO 


e 

•««» 

0 
Öi 

1 


CO 

CO 


o 


o 

o 

o 

o 


I> 

CO 


CO 

Sh 

o 

CO 


00 

CO 


I 

IH* 


CO 

e 

'»to 

o 

Q:i 


07 

a 

a 

o 

’-o 

M CO 
^ •«» 

P3.5 

05 

CO 


I 

CJ 

5Si 

S 

§ 

o 

•S 

u 

07 

:2 

’S 

s| 

CQ U 

^2^ ‘'S 

Ö 


§> 


%> 


(=i ^•- 


Sh 

07 

:B 

’S 

P 3 

SH 

o 

fl 


o 

*rJ 

o 


Ef-2 
S s 

n'I 


— ' CM 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 


187 









s 





(M 

CO 

O 






1 

o 





C^l 

i 


'w' 





o 





J- 

CO 

CD 





Vü-^ 


.JO 





® © 

.j» 





tH^_0 

^.© 

e5^,o 

i ® 

E3 ^ o 



1 ® 


a ^ 

1 lO 

o ^ O 



1 o 

T?~ r—t 

S CO 


S © r-H 





- ^ <M 

05 


CO 



TU 

CO CO 

S 

CQ ^ 

prt ^ ^ ^ 

1 

j 



1 

's— ^ ^ 

ö -2 CM 

CO 

CM 



1 

CO 


0,«? 







5T ö 


eo ^ 
^ © 


eo 





O 

©^ 

05 

© ©^ eo ©^ 

CO ©^ 

M E3 
© 
bD 
<s 
tt 

S C'3 
w 

CO 

I 

eo^ 

~^>o 

f-4 

^ -di 
lO 

iH ' r?^ 

»O lO 

»o 

bß 

d 

bD 

bß 

bD 

bD bß 

bD 

O 

t- 

lo o 
CO 

CO 

O 

00 

CO 

o o 

CD »O 

O 

CO 

bß 

bß 

bo 

bD 

a bD 

Ja; o 

bD 

o 

O 

o 

O 

o ^ 


o 

»o 

o 

o 

bß 

o 


00 

CD 

CO 

t— t 


© ■«# 

b£'«^ 

CO 

GM 

CW 


Ö 

o 



1 

e 


60 

s 

PHS 

C2» 

■l 

o 

ö 

•«•h 

§ 


c:> 

Cä 

o 

e 

e 

CO 

S 


§ 

•eH 

Cä 


S 

fHÄ 

•CTH» 

!g 

C5 

•«* 

•fei 

•S 


ffei 

<2. 

-S 

Ö 




,eo 

jn 

f.<s 

s 

•♦Hl 


£SS 

6>f 


?S 

bJi 


c 

Sh 




Io 

H*Ö 

<D 

•« 


•fei 

l-H 



02 



Sh 

:0 

IS 



<X> 

^■Qß 

’S 

s-T 

o 

d 

:0 

h-5 

1 

cä 

02 

o 

'S 

• 

Sh 

CO 

& 

Sh' 

3 

ü 

w 

s-3 

03 

OQ 

s 

’S 

. 

. 

, 

, 


, 

CO 

Tji 

wo 

CO 


b* 

Ti< 



TlH 




•eö 





h. 




•fei 

CO 

S 


feC> 


e 

Q 


<4> 

•fei 

& 

C3 

•eH 





•fei 

S 

o 

C3 

•e* 

8 



1 

<u 

i 

Ö 

•fei 

CO 

•i?i 

Sfe 

<fe> 


8 





bS 

o 



cT 


Ö 

8 

-8 

02 

§ 

O 


bß 

fl 

•g 

gs 

'S 

O) 

O) 

§ 

bs 

6 

O 

bC 



:o 

bß 

c3 

bß 

fl 



5» 

;o 

•r— 9 

a 

• f-^ 

S 

c3 

a 

-S 

roseu6 

Sh 

CD 

H© 

O 

P3 

CD 

M 

S 

:cä 

O 

Sh 

o> 

o3 

.fl 

CD 

02 

H 


, 





, 


00 


a> 



o 


Tj< 





»fl 


13 * 


188 


0. Heinroth: 


bO 

a 

s 


I 

fl-» 


’ä Sd42 
ä ^ d S 'S 
:=« <1> ,S H 
J ^ ^ N :0 ^ 

'V 


'S S “ 
.a M n 
H o 


lsl§|s 

M tc 


<P O W 
q,.m oJ 

Ä ^ 

:0 ^ 

M <50 


®iii 

PF 

®Sag 

•3|fi| 

fcoQo es 

I . « ««> 

a tobcjg 

-g .»d **® 

.sg^cSS 




td 
'■ — 




00 

<N 




28 


1 M 



O 




t- ^ 



CO 




<M 

T^ O 




o 

©'S. 

” ©-S. 

=s 

o 

^o 

r-i 


> iO 
£ 

CO 

fl ©^ ® ^ 

1?^ 

<u 




CU 


bc 

1 

00 

C^ 

rH 

i 


O 

1 i 1 

'uo 

1 

o o o' 

f*H f— H r^ 

i i i 

(N 


o 


CO O 

5 ’ 1 

00 Oi 


r?' .O 

o^ 

o 

o> o^ 

o» ©^ 

© 

\a ©" 

« 

»^ © « o 

»H Ci 

1 ® 

1 Cfi 

^ © 
^2 

'S» 

^ ^r~ 

r 4 

11 3j~ 

1 ^ 

(N jO ^ «o~ 




UO 

lO 

CO 

-:i t- 

ii 

fcJD 

fcD 

bc 

bß 

bß 

bß 

■OB ÜO^I 

O 

f— < 

CO 

Oi 

(M 

<o 

»o 

lO 

t- 

o 

Ci 

00 

I Seil 







'SW 

fcß 

tD 

bß 

bß 

c3 bß 

bß 

bß tiO 

c^ 

O 

o 

CV. 

O 

o 

CO 

-tsS 

CO 

<U (M 

o 

o 

CO 

r— < 

s § 
2 § 


CU 

&D 

SO 

> 

o 

xn 

G CO 

:c3 

O ^ 

® § 
« ^ 


«S 

rC5 

O 

e 

s 


K) 

<u 

-i-a 

G 

<U 

G 

<X> 


e 

:s 

•Ka 

e 


s 

Ö 




V 

^ 5S 
Öi 
SS 

C> ts» 
fl ö ^ 
i=i e <u 

o fl. a 


•to 

rSS 

fl 


o> 

■ 4 ^ 

G 

'Jg 

o 

.03 


?3 




~t^ 

1p 

*03 

fl 

Cü 

ti- SS 

<u 

fl 

O 

bß 

S 

rG 

o 

cn 

6—1 

‘S 

o 

fl 

s 

'o 

*fl 

o 

m 

s ^ 

03 .g 

Q fl 

Eide 

sima 

5 


c<i 


CO 

Ti? 

»o 


lO 

iO 


>o 

IO 

lO 


-S 


*♦.* 

fl 

s 

fl 

60 

o 

s 

•<Ä 


pq 

e 



o 

fl 

■4^ 

fl 

•ijö 

<u 

9i 

O 

rrt ^ 
O ■ is> 

o 

• -1 piÄ 

Qj •«* 
4-S ffl 

fl 

*fl ö 

i s 

CU 

4^ 

s 

Ä §- 

o3 

CO 

CO 

l> 

»o 

»o 


e 


o 


fl 

<u 

u 

o 

G 

cS 

9-1 

H 

00 

%a 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 


189 


bo [ 

OlO 








5 ö 

® £ 
*1 >• 

s§ 

ls 

^.2 

o 

Q 


CO 


iii 

t W 

g Ü> 2 

s? 5 t>. ^ 

lO 

CQ 

N S .2 

O p 





p 


ai 


/ — s 

K 

CO 

00 § 
«3 



K 







1 ffl 



■s—p 




QO 


CO 

»O 




<M 



kO CO 

(M 



(M 

QQ 



CO 






««»1 


4« 






P 

o 

^ _© 

^ o 


^ O 

^ o 

.© 

O 

„o 

« © 

bc 

© 

bß O 


c3 ^ 
^ o 

a ^ 

O --V 

bc ^ 

-H 

«o~ o 

p ^ 

§)S! 

© i>* 

p 5- 

^ ©^ 
«9 o 


©^ 
-n ~0 

p ©^ 
a» 

lO 

^ lO 

t- 

CO 

lO 

00 

^CO 


© 

bo 


bß 

bß 




bß 













o 

o 

O 

O 

cq 

o 

O 


<M 

Oi 

1 



r—l 

P-^ 

•-H 

•—1 

p-^ 


r— 4 

»— i 

1 

1 1 -1 

{ 

{ 

1 

! 

j 

1 

i 

J. 


<o 

CO 00 ä 

'^td 

00 

00 

Ci 

00 

1 

CO 

00 

a> 










o 

lü 



»■j ^ 

o 

to 

,o 

eo 


H ^ 


ec ©^ 

1-4 O 

-^ © 
1-4 $" 

1-4 O 

O" 

CS 

1 

■# eo 

n' 

-Ji 

eo^ 

w 

^ r4^ 

.^o 

t>, 

»H t>- 

»-I 

I 

a» O 

I _e« 

eo -4 

-.ri©^ 

Cb 


CO 

tH 

CO 


00 



t- 

-.li 

r5~* 

.JH 

i-t 


lO 

tJD 

^ 2' 
1 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

O 

^ o 'S 


c- 

CO 

o 

lO 

CO 

00 

lO 

CO 

CO 


CO 

iO 


UO 

xH 


CO 


iO 


wW 










bD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

lO 

o 

lO 

o 

O 

o 

o 

o 

o 

o 

o 

t- 

»O ‘ 


o 

o 

o 

o 


o 

o 


00 

00 

00 

t- 

CO 

b- 

CO 


05 

KO 

'Sm< 




ö 

•«-& 


•«a 


1 

g 





<3 


§ 



•J 

•1 

*S 

ö 

e 




Ö 

§ 

'S- 

►-a 

e 

§ 

Ö 

s 

Ip. 

C3i 

Ö 

Ci 

o 

CO 

s 

o 

•«* 

2“ 

o 

s 

%>. 

O 

t-4 

CS 

CO 

§ 

eo 

CS 

Ci 

V. 

Ö 

s 

s 

a 

•<«> 

5Si 

5S 

h-a 

$ 

5Si 

o 

• w» 
CO 

P3 

r*«id 

CO 

§ 

<a> 

li 

CO 

N 

pO 

<s 

CO 

O 

pO 

CO 

ö 

g 

© 

.4-3 



oT 


oT 

4.3 


sJ“ 

© 

S.T 

© 

s-T 

© 


a 

of 

© 

.4-3 

Ö 

© 

a CO 

bß 

bß 

bß 

© 

© 

.4-3 

■*^ 

© 

© 

‘© 

.4.3 

© s 


:c3 

:cS 

:cÖ 


a 

© 

pO 

'S 

a 

© 

bß 

%4 

© 

a 

2 

<4-4 

«3 

a 

© 

o 

o 

« -S 
© s 

M * 

© 

4-3 

a 

© 

CO 

CO 

© 

ca 

a 

:c3 ^ 

ca 

% 

4-3 

4-3 

CO 

bß 

5h 

© 

© 

pisj 

© 

O 

U3 

PQ 

Eh 

Pd 



s 

O ^ 

§ 

CSJ 


o> 

ö 


c4 

cö 


id 

cö 


oö 

oi 

»o 

CO 

CD 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 


190 


0. Heinroth: 


Ö 05 

■g H 


a 5 ü 

='3 'S-" I 

O ^ 5 Ä K 


05 m ® 

t> 05 tlD 

^ rr^ 


■O 0) 
M öß 


•S I M I 43 

|s|g|| 

05 res 05 ^ äo 


bc 


S|« 

S’SS 

«ij 

§ -I . 

Q 


ol 


/• — s 




CO 



ffi 


M 


(M 
1 . * 

CM /-s 
1 . * 

w 




' — <' 

1 S 


v—/" 

00 

00 

CO 

CO 

(M ^ 

CO 

CO 

<M 

CN 

CM 

<M 

(M 

<M 

CM 


o 

lO 


_jo o 
»'O 
CO 


•o 

CO 


®5" !>■ IM CO 
CO CO 


te: 

E 00 


I 

CO 


CM 

2^ 
7 1 

(M 

(M 

(M 

1 

1 

r- 1 
l 

1— t 

1 

1 

CO 


1 

OS 

1 

1 

OS 


»H .O 
C o^ 

CD 

bß 


o 

o" 

CO 


CO 


CO 


CO 


1 


tß 

bD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 



lO 

lO 

t:^ 

„H 

t* 

CO 


CO 

o 


ÖJD 

s 


t- 

"•dl 



-cH 



CO 

eo 

CM 

05 ü 05 

ÖD 

g 

bß 

ua 

tc 

bß 

bß 

bß 

fl bß 
CD 

bß 

bß 

bß 

bß 

&’fe r§ 

ü 

<5^ 


O 

O 

m 


O 

o 

O 

O 

•o O 

£ 



o 

O 

t- 

0 ) o 

lO 

lO 

»o 

uo 

M W) 

$ 

cq 


00 

t- 

CO 

bßoo 

CO 

lO 


CO 


&D 

a 

<D 

PU 


I 

a 

o> 

s 

o 

P5 


o 

a 

(O 

CO 

Ö 

cö 

tÖ 

&D 

$-1 

CO 

tS3 


O rH 


S 

C3 

e 

i- 

(=^ 


<o 

<4-5 

fl 

0? 

c2S 

.2 

*Ä 

CÖ 

c4 

i> 


§ 

CS 

6 

qT 

fl 

o 

(U eo 

OS ^ 
S3 Ö4 
^ Jö 


CO 

l> 


cs 

SS 


I 

•c* 

1-0 

•o» 

cc 

e 

<o 

e 


§- 

r«* 

<):> 

Sil 


CS 

fÄ 

CS 


CS 

§ 

c§* 


s> 

Ö 

r*^ 

%> 

s 

s 

<D 


<v 

■4-J 

fl 

Cm 

15 

Cm 

P-. 

-4-9 

fl 

o 

M 

fl 

CO 

*0 

o 

~.§ 

«M 

IS 

Sö 

:0 


0,3 

PU 

h :3 

, 

, 

, 

, 


»O 

CO 

l>- 

t- 

l> 

t- 

t» 


in 

l5 

§ 

s 

O" 




o 

a a 

CD S 

Ä o :«3 

cö Cä fl 

W'55 M 


00 


OS 

t> 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 


191 


0 

1 

ä 

55 



Q 












22 


26 


<M 

1 td 

ffl 


W 

0 

CO 






00 

00 


Ci 







<M 

CM 


<M 








CO 











^52- 




cö ® 


cö ^ 

d ^ 

d ^ 

?3 ^ 

c5 


<os 






^ 00 
^ CN 

^ iS 

CO 

^ <o 


eo lO 




© 

© 

© 

© 

© 

0) 













CN 

1— t 
1 


(M 

7 


00 

1 

00 

1 

00 

1 

<M 

1 


I 

1 

00 


o 

O 


lO 

CD 

CD 

1 

tr- 
















\a 



t» 

CO 


„o 


o 








« 

1-1 

<N ^ 

o o" 

„^o 


00 ^ 

,■^ 0 ^ 

tH <T) 

1 

iH 

1 ® 

~-P 





■4^ 

^ lO 

1-1 t- 

CO w 

(M 00 

1-t t- 

I> 


CD 










© 






fcß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

CD 

»o 

CO 

lO 

QO 

o 


uO 

i>- 

10 

<M 

lO 


CO 

O 

i-^ 


o> 


00 

CD 

bD 

bo 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


o 




o 

0 

0 

0 

0 

O 

uo 

O 

O 

•Hl 

o 

0 

iO 

0 

0 

CO 


o 

o 

«T“ 

00 

CO 

CM 


Oi 

CO 

1-H 

t- 

o 

(M 




.—1 

o. 


1 




ff 

e 


Ö 


e 

i 

s 

© 

•1-3 

a 

© 

Ö 

■1 

© 

fl 

© 

e 

öi 

e 

rSS 

O 

PNiÄ 

r< 

•S 

li 

'S 

s 

s 

<3 

d 

e 

Ci 

ö 

CO 

Ö 

Ci 

s 

Ö 

s 

rSS 

e 

■i 

a ö 
<» 


S 

ö 

o 

<3J 

Ci 

S-) 

c3 

0 

0 

s 

V. 

“♦.a 

d ^ 

(V 

-»-9 

P 

© 

fl 

© 

'0 

o3 

CQ 

oT 

fl 

d 

o 

§- 

1^ 

CQ 

d 

03 ' 

Mi 


5s* 

qT 

•4^ 

a 

o 

o 

w 

© ö 

w e 
.22 1 
a öi 
d Ssi 
-O « 

W 'S 

Javanische 

javanica 

Magellansg 

inornata 

Nilgans, A 
cus 

Schwarze 

variegata 

?-l 

c3 

02 

c3 

© 

0 

oT 

fl 

© 

fl 

C3 

CQ 

oT 

■ 4.3 

fl 

© 

-fl 

d 


, 

, 

, 

, 

, 

, 

, 

, 

, 

o 



CO 


o 

CD 

t>. 

00 

Oi 

00 

00 

00 

00 

00 

00 

00 

00 

00 

00 


192 


0. Heinroth: 


Ö 

® 

bJC 

I 

a> 

B 

® 

cq 


3 © 

|| 


g ä-2 

:cö a> 

-SO ^ 

« M S> 

> OJ ^ 

^ rrt 




a.i^ 

ä H 

.3 

'S S ^ 


:0 £ 


1 -P fl 

^ ^ «i 

® O m ^ 

=ri - 1 

M tj: ß 


W-SW fl 

3 o 

Qco.2 

tß T-( a> 

si^it 

■g^Sfi-S 

^fl ..r->^ 
^ O .rH S » 

w 


gw 


OB 

Ü 2 
o 


15 


Ci 

Ci 








CN /-«s 

CM 







1 ai 

1 


CM 

c3 

d 



30 


00 

CX) 








CM 

CM 



PQ 





-21 

T-t _ O 


-21 

^O 


-5!. 

y-i ^o 

O 

-i? 

^—3 


eS ® 

1 

c3 

ffT' o 


c3 o 


j ® 

CO o^ 

fe O 

1 CM 

fe ^ 



fe CO 

^o 

1 CO 

^^'CO 

^ CO 

(M 


CM 

c^* 



^(M 

CO 

O 

iH 

,<D 


CU 


rH 


N 









o 

CJD 

l> 



lO 

CO 

CO 


T 

1 

CO 

1 

lO 

o* 

CO 


1 

1 

1 

lO 

\o 

o 









.^o 


o 

o 

„,o 

O^ 


,o 


o 

05 

®,o 

eo o^ 

vfs o ■ t- 

CO 

o o 

to o^ 

xO „^O 

vn o^ 



-^-5L 

eo 

a 




-^1-21 


■H lO 

eo" 

th" oJ'' *-« 

o 

iH lO 

iH rH 

iH 

5r~ 

' lO 



CO 

bD 

o 


CO 


CO 










ÖD 

bß 

bß 



bß 

bß 

1 bß 

bß 

O 

t- 

CO 

UO 

O 

lO 

2 § 


CM 

Ci 

o 

(Ji 

o o 
•«^1 o 

lO 

CO 


l-H 

1— 1 



r— < f-H 



bß 

risi 

bß 

bß bß 


bß 

bß 

bß 

a ^ 

CO &D 

^ 4fli 


O 

J« 

Jas 

S 

1 ^ 

CO 

Ol 

-2?. -51 


o 

(X) 

-21 

tH 

■rt 

CO 



r-H «—1 



1—« 

CO 




•ca 


,co 


1 





Co 

CO 


S 


cs 





CO ? 




s> 

CO 

s 




s ^ 


s 

e 

o 



CO 

SS 




SS 

<ü 

5C 

§ 

ö 

•S 

1^ 

hO 

S 

o 

9fe- 

lO 

l*«3 

^ «•fl: 

S“ 

05 m 


.•s 

e 

■K» 

SS 

e 

O 

g 

rC> 

CO 

•<A 

CO 

§< 

l!^ 

1 

SS 



?s 

fl 



• 

<ü 


cc 

S 

S-» 


^ bß 

CU 

•> CU 


pq 

ZG 

pq 

o 

ZG 

ZG 

fl ö 

oT 

ä 

w 

m 

fl 

1 1 


fl 

d 

bß 

ZG 

fl 

d 

S3 esx 
cS ^ 
bß.§ 

c3 ^ 

^ i 

c3 

iiO 

ö 

o3 

9^ 

fl 

c3 

bß 

•i-ä 

d 

d 

d 

bß 

gg 1 

S3 ä 


fl 

<u 

fl 

a 

o 

bß 

fl 

&- rS 
CU ^ 

^ '*2 
s.s^ 
äi 

O 

m 

s 

CS3 tS3 


5Z5 

S 


CQ ^ 

ö 

«— 1 

<M 

cö 


»ö 

cd 


00 

Ci 

o 

Ci 

<Ji Ci 


C3i 

Ci 

Ci 

Ci 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 193 


® *2 
|M 

fh 

»O Ö 

oo^td 

cJl pJÖ 
CO is ö 

© tK d 


.2 © 
w-s 

cS A tä .«2 

fco bf^ ^ ä 

J . CO 0 ^ 

^0 9 


O >-P-( 60»3 

Q 






✓ \ 

ui 

ui 

ffl 

03 ►-H 

5 w 

|S 

'w' 

V ^ 


iO 

.—. 

.-ü 

03 O 

"o lO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 


o 

(M 


Ph . lo^'^ 


c3 feß lO 
...I a Qp 
JtaJ tC 


GO 


lO cT^co 
<M 


te O 
CO 


CO 


CD 

I 

CO 


<M 


<M 


GO 

j 

O 


I 

lO 


<u ^ 

-I _ « 
iXio 


^tHO 




bß 

bß 

bß 

o 

GO 

1 

»o 

o 

CO 


1 

«— ( 


o 



t- 

bß 


bß 

Ps3 

c3 bß 

"SJ. 

■4-3 

o 

UO 


(O lO 

t>» 

Cv. 

1— t 


> 'O'o 

’ tb ^ 

03 CO 

ÖD 


.o 

CO 


bß 

bß 

bß 

bß 

o 

o 

O 

o 

lO 

CO 

O 

03 

CO 

CO 

CO 

<M 


bß 



bß 


bß 

bß 


03 

P4 


03 

1 

GO 

iC 

lO 


tß 


O 

t> 


öß 


GO 


Öß 


öß 

o 

o 

CO 


bß 

o 

CO 

CO 


bß 

o 

o 

uo 


Ö 

O 

o 

CJ 

CO 

cS 


05 

-Q 

O 

O Ö 
03 O 

t4 S 


Co 

S 

§• 

*40 

o 

r>>.i> 


03 

§-S 

g>S 

1-^ 

ft ö 
CO C3i 




0 

1 ^ 
<33 Cb 

-C cs 

<0 -KÖ 
03 !S 

CO 


o> 

Oi 


O — 

O O 


C3 

CQ 

oT 

ä 

c5 

öß ?3 

a o 

cS S 

O I 

o 


Ö 

CO 

CO 

<» 

s; 

g 

s- 

§5 

CS 


<13 

•hS 

a 

CD 


SG 

S 

^ a. 
CQ 

OS 

o 


Ö 

C5> 

8 


c5 

"Ö 

2 ® 
c3 ~ 

s i 


s.. 

o 

o 

CO 

s 

s 

cä 

a 

cö 

-a 

CD 

02 

03 

PÖ 

CD 

:0 

w 

»ö 

o 


§ 

§5 


a 

05 

.03 

O 

03 

bß 

^?3 

C>2 


o 

’i 

<JD 


S =3 

c <5 

.a 

CD 

02 

bß 

03 

CS3 


CO 

•eö 

CO 

a. 

o 

a 

<)3 

bT 

c5 

.03 

CD 

CD 

U 

<13 

N 

S Ö 
.a ö 

CD e 

oö 

o 


^ 194 


0. Heinroth; 


^ H O 

:c 3 ^ .2 9 


<X> 

►> 0> 
^ frt 


^ JI3 

'i-ä 

03 O 
CO 


p- o 
^ <M 


o o 

II 

oa 

•H(m 

3i2 

o7^ . 
(0^0 
a-sj’ 

fc, S)EH 

® « 4 J 

g PE^ 


gE^ 

525 


lO 

lO 


o 


CO Ol 

lO ^ 

.-tö I d o 


lO 




40 « 
eO es 
f=4 « 

uO S 
CO S 


,o 

O 




CO 


Jo 

CO 


»o_o 


,o 

tr- 


lO 

1 ^ S 


CO 

CO 

1 ^ 

v_ > 


'' — ■' 

CO 

(M 

Ol 

CM 


CO 

I 

CI 


d .1 S ' 'S 

|w-g a ö'g 

»II 

CU K £ 

Sj M bo 


■ ^ d 

^43 (U 

OJ ü w ^ 

ji|.[H O) o 

.g ^ fd ,Q 

I 


lO 


o 

C 3 

d 

o 

M 

03 


■ ^ 

§ 
o 
S 




c£> CO 


CO 




.o 


M ^ 

CM 


bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

O 

lO 

XO 

oq 

lO 

wo 

o 

uo 

CM 

o 

*-H 


f-H 

o 


CO 

CO 


<M 

Cl 


CM 

CM 

CM 


1—4 

bß 

bß 

bß 

PH 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 






Jsj 




CM 









C'-. 

CO 

f-H 

oo 

b- 

cr> 

r> 

wo 


o 3 

,a 

Ü 

C/2 

c» 

o 


I J 

;§. s 

^ e 

^2 I 

_r ^ 

■S o 
£ 'S « iS e 

l^l^l 

ö ^ 


e 

cS 


*S 

bß 

a 

40 

c3 


bs 

rSi 

>id 

*5 


03 

’S 

bß 

Q S 

^ i 

p^ § 

oi 


e 



§ 

CO 

5§ 

S> 

ö 

o 

S 

hO 

s 

(»o 

pS 

>** 

1 

§ 

e 

05 




.2 

i-t 

03 

jS 

‘S 

bß 

’S 

03 

fl 

bß 

’S 

03 

Jf «0 

03 

CZ3 

fl 

Ҥ 

fl ^ 

«'S 

:o3 

O 

^ 'S 
CQ hO 

CCb 

''0< 

ud 


«o 

S 

•§ Ö 
^ 'S 

tq -s 

i «0 

i*<& 

« 

^ tej 

«3 st ® 

I 

•’-* Qi 03 

Dh Sij CQ 

cd 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 


195 





bO 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

CO 

O 

o 

<x> 

lO 

CO 


O 

t>- 

o 

t— 1 

<x> 

o 

o 

CO 

o 

o 

oo 

05 

05 

>o 


bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

ö ^ 

bß 

bß 

3 k 

O 

o 

CO 

<M 


o 

o 

'Tii 

I— ( 

O 

CO 

CM 

Cu 


CO 




0 bO 

1 bC o 

(N^ ^ O 






c3 

(X) 

<D 

m 


o 

ö:| 


Ü 

ll^l 

! § 

> o5 


iS 

cö 

a 

<X) 

bß cc 

P S 

i-C 

CO öi 


« 

ö 

§ 

O 

•ca 

s 

tS 

<ü 


o 

CO CO 


O ^ 

(M <M 



C<J CO o 

CM (M d CI 



196 


0. Heinroth: 


d 

a> 

bfl 

I 

s 

© 

pq 


S o 

03 U) 

V 


fl S'§ 

:t« 0) .2 H 


0> 

^ 60 

a Ä 




■i&ÖSS 



ii) 


&b 

^l»s. 

«;g 

o 

bl) 

r-( 

fl 

d 

> 

'k 

tÄ 

% 

a 

2 

fl 

o 

d 

2 

•0 e: aus K 
■ 22 Proz. 
i von 38 
borene 25 
IS etwas g 

Oh 

OS 

lO 

CO 

0 

1 

« 

lO 

fl 

© 

u 

o 

5= 

? 

Ö 

o 

J5 

o 

fco 

fl 

© 

W P -fl 

ffl '*« g ^ 
S{Z5W 

»o" 

:§ 

"o 

1 

fco 

o 

© 

o 

ja 

Sb 

§ 



Q 





a> 

c3 

Shm 

a> o'-' 

CO 


.3 
08 
T3 
CO g 
o 




05 

C<l 


O» 


^lO 

<M 




O 

?T 

> »o 

z 

OJ 


I ® 

I CO 


o 

Ö ^ 
2v<^ 

Qj 

SJD 


WG5^ 

>-co 

CO 


O) ^ 

fcCco 

tß 


- 


ip 



<M 

O 

CO 

ip 

Tj< 

1 

1 

<M 1 

1 

1 

1 

! 


Ti< 

CO 

CO 



-cH 

rH 

CO 




, ^ .fl 

<0 O 

3 03 ’S S SH te 
^ 03 P N :q ® 

03 "O M ^ 


CD 


CD 


o>0 


1^0 

t^- 


«o^ 

r!« 


tiD 

Ciß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


o 

CO 

05 

ip 

t- 

O 

05 

<M 

CD 

CD 

»p 

»p 

uO 

CO 

CO 


»P 

a öß 

tiß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

^pi4 

o 

O 

O 

O 

O 

o 

o 

o 

-4J 

o 

o 

o 


o 

ip 

ip 

vp.' 

P f-H 

CO 

GO 

00 

»p 



Ol 



ü M 
-§ 

M & 


S 

rO 

•«Ä 

1 


s 

rO 


pq 


05 rrt 

03 H 

«3 S 

f-< C3 

S «3 

pO 03 

c22 =3 

a 2 

CP § <D 

^ »g 2 

a o cs 

o3 Öj :a 
0^^ ^ 


§ig 

ö 

CO 

•«*» 

s 


a 

m 

03 

a 

a 

a 

Pg CO 

I- 

^ § 


CO 

s 

S> 

a 

pC3 

o 

SS 

•«<* 


• ■— 1 

Ö5 


S 

I 

e 


^ e 

a 

1 

Qj ^ 

O <» 

S s 

pia ^ 
p'w S. 

fz! ^ 

/p.« •«* 

CO 

s 

C5 

> 


05 

(M 


O 

CO 


05 

N § 
^ C5 

-S ^ 

Cß r4ä 

c4 

CO 


<ü 

. s 

«— • -K» 

S-* S 

<1-5 *pi» 

52 

<iö:j 

cö 

CO 


05 

o § 

03 CO 

CO 


S 

§ 

I 


:2 

’S 

a 

Sm 

O 

W 

uO 

CO 


•*.5 


V. 

o 

C5 

f*>a 




3 m 

a 

x> 

;-) 

a 

P. 

03 


CO 


a 

»4— < 

3-g 

P 

»a 

a 

^ I 


CO 


BeziehuDgen zwiscben Vogeigewicht etc. und Brutdauer. 19? 









/ — \ 



28 


<N 


td 

V ^ 

5 

CO Ö 
«— ' c8 

00 






0 

w 

<M 






CM 


^ 0 

^ 0 


oT' 0 


.^0 


.H 

a 

Q 0 ^ 

ßf^ 0 ^ 

S 0 ^ 





® CX) 
^CO 

CD I>- 

1^ 

S- 

bC CD 
O) ^ 

lO ^ c^, 
t> lO 
. t- w ^ 

rt'i 

0 


CD 
^ CO 

bo 

bo 

<0 

CsD 




<U 


»0 

CD 


05 I® 

0 

1 

1 


ll-i 

t- W OQ 

T 

<N 




eo 

1 — < 
'w' 




liS I 

’2 


CTo 


05 

1^- 




tdO 

ÖD 

bß 

bß 

CD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


,« 








CD 

iH 

05 

1 

<M 

CO 

CO 

CD 


<M 

t— < 

(M 

r— * 

1 

lO 

GO 

tO 


CO 

icT 









tc 

bß 

bß 

100 

bß 

0 

bß 

bß 

bß 

bß 

0 

0 

0 

1 bß 

lO 

0 

0 

lO 


CO 

0 

M 

1 

<M 

lO 

lO 

<M 

CD 

(M 

<M 

(M 

0 


t- 

lO 



s 

rC> 

fC> 


O 

r»* 


S 

s 

(S3 

CQ 


00 

CO 


(D 

05 

CO 


<» 

t«s; 


gs |.i 
-<1 
o ^ 

'«d< 


c 


<S*.i4 

bß 

f-i 

CU 

n; 


g 

?s 


3 S 

C/2 

|S 
Ǥ 


!s cä § 


S 

CO 

S 

I 

I* 


a 

.s s 


CO 


(M 


CO 


CO 

I 
t 
c3 

ca 

-C3 

ca 
’S 

■t^ 

a of 

§ I g- 

•2 i § 

Ö C55 -S 
«3 cö 

M-S H 


CO 

I 

(•.Ä 

o 

CO 

rO 

o 

eo 

S 

g 

f 


I 

*«^ 

c§ 


CO 

<ö 

•«* 

S 

§ 

&S 

a 

Ä 

O 

ca 

:ca 


« 

g 

cT 

(U 

^ . 

eS CO 
ca ;:s 

M w 


xO 


CO 

1-3 


198 


0. Heinroth 


bO 

a 

I 

S 

® 

pq 


:o3 (U ö 9 Ph'S 

'S ^ ^ « :S I 




•ä I w I -t» 
H ä ® [ü 

^ CO 'S 3 ^ 

'S a> ^ N :C5 5 
^'ö g, M bß 


I -t^ ä 

O ü CO ,£j 

a-jH a> o 

:Ö I ^ a 

Mw ^ 


•i^S ^ 

Igo 5 
§fd Ö 

p 


<M 


05 

Cd 


S'|w 

S P^co 

^■'^23 c<i 

c» ;r I 


a ^ 

® 05 CO 
CO 
Üß 


y-r=> 

>-t^ 


CV. 

<M 


pq 


CO 


F ft 




CQ r-4 


CO 

03 


'05 


bl) 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

IOC 

lO 

o 

O 

lO 

CO 

00 

r*s 

o 

1 bß 

c» 

o 

CO 

o 

CO 

r—> 

1 

r- ^ 




1-H 

lO 








CO 

bO 

4M 

bß 

bß 

4M 

bß 

4M 

bß 

bß 

'«di 

i KO 



O 

o 

CO 

OJ 

f-H 

o 

o 

05 

o 

lO 

lO 

I bß 
,^4M 

CO 


Ö 


O) 
fcß 
:0 'S 

t> r-o 

CO 

® g 

ö s 

Xi , 

Xi iS 

"c3 

^ tiD 
4^ CL> 

fl 

CD H 

Süd 


%s 

•w 

CO 

s 

o 

e 

<a» 

<w 


fl 

Xi 

fl 

J3 

4=1 

|.| 

ca I 


I 

§ 

e 

CJ 

Ö 

a 

o' 

4M 

4M 

O 

ffl 


i « 

fH o 




t- 


QO 


I 

g 

§ 

e 


a § 

S s 

^ I 

02 § 


o 

lO 


s 

CO 

<55 

§- 

§ 


03 *S 

^ k 

fl 


1“^ 

CS 

**Ä 

O 


fl 

43 


o 'w a 

CC o 


lO 


<M 

lO 


o 

?5 

fl 

»H 


Pc 

<D 

ÖD 

:cö 


fl 

<X> CO 

^ S 

43 fl 

c6 

ia> 


C) 




fl 

Pc 

t« 

fl 


uo 


Beziehungen zwischen Yogelgewicbt etc. und Brutdauer. 199 


N bO •• b 

o ö 

^l|s 

ia®n 


» wi'g 

5 ?s|äa 

4il§s 

-* ® ® jQ I 


lllS 


M o o 

T s Sä 

gr M M 
CO Q o 

Sii 

■§ p p 
p 

s § 

g-S-l 

.s s>s 

15? S CO 


p 


Ö N 

© S 

mP 

c«^ 

§ 0 
bc^ . 
c 

■m g 

^ . s 
52 

M |) 

m 


§S 

Ifi 

« w 
§0 

lO SV 4 « 

.5^ Ö 


5gS 

'S 

Q 







iO 

^ \ 

ffi 

28 


ffl 

D3 

Ol /-N 
1 , ' 

ffl 




'■^ — ' 

I a 

s_^ 

QO 

CO 


CO 

rH ' 

-cj< 

<M 


Ol 

OJ 

<M 

Ol 

Ol 


a 

50-^ 

8 iD lO 


“ To ^ 

-V® 

lO u > 

o> 


o to 


a ® 


o 

03 ^ 
& 


»w 

^ CO 

-tJ LO 


eo 

o 

a ^ 
© < 

ÖD 


CV 5 o .,_© 0 ^ 
^CO «'00 
CO CO 


■o 

lO 


CO 


CD 


la 

■ 

O 00 

t— r-l M 


rH 

iS 1 

1 1 -S »O 

CD 

P 

M 1 

5- 

(11- 

Har 

0> 

&3 »o 
c^ © 

*-* fcf 


o- 

o 


05 


CO 


i 


r-t 


e 

Ö> 


s 

CO 


a 

Ä 

ö 

ra 

o 

Z3 S> 

^ Q 

H §, 

o 

o 


§- 

CO 

OS 

O 

6 

§1 

I 


■' m'' 'J-I 

CM 






■*^o^ 


PD S-. 
Ol -P 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

00 2 










1 S 

O 

b- 

O 

b- 


«-«4 

lO 

CO 

Ol 

o 

lO 

co 

lO 

co 

lO 

•et* 


CO 


CO 

S 3 











rP ^ 

Ol 

1 bß 

bß 

o 

bß 

O 

m 

bß 

O 

bß 

.iiS 

bß 

bß 

JsH 

bß 

bß 

CO 

CO^ 

T-^ 

o 

CD 

o 


0 

01 

r-4 

i-H 


r—* 

o 

05 


s 

C5 

Sij 

o 

§- 

C3 

cä 

c® e« 

s § 

N 3 2 

p cs 

O s. 


g 

cs 

§- 

ÖS 

e 


p 

p 

P4 

o 

bD 

c3 

S-4 


Ö 


a. 


•?* 

•Ml 

o 


l-s 

A ö 

o « 


a 

I Ki 

1 ^ 

2 ö 

ip 5 

CD 

Ä 

§ "o 

Kr^ W 


CD 

Ph CO 


p 
.p 

'12 

p 

p ö 

0 > fSg 
•LJ « 
CO 2* 

S-» ^ 

«'S 


CJ 

g 

CO 

S 

%> 

CS 

g 

g 

<55 

Cb 


CO eo 

S 


CO 


Is 


05 

g 

g 

CS 

•<s» 

CO 

CS 


P 

P 

m 

cö 

bß ^ 

■§ I 

W £ 


CD 

O 


CO 

»o 


<35 

iC 


o 

CD 


rHl <M 

CD <CD 


CO 

CD 


CO 

g 

5 

§ 


p 

eö 

CZ3 

•-^ Ö 

^ I^s* 

&§- 

■§£ 

02 o 

CD 


o 

o 

CO 

S 

g 

,e 

CO 

'CS 


03 

tS CO 

np g 

P fg 
>-5> W 

lÖ 

CD 


200 


0. Heinroth : 


a> 

ce M 


bß« I -a 

|=>'E§sS 

S M M 

r»- rQ 


-5 “ 

cs d V 

.a I 'S 

H O 


Ul 

'3 .i +5 

5Sja d S"© 

'S “ I ^ =® i 

Q'o gj M t>o 


I » (3 

^ Ol 

«'S w Ä 

eii*M oj ü 

:S I '® a 

M S) « 


§1?: 

w|g 

ei 

- ..2 ^ 
-s|2 


offi 


00 


o 

'«d< 

/• — \ 


<M 

1 

CQ ^ 
1 

1 UM 

ffl 

CQ ^ 

03 

CO 


* 

^4 

CQ 

CQ 

o 


CO 03 

(M 


>o 

lO 




5 

® CO 

oc ^ 

tX) 


c 

„o ci~' ^o 
COo 

CO tO ^ C5 


r-H CO 


tO 

CO 


lO 


o> 


(U 


2 

i i 1 ' 

CQ 

r— 1 
1 

CQ 

6? 

lO 

T 

00 iSo3 t- 

00 



CQ 


lO 


CO 


o o 

" lO 


o 


.o 

I,« 


»o 


eo 


s® 

CO 


tiD 

&JD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

O 

O 

00 

b- 

uo 

03 

00 

o 

CO 

CO 

CO 

CQ 

CQ 

CQ 

CO 

CQ 

CQ 

f— t 

öß 

bc 

bß 

bß 

bß 

bfl 

bß 

bß 

bß 



O 

o 

o 

O 


O 

lO 



lO 

lO 

lO 

lO 


CQ 




»o 

lO 

)0 

lO 



CO 


ec 

r^ 

c 

!Öi 

CO 

CS 

;b 


" «3 

_g 5§ 
.a « 

S'-S 
'S § 

.2 § 
03 ''S 


I 

a 

cö 

CQ 


S 

Si 

Cb 


© 

N3 
$-1 
cS 

O _ 

C/3 Cr ' 

<-1 tiß 

5 ’S ^ 

'Sc« .s 

® fl 'S 

N3 i! W 


CO 

CO 


t- 

CO 


(X) 

CO 


s 

S£ 

S 

§ 

cii 

cT 

rfl 

fl 

X3 

-1-9 

c3 

o> 

fl 

fl 

0 

C/2 

01 

CO 


ec 

§ 

rSi 

o 

6 


rCS 

C3 


f? 

cf 

«3 

CG 


tt-. CO 

-fl s 

f— < “O 

O .'ii 

O i, 


§ 

e 


-H CO 

O S 
Ng *♦* 

fl ö 

o3 h 

^ O 

5 "ö 

o.^ 

Är-O 

CG 

CO 


cs3 03 

'S Ä 

Ci^ §1 Q 


C3 

cS 


XX 

fl 


o 

s 

CG 

O s 

S'S 

CG 


.Ii 

'S 

.§ 

'S 


.03 rfl 


o ^ 

t- t>» 


CQ 


Ph ^ 

CO 


a> 

P3 


t>- 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 201 


ffiO 




1 ^ 



. 

C- 






' üi 

w- 
CN CO 



18 

(auch 
. pecü 
ralis) 
14 

t-H ^ 

03 GO 


£ 

CO 

ffi 

CD 



CM <M 



o 

'S 


CM 

CM 



•JP 



_eo 




« 



iC5 


o o 

o 

1-1 O 


(M o 

tH o 

o 

O 

C3 ^ 
^ lO 

^ O 

05 O 

c- ^ 2 

5r 

äc GO 


ce ® 

s ^ 

>• »o 

?T 

GO 

Ö« o 

00 

00 

05 

^ o 

l-N 

z CO 


o 

o? 



GJ 

03 


03 

03 

03 


<iO 

T 

0-* 

<M 

o. 

CM 

■ ■ 

^ o 

m tlß 

1 2 § 

CD 

1 

00^ 
1 ö 

-10 

-12) 

cq 

7 

O 
CM ^ 

r-M 
1 .22 

2^ 
1 7 

(M 



CO g 


CO ^ 


1 

00 

S 

00 



CO 




'.H 


_o 


t- o 

o 

rH 

O 

1 ® 

o o 


o o 

rH O 

1 

o 

oo 

-21 

CO 

(M P 

o o 

-21 ® 

T-t CO 

ffT' 

cc 

^ oo 

^ rH « 

)*~4 

M 

C<5 ^ 
1-t 

^ ^r~ 

CO 

§3 

<x> 

biD 

lo 

be 

bß 

bß 

bß bß 

bß 

bß. 

bß 

feß 

bß 

bß 

o 

O 

f«4 

oT 

00 

~-2L 

«r~ 

o 

o 

CO 

iO 

cq 

05 

r-f 

20 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

O 

O 

O 


o 


O 

o 

o 

O 

f— 

la 

CN 

2 § 


o 

o 

o 

o 


r-. 



CM 

00 

CD 

lO 


o 

rSS 

Ö 

& 

•S- 

> 

CO 

s 

S o 

Ci5 

Äi r»»i. 

-K> <43 

.e 

o 

NO 

ca 

;§. 

CO 

§ 

(-»i 

r««a 

bS 

bJ5 

o 

5., 

ietrix 

CO 

S 

Sj 

O 

bss 

bi 

9 

V.. 

• 1 

Sa 

C 

O 

f<5 

& 

H 

*ö3 

,.n cc 

'Öj 

-t-s 

o 

g 

r<i 

6 

'Ö3 

’i 

1 

c3 P 

2b 

<o 

% 

o 

S 

o 

bs 

g 

N<> 

CO 

g 

g 

s 

-1 

a" 

-a 

a 

.a 

CD 

CD 

*4 

s 

as 

a 

Ä 

(33 

03 

SP 

CL> 

N— . 

a 

Schopfwa 

californic 

SchuppeiQ 

squamaia 

Baumwac 

ginianus 

Wachtel, 

Harlekin' 

guei 

Zwergwai 

sinensis 

a 

Ä 

Ö 

Ä 

03 

<2 

cT 

-C 

Ö 

.a 

$-< 

W 

Moorschn 

lacopns 

Bergschn 

stris 

a: 

a 

aa 

"o 

Cß 

a 

l-fN 

lO 

c6 


00 

ö 


ci 

cö 


>o 


t-* 


!>• *>• 

00 

00 

00 

00 

00 

00 


Joum. f. Om. LXX. Jahrg. April/Juli 1022. 


14 


202 


0. Heinroth: 


a 

© 

bJD 

C 

Ö 


0 t>c 2 

rd 


,,0 ^ 
“ S) 


ü; d o> ü 
c. o S g,.g 

N :0 5 

M Öß 


&c 

1 1 ■! 

w o 


_ - j, 'S « ^ 
? fe S Ä ^ 


M Sb 


Ä ^ 'ö 
M öß 


l| 

«’S 

fceS 
lO ü 


I tÖD 


^ M) 

°2 » 


£ ® 
► ffi 


^ S 9 
S-S 
o« 

tt ,aW 

o 

bo bo® 

s§> 

® o ^ 

S£w 

-g(M 

Q 


^ S-I 

öäfS .2^ 

o ®w a . 

>• S r« „ N 


^ O Ul 

s ? ** 

" bOn 

to C 3 ® 
Sk® 5P 

bc « 

.N* «® 

-^Ä.i 

1^1 
i «w 

Q 


0 IH 

«P4 


to 0 
«NO 

S 

.2^3 . 

wS *9 


W 


UD 

Tlö 

CO 

9 

"‘O “ ® 

|^"'-P 

«®-g 

® 

'©•'^Ö ® 

lo A(3 

S «^o 

ii9-^ 

o 

t 

tr 

® 

?UI 

IqSw 

Q 

'Z, 






CO 



o 

1 

00 

CM 



<M ,--v 

1 td 

CM /— s 

1 ffl 


CM 

1 

O 00 !-H 
TS fl W 

.BS 



S-l 

CM ^ 

O 


03 

g cQ QO 



P-I 

CM 

CM 


r—i 






$-1 

a 


iH o 

o 

iH ^O 

o 

o 

(X> o 

® O 

,o 

O o^ 
^ <^> 

eo o~~ 
^(M 
CO 

a ^ 
® 00 

Ȁ o~~ 
sT' O 
"«cP 

..jf o^ 
eo^ lO 

t- 

^ o~~ 

,^o 
-^1— 1 

bc o 

® o 
bOo 

s-S 

bc 


teo 






/— N 









lO 


03 

o 

CM 

o 

CM 

cs 


r>— 4 

i~t 


r-H 

C3 

1 

'«it 

1 

1 

1 

! 

1 

s 

CO 


lO 

00 

t- 

<Ub 

03 









.^o 

CO 



(M 


O 

,o 

eo 

iH O 

1 ^ 
<M QC 

* C<1 

f-H 

t- o 
tH ZO 

O 

C3 .M 

<3> O 

^CO 

r-< rH 

(M 

_co 

-i 

CM 

l>“ 


rH^ 


^ 00 








03 




&ß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

lO 


lO 

00 

O 

CO o 


O 

»o 

'«cP 

CO 

CO 

CM 




öß 

bß 

bß 

bß 

bß 

C3 ^ 

ce ^ 

bß 

o 

o 

o 

O 

O 




o 

tr- 

lO 

»O 

o 

CO 

lO 

CD 

ta 

(M 

'S 2 

-4-P .— - 

O n 

00 


«o 

i 


€U 

O) 

:o 

> 


cs 

Bb 




ßs 

c 

03 

c3 

P5 


I 

s 

« 

CO 

§ 

§ 

o 

%s 

5 Si 

«CJ 

o 


-SS 

o 

f=M 


CO 




^ «o 
a S 

IS ' 5 '^ 


e 

5». 

e 

*«»& 


a 

:§S 

ü ^ 


03 


«3 
cö 

K? S 


00 


Öi 
w S 
cö ^ 
if, <s 

C/3 ^ 
00 


03 

"S 

pH fl 

g ö 'S 
g g ^ 

^ 5Si :cÖ 

O S CQ 


00 

OO 


03 

00 


03 < 2 ) 

l-*a 

03 rSS 
03 « 

.Bf e 

^ s 
2-^ 

ö 

03 


CJ 

§ 


.BP 

*3 

:0 

03 

•+-> 

O 

cö 


e 

s 

<3i 

C 

CO 

p-«-Ä 

S 

03 


CM 

03 


Ö 

S 

e 

«Si 


p< 

2 

-22 i 
^ p 
•s S 
H g, 

c6 

03 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer, 


203 



etwa 
1 Monat 

34 

(Brandes) 


28 


25—26 

(H.) 

36 

(Finkh) 

o' 

CO 
' — 

«o 

XJ 

,o 

« 00 
-d o 
bo 

CD 

bß 

o 

;;-aD 

CO 

f-H 

o 

r— < 

tH >o 

tH^O 

Cd ^ 

-iS 00 
© 

,© 
CO 00 

-bl =3 

bß 

© 

bß 

(>. cv. 
- 0.0 
0^0^ 
CD (M 
CO •— I 

iH t-. 










<M 

<M 

(M 

(M 

<M 

C*- 

(M 

(M 

(M 
CO j 

(M 










,_S 0 o 

r-i ^ 
1 

O rt 

-SU CO 

,o 

CO 

^ fl 

bß 

© 

bo 

o 

O» ^ 
CO 

o o 
-®lo^ 
lO 

o 

CO ^ 

rH rH 

o 

CO 

CO 

r 4 

,o 
CO 'ci< 

^ a 

^ ? 
bß 
© 
bß 

-O 

tH' O 

1 ^ 
i (M 
1— 1 
r-( 

^o 

CO o^ 

- 42 ..« 

CO 

tD 

bD 

bD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

O 

«CD 

CM 

O 

<fl> 

r-H 

O 

<M 

(M 

o 

lO 

00 

(M 

CO 

CO 

<x> 

O 

CD 

o 

CD 

&ß 

00 

fl bD 
^,±55 

•4-3 

<03 lO 

b)D 

fl^ 
^ t> 

fl 1 
CO 

bß 

i 

CO 

bß 

,b4 

iM 

(>♦ 

bß 

f-M 4 

bß 

-5L 

e<r~ 

bß 

_22^ 

fl 

-« 
03 ..4^ 


o> 
o ^ 
a 

cs <3^ 


.2 S 

o « 
«0 o 

^■5 

— T 

CD 
t£ 

O 
> 


3 

tS) 

C3 

t:sd 


Ä §: 

s .2 

o ^ 
in e 

H O 


S£ 

O 
ÖS 

§ 

‘fl 
<3 
;-, 

I 

d) .. 

a ^ A3 

.EP ÖS ‘fl 
''S fl 

fl g <-l 

<J3 s ^ 


(fl» 


CO 

g 

ÖS 

CO 

S 


un 

<fl> 




.fl 

0 

*fl 

aS 

1 

fl- 

CD 


CO 


'S § 
§ 

fl ls 


« 

•<?,» 

Ö 

<13 

•««a 

Ö 


SS 

<13 

‘fl 

fl 

.5 

fl 

03 

fl 

cS 


S 


t>- 

<fl» 


CO 

(fl» 


r52 

§ 

Ps 




rfl 

.H 

*fl 

S •=> 

fl 'S 

(D 

Qj 
2 

fl ^ o 
fl ‘S *“< 

H, I, H 


<x» 
bD 

o 

^ > 
ÖS 5-1 

^ fl 


'S 

<£ 

a 

fl 


•<!* ,;:2 

^ fl 
|5 O 


o 

o 

CM 


50 

•«.a 

Ö 

fO 


Co 

§ 

<43 

|>SS 

< 2 > 

S 




o 

<M 


<43 


•c*» ^ 


CO 

fl s 

CD ^ 
? 

a ft 
fl ft 
fl 

H H 

CM 

O 

CM 


14 * 


204 


0. Heinrotb: 


0 Ü- 4 J gV ^ 

g ^ I S I 

T 3 


W o 


S ^ I 

^■° 8 


III 

N '.O S 

M ^ 


3^ o tB pi) 

Ph-M (U ü 

P ,ja 

•O (p *i~> 

Ui ^ ® 


SÄ 


P('* 


II 

Q 


lit 

gfS . 

cö 0* Ö 

B^l 

Tß 

s 

^?2.2 
^ £ 

■g >w 
Q 


coW,,^ 


PS .§ 

M 6D.S 

CO 'S 
boco W 
«^"d H 

0gl 

s ^'1 

§ Sg.’S 

^■gÄ a 

Q 



N. 

'<!d< 

CO 


fl 

- 4 J 


cq 

1 

cq 

i 

y— N 

d 

<33 

CO 

CO 

lO 

s— ✓ 


cq 

cq 

cq 



<u 


«3 o 


" 5 . 

_o 

;;^o ’ <N 

cq ^ 


o „o 

0~~ (M O^ .N 

i-T-O ^ O 
cq ‘O lo 


1 

CO 


1 

CO 


cq 


CO 


rj4 


o o 


T-t t-( 5£) (M 00 


o 

00 (M 


bß 

öß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

o 

(-*>) 

o 

»0^ 

cq 

>0 

00 

lO 

CO 


t- 

OÜ 

CO 

'ci^ 

''Cf' 


<M 

<CJ 

tD 

bß 

rUi 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

<N 

(n 

0 

0 

0 

0 

0 

0 


25 — 

!^ 

0 

lO 

0 

0 

0 

CO 

HH 

GO 


i>- 

CO 

cq 

cq 


cc 

•?* 

•Ki 

o 

o 

fl 

qT 

Q- 

Ä 

eC 

Sh 

H 

CU 

o 

cn 

2 e 
h ^ 


CO 

o 

<M 


I 

§ 

S 

e 

ö 

»o 

fl 

oT 

a 


o e 

CiC^ 

=Ö r2 
Sh ^ 

IS) 


ö 

*1*Ä 

^5 


03 

a 

Ä 

CS 

Sh 

•H 3 

öß 

Sh 

03 


SP 

I 

^ <o 

I •“• 

I 

a 


oo 
5 S 
§ 
g 

<s» 

«53 

0 
CO 

g 
CU S 

1 

.fU 


03 

e 

o 




Ö 

S!^ 

öi 

<43 

o 


Sh 

H 


CO 

S 

§< 


<43 

t| 


o 

cq 


»o 

o 

CM 


:o 


S-. 

cä 

a 

03 

<^H 

Ä 

03 

fl 

bA 

03 


C43 

(D 

% 


iQ cq 


r/3 

fl CO 

<2 S 


fl 

CO 

O 

cq 


J s 

I « fS 

^ cs .03 

S 


<43 

e 

«^ 

O 


t- 

o 

cq 


GO 

o 

cq 


CJ3 

o 

cq 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc^ und Brutdauer. 205 




ft ® 



ub ;C^ 
o o* 




CO 






t- i 3 ca 




ca 

i 






ca fl 1 




1 





a 1 




ca 



ca ' 







ca 




'-21 

CM o 

CO 

O 

iH ,o 


ST* o 

o 

o 

'S) 

s 

O 

d 

fl ^ 

O ,o 



3 s— • 

lO o— 

^ o-" 

fl O ^10 o 


g: CO 

a> ft? 


^ 9 

g:) 

Cß ^ 

^ CO 


-<!< O 

® w — . 

® 

« o 


CO 

^ iO 

S CD 

00 

00 


<D 

tD 


CP 

bß 

OJ 



bßw p 

bo 



-cH 












t- 

o 









o 





^o> 


^ o— 

ft t- 

« o" 
ft CO 

s-o 

s Sc • 

® CO 

1 J- 

.^o— 

Cft 

_jo o— 

Pro 

VO o~~ 

Pro 

CO o^ 

o 

ft O 

Pr CO 

.--i 

rft 

CI 

bc ^ 
o> 

»ft 

ft. 

CJ 

CSl 






bo 

ft pft 






CdD 

'CD 

bc 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

CO 


~ 2 i 

iC^ 


O 


~SL 

CO 

o 

CO 

CO 

CO 

lO 

ca 

t>- 

ft. 


CO 

tr- 

i> 

lO 

p bß 
CU 

bD 

bß 

c bß' 
<u 

bß 

aß 

'bß 

bß 

bß 

j bß 

bßo 

O 

»o 

'cßO 

O 


o 

^-44 

QO 

CO 

O 

o o 

O O 

O 

ca 

03 CO 

ca 


o 

o o 

bJDCl 

ca 

f-ft 

bß — 



o 

»O CP 




o 

a e 

P -S 
0) 

<D 

.ti !S 

pO " 

CU 


e 

cs 

6 


CU 


.iü S 


CU 

a 

OJ 

ft s 

a § 

o s 

O 


ft 

a 

o 

1 

J3 



ft 


*o 

's 

TS 

&> 


s 

'to 

p 



ft 

<o 

bß 

ft 

ö 

ft*' 

_03 

1+ft 

o 

ft 

flS 

s 

ft 

a ^ 

’S 

«4—1 

Oh 

o 2 

o s 

ft 'S 
ou 

S 

« a 

5-T 

O) 

N 

a 

P r'.s 
'bß ^ 
ft 

O! P 

ftft ^ 

P 

ou s 

b£^ 

2,l 

flS 

p bS 

c« o 

.-ft 


03 



:2 


cn 


p 
ft 


Cc 


I 

e 

•?* 

<i 3 

ft' 

’S § 

a S 

oi a 
CU § 

i § 
ä“ 

CU CC 
c 6 S 




p 

CU 

tv 

o 

rx> CS 

t_i 

3 

^ 'TS 




CU 

&D 

O 

^ - 

'S 'S 

cS CS 

ft ;g 

P 5 & 


O 

< 4 J 

CS 

rSS 


CU 

&D 

o 

> 

PS 

CU 

cS 

ft 

P 3 

P 

O) 

'OjD CO 

S ^ 

Ph a. 


ca 

ca 




QO 

ca 


03 

ca 


206 


0. Heinroth: 


C3 

B 

<0 


Ö 60-^ 


I 

S:0 I 

^ bC 


.§ 

s 


|s|sil 


u o; 


Ü C 


LJ ^ 

M bß 


Sh Xl 
0) O Vi 
&.-X 0) 

.J? ^ 'Ö 
:0 0) 

M tß 



obo* 

io Ä 1 f^-ö ö 

;3 Q . ^ ^ fl © 

« Ebc.. «ö® 

.SS3g.S!z22S g 


etwa 
24 (H.) 

21 (H.) 

i 

«,H— ^ 

(M 



22 

1 

20 

« 

tH 

cn> 


„o 

eä 

^ CO 
^ CD 
SD 

O 

N^.O 

cs3 o 
> 00 

D 

„o 

00 

o 

oT^-^ 
a ® 

® 00 
bO 00 
o> 

&D 

a ® 
§ 

SÖ 

03 1-- 

bD 

o 

5 ^ 
?- 00 

fco 

,w 

N „O 

?ä 

00 
2 CD 
D 

o 

^—4 

fl ® 

® 00 
bßOO 

fl 

bo 

■'d< 



'«Ci^ 

-Ci< 






CD CS 

t*-i cc 

rj o 

• «>a 

o 

tiD 

.zr « 

N CO 

a o 

t § 

pca 1-^ 
CD 

^ & 
£ S 

o 'S 

cß OT 


CO N ,^®c> 

r- 

(M S-* 


‘O 

c<> 


g?> 

5*’ rsT 


,o 

o® 

T-l^« 


05 

CN 


^6^ 


05 


.o 

©T'cm 



feC 




tß 




Gß 

tß 

bß 

bß 

feD 

tß 

bß 

(35 

,N 

T-t 

(M 

CD 

CO 

CO 

CD 

CD 

CO 

(SS 

CM 

CM 



CO 

CM 


^«4 


(M 






tJD 

tß 

Öß 

Süd 

tß 

Cß 

Cß 

tß 

bß 

O 

CO 

(M 

180 

O 

CO 

o 

GO 

o 

CD 

o 

lO 

t>- 

(M 

O 

o 

f— H 

O 

CD 


§ 

o 

?5 

^ i 

^ g 
® C3i 

q;) ^ 

a ^ 

CO 

« ^ 
2^ O 


O 

o 


S EX 


w 


CD 

a 

03 

Da 

o 

CO . 

^ ,co 

P3-« 


u 

05 

:c3 CO 

H s 

CU 

CO p 

g « 

3 s 


o 

CD 

e 

??S 


5h 

«4-H 

C3 

:c3 


T- O 
CO S 

g 

o 5§ 

I -! I * H * 

p •«* 
CQ s;, 


o 

ÖS 

§ 

•e«ö 


ö 

:cö CO 

^ 2§ 
S ^ 

-S ii 

Pa t< 


CQ 

oT 

<D 

a 


o ^ 

CO ö 


c3 CD 
p'" CO 


« 

ÖS 

cs 

ÖS 

ö 

s 


Ö 

Cb 


'S 1^ 

w I 


rS 

^+-1 

pw 

-a s 
^ 8 

CO 


a ® 


ÖS; 


.2 ^ 
‘S ü 

S I 


O 

r-I 

CM 

CO 

"tH 

SO 

CD 

t- 

00 

CM 

(M 

CM 

CM 

CM 

CM 

CM 

CM 

<M 

(M 

CM 

CM 

CM 

CM 

CM 

CM 

CM 

CM 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 


207 





»n 

~Lf* 

-L? 

»o 


o 

o 

^ O 


fl 

a ^ 

fl ^ 

fl o 



CD o 

fl o 

fl <M 

bß 

bß^ 


bß 


fl 

fl 

fl ^ 

fl —t 

H-3 

bß 

bß 

bß 

bß 

fl 



C<J 








CO 

CN 


lOo 

>o 


CM 

'(M <M 



^rjo g t- 
W)cq ^ 


•pHO 

^'0 


_5£. 


Ol) 


bß 

bD 

fl bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

CO 


B cq 


co^ 

lO 

ß» 

»o 

t- 

00^ 

CO 


1— fl 


o 

urf 

icT 

UO 

<flT 


bß 

o 

gegen 

60 g 

bß 

lO 

bß 

o 

bß 

O 

bß 

o 

bß 

o 

fl bß 

^o 

bß 

o 

CO 

00 

lO 

lO 

CO 

CO 

cq 

fl ri^ 









o* 


p«* 

•** 

s 

s 


U 

■cg 

e 

§.| 
^ >S 

S I 

c/3 s: 

05 

<M 

cq 


I I 

555 g 

£ fc 

tH 


•<^5> 

6 


bß 

s 


=« .2 
C/2 S 


IS 

f*»ö 


§ 

o 

•€*d 




5h ^ 

c2 

:3 -1 ö 
:c3 _g^ ^ 

"e ^ 

§11 § 


CO S3 
fl IS 
<v 

«;o 

-«! Sh 


O 

CO 

CM 


^ CM 

CO CO 

CM CM 


CO 

bß^ 

2 s 

^ *pö 

tS3 § 
cö 

CO 

CM 


3 

:cÖ 

1 ^ 
flpS 


^ § 




3 

fl 

fl 

s-> 

■VH 

Cß 


Sh 

O) hS 


st 

^ s 

^p2 

'CI 

2f §* 

^ 5!h 

S ^ 

fl ö 
o PL 

CO ~ 


o 

S §? 

O '«s» 
’<?“ pSS 

— T ?H 

fl 


CO 
fl 

^ ‘S 


■>«> 
•r: ^ 

s: 


a 


fl 

fl2 

:fl 

fl 

■fl 

O 

CO 

C 

fl 


:fl 


<« 

•«* 

|p 

3 


fl 

-O 


A3 

fl 

cn 

fl 

fl 

72 

’fl 

-fl 

fl 

cß 


W 8 


lO 

CO 

cq 


fl 

cß 

o 

CO 

CM 


•pH laj 

fl ö 
-fl /13 
fl 
Cß 


<55 

3 

"3 

pSS 

»♦■i. 

535 

In 

<o 

fl 




208 


0. Heinroth 


w . 

’n 

N ® 

s.a 

Ph ® 

?3| 
« 'S 


,4" 



27 

nö 

ea 

<» 


26 

o 



CO 


(M 



CM 



ÖC+S J Th 

d S'o 

==^ ® .2 i 

'S ^ ^ N :g g 

. (D oß 


^ tß 

^ B S 

• rn -HH 4J 

^ o 


^ -g ^ S S 

3 & M S) 


0.) o 

fl 

w ä) 


tdO 

fcß 

'CD 

CD 


CD 


CD 

CD 

CD 

^2h 

TO 

V*°^ 

oo 

f-— * 

o 

CM 

lO 


O 

T—^ 
f— ^ 


'CJH 

CM 

0 

01 

lO 

lO 

CS) 

fO 

fcß 

o 

CD 

O 

tß 

cg , 


a 

CD 

CD 

CD 

CD 

O 

CD 

sc CD 

CD ^ 

CD 

CO 

lO 

o 

o 'S 

^ fl 

• ex 

<D ' 



(D <M 


'#0 ■ 
r^io 
CM 


•o 

■iC ^O 
r-< (M 


«Hf O^ 

05 


-TH O 

cti ^ 

h ^ 

Oi 


cc ® 

t'- p, t'- M 

C<1 ^ C<1 

CD 


0o~ 

■'t'» 

CO 



CO 

CO 



N ^ 


CM 

<M 


CO 


CO 


iHO 

:^o 


I 

o 

o 

<;i 


Cji 


ESH 


S 

o 


O 

§s 

'HS» 

Ö 

§ 

Ö 

, Lar io 

ec 

1 s 

^ s 
:0 

2 ^ 

sJ" 

D to 


C3 


B § 
•B e 

oT 

a 

c3 

CO 

m 

cS 

<D 

:0 

§ S 

s- o 
Ds.g 

(Xi JO 

t-O 


CO 

o6 

OS 


Ö 

CO 

CO 



CM 

CM 


CM 




CD 

:0 

s 

JO 

OS 

c3 

a> 

CS3 


cc 


O -H 

^ hS 

a e 

JO h. 
o cs 
CC Si, 




(D 

> 

:0 


CM 

CM 


S 

« 

f^ 

<»5 

<v 

:0 

2 

cß 

s 

cr3 

CM 


ec 

S 

■s^ 

*t>i 

i 

?5i 


O 

JO 

'6o 

<M 


ÖC, 


Ö 

Co 

ec 

•««S 


lO 

(M 


BeziebuDgon zwischen Vogelgewicht etc, und Brutdauer. 


209 


g § “w 

-fij o . 

,2 T-< lo cr> d 
Ä ,^CO(N^ 

5 ••'wS 

g ft 

|i!sl 

oQ o M d 

SH > Ord 

ft*® S s i 

^ 05 ,2 ffl (D 

■g «W» ^ 

Q 


g|a 

« «B 

d £ 

O-D 

&DO i-t 


d ®3 
tiD © te 

SO ft ■*-> 

;4’® 
göj 
£iS| 
w ®H 
dT® 

bC 

(M N*®^-g 

co'S'^ 2 

1 o 
^ ÖO ‘®.. 9 

oWt^'d 


ß.s 


® d 


bo2 

gw 


'S-® 
f! o 
bO M 









CO 


1-7^ 

N 

N,- s. 

CO 


w- 

M E 

ffi 

1 

30 


CN ^ 

(M ^ 

0 


<M 



CO 





M 



cs 

hj & 
® 'S 

bj s« 

03 

fe; 0 

B *0 

13 

0 

ro 

CD 

^0 

CO 

CO 

/"•N 

i 

co" 

\ 

CO 

1 

CO 

1 

01 

M 


M 

Dl 

r-^ 


„O .H 

cö 


eo t>- 

co 


O ,H C 

^ cd ® 


O-hCT 

1-10 T-IO 

;:r'o 


cd ^ 

I S ^o «Mo 

i ir. T ^ ‘ o ^r- -«cH 


iHO .HO 

■T' O O 


Öß 

c:ß 

iß 

iß 

iß 

iß 

iß 


Cß 


iß 

iß 

CM 

00 

lO 

0 

Ol 

P-H 

0 




CM 

(3 

0 

0 

CO 

Ol 

Dl 



I-H 


CO 


r-1 

Ol 

420 g 

250 g 

125 g 

135 g 

110 g 

60 g 

etwa 

40 g 

(etwa 

100 g) 

bD 

gegen 
900 g 


« 

:0 


LO 


^Ci 

•<s> 

•-4 

o 

:0 


cj 

cd 

^-3 


O) 

‘2 

S 

cß 

a 

n: 


^ o 

gJ ^ 

:2> 

cd 


o ' ' 
zn /h 2 

2 rS 

W3 “5 

rn 

C-H •<?* 

dl 

P-H S 

pCH ^ 


« 

§ 

CQ 

qT 

.o 

'öi 


HO «S 

rjj 

;=S S 


o 


o 

-o 


o ^ 
Cß ’S 
(X> ^ 

w § 
^ c> 

CD r« 

=3 -S 


• 

s 




(D 

'2 

CD 

«3 

CD 

CD 

zn 

t£ 


CD 

^ S 

. § 


CQ 


CD 

■S, 

od 


o: 

13 

«D 

"KÄ 

<2:» -.5S 

:5 

§ s 

Q i 


Qi 

•cH> 

i-.a qJ' 

s 

- s 

% 

pO 

cd 

C 

rC2 

CD 
Zß 

CD 


CD 

dJD 

:S 


O 

iHi 

Ö 

nrj 

o 

H 


CD 

Dl 


t- 00 

Ti< 

CM CM 


lO 

(M 


CM 

lO 

CM 


CO 

o 

CM 


210 


0, Heinroth 


ct 

<D 

bJO 

a 

I 




ö <u 
rt bD 
TJ c4 

■P ^ 

M 


d «'S 

«.S I 
O &: § :S g 
S S) W «> 

'Ti 


s ^ 

•I- 0) 

o 


ö .i -S iS 
g w -g a ® ü 

-■£|gg| 

3 S, M ä=ß 


CD 

CO 


. C3 

G) M 

cq -o N 
'^.5® ö 
pc< § 

m 


00 


00 


'O ^ o 
Dl Dl 


■00 


^00 


— I »-( Dl 


Dl 1-t 


CO 

1 

CO 

i 

1 

Dl 

! 

Dl 


00 .N 

Dl < 


CD 


*CD 


e 

fi; 


CD 

rCa 

CJ 

=3 

03 !>5 


r^* 


a> 

0=5 

CJ 

S 

ca 

4^ 


<3J ö 

“'I 

a 

c3 
Ä 

•»x •Ä c5 

fd i 


Om 

I 

«3 


lO 

lO 

Dl 


CD 

»O 

Dl 


• 


s2 

03 

<ö 

•x* 

03 

C3 

•Ki 

P 




CO 


pP 




c 

p *s 

03 





pp 

s 

S 


C3 

*fÄ 


bß S 
R cc 

1 

Ö 

s 

c 

GO 



rv, S 

rH ^ 

o 


"S 

C3 

<30 

p" 

P3 


(sT 


c<3 

Ö CO 

P 

4-3 

.22 

’S 

4-3 

o 

<D 

4-3 

m 

'S 

4-3 

s 

4-3 

G 

<30 

GO 

pO 

G 

Sx 

w 

Ö 

G3 

Ö 

G3 

bC 

G 

Steppenhi 

paradoxu 

M 2 

“I 

■g^ 




X— 1 


i>^ 

00 

<D3 

Pd 

o 


UO 

lO 

»O 


CD 

CO 

Dl 

Dl 

Dl 


Dl 

Dl 


(M 




D* 

Dl 


Dl 


bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

Ci 

o 

O 

o 

00 

O 

uo 

O 

CD 

CD 

lO 

iO 

(M 

<n 

•— < 

o 




s 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

« s 

&fe 

K/1 

0^ 

ro 

ü 

o 

o 

»o 

o 

o 

O 

O 

O 

G4 

<5 S 



lO 

CD 

r-H 

o 

CD 

o 

lO 

Dl 

M oß 



l>- 

D« 



*-H 

CO 

Dl 


. Ö 

^ "»«Ä 


e 

rO 

§ 

§ 

fxÄ 

O 

O 


<30 

bß 

:0 

> 

a 

<30 

!D 

cö 

H 


o> 

o 

CO 

g 

Jg 

o 

;b 

(D 

rCi 

Ö 

<?S 

4-3 

c 

o 

w 

Dl 

CD 

Dl 


BeziehuDgen zwischen Vogelgewicbt etc. und Brutdauer. 211 


00 

«N 


o ai 


t'" 


a 

!o^ tc- 
to O» " 
ii) 


<x> 


M 

CO 


o- 

CQ 


»-t 


(M 






T:h a>cO 


a 
<v 
t£~ 
CD ' 


>o^ ' e». 


CO 


00 


«>o 

CO 




,o o 

«o ^ 

c3 

»O ^ lO 

o> 


bD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


O 


^ 

00 

00 

>o 

00 

t- 


b- 

(M 

CO 







CM 

r-H 

bß 

bC' 

tJD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

O 

o 

lO 

o 

92 

O 

o 

o 

O 

o 

o 

o 

o 

f— • 

<— t 

o 

o 

o 

o 

o 

o 

CO 

lO 



lO 

o 

lO 

to 


CO 


I 

•«i> 

§: 

CO 

Ö 

5 
<» 
o 

6 


® 

.o 

3 

c3 

ä § 

.O 

o 


:z; S 

cö 

CO 

(M 


® 

.03 

3 

^ I* 

= I 
£i 

zn ^ 
^ öi 

CO ö 

^ s- 

3 


CO 

(M 


CO 

§ 

a- 


CO 


® 

.03 

3 

a 
c22 

a.-s 

«1 

E-i 


CO 

5S 

I». 

<^5 

a, 

s 

CO 


CO 

CO 


t«C5 


o 

O 


® 

.Q 


® 

.3 

3 

S 

a 

® 


CS 

CO 

O 

CO 

S 

'43 


CO 

S 

!->0 

s 

C3 


,co 



3 

® 


® 




’g 

<x> 

JZi 


cS 

ti4 


.03 


CD 



3 


zn 



CÖ 


.30 


e 

CÖ 


Ü 


•eö 



3 

CO 

*o 

w 

CO 

S 

.3 

3 

cS 

'S 

cö 

b£ 


cö 

• J?ö 

Qh 

bß 

5 

<0 

s 

s 

l><S 

® 

C« 

K.« 

’s« 

«4-1 

c 

s 

bSH 

« 

a 

o 

Ö 

o 

3 

Ä 

3 

tS! 

CO 


oö 


03 

ö 


r— • 




CO 

CO 


CO 

t>* 


t- 


b- 


(M 

<N 


<M 

(N 


<M 





e 


a 


® 

.3 

3 

oS 

•4.^ 

3 

® 

CO 


CO 

t- 

<M 


212 


0. Heinroth: 


p ^ 
M 


■3 W)-2 I 

fl ® ’ü 
:c3 o S Ä-r' 

^ Ö ^ § :3 g 

S S: M 



•O ^ ^ 

M Öß 


<D ^ ^ 

Hoo 

l*’ ^ IC3 ^ 

'*1«! 

|l 

XO g 
^'bDO J 
• 05 o’S 
!=^’^ bO ^ 

g 3 JS 

cfio« 

SflS^ 

•*■» G M IV« 

-g 


CD 


.00 


b-^o 

th". o 

•iO ' ^ S'. 

JO lO 5^^ r— < -H 

% 


Qj 

'CD 


CM 


<M 


CM 


(M 


CM 


eo^ 


erj O 

r* o 
to 




CD 


tJD 

C5 


tlß 

CD 


bß 

o 


bJD 

C5 


bß 


bß 

o 


bß 

CD 


bß 


bß 

CO 


bß 

cf 


bß 

fl bß 
03 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

0 

0 

bßO 
C33 0 

bßco 

lO 

CM 

CM 

0 

0 

CM 

0 

CD 

0 

CO 

r-^ 

lO 

c- 

(M 

lO 

0 

lO 

lO 

CO 


<D 

b3 

et 

cn 

=3 

et 

K 

<0 

o 

$-1 

bß 


o 

A3 

O 

s w 


ec 

§ 

<» 

O 

CS 

rO 


O 

O 


<D 

rO 

CS 

et 


ec 

Ö 

^SS 

& 

O 


o 

3 

et 

«Jh 

g-S 

O «K» 

Ä o 
<D ^SS 
C/2 Sij 


Qi 

qT 

-O 

=5 

et 


S 

<D 


CS 

Qi 


o 

rO 


rQ Qi 
O *+>0 

cc ^ 


8 

Qi 

a. 

o 

& 

s 


CU 

r3S 

=3 

et 


03 

bß 

8 

fl 

CQ 

-o 

Qi 

fl3 

03 


;fl 

CO 

ä 

Qi 

■vs> 

et 

"03 

03 

8 

•'S» 

al 

oy 

S ec 

bß;s 




"fl 


03 



s 

fl 

fl 



s 



H 

Q 

0 

1 — i 

S3 



8 

I 


S3 

03 

XS 

’S ec 
ö o 


a 8 

Oi S 
Qu C5S 

S 8 


O 

Cß 


8 

rC> 


8 

6 


n 

OJ 

-3 

o 

es 

:et 

’3 

•D 


P-i Sg 


Qi 

1^ 

Qi 

^5 


fl 

03 

r^ 

C3 

flfl 

fl 

:(fl 


fl 8 

'S 

S § 

et g 

S i 


0 

l:^ 

CM 


CD 

l>* 

CM 


00 

t- 

CM 


Oi 

l>- 

CM 


O 

00 

<M 


T-t CM CO 

00 00 00 

<M CM CM 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 218 




Ol 

’Oi 


gg 


- o 

Csi 


O« 

I 

CD 


03 


o 

■ 

COM 

O 

r— *1 

i« O 

T-l O 


CO O 
_ CO' — 

"" CC 

o 

CO 

p 

«:>o 

O 

o 

lÖ 

.-40 

r-4 

24 g 

bC 

o 

03 

8,8 g 

12 g 

bß 

CO 

2 g 1 

i 

bß 

03 

52 g 

bß 

uo 

03 

tD 

bO 

bJD 

'CX' 

bß 

'C£) 

bß 

bß 

bß 

lO 

o 

O 

O 

o 

O 



o 

03 

03 

03 

CO 

o 

CO 



lO 

CO 


Ol 

p— ! 

1— i 



<o- 

03 


I 

8 

a 


& 

O) 

:o 


o 

3 


<>5 


§ 


cc 

S2i 

c;) 

o 


Ci 


o 

cj 

O 

<C> 

1*^ 

e 

6 


§ 

ö 

§ 

o 

c:» 

3 


cc 

« S 


o 

CO 


o 

6 


O 

r/^ * 


O 
Öi 


s 


CJ CC 




^ s 

iD 

'S 

cö 

_5-4 

f| 

Iö3 

3 S 

^ 'i: 
,0! ^ 
C-H S 
3 

c3 g 

3 

CJ 

o 

s 

CC 

S 

cc 

o 

cn h, 

B, § 

‘bß’^ 

«+-I 

bß 

3 


3 

3 

O 

CO 

5 

o 


3 


cs 


c3 


Qi 

o 

w2h 

zn ^ 


3 


p-*s 

CO 


2 

. 




. 



s 


. 

lO 

CD 

s>^ 

o6 

Oi 


ö 


r—i 

00 

00 

00 

00 

00 


oo 



CO 

CM 

03 

03 

03 

03 


03 



03 


*Ki 

O 

<o 

5§ 

Cl3 


CO 

S 

O 

Ö 

o" 

c3 

3 

H 

oi 

a> 

03 


214 


0. Heinroth : 


d 

© 

60 

fl 

fl 

'S 

© 

B 

© 

PQ 


2 

rt bo 

c« 

I ^ 

m 

•si« •- 

fl ^ ö ^ o 

:c« 1) .2 3 Ar 

-g ^ ^ S :0 I 

^ « 


I 

w o 


fl “ BC S fl ^ 




M ä> 


(M 


»O 

03 


O 

CO 


CO 


o 

CO 


n 

© 

bD o 

® « 


— CO 


es 

© 

bß 

o © : 
■CO 60 


03 

2? 

03 


( 2) -3 

1 

CO 

1 ^ 
CO 

03 

o 



fl 





„£ 2 . CD 

o 


© o 

o 

,^o 


o 


r1 ^T" 

fH O^ 


CO o^ 

o O^ 

© 

(M ^ CO O 

eo 

fl cn 

bo^ 
^ CO 

6 ß 

fl 

^ CO 
<ß 



'■Si ^ 


^ CO 

aa~ ^ 


CO 

^co 

CO 

lO 



bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß bß 

bß 

la 

03 

t-H 

uO 



GO CO 

iC^ 

CO 

CO 

03 

lO 

f-H 

03 

^ 03 

t>-" 

CÖ bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


o 

o 

o 

O 

O 

o ^ 

O 


o 

o 

lO 

o 

o 

O b- 

«r- 

o 

GO 

o 


'tJi 


CO 



«S 

•♦»a 

•««a 

ec 


o> 

ÖD 

cö 

a 

cä 

Oh 


Ö 

g 

S 

Ö 

Ö 

V. 

Ö 

e 

cT 

a 

s 

ce 

fl 

$-1 

-< 

cö 

Oi 

03 


e 

s 

•sa 

e 

eo 

Ö 


fl 

Jfl 

fl 

.flS ^ 
rPi •<!* 
c CO 

S 5 ^ 
B S 

Cb 

03 


<ü 

•<?a 


fl 

pflj 

fl 

c 

o 

fl ^ 


Ö 

73 

fl 

flsj 

fl 


-O 

fl 


ec 


»O 

Cb 

03 


- i 

O J 

s 

c S 

CO 

-2 


C£) 

Cb 

Ol 


§- 

:<s. 

CO 

O 


fl 

73 

fl 

rfli 

fl 

fl 

rf. 

o 

rv* 


Cb 

03 


a 5 


<x> 

bß 

fl 

Ä 

fl 

g -3 
g § 
o^S 


fl 

fl 

S-I 

03 

fl 

fl 

s 


00 Ob 

Cb Cb 

03 03 


ec 

S 

«Ki 

'V 


<3 

£uo 

C 3 

Cl, 

fl 

Ä 


fl ^ 
fl o 

:fl **<. 

rK ^ 

O Si, 

Ö 

O 

CO 


eo 

CO 

O 

1 *«^ 

öi 

o 

o 

.„-I 

S-( 

S "o 

CC 1^ 
bß I 

^ § 
rK § 

O g 


o 

CO 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 215 


I 


bo '3 

(M'ä 

b O 

-SS 

o'ö- 

Q 


" bio 
bO '^3 

fl 

O'ö 

Q 





d 

<D 

cs 


o 










CM 






o 

O tX) ^ 

s 

00 

1 






'w' 

O OQ 

's 


CO 


- 





CO 







t- 





42. 





! 2 
;;« g 




_o 

(M o 




oT* o 


=1^ 2-^ 


.^eo 

rT~CO 

CO 

5r 

fe o 

B ^ 




S '=" 



CD 



05 




fl 

CO 

1 


CO 

j 


lO 

1 

CO 

1 




'sil 

1 

1 

CM 


i 

»o 


1 

GM 

! 




l 

CO 





94 

39 





eo o^ »o 

.o 

O O (MO 

o 

00 o 

O 

ft o^ 

-~cl ® 

fl o 

O 


o 


T-( 

CD 

-4? 

(M 

CO 

-Ilo^ 

to 00 

lO 

1 -« 
fl fl 

-rlQO 

1 ^ 
04 «5^ 
-41 tf 

rH 

O 

O 

f— * 

f— « 













’cß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


bß 

tiD 

05 

00 


- S' 

lO 

co^ 

CM 

cD^ 

cm" 

co^ 

cm" 

»o 

cm" 


o 

<o 

tß tß 


bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


bß 

bß 

O IC 

'«S< CO 

p-H 


2 

o 

o 

CO 

O 

CO 

25 


CO 

o 

o 

f-l 


%>. 

o 

IS 

r«.i> 

IS 


CQ 

fl 

C3 

rfl 

OJ 

w 

o 

CO 


e 

o 

o 

PM 


05 

r3 ^ 
g 

CJ p*o 

O 


'fl • 

05 ® «o fl § 

S ^ S fl g 

e fl^ 'äi 

s a s 8 


CO 

o 

CO 


fO 

§ 

CO 

g 

05 

o 


o 

CO 


iO 

o 

CO 


05 

•<s> 

g 

O 

a. 

IS 5 


S :0 

g *aö 
ö 


4~ ^ 

fl. g 


,0Q 


CO 

o 

CO 


a> 

Ä 

fl. 

!0 

fl 


g O 


05 

So 

o 


pfl 
ü 

«o 

g « 


00 

o 

CO 


^ ö 

eS 2J 

w r 

ö s 

•I I 

flD 
fl 
fl. 
fl 


fl ^ 


o> 

bß 


®5 


_ -g o 
^ fl’s? 
Ah S 


fl. Ö i-M ^s 
C/3 a. C/2 

oi Ö 

o 

CO CO 


Cp 

;§> 

I 


s> 

:o 


o 

izi 

'55 

« 

•<SÖ 

o 

cs 

g 

•fl 

O 

fl 

05 

P 4 

OS 

P 5 


%> 

Q 

•«* 

§ 

P:) 


05 

8“ 


CD 
JbS 
fl CO 

fl ^ 
g 

<55 

’g 
O 


<55 

fl 

Ph 


216 


0. Heinroth: 


S 0> 

fä bß 

I Ö 


73 <D ^ Q,.r-( 


►r o) 

re 


toa 

ö 

!=J 

'S 

B 

CD 

CQ 


M bX) 


a) o ai 
a-r; OJ 

M &XJ 


0M 


<E 

fc> 

^ C« 

CM W) 
o 
O 




(N 


c5 


<ü 




ro 


es ,o 

,-^ o~~ O 

^xOZr<M >OiO 
^ (X) CD '5^' CD ac 

aa CD 


! tO 


rJ2 


CO 


cn I 

.- CO 


00 


CM — < 


O OO (M 

^T~ 

r-^ 03 


.o 
o o~ 


bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bX) 

bß 

bß 

bß 

bß 


O 

O 


o 

rH 

iC^ 

»q^ 

uo 

ß- 


CO 




00 

cdT 

<CD 


00 

"O 

bß 

bß 

c*^ 

■ bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

o 

O 

CD 

O 

o 

CO 

o 

00 

»o 

lO 

'-2!. 


CO 

2 

o 

00 

CO 

lO 


CO 

CO 


§ 

cs 

CC 

e 

•<5^ 

ö 

6 


o 

jesi 

c3 

S 

03 

2 


g 

ö 

•<-Ä 

C5i 

<%> 

CD 

es 

'o 

bß 

O 

> 

CO 

■qD 

G 

O) 

CO 

o; i 

2. 


o 

P***-«ö 


Co 

•rSi 


■S 

• <!* 
CO 




g 

&3 

.§4 

es 

g 



«o 

1 

4-2 

CO 

P 

g 

.es 


CO 

~B 

e>i 



c 

o § 

CO Oi 

W 5^ 


CO 

CO 


t-H 

CO 


CO 

.2 

2 

S 

2 

lO 

CO 


G 

öS 

P3 

CO 

B 


e 

ns 


o 


f-C. 

cs 

es 

Os 

IO 


^ g 

5». 

Ou «D 
^ ' rs> 

s 

.2 l> 

o 

M 

:0 

>-11) 

o 

> 

CO 

G 

O 

CO 

g 

r , 

ir^ cc 

g 

P3 

o 

2 

j-r| 

g 

cö 


QÖ 

ci 

ö’ 

,2 


1— < 



t-H 

CM 

CM 


CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 



Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 217 


i bo 




eo 

tS 

eo2 

eejj 

cf, 


'S ü 

4> O 

gS. 

O 

Ä 


’-Jco P 

ö-s 

u 

ffiiH © 




S)W! 


^6« 

© O) 


si 

©T3 

l§ 

;si 

"«'S 

SÄ 

Q 



35; 33—34 
34 u. 36 
mehrmals 

CO 

'w' 



-21 /-s 

3)0 

(M 

30 (H.) 

27 (H.) 

^ -'S. 
c3 ® 
B: 

^ (M 

o> 

u> 

.O «• 

^ 00 
o> 

e3 

^ 1 lO 

0? 

rT 

© 

^2 
^ «— 1 

OP 

-iS. 

1-1 __© 

^ 2 
OP 

« o 

3 « 

OP 

c3 

-4-> Ö 

OP o 

,© 

.JO ^21®^ 

iT*0 

lO 






/— \ 








lO 




CO 

t- lO 

rH 

CO 


t- 

00 

1 

1 

2 1 

1 

1 1 


1 

1 CO 



ib ''i» 

CO 

<M <N 

1 








CO 





o 






& ^ 

.o _o 

Ü» 

M CO 

-4^0 

o 

«o ©^ 

.© 
»9 ^ 

OB ^ 

-2. , ® 
<o ©^ aq ©^ 

1-i lO 

5T- Pr 

;;^ ^ 
gj 

1 >«. 
M 1-t 

^ 1» 

Pr« 

pr-io 

jH <41 

»'< Pr Pr 


<M 

pO 


CO 

t- 

»o 

CO 00 



::d 







W) 

äO 

tiO 

bO 

bD 

bO 

bD 

bß 

lO 

bß 

bß 

M 

lO 

CO 

CSI 

»o 

t- 

O 

00 

(M 

lO 


t'- 

00 

CO 

wo 

rH 


<M 

<M 

80 g 
1 btiteidei 

9 nni 
63 g) 

CO 

1 tiO 
~21.i«3 

rH 

(M 

2100 g 

2 kg 

1300 g 

760 g 

500 g 

etwa 
330 g 

350 g 

300 g 

V»/ 










CO 

§• 

§< 

e 

f 

iS- 


P4 

o 

<v 

•o 


c< 

e« 

CO 


CO 


CO 

CP 

CS 

-s 

CP 

1 

0 

1 

CP 

CO 

g 

g 

s 


e 

1 

CO 

S 

1 


Öi 

*«a 

V. 

'fca 

CQ 

o 

lO 

S 

r<b 

O 

p:j 

Ö 

J 

CP 

CP* 

•s 

.1* 

o 

§ 

•i 

s 

<1 

o 

"ö 

OQ 

1 

CP 

§ 

e 

.o 

So 

*)«a 

<o 

cT 
1— 1 
Ö 

a 

CP 

fO 

S 

B) 

p 

;-l 

CP 

OQ 

3 

CP 

CP 

CP 

nT 

E) 

cö 

csT 

!0 

GÖ 

tsT 

s 

cö 

no 

£ 

.2 

*3 

QP 

■ 2 
Pd 

OP 

$-1 

-a 

o 

no 

P>q 

Ö 

p 

CQ 

JS 

s 

o 

CP 

CO 

Bart 

nica 

75 

p 

1— 1 
cö 

2 

CP 

GQ 

S 

p 

m 

cö 


cö 


o 

CO 

t-i 

00 

OP 

ö 



cc 

<M 

cc 

c« 

<M 

<N 


CO 

CO 


CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 


Joocn. f. Om. LXX. J«hrg. April/JnU 1922. 


15 


^18 


Ö. Heinroth 


d 

0 
t>0 
d 
d 

t 

1 

pq 







p 

_ <D 




Brutdaue 

Tage 



00 

CN 

etwa 

4Wochi 


w 

CO 


•a iS 

d oJ-o 
:c9 4) .2 9 ft'd 

-go ^ 1 

,« ra ® |i4 6C 


-2S. 



-51 

-52. 



lO 

1 -» lO 

-S? 

UO 


« ,^_o 

®3 fo 

cd ® 
te ^ 
l> »o 

•+H 

<M 

.o» ©^ 
aT'CN 
<M 





Od 

CD 

© 






^ N 






3 S) 

Ci 

t> 


b» 

O 

l> 



3 1 1 

1 

UO 1 

CO 1 

1 

1 

1 

C<l 

CN 

w o 


lO 

'«i« 


Tj< 






V— ^ 

v — ^ 






rhältnis 
3S Ei- 
wichts 
zum 
örper- 
jwicht 

o 

»o 

o 

« 

y-t ^ 
rH (Si 

;;^o 

O 

-52.-51 

© 

©^ 

-52.-51 

tH iH 


^© 

-© ©^ 
1— ^ 

S) M öo 

CO 




d 



Eigewicht 

Clß 

bD 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

o 

<N 

1-H 

CO 
1— < 

1— 1 

<M 

»-H 

Od 

00 


Körper- 

gewicht 

des 

Weibchens 

300 g 

190 g 

bD 

»o 

1-H 

?120g 

100 g 

75 g 

gegen 

1 80 g 

65 g 



1 

Cd 

e 

1 

esd 

5S 

S ~ § 

§ 8 1. 

1 

e 


«s 

r«i»Ä 

s 

o 

•»■Ä 

1 

o 

n«* 

s 

CO 

.1 ^ 

S 8 

r s 

O 



o 

s 

53 

CO 

S SS 




•«» 

g 

c| 

CD 

1— • 
S3 
(O 

o 

Cd 

et- 

JD 

'B 

Od 

a 

Od Ö 

•§-g 

Cd 

s 

Cd 

»SS 

"K» 

tsT 

Id 

cd 

1 

fcT 

i 

a 

§- 

c8 

© 

^-H 

P 

CD 

$H 

-p 

O 

ö § 

r-Ä SS 

< 

g § 

: 

S’-i 

elKer, (Jap 
gidae. 

imelker, Capr 

XUS 

© 

'S 

a 

p 

© 

bß 

© 

s 


'S 

o> 

■SJ 
a s 

P 

13 

bß 

© 

%n 

CU C3 
OD Äi 

p » p 

P © SU 

p bß 



ek 

zo 

a .« 

m 

ä I 

tS3 

CU ^ ^ 

^ .|-H S 

bß « 

3 s 

M Cd 



CO 


i6 

CO 


-* CO 

Od 


CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO N CO 

CO 


CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 


Beiiehungen zwischen fogeigewicht etc. und Brutdauer. 219 


• 


*OQ ^ 

.s s o 

ci 

O T3 

1^ w = 


O 00 

«Ü5 

<M «-H 



fl O^ ^ 

S^ii: 

bD 

.© 

^ ©^ 
^ro 

(N 


© 

^ ©^ 
lO 
(M 

.© 

^ ©^ 

^o 

<M 


»H 

g® 

~51 

-H o 
fl ©^ 
® lO 

bD 

CO 

/-*N 

CO 

1 

(M 

(M 

C<J 


1 

i 

<N 

<M 





CO 

CO 

a •* o 

bo^ ’-' 

& «> 

© 

^2 


©^ 
^ cq 

rH 

;t'0 

l-H 


o» 

1 ^ 

2 ^ 

1 s» 

tH 

60 “> 
S- 

bß 

»o 

bß 

CO 

O 

Cä “ 
^ lO 

H-3 

®s- 

c3 1 
^ 00 
<«© f>H 

<«o 

bß 

C<I 

o 

bß 

co^ 

CO 

bß 

00 


bß 

bß 

bß 

o. 

bß 

Njjj 9 %-r 

g 

bß 





c 3 OQ es 


o 

CO 

CO 

CO 

1-^ 

.H 

fe i2 a 

lO 




CO 

Ofä^ « 



laß 

o 

CD 


und 

ae, 

xm\ 


e* 

ca 

^ l!“ V 

^ fHÖ 


CO 

-i 

1 

a' 

Ö 

•««ö 

'Ö •«» ^ 


cs 

^ ^s^ o 
ca ^ 


u 

o 

o 



Sh* 

© 

O 

5Ss *-• 

^ la iS 

^ — bß 


'bß 

© 

ca 

© 

fl 

cS 


•>» 

Sh 

bß 

s_ ^ ca 
^ .Q H© 
O ..H Sh 

bS 

ca 

ca 

© 

fl 

m9 

fl 

d 


tlß o 
0> M 
02 


ww . — : 

(«'S s 


O 

CO CO 


e 

Ö* 

cb'a, 

c4 

CO 


ao 

I 

o 


CQ 




u 

X3 


.. O 

•S 'S 

*3 S *'* 

Ä 5s 


CO 

CO 


CO 


:2 

'S 

"bO 
Sh S 

s.| 


CO 


^ eo 


o 

O 


CO 

S 

•«» 

a 


<ö ^ 
&D ® 
bO 

:0 ^ 

> > 

cn ca 

% § 

»2 s 

cd 

CO 


eo 

« 3 
S. f 
£ S 

O 

'-' ca 

rO o 
:cö 

fl 2 2 

'S § 

c^ 5 SS 
ca s § 

® W 

bD 

c3 

CO 


15 * 


2^0 


0. Hemroth: 


§ 

bO 

I 

03 

B 

03 

pq 


gSI 


»öS 

*«s’S 

® s « 

fe £.2 

S 

o»^ “ 
Q 


73 « 

s ^ 

1" 


fl “'S - 5^ 

l^'i2i:Si 


w 

c*- 

CO 


«4 

oS o 

.o 

■~£L 

o 

© ^ o 

o 

-'S!. 

1^ 

^ Sr 

-4-3 O 

»St 

|s 

2©^ S©^ 

<to 

»i»'©~ 
« lO 

ca ® 

bs 


© r-« 

»— 1 

®» CO t- 

t» 




© 



© 










»O 

00 

lO t- 

CO 

00 C<l 

<M 


1 

1 

1 1 

1 

1 7 



CO 

CD 

TjH O 

IO 

t- 1 

1-1 

•~21 

1 

o 

fl 

© ^ 
t£o 

© uo 

»«-e 
1 7 

,o 

rH O^ 

->s*^ 

r4 «T* 

Cd 

^ S ^ '"i %. 
*o fl LÜ 

»Et 

'# o 
»'< t>. 


&c 

;;5'-co 





t£ 


&0 

C^ 

bfi 

tß bo 

bO 

bc 

lO^ 


r- « 

1 

»C5 

IO 


\S 

«-^ 


1 

o 

03 

lo' ^ 

CO 

cT 








tiC 


«a ^ 

fl äß 
© 

g bD tD 

bo 

bß 

o 

lO 

CO 


^ o 
o 

® S 

ÖDO 
© o 
bßcii 

o O O 

SjOO 

<M 

t» 

CO 


w O 


iäH-g fl «'S 

3 “I I 

S) M 


2 73 w ,cj 

II ^ .•§ 
M“ I 


-2 § 

»-M ® I 

“ ’«S S «o 

OQ ^ fl <0 
£ « 1| 
S *- a |< 

^ ja S 
o fl ^ 

«w 02 

Ph 

QO 

CO 


«> 


<o 

■4^ 

ja 

. ü 

<o 

fl« 

02 


1^ 


•«» 


C25 


I 

0 

1 


•s 

o> 

fl« 


I 


© 

© 

fl« 

JJ* 

fl .fl 

jrr 

S 

GQ 

o 

CQ e 

© 

© 

s 

© 

fl« 

© ^ 

M fl« 

fl 

03 

fl 

^ 3 

1— 1 OT 

© g 

'S 3 

‘2 

s 1 

^ © 

02*42 

o 

o S 



, 


• 

* ^ 

03 

o 

r-t 

<M 

CO 

■'«*< 

IO 

IO 

lO 

lO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 


s 

£* 

§ 

CO 

la 

ja 

'S 

fl 

CD 


ifl 

CO 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 221 


“l II 

ät 1 

Ss 

s| ®| 

g 3 ^0 

II s 

ZS'Ö« 

g.i 

W OB*” -g-i 
«0 u 

111 ”1 

etwa 18 JE 
teil. Ne 

20 Pro*. 

äI 

VI *0 

rl 

L. 

te« 

CO 

. 

W _ . 

-'S . 

öä;§ sI"® 
fJS8 

Q Q 

Dotter 
weise 
7,6 g 

Dotter 

glasa 

Dotter 

gebo] 

artig. 




o 

CM 


tu 


*-< 'S 

ti g« 


00 



O 

Jo 

.4.3 

o> 


,o 

^ O— 

o- 

^uo 

^co 

1 s> 

m 

*1 

1 

*t 00 

»4 ^ 

|S) 

+3 

© 



f-H 

•-4 

(M 

CO 




Cv. 


/— s 








CO 

1 

CO 

1 

»o 

1 

WO 

00 

1 

i> 

1 

<?« 

CS! 



1 

tH 



wo 

wo 





o 










,o 

»O O— ' 

o o~ 

o o 

o « 

-5L 

a« 

WS o 

o 

ta ©— ■ 

-O 
w ©^ 


gcc^. 

.*0 


.42.-^ 

~22o^ 

-• wo 

-21 o- 
^ WO 

-21 


-31-« 

t5— ■ 


<M 

CO 



Tj4 


CO 

CO 


O 




















bo 

TU 

bß 

o ■ 

&c 

bDc 

bß 

-41 

bß 

o 

bß 

00 

bß 

(M 

bß 

Cfi^ 

bß 


CO 

CO 

rH 

wH 

f-4 

I“H 

t— i 

r—4 

00 

fH 

CO 












_ boS' 
’bjo s 

bc 

o 

a bß 
CD 

bß 

bß 

a bß 
0? 

bß 

bß 

bß 


-si| 

o 

bßO 

o 

o 

bßwo 

o 

lO 

O 


CO 

o o 

<M 

o 

® !>• 

o 

00 

<M 




bßio 


<M 

bßi-i 

CO 

(M 

<M 


e .i 


o 



& 


1 

o 



*«> a» 





cs 

cs 

s 



•'S s 


oT 




V 

CO 

o 

i**a 

o 




.£3 

:c8 

1 


J 

cs 



•? 

09 CO 

«V 

Ji4 

g 


s 




% 

§. 

0» S 
•«» o 

Co 

i 

'S .g 

® g 


e 

o 

•e» 

1 

«3 

f? 

'S 

11 
O C9 
> CS 
a 

.. 

*© 

N 

ts 


O o 

CD 

"fl 

rl 

cs 

o 


bß 

o 

© -S 
.Q s> 

P 

© 

a> 

O) 

:e 

9* pO 

oT 

.Q 

"§ 

6 

P? 

ä 

> 

GQ 

O 

l§ 

CQ 

cä 

> 

M 

o> 

*al 

o> 

gvöge 

Biesen] 

palis 

;-4 

Jjä 

p— ^ 

o 

ä ^ 

.o p 

PS s 

jä 

S 

O 

Q 

'S 

s 

Eichell 

darius 

Paradi 

apoda 

p •< 
© C9 

:s 1 

Cö? 

Gelbmi 

Tcreffti 

O. 





, 



, 

, 


”-1 o 

CO 

t> 

00 

o> 

o 

p— 1 

(M 

CO 


03 

o 

lO 

wo 

wo 

CO 

CD 

CO 

CO 


CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 

CO 


222 


0. Heinrothi 


«S) 

li 


l»|aS'i 

:c« o.S 3 fti-C 

'S ^ I N =o I 
|sS> mS) 

^ n-* 


W O 


a .i “ • -g 

S W d 0) 'S 

iJd CO ß 5 p 
tJ S P N :q £ 
®-Ö s, M bD 


a> o eo 

C§ 

•o 5 
M bc 


cö 

I Od vH 

OJ lO 




vH ^O tH vH o 

P ©^ P ©^ c3 ©^ 

g> ^ ® <M fe lO 

^co toco, ^CO 

^ <o 


bo 


CO 

© 

<M 


lO 


i© 

I 

CO 


X© 


© o 


Ht^© 
N !>. 


•® No ” ^ 

< « I T-H 

I 

00 00 


^ I 


-«C a ^ 

I bß^ 
jäSo " 


bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

CO 

rH 

X© 

CO 

X© 

00 

t-T 

00 

CO 

C«f 

V-H 


bß 

bß 

bß 

g W> 

bß 

o 

bß 

bß 

O 

00 

v-H 

t* 

i> 

O 

CO 

bß*^ 

00 

1 

X© 

X© 

l> 

V-H 

O 

rH 

rH 


bO 

t- 


bo 


O 

o 


l5 

HO 

SS 

•«» 

«o 

tO 

e 

roÄ 


© 

tSl 

-4-3 

cä 

s s 

-di 

CO 

CO 


e 

s» 


SS 

CQ 

u 

cS 

H-a 

03 


1© 

CO 

CO 


£ 

o 

r*«*d 

a 

ä 

m 

lo 

QQ 

a 


$ 

rO 

r-a 

Ö 


Ä PM 


CO 

CO 

CO 


CO 

CO 


ü 

e 


PM 


CO 

CO 

CO 


9) 

SS 

i 

# 


© 

CO 
GO 

o 

7 ^ *S 

«♦-I "* 

<4-4 

Ph 

O) 

CO 
CO 


1 


© 

CO 

GO 

o 

Sh 


® § 
.2 ^ 

§ 


o 

CO 


S4 

d 

’© 

CO 

00 

o 

u. 

n© 

© 

'© 

f-M 

O 

,a 

s 


t» 

CO 


BesiehuDgen zwischen Vogelge wicht etc. und Brutdauer. 228 


fIP II 

■Ifs 




OOiH Ä 


-ö 0 '* 
” " cJ '~'*S 
60g - . teg 


Is-Ill 


3 ' 


sIs 

laj 

® 8 i’| 

|\Sg 

£ 


S' 

-^/-N 

So Cd 
1 -^ 

CO 


gegen 14 
13 (H.) 




CO 

„M .« 

»H ^0 ^ ^0 .© 

P P 0 .,^0^ 

g|'j> g>^ 0 

bß bß 

,^0 

»^co 

CO 

„0 

CO 

,0 „0 

>«^o »^»0 

« 0 

p ^ 

g>“ 

bß 

cö S.« 
^ »p 
2 ^ 
® 

■"i? 

as? 

ä§ 
® ^ 
bß 

xo 

10 


. 

t>* 

uO 

CO 

CO 

1 

iCO 1 

uo 

CD 

»0 1 

1 

1 

1 





10 


la 

ip 


e« iH 

1 0^ 1 

.0 


.o 

.0 



»H^QO 

0^ Sä ^ ^ 
«„^0^ 

.-1 

CM 

r «4 

•.1 iH 

»-C CM 

T-M 

CO 

r -4 

vH 

v-H 


bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


Oi 

1 

t> 

I 

cc^ 

CM 

UO 

t^ 

c<^ 


o> 

cc^ 

uo 

q. 

»p 


1 

CO 

1 

CO 

eo 

hT 

CM* 

c?r 

<?f 

1 -H 

CO 

cm' 

, »cT 


bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


0 

/MS 

0 

00 

0 

CM 


t- 

VO 

0 

0 

0 


W 

1 -H 


CO 

00 

CM 

»-H 

i-H 

f-H 


CM 

>p 



^s^ 




<0 

OQ 

03 

O 

U S 
'Ö « 
Öß ^ 

.2 ^ 

CQ 


S 6^ 


5S 

g 

*c» 

ög 

'g 

cä ^ 

|i 

tgli 


I 

<» 


bß Ö 

'S « 

03 


B 

'S ö 

p 'S 

<üfO 






t~t o 

<0 u 
bß S 
S*.S 

■§1 

g ® 

PQiS 


CO 

;s 

•i 

S s 

o S 

ESJ 

a ö 
c3 ^ 

.P Ö» 

u 

03 CO 

O g 

io ^ 

§1 

W o 


o 

esT 

P 

% 

rP 

o 


o 

ö 

P 2g 

® I 

ä s 

o g 


«o 

S 

I 


<£> 

bß 

o 

> 

d> 

:P 

2 

® Ö 

ÄS 

<J § 


CO 

1: 

Ö 

I 


-2 

"o 

p 

P 

o3 

cq 


® 

:o3 

B 

.p 

o 


S § 

i “ 

^ S 


CM 

fc» 

CO 


CO 

tr- 

CO 


t- 

CO 


10 

t- 

CO 


fO 

CO 


CO 


00 

l>- 

CO 


Ci 

r^ 

CO 


o 

00 

CO 


00 

CO 


CM 

00 

CO 


jrhälti 


224 


0, Heinroth 


•s 

O ^ 


1 :0 (3j 

M W3 


_l -<0 


■S II 

<x> 




C4 

a 




Öß ^ 

<D 

CüD 


o ;:^io 


<M 


%a 


ö _ 


^ S' >o fe o 

« g)^ 5« 


a> 

tiD 


i.§i 

W ö 


I 

CO 


lO 

V ^ 

I 

CO 


o 


CO 

1 

CO 

1 

CO 

1 

CO 

1 

CO 

1 

1 

lO 

1 

lO 

1 

(M 

I 

<M . 



CO 


|sl|p 

3 03 ’C 3 Sr ^ 
2 S ? N :0 g 
®-d S, M 6ß 


1 ■«!}< 


" ® S 


QO 


4»^ 2^ 

. i-H 


cx> 


oo^ 

CM 


o ^2 


Eigewicht 


&ß 

CO 
1— 1 

&D 

4,25 g 

bD 

CO 

bß 

SC^ 

so 

bß 

CO 

2,9 g 

bß 

05 

t-i 

bß 

9^ 

1 bß 
CO 


» 

tiD 


CiD 







bß 

i ,3 

O 

ttß 

lO 

tc 

bD 

bß 

bß 

bß 

bß 

i> 

® O m 

t1 'S 

'S 

•*41! 

o 

lO 

I 

O 

so 

o 

O 

so 

05 

f-H 

1 

M w 


o> 

00 

1 

o 

»o 


CO 

CO 

CO 

1-H 

r— t 

1 

CD 


I 


O 


.SP 

’S e« 

:0 ^ 

Ö 

=* ^ 
ÖS 


N' 


o 

bD eo 

a s 

2.S 

«'S 


!> 

N* 

fl 

Cd 

CJ 

CQ Q 


I 

S 

§ 


:§ 


s 

e 


t 


$-• 
fl 

. 2> 

©'S .5. ^ 

- ^ '^'1 1 ^ 

w §s 3 ^ 


I 

s 


fl 

•*s 

so 

4J 

fl 

fl 

fl 

52i 


I 

*«» 

t 


fl 

cd 

Xi 

o 

m . 

1^ 
fl § 
:cd *S 
pC4 


N 

fl 

Cd 

fl 

CQ 

»-I 

fl 

XJ 

fl 

:cd 

(Z4 

fl Q 
.fl o 

Cd 

$ 


'S 

I 


fl 

:S 

.fl 

fl 


fl -^s 
fl TS 


t< 

cti 


fl 

Xi 

fl 

CQ 

fl 

fl 


«Iw 


CO 

00 C30 

CO CO 


»O CO b- 

00 00 00 

CO CO CO 


00 

00 

CO 


Oi 

00 

CO 


O (M 

o> o> o> 

CO CO CO 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 225 


23 ■ 

&D t® 


b'ö 

Q 


„o ,0 .^O 

5^0 »o^»0 co^»0 I— < 

10 10 


.0 

cö ® 

gci 

o> 


o 


- iS iS 

«ß Eco ^ E^ E^ E^ 

bD 




<0 


O) 


0 


(» 


o 


CO 

I 

•Ti4 


I 


\o 




CO CO 

lO 10 


1 

1 

b» 

1 

-13 

0 

1~4 

1 

I 

s— ✓ 
CO 

1 

0 

I 

0 

1 

00 

1 

00 


:>o 


00 



bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

»-.» 

bß 

bß 

bß 

bß 

C<^ 

CO 


10 

'S. 

10 

'S. 

CO 

(M 

C^ 


30 

C£^ 

CO 

CO* 

»-1 

r-T 

cf 

cf 

cf 



»-4 

cf 


T'f 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

CO 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 



iO 




r— ( 

03 





30 

1 


0 

0 

0 

I 

1 

'S. 


00 

r— H 

CO 

1 

CO 

0 

CO 


<M 

1 

<M 

1 

00 


GSI 




rH 





. r-t 






o 


& 


CJ 

cs 

:a 

fcT 

<D 

bO 

a 

:cö 

rn 

f-* 

O 

U 

a 

o> 

3 

*© 

03 




o 

•ä 

:fS 

a 


;-i 

b0 

o5 cs 

ja 

® s 

Ph-S 

CZ 2 S 


•i 

cs 

CQ 


.isj 

u 

:d 

a 

to 


bD 

OQ 

-a cs 

«SS 

® 'S M 

iS i- S 

^ E O 


s 

K 

o 

(O 

OQ 

oT 

CJ 

:P 

a 

03 

o 3 

S-4 

bß 

a 

o 

<h3 

!-i 


OQ 

d' 

.14 

CJ 

:Ö 

a 

03 

cS 

bß 

o 

i=! 

:p 


.§ 

O 

<u 

'S 

CO 

S 

<0 

bß 

P 

;c3 

za 

a 

<0 

■4J 

03 

s 


i 

1 


bß § 

^ CS 

03 pi^ 

^ 8 j4' 

o> o> 

s 

►? a. iä 


eo 

S 

f? 

oT 

'S 

a 

r— ^ 

o 

M 


o 

03 

'o 

a 

p 

c3 

I— H 

pq 


CO 

Oi 

CO 


o» 

CO 


10 

03 

CO 


CO 

03 

CO 


b- 

03 

CO 


00 

03 

CO 


03 

03 

CO 


O 

o 


o 

Ti4 


CO 

o 


o 


226 


0. Heinroth: 


§ 

I 

B 

<D 

M 


3 « 

«O _rt 


lO 


IllgSl 
Soll 11 

S 05 M W) 

^ 05 60 « 


|h| a |o 

S 05 -g g & ^ 

'S 05 ^ N :o 5 

Ü-Ö Sj M 60 


© o 05 jd 

e-'s rS s 
M S) I 


^ O ^ 

§ —1 «^o ^ ^ S 

^co ^ t- 2 


t»o^ C3 o^ 
c® 05 

00 

o; 

öß 


•i^O 


<M 


•* 

O o^ 
0> 05 
g)CO 

60 


's { 

So 

05 

1 

t* 

1 

<N 

1 J 

^ % 

1 

1 

7 


O 

CO 

o 

1 

05 


O 


CO 


t* 

CO 

CO 



1 

O 

1 

1 

•«# 

<M 

1 

CO 




.^o 

>Tj< 


" 


Th> 


;::3 


Cß 

Cß 

bO 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

rH 

05 

uo 

05 

Ti< 

o^ 

1—1 

c« 

t- 

00^ 

»o 


IC^ 

o 

o 

o 

f-H 

o 

cf 


cf 

oT 


tß 

bß 

o 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 

bß 


1^ 

1 

CO 

05 

»o 

o 

<M 

o 

CO 

O 

CO 

lO 

lO 

— H 

05 


05 


e 

«o 

g 


O) 

ä 

p< 

B 

a 

CQ 

o 

o 

tH 


CO 

i* 

o 

S 


«s 

l< 

•c» 


CO 


© § a , 
a.i § § 
23 i« 

f ns 

® i 'S i 

M a, CÄ § 


I 

'S 

g 

hO 

e 

•Cö 

l< 

Hi> 


05 

Ps 


CO 

o 

rH 


O 


a 

ia e 

11^ 

i § 

oö 

o 

Tj< 


Ö 

r«>d 

e 

« 

r>«» 

1«*Ä 

*S 

o 

dT 

N 


rO 

e 

« 

s 


a 
© 

o 
a 

:a ^ ^ 

jö S CO 

s o 
o ^ a 
O ^ M 


© 


05 

o 


o 

l-H 


g' 

s 

0 

1 

© s 

s ^ © 
■§ 

© e ^ 
'ö e ^ 
a u a 
a no 

«■f, tS 

rH ci 


I I 


§ 

s 

o 


« 

I 


^5 

s 


P4 

o 
<» . 


© 
a 

i~t 

^ 9 
<To;:s » 
^ ö 
^ K :z5^ 

cö Tj< 

Tl« ^ 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 227 


► 


'bß 



CO 

w 

I 

i 

a 

bo 


bo 



IC^ 

vH* 

a 


g 

g 


S 

i«Ä> 


,9 

©<M 


© 

5Z5 







fH 




12 

14 

CO 

I-M 

cö © 

^ CO 
CU 

a 

© 05 

^co 

bo 

ss 

a> 

fl ©^ 
bo 

sö 

te 

<ü 

.© 

lo'CO n'OO 
CO 

.© 

CO 

CO 

© 

r?^.ö 

fl ©^ 

^C<1 

bo 

„o 

^CO 

CO 



<o 

»O 

C£) 

CO 

CO 

lO 

TU 

lO 

1 

1 

1 

1 

1 

1 ^ 

1 

1 

1 

1 

CO 



tH 

UO 

tH 

tH 

CO 

CO 

tH 



tX) 

WD 

ÖD 

1 

bß 

bD 

bD 

bD 

bD 

bD 

bD 

bß 

00 

o 


CO* 

W 

CO 

lO^ 

c<r 

c<^ 

cf 

lO 

r-M 

ic^ 

CO 

wo 

TiT 

wo 

CO 

<m' 

biD 

00 

1 

tlO 

bJD 


bO 

bD 

bD 

bD 

bD 

bD 

bD 

bD 

CM 

iO 


o 

la 

05 

b- 

<M 

o 

o 


1 

t«- 

lO 

CO 


CO 

CM 


vO 

»O 



<M 



»O 

cö 

l> 

00 

05 

o 

f— H 

CM 

CO 

tH 

WO 


r— t 


»-H 

1-^ 

<M 

<M 

CM 

CM 

CM 

<M 

5 

Ti« 




Ti« 


tH 

Ti« 

Tj« 

Ti« 


228 


0. Eeinroth: 


II 


JhH 

S O ’l g i 

S S S) W “ 


l-l 




Cj ^ 

M !S0 


I •*» s 

!? -'S S5 

S.-^ S 'S 
.s| a 

M«. ^ 


bcS 

(M ^ 

g1o 

S s 

il 




fl 


'i$3'So 
o » N 
** '>'0 
gc.S § 

oa.™ tl 

IgS-s 

«Il 


S'i 


^ Ii 4 O #0 

III“' 
.|S| I 
1“^ 5 


CO 


CO 


00 


<N 


2 I S 7,öä I 


<N 


CO 




<M 


cq ^ 

l-l ^ 


~i2. 

0«~. 




•o 

O 


fl o* .« o' 

® UO O 
»O 
bD 


w o 

«3 ^ 

t> Oi 
^ CO 

o 




•4* ^ 

S§ 

t>o & ® 


^,o 

a O 
S CO 
bX3 S 
® £. 
& 


o 


CO 

1 

CO 

1 

CO 

1 

00 

1 

iO 

1 

^ b- 

1 

tH 


«5 

CO 

'el« 

:§ ^ 


-- 52 . 

00 


O IH o~ 

^ I 

I eo 


§T -So 


5^0 l-l I— • 


12^2 
0^^,-H r-t 


ÖD 

(N 

cf 


&D 

cf 


bo 

CO 


bD 

lO 


bo 


bß*,S bD 

JS'o 

<Ä,S2Ti< 


CO 


60 60 W) 

i-< o o 


lO 

CO 


bC 


bD 

bD 

(M 

g bD bD 

bD 

bD 

bD 

bD 

bD 

bo 

t- 

i-H 

1— H 
1 

g’o O 

lO 


o 

<M 

-51 

-51 

(N 

<M 

1 

l-H 

§)<M CO 

(M 

<M 

r-4 

1-4 

CO 



,«o 

i: 

0 

1 

eo 

’S 

rS 

O 

bD 

a 


u 


lo 

<u 

o 

<o 


S 

cö 

CJ 

fl 

CQ 


s 




44 

fl 

Cfl 

fl 

? 3 .. 


S2 

•c» 

rO 

e 

s 

Ö 

Ci 

.«o 


I 

bD 


CO 




bD 

fl 

ir^ 

T3 

<D 

fl< 

CO 


bD 

fl 

T3 

o 

fl< 


■ä * 

.5 g w 


53 § S 

c3 *5 aj 


0) 

bD 

o 

> 

CO 

‘S 


df 

fl 

• *M 

'Ö 

cd 

CO bS 

'S is 


i 

eo 

Ö 

Cd 

e 

••• 

öd 


Cd 


fl 
Cfl 

— ^ ö5 

O eo 

fl •«* 

^ i «'S 

® tsi i 


o §, 


CO 

t- 

00 

Od 

O 

T—i 

<M 

CO 


wo 

CO 

<N 

CM 

(M 

<M 

CO 

CO 

eo 

eo 

CO 

CO 

CO 


'Ci« 




T|4 



'Ci« 

Tt« 

T*4 


Öeziehungen zwischen Vogelgei^icht etc. und Brutdauer. 229 

Um einen besseren Vergleich der verschiedenen 
Vogel gruppen untereinander zu ermöglichen, habe ich auf 
den beigegebenen 7 Tafeln üebersichten in Kurvenform ge- 
geben, die natürlich nur als annähernde Richtlinien aufzufassen 
sind. Leider mufste wegen der unerschwinglichen Kosten von 
einer farbigen Unterscheidung der einzelnen Kurven Abstand 
genommen werden, ich hoffe aber dennoch, dafs es für den, der 
sich eingehender mit den Blättern beschäftigt, nicht allzu schwer 
sein wird, die Gruppen nach den verschiedenen Kennzeichen zu 
verfolgen. 

Die Beziehungen vom Körpergewicht (an 
der Abszissenachse) zum Eigewicht in Prozenten des 
Körpergewichts (relative Eigröfse) (an der Ordinaten- 
achse) sind auf den Blättern 1,1a und Ib, die Beziehungen 
des Körpergewichts zum Gelegegewicht in Pro- 
zenten des Körpergewichts (relatives Gelege- 
gewicht) auf Blatt 2 und 2 a , und das Verhältnis des 
absoluten Eigewichts (an der Abszissenachse) zur 
Brutdauer (an der Ordinatenachse) auf den Blättern 3 und 
3 a zur Anschauung gebracht. 

Blatt 1 gibt einen Ueberblick über alle von mir unter- 
suchten Vögel. Da jedoch hier die kleineren Formen nicht ge- 
nügend berücksichtigt werden konnten, so mufste ein besonderes 
Blatt (1 a) hauptsächlich für Vögel mittlerer Gröfse im 
Körpergewicht bis 900 g ausgeführt und für die kleinsten 
Vögel im Gewicht bis zu 240 g eine noch genauere Ausführung 
(1 b) beigegeben werden. 

Aehnlich verhält es sich mit den Blättern 2 und 2 a, wobei 
wieder 2 a 1 1 e Vögel in ihrem Verhältnis zum Gelegegewicht zur 
Anschauung bringt, während auf 2a kleinere Formen bis 
900 g vorgeführt werden. 

Blatt 3 a stellt gleichfalls eine besondere Ausführung der 
kleineren Vögel von Blatt 3, absolutes Eigewicht: Brut- 
dauer, dar. 

Graphische Darstellungen, die das Verhältnis vom Vogel- 
gewicht zum absoluten Eigewicht zum Gegenstände haben, 
sind überflüssig. Wir würden daraus nur Selbstverständliches 
erfahren, wie z. B., dafs ein Straufs ein absolut gröfseres Ei 
legt als ein Emu oder ein Kolibri. 

Die Kurven sind im März 1920 von meiner Frau und mir 
gezeichnet und im Sommer 1921 etwas ergänzt worden. Im Ok- 
tober 1921 wurden sie in halber Gröfse (linear) vervielfältigt, der 
Text konnte erst im Februar 1922 in Druck gegeben werden. Bis 
dahin sind darin einige Verbesserungen und Vervollständigungen 
vorgenommen worden. Bei Abweichungen zwischen 
den Kurven einerseits und dem Text und den 
Tabellen andrerseits sind also die letzten 
beiden mafsgebend. 


2S0 


0. Heinroth*. 



Im Folgenden werde ich in der Gadowschen systematischen 
Keihenfolge auf die einzelnen Vogelgruppen eingehen, um an Hand 
der Tabelle, auf deren Nummern zum besseren Zurechtfinden 
hier jedesmal hingewiesen wird, die Eigewichte, Gelegegewichte 
und Brutdauern zu besprechen. 


Flachbrustvögel, Ratites. No. 1 — 5. 

In dieser Ordnung fällt der Kiwi, ÄpteryXf durch sein ge- 
radezu riesiges Ei besonders auf. Leider war es mir nicht 
möglich, ein zuverlässiges Kiwigewicht zu erhalten; auch in 
grofsen Arbeiten über diesen Vogel fehlt es. Meiner Schätzung 
nach dürfte A, australis vielleicht etwa 2Y, kg wiegen. Sein 
Ei hat ein Gewicht von 450 g. Da sich in der Literatur ein 
Vermerk findet, dafs es ungefähr Vi Körpergewichts aus- 
mache, so handelt es sich also bei meiner Angabe von 20®/o nur 
um einen Näherungswert. Aber selbst wenn man die Möglich- 
keit beträchtlicher Abweichungen nach oben und unten be- 
rücksichtigt, steht seine Eigröfse besonders auffallend da, denn 
der Fall, dafs ein Vogel ein Ei von Vs seines Körpergewichts 
legt, tritt sonst erst bei Vögeln von 100 g (Sterna anaestheta) 
und darunter ein. (Vielleicht auch bei Dromas, s. diesen.) 

Die riesige Eigröfse ist wohl hauptsächlich darauf zurück- 
zuführen, dafs das Gelege nur von einem Ei gebildet wird. Aber 
selbst wenn wir den Kiwi in der Gelegekurve (Blatt 2) auf- 
suchen, steht er immer noch recht hoch und wird im Gelege- 
gewicht nur von Chauna, den Änseriformes und dann noch von 
Bhea übertroffen, sämtlich Vögel, die über eine recht stattliche 
Eizahl verfügen. (Natürlich ist auch hierbei nur von solchen 
Vögeln die Rede, die dem Kiwi in der Gröfse nahestehen oder 
gröfser sind als er, denn die kleinen verhalten sich wesentlich 
anders.) 

Die übrigen Ratites legen Eier, die bei Struthio, Dromaeus 
und Casuarius 1— 2 7oj hei Ehea gegen 37o des Körpergewichts 
betragen. Im Vergleich mit anderen Vögeln liegen diese Zahlen, 
wenn wir die absolute Gröfse der Formen bedenken, ziemlich 
hoch : sämtliche Linien des linken Teils von Blatt 1 würden bei 
einer Verlängerung bis auf etwa 20 Kilo und mehr sicher tiefer 
liegen, als die für die Straufsvögel gültigen Punkte. (Vergl. 
hierzu die späteren Betrachtungen.) Auf der Gelegekurve, 
Blatt 2, steht Ehea an höchster Stelle, auch Struthio ist wegen* 
seiner grofsen Eizahl stark nach oben gerückt. Am auffallendsten 
ist dann die tiefe Lage von Casuarius, der ja von allen die; 
wenigsten Eier legt. Er sowohl wie Apteryx ist eine Inselform^ 
und hat daher offenbar eine starke Vermehrung nicht nötig. 

Was die Brutdauern der Flachbrustvögel angeht, so habe 
ich leider nirgends eine Angabe über die des Kiwis entdecken; 




feeziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 2Sl 

können. Die Vermutung liegt nahe, dafs er zu den Langbrütern 
gehört, zumal die Neugeborenen den Eltern bereits völlig gleichen, 
also in ihrer Entwicklung sehr vorgeschritten sind. Soviel steht 
fest, dafs die australisch-papuaniscben Arten (Kasuar und Emu 
8 Wochen) eine ungleich längere Zeit zur Bebrütung ihrer Eier 
brauchen, als die offenbar während des Brutgeschäfts mehr 
gefährdeten Afrikaner und Amerikaner, deren Brutdauern im 
Verhältnis zur absoluten GrÖfse der Eier unglaublich kurz sind. 
So braucht Bhea mit 35 Tagen und einem Ei von gegen 600 g 
nicht länger als ein Schwan mit einer Eigröfse von 200 g, und 
der Straufs zeitigt sein Ei in 42 Tagen, einem Zeitraum, den 
aufser z. B. Talegalla sogar Sula mit einem 15 mal so kleinen 
Ei nötig hat, trotzdem diesem dann nur ein hilfloser Nesthocker 
entschlüpft. Der Sonderbarkeit halber sei darauf hingewiesen, 
dafs ein kleiner Sturmvogel, Hydrobates, No 20, von etwa 40 g 
auf seinem Ei von 7 g mindestens ebenso lange brüten mufs, 
wie der amerikanische Straufs, obgleich ersterer ein Nesthocker, 
Bhea ein Nestflüchter ist. Genau dasselbe gilt von Struthio 
und Daption^ deren Eier sich wie 1500:37 = 40:1 verhalten. 


Tauch Vögel, Colymhiformes, No. 6 — 13. 

Wie aus den Kurven ersichtlich, habe ich die Steifsfüfse, 
Bodicipidae, und die Seetaucher, Colymhidae, als getrennte 
Gruppen aufgefafst und sie auch in der Signatur unterschieden, 
hauptsächlich deshalb, weil sie sowohl durch das Aeufsere der 
Eier, als auch vor allen Dingen in der Eizabl stark von einander 
abweichen. 

Bei den gröfseren Steifsfüfsen liegt die Eigröfse etwa 
auf 4®/o des Körpergewichts, dann steigt sie in sehr gleich- 
mäfsiger Weise über B. nigricollis zu B. fluviatilis^ d. h. aus 
6Vs zu gegen 87o- Die Linie nähert sich der der Steganopoden, 
bei den kleineren Formen auch der der Reiher, ja sogar den 
Raubvögeln und Eulen, also sämtlich Nesthockergruppen. 

Aehnlich verhält es sich mit der Gelegekurve. Die kleineren 
Arten stehen dicht neben der Rakenlinie, also auch hier im 
wesentlichen in der Nähe von Nesthockern, wir können demnach 
sagen, dafs die Steifsfüfse für einen Schwimmvogel kleine und 
wenig Eier legen. 

Auch hinsichtlich der Brutdauern liegen die Steifsfüfse 
ziemlich tief, wenn auch unter den Nestflüchtern vereinzelte 
Schwimmenten, eine Anzahl Rallen und die eigentlichen Schnepfen, 
sowie viele Hühner und die Steifshühner kürzer brüten als sie. 
Dagegen haben zahlreiche Nesthocker, wie Raubvögel, Eulen 
und Papageien längere Brutdauern als Bodiceps^ die sich übrigens 
für den Hauben-, den Rothals- und den Zwergsteifsfufs mit 25, 
23 und 20 Tagen den absoluten Eigröfsen von etwa 45, 30 und 


282 


0. Heinroth: 


15,5 g entsprechend recht gut in einer gleichmäfsig aufsteigenden 
Linie (Blatt 3 a) anordnen lassen. 

Bei der Erklärung aller dieser Verhältnisse müssen wir 
wohl in Betracht ziehen, dafs die jungen Steifsfüfse im Anfang 
ziemlich hilflose Geschöpfe sind, die noch längere Zeit unter 
den Tragfedern und Flügeln der Eltern ein ziemlich verstecktes 
Dasein führen, sodafs man diese Gruppe mit Recht als die 
Beuteltiere unter den Vögeln bezeichnet hat. Auch die Be- 
daunung der frisch ijeschlüpften ist für Wassertiere auffallend 
kurz und gewährt keinen ordentlichen Kälteschutz; sie ist mit 
der junger Enten z. B. garnicht zu vergleichen. Die Flucht- 
instinkte sind zunächst nur wenig entwickelt, auch vergeht lange 
Zeit bis sich die Jungen selbst ernähren können. Die verhältnis- 
mäfsig geringe Gröfse der Eier und die kurze Brutdauer lassen 
sich also wohl aus der Unentwickeltheit dieser Nestflüchter er- 
klären und die kleine Eizahl im Gelege daraus, dafs die Dunen- 
jungen von den Eltern so geschützt getragen werden, dafs sie 
Nachstellungen und Witterungseinflüssen nur wenig ausgesetzt 
sind. Steifsfüfse machen jährlich nur eine Brut, da die Jungen 
sich langsam entwickeln. 

Anschliefsend sei bemerkt, dafs die jungen Lappentaucher 
schon etwa zwei Tage vor dem Picken im Ei piepen. Das 
Durchbrechen der Schale dauert dann meist kaum eine halbe 
Stunde, während ja bei vielen Vögeln darüber 1 — 2 Tage und 
mehr vergehen. Es liegt nahe, folgendes als Grund dafür an- 
zunehmen. Im Gegensatz zu den Enten z. B. schlüpfen die 
Jungen nicht gleichzeitig, sondern mit etwa zwei Tagen Abstand 
aus, es besteht somit die Gefahr, dafs die Alten mit den erst- 
ausgekommenen Spröfslingen davon schwimmen, ehe die letzten 
geboren sind. Das frühzeitige Lautgeben im Ei heifst also: 
„Achtung, weiterbrüten“! (Fulica verhält sich hierin ähnlich.) 
Lägen die Eier während des Schlüpfens wie bei anderen Vögeln 
lange angepickt im Nest, so könnten sie leicht voll Wasser 
laufen und das Küken ertränke. (Beobachtet an P. cristatus^ 
griseigena und fluviatilis.) 

Die Eier der Seetaucher sind verhältnismäfsig grofs, 
wie Blatt 1 zeigt, sogar schwerer als die gleich grofser Tauch- 
enten. Sie übertreffen ferner die Eier der Kraniche und der 
Trappen etwas, was um so bemerkenswerter ist, als diese ja 
auch vorwiegend zweieiig sind; im allgemeinen aber kann man 
sagen, dafs sie mit ihnen doch hinsichtlich des Gelegegewichts 
gut übereinstimmen. 

Die Brutdauer von Col. glacialis wird von Fab er mit 
30 Tagen angegeben (Hantzsch). Die Jungen haben keine 
Aehnlichkeit mit Steifsfüfsen und sind anscheinend besser vor 
Kälte geschützt und selbstständiger. Nach der Gröfse der Eier 


Beziehungen zwischen Yogelgewicht etc. und Brutdauer. 288 

möchte man ja von vornherein schon eine verhältnismäfsig lange 
Entwicklungsdauer für die Jungen im Ei und eine grofse Reife 
beim Verlassen der Eischale annehmen. Leider habe ich bis jetzt 
kein brutfähiges Cölymbus-YA erhalten können, ich vermag daher 
auch über das Neugeborene nichts zu berichten. 

Pinguinvögel, Sphenisciformes. No. 14—16.. 

Leider verfüge ich hier nur über sehr wenig Arten. Das 
Gewicht des Kaiserpinguins, Aptenodytes forsteri^ habe ich nach 
E. A. Wilsons' Durchschnitt mit 32 kg angegeben, auch das 
Eigewicht von 450 g stammt von ihm '(Nat. Antarctic. Exp. 1907 
Band 2). 

Das Ei dieses gröfsten Nesthockers wiegt also gegen iVaVo 
des Körpergewichts. Es ergibt sich nun, dafs die von den 
kleineren Arten her nach rechts verlängerte Pinguin-Linie auf 
Blatt 1 ziemlich genau auf den angegebenen Punkt, den ich unter 
der Ratiten -Abteilung verzeichnet habe, treffen würde. Das Ei 
ist also verhältnismäfsig grofs, da es dem des etwa gleich- 
schweren Kasuars und auch Emus fast entspricht. Auch Spheniscus 
demersus und Sph, magellanicus legen für Nesthocker grofse 
Eier, was wohl seinen Grund in der geringen Eizahl (die 
gröfseren Arten 1, die kleineren 2) und in den langen Brut- 
dauern hat. Sie liegen im Gelegegewicht beträchtlich höher als 
die Pelikane und verlaufen nicht sehr verschieden von den Kra- 
nichen. Dies ist auffallend, da die Kraniche ja entwickelte Nest- 
flüchter sind. 

Nur vom Biillenpinguin ist mir die Brutdauer bekannt; 
sie beträgt angeblich 38 Tage, ist für die Gröfse der Eier und 
für einen Nesthocker sehr lang und wird nur durch die Sturm- 
vögel, den Tölpel, Sula, und um etwas von den grofsen Raub- 
vögeln übertroffen. Die geringe Vermehrung und die lange Brut- 
dauer sind wohl auch hier auf die geschützte Brutweise auf ab- 
gelegenen Inseln zurückzuführen. (S. auch die nächste Gruppe.) 

Sturmvögel, Frocellariiformes, No. 17 — 20. 

lieber das Gewicht des Albatros liegt mir nur eine Angabe 
von 7Vi kg ohne nähere Bezeichnung des Körperzustandes vor, 
immerhin erscheint sie aber nach dem allgemeinen Aussehen 
des Vogels verwendbar. Das Gewicht von Eydrohates ist leider 
nur schätzungsweise, also nur annähernd. Die beiden Anderen 
in der Liste und auf den Kurven habe ich selbst gewogen. Von 
Daption kenne ich nur die Eigröfse und aus der Literatur die 
Brutdauer. Alle diese Formen legen sehr grofse Eier. Oceano- 
droma wird nur von Möwen und Schnepfenvögeln, Fulmarus nur 
von den Grofsfufshühnern, MegapodiuSy und Diomedea von gleich 
grofsen Vögeln überhaupt nicht übertroffen. Sämtliche Arten 
haben bekanntlich nur ein Ei, sodafs seine beträchtliche Gröfse 

Joan. f. Ozn. LXX. Jahrg. April/Juli 1922. 16 


Mi 


Ö. fleinrott: 


wohl hauptsächlich auf diese Tatsache zurückzuführen ist. 
Immerhin entspricht, wie aus dem Studium der Gelegekurven 
hervorgeht, dies eine Ei im Gewicht nur den wenigsten Gelegen 
mehreiiger Vögel, die Sturmvogelgruppe kommt im Gelegegewicht 
also recht tief zu stehen. 

Ganz auffallend lang sind die Brutdauern der Frocellarii- 
formes. Es klingt geradezu unglaublich, dafs die Sturmschwalbe, 
HydrobateSy von der Gröfse des Mittelspechts, No. 352, oder des 
Roten Kardinals, No. 423, mindestens 36 Tage, also ebensolange 
wie jKÄea, No. 2, brütet und dann nur einen sehr unvollkommenen 
Nesthocker erzeugt. Hätte nicht Evans mit dem Brutofen den 
Beweis für diese höchst merkwürdige Tatsache erbracht, und 
brüteten nicht Daption 42 (= Struthio), Fulmarus bl Tage und 
JDiomedea gar -8— -9 Wochen (Freiheitsbeobachtungen), so würde 
ich es nicht gewagt haben, diese Zahl zu verwenden. 

Angeblich sind alle jungen Sturmvögel zunächst sehr hilf- 
lose Geschöpfe — leider habe ich nie ein kleines Junges ge- 
sehen — und brauchen viele Wochen bis sie fliegen können. 
Wir haben also hier wohl die langsamste Vogelentwicklung — 
vom Anfang der Brut ab gerechnet — die es überhaupt gibt, 
zugleich aber auch die geringste Vermehrung, die, namentlich auch 
bei kleineren Vögeln, beobachtet wird. Ich glaube, dafs wir die 
Erklärung für beides darin suchen müssen, dafs alle Sturmvögel 
besonders während des Brutgeschäfts so gut wie keine Feinde 
haben und auf ihren einsamen Inseln völlig geschützt brüten. 
Auf die Verfolgungen durch den Menschen, die ja erst in neuster 
Zeit zur Ausnutzung der Eier und der Federn einsetzten und den 
Bestand mancher Arten bereits stark gefährdet haben, sind 
diese und ähnlich lebende Vögel natürlich nicht eingerichtet. 
Irgend eine Zuchtwahl auf die Beschleunigung des bei den 
meisten anderen Vögeln ja so gefährdeten Fortpflanzungs- 
abschnittes ist hier also nicht eingetreten, wir haben somit die 
ursprünglichste Vermehrungsweise vor uns. 

Dafs diese Gruppe auch nach unseren Betrachtungen mit 
den Möwen nicht die geringste Verwandtschaft hat, ja geradezu 
in scharfem Gegensätze zu ihnen steht, braucht kaum erwähnt 
zu werden. 

Storchvögel, Giconiiformes. 

Ruderfüfser, Steganopödes. No. 21—27. 

Man kann sagen, dafs die Scharben und die Pelikane ver- 
hältnismäfsig kleine Eier legen, die gröfseren Formen sogar sehr 
kleine, ja die kleinsten von allen Vögeln überhaupt. Die Ei- 
gewichte der kleineren Arten liegen in der Nähe der Tauben 
und nähern sich vielfach den vieleiigen Hühnern. Auch das Ge- 
legegewicht liegt sehr tief, ja der Bafstölpel, 8ula bassana^ ist 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 285 

mit seinem einzigen und recht kleinen Ei derjenige Vogel, der 
mit kaum 37o für seine Gröfse jährlich das geringste Gesamt- 
gewicht an Eiern legt, das überhaupt vorkommt. Hier trifft 
man auf den ab und zu eintretenden Fall, dafs die Eigröfse 
nur wenig zunimmt, wenn die Eizahl im Gelege geringer wird 
als bei nahe verwandten gleich grofsen Formen. (Vergleiche 
Felecanus fuscus und Sula bassana, 2V2®/o 2,9®/o)- 

Die Brutdauer der Ruderfüfser liegt hoch, leider fehlt mir 
eine Angabe über die Zwergscharbe. Schon der Kormoran 
braucht etwa 23—24 Tage (in den Kurven sind ursprünglich 
28 Tage verzeichnet), um aus seinen verhältnismäfsig sehr kleinen 
Eiern die recht unentwickelten nackten und blinden Jungen 
schlüpfen zu lassen. Er brütet also etwa ebenso lange, wie zum 
Zeitigen vieler gleich grofser Enten-, Steifshühner-, Hühner- und 
Regenpfeifereier erforderlich ist, aus denen ja Nestflüchter kommen. 
Der Bafstölpel hat eine Entwicklungsdauer im Ei von 43 Tagen, 
sie ist sogar etwas länger, als die der grofsen Pelikane, die mit 
36 — 38 und 42 Tagen angegeben wird. Dabei ist sein Junges 
ein besonders hilfloser, zunächst angeblich nackter und erst 
später bedaunter, noch lange der elterlichen Pflege bedürftiger 
Nesthocker. Hier steht also die Länge der Brutdauer in keinem 
für uns einleuchtenden Verhältnisse zur Eigröfse und zum Ent- 
wicklungsgrade des Jungen. Ich glaube daher, wir müssen hier 
wieder auf die bei den Sturmvögeln angestellten Erwägungen 
zurückgreifen und daran denken, dafs die Tölpel durch ihr Leben 
auf See uud das Brüten auf einsamen Inseln vor Nachstellungen 
geschützt sind, und dort auch Eier und Junge kaum Feinde 
haben. Allerdings wird damit nicht erklärt, warum die Procellarii- 
formes sehr grofse und die Sulae recht kleine Eier haben. 
Einen Grund könnte man darin suchen, dafs die anderen Ruder- 
füfser wohl meist mehreiig sind, und Sula deren Eigröfse bei- 
behalten hat. Auch die Pelikane brüten sehr lange und haben 
eine sehr geringe Vermehrung, was ja fast immer Hand in Hand 
geht. Das Blatt No. 3 führt uns vor Augen, dafs P. onocrotalus 
und P. crispus Eier legen, die etwa zwischen denen von Grau- 
und von Saatgans, No. 90 und 91, die Mitte halten, dafs sie 
aber zu ihrer Zeitigung etwa ein Tagzehnt länger brauchen, ob- 
gleich eine junge Gans ein mit ausgiebigem Kälteschutz uud 
guten Bewegungs- und Sinneswerkzeugen ausgestattetes Geschöpf 
ist, während man beim neugebornen Pelikan genau das Gegen- 
teil flndet. 

Störche, Reiher, Ibisse; Ciconiae, Ardeae^ Ibidae. No. 28—47. 

Die Eikurve der Störche, Reiher und Ibisse ergibt für jede 
dieser drei Gruppen eine besondere Linie. Die gröfsten, also 
die eigentlichen Störche, liegen am tiefsten, und bilden unter 
sich so ziemlich eine Gerade, die im wesentlichen zwischen 2 V 2 

16 * 


286 0. Heinroth: 

und SVaVo kleinen Schwankungen können wohl auf 

Fehler in der Körpergewichts- und der Eigewichtsbestimmung 
zurückgeführt werden. Bei den Reihern finden wir in ihren 
gröfseren Formen gleichfalls eine ziemlich gerade Linie; sie 
liegt zwischen 4 und 5 ®/o- merkwürdig kleines Ei hat nur 
die Grofse Rohrdommel, Botaurus^ dann steigt die Linie bei den 
kleineren Vertretern vom Nachtreiher, Nycticorax, über Demie- 
gretta zur Zwergrohrdommel, Ardetta^ bis auf 8®/o» ohne dafs 
ein wesentlicher Knick nach oben zu erkennen ist, wie er sich 
sonst gewöhnlich dann bemerkbar macht, wenn in einer Vogel- 
gruppe aufser gröfseren auch sehr kleine Formen Vorkommen. 
Die Ibisse haben gröfsere Eier als ebenso schwere Störche und 
und Reiher, ihre Linie liegt zwischen 4 und 67q- Besonders 
auffallend ist übrigens die grofse Veränderlichkeit in der Gröfse 
der Löffler-Eier, natürlich konnten hier nur mittelgrofse berück- 
sichtigt werden. (Der Punkt für den Rosa-Löffler ist auf Blatt 1 
irrtümlich statt auf 4®/4 auf 3®/* geraten, der Knick bei 1300 g 
mufs also wegfallen.) 

Bei der Gelegekurve sind die drei Gruppen vereint. Sie 
ergibt, Ardetta^ wie zu erwarten, mit 48®/o sokr hoch steht. 
Nycticoraxxmd Flegadis haben ein im Gewicht gleich grofses Gelege. 
Botaurus sinkt wegen der sehr kleinen Eier recht tief, die beiden 
eigentlichen Reiher, A. cinerea und A, goliath^ lassen ein Auf- 
steigen der Kurve erkennen, dagegen haben die Nimmersatte 
leichte Gelege. Der Schwarze Storch hat ein relativ kleineres 
Gelegegewicht als derWeifse, trotzdem er kleiner ist. Dies kommt 
daher, dafs er bei derselben Eizahl merkwürdigerweise im Ver- 
hältnis etwas kleinere Eier hat. Leptoptilus liegt wegen seiner 
Gröfse und geringen Eizahl natürlich bedeutend tiefer. Ganz 
aus der Reihe fällt JDemiegretta : während sie in ihrem Eigewicht 
genau in die Reihe der Verwandten pafst, liegt sie im Gelege- 
gewicht besonders tief, da sie ja als Australierin und besonders als 
Insel-Tropen vogel nur ein sehr kleines Gelege von 2—3 Eiern 
zu erzeugen braucht. Wir haben hier also den Fall, dafs beim 
Kleinerwerden des Geleges die relative Eigröfse nicht steigt, 
sondern sich genau so verhält, wie bei gleich grofsen, mehr 
legenden Verwandten. Wir werden später sehen, dafs dies nicht 
immer so zu sein braucht. 

Im allgemeinen kann man sagen, dafs die Storch-Reiher- 
gruppe als Nesthocker zu den Langbrütern gehört; brauchen 
doch die gröfseren Formen, d. h. von der Grofsen Rohrdommel; 
aufwärts 25 7* bis 30 Tage. Leider ist es unbekannt, wie langet 
die Sattelstörche, EphippiorhynchuSf und die Marabus zur Zeitigung ; 
ihrer Eier nötig haben; die kleineren Reiher brüten bedeutend? 
kürzer: Nycticorax 21, Ardetta nur 16 7* Tage. Hier ist also 
mit steigender Gröfse des Vogels und des Eies eine beträchtliche 
Verlängerung der Brutdauer festzustellen. Bei verschiedenen 
anderen Vogelgruppen ist dies dagegen nicht der Fall. 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 287 

Auffallenderweise haben die mir bekannten Ibisse — sowohl 
der Schwarze Sichler als auch der über fischreiherschwere Heilige 
Ibis — eine nur 3 wöchige Brutdauer. 

Beim Vergleich der Dunenjungen, wenigstens so weit sie 
mir bekannt sind, ergibt sich ein deutlicher Unterschied zwischen 
den drei in Rede stehenden Gruppen. Die Sichler sind dicht 
mit kurzen, schwärzlichen Daunen bedeckt, die Störche haben 
ein kurzes, weifsliches Dunenkleid, und die Reiher sind meist 
mehr oder weniger hell oder dunkel grau gefärbt und haben 
zum Teil verlängerte haarartige Daunen auf dem Kopfe, auch 
fehlt ihnen das bei den Störchen ebenso wie bei den Raubvögeln 
vorhandene, sogenannte zweite, oder besser gesagt, das Pelz- 
Daunen-Kleid. Alle drei Formen machen demnach einen recht 
verschiedenen Eindruck und sind also wohl doch nicht so ganz 
nahe verwandt. 

Flamingos, FhoenicopterL No. 48 u. 49. 

Die beiden von mir untersuchten Arten legen verhältnis- 
mäfsig recht grofse Eier. Ihre Verbindungslinie liegt hoch über 
der Storchkurve und schneidet die Gänselinie, aufserdem steht sie 
der Trappen-Kranichkurve sehr nahe. Die Gröfse der Eier hat 
vielleicht eine gewisse Erklärung in der geringen Eizahl im 
Gelege. Wenn wir die Flamingolinie auf Blatt 2 betrachten, so 
ergibt sich, dafs sie sich der Storchlinie sehr nähert, ja sogar noch 
etwas unterhalb davon liegt. Die angebliche Brutdauer von 
30—32 Tagen ist verhältnismäfsig lang, entspricht etwa der der 
gröfseren Störche und liegt um ein Beträchtliches über den 
Anatiden. Angeblich sind die Jungen Nestfiüchter: es liegt nahe, 
dies in Zusammenhang mit der Grofseiigkeit und der Länge der 
Brutdauer zu bringen. 

Gänsevögel, Anseriformes, 

Weiirvögel, Falamedeae. No. 50. 

Leider fehlen mir wirklich gute Gewichtsangaben über Chauna, 
ich hoffe aber mit 2 7, kg etwa das Richtige getroffen zu haben. 
Das Eiverhältnis mit 572^/0 in der Kranichlinie bei 

Grus virgo, ferner in der Linie der Seetaucher und etwas ober- 
halb der grofsen Tauchenten, aber unterhalb der Gänse. Syste- 
matisch ist es also nicht recht verwertbar, höchstens in dem 
Sinne, dafs es mit dem der gröfseren Storchvögel nichts zu 
tun hat. 

Das Gelege wird recht verschieden angegeben: zum Teil 
mit 5, zum Teil mit 2 Eiern. Lassen wir die erste Zahl gelten, 
so kommen wir auf Blatt 2 sehr dicht an die Anatiden oder 
Änseres, insbesodere an die Casarca-Chloephaga'GTuppe heran, 
es ergeben sich also hier deutlich Beziehungen zu den Enten- 


288 


0. Heinroth: 



vögeln. Sollte die Angabe der Brutdauer von 6 Wochen wirklich 
richtig sein, so würde sich hier allerdings eine sehr grofse Ab- 
weichung von den Gänsen mit 4 und selbst von den Schwänen 
mit 5 Wochen feststellen lassen, und Chauna würde recht ver- 
einzelt dastehen. Es wäre aber immerhin möglich, dafs diese wehr- 
hafte, artenarme und wohl auch recht altertümliche Vogelgruppe 
sich eine besonders lange Brutdauer aus alten Zeiten bewahrt hätte. 


Eigentliche Gänsevögel, Änseres = Anatidae. 

Tauchentenartige, Merginae, FuUguUnae usw. No. 51—68. | 

Unter dieser Gruppe fallen Erismatura leucocepTiala und 1 
Biziura lohata durch ihre besonders grofsen Eier auf. Zwar 
stehen mir von den Weibchen beider Arten keine sehr genauen ; 
Gewichte zur Verfügung, aber ich denke doch mit 13 und 9®/o 
der Wahrheit nahegekommen zu sein. Ein sehr grofses Ei legt 
ferner Clangula^ die mit 10 7o »och vereinzelt dasteht. Die 
andern Tauchenten in der Gröfse von Vd haben auch 

sämtlich recht grofse Eier von etwa 7—9% ihres Körpergewichts. 
Somateria und schätzungsweise Tachyeres erreichen mit ihrem Ei, 
wohl ihrer bedeutenden Körpergröfse entsprechend, nur 57o- 
Da der gröfste Teil der Tauchenten und Säger ein recht 
eireiches Gelege aufweist, so ergibt ein Blick auf die Gelegekurven, 
Blatt 2 und 2 a, dafs wir es hier mit denjenigen Vögeln zu tun 
haben, die zusammen mit ihren nächsten Verwandten die 
schwersten Gelege, die es überhaupt gibt, hervorbringen. So 
erzeugen Clangula 1107o» Erismatura 100®/ot Mergus serrator 
80®/o und Oidemia fusca 72®/o ihres Körpergewichts an Eiern in 
einer Brut, die gröfseren Formen dabei natürlich weniger, ent- 
sprechend ihrer relativ geringeren Eigröfse und ihren kleineren 
Gelegen. Merkwürdig ist, dafs sich zwangslos ein zweiter, viel 
tiefer liegender Tauchentenstrang ergibt, der sich bei Netta rufina 
noch einmal nach oben hin spaltet. 

Bei den Brutdauern ist die Länge gerade der kleinsten c 
Form, Fuligula nyroca, von 28 Tagen (nach Blaauw) auffallend, ^ 
während F. fuligula und F, ferina rmr etwa 26 Tage brüten. 
Die auch nur moorentengrofse Schellente mit gar 30 Tagen 
scheidet wegen ihrer geschützteren Brutweise bei diesem Ver- 
gleich aus. Die Brutdauer der Tauchentengruppe liegt, wohl ent- 
sprechend ihren auch etwas gröfseren Eiern, im allgemeinen über | 
der der Schwimmenten, kommt aber nicht an gewisse Plectrop- I 
teriden heran, denn selbst der Gänsesäger brütet noch beträcht-«! 
lieh kürzer als die Moschusente, Cairina^ obgleich beider EierS 
etwa gleichgrofs und beide Arten Höhlenbrüter sind. * 

Schwimmenten im engeren Sinne, Anatinae. No. 69—83. « 

Wie schon erwähnt, legt diese Gruppe im allgemeinen^ 
kleinere Eier als die Tauchenten; die gröfste hier untersuchte^ 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 239 

Anatiue, A, loscas^ hat sogar recht kleine Eier und nur etwa 
dieselbe absolute Eigröfse, wie die halb so schwere Plectropteride 
Äix galericulata. Zwanglos fügt sich in die Schwimmenten auch 
JDendrocygna mit mehreren Arten ein. Die Kurven der Anatinae 
verlaufen in der Reihe der Rallen und stehen merkwürdigerweise 
zum Teil zwischen den doch nesthockenden Tagraubvögeln und 
Eulen. Auf Blatt 2 liegt die Gelegelinie etwa bei den unteren 
Tauchenten. (Um das Bild nicht zu sehr zu verwirren, sind hier 
und bei den Fuligulinae nur Durchschnittslinien gezogen.) 

Die Brutdauern sind bei einigen Formen (aufser CÄew rossi) 
die kürzesten, die wir innerhalb der Anseriformes überhaupt 
kennen, so brauchen die Krick- und die Pfeifente nur 22 — 23 
Tage, A. hoscas, dagegen zeitigt ihre Eier in 26 Tagen. Auf- 
fallend ist, dafs bei gleicher Eigröfse die Schnatterente 26, die 
Pfeifente nur 22 V, Tage brütet, was vielleicht darauf zurück- 
zuführen ist, dafs M. penelope sich als nordischer Vogel mit der 
Kürze des Sommers ihrer Heimat einrichten mufs. 

Aus biologischen Gründen habe ich die Gruppen 

Chloephaga, Alopochen, Casarca und Tadorna, No. 84—89, 

einheitlich zusammengefafst. Um die Uebersicht auf Blatt 1 
nicht zu sehr zu stören, ist von einer Verbindung ihrer Punkte 
Abstand genommen worden, die übrigens etwa innerhalb der 
anderen Anatidengruppen liegen. 

Was die Gelege angeht, so steht Tadorna sehr hoch. 
Casarca, Alopochen und CMoephaga liegen im allgemeinen etwas 
tiefer als die benachbarten Formen, denn sie legen etwas kleinere 
Eier als die Gänse und weniger als die Schwimmenten. 

Erwähnenswert erscheint, dafs ,die von mir beobachteten 
Kasarkas, Nilgänse und Chloephagas nicht, wie die meisten 
Schwimm- und Tauchenten, täglich, sondern, den Gänsen ent- 
sprechend, nur alle zwei Tage ein Ei legen. Dies hängt offenbar 
mit der niedrigen Eizahl im Gelege zusammen: hier besteht keine 
Gefahr, dafs die ersten Eier durch langes Liegen verderben, 
auch wenn sich der mütterliche Körper zur Erzeugung der ein- 
zelnen Eier mehr Zeit nimmt. 

Die Brutdauern schwanken wohl zwischen 28 und 29 Tagen, 
liegen also nicht gerade besonders hoch oder tief. 

Gänse, Anserinae. No. 90—96. 

Fast alle Gänse im engeren Sinne legen verhältnismäfsig 
sehr grofse Eier: erreicht doch A. albifrons fast 87o ihres 
Körpergewichts. Merkwürdig klein ist dagegen das Ei von Ch. 
rossi mit nur etwa 67o t^’otz der Kleinheit des Vogels. 

Da die meisten Gänse bei der Gröfse ihrer Eier auch ver- 
hältnismäfsig vieleiig sind, so stehen sie im Gelegegewicht recht 


240 


0. Heinroth : 


hoch, nur Branta leucöpsis liegt wegen ihrer geringen Eizahl 
tief. Die gröfseren Gänse schliefsen sich unmittelbar an die 
Schwäne an. 

Die Brutdauer beträgt, mit Ausnahme von Ch. rossi^ wohl 
bei allen Arten ziemlich genau 4 Wochen, ohne dafs die Gröfse 
des Vogels oder des Eies darauf einen Einflufs hat. Die Kurz- 
brütigkeit der Zwergschneegans, nachgewiesen von B 1 a a u w , 
ist wohl eine Anpassung an den kurzen hochnordischen Sommer. 
Vielleicht erklärt sich auch ihre Kleineiigkeit daraus. 

Schwäne, Cygninae, No. 105—109. 

Das Eigewicht aller Schwäne liegt sehr hoch und ist, von 
den Sturmvögeln abgesehen, überhaupt das höchste, das bei 
Vögeln in dieser Gröfse vorkommt; beträgt es doch beim Schwarzen 
und beim Zwergschwan 6 7o des Körpergewichts. 

Da so gröfse Vögel sonst stets nur ganz wenig Eier legen, 
so ist, da wir es hier meist mit 6 zu tun haben, das Gelege- 
gewicht natürlich ganz erstaunlich hoch und beträgt beim 
Schwarzen Schwan 357o> erreicht also fast die viel reicher mit 
Eiern gesegnete Bhea, 

Alle Schwäne brüten, soweit bekannt, 35 Tage, also so 
lange wie Ehea^ und eine Woche länger als fast alle Gänse, 
wobei mah zu bedenken hat, dafs die Schwarzhalsschwänin nicht 
schwerer, also auch nicht gröfser als die Kanadagans ist. Aller- 
dings verhalten sich ihre Eier wie 210 : 170. (S. auch die Be- 
sprechung des Kranichs.) 

Blectropterinae und Andere. No. 97—104. 

Ich folge bei dieser Gruppe Salvador!, fasse also 
ziemlich ungleichartige, aber sonst im System schwer unterzu- 
bringende Entenvögel zusammen. Leider verfüge ich nur von 
sehr wenigen über Körpergewichte, aber immerhin von recht 
verschieden grofsen Formen. Die Eier der kleineren Arten, der 
Braut- und der Mandarinente, haben etwa die Gröfse derjenigen 
ebensogrofser Tauchenten ; SarcidiorniSy Cairina und Plectropterus 
liegen auf den Kurven tiefer als die sonstigen Anatiden. 

Im Gelege nimmt Aix galericulata eine besonders hervor- 
pgende Stelle ein (s. S. 239). (Beim Abschlufs dieser Arbeit konnte 
ich gerade drei fast frische Mandarinenten-Gelege von je 13 Eiern 
zu je 50—55 g wiegen. Das Ei beträgt also gut Vioi Gelege 
fast Yg des Gewichts der Mutter. Die Kurven sind demnach in 
diesem Sinne zu berichtigen.) Auch Lampronessa sponsa^ Sar- 
cidiornis und Cairina haben auffallend schwere, weil gleichfalls 
aus einer grofsen Zahl von Eiern bestehende Bruten ; Plectropterus 
dagegen liegt weit unterhalb der Gänse- und der Schwanlinie. 

Die Brutdauern sind nur von Braut-, Mandarin- und Moschus- 
enten bekannt. Sie sind für Anatiden geradezu erstaunlich lang, 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 241 

betragen sie doch bei den ersten beiden 30, bei Cairina sogar 
35 Tage, ein Zeitraum, der dem, den die um vieles gröfseren 
Schwäne brauchen, völlig gleichkommt. Die per verhalten sich 
dabei oft wie 1 : 5 (70 g : 350 g). Im Entwicklungsgrade der 
frisch geschlüpften Jungen besteht gegenüber den Kurzbrütern, 
wie z. B. Mareca, kein Unterschied. 

Da wir es bei den drei erwähnten Formen mit reinen 
Höhlenbrütern, die ihre Nester meist recht hoch über der Erde 
anlegen, zu tun haben, so liegt vielleicht hier wieder ein recht 
ursprüngliches Verhalten vor, eine Vorstellung, in der ich durch 
das offenbar sehr hohe Alter mancher dieser Gattungen bestärkt 
werde. Sowohl das Vorkommen der beiden äufserst ähnlichen 
Sarcidiornis-Arten in den Tropen der alten und der neuen Welt 
als auch die tapirartige Verbreitung der unter sich nahe ver- 
wandten Cairina und Asarcornis^ beides reine Waldbewohner, 
die nicht übers Meer fliegen, beweist ihr erdgeschichtlich frühes 
Auftreten. 

Cereopsis steht mit ihrer Eigröfse ziemlich tief (auf 
Blatt 1 mufs sie um 1/2 7o höher stehen, sodafs der Knick nach 
unten wegfällt), ebenso im Gelegegewicht, sie brütet etwas länger 
als die eigentlichen Gänse, nämlich 30 Tage. 

Änseranas rückt mit ihrer Eigröfse genau in die Reihe 
der Gänse, ebenso hinsichtlich des Geleges. Die Brutdauer finde 
ich leider nirgends angegeben. 

Goscoroha , die wegen ihres bunten Küken -Daunen- 
kleides wohl mit Recht von den Schwänen abgerückt wird, unter- 
scheidet sich auch durch ihr verhältnismäfsig kleines Ei von 
ihnen, im Gelege kommt sie allerdings nahe an den Schwarzhals- 
schwan heran. Leider habe ich keine Brutdauer ermitteln können. 

Bei den Anseres^ also Schwänen, Gänsen und Enten im 
weitesten Sinne, sowie Sägern haben wir es wohl nächst den 
Megapodiiden mit den entwickeltsten Nestflüchtern zu tun, die es 
gibt. Die Neugeborenen sind mit dem dichtesten und voll- 
kommensten Dunenkleide begabt und brauchen daher eine Er- 
wärmung durch die Eltern nur in geringem Grade. Aufserdem 
aber werden viele, namentlich die eigentlichen Enten, von den 
Alten nicht gefüttert, ja bei den meisten Formen nicht einmal 
irgendwie zur Nahrungssuche angeleitet und machen gleich 
tauchend und schwimmend von selbst auf Wasserinsekten und 
ähnliches Jagd. Nun sollte man meinen, dafs solch hochent- 
wickelter Nestflüchter eine sehr lange Zeit der Entwicklung im 
Ei durchmachen müsse. Nach dem eben Besprochenen ist das 
jedoch nicht der Fall; selbst die gröfsten Formen brüten nicht 
über 5 Wochen, und bei den kleinen Arten kommen Brutdauern 
von wenig mehr als 3 Wochen vor, ein Zeitraum, der von viel 
kleineren Eulen und Raubvögeln trotz ihrer unentwickelten 
Jungen ganz bedeutend überschritten wird. (Hierzu ein Beispiel: 


242 


0. Heinroth: 


die Eier der Schleiereule, Nr. 329, und der etwa gleichgrofsen 
Knäkente verhalten sich wie 18 : 27, also wie 2 : 3, die Brut- 
dauern aber wie 30 : 23.) Die sehr ausgebildete Nestflüchtigkeit 
läfst ferner auf verhältnismäfsig grofse Eier schliefsen, und das 
entspricht, wie ein Blick auf die Tabellen und die Kurvenblätter 
zeigt, durchaus der Wirklichkeit. Unsere Gruppe legte wohl 
noch gröfsere Eier, wenn sie nicht zugleich eine so hohe Eizahl 
im Gelege hätte, was ja meist verkleinernd auf das einzelne Ei 
wirkt; sind doch die grofsen Gänse und die Schwäne mit Aus- 
nahme der Straufsvögel und von Pfau und Truthahn die für ihre 
Gröfse eireichsten Vogelformen, d. h. also, sie haben und brauchen 
demnach auch die stärkste Vermehrung. Somit liegt der Schlufs 
nahe, dafs auch ihre kurze Brutdauer eine Anpassung an eine 
möglichst gesicherte Fortpflanzung darstellt. Die Stärke der 
Änseres (Lamellirostres) liegt somit in ihrer ausgezeichneten Ver- 
mehrungsweise, die vielfach bei höchst entwickelten Jungen grofse 
Gelege mit kurzer Brutdauer geschaffen hat. Im Gegensatz da- 
zu hatten wir ja z. B. bei den Sturmvögeln gesehen, dafs wir 
eine recht lange Brutdauer, die womöglich noch ein ganz un- 
entwickeltes Junges ergibt, als etwas sehr Ursprüngliches auf- 
zufassen haben. 

Irgend welche neuen Beziehungen zu anderen Vögeln haben 
sich nicht ergeben; die Änseres oder Anafidae erweisen sich in 
der Art ihrer Fortpflanzung als selbständige Gruppe. 

Raubvögel, Falconiformes, No. 110-— 141. 

Ein Blick auf die Blätter 1, la und Ib ergibt, dafs sich 
eine einheitliche Raubvogellinie, die das Verhältnis vom Körper- 
zum relativen Eigewicht darstellt, nicht ziehen läfst. Ich habe 
daher die grofsen Geier einschliefslich des Kondors von den 
anderen getrennt und unter sich vereinigt. Ihre Linie liegt, da 
es sich vielleicht mit Ausnahme vom Kondor (Kondorpaare legen 
und bebrüten in der Gefangenschaft aber stets nur ein Ei) dabei um 
fast immer eineiige Formen handelt, etwas höher als die Adler- 
linie. Diese Geier entsprechen in ihrer relativen Eigröfse durch- 
aus den Kranichen, also Nestflüchtern, und liegen höher als 
Störche, Pelikane und Pinguine. Verfolgen wir die übrigen Raub- 
vögel von den grofsen Formen ausgehend, so sehen wir, dafs 
ihr Eiverhältnis fast genau dem der Storchvögel entspricht, dann 
aber erhebt es sich über deren Linie und trifft erst bei den 
Formen von unter 1200 g wieder damit zusammen. Auch die 
mittelgrofsen und die kleineren Raubvögel mufste ich mit 2 Linien 
bedenken, die tiefere geht von Ärch. lagopus, Ästur palumharius 
und auch von Falco peregrinus über Circus aeruginosus^ C, 
cyaneus^ Acc, nisus, C. tinnunculus und F, aesalon zu C. spar- 
verius, die andere zweigt sich vom Rauhfufsbussard und Hühner- 
habicht über den Mäusebussard und Schwarzen Milan zu Balia- 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 243 

stur girrenerä ab, um auf dem Wege über den Baumfalken 
ebenfalls zum amerikanischen Zwergfalken zu gelangen. Ich 
zweifle nicht, dafs es eine Menge Raubvögel gibt, deren Punkte 
zwischen den beiden hier geschilderten Aesten liegen würden. 

Im allgemeinen sind die Eier der grofsen Raubvögel mittel- 
grofs, nähern sich aber bei den kleineren Arten vielfach denen 
der Alke, Rallen, Regenpfeifer und Möwen und haben also 
namentlich bei den kleinsten eine ganz erstaunliche Gröfse. 
Leider fehlt mir das Gewicht der indisch-malayischen Zwerg- 
falken, Microhierax^ der kleinsten Raubvögel überhaupt, die wohl 
sicher ein relativ geradezu riesiges Ei legen. Ein verhältnis- 
mäfsig sehr grofses Ei hat Circaetus, es entspricht genau dem 
von Helotarsus. Vom Schlangenadler wissen wir, dafs er nur 
ein Ei legt, und daher erklärt sich auch die Gröfse. Heuglin 
fand beim Gaukler zwei Junge im Nest, andere Afrikareisende 
erhielten nur eins, ich möchte daher auch annehmen, dafs Eelo~ 
tarsus höchstens zweieiig ist. Dafs das Ei von Circaetus übrigens 
doch nicht so viel wiegt, wie das Gelege eines gleich grofsen 
mehreiigen Raubvogels, wie z. B. Cath. aura^ lehrt ein Blick 
auf Blatt 2. 

Da die grofsen Raubvögel meist eineiige Gelege haben, so 
liegt ihre Linie auf Blatt 2 natürlich sehr tief und geht noch 
unter die der Pelikane herunter; sie steigt dann wieder bei den 
mehreiigen Adlern, insbesondere den Seeadlern. Eine Trennung, 
ähnlich wie auf Blatt 1, war auch bei der Gelegekurve am Platze, 
auch hier liegen Archibuteo, Milvus, Buteo wieder hoch und höher 
sX^Falco peregrinus undnamentlich alsPcrwis. Ealiastur girrenerä^ 
der auf der Eikurve so sehr hoch lag, ist wegen seiner sehr ge- 
ringen Eizahl an eine recht tiefe Stelle gerückt. Im übrigen er- 
gibt sich, dafs die mittelgrofsen und die kleineren Formen ein 
im Vergleich zu vielen anderen Vögeln recht hohes Gelege- 
gewicht haben. 

Blatt 3 und zum Teil auch 3 a belehren uns, dafs die Raub- 
vögel zu den längstbrütenden Vögeln gehören. Sie werden nur, 
wenn wir gleichgrofse Formten vergleichen, von den Sturmvögeln, 
dem Tölpel, dem Papageitaucher, dem Kagu und einer Eule 
übertroffen und lassen somit — mechanistisch nicht erklärbar — 
alle gleich grofsen Nestflüchter tief unter sich. 

Wir haben es demnach hier mit verhältnismäfsig grofseiigen, 
bei den grofsen Formen mit ein- oder wenigeiigen und mit sehr 
lang brütenden Tieren zu tun, nur die kleineren Arten erzeugen 
gröfsere Gelege. Die jungen Raubvögel kommen, soweit sie mir 
bekannt sind, zwar sehend und nicht so ganz hilflos aus dem Ei, 
entwickeln sich aber bei den gröfseren Arten recht langsam, so- 
dafs das Flüggewerden bei den gröfsten 3 Monate und mehr in 
Anspruch nimmt. Ich möchte die ganze Gruppe in ihrer Fort- 
pflanzungsweise den Sturmvögeln an die Seite stellen : die Raub- 
vögel, namentlich aber die Adler und die Geier, haben wenig 


244 


0. Heinroth; 


oder gar keine Feinde, die Vermehrang ist daher sehr gering, 
und keine Zuchtwahl hat auf Beschleunigung der Keimes- oder 
der Jugendentwicklung hingewirkt, sodafs also hier ebenfalls sehr 
ursprüngliche Zustände vorliegen. (Siehe auch die Besprechung 
des Kranichs). 

Im übrigen lehrt ein Vergleich der relativen Eigewichte der 
grofsen und der kleinen Formen, dafs die letzteren verhältnis- 
mäfsig viel gröfsere Eier legen, trotzdem sie eireichere Gelege 
haben. Dies treffen wir ja bei vielen Gruppen an. 

Steifshühner, Tinamiformes. No. 142—145. 

Sämtliche Steifshühner legen viel gröfsere Eier, als alle 
entsprechend grofsen Hühnervögel, Gallidae^ und kommen in ihrer 
relativen Eigröfse dem Durchschnitt der Enten sehr nahe. Auch 
hier haben die kleineren Formen natürlich wieder verhältnis- 
mäfsig gröfsere Eier als die grofsen, ohne dafs aber ein sehr er- 
hebliches Aufsteigen der Kurve zu bemerken ist; vielleicht würde 
es aber eintreten, wenn ich auch die kleinsten Arten hätte unter- 
suchen können. Entsprechend ihrer aufserdem noch sehr grofsen 
Eizahl hat diese Ordnung auffallend schwere Gelege, die denen 
der meisten Tauchenten nicht nachstehen. 

Die Brutdauer der beiden mir in dieser Hinsicht bekannten 
Arten ist auffallend kurz, beträgt sie doch nur 20—21 Tage, 
nähert sich also der des Haushuhns und seiner nächsten Ver- 
wandten. 

Da wir es hier mit körperlich und geistig wenig leistungs- 
fähigen Bodenbrütern zu tun haben, so müssen diese schwachen 
Seiten durch eine starke Seite, nämlich die ausgezeichnete Fort- 
pflanzungsfähigkeit ausgeglichen werden: viel Eier, kurze Brut- 
dauer und ausgebildete Nestflüchtigkeit bei schneller Entwicklung 
der Jungen sind hier vereinigt, und, wenigstens bei vielen Formen, 
noch damit gepaart, dafs das Weibchen seine Kräfte und seine 
Zeit ausschliefslich auf das Eierlegen, das Männchen auf das 
Brüten und das Führen verwendet, eine sinnreiche Arbeitsteilung, 
die eine grofse Menge von Nachkommenschaft sichert. 

Hühnervögel, Oalliformes. 

Laufhühnchen, Turnices. No. 146. 

Wie die Blätter 1, la und Ib zeigen, legt Turnix Eier, 
die sich in ihrer relativen Gröfse zwanglos in die Hühnerlinie 
zwischen Excdlfactoria und Goturnix einschieben, aber auch denen 
eines gleichschweren Singvogels, etwa einer Drossel, entsprechen. 
Die sehr niedrige Eizahl, die noch nicht an die der chinesischen 
Zwergwachtel herankommt, bringt es mit sich, dafs Turnix auf 


^eziehuDgen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 24S 

Blatt 2 a recht tief unter der Linie der eigentlichen Hühner liegt 
und den kleinen Papageien nahe steht. 

Die Brutdauer von 13 Tagen ist die kürzeste, die hei einem 
Nestflüchter bisher beobachtet ist und entspricht genau der vieler 
gleichgrofser aber auch mancher noch kleinerer Singvögel. Diese 
auffallende Tatsache beweist, dafs es wohl möglich ist, innerhalb 
derselben Zeitdauer, die die doch ebenfalls durch Gefährdung 
ihres Nestes und durch Mehrbrütigkeit auf kurze Brutdauer ge- 
züchteten kleinerenSingvögel zu ihrerKeimesentwicklung brauchen, 
sich auch ein nestflüchtendes Junges entwickeln zu lassen. 
Nun sind zwar die frisch ausgebrüteten, wohl nur gegen 
4 g schweren Laufhühnchen in den ersten Tagen noch überaus 
wärmebedürftig und bekommen ihr Futter noch viele Tage lang 
von dem sie führenden Vater aufgesucht und vorgehalten, aber 
sie sind doch ungleich reifer als selbst eine junge Lerche, die — 
für einen Sperlingsvögel sehr früh — doch immerhin erst nach 
9 Tagen das Nest verläfst. Für die Gruppe lurnix gilt bis zu 
einem gewissen Grade dasselbe wie für die Steifshühner: wir 
haben hier zwar im Gegensatz dazu nur ein sehr eiarmes Gelege, 
aber auch wieder eine sehr kurze Brutdauer und die gleiche, 
sinnreiche Arbeitsteilung in der Erzeugung und Aufzucht von 
Nachkommenschaft, wo das Weibchen nur legt, und das Männchen 
brütet und führt. 

Eigentliche Hühnervögel, Galli. No. 147—185. 

Hinsichtlich ihrer Ver mehr ungs weise verhalten sich die 
Grofsfufshühner, Megapodiidae, die Baumhühner, Cracidae^ und 
die echten Hühner Gallidae {Fhasianinae und Teiraoninae) 
grundverschieden, sie sollen hier also auch getrennt besprochen 
werden. 

Die Megapodiidae, No. 147—148, legen zum Teil mit die 
relativ gröfsten Vogeleier die es gibt, M. eremita übertrifft hierin 
mit 17®/o sogar noch die Sturmvögel. Von einer Gelegezahl 
kann in Anbetracht der eigentümlichen Fortpflanzungsweise dieser 
Tiere wohl nicht gut gesprochen werden. Die riesige GrÖfse des 
Eies hat ihren Grund einerseits darin, dafs jedes einzelne wohl 
sicher in einem gröfseren Zeitabstand vom nächsten hervor- 
gebracht wird, und andrerseits in der grofsen Reife der Jungen, 
die so entwickelt zur Welt kommen, dafs sie sich ohne jede 
Hilfe der Eltern aus der Erde herausarbeiten und ihren Weg 
ganz selbständig gehen können; ja ihre Flügel sind schon bei 
der Geburt völlig gebrauchsfähig. 

Bei der an sich sehr langen Brutdauer von 42 Tagen bei 
Talegalla weifs ich nicht, ob sie auch für die Bebrütung im 
Brutschrank oder unter der Henne und nicht nur im Laubhaufen 
gilt, dessen Inneres wohl wesentlich kühler ist, als die Eigen- 
wärme des Vogels. 


246 


0. Heinrotii: 


Im Gegensatz zu den echten Hühnervögeln haben die 
Cracidae, No. 149—152, ein Gelege, das nur aus 2—3 Eiern be- 
steht, dafür werden aber die Nester auf Bäumen angebracht 
und sind daher gegen Ueberschwemmungen und das Heer der 
Bodenräuber gesichert, sodafs die Erhaltung der Art auch bei 
einer geringen Eizahl gewährleistet wird. Die Eier der Baum- 
hühner sind mit 7 — ll7o gleichfalls verhältnismäfsig grofs und 
zum Teil gröfser als die der Entenvögel. Dagegen steht be- 
greiflicherweise das Gelegegewicht tief, aber immer noch über 
dem gröfsten Teil der Nesthocker. Die mittelgrofsen Cracidaet 
wie Penelope und Notocraco liegen unter der Linie der Gallidae^ 
Ortalis dagegen verhält sich ebenso wie eine entsprechend grofse 
Phasianide. Dasselbe tut das Hokko, das auf Blatt 2 mit Tetrao 
urogallus völlig zusammenfällt. Das heifst also: die beiden 
Eier von Crax wiegen zusammen gerade so viel wie das Gelege 
der gleich schweren Auerhenne , das aus 8 Eiern besteht. Hier 
tritt demnach, allerdings bei zwei verwandtschaftlich und bio- 
logisch nicht sehr nahe stehenden Formen, der Fall ein, dafs die 
Eier genau im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Anzahl kleiner 
werden, was ja sonst nicht immer einzutreffen braucht. (Vergl. 
z. B. Cepphus und die anderen Alken). 

Aus dieser Familie ist mir leider nur vom Hokko die Brutdauer 
bekannt, sie ist ganz wenig länger, als bei Pfau und Truthuhn, aber 
auch selbst ein Tragopan mit einem Ei von nur 50 g braucht zu 
seiner Schlüpfreife fast ebenso lange, wie ein Hokko, das aus 
einem 3 V 2 nial so schweren Ei hervorgeht. Junge Hokkos haben, 
ihrem Baumleben entsprechend, die Fähigkeit, sich fest an Aesten 
anzuklammern, sind aber sonst noch ziemlich hilflos und zeigen 
für Hühnervögel keine besonders starke Entwicklung der Flügel. 
Die Nahrung wird ihnen im Anfang von den Eltern gefangen oder 
gepflückt und dann vorgehalten. 

Bei Betrachtung von Blatt 1 ergibt sich, dafs die grofsen 
echten Hühnervögel, GalUdae, wie Pfau, Truthuhn, Auer- 
huhn, Ohrfasan, aber auch Perlhuhn, Jagdfasan (dieser ist auf 
der Kurve nicht ganz richtig eingetragen, man halte sich daher 
an die Tabelle) und Kebhuhn ganz auffallend kleine Eier legen, 
zum Teil die relativ leichtesten, d. h. kleinsten Eier überhaupt, 
die wir finden, wobei ich noch daran erinnern möchte, dafs die 
Hühner sogar besonders dickschalige Eier haben. Andrerseits 
steigt, von Tetrao urogallus angefangen, eine etwas höher ge- 
legene Linie an, die über den Silber- und den Schopffasan und 
auf Blatt la über Birkhuhn, Doppelspornfrankolin, Stein- und 
Haselhuhn nach links hin verläuft. Man kann wohl annehmen, 
dafs ein grofser Teil der entsprechend schweren, hier nicht unter- 
suchten Hühnervögel zwischen diesen beiden Kurvenzweigen 
liegt. Die kleinsten Hühner (siehe Blatt Ib) lassen sich, von 
Callipepla angefangen, von rechts nach links auch wieder in zwei 
Aeste teilen. Es wird ersichtlich, dafs Colinus und Coturnix; 


i 


Beaiehungen zwischen Vogeige wicht etc. und Brutdauer. 24? 

delegorguei relativ beträchtlich gröfsere Eier legen, als Cot, 
coturnix und Excalfactoria. 

Ist die relative Eigröfse aller GalUdae namentlich im Ver- 
hältnis zu anderen Nestflüchtern recht klein, so wird dies im 
Gelegegewicht durch die grofse Zahl der Eier bei den meisten 
Arten wieder ausgeglichen, wie ein Blick auf die Blätter 2 und 
2 a zeigt. Immerhin liegt aber die Gelegelinie namentlich bei 
einem Vergleich mit der der Anseriformes doch noch recht tief. 
Auch hier habe ich die Kurven wieder in mehrere Zweige zer- 
legt, die im einzelnen zu verfolgen ich dem Leser überlassen 
kann. Besonders auffallend sind die kleinen Formen: bei der 
grofsen Zahl von Eiern, die sie hervorbringen, erreicht das Ge- 
legegewicht ®/4 des Körpergewichts und mehr, ja Coturnix dele- 
gorguei steht mit 130 ®/o wohl mit an der Spitze aller der Vögel, 
die ich daraufhin untersuchen konnte. Excalfactoria^ das kleinste 
Huhn, liegt im Gelegegewicht auffallend tief und nähert sich 
Turnix, wie bereits dort erwähnt wurde. 

Die Brutdauer dieser Familie schwankt zwischen 2 und 
etwa 4 Wochen. Die Betrachtung der Hühnerlinien auf den 
Blättern 3 und 3 a ergibt jedoch, dafs die Schnelligkeit der Keimes- 
entwicklung durchaus nicht immer im geraden Verhältnis zur 
Gröfse der Eier oder der Vögel steht. So brütet das Eebhuhn 
auf seinen Eiern von je 13 g 3 Tage länger als ein 5 fach so 
schweres Haushuhn auf seinen 4 V 2 i^ial gröfseren Eiern, und 
Excalfactoria braucht 17 Tage zur Entwicklung, im Gegensatz 
zu der fast doppelt so grofsen Coturnix delegorguei mit nur 
14 Tagen. Im allgemeinen sehen wir ein gewisses Nebenein- 
anderlaufen der Linien mancher Hühnergruppen und können 
Formen von 28-, von 26-, von 24 tägiger und von noch niedrigerer 
Brutdauer unterscheiden. Beim Haushuhn hat sich die Brutdauer 
gegen.die der Stammform um 2Vi Tage verlängert, beim Hauspfau 
um die gleiche Dauer gegenüber dem vorderindischen Wildpfau, 
wie ich hier im Zoologischen Garten feststellen konnte. Dasselbe 
gilt ja auch von Haus- und von Stockente mit 28 und mit 
25 Vi— 26 Tagen. 

Bei der auffallend langen Brutdauer des Swinhoe-Fasans 
mit 30 Tagen (sehr genaue Angabe von v. Wissel), dessen Ei- 
gewicht nicht von dem des Silber- und des Schwarzrücken-Fasans 
abweicht, die etwa ebenso schwer sind und nur 26 Tage brüten, 
kann man vielleicht daran denken, dafs dieser Formosaner als 
Inselform ungefährdeter ist und sich daher ursprünglicher verhält. 

Bei den GalUdae haben wir es bekanntlich mit sehr gut. 
entwickelten Nestflüchtern zu tün. Die Jungen sind zwar nicht 
mit dem dichten Dunenkleide der Entenvögel ausgestattet und 
auch nicht, wie die meisten von diesen, von Anfang an auf 
eigenen Nahrungserwerb im weitesten Sinne eingerichtet, aber 
ihre Sinnes- und Bewegungswerkzeuge sind doch immerhin recht 


248 


0. Heinroth: 


ausgebildet, sodafs die Küken imstande sind, bald nach dem Aus- 
kommen den Alten zu folgen. Gehudert werden sie viel öfter 
als junge Anatiden, und die Mutter oder auch beide Eltern 
müssen ihnen im Anfang gewöhnlich die Nahrung vorlegen und 
manchmal auch Vorhalten. Aber dafür haben die jungen Hühner 
eine Fähigkeit, die allen andern Vögeln völlig abgeht: sie können 
entweder gleich oder doch wenigstens nach einigen Tagen so viel 
fliegen, dafs sie Bodenfeinden zu entgehen und auf niedrigen 
Aesten zur Nachtruhe aufzubaumen vermögen. Dies gilt nament- 
lich für Pfau und Argus. Bekanntlich wachsen aber auch den 
mehr steppenbewohnenden Arten, wie Perlhuhn und Rebhuhn, 
die Erstlingsschwingen recht bald, und alle sind durch eine sämt- 
lichen Galli und nur diesen allein zukommende, eigenartige Jugend- 
schwingenmauser befähigt, in jedem Zustande des Körpergewichts 
fliegen zu können. 

Ferner haben wir hier eine viel verfolgte Vogelgruppe vor 
uns, ihre Vermehrung mufs also bedeutend sein, wenn sich die 
Arten erhalten sollen. Daraus erklärt sich natürlich die meist 
sehr grofse Eizahl im Gelege; es ist wohl die höchste, die bei 
Vögeln überhaupt vorkommt. Dagegen befremdet die geringe 
Eigröfse dieser entwickelten Nestflüchter. Sie bringt es mit sich, 
dafs die Hühnervögel auf den Blättern 1, la und Ib zum Teil 
so sehr tief, ja noch unter den meisten Nesthockern stehen, 
hatten wir doch gesehen, dafs die fast ebenso viele Eier legenden 
Enten dennoch verhältnismäfsig sehr grofse Eier aufzuweisen haben. 
(Vergleiche das Ei vom Rebhuhn mit etwas über 37o “it dem der 
fast ebenso grofsen kleinsten Ente mit gegen 8% des Körper- 
gewichts.) Die sehr geringe Eigröfse der eireichsten Hühner, 
wie z. B. Ferdix, erklärt sich möglicherweise daraus, dafs eine 
zu beträchtliche bei sehr grofser Eizahl dem guten Bedecktwerden 
des Geleges bei der Bebrütung hinderlich sein könnte, was viel- 
leicht bei den dichten Daunennestern der Enten nicht so in Be- 
tracht kommt. Die Hühnervögel geben geradezu ein Schulbeispiel 
dafür ab, dafs ein hochentwickelter Nestflüchter aus einem viel 
kleineren Ei kommen kann, als man dies für möglich hält, wenn 
man ein gleichgrofses, ebensolange oder sogar viel länger zu 
bebrütendes Nesthocker-Ei dagegen in Betracht zieht. (Vergl. 
z. B. Sonnerats-Huhn und Baumfalk auf Blatt 3 a.) 

Auf zwei Formen möchte ich noch besonders hinweisen. 
Nach vielen von mir im Zoologischen Garten gemachten Fest- 
stellungen legt Folyplecirorif No. 171, immer nur zwei Eier, 
deshalb sind sie mit je 7®/o verhältnismäfsig sehr grofs und ent- 
sprechen etwa denen der allerdings viel eireicheren Enten. 
Andererseits ist die Brutdauer von nur 3 Wochen recht niedrig. 

Wie bereits erwähnt, fällt bei Cot. delegorguei^ No. 179, 
das geradezu ungeheuerliche Gelegegewicht von 130 ®/o, das 
aufser durch die sehr grofse Eizahl dadurch zustande kommt, 
dafs auch das einzelne Ei mit 107o für einen Hühnervögel sehr 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 249 

grofs ist. Noch merkwürdiger ist aber die sehr kurze Brutdauer 
von nur 2 Wochen, die ich nicht für glaubhaft halten würde, 
wenn sie nicht durch ganz einwandfreie Beobachtungen von 
Engel (Gef. W. 1907, S. 2 u. 9) unter einer Haushenne fest- 
gestellt wäre. Es hat den Anschein, als wenn die Brut der 
Harlekinwachtel ganz besonders vielen Schädigungen und Ge- 
fahren ausgesetzt sei, sodafs sich die Art nur durch eine aufs 
höchste entwickelte Fortpflanzungsweise erhalten kann. 

Dafs Excalfactoria^ die durchaus nicht die kleinste nest- 
flüchtende Vogelart darstellt, wohl die winzigsten Nestflüchterchen 
erbrütet, die es gibt, werden wir noch auf Seite 254 am Schlüsse 
der Schnepfenvögel erwähnt finden. 


Kranichvögel, Gruiformes, 

Rallen, Eallidae. No. 186—193. 

Die Rallen zerfallen für uns in zwei Gruppen: erstens 
grofse Formen mit kleinem Gelege (Ocydromus, Porphyrio^ Ara- 
mides) und zweitens solche, die ein eireiches Gelege hervor- 
bringen, wozu unsere heimischen Arten gehören. Die erste 
Gruppe legt, wie ein Blick auf Blatt 1 a zeigt, verhältnismäfsig 
recht grofse Eier, die denen der gröfseren Regenpfeifervögel 
etwa gleich stehen. Die anderen liegen bedeutend tiefer, fallen 
aber noch immerhin zum Teil mit den Schwimmenten in der 
Eigröfse zusammen. Die kleinsten, wie Crex und Eallus. haben 
ihrer geringen Körpergröfse entsprechend dagegen wieder ver- 
hältnismäfsig sehr grofse Eier, wie das ja auch zu erwarten ist. 
Auf dem Gelegeblatt 2 a drehen sich diese Verhältnisse bei den 
wenig- und den vieleiigen Gruppen natürlich um, und wir finden, 
dafs namentlich die kleinen, vieleiigen Rallen Gelege haben, die 
in ihrem Gewicht denen der eireichsten Hühnervögel nahe stehen* 
kommt doch Ort. pormna bis auf 125 7o- 

Die Brutdauern liegen bei den gröfseren Arten mit 4 Wochen 
etwas hoch, dagegen geht die Keimentwicklung der kleineren 
Formen für Nestflüchter ziemlich rasch vor sich und beträgt 
etwa 19— 22Vg Tage, erinnert also an die gewisser Hühnervögel 
und der Schnepfen. Für die Rallen gelten ja wohl etwa die- 
selben Verhältnisse, wie wir sie ausführlicher bei den Hühnern 
besprochen haben. Besonders hoch gesteigert ist die Ver- 
mehrung von Gallinula (und Eallusl)., die wohl im Gegensatz 
zu den meist viel später mit der Fortpflanzung beginnenden 
anderen heimischen Rallen nicht nur ein sondern zwei und 
trotzdem sehr eireiche Gelege im Jahre zeitigt. 


Joum. f. Orn. LXX. Jahrg. April/Juli 1922. 


17 


260 


0. Heinroth: 


Kraniche, Gruidae. No. 194—198. 

Trompetervögel, Fsophia. No. 199. 

Cariama, No. 200. Kagu, Ehinochetus. No. 201. 

Sonnenralle, Eurypyga, 

Auf Blatt 1 habe ich die Linie der Kraniche mit der der 
Trappen vereinigt. Beide Familien haben etwa dieselbe Eigröfse, 
und Gruidae sämtlich, die Otididae wenigstens in den grofsen 
Arten die Zweizahl im Gelege. Für ihre wenigen Eier und für 
Nestflüchter liegt die Linie mit 37o bis allerhöchstens 5 7o recht 
tief, sie sinkt nach links hin zur Zwergtrappe noch ein Stück 
hinunter, wohl weil wir es hier mit einem etwas zahlreicheren 
Gelege zu tun haben. Entsprechend der geringen Eizahl liegt 
die Kranich-Trappenlinie auch auf Blatt 2 nicht allzu hoch. 

Die Brutdauer reicht bei den grofsen Kranichen fast an 
die der Schwäne heran. Dabei ist zu berücksichtigen, dafs 
die des sehr grofsen Grus japonensis mit 33 Tagen durch mehr- 
fache Beobachtungen völlig sicher gestellt ist, während die 
30 Tage des europäischen Kranichs nur auf annähernder An- 
gabe beruhen. Die Jungen sind in den ersten Tagen für Nest- 
flüchter recht unselbständig. Leider fehlen anscheinend sichere 
Beobachtungen über die Brutdauer aller Trappen. 

Besonders lehrreich erscheint mir ein Vergleich von Grus 
grus mit zwei etwa gleichschweren Vögeln aus recht ver- 
schiedenen anderen Gruppen, nämlich mit Oygnus atratus, 
No. 108, und mit Aquila chrysaetus, No. 123. Die Eigröfsen 
verhalten sich wie 4:6:3, die Eizahlen im Gelege wie 2:6:2, 
und die Brutdauern wie 30:35: 44. Die Eier und die Jungen 
des bodenbrütenden Kranichs und Schwans sind natürlich mehr 
gefährdet, als die des hochhorstenden Adlers, dessen Keimling 
sich deshalb eine überaus langsame Entwicklung leisten kann 
oder, besser gesagt, sie von alters her beibehalten konnte. 
Trotz seiner langen Eizeit ist der frisch geschlüpfte Adler, da 
er ja wie alle Vögel */s des frischen Eies wiegt, natürlich auch 
nur halb so schwer wie das neugeborene Kind des Schwarzen 
Schwans, was hier aber nicht schädigend in’s Gewicht fällt; denn 
der hilflose Nesthocker kann seine ganze, 11 Wochen be- 
anspruchende Jugendentwicklung (Ma cp h er son, The home 
life of a golden eagle) ungestört im sicheren Horste durch- 
machen. Wohl wegen seines entwickelteren Nestflüchtertums 
hat der Schwan eine etwas längere Brutdauer und ein etwas 
gröfseres Ei als der Kranich; hierbei konnte selbst die 3 mal 
gröfsere Anzahl von Eiern im Gelege nicht verkleinernd auf das 
einzelne Ei einwirken. In der Zusammenfassung von starker 
Vermehrung, rascher Keimesentwicklung und gröfster Selb- 


251 


BeziehuDgeü zwischen Yogelge wicht etc. und Brutdauer. 

ständigkeit der Jungen haben wir im Gegensatz zum Adler beim 
Schwan geradezu eine Glanzleistung der Fortpflanzung vor uns. 

Die folgenden kleinen, den Kranichen möglicherweise nur 
vielleicht benachbarten Familien mit im wesentlichen nur je 
einer Art interessieren uns besonders deshalb, weil durch ihre 
Eigewichte oder ihre Brutdauern Anhaltspunkte für die syste- 
matische Stellung dieser >Vögel zu gewinnen sein könnten. 

FsopMa pafst auf Blatt 1 genau in die Kranich-Trappen- 
linie hinein, Cariama liegt dagegen bedeutend tiefer und ent- 
spricht in ihrer Eigröfse den Reihern. Ehinochetus legt ein 
auffallend grofses Ei, das dem der Möven gleichkommt. Die Ei- 
zahl im Gelege des Trompetervogels wird mit 2 angegeben, 
.scheint mir aber nicht sehr sicher zu sein. Er würde dann auf 
dem Gelegeblatt No. 2 sehr tief zu stehen kommen, ebenso 
wie Cariama^ die wohl kaum mehr als 2 Eier in einer Brut 
hervorbringt. Der Kagu, dessen Eizahl wohl 1 und nur in Aus- 
nahmefällen 2 beträgt, liegt im Gelegegewicht auch recht tief. 
(Auf den Blättern 2 und 2 a ist er versehentlich mit 33 7o 
Ehinochetus T'" aufserdem noch angegeben.) 

Die Brutdauer von Fsophia ist mir völlig unbekannt, Cariama 
brütet nach eigener, sehr genauer Beobachtung 25—26 Tage. 
Ihr Junges ist in der ersten Zeit ein ausgesprochener Nesthocker, 
der einem jungen Reiher sehr ähnlich sieht, verläM aber mit 
12 Tagen das mehrere Meter über dem Boden stehende Nest 
und läuft umher. Die Flugfähigkeif tritt erst nach etwa 8 Wochen 
ein, bereits vorher aber klettert der junge Vogel recht geschickt 
an rauhen Baumstämmen in die Höhe und übernachtet auf einem 
dicken Ast. Für ihren so unvollkommen entwickelt geborenen 
Spröfsling brütet Cariama also ziemlich lange und verhält sich 
in absoluter Körpergröfse, relativer Eigröfse und Brutdauer dem 
Fischreiher sehr ähnlich. Nach den Angaben von Finkh ist die 
Brutdauer des Kagus 36 Tage, nicht 34, wie auf Blatt 3 zunächst 
irrtümlich angegeben wurde, also auch unverhältnismäfsig lange 
für ein Junges, das auch anscheinend in der ersten Zeit ein 
Nesthocker ist; leider habe ich nie Gelegenheit gehabt, ein solches 
Tier beobachten zu können. Mir scheint, dafs wir bei der Cariama 
und auch beim Kagu einen sehr ursprünglichen Zustand 
vor uns haben, der sich darin geltend macht, dafs sie weder bis zur 
Befiederung Nesthocker noch von Anfang an Nestflüchter sind. 
Vielleicht haben wir. uns die Jugendentwicklung der ersten Vögel 
etwa so vorzustellen, wie wir sie heute noch bei Cariama sehen. 
Die geringe Anzahl der Eier im Gelege und die namentlich bei 
Ehinochetus recht lange Brutdauer deuten auch darauf hin, dafs 
diese Arten keine durch widrige äufsere Umstände beeinflufste 
und besonders abgeänderte Fortpflanzungsweise erlangt haben. 

Von der Sonnenralle, Eurypyga^ fehlt mir leider das Körper- 
gewicht, das Eigewicht beträgt 27 g. Die Brutdauer wird von 

17 * 


252 


Ö. Öeinrott: 


Bartlett mit 27 Tagen angegeben und das Junge als Nest- 
flüchter geschildert. Für die Kleinheit des Eies kann die Brut- 
dauer als lang gelten. 


Trappen, Otididae. No. 202—205. 
Siehe Kraniche. 


Regenpfeifervögel, Charadriiformes. 
Schnepfenartige, Limicolae. No. 206—236. 


Da mir aus dieser Unterordnung verhältnismäfsig viele | 
Formen zu Gebote stehen, so habe ich bei den Kurvenblättern | 
die Gruppen C/Äamdmwae: die eigentlichen Regenpfeifer ; Totanm: | 
die Wasserläuferartigen mit Einschlufs von Brachvogel und Pfuhl- I 
Schnepfe; Scolopacinae: die Schnepfen; und Tringa: die Strand- | 
läufer zum Teil getrennt aufgeführt. | 

Im allgemeinen ergibt sich, dafs alle die hier in Rede | 
stehenden Formen relativ sehr grofse Eier haben, nächst den | 
Sturmvögeln gleicher Schwere die gröfsten, die wir überhaupt f 
kennen. Die Blätter la und Ib führen uns das am besten vor | 
Augen und zeigen, dafs der kleinste Strandläufer, Limonites r 
minutilla mit 20 g ein Ei von 28®/o» der gröfsere Flufsuferiäufer, 
TringoideSy sogar ein solches von 29 7o seines Körpergewichts | 
legt. Nächst der eineiigen ßterna anaestheta^ No. 252, die es |' 
bis auf 34 7o bringt, treffen wir also hier die höchsten relativen S 
Eigewichte; allerdings handelt es sich dabei auch um recht ? 
kleine Vögel und eine geringe Eizahl im Gelege. Die grofsen 
Arten erzeugen natürlich verhältnismäfsig kleinere, aber doch | 
auch immer noch recht stattliche Eier, namentlich Squaiar6la\ 
und Limosa. Hiergegen bleiben Vanellus sowie Chaetusia weitJJ 
zurück, und Favoncella (Machetes), vor allen Dingen aber Eudr, 
morinellus befremden geradezu durch die Kleinheit ihrer Eier. 
Auch Phalaropus hat ein auffallend kleines Ei mit nur 17 7o desf; 
Körpergewichts (40 g : 7 g). Er ist auf den Kurven falsch ein- 
gezeichnet (25 g : 7 g). Im einzelnen sei auf die Blätter la und|| 
Ib verwiesen. (Calidris arenaria ist auf den Kurven durchweg U 
viel zu hoch eingetragen, da das im Berliner Museum befindliche I' 
Ei offenbar unrichtig bestimmt ist.) |j 

Da fast sämtliche Regenpfeifer- und Schnepfenvögel 4 Eierfe 
legen, so bleibt der Verlauf der Gelegekurven der verschiedenen f j 
Gruppen untereinander derselbe, wie der der Eikurven. Einel^ 
Betrachtung namentlich von Blatt 2 a ergibt, dafs sie alle trotz|* 
ihrer verhältnismäfsig niedrigen Eizahl im Vergleich zu anderen!* 
Vögeln immer noch recht hoch stehen und es zum Teil sogar 
noch fast niit den vieleiigen kleinen Hühnern und Rallen auf-|| 
nehmen; bringt doch Tr. hypoleucus mit seinen 4 Eiern ein Ge-|| 
lege zur Welt, das Vs seines eigenen Gewichts beträgt. Die|| 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 258 

Vermutung liegt nahe, in dem riesigen Ei- und auch Gelegege- 
wicht den Grund dafür zu suchen, dafs hier meist die Weibchen 
gröfser als ihre Männchen sind, wie wir das ja in gleicher Weise 
auch hei Insekten und vielen Fischen finden. Allerdings stimmt das 
nach Harter t anscheinend im Tringa maculata, acuminata \md 
subruficollis gar nicht, bei Arquatella maritima sind die Ge- 
schlechter oft gleich, und in anderen Vogelgruppen mit ebenfalls 
sehr grofsen Eiern, z. B. bei Sterna minuta^ sind die Weibchen 
nicht gröfser, bei solchen mit noch schwereren Gelegen, z. B. bei 
Clangula und Aix^ viel kleiner als die Männchen. 

Eaematopus mit 3 und öedicnemus mit 2 Eiern liegen auf 
den Gelegekurven, Blatt 2 und 2 a, natürlich recht tief, zumal 
sie trotz ihrer wenigen Eier auch nicht etwa gröfsere legen als 
die benachbarten viereiigen Formen. Besonders auffallend ist 
es, dafs der australische Triel bei fast doppeltem Körpergewicht 
kaum schwerere Eier hat als Oed, öedicnemus. In der Kurve 
auf Blatt 1 a pafst er genau in die Verlängerung von Oed. oed. 
und Eaematopus nach rechts. 

Von Brutdauern ist bei dieser Gruppe recht wenig bekannt. 
Merkwürdig kurz brütet mit 23 V2 Tagen Eaematopus. Das etwas 
kleinere Ei des europäischen Triels braucht 26 Tage zur Zeitigung 
und nur V2 Tag länger als das des Kiebitzes, der mit seiner 
25 V2 tägigen Brutdauer und einem Körpergewicht von etwa V4 kg 
also eine viel längere Keimentwicklung durchmacht, als beispiels- 
weise ein 6 mal schwereres Haushuhn bei über doppelter Eigröfse 
mit einer Brutdauer von nur 20 V2 Tagen. Auch die kleinen 
Formen brüten ziemlich lange, so Tringoides^ Tr. alpina^ Char. 
hiaticula 22 und 22 Y2 Tage. Dagegen braucht EJialaropus für 
seine relativ kleinen Eier angeblich nur 16 Tage. Die eigent- 
lichen Schnepfen haben die verhältnismäfsig kürzeste Brutdauer 
dieser Gruppe: Bekassine 19 72» Waldschnepfe 20 Tage. Viel- 
leicht hat diese Kürze ihren Grund darin, dafs sie im Gegensatz 
zu den meist viel später im Jahre zur Fortpflanzung schreitenden 
Verwandten 2 Bruten machen. Die längste bekannte Brutdauer 
hat, wohl seiner Gröfse entsprechend, Eum. arquatus mit an- 
nähernd 30 Tagen. Eine merkwürdige Unstimmigkeit herrscht 
über die Brutdauer von Char. pluvialis. Evans hat sie bei 
künstlicher Bebrütung mit 27 Tagen festgestellt. Hantzsch be- 
obachtete in Island am Nest 21, allerdings hatte er die einzelnen 
Eier sich nicht gekennzeichnet, deshalb halte ich die Angabe 
von Evans für sicherer. {Machetes mit 21 und Limosa mit 
24 Tagen sind auf Blatt 3a nachträglich eingefügt worden. Sie 
liegen tiefer, als die Linie Tringoides — Totanus — Eumenius.) 

Bei einem Ueberblick über die hier betrachteten Formen 
finden wir zunächst eine sehr geringe, aber recht feststehende Ei- 
zahl, die uns wohl die zum Teil unverhältnismäfsige Gröfse der 
einzelnen Eier erklärt. Man kann nicht gerade behaupten, dafs 


254 


0. Heinroth: 


die frisch geschlüpften Regenpfeifer und Schnepfen so ganz be- 
sonders weit entwickelte Nestflüchter sind. Sie suchen zwar 
meist gleich selbst Futter, bedürfen aber noch recht der Wärme 
spendenden Eltern und sind künstlich ohne gute Wärmevorrich- 
tungen nicht aufzuziehen. Der Gröfse der Eier entspricht die im 
allgemeinen beträchtliche Länge der Brutdauer, ohne dafs dabei 
aber so besonders hohe Zahlen Vorkommen, wie wir sie bei ge- 
wissen, sehr wenig gefährdeten Vogelformen Anden. Die ganze 
Gruppe ist nicht in dem Maafse Beutetier wie z. B. die meisten 
Hühner, denn sie ist durch ihre meist ausgezeichnete Flugfähig- 
keit vor räuberischen Nachstellungen ziemlich geschützt. Sie 
kommt also mit einer geringen Eizahl aus, und auch die Brut- 
dauer erscheint nicht durch eine von widrigen Umständen und 
Feinden ausgeübte Zuchtwahl besonders stark abgekürzt, eher geht 
hier alles auf eine recht rasche Entwicklung des Fernflugver- 
mögens, das bei den kleinen Formen schon mit 3 Wochen er- 
langt wird, hinaus. Einen stichhaltigen Grund für die geradezu 
ungeheuerliche relative Eigröfse der ganz kleinen Arten vermag 
ich nicht zu finden, sieht man doch, dafs ebenso entwickelt zur 
Welt kommende Junge anderer Nestflüchter gleicher Gröfse mit 
einem viel kleineren Ei auskommen. Ueber das rasche Nachlegen 
und die sehr verschiedene Gröfse der Eier eines ersten und eines 
Ersatzgeleges \)e\Limosa s. Tabelle und die späteren Betrachtungen. 

In der Gruppe der Schnepfenvögel finden wir die kleinste 
nest flüchtende Vogelart in Gestalt von Limonites minu^ 
Ulla, etwa im Gewicht von 20 g (wie z. B. Sylvia atricapilla). 
Ihre Jungen, die beim Schlüpfen ungefähr 4 g sc Wer sein dürften, 
sind aber durchaus nicht die kleinsten Nestflüchter; diese treffen 
wir vielmehr bei der Chinesischen Zwergwachtel, JExcalfactoria, 
mit nur etwa 3 g, während der alte Vogel ungefähr 45 g 
wiegt, an. 

Leider konnte ich den Reiherläufer, Dromas ardeola, 
nicht in die Tabellen und Kurven aufnehmen, da mir sein Ge- 
wicht unbekannt ist. Das Ei ist etwa 70 g schwer, also so wie - 
das von Hausente oder Truthuhn. Wenn wir den Vogel auf 
250—300 g schätzen, so ergäbe das eine relative Eigröfse von 
25 7oi also von Va des Körpergewichts. Wegen ihres riesigen, 
einzigen, einfarbig weifsen Eies, das noch dazu in einer Höhle 
erbrütet wird, rückt diese, nur eine Art enthaltende Unterfamilie 
(Dromadinae) weit von allen andern Limicolae ab. Die genaue , 
Feststellung der relativen Eigröfse, des Dottergewichts und der ^ 
Brutdauer, sowie wirklich gute Beobachtungen über die bisher 
als uneigentliche Nesthocker beschriebenen Jungen sind dringend ;i 
nötig. Es dürfte nicht allzu schwer sein, Eier, z, B. in Indien, I 
von Haushühnern erbrüten za lassen und die Jungen dann auf- ^ 
zuziehen. Der Pfleger mufs dann aber, — und daran mangelt j 
es gewöhnlich — nicht nur darauf achten, welche Eigenschaften 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 266 

die Jungvögel haben, sondern auch herausfinden, welche bei 
andern Vögeln vorkommenden ihnen fehlen. 

Scheidenschnäbel, Ghionididae. No. 237. 

Von dieser Gruppe war mir nur Ch. minor zugänglich. Sie 
legt mit 10 7o etwas kleinere Eier als gleichgrofse Möwen und 
weicht nur wenig von der Linie der gröfseren Regenpfeifer 
(Haematopus, Oedicnemus) ab. Auch im Gelegegewicht stimmt 
sie bei ihrer geringen Eizahl mit den erwähnten Formen über- 
ein. Eine Angabe über die Brutdauer kann ich nicht finden. 

Sandläufer, Thinocorythidae, No. 238. 

Das relative Eigewicht von Th. orhignyanus beträgt 10 7o, 
ist also für einen Vogel von 135 g nicht allzu hoch; zufälliger- 
weise entspricht es dem der grofsen Raken. Jedenfalls steht es 
tief unter der Regenpfeifer-Linie und liegt zwischen den Rallen 
und den kleinen Hühnervögeln etwa in der^Mitte. Die Eizahi des 
Geleges und die Brutdauer kenne ich nicht. 

Blätterhühnchen, Parridae. No. 239. 

Jacana liegt mit ihrem Eigewicht recht tief, noch unterhalb 
der Hühnervögel, so dafs nur noch Nesthocker unter ihrem Punkt 
auf den Blättern la und Ib zu finden sind und dieser mit einer 
Papageilinie zusammenfällt. Dies ist umso merkwürdiger, als das 
Gelege offenbar regelmäfsig nur aus vier Eiern besteht, wodurch 
die Jassana auf Blatt 2 a sogar noch unter die Papageien herunter- 
rückt. üeber die Brutdauer habe ich nichts, von der Entwick- 
lungsstufe der neugeborenen Jungen dieser vereinzelt dastehenden 
Familie nur so viel in Erfahrung bringen können, dafs sie, im 
Gegensätze zu allen in ihre Nähe gestellten Vögeln, angeblich 
Nesthocker sein sollen: dann wäre auch die Kleinheit der Eier 
verständlich. In Brehms Tierleben, 4. Aufl., finden wir dagegen 
die Behauptung, dafs „die Jungen bald nach dem Ausschlüpfen der 
Mutter folgen“. Stünde das Wort „Mutter“ nicht da, so erschiene 
die ganze Angabe glaubhafter: wer kann denn diese gleichge- 
färbten Geschlechter sicher unterscheiden? 

Von den altweltlichen Arten ist mir leider nichts bekannt. 

Möwen, Lari. No. 240—252. 

Für unsere Zwecke erscheint eine Sonderung in Raub- . 
möwen, Btercorariinae^ in eigentliche Möwen, Larinae, und in 
Seeschwalben Sterninae, zweckmäfsig. 

Die Raubmöwen, No. 240 und 241, haben eine im 
Vergleich zu den arideren Formen sehr geringe Eigröfse und 
legen meist nur 2 Eier. Ich habe den beiden von mir unter- 


256 


0. Heinroth 


suchten Arten daher eine besondere Linie zugeteilt, die sich hei 
dem Eiverhältnis zwischen 7 und 10% bewegt und wesentlich 
tiefer liegt, als die der gleichgrofsen Larus-Avten. Natürlich 
wird auf den Blättern für die Gelege, No. 2 und 2 a, dieser 
Tiefstand noch ausgeprägter und zwar eben wegen der niedrigen 
Zahl von meist nur 2 Eiern. Sichere Angaben über Brutdauern 
liegen leider nicht vor. 

Die eigentlichen Möwen, No. 242—248, die in 
der Gröfse von 125 g bis 1 V 2 schwanken, haben regelmäfsig 
sehr grofse Eier, die es im Gewicht fast mit denen gewisser 
Tauchenten, mancher Alke und der Baumhühner aufnehmen 
können und auch meist noch über den Eiern der Regenpfeifer 
und der Schnepfenvögel stehen. Das relative Eigewicht liegt 
hier je nach der Gröfse der Arten zwischen 7 und 
Merkwürdigerweise hat L. minutus ein verhältnismäfsig nicht 
gröfseres Ei als die doppelt so schwere Lachmöwe. 

Von den Seeschwalben, No. 249—252, hat die gröfste 
von mir untersuchte Form, St. hirundo^ die etwas schwerer ist 
als die Zwergmöwe, ein verhältnismäfsig kleineres Ei als diese, 
sodafs L. minutus mit ihrem Eigewicht sich zwanglos in die 
Sterna-Linie, nicht aber in die Larus-Linie, einfügt. 

Die kleineren Seeschwalben haben sehr grofse Eier, die 
mehreiigen bis zu 25®/o5 die eineiige St. anaestheta, ein Vogel 
von etwa gegen 100 g, bringt es sogar auf ein Ei, das 34®/o 
ihres Körpergewichts ausmacht. Dies ist wohl die höchste 
Leistung, die ein Vogel überhaupt vollbringt. 

Da die eigentlichen Möwen fast immer ein Gelege 
von drei Eiern aufweisen, so verläuft ihre Gelegekurve in sich 
ebenso wie die des Eiverhältnisses, nur liegt sie im Vergleich 
zu andern Vögeln tiefer, da ja die meisten andern gleich grofsen 
Formen eireichere Gelege haben. Die Linie zieht sich etwa 
zwischen der mancher Hühner und unterhalb der Schnepfen- und 
regenpfeiferartigen Verwandten hin. 

Die Seeschwalben, deren Eizahl im Gelege nur 2—3 
beträgt, sind auf den Blättern 2 und 2 a natürlich noch etwas 
weiter nach unten gerückt, sodafs wir sie zwischen den Sing- 
vögeln und in der Nähe der Spechte antreffen. St. anaestheta 
hat mit ihrem einen Ei dasselbe Gelegegewicht wie eine gleich- 
grofse Drossel mit einer Eizahl von fünf. 

Die grofsen Möwen haben eine Brutdauer von 26—27 
Tagen, sie ist für die Arten bis zur Gröfse von Bissa abwärts 
ziemlich gleich. Die Lachmöwe brütet nur 24, St. hirundo 22, 
St. minuta 21 V 2 Tage. Leider gibt es gar keine Angaben über 
ausländische Formen, vor allen Dingen auch nicht über die ein- 
eiigen. 

Betrachten wir die Möwengruppe im ganzen, so finden 
wir manche Uebereinstimmungen mit den verwandten Limicolae. 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 257 

Wir können sagen, dafs das relative Eigewicht der Laridae 
häufig fast um so viel höher als das der Schnepfenvögel liegt, 
als der Unterschied der Eizahl im Gelege von 4 : 3 beträgt. 
Ebenso ist natürlich die riesige Gröfse des Eies von 8t. anae- 
stheta auf ihre Eineiigkeit zurückzuführen. Auch die Brutdauern 
liegen etwa in der Nähe derjenigen gleich grofser Limicolen, z. B. : Ei 
von Sterna hirundo und Totanus calidris je etwa 20 g, Brut- 
dauer der beiden 22 Yg Tage. Oder sie sind um ein weniges 
kürzer (vergl. I^umenius arquatus 29 Va Larus 26 Tage), 
denn die Jungen Lariden sind zwar auch Nestflüchter, aber doch 
etwas weniger vollkommene als die Kinder der gleich grofsen 
Schnepfenvögel. Ausnahmen gibt es freilich auch hier, denn 
Scolopax und Gallinago brüten kürzer (20 Tage) als alle, selbst 
die kleinsten Seeschwalben (21 Ya Tage), allerdings sind letztere 
ein-, erstere mehrbrütig. 

Das Wort Nestflüchter ist hier cum grano salis zu ver- 
stehen. Namentlich die Seeschwalben sind ja auch im Alter 
sehr schlecht zu Fufs, daher ,, flüchten ihre Jungen nicht gleich 
aus dem Nest“. Ihrem sonstigen Benehmen nach sind junge 
Lariden aber recht weit entwickelt, wie ich mich bei der Auf- 
zucht aus dem Ei an Silber-, Sturm- und Lachmöwe sowie an 
Zwerg', Trauer- und Flufsseeschwalbe überzeugen konnte. 

Vom Standpunkte der Zweckmäfsigkeit aus betrachtet er- 
scheint es wunderlich, dafs die Möwen Nestflüchter sind im 
Gegensatz zu den in ihrer sonstigen Lebensweise ähnlichen 
Sturmvögeln, denn das Nestflüchtertum hat doch nur dann 
einen Sinn, wenn die Jungen den Eltern zu folgen oder ihre 
Nahrung gleich oder bald selbst zu finden vermögen. Das ist 
bei den Möwen natürlich unmöglich, denn die Alten müssen 
das Futter für ihre Spröfslinge von weit her holen, wie das sonst 
bei den Nesthockergruppen der Fall ist. Man denke dabei an 
Bissa, bei der die Jungen ja wochenlang auf dem nur wenige 
Handflächen grofsen Nest aut einem kleinen Felsvorsprung herum- 
trippeln müssen bis sie flugfähig werden, oder an Gygis can- 
dida^ deren Kind anscheinend oft genug vom Baumast herunter- 
fällt und verunglückt. Aber die Laridae mufsten nun einmal 
die Art ihrer Jugendentwicklung von den Limicolae und ihren 
Vorfahren übernehmen, worauf ja auch die Aehnlichkeit, Anzahl 
und Gröfse ihrer Eier sowie die Brutdauern hinweisen. 

Flügeltaucher, Alcidae. No. 253—259. 

Bekanntlich legen die Alke und die Lummen sehr gröfse . 
Eier. Manch einer neigt deshalb dazu, diese mit für die ver- 
hältnismäfsig gröfsten Vogeleier anzusehen, insbesondere schon 
deshalb, weil die meisten Formen jährlich nur ein einziges Ei 
legen. Ein Blick auf die Blätter 1 und la zeigt uns jedoch, 
dafs diese Gruppe im relativen Eigewicht von gleich schweren 


258 


0. Heinroth: 


Grofsfufshühnern, Möwen, Baumhühnern und einigen Limicolen 
ühertroffen wird. 

Die gröfseren Arten haben ein Ei von etwa 10®/o» die 
kleineren bis 18®/o» jedoch verläuft die Linie nicht gleichmäfsig 
und zwar deshalb nicht, weil die beiden Fraterciäa-kviQTi es 
nur zu einem Ei von 9% bringen, sodafs hier die Kurve also 
von den gröfseren Formen nach links hin etwas absteigt, um 
dann allmählich wieder in die Höhe zu gehen. 

Im Gelegegewicht steht diese Familie im Vergleich zu den 
anderen, mehreiigen Vögeln natürlich ziemlich tief, die gröfseren 
lassen nur noch die Papageien und die Tauben unter sich. 
Eine Ausnahme in der Gelegezahl macht bekanntlich die Gat- 
tung Cepphus, weil sie zweieiig ist. Hier ergibt sich nun die 
merkwürdige Tatsache, dafs die relative Gröfse des einzelnen 
Eies von 1272^0 der nahestehenden eineiigen Arten von 
9— 107ö noch etwas übertrifft, sodafs also das Gelegeverhältnis 
nicht, wie bei den übrigen, etwa lO^/o sondern 25®/o beträgt. 
Die Gröfse des einzelnen Eies wird hier also nicht 
durch die Eizahl des Geleges beeinflufst, wie wir 
das im Gegensatz dazu bei anderen Vogelgruppen ja bisher 
schon öfter gesehen haben. 

Die Brutdauern sind recht lang. Auffallenderweise brütet 
die kleine Fratercula auf ihrem Ei von 60 g 36 Tage, während 
Alca torda auf seinem 90 g-Ei nur 30, und üria auf ihrem 
100 g-Ei 31 V 2 Tage zu sitzen haben. 

Brutfähige Alciden-Eier waren mir bisher unerreichbar, 
ebenso ganz kleine Junge, ich kann mir daher über das Nest- 
hockertum dieser Gruppe keine Vorstellung machen. Vielleicht 
verhält es sich hier ähnlich wie bei den Möwen, und sie sind 
eigentlich Nestflüchter, aber nur vorläufig nicht im stände, die 
Lebensweise der Eltern zu führen. Die Eidottergröfse von 37 7o 
(siehe später) spricht dafür. Allerdings haben sie während ihrer 
Jugendentwicklung ein erstes und ein zweites Dunenkleid, was 
ja sonst anscheinend bei Nestflüchtern nicht vorkommt. Nach 
Bälgen zu urteilen, haben kleine Älcidae in Farbe und Art der 
Bedaunung eine gewisse Aehnlichkeit mit manchen jungen 
Frocellariiformes und Golymbi, 

Für diese Gruppe gilt wohl auch das bei den Sturmvögeln 
und den Raubvögeln Gesagte. Sie sind durch ihre Lebensweise 
vor Nachstellungen ziemlich geschützt, daher genügt zur Er- 
haltung der Art ein einziges Ei im Jahre. Dies kann ungestört 
lange bebrütet werden und ergibt dann ein Junges, dessen Pflege 
auf der einsamen Felseninsel nicht von aufsen bedroht ist. 
Vielleicht können wir die übermäfsig lange Brutdauer des Papagei- 
tauchers damit in Verbindung bringen, dafs er aufserdem noch in 
tiefen Höhlen sein Nest anlegt, also noch geschützter ist, als 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 259 

seine frei an den Hängen brütenden Verwandten, deren Eier 
und Junge doch ab und zu durch Absturz verunglücken. 

Flughühner, Pterocles. No. 260 und 261. 

Diese kleine, von den Systematikern an den verschiedensten 
Stellen untergebrachte Vogelgruppe legt bekanntlich nur 2—3 
eigentümlich gefärbte und geformte Eier, die nicht eben grofs 
zu nennen sind und, wie ein Bück auf Blatt 1 a lehrt, in ihrer 
relativen Gröfse zwischen denen mancher tropischer Singvögel 
und mancher Papageien die Mitte halten. Auch im Gelege- 
gewicht stehen diese Vögel im Vergleich mit anderen ebenso 
grofsen natürlich tief und gliedern sich an manche Nesthocker, 
wie die Spechte und einige tropische Singvögel, an. Die Brut- 
dauer ist mir nur von Syrrhaptes mit angeblich 28 Tagen be- 
kannt, sie liegt also für ein Ei von 20 g sehr hoch und ent- 
spricht der gleich grofser Raubvögel, Eulen und Papageien, also der 
langbrütendsten Nesthocker, während gleich groise Nestflüchter 
wesentlich kürzer brüten. 

Die Flughühner sind offenbar Nestflüchter. Die Art, wie 
die Jungen ihre Nahrung erwerben oder gefüttert und nament- 
lich getränkt werden, kenne ich nicht. Vielleicht sind sie bis 
zum Eintritt der Flugfähigkeit Kerbtierfresser und haben des- 
halb noch nicht das Wasserbedürfnis der Alten. Auffallend 
bleiben jedenfalls die geringe Vermehrung und die Länge der 
Brutdauer: beides spricht dafür, dafs wir es mit einer wenig 
verfolgten Vogelgruppe zu tun haben. Die Oede ihres Auf- 
enthalts und ihre fabelhafte Flugfähigkeit entziehen sie wohl 
den meisten Feinden, und auch den Eiern scheint wenig nach- 
gestellt zu werden. Ob sie mehrere Bruten im Jahre machen, 
weifs ich nicht. Zur Erklärung der Kleinheit der Eier können, 
da es sich hier um Vögel mit sehr mächtigen Brustmuskeln 
handelt, vielleicht die in der Schlufsbetrachtung aufgestellten 
Gesichtspunkte mit herangezogen werden. 

Taubenvögel, Columbae. No. 261—283. 

Die Tauben gehören zu den kleinsteiigen Vögeln, die es 
gibt. Da sie sämtlich nicht mehr als zwei Eier im Gelege haben, 
so finden wir sie auf den Blättern für das Ei- wie für das Ge- 
legeverhältnis sehr tief unten. Auch ihre kleinsten Arten mit 
50 und 35 g zeigen keinen sehr beträchtlichen Anstieg und 
bringen es nur auf ein Ei von 6 7s7o ihres Körpergewichts. Im. 
allgemeinen verläuft die Taubeneikurve ziemlich gerade, nur die 
Formen biegen stark nach oben ab, die nur ein einziges Ei legen 
{Ftilopus^ Carpophaga, Columba trocaz). Dieses Ei wiegt nun nicht 
etwa so viel wie die Summe der beiden Eier gleich grofser anderer 
Tauben. Daher kommt es, dafs auf den Gelegekurvenblättern 2 


260 


0. Heinroth; 


und 2 a diese Gruppe am tiefsten von allen ebenso schweren 
Vögeln liegt: sie bringt es im Gelege nur auf 6—8 7o- Auch 
Goura^ deren Eizahl mit 2 angegeben wird, steht mit 2Y27o 
tiefster Stelle, denn ihre beiden Eier wiegen zusammen fast nur 
Y 2 von dem einzigen des gleichschweren Circaetus. 

Die Brutdauern der mir näher bekannten Formen schwanken 
zwischen 14 und 17 Tagen, wobei jedoch nicht allein die Gröfse 
mafsgebend zu sein scheint. So brütet C. livia 17, während 
C. oenas 16 und G.palumhus nur 15 V 2 Tage zur Zeitigung ihrer 
Eier nötig haben. Der gefährdetere Offenbrüter mufs sein Brut- 
geschäft also mehr beschleunigen, als der geschütztere Höhlen- 
brüter. Turteltaube und Diamanttäubchen erinnern in ihrer Brut- 
dauer von 14 Tagen an viele Singvögel. 

Ich habe die Brutdauern von Caloenas und Goura mit 
28 Tagen auf den Blättern 3 und 3 a eingezeichnet, wir finden 
daher die Taubenlinie bis in die der Raubvögel, Hühnervögel, grofsen 
Rallen und Eulen hineinragen; jedenfalls sind aber Nachprüfungen 
der Angaben über eine so merkwürdig lange Keimesentwicklung 
sehr erwünscht. Möglich wäre sie immerhin, denn es handelt sich 
um Inselformen, die vielleicht auch bei nur einer Brut ihre Art 
erhalten können und kaum Nestfeinde haben. 

Die auffallende Kleinheit der Taubeneier hat wohl ihren 
Grund in dem sehr ausgebildeten Nesthockertum dieser Gruppe, 
andererseits ist sie wieder schwer verständlich, wenn wir die 
geringe Eizahl des Geleges bedenken. So ist z. B. ein neuge- 
borener Specht durchaus nicht weiter entwickelt als eine gleich 
alte Taube. Obgleich wir nun beim Spechtweibchen ein be- 
deutend eireicheres Gelege antreffen, legt es doch oft viel 
gröfsere Eier, als die Täubin: so hat der Mittelspecht, No. 352, 
ein Ei von fast 12% und ein ebenso grofses Täubchen nur ein 
solches von etwa 6% des Körpergewichts; dabei scheint die 
Brutdauer bei beiden Formen etwa gleich zu sein (dagegen haben 
Schwarz- und Grünspecht kleinere und ebensogrofse Eier wie die 
entsprechenden Tauben). Wenn wir durchaus nach einer Erklärung 
der geringen Eigröfse der Tauben suchen wollen, so liegt der 
Gedanke nahe, dafs die ganze Fortpflanzung dieser meist frei- 
brütenden Vögel daraufhin gerichtet ist, bei den wohl sehr 
häufig vorkommenden Verlusten von Eiern und Jungen sofort 
eine neue Brut in die Welt setzen zu können. Dies ist natürlich 
einfacher, wenn nur kleine Eier hervorgebracht werden, als wenn 
sie grofs sind. Dabei braucht die Täubin aber den recht langen 
Abstand von fast zwei Tagen, um das zweite Ei des Geleges zu 
erzeugen. Zwischen der Wegnahme einer Brut und dem neuen 
Legen der Eier verstreichen bei den gröfseren Arten etwa 
10 Tage, jedoch dauert es auch bei sehr vielen andern Vögeln 
nicht länger, so z. B. selbst bei der grofseiigen Limosa limosa 
nur 9 Tage (s. später). Die geringe Eizahl im Einzelgelege 


Öezieirnngen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 261 

wird bei den Tauben bekanntlich durch die Häufigkeit und die 
lange Wiederholungsmöglichkeit der Bruten ausgeglichen. 

Kuckucksvögel, Cuculiformes. 

Kuckucke, Cuculidae. No. 248—290. 

Die sei bst brütenden und die schmarotzenden Kuckucke 
verhalten sich in bezug auf ihre Eigröfsen grundverschieden, so- 
das wir sie getrennt betrachten müssen. Von den ersteren 
stehen mir nur Centropus ateralhus und Guira guira zur Ver- 
fügung. Dieser legt ein ganz erstaunlich grofses Ei von 17®/o» 
das in seiner Gröfse genau dem vieler gleich grofser Schnepfen- 
vögel entspricht. Gentropus dagegen bringt es nur auf 7 
und, wenn wir beide verbinden, so liegt ihre Linie sehr hoch 
und zwar in der Gegend der Limicolen, Raubvögel und Rallen. 
Leider weifs ich nur von Guira die Eizahl des Geleges aus der 
Literatur. Sie beträgt für unsere Berechnung 5, wir kommen 
daher beim Gelegegewicht auf 100 ®/o des Körpergewichts. Guira 
stimmt somit genau mit Crex und auch mit Eallus^ also hoch- 
entwickelten Nestflüchtern von hoher Gelegezahl überein. Die 
Entwicklungsstufe der neugeborenen Jungen und die Brutdauer 
kenne ich nicht. Beides wäre wichtig zu erfahren, um sieb eine 
Vorstellung von der Notwendigkeit der ungeheuren Eigröfse 
machen zu können. 

Die Schmarotzerkuckucke richten sich in 
ihrer Eigröfse nach ihren Wirtsvögeln, sodafs die 
Eiverhältnislinie auf den Blättern 1, la und Ib einen so un- 
regelmäfsigen Verlauf zeigt, wie wir ihn sonst bei keiner Vogel- 
gruppe antreffen. Cuculus canorus hat im Verhältnis zu seiner 
Gröfse die kleinsten Wirtsvögel, sein Ei von 3 g, d. h. von nur 
3 ö/o seines Körpergewichts, entspricht dem eines Singvogels von 
30 g, wie es z. B. Haussperling und Rotrückiger Würger sind. 
Chalcoeoccyx ist gleichfalls an sehr kleine Vogelformen, nament- 
lich Nektarinien, angepafst und hat daher auch ein geradezu 
winziges Ei. Der etwa halb so gröfse Cacomantis, der anscheinend 
dieselben Nektarinien mit seinem Ei beglückt, legt ein absolut 
ebenso grofses Ei wie Chalcoeoccyx, das dann nicht 3V3®/o> wie 
bei letzterem, sondern 6 Vi®/« seines Körpergewichts ausmacht. 
Im Gegensatz dazu verhält sich Coceystes (135 g), der sein Ei 
bei Rabenvögeln (Elster 200 g, Nebelkrähe 500 g) unterbringt, 
die z. T. fast das Vierfache seiner selbst wiegen, gerade umge- 
kehrt: sein Eigewicht liegt daher auf 9®/o. 

Die Schmarotzerkuckucke lehren aufs Deutlichste, dafs eine 
mechanistische Erklärung, die darauf hinausgeht, dafs 
die Eigröfse aus inneren Gründen in einem be- 
stimmten Verhältnis zur Vogelgröfse stehen 


m 


0. Seinroth: 


müsse, nicht haltbar ist. Die Gröfse des Eies ist im 
Gegenteil oft ein Ergebnis äufserer Notwendigkeiten. 

Von einem Gelegegewicht kann bei dieser Gruppe natürlich 
nicht die Rede sein. Die Brutdauer kenne ich nur von der 
heimischen Form. Sie beträgt, wie ich selbst im Brutofen fest- 
gestellt habe, 12 Vi Tage und stimmt also mit der der kleineren 
Singvögel ziemlich überein. 

Pisangfresser, Musophagidae. No. 291 und 292. 

Das Gewicht des Riesenturakos, Corythaeolat vermag ich 
nur schätzungsweise anzugeben, da ich nur einmal eine Wägung 
eines ganz abgezehrten Stückes vornehmen konnte. Es wog 

520 g, deshalb ist 1 kg als Mittelgewicht angenommen worden. 
Von den anderen Arten liegt mir nur Turacus leucotis vor. Ich 
habe es aber trotzdem nicht unterlassen, die beiden Formen auf 
den Blättern 1 und la zu verbinden, um eine Turacus ~L\x\\q 
herzustellen. Diese liegt für Nesthocker recht hoch und erhebt 
sich auch noch über einen Teil der Nestflüchter. Die Gröfse der 
Eier hat wohl z. T. ihren Grund in der geringen Eizahl, von der 
ich aber auch nichts Näheres weifs. Die Brutdauer wird nirgends 
angegeben: für eine rein afrikanische Gruppe, die in Gefangen- 
schaft anscheinend nie mit Erfolg gezüchtet worden ist, leider 
fast selbstverständlich. 

Papageien, Fsittaci. No. 293—310. 

Papageien legen verhältnismäfsig kleine Eier, namentlich 
die grofsen Formen, sodafs ihre Linie auf den Blättern für das 
Eiverhältnis z. T. noch unter der der Tauben läuft. Von rechts 
her angefangen spaltet sie sich bei den Artenj von 400 g und 
darunter in zwei Aeste, deren oberer über Amazona, Fsittacus, 
Eclectus^ Falaeornis, Poeocephalus geht, und deren unterer über 
Trichoglossus novae-hollandiae, Calopsittacus und Agapornis nach 
links führt. Die kleinsten Formen, Charmosyne^ Agapornis cana^ 
FsUtacula und namentlich FJasiterna mit nur 13 g Körpergewicht 
(wie Sylvia curruca) liegen dann, wie zu erwarten, wesentlich 
höher und kommen bis auf 11 o/o» 

Auch in ihrem Gelegegewicht stehen die Papageien nicht 
hoch. Hier habe ich gleichfalls von den mittelgrofsen Formen 
nach den kleineren hin zwei Aeste für nötig gehalten, von denen 
der eine beträchtlich höher steigt als der andere. Namentlich 
Trichoglossus novae-hoUandiae liegt, da er nur zwei Eier hat, 
auffallend tief. Melopsittacus, im Gewicht eines Haussperlings, 
erreicht mit seinem Gelege manche der entsprechend grofsen 
Singvögel. Leider ist mir die Eizahl des kleinsten Papageis, 
Nasiterna, unbekannt. 

In einem mechanistisch schwer erklärbaren Verhältnis zu 
den sehr kleinen Eiern der Papageien und zu dem unvollkommenen 


Beziehungen zwischen Vogeige wicht etc. und Brutdauer. ^68 

Zustande, in dem die Jungen ausschlüpfen, steht die Länge der 
Brutdauern. Die kürzeste mir bekannte ist die des Wellen- 
sittichs mit 18 Tagen, das ebenso schwere Grauköpfchen braucht 
21 zu seinem 2 V 3 g-Ei, wobei man nicht versteht, warum dies 
in so langer Zeit nicht völlig eintrocknet. Graupapagei, Ama- 
zone und Edelpapagei haben einen vollen Monat zur Zeitigung 
ihrer Eier nötig, die nicht gröfser als die der nur halb so lange 
brütenden Kingeitaube sind. Kakadus und Araras verhalten sich 
annähernd ebenso. 

Bekanntlich haben nameutlich die gröfseren Papageien nur 
wenig Eier, ihre Vermehrung ist also gering. Ferner geht nicht 
nur das Heranwachsen des Keimlings im Ei sehr langsam von 
statten, sondern auch das ausgeschlüpfte Junge braucht viel 
Zeit, um flügge zu werden, d. h. doppelt so lang als das einer 
ebenso grofsen Taube. Verstreicht doch selbst bei den nur 
sperlingsgrofsen Formen ein voller Monat, und bei den grofsen 
vergehen zwei und drei, ehe sie die Nisthöhle verlassen. Alles 
das spricht für sehr ursprüngliche Zustände. Dafs sich diese 
erhalten konnten, wird verständlich, wenn wir uns überlegen, 
dafs die ganze Gruppe als geschützte Höhlenbrüter und durch 
Winterzeit und Wanderflug nicht gefährdete Tropenbewohner 
ein ziemlich ungestörtes Dasein führt. Ein mehrfaches Brüten 
im Jahre kommt, wenigstens bei den nicht ganz kleinen Formen, 
hier auch nicht als beschleunigende Ursache in Betracht. 

Rakenvögel, Coraciiformes. 

Raken, Eisvögel, Bienenfresser. Coraciidae^ Älcedinidae^ 
Meropidae. No. 311 — 320. 

Aus diesen Familien stehen mir leider nur wenig Körper- 
gewichte zur Verfügung. (Den Unkundigen befremdet das ge- 
ringe Gewicht der Blaurake von nur 140 g. Sie ist eben nicht, 
wie Naumann angibt, so grofs wie die Dohle mit 225 g.) Es 
handelt sich hier meist um recht grofseiige Vögel, deren Ei- 
Verhältnislinie wir auf den Blättern la und Ib am besten ver- 
folgen können. Ihre Kurve liegt im allgemeinen in der Nähe 
der Eulen, also recht hoch. Einige kleinere Formen, die 
relativ leichtere Eier legen, nähern sich den Spechten. Eine 
Trennung in zwei Aeste war nötig, da Alcedo ispida und Merops, 
wohl wegen der höheren Eizahl, viel kleinere aufweisen, als 
Ealcyon sanctus und Tanysiptera. Merkwürdigerweise liegen 
die beiden echten Raken, Coracias und namentlich Eurystomus, 
höher als der kleinere H. saurophagus, der sich in seiner rela- 
tiven Eigröfse gar nicht viel von der nur ein drittel so grofsen 
Alcedo unterscheidet, 


264 


0. Heinroth; 


Bei Betrachtung der Gelegelinie auf Blatt 2 a finden wir 
gleichfalls verhältnismäfsig hohe Gewichte. Hier ist eine Um- 
kehrung in den beiden Kurvenschenkeln eingetreten wegen der 
grofsen Eizahl der Gelege des Eisvogels und des Bienenfressers 
im Gegensatz zu der eiarmen tropischen Tanysiptera und von 
Halcyon sanctus. Alle diese Rakenvögel legen gröfsere Eier und 
haben viel schwerere Gelege als sämtliche Singvögel und Spechte 
gleicher Gröfse. 

Die Brutdauer ist anscheinend nur von Dacelo mit 21 Tagen 
und von der Blaurake mit etwa 19 Tagen bekannt, beides Zahlen, 
die im Vergleich zu vielen andern Nesthockern recht hoch liegen, 
aber doch nicht entfernt an die der Eulen und der Raubvögel 
heranreichen. 

Wenn man bedenkt, dafs die Raken, Bienenfresser und Eis- 
vögel nackt, blind und ziemlich hilflos zur Welt kommen, — 
Goracias und namentlich Älcedo erinnern an die Spechte — so 
ist man über die Gröfse der Eier erstaunt und mufs sich auch 
über die Länge der Brutdauern, wie sie für Dacelo und Goracias 
feststehen, wundern; hat doch der Schwarzspecht, No. 349, der 
im Körpergewicht der Blaurake um über das Doppelte überlegen 
ist und dem Rieseneisvogel fast gleichkommt, bei ähnlicher Ge- 
legezahl ein fast nur ein drittel so grofses Ei (11:30) und eine 
etwa nur zwei drittel so lange Brutdauer wie der Rieseneisvogel. 
Näheres läfst sich, da wir zu wenig Tatsachen aus dieser Gruppe 
keimen, nicht sagen. Junge Eulen und Raken haben wenig 
Aehnlichkeit, weder in ihrem Aeufseren noch in ihrem Be- 
nehmen. Ein Stützpunkt für die Verwandtschaft ergibt sich hier 
also nicht. 

Nashornvögel, Bucerotime, No. 321. 

Hier konnte ich nur das Körpergewicht von Bucorax mit 
seinem Eigewicht in Beziehung bringen, wobei sich ergibt, dafs 
er ein verhältnismäfsig sehr kleines Ei legt. Es entspricht genau 
dem des gleich schweren Felecanus fuseus. üeber die Eizahl 
des Geleges finde ich keine Angabe, wahrscheinlich beträgt sie 
aber nicht mehr als 1 oder 2, sodafs der Hornrabe also auch 
auf Blatt 2 nicht über die kleinen Pelikane rücken würde. 
Sicherlich handelt es sich ja wohl hier auch um einen recht un- 
entwickelten, erst spät flügge werdenden Nesthocker. Leider ist 
die Brutdauer unbekannt. 

Wiedehopf, üpupa. No. 322. ^ 

Der Wiedehopf legt bekanntlich verhältnismäfsig sehr 
kleine Eier; für seine Gröfse nächst einigen nestschmarotzenden 
Kuckucken die kleinsten, die es gibt. In Anbetracht seines grofsen 
Geleges rückt er auf den Blättern 2 und 2 a etwas höher und 


Beziehangen zwischen Vogelge wicht etc. und Brutdauer. 265 

steht zwischen den beiden Papageilinien. Die Brutdauer ist an- 
scheinend unbekannt. (Auf der Tabelle ist sein Gewicht, aus 
dem Durchschnitt bestimmt, vielleicht etwas zu hoch einge- 
zeichnet. Ein auf den Eiern gegriffenes Weibchen wog nur 63 g.) 

Eulen, Striges, No. 323—337. 

Die Eulen bilden eine recht gleichartige Gruppe, die früher 
in die Nähe der Tagraubvögel gestellt wurde und jetzt unter die 
Coraciiformes einbegriffen wird. Sie schwanken im Gewichte 
zwischen dem Sperlingskauz mit etwa 75 g, also in der Gröfse 
der Singdrossel, und dem Uhu mit etwa 2 7^ kg. Auch hier 
haben natürlich die grofsen Formen verbältnismäfsig kleinere 
Eier als die kleinen, wir sehen daher, dafs die Linie, von rechts 
her gerechnet, auf den Blättern 1,1a und 1 b etwa von der 
Gröfse der Prärieeule, Speotyto, an in zwei Schenkeln nach links 
hin stark aufsteigt. Für Nesthocker legen die meisten Eulen 
ziemlich gröfse Eier. Die kleineren kommen mit denen der 
Eisvögel und der Raken überein, die mittelgrofsen erinnern an 
manche Steifsfüfse, und viele entsprechen in ihrer Eigröfse völlig 
den Schwimmenten. Die gröfsten Arten bilden unter sich eine 
Linie, die sich der der Störche nähert. Ein auffallend kleines 
Ei legt die Schleiereule, diese erdweit verbreitete, allen übrigen 
Eulen als eigene Unterfamilie gegenüber gestellte Form. Sie 
hat bisweilen nur etwa halb so gröfse Eier, wie die etwas kleinere 
Waldohreule bei derselben Eizahl im Gelege. (4 frische Strix- 
Eier eines zweiten Geleges 15, 5 — 16,3 g; 5 ,4sio-Eier des ersten 
Geleges je 28 g.) Auch das Sumpfeulenei ist klein, während 
der Waldkauz sich von diesen beiden sehr erheblich durch sein 
grofses Ei, wohl wegen der geringen Eizahl, unterscheidet. 

Betrachten wir die Gelege der Eulen, so finden wir, dafs 
die grofsen, eiarmen Formen recht tief stehen und genau den 
ebenso grofsen Raubvögeln entsprechen. Nycfea hat auffallend 
viele Eier und erhebt sich daher bis in die Hühnerlinie. Die 
mittelgrofsen Formen steigen dann von Scotiaptex lapponica 
über Syrnium uralense und S. aluco erst langsam und dann 
rascher über Surnia ulula, Asio otus, Speotyto und Athene an, 
um schliefslich steil bis Glaucidium mit 66 7o Höhe zu 

gehen. Die Gelegelinie der kleineren Eulen liegt zum Teil etwas 
höher als die der Raubvögel und fällt manchmal mit den Möwen 
und gewissen Limicolen zusammen. 

Bei den Brutdauern ist man überrascht, dafs diese Gruppe 
trotz ihrer wohl gröfsten Teils blind gebornen, recht hilflosen 
Jungen kaum unter 4 Wochen heruntergeht. Leider fehlen dabei 
Angaben über Glaucidium. Der Uhu brütet 35 Tage, also so 
lange wie ein entsprechend grofser Tagraubvogel oder auch ein 
Schwan, vielleicht würde auch ein ebenso schwerer Steganopode 
dieselbe Zeit der Keimesentwicklung benötigen. Merkwürdig 

Jonrn. f. Om. LXX. Jahrg. Aprü/Jiüi 1922. 18 


^66 


0. Heinrotii: 


lange, nämlich einen vollen Monat, braucht das Ei von Strix 
trotz seiner absoluten und relativen Kleinheit (gegen 20 g = 
etwa 5®/o)- Angabe Wendlandts von 31 Tagen, s. Kurve, 
habe ich nach zwei genauen Beobachtungen durch Taubenbrut 
auf 30 Tage abgeäudert.) Dabei sind die Jungen im Vergleich . 
zu dem Waldkauz, dem Steinkauz und der Waldohreule spärlich? 
bedaunt und sehr langsamwüchsig. 

Im allgemeinen sind die Eulen für Nesthocker grofseiig, in 
den grofsen Formen wenig-, in den kleinen vieleiig. Ich glaube, 
dafs biologisch für sie dasselbe gilt, wie von den Tagraubvögeln. 
Auf sie als Höhlenbrüter und zum Teil wehrhafte oder auch 
recht verborgen lebende Nachtvögel hat keine die Keimesent- 
wicklung beschleunigende Zuchtwahl eingewirkt. 

Ganz junge Eulen haben mit ebensolchen Raubvögeln durch 
ihre weifsliche Bedaunung eine gewifse Aehnlichkeit, sind aber 
zunächst blind. Das sogenannte zweite Dunenkleid beider Gruppen 
ist morphologisch etwas ganz Verschiedenes. Junge Raken haben 
überhaupt keine Daunen und erinnern an die Spechte. 

Ziegenmelker, Caprimulgidae. No. 338 und 339. 

Leider weifs ich aus dieser Familie nicht viel zu berichten, 
da mir nur zwei zur selben Gattung gehörige Arten zur Ver- 
fügung stehen. Entsprechend seiner geringeren Gröfse legt Gapr. 
macrurus ein verhältnismäfsig gröfseres Ei (11 7o) der etwas 
schwerere C. europaeus (10 7o)» relative Eigröfse erinnert 

an die mancher Eisvögel, d. h. sie liegt über sämtlichen eigent- 
lichen Singvögeln und über allen sonstigen Nesthockern mit 
Ausnahme der Eulen, der Raub- und der Sturmvögel. 

Da alle echten Ziegenmelker nur 2 Eier legen, so rücken 
sie auf den Gelegeblättern recht weit nach unten in die Nähe 
der Sturmvögel und mancher tropischer Singvögel, stehen aber 
immer noch beträchtlich über den entfernt verwandten Seglern. 

Die Brutdauer des Europäischen Ziegenmelkers ist 16 Tage, 
entspricht also anscheinend genau der eines Kolibris mit einem 
viel kleineren Ei und ist länger als die fast aller Singvögel 
aufser den Raben. Merkwürdigerweise scheint Cypselus sicher 2, 
wenn nicht 3 ‘Tage länger zu brüten. 

Wie ich mich bei der Zucht im Zimmer überzeugen konnte 
(s. Journ. f. Ornith. Jan. 1909), sind die jungen Ziegenmelker 
durchaus keine hilflosen Nesthocker. Sie kommen stark bedaunt 
mit offenen Augen zur Welt und erscheinen auf einen bestimmten 
Ton der hudernden Eltern aus deren Brutgefieder heraus, um 
sich zur Futterannahme an den Schnabel von Vater oder Mutter 
zu hängen. Sehr bald trippeln sie umher und verlassen die Nest- 
stelle auf gröfsere Strecken. Es handelt sich hier anscheinend 
um eine Sonderanpassung an das Bodenbrüten. Demnach ist 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 267 

die Brutdauer namentlich im Vergleich zu den bei der Geburt 
völlig hilflosen, blinden und nackten Seglern sehr kurz, was 
vielleicht darin seinen Grund hat, dafs das CaprimulguS‘(jQ\QgQ 
auf dem Boden recht gefährdet ist und die Art zwei Bruten macht. 

(Von den Schwalmen, Fodargidae, und den Schwalken, 
Steatornithidae, fehlt mir jede Angabe über Körpergewicht und 
Brutdauer. Die Eier ähneln denen der Caprimulgidae gar nicht, 
und die Jungen sind offenbar echte Nesthocker.) 

Segler, Cypselidae. No. 340—342. 

Der mehreiige Mauersegler hat ein Ei, das zu dem mancher 
gleich grofser Singvögel pafst. Auch die meist zweieiige Salan- 
gane entspricht in ihrer Eigröfse dem ebenso schweren, aber 
im Vergleich mit seinen nächsten Ve.rwandten recht kleineiigen 
Müllerchen, Sylvia curruca^ No. 399, das 5 Eier im Nest hat. 

Bei der geringen Eizahl liegt die Gelegelinie auf den 
Blättern 2 und 2 a ganz ungemein tief, nur einige Täubchen, 
die ja gleichfalls nur zwei Eier legen, erinnern an diese Gruppe. 
Dafs sich die Kurve im Vergleich zu der für das Eigewicht bis 
zu einem gewissen Grade umkehrt, das heifst also, dafs hier 
Macropteryx viel tiefer liegt als Cypselus, beweist, dafs das ver- 
hältnismäfsig gröfsere Ei dieser papuanischen Form doch noch 
lange nicht dasselbe relative Gewicht erreicht, wie 2 V 2 des 
Mauerseglers. 

Wie bereits bei den Ziegenmelkern erwähnt, brütet der 
Mauersegler sicher 18, wahrscheinlich aber 19 Tage, also ver- 
hältnismäfsig sehr lange, und seine Jungen verlassen erst nach 
6 Wochen das Nest; er macht ja auch nur eine Brut im Jahre. 
Ueber die Länge der Keimesentwicklung anderer Formen ist mir 
nichts bekannt, bei der geringen Vermehrungsnotwendigkeit der 
Arten und der grofsen Sicherheit der Brut zufolge der geschützten 
Nestanlage möchte ich aber glauben, dafs die Brutdauern der 
ganzen Gruppe ziemlich hoch liegen. 

Kolibris, Trochilidae. No. 343—345. 

Leider fehlt es in der mir zugänglichen Literatur an Koli- 
brigewichten. Ich selbst war nur einmal in der Lage, ein etwas 
abgekommenes Stück von Eic. ricordi zu wiegen, und möchte 
das mittlere Gewicht mit etwa 3 Vs g annehmen. Natürlich hat 
es auch seine Schwierigkeit, die winzigen Eier mit Wasser zu 
füllen, und zuverlässige Wägungen davon zu machen. Soviel 
steht für mich aber fest, dafs diese Gruppe nicht, wie man wegen 
der aufserordentlichen Kleinheit der Vögel denken sollte, verhält- 
nismäfsig sehr grofse, sondern recht kleine Eier legt, die wegen 
ihrer gestreckten Walzenform viel mehr Kauminhalt zu haben 

18 * 


m 


0. Heinrotb : " ' > 


scheinen, als es wirklich der Fall ist. Für Bicordia h^ix^gi das 
relative Eigewicht 12V2®/o» <^as Gelegegewicht demnach 25®/o. 
Bedenkt man dagegen, dafs die dreimal so grofse Cinnyris^ 
No. 414, schon ein Ei von iP/o io einem Gelege von 39®/o her- 
vorbringt, oder dafs das fast doppelt so grofse Goldhähnchen, 
No. 409, ein um 1 72^/0 schwereres Ei und ein fünfmal so schweres 
Gelege hat, so wird uns die relative Kleineiigkeit der Gruppe 
erst recht klar. Auch die Brutdauer, die bei einer nicht näher 
bezeichneten Art mit 16 Tagen angegeben wird, erscheint im^ 
Verhältnis zur Grofse des Eies und des Vogels ungemein lang,* 
stimmt sie doch z. B. völlig mit den Ziegenmelkern überein und 
übertrifft sogar die der Ringeltaube. Auf weitere Schlufsfol- 
gerungen möchte ich mich der Unsicherheit der einzelnen Daten 
wegen (z. B. bei Mellisuga) nicht einlassen. Ein Blick auf die 
Tabelle lehrt, dafs das kleinste Vogelei, das es überhaupt gibt, . 
auch von dem kleinsten Vogel, Mellisuga minima^ gelegt wird 
und gegen 0,2 g wiegen dürfte. 


Mausvögel, Colii. No. 346. 


Die Eigröfse von Cölius hat für einen Nesthocker, wie die 
Blätter 1,1a und 1 b zeigen, nichts Auffallendes. Sie entspricht 
der mancher Singvögel und Papageien. Im Gelege liegt diese 
Gruppe, mit den meist mehr Eier legenden ebenso grofsen 
Vögeln verglichen, etwas tiefer. 

Eine Brutdauer ist mir nicht bekannt.^ 


Nageschnäbler, Trogones. No. 347. 


Nur Brionotelus temnurus konnte ich wiegen. Sein Ei, ist 
wie die Blätter 1, 1 a und 1 b zeigen, für einen Nesthocker auf- 
fallend grofs, entspricht etwa dem der tropischen Eisvögel und 
nähert sich dem der kleinsten Eulen. Im Gelegeverhältnis wird 
unsere Art mit ihren 3—4 Eiern von den erwähnten Formen 
wegen der gröfseren Eizahl übertroffen und rückt, wie die 
Blätter 2 und 2 a zeigen, in die Drosseln mit ihren Fünfer- 
gelegen hinein. 

Auch aus dieser Unterordnung weifs ich leider keine Brut- 
dauer. 


Pfefferfresser oder Tukane, Ehamphastidae. No. 348. 


Auch hier konnte ich nur eine Art untersuchen. Ich ver- 
füge zwar über die Gewichte mehrerer Formen, jedoch sind in | 
der Berliner Sammlung nur von Bhamphastos ariel Eier vorhanden. B 
Sie sind im Verhältnis zum Vogel recht klein und erinnern in 
ihrer relativen Grofse an die einiger Tauben und mancher viel-l 


Beiiehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 269 

eiiger Hühner. Da diese Familie wohl nur 2 Eier legt, so rückt 
sie auf den Gelegeblättern 2 und 2 a verhältnismäfsig noch 
tiefer. Nur die eineiigen Fruchttauben haben noch leichtere 
Gelege als dieser Tukan. 


Spechte, Ficidae. No. 349—354. 

Wie ein Blick auf die Blätter 1,1a und 1 b zeigt, steigt 
die Linie der relativen Eigröfse vom Schwarzspecht, der mit seiner 
Kleineiigkeit recht auffällt, über den Grünspecht zum Grofsen 
Buntspecht zunächst gleichmäfsig an, macht hier einen scharfen 
Knick und geht dann ebenso gleichmäfsig über den Mittelspecht 
zum Kleinspecht hinauf. Bei der Gelegekurve auf den Blättern 
2 und 2 a ergibt sich eine ünregelmäfsigkeit insofern, als D. 
major tiefer liegt als der gröfsere G. viridis^ was seinen Grund 
in dem eiärmeren Gelege des Grofsen Buntspechts hat. 

Eine merkwürdige Stellung nimmt der Wendehals ein. Sein 
Ei ist im Vergleich zu den echten Spechten ganz auffallend klein 
(Wendehals: etwa gleichgrofsem Mittelspecht = 7 Vo • UVaVo)* 
Dafür legt Jynx aber mehr Eier als die Spechte, so dafs er sich 
in der Gelegekurve ziemlich zwanglos zwischen den Grofsen und 
den Mittleren Buntspecht einfügt. Die Kleineiigkeit wird hier 
also durch die hohe Eizahl des Geleges völlig ausgeglichen. Die 
kleinen Spechte legen gröfsere, die grofsen im allgemeinen kleinere 
Eier als die entsprechend schweren Singvögel. 

Leider gibt es wirklich sichere Angaben über die Brutdauer 
unserer Spechte und des Wendehalses nicht, laut Bur ns beträgt 
sie für die nordamerikanischen Verwandten 2 Wochen. Nach 
mehrfach von mir an einer Schwarzspechthöhle angestellten Be- 
obachtungen, die aber noch der Vervollständigung bedürfen, 
scheint es, als ob die Brutdauer dieses Vogels auffallend kurz, 
wahrscheinlich nur 13 Tage währe. Die Jugendentwicklung junger 
Buntspechte und Grünspechte schreitet rasch vor sich und ent- 
spricht etwa der der im Gegensätze zu den heimischen Piciden 
meist mehrmals im Jahre nistenden Singvögel. Schwarzspechte 
verlassen im Alter von 27—28 Tagen gut kletternd und leidlich 
flugfähig die Höhle. Das ist recht früh und entspricht der Zeit, 
die auch die etwa gleich schwere Hohltaube, aber auch die nur 
wenig über 7s so grofse Dohle und die nur knapp halb so viel 
wiegende Blaurake zum Flüggewerden brauchen. 

So viel scheint mir sicher, dafs wir die ursprünglichen Ver- 
hältnisse langsamer Keimes- und Jugendentwicklung, wie wir sie 
bei manchen anderen, auch nur eine Brut machenden Höhlen- 
brütern, wie Papageien und Eulen, antreffen, hier nicht vorfinden. 
Die Bruten der Spechte sind offenbar mehr gefährdet als die 
jener beiden Gruppen. 


%n 


0. Heinroth? 


Sperlingsvögel, 


Singvögel, Oscines. No. 355— 437. 

Bei dieser gröfsten heute lebenden Ordnung, die ja fast die 
Hälfte aller lebenden Vogelarten umfafst, habe ich rq,ich natürlich 
nur auf wenige beschränken müssen. Dabei ist die Auswahl so 
getroffen worden, dafs, wenn irgend möglich, recht verschiedene 
Familien Berücksichtigung gefunden haben. Ein Blick auf die 
Zeichenerklärung von Blatt Ib zeigt die in Betracht gezogenen 
Formen. 

Die gröfsten Singvögel sind bekanntlich die Raben, 
No. 355—360. Sie legen verhältnismäfsig winzige Eier, die bei 
den gröfsten Arten kleiner sind, als die aller anderen Vögel. 
Aber auch die mittelgrofsen und kleineren, wie Krähe, Dohle, 
Elster, Häher liegen in ihrer Eigröfse tief, etwa so wie gleich- 
grofse Tauben, Spechte und viele Papageien. 

Schliefsen wir an die Corviden die Drosseln und 
Schmätzer, No. 370—379, an, so steigt die Kurve mit der 
Kleinheit der Vögel, um mit den kleinsten, wie Hausrotschwanz 
und Wiesenschmätzer, eine recht stattliche Höhe zu erreichen. 
Die Drossel- und Schmätzergruppe hat, wie namentlich Blatt 1 b 
zeigt, unter den Singvögeln mit die gröfsten Eier. Die relativ 
kleinsten unter den vieleiigen kleinen Arten haben dagegen die 
kleinen Webefinken, wie Orangebäckchen und Goldbrüstchen, 
No. 435 u, 436. Zwischen diesen beiden Gruppen liegt im all- 
gemeinen das Heer der übrigen Insektenfresser und Körnerfresser, 
auf das ich hier im Text nicht im einzelnen eingehen will, weil 
ja alles Wissenswerte aus einer genauen Betrachtung der Tabellen 
und des Blattes Ib hervorgeht. 

Da der gröfste Teil der Sperlingsvögel, namentlich der nicht 
tropischen, etwa 5 Eier im Gelege hat, so ergeben die Gelege- 
kurven auf Blatt 2 a beim Vergleich der Ordnungsverwandten 
unter sich Aehnliches wie die Eikurven. Ich möchte nur auf 
folgende Punkte noch hinweisen. Tropische Singvögel legen im 
allgemeinen weniger Eier als die entsprechenden nicht tropischen, 
denn da für sie die Fährlichkeiten des Winters und des Zuges 
wegfallen, so braucht ihre Vermehrung nicht so grofs zu sein. 
Vergleichen wir nun z. B. unsere Rauchschwalbe mit der nur 
wenig kleineren tropischen E. tahitica, No. 391 u. 392, so ergibt 
sich, dafs beide Arten im Verhältnis ein gleich grofses Ei legen,: 
trotzdem H. rustica 5, und tahitica nur 3 Eier im Gelege hat. 
Dasselbe gilt auch von Bhipidura, Nr. 389 und 390, im Gegen 
Satz zu unseren gleich grofsen Insektenfressern. Auch hier ist 
also mit der Verkleinerung des Geleges keine Vergröfserung desf 
einzelnen Eies eingetreten, wie wir dies ja bei anderen Vogel-"^ 
formen (vergl. Hühner und Baumhühner) manchmal gefunden; 
hatten. Auch Faradisea, Nr. 360, liegt trot^ ihrer geringen Ei- 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 271 

zahl auf Blatt 1 a sehr tief und entspricht in ihrer relativen Ei- 
gröfse durchaus der Familie der vieleiigen Rabenvögel. Auf den 
Blättern 2 und 2 a habe ich die tropischen Insektenfressergruppen 
Cinnyris, Nr. 414; Dicaeum^ Nr. 415; Wfiipidum, Nr. 389 und 
390; JBhilemon^ Nr. 413; Paradisea^ Nr. 360, und Ftilonorhynchus, 
Nr. 362, unter sich verbunden, um das durch die geringe Eizahl 
hervorgerufene niedrige Gelegegewicht besonders kenntlich zu 
machen. 

Die Zusammenstellung einiger recht nahe verwandter, aber 
verschieden grofser Singvogelarten ergibt besonders schön ein 
Ansteigen des relativen Eigewichts mit der zunehmenden Klein- 
heit des Vogels; man vergleiche auf Blatt Ib die bis zu einem 
gewissen Grade gleich laufenden Verbindungslinien von Lanius 
collurio — L. excuhitor, Nr. 387 und 388; Fasserina nivalis — 
Emh. calandra Nr. 416 und 417; Frunella modularis — Fr. 
collaris^ Nr. 380 und 381 ; Ehipidura setosa — Rh. tricolor^ Nr. 389 
und 390, und anderer ; hier ist immer je eine Vogelart mit einem 
doppelt so grossen Gattungsgenossen in Beziehung gesetzt. (S. 
auch S. 276 und 277.) 

Die Brutdauern der Fasseriformes schwanken im Verhältnis 
zu der so ungeheuer verschiedenen Gröfse der einzelnen Arten 
{Regulus 5 g, Corvus principalis Giv/a. 1750 g) nicht übermäfsig 
stark. Die Rabenvögel brüten, ihrer Gröfse entsprechend, wohl 
am längsten, aber doch immerhin recht kurz, denn der Kolkrabe 
mit seinen nur 20 V 2 Tagen wird von den meisten gleich 
grofsen Vögeln übertroffen. Die Brutdauer der Krähen gleicht 
etwa der der Felsentaube, die Masse der kleinen Vögel hält sich 
meist zwischen 12 und 14 Tagen. Sehr auffallend ist die über- 
aus lange Zeit, die Foephila gouldae, No. 433, zu ihrer Keimes- 
entwicklung braucht; der Zeitraum von 17 Tagen ist durch 
mehrfache, sehr sichere Beobachtungen von H a u t h festgestellt 
und steht im Einklang mit der überaus langsamen Jugend- 
entwicklung, die dieser Art eigentümlich ist: verlassen die Jungen 
doch erst im Alter von 4 Wochen das Nest. Auch die kleine 
Certhia^ No. 408, brütet recht lange. Leider kenne ich die Brut- 
dauer des Kleibers nicht. Es wäre nämlich nicht unmöglich, 
dafs dieser Vogel, der im Verhältnis zu unseren anderen Klein- 
vögeln auffallend langsam heranwächst, sich auch zu seiner Ent- 
wicklung im Ei besonders viel Zeit nimmt. Er würde sich das, 
da er jährlich nur eine Brut macht, leisten können. Sehr kurz, 
nämlich nur 12 Tage, brütet ein so grofser Vogel wie der rote 
Kardinal, Nr. 423, und die Jungen von Volatinia jacarini, Nr. 428, 
Otocompsa leucotis, ja selbst die des kreuzschnabelgrofsen Myia~ 
destes, Nr. 386, schlüpfen gar schon nach 11 Tagen aus den 
Eiern. Sie brauchen also etwa nur halb so lange wie das ebenso 
schwere Rufsköpfchen, Agapornis nigrigenys^ Nr. 306, ein Papa- 
gei, der mit 21 Tagen ebenso unentwickelt zur Welt kommt und 
dann noch die doppelte Zeit der anderen im Neste zubringt. 


27i 


0. Heinroth: 


Die Singvogelgruppe ist anscheinend in ihrer Fortpflanzungs- 
weise besonders hoch entwickelt Ein für Nesthocker meist 
verhältnismäfsig grofses Gelege ist hier mit kürzester Brut- 
dauer und gröfster Schnelligkeit der Jugendentwicklung sehr oft 
vereinigt und dann wohl meist mit Mehrhrütigkeit gepaart, 
alles Dinge, die diesen gewöhnlich recht kleinen Vögeln einen 
an Einzelwesen reichen Fortbestand der Arten sichern. Nur 
tropische und einige ganz bestimmte Formen machen eine Aus- 
nahme von dieser Regel. 


Dotter- und Kükengewicht. 

Beim Vergleich der Vogel- und der Eigewichte stellt sich 
die Frage ein, ob wir gleich schwere Eier ohne weiteres als 
unter sich gleichwertig betrachten können, und dasselbe gilt für 
die Gewichte der Vögel selbst auch. Die Verschiedenheit der 
Dicke, also auch der Schwere der Schale habe ich hier ab- 
sichtlich vernachlässigt, denn im Verhältnis zum ganzen Ei sind 
diese Unterschiede für unsere Betrachtungen zu geringfügig. 
Aufserdem sind die Schalengewichte, fälschlich Eigewichte ge- 
nannt, bei den Eibeschreibungen in den Büchern überall an- 
gegeben. 

DasVerhältnis vom Dotter zum übrigen Ei, 
also namentlich zum Eiweifs, schwankt sehr stark, nach meinen 
Wägungen zwischen 15 % (Wendehals, Kormoran) und 50®/o 
(Löffelente). Leider habe ich bisher nur wenige Eier auf ihr 
Dottergewicht hin prüfen können, so dafs mir gerade sehr 
wichtige Gruppen, wie die Sturmvögel, die grofsen Raubvögel, 
die Pelikane und der Straufs fehlen, vom Kiwi natürlich ganz zu 
schweigen. Ich habe zwar auf den Tabellen bei einer Anzahl von 
Arten das Dottergewicht und sein Verhältnis zum Ei vermerkt, 
möchte diese 67 Angaben, nach den Dottergröfsen geordnet, aber 
hier nochmals der besseren Uebersicht wegen zusammenfassen. 
Die eingeklammerten Zahlen hinter den Artnamen geben die 
Menge der untersuchten Eier an. Wo Auswahl war, sind mög- 
lichst mittelgrofse Stücke genommen worden. 

Nesthocker. 

Jyntc torquilla (2) 15 7o 

Fhalacrocorax carho (1) 15 V* 7o 
Corvus corax (1) 16 7o 

C. cornix (mehrere) 17 7o 
Colaeusmonedula {mehrere) 18®/o 
Nycticorax nycticorax (1) 18Vo 
Fhyllosc. collyhita (1) 187o 

Acanthis cannaUna (2) l8®/o 


But. phoenicurus (1) 19 7o 

Circus cyaneus (1) 19% 

C. aeruginosus (2) 18 u. 22 7o 
Columba livia dom. 

(mehrere) 18— 227o 

Fringilla coelehs (1) 20% 

Fratincola rubetra (1) 20 7o 

Fässer domesticus (einige) 20% 
Sturms vulgaris (1) 207® 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 273 


Turdm musicus (1) 20®/o 

Merula memla (mehrere) 

20(-25)7o 

Fica pica (mehrere) 20®/o 
Garrulus glandarius 

(mehrere) 20 7o 

Melopsittacus und, (1) 20®/o 

Strix flammea (2) gegen 22 7o 
Calopsittacus nov. holl. (1) 25 7o 
Geopelia humeralis (1) 25 7o 


Nestflüchter. 

Larusargentatus (mehrere) 227o 
Fodiceps cristatus (1), 
nigricollis u. grisei- 
gena (mehrere) 21— 247o 
Fulica atra (viele) 25 7o 
Larus ridibundus 

(viele) 25 7o-28 7o 

Sterna caspia (1) 25 7o 

Hydroch. nigra (mehrere) 28 % 
Sterna hirundo 

(mehrere) 25— 307o 

Forphyrio ( 1 ) 2 5 7o 

Meleagris gallop. dom, 

(mehrere) 28 7o 

Oedicn. grallarius (2) 27 u. 29 7o 
Limosa limosa (1) 29 7o 

(Nachgelege (1) 37 7o) 

Gallinula chloropus 

(mehrere) 29—30 7o 

Fodiceps fluviatilis 

(mehrere) 29— 3l7o 

Haemat. ostralegus 

(mehrere) 27— 33®/o 

Avosetta recurv. (2) 3 3 Vs 7o 

Gallus domesticus 

(viele) 33 Vs 7<> 

Fhasianus colehicus 

(mehrere) 33 7o 

Anas boseas (mehrere) 33 Vs 7o 
Anas b. dom. (viele) 33 Vs 7o 


Anser anser dom. 

(mehrere) 33Vs7o 

Cereopsis nov. holl. (1) 34 7© 

Vanellus vanellus 
(mehrere) 

Ortyg. porzana (mehrere) 33 7o 
Crex crex (mehrere) 34 7o 
Numida dom. (mehrere) 

30-34 7© 

Cairina mosch, dom. 

(mehrere) 32—35 7o 

Chen hyperboreus (1) 34Vs7o 
Casuarius cas. (2) 34 u. 40 7© 
Aha torda (1) 37 7o 

Branta cannadensis 38— 40 7o 
Aex galericulata (viele) 

36-40 7© 


Lyrurus tetrix (1) 38— 40 7o 

Gennaeus lineatus 

(mehrere) * 37— 42 7o 

Syrm. reevesi (mehrere) 

40-45 7© 

Pavo cristatus dom. 40 7o 
F. mutieus Kreuzung 

(mehrere) 40 7o 

Gennaeus nycthemerus 

(mehrere) 44 7o 

Aythya nyroca (1) 40 7© 

Clangula clangula (2) 40 7© 

Tadorna tadorna (1) 43 7© 

Spatula clypeata (1) 50 7© 


Zum Vergleiche einige 
Reptilien. 


Chelys fimbriata 33 7© 

Testudo pardalis 37—40 7© 

Hydraspis hilarii geg. 40 7© 
Emys orbicularis 42 7© 

T. graeca 50 7© 

Alligator mississ. 39—42 7© 

Crocod. porosus und 

americanus 50 7© 


Hieraus ergibt sich, dafs die Nestflüchter im allgemeinen 
gröfsere Dotter haben als die Nesthocker, was man ja auch 
schon wufste. Aha torda verhält sich dabei wie ein hoch- 


274 


0. Heinroth: 


entwickelter Nestflüchter, leider sind mir die lebenden kleinen 
Jungen dieser Gruppe unbekannt. 

Grofse und kleine Eier derselben Vogelart scheinen nicht 
sehr verschiedene Dotter zu haben, wenigstens fand ich dies 
bei der Lachmöwe (Eier von 43 und von 30 g, Dotter je 9 g), 
und bei Limosa limosa. Herr L. Schuster, dem ich an dieser 
Steile für seine so uneigennützigen Bemühungen um mich 
meinen ganz besonderen Dank ausspreche, fand im April ein 
frisches Gelege dieser Art, Ei je 44—45 g, Dotter 13,3 g = 
etwa 29 %• Zwölf Tage darauf waren im selben Neste drei 
Eier von nur je 36—37 g, Dotter jedoch wieder fast genau 
ebenso grofs, d. h. 13 g = nunmehr 37 7o« Eiiie Anzahl 
Mandarinenten-Eier ergab folgende Zahlen: 43 g : 18,5 g = 43 ®/o; 
sechs 50 g“Eier hatten Dotter von je 18, 19, 19, 19,5, 20, 21,5 g 
= 38V2— 42%, ferner 53 g : 20 g = 38%. Von Haushuhn- 
Eiern einundderselben Rasse gilt etwa das gleiche. (Ei von 
45 g, Dotter 18 g; Ei von 68 g, Dotter 21 g, „Gefl. Börse“, 
30. 1. 20. Pachtik). Dagegen haben die Eier der kleinen 
Hühner- und Entenrassen dieselbe relative Dottergröfse, wie die 
der grofsen, also nicht verhältnismäfsig gröfsere Dotter. Aus- 
nahmsweise kleine Eier, die an Spareier grenzen, beherbergen 
anscheinend auch entsprechend kleine Dotter, z. B. Stockenten- 
ei: sonst etwa 52 g : 17 g; zu klein 41 g: 12 g, d. h. 30% 
gegen sonst 33 Vs %; ^has. colchicus (wild) regelrecht 33 g : 11 g; 
zu klein, aus demselben Gelege 24,2 g : 8 g = je Vs* 

Das Gewicht des neugeborenen, trockenen 
Jungen betrug bei allen von mir untersuchten Gruppen 
meist etwa Vs Gewichts des frischgelegten 

Eies (s. auch S. 178). Die Dottergröfse ist also anscheinend 
ohne Einflufs auf die Schwere des Jungen, einerlei ob es sich um 
ein dotterarmes Singvogel- oder ein dotterreiches Entenei handelt, 
ebenso ist die Brutdauer belanglos, z. B. frisches Ei der Ufer- 
schwalbe 1,5 g, neugeborener Vogel 1 g; Rohrweih 39 g : 26 g; 
Jagdfasan 30 g : 20 g; Brachvogel 75 g : 50 g. Gewichte neu- 
geborener Vögel finden sich in der letzten Spalte der Tabelle; ich 
habe sie sämtlich selbst festgestellt. Wenn das Eigewicht dabei 
vermerkt ist, so ist das frische (unbebrütete) Ei gemeint, aus 
dem der Vogel später geschlüpft ist. 

Dem neugeborenen Vogel wird je nach den verschiedenen 
Gruppen mehr oder weniger Dottervorrat in der Bauchhöhle 
mit auf die Welt gegeben, üeber diesen „Kükendotter“ gedenke 
ich in Kürze einiges zu veröffentlichen. Zum Verständnis der 
Gewichtsverhältnisse während der Brut sei nur folgendes Beispiel 
angeführt; Stockente, frisches (grofses) Ei 56 g; Dotter darin 
etwa 18 g; nach 25 Tagen Brut, gepickt, 45 g; trockenes Küken 
35 g; nasse Schale mit Geburtsresten 6 g; Kükendotter in der 
Bauchhöhle der Jungente 5 g. 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 275 

Die Gegenüberstellung der Gewichte der 
alten und der neugeborenen Vögel aus verschiedenen 
Gruppen führt zu den folgenden Erwägungen. Bekanntlich 
werden fast alle Vögel mit ganz wenig Brustmuskulatur und mit 
winzigen Flügeln geboren, einerlei ob sie sich später zu guten 
oder zu schlechten Fliegern entwickeln; eine Ausnahme machen 
ja nur gewisse Hühner, die flugfähig oder fast flugbegabt aus 
dem Ei kommen. Vergleichen wir also beispielsweise das Ge- 
wicht des alten Mauerseglers mit dem seines neugeborenen 
Spröfslings, so leuchtet es ein, dafs die beiden Tiere nicht gleich- 
wertig sind, denn das Junge hat zwar Kopf, Rücken, Beine und 
innere Teile ähnlich wie Vater und Mutter, ihm fehlt aber die 
Masse der mächtigen Brustmuskeln, die ja einen grofsen Teil 
des Gewichts von Cypselus ausmacheri. Anders bei den Ratiten. 
Der junge Emu ist wirklich eine verkleinerte Ausgabe des Alten : 
er kommt bereits mit sehr entwickelten Beinen aus dem Ei, und 
seine Brustknochen und die Muskulatur dazu sind ebenso wie 
beim Erwachsenen. Der Flugvogel entspricht also, am Straufse 
gemessen, im Verhältnis zu seinem neugeborenen Jungen einem 
viel leichteren Tier. Oder umgekehrt: wenn die Ratiten flugfähig 
wären, würden sie, dieselbe sonstige Gröfse vorausgesetzt, natür- 
lich viel schwerer sein, ohne dafs ihre Eier dann absolut gröfser 
zu werden brauchten. So erklärt sich vielleicht die erhebliche 
relative Eigröfse dieser Riesenvögel (s. S. 230). Für die ja gleich- 
falls flugunfäbigen Pinguine gelten diese Betrachtungen natürlich 
nicht, da sie eine gute Brustmuskulatur zum Schwimmen haben. 

Durch ein Beispiel wird das vielleicht noch klarer: nehmen 
wir ein Steifshuhn an, dessen Junge zwar ebenso wie die Alten 
gute Läufer sind, aber, zunächst noch flugunfähig, des Brustbein- 
kammes und der Flugmuskeln fast ganz ermangeln, während bei 
den Alten nach meiner Wägung die riesige Brustmuskulatur fast 
Vs des ganzen Körpergewichts ausmacht. Gäbe es eine flugun- 
fähige Tinamide, so würde sie also nur Vs entsprechend 
grofsen flugfähigen Form wiegen und doch wahrscheinlich ebenso 
grofse Eier, also auch ebenso schwere neugeborene Junge haben, 
wie die flugfähigen Verwandten. 

Allgemeine Betrachtungen und Vergleiche. 

Mit der Zunahme der Kleinheit der Vögel 
einerGruppe steigt dierelative Eigröfse bei 
den grofsen und den mittelgrofsen Formen zu- 
nächst nur wenig, schnellt aber dann beiden 
kleinsten sehr stark in die Höhe. Dieser Knick, den 
wir auf den Kurven der Blätter 1, la, Ib und zum Teil natür- 
lich auch auf 2 und 2 a sehen, liegt je nach den einzelnen Vogel- 
formen an etwas verschiedener Stelle. Besteht nämlich die 
ganze Gruppe im wesentlichen aus Kleinvögeln, so finden wir ihn 


276 


0. Heinroth: 


weiter nach links hin, als wenn sich eine Unterordnung oder eine 
Familie mehr aus grofsen Vertretern zusammensetzt, und die 
kleinen die Ausnahme bilden. Der Begriff des „kleinen“ 
Vogels gestaltet sich also je nach den Gruppen 
verschieden und drückt sich in unserem Falle dadurch aus, 
dafs die hetreifende Art links über diesen Knick zu stehen kommt. 
Um es einmal weniger wissenschaftlich auszudrücken: unter eine 
gewisse Gröfse lassen sich eine schlüpfreife Möwe, ein Raubvogel 
nicht verpacken, auch ihre kleinsten Arten nicht; die einzelnen 
Organe des Neugeborenen können eben eine gewisse Gröfse nicht 
unterschreiten. Dagegen sind die Eier der Kolibris im Vergleich 
mit denen der kleinen Singvögel verhältnismäfsig gar nicht sehr 
grofs, auch die der kleinsten nicht, denn für K o l i b r i s ist 
die Gröfse von Mellisuga minima anscheinend immer noch so be- 
trächtlich, dafs zur Beherbergung des Keimlings das Ei nicht 
besonders grofs zu sein braucht. 

Stellt man sich die Frage, in welchem Mafse das 
E i g e w i c h t , also die absolute Eigröfse, bei etwa gleicher Ei- 
zahl im Gelege mit der Körpergröfse oder Schwere des Vogels 
innerhalb einundderselben Gruppe zunimmt, so ergibt sich in ab- 
gerundeten Zahlen etwa folgendes, aus den Tabellen Zusammen- 
gestellte ; 

Oceanodroma (45 g) : Fulmarus (680 g) ; 

Diomedea (7500 g) = 1 : 15 : 170 

und ihre Eier (10 g : 105 g : 470 g) = 1 : 10 : 47 

oder 

Podiceps nigricollis (300 g) : P, griseigena 

(600 g) : -F. cristatus (1250 g) =1:2:4 

und ihre Eier (20 g : 28 g : 42 g) = 1 : 1 72 * 2 

oder 

Netiium crecca (330 g) : Anas hoscas 

(1000 g) =1:3 

und ihre Eier (26 g : 53 g) = 1:2 

oder 

Tetrastes bonasia (400 g): Lyr. tetrix 

(800 g) : Tetrao urogallus (2500 g) = 1 : 2:6 
und ihre Eier (20 g ; 34 g : 50 g) = 1 : 1 Va • 2 V 2 

oder 

Alle alle (160 g) : Frat, arctica (650 g) : 

JJria lombvia (1000 g) = 1 : 4:6 

und ihre Eier (28 g : 60 g : 102 g) =1:2:4 

oder 

Ereunetes pusillus (30 g) : Ancyl, suhar- 
quatus (60 g) : Tot. calidris (130 g) : 

L. limosa (230 g) : Fum. arquatus 

(900 g) = 1 : 2 : 4 : 8 : 30 

und ihre Eier (6 */4 g : 13 g : 22 g : 

39 g : 70 g) = 1 : 2 : 4 : 6 : 12 


Beziehungen zwischen Vogeigewicht etc. und Brutdauer. 277 

oder 

Sterna minuta (40 g) : Larus minutus 
(125 g) : L. ridibundus (250 g) : 

L. argentatus (1000 g) : L. marinus 
(1500 g) 

und ihre Eier (10 g : 38 g : 90 g : 

110 g 

oder 

Columhula picui (50 g) : T. turtur (160 g) : 

C. oenas (300 g) : C. palumbus (500 g) = 1 : 3 : 6 : 10 

und ihre Eier (3 g : 9 g : 16 g : 18 g) = 1 : 3 : 5 : 6 

oder 

Dendrocopus minor (21 g) : D. medius 
(40 g) : D. major (80 g) : P. martius 
(330 g) 

und ihre Eier (3 g : 4,5 g : 5,2 g : 1 1 g) 
oder 

Aeroc, streperus (13 g) : Corvus corax 

(1300 g) = 1 : 100 

und ihre Eier (1,6 g : 30 g) = 1 ; 20 

Bei Vögeln, die für die betreffende Gruppe besonders klein 
sind, steigt also das Eigewicht häufig in derselben Weise wie 
das Körpergewicht (z. B. bei den kleinsten Tauben- und Schnepfen- 
vögeln), bei den gröfseren treffen wir häufig den Fall, dafs bei 
Verdopplung des Körpergewichts die Eier etwa 1 V 2 so grofs 
werden, der dreifach so schwere Vogel hat nur doppelt so grofse 
Eier usw. — immer natürlich in ihrer Verwandtschaft, Lebens- 
weise und Eizahl sich sehr nahestehende Arten vorausgesetzt. 
(Vergl. auch die Zusammenstellung auf S. 271.) 

Als mitbestimmende Ursache der relativen Ei- 
gröfse könnte man auch die Stärke der Wasserver- 
dunstung mit in Betracht ziehen. Je nach dem Standort des 
Nestes und vor allen Dingen auch je nach der Länge der Brut- 
dauer wird die Wasserabgabe eines Eies während des Zeitraums 
der Bebrütung recht verschieden sein müssen, wenn wir nicht an- 
nehmen wollen, dafs besondere Anpassungen ausgleichend wirken. 
Gäbe ein kleines,' also mit verhältnismäfsig grofser Oberfläche be- 
gabtes, dünnschaliges Ei eines Langbrüters bis zum Ausschlüpfen 
beträchtlich mehr Feuchtigkeit ab, als das grofse, dickschalige 
einer kurzbrütigen Form, so müfsten entweder die Gewichte der 
neugeborenen Jungen oder die der Geburtsrückstände verschieden 
ausfallen, besonders dann, wenn die erste Art im Trocknen, die 
zweite an einem feuchten Orte nistet. Ich habe nun nie finden 
können, dafs eine solche Verschiedenheit besteht. Aufserdem 
ergibt die Betrachtung der Tabelle, dafs die Eier solcher Formen, 
die an dürren Orten brüten, durchaus nicht immer gröfser sind, 
als etwa die der Sumpfnister. So hat die Schleiereule auf ihrem 


= 1 : 2 : 4 ; 16 
= 1 : 1 V 2 • gegen 2 : 4 


= 1 : 3 : 6 : 24 : 36 
= 1 : 2 : 4 : 9 : 11 


Ö. Seinroth: 


278 

kahlen Nistplatz auf einem sonnendurchglühten, völlig trockenen, 
alten Kirchboden nicht nur die relativ kleinsten Eier von allen 
mittelgrofsen Eulen, sondern auch die längste Brutdauer; trotz- 
dem wiegt das ausschlüpfende Junge ebenso % frischen Eies 
wie das eines Waldkauzes, das in feuchter Baumhöhle bei nassem 
Frühlingswetter aus doppelt so grossem Ei in kürzerer Zeit er- 
brütet wird. Aufserdem lehrt die Erfahrung, dafs ein und der- 
selbe Vogel sein Gelege ebenso gut an ganz trockenen Orten bei 
Sonnenhitze wie an recht nassen Stellen bei Regenwetter zeitigen 
kann. Man denke an eine Stockente, die in dürrer Kiefernheide 
hoch oben auf einem ausgetrockneten alten Krähenneste während 
recht heifser Maiwochen brütet, und an ihre Schwester, die in 
nebelfeuchter, regentriefender Wiese im kalten März ihr Nest er- 
richtete. In beiden Fällen kommen die Jungen gut aus. Mir 
scheinen, vielleicht wenige, besonders angepafste Formen, wie 
Fodiceps und Eallus z. B., ausgenommen, die meisten Vogeleier 
so eingerichtet zu sein, dafs ihre Wasserverdunstung während 
der Brutdauer von äufseren Bedingungen nur wenig beeinflufst 
und dies kleine Mehr oder Weniger von dem Keimling gut ver- 
tragen wird. 

Wäre mir nicht gesprächsweise die Frage gestellt worden, 
ob lange Brutdauern vielleicht mit grofser Schalen- 
dicke Zusammenhängen könnten, da die Brutwärme dann 
schwerer zum Keimling dringe, so würde ich gar nicht erst da- 
rauf hin weisen, dafs alle Körper, also auch die Eischale, die 
Wärme ja gerade leichter annehmen und abgeben als Wasser, 
aus dem doch das Eiweifs gröfstenteils besteht. Aufserdem lehrt 
ein Blick auf die Tabellen und die Kurven, dafs keinerlei der- 
artiger Zusammenhang vorhanden ist, und oft gerade dickschalige 
Eier eine kurze (Haushuhn, Kuckuck), dünnschalige eine längere 
(Kiebitz, Baumläufer) Bebrütung bei derselben Wärmezufuhr be- 
nötigen. 


Wir haben bisher auf unseren Kurvenblättern den Verlauf 
der Linien der einzelnen Vogelgruppen studiert, es ergibt aber 
auch recht interessante Einblicke, wenn man recht verschieden- 
artige gleichgrofse Vögel vergleicht; einige Beispiele sollen das 
beweisen. So finden wir bei Verfolgung einer Ordinate auf Blatt 
Ib, dafs ein Vogel von 100 g folgende Eigröfsen haben kann: 

Kuckuck, Cuculus 

Nymphensittich, Calopsittacus 
Wachtel, Coturnix coturnix . . 

Wacholderdrossel, Turdus pilaris 
Götzenliest, Halcyon smyrnensis 

Zwergohreule, Scops 

Kleine Falken gegen 

Bekassine, GaUimgo gallinago . 


3 

*/» 

oder g 

ÖVsVo 

- 

7 

7o 

- 

7 

7« 

- 

11 

7o 

- . - 

12 

7o 

- 

151/2 % 

- 

17 

7« 

- 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 279 

Sturmvogelartige, JPröceWam/bmes, gegen 22^2% o<ier g 

Sterna anaestheta 34 ®/o 

letztere übertrifft also an Eigröfse den Kuckuck um das 11 fache. 

Durch Blatt 2 werden wir belehrt, dafs auch die Gelege- 
gewichte gleich grofser Vögel ganz ungemein verschieden sein 
können. Legen wir auch wieder ein Vogelgewicht von 100 g zu 
Grunde, so ergeben: 

Flaumfufstauben, Ftilopus 8 % oder g 

Sturmvogelartige, gegen 22^2 ®/o 


Nymphensittich, Calopsittacus . . . . 28 ®/o 

Wacholderdrossel, Turdus pilaris . . . 34 ®/o 

Sterna anaestheta 34 ®/o 

Zwergohreule, Scops 56 ®/o 

Götzenliest, Halcyon smyrnensis . . . 60 ®/o 

Bekassine, Gallinago gallinago . . . . 68 ®/o 

Wachtel, Coturnix coturnix 75 ®/o 


und die allerdings etwas kleinere 
Harlekinwachtel, Cot. delegorguei . . . 130 ®/o 

Auch wenn wir Vögel zusammenfassen, die dieselbe relative 
Eigröfse haben, kommen wir zu recht unerwarteten Gleich- 
stellungen. Dann finden wir beim Entlanggehen auf einer Ab- 
szisse, dafs ein Ei von z. B. etwa ö7o des Körpergewichts erzeugt 
wird: von den kleineren Kuckucken, dem Wiedehopf, manchen 
Papageien und Tauben, den Spechten, manchen Singvögeln, 
einigen Hühnern, Scharben, Reihern, Enten, Raubvögeln, Trappen, 
Schwänen und dem Emu. 

Der Vergleich der Brutdauern verschiedener Gruppen bringt 
noch überraschendere Ergebnisse. Wir entdecken, wenn wir eine 
Ordinate betrachten, dafs ein Ei von etwa 3—7 g zu seiner 
Erbrütung erfordert: bei vielen Singvögeln 11—13 Tage, bei 
anderen Singvögeln, dem Laufhühnchen und den kleinen Tauben 
14, bei manchen Wachteln und dem Mauersegler 19, bei den 
kleinen Papageien 18—21, und endlich bei der Sturmschwalbe 
gar 36 Tage. Ebenso erstaunt ist man, wenn man merkt, dafs 
ein 60 g-Ei, das in seiner Gröfse dem eines mittelgrofsen Haus- 
huhns entspricht, wenn es von diesem stammt, nur 207s~ 21 Tage 
braucht, um ein Küken zu ergeben ; fast alle übrigen Eier der- 
selben Gröfse aber haben längere Brutdauern nötig, so der Fisch- 
reiher 25 V*» Möwen 26, Enten 26—28, manche Hühnervögel 28, 
Plectropteriden gegen 32, die Schneeeule 33, der Kagu mindestens 
36 Tage, ebenso der Lund, und die Sturmvogelkurve kreuzt die 
60 g-Linie gar erst bei einer Tagzahl von 47. Ziehen wir bei 
diesem Vergleich die verschiedenen Entwicklungszustände der 
neugeborenen Vögel in Betracht, so kommen wir zu dem merk- 
würdigen Ergebnis, dafs z. B. das bewegliche fiaushuhnküken 
zu seiner Schlüpfreife weit unter der Hälfte der Zeit braucht, 
die ein Sturmvogel benötigt, der noch Wochen ja Monate lang 
im Nest sitzen mufs. 


^80 


Ö. Heinroth: 


Auch wenn wir auf den Blätter 3 und 3 a eine die Anzahl 
der Tage angebende Abszisse von links nach rechts verfolgen, 
mutet es uns sonderbar an, dafs zur Erbrütung ihrer Eier 
3 Wochen nötig haben: einige kleine Papageien, manche wachtel- 
artige Hühner, kleine Strandläufer, mittelgrofse Rallen, Zwerg- 
steifsfufs, Rieseneisvogel, Nachtreiher, Sichler, Pfaufasan, Inambu, 
Haushuhn und heiliger Ibis. Oder wir erfahren, dafs ein Kolibri 
so lange brütet, wie ein Ziegenmelker und länger als die Ringel- 
taube. Die geradezu ungeheuerlich klingende Tatsache, dafs die 
etwa 40 g schwere Sturmschwalbe zu ihrem Ei von 7 g ebenso 
lange braucht wie der Papageitaucher (650 g, Ei 60), etwas länger 
als alle Schwäne und so lange wie der amerikanische Straufs, 
dessen Ei mit 600 g also fast lOOmal gröfser ist und einen Nest- 
flüchter ergibt, wurde früher schon erwähnt. Man vergegen- 
wärtige sich ferner, dafs 42 Tage brüten: Struthio (Ei 1500 g), 
Catheturus (Ei 185 g), Sula (Ei 102 g), Daption (Ei 37 g); 
ähnlich verhalten sich auch der Steinadler (Ei 140 g) und der 
Rabengeier (Ei 115 g). Das Gröfsenverhältnis der Eier von 
Kaptaube {Daption) : Talegalla : Straufs beträgt fast genau 
1 : 5 : 40, wobei auch wieder das kleinste Ei dem Nesthocker 
zugehört (s. auch Seite 231). 


Wir haben bisher oft mit den üblichen Begriffen „Nest- 
hocker“ und „Nestflüchter“ gerechnet, ohne uns immer 
zu fragen, ob nun z. B. alle Nesthocker unter sich gleichwertig 
sind, oder vielleicht nicht doch recht verschiedene Entwicklungs- 
stufen darstellen. Auch mir erscheint es zweckmäfsig, in dieser 
Gruppe zwei Unterabteilungen zu unterscheiden, wie man es ja 
auch sonst schon getan hat. Einmal solche, die zwar ziemlich 
unentwickelt, aber meist sehend zur Welt kommen; sie sind ge- 
wöhnlich auch mit einem mehr oder weniger dichten Dunenkleide 
ausgestattet und werden nach verhältnismäfsig kurzer Zeit doch 
schon recht beweglich, wenn sie auch durch den oft hohen Stand- 
ort des Nestes wegen ihrer Flugunfähigkeit daran gebunden 
bleiben. Ich rechne hierzu besonders die meisten Reiher sowie 
die Störche, Cariama^ bis zu einem gewissen Grade auch die 
Raubvögel, Falconiformes^ und in geringerem Mafse die Eulen, 
Striges. Ganz junge Pinguine, Sphenisciformes, Sturmvögel, JPro- 
cellariiformes^ und Alke, Alcidae, kenne ich zu wenig, um mir 
ein Urteil darüber erlauben zu können. 

Die zweite Abteilung besteht aus denen, die an ihr N'est- 
hockertum noch besonders angepafst sind. Die Jungen sind häuflg 
ganz nackt, wohl fast immer blind und zum Teil für die Ent- 
gegennahme der Nahrung noch besonders ausgestattet, wie z. B. 
die Singvögel mit ihren verbreiterten und meist sehr lebhaft ge- 
färbten Rachen. Umgekehrt dazu haben bei den Tauben die 


Beziehungen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 281 

Eltern bekanntlich in ihrem Kropfe eine besondere Vorrichtung 
zur Erzeugung eines Nahrungsbreies für die kleinen Jungen. 

Ich rechne zu den NesthocTiern im engsten Sinne: Scharben, 
Steganopodes ; Tauben, Columhae\ Hopfe und Nashornvögel, üpu~ 
pidae und Bucerotidae; Segler, Cypselidae; Kolibris, Trochilidae; 
Kuckucke, Cuculidae; Spechte, Picidae, und Sperlingsvögel, 
Fasserif ormes. Von den Jungen der Mausvögel, Colii; Trogone, 
Trogones; Turakos, Musophagidae, und Tukane, Khamphastidae, 
weifs ich nichts Näheres. 

lieber die Entwicklungsstufen, in denen die Jungen Nest- 
flüchter aus dem Ei kommen, habe ich bei den einzelnen Gruppen 
schon gesprochen und insbesondere auch auf die Sonderstellung 
der Nachtschwalbe aufmerksam gemacht. 

Als Nestflüchter bezeichnet man : Flachbrustvögel, 
Ratites\ Steifsfüfse, Bodicipidae; Seetaucher, Colymbidae; Gänse- 
vögei, Anseriformes; Steifshühner, Hühnervögel, 

Gallig Laufhühnchen, Turnices; Rallen, Ballidae; Kraniche, 
Gruidae; Trappen, Otididae; Sonnenrallen, Eurypygidae\ Regen- 
pfeifer und Schnepfenvögel, Limicolae\ Möwen Laridae; Flug- 
hühner, Pterocles; (Ziegenmelker, Caprimulgus), 

Mir scheint, als wenn es wir bei der ersten Gruppeder 
Nesthocker, also bei den weniger spezialisierten, auch als 
Insessores spuriae bezeichneten, mit derursprünglichsten 
Vogelentwicklung zu tun haben, weil es sich hier am 
wenigsten um eine bestimmte Anpassung an äufsere Verhältnisse 
handelt; insbesondere möchte ich Cariama, No. 200, als ein solches 
Urbild auffassen. Frisch aus dem Ei geschlüpft, ähnelt sie den 
Reihern und ist einige Tage recht hilflos. Bald aber verläfst sie, 
noch völlig flugunfähig, das Nest und läuft mit den Eltern auf 
dem Boden herum, erst viel später kann sie fliegen {Cariamä), 
Die tiefbrütenden Reiherformen gehen gleichfalls bald in die Um- 
gebung des Nestes. Opisthocomus verhält sich offenbar ähnlich, 
vielleicht auch Bhinochetus. 

Alle derartigen Nesthocker haben meist auch lange Brut- 
dauern, was, wie wir im Laufe unserer Betrachtungen ge- 
sehen haben, gleichfalls sehr für ein ursprüngliches Verhalten 
spricht. 

Bei der Beobachtung der Keimesentwicklung 
durch Schieren der Eier ergibt sich, dafs bei den 
L a n g b r ü t e r n , z. B. bei Cairina, bereits im ersten 
Anfang eine deutliche Verzögerung gegen ver- 
wandte Formen, die kürzer brüten, wie z. B. Anas, fest- 
zustellen ist: so sieht man die ersten Blutgefäfse bei der 
Stockente ungefähr 2 Tage früher, d. h. etwa mit dem 4. Tage, 
während sie bei der Moschusente erst mit 6 Tagen deutlich 
werden. Dies Zurückbleiben ist auch bei Eulen im Vergleich 
mit Tauben oder besonders mit Singvögeln in allen Zeitabschnitten 

Joum, f. Orn. LKX. Jahrg. Aprü/JuU 1922, 19 


m 


Ö. Heinrotii: 


sehr auffallend. Ich habe mit der Zeit Uebung in der Beurteilung 
des Fortgeschrittehseins der Bebrütung eines mir vorgelegten 
Eies erlangt, kann aber, wie aus dem Vorhergesagten verständ- 
lich wird, den Zeitpunkt des Ausschlüpfens nur dann mit Sicher- 
heit Vorhersagen, wenn ich die Brutdauer der Art kenne. 

Man kann wohl im allgemeinen die Behauptung aufstellen, 
dafs Vogeiformen, die sich im Ei langsam entwickeln, 
auch nach dem Schlüpfen kein schnelles Wachs- 
tum zeigen; vielleicht gehen die Zellteilungen bei ihnen über- 
haupt langsamer. Auf den Zeitraum bis zum Abschlufs der 
Jugendentwicklung näher einzugehen, verbietet der Raum, denn 
es ist nicht möglich, sich darüber kurz zu fassen. Es gibt 
nämlich keinen für alle Vogelgruppen gleichwertigen 
Lebensabschnitt, bis zu dem man etwa die Kindheit 
rechnen könnte. Der Zeitpunkt des Nestverlassens der Jungen 
(fälschlich des Ausfliegens oder des Flüggewerdens) ist z. B. 
selbst innerhalb der Sperlingsvögel viel mehr von der Lebens- 
weise der Art als vom Wachstum der Jungvögel abhängig. 
Man denke dabei einerseits an die Lerchen, die mit 9 Tagen 
noch völlig flugunfähig aus dem Neste gehen, und andrerseits 
an die Schwalben, die eine beträchtliche Flügellänge erreicht 
haben müssen, ehe sie den Flug ins Freie wagen können: trotz 
der Kleinheit der Eirundinidae sind hier gegen drei Wochen 
nötig. Auch das Schwingenwachstum gibt keinen Anhaltspunkt, 
denn wie wir gesehen haben, wachsen die Flügelfedern bei den 
Limicolen sehr früh, bei den Rallen und den Tauchenten da- 
gegen beginnen sie erst zu sprossen, wenn die Tiere schon recht 
herangewachsen sind. Die Feststellung des Zeitpunktes, wo 
das Endgewicht erreicht wird, ist schwierig, und man kommt 
damit schliefslich doch nicht recht zum Ziele. So nimmt z. B. 
ein etwa 4 Wochen altes Habichtsweibchen im Gewicht kaum noch 
zu, verläfst aber erst 2 Wochen später, knapp flugfähig, den 
Horst, und das Grofsgefleder ist nicht ganz ausgewachsen und 
kaum völlig verhornt, ehe der Vogel nicht ein Alter von 3—9 
Wochen erreicht hat. 

Von vielen wird es für eine erwiesene Tatsache gehalten, 
dafs hochentwickelte Tierformen eine geringe 
Vermehrung haben, dafs ihre Jungen unentwickelt zur Welt 
kommen und langsam heranwachsen. Da dies für den Menschen 
gilt, und er sich häufig, weil er es in Bezug auf das Grofshirn 
ist, auch sonst für hochentwickelt hält, so stimmt die Annahme 
scheinbar gut Näher dürften wir der Wirklichkeit wohl kommen, 
wenn wir sagen: die Höhe der Entwicklung liegt bei manchen 
Lebewesen in ihrer ausgezeichneten Fortpflanzung (also viel und 
rascher Nachwuchs), bei andern in andern Eigenschaften, und 
dann brauchen sie weniger Junge und kommen mit langsamer 
Entwicklung aus. Niemand wird z. B. behaupten wollen, dafs 
die Sturmvögel die höchst entwickelten Vögel seien, aber sie 


Beziehungen zwischen Yogelgewicht etc. und Brutdauer. 28i 

gerade haben die schwächste Vermehrung, die längsten Brutdauern 
und eine sehr lange Nestzeit. Aehnliches gilt auch für 8ula, 
den Tölpel. Wie bei diesen Gruppen bereits erwähnt wurde, liegt 
ihre Stärke in dem Aufenthalt auf See und im Brüten auf ein- 
samen Inseln, deshalb war keine Zuchtwahl auf ausgiebige und 
schnelle Fortpflanzung nötig. Sonst finden wir Nesthockertum, 
also Hilflosigkeit der Jungen, überall da, wo das Flugvermögen 
zum Aufsuchen der Nahrung unbedingt nötig ist, und die Jungen 
also ihren Eitern anfangs doch nicht folgen könnten. Dafs 
Lerchen einerseits und Möwen andrerseits eine Ausnahme von 
dieser Kegel machen, liegt natürlich an ihrer Abstammung. (S. 
auch Laridae S. 56.) 

Nun will ich noch den Versuch machen, einen Ueberblick 
über die Reihenfolge der verschiedenen Vogel- 
gruppen nach ihren relativen Eigröfsen, den 
relativen G e 1 e g e g e w i c h t e n und nach ihren 
Brutdauern zu geben. Leider ist das im einzelnen nicht 
genau durchführbar, da sich, wie ein Blick auf die Kurvenblätter 
lehrt, die Linien häufig schneiden und sich auch die Vertreter 
einundderselben Vogelgruppe je nach ihrer absoluten Gröfse in 
ihren Ei- und ihren Gelegegewichten sehr verschieden verhalten 
können. 

Nach der relativen Gröfse der Eier ordnen sich 
mittelgrofse und gröfse Vögel: 

Apteryx und Procellariiformes, dann folgen in absteigender 
Ueihe: M eg apodiidae^ Erismatura ^ Cracidae^ Laridae^ Limicolae, 
Alcidae, Bhea^ Anserif ormes^ Chauna, Fhoenicopteri, Tinamiformes^ 
Musophagidae^ Striges, Colymhidae^ Gruidae- Otididae^ Sphenisci- 
formes, CasuariuSy Falconiformes^ Cariama^ Ardeae - Ciconiae, 
Gallidae I, Fodicipidae, Columhae^ Steganopodes^ Eucorax, Btruthio^ 
Psittacij Gallidae II, Passerif ormes (Cor ms) 

kleinere, etwa 300—900 g schwere Vögel: 

Megapodiidae, Procellariiformes^ Laridae^ Cracidae^ Alcidae^ 
Limicolae^ Falconiformes I, Rallidae 1, Musophagidae, Tinami- 
formes, Striges, FuUgulinae, Anatinae, Rallidae II, Falconiformes 
II, Ardeae^ Steganopodes^ Podicipidae^ Columhae^" Gallidae^ Psit~ 
taci^ Passeriformes 

kleinste Vögel, bis 240 g: 

Limicolae^ Laridae^ Procellariiformes^ Alcidae^ Guira-Cen- 
tropus , Falconiformes^ Rallidae^ Trogon^ Striges^ Coraciidae, 
Passeriformes y Ardeae^ Podicipidae^ Gallidae, Caprimulgus, Cyp- 
selidae, Picidae, Colius^ Columhae, Jacana, TrocMlidae, Psittaci, 
üpupa, Cuculus. 


^84 


Ö. Heinrotii: 


Die Gelegegewichte gröfserer Vögel verhalten sich in 
absteigender Linie, also mit denen angefangen, die die höchsten 
relativen Gelegegewichte haben: 

Anseriformes, Chauna, Apteryx, Tinamiformes, GalUdae^ 
Limicolae, Laridae, Striges, l^hoenicopteri, Gruidae - Otididae^ 
BalUdae^ Ardeae * Ciconiae^ Columbinae, Frocellariiformes, Sphe- 
nisciformes, Falconiformes^ Fässer iformes, Steganopodes, Alcidae^ 
Cariama^ Fsittaci, Carpophaga^Ftilopus. 

Für die kleineren und kleinsten gestaltet sich die Reihen- 
folge etwa so: 

Anseriformes, Gallidae, Eallidae, Guira, Larus^ Limicolae, 
Fasseriformes, Siriges^ Khinoehetus, Falconiformes, Cracidae, 
Steganopodes , Fodicipidae , Coracidae^ Sterna^ Musophagidae^ 
Ficidae, Frocellariiformes^ Fasseriformes, TJpupa, Jacana, Psit- 
taci, Trochilidae, Gaprimulgus, Cypselidae, Columbae. 

Für die Länge der Brutdauern ergibt sich etwa 
folgende Reihenfolge: 

Grofse und mittelgrofse Vögel: 

FrocellariiformeSf Dromaeus, Falconiformes, StrutMo, Ste- 
ganopodes, Ehea, Alcidae, Ehinochoetus, Striges, Anseriformes, 
Gruidae, Phoenicopterus, Ciconiae, Gallidae I, Limicolae, Laridae, 
Cariama, linamiformes, Ibidae, Gallidae II. 

Kleine Vögel: 

Frocellariiformes, Psittaci, Striges, Falconiformes, Syrrhaptes, 
Eurypyga, Limicolae, Laridae, Podicipidae, Eallidae, Ardeae, 
Cypselus, Caprimulgus, Trochilidae, Columbidae, Turnix, Passeri- 
formes, Cuculus, 


Ergebnisse und Zusammenfassung. 

Mit zunehmender Kleinheit der Vogelarten innerhalb einer 
Gruppe steigt die relative Eigröfse gewöhnlich zunächst langsam, 
dann aber bei den kleinsten Formen sehr rasch. 

Wenn man auch im allgemeinen sagen kann, dafs, wie zu 
erwarten, 

1. Kleinheit des Vogels, 2. Nestflüchtertum, d. h. weit vor- 
geschrittene Entwicklung des Neugeborenen, 3. geringe 
Eizahl im Gelege, 4. lange Brutdauer 
steigernd auf die relative Eigröfse wirken, so liegt doch durch- 
aus keine zwingende Notwendigkeit für diese vier 
Punkte vor, Sie gelten meist nur innerhalb der einzelnen Vogel- 


BeziehuDgen zwischen Vogelgewicht etc. und Brutdauer. 285 

gruppen, und beim Vergleich der Ordnungen und der Familien 
untereinander finden wir, dafs auch manchmaldas Gegen- 
teil davon zutriift. 

Sehr langeBrutdauern, besonders bei Nesthockern, 
sind als etwas Ursprüngliches aufzufassen und 
haben sich da erhalten, wo die Brut wenig gefährdet ist. Sie 
sind meist mit langsamer Entwicklung der Nestjungen gepaart. 

Kurze Brutdauern werden hervorgerufen durch 

1. innere Ursachen ; absolute Kleinheit des Eies, Nest- 
hockertum. 

2. äufsere Ursachen: Gefährdung des Eies durch Ueber- 
schwemmungen, Feinde usw.; Mehrbrütigkeit. 

Bei den meisten Nestflüchtern, die ja gröfstenteils Boden- 
brüter, also stark gefährdet sind, finden wir einen scharfen 
Wettstreit der inneren und der äuf seren Ur- 
sachen insofern, als die für die sehr fortgeschrittene Entwick- 
lung des Neugeborenen mechanistisch nötige Gröfse des Eies und 
die lange Brutdauer durch die Vieleiigkeit (Gefährdung der Art, 
es sind meist Beutetiere) und die Zuchtwahl auf Brutkürze (Ge- 
fährdung des Nestes) stark beeinflufst werden. 

Das Gewicht des neugeborenen Vogels beträgt 
bei allen daraufhin untersuchten Gruppen ziemlich genau Yg des 
frisch gelegten Eies (s. S. 274). 

Durch Wägung der gut mit Wasser gefüllten aus- 
geblasenen Eischale läfst sich die Schwere des frischen 
Eies recht genau ermitteln (s. S. 177). 


Ich möchte meine Betrachtungen, die ja noch sehr der Er- 
gänzung bedürfen, nicht schliefsen, ohne an die sammelnden 
Ornithologen die Bitte zu richten, ihr besonderes Augenmerk den 
Vogelgewichten, den Dottergewichten und den Brutdauern zu- 
zuwenden, denn hier weist die Vogelkunde viel gröfsere Lücken 
auf, als es die Balg- und die Eiersammlungen unserer Museen tuen. 


m 


Die Yogelwelt Macedoniens. 

Forschungsreise auf dem macedonischen Kriegsschauplatz 
1917 und 1918. 

Von Professor Dr. Otto Fehrlnger. 

Spezieller Teil. 

* 1. Corvus corax corax L. — Kolkrabe.^) 

Der Kolkrabe ist im ganzen Gebiet ein häufiger Vogel. 
Mancherorts ist er sehr häufig'; in grofser Zahl trieb er sich an ‘ 
der Abdeckerei bei Hudova herum. Dort stellten sie. sich von ihren 
oft weit entfernt liegenden Brutplätzen schon zu früher Morgen- 
stunde ein, um sich an den dort umherliegenden Abfällen gütlich 
zu tun. Bei starkem Wind machten sie dort ihre herrlichen Flug- 
spiele, besonders im Februar und März. Anfänglich führten sie 
diese Balzfiüge in gröfserer Anzahl aus, später aber gegen Ende 
März und Anfang April sah man sie nur noch paarweise ihre 
herrlichen Flugspiele ausführen. Sie wirbeln dabei oft wie dürre 
Blätter durch die Luft, wobei sie sich um ihre Längsachse drehen. 
Nähert sich ein Adler ihrem Flugplatz, so bemerkt man oft ein 
ähnliches Schauspiel wie zwischen Krähen und Sperber. Einige 
Kolkraben tun sich zusammen und necken den Adler so lange, 
bis dieser sein ruhiges Kreisen aufgibt und in majestätischem 
Schwebefiug das Weite sucht. Im Sommer scheint den Kolk- 
raben die Hitze sehr unangenehm zu sein; man sieht sie dann 
fast nur noch mit geöffnetem Schnabel umherfliegen. Aber trotz- 
dem waren sie auch während der heifsesten Tageszeit immer zu 
sehen. Ihre Brutplätze hatten sie sehr weit weg an steilen un- 
zugänglichen Felswänden, oft keine hundert Meter über der 
Hudowa-Ebene. Bei Rabrovo nistete ein Paar in nächster Nähe 
von Felsentauben. Sie sind besonders am Horste äufserst scheu. 
Auch am Luderplatz sind sie äufserst scheu und vorsichtig und 
besitzen die den meisten Rabenvögeln eigentümliche Eigenschaft, 
den harmlosen Wanderer von ihrem Feind aus grofser Entfernung 
und sicher zu unterscheiden. 

* 2. Corvus corone pallescens (Mad.). — Kleine Nebelkrähe. 

Die Nebelkrähen sind nicht gerade häufig, aber doch über- 
all in der Ebene anzutreffen. Besonders am Wardar entlang 

In der systematischen Folge der Arten und der Nomenklatur 
habe ich mich aus Zweckmäfsigkeitsgründen der „Ävifaunä Macedonica** 
von E. Stresemann angeschlossen. Ein Stern vor dem Artnamen be- 
deutet, dafs Belegexemplar an das Berliner Zoologische Museum ein- 
gesandt worden ist. F. 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


287 


sieht man sie ihrer Nahrung nachgehen. Sie brüten mit Vor- 
liebe in den lichten „Waldbeständen“ der Flufsufer zusammen 
mit anderen Krähen und Dohlen. Wardaraufwärts wird sie 
häufiger. Bei Gosdivar waren sie als Brutvögel häufig. 

* 3. Corvus frugilegus frugilegus L. — Saatkrähe. 

Saatkrähen sah man nur als Wintergäste, oft vermischt mit 
Nebelkrähen, in grofsen Flügen die Aecker nach Nahrung ab- 
suchen. 

* 4. Colaeus monedula soemmeringii (G. Fisch.). — 
Halsbanddohle. 

Die Dohlen gehören zu den häufigsten Vögeln Macedoniens. 
Sie sind das ganze Jahr hindurch in Gesellschaften anzutreffen. 
In den Städten brüten sie unter den Dächern der Häuser in 
grofser Zahl. Aber auch in einzelstehenden Weiden, in zer- 
klüfteten Felswänden brüten sie sehr häufig. Bei Valandova 
befand sich in einer durchlöcherten Kalkwand eine Brutkolonie, 
die einen ohrenbetäubenden Lärm verursachte. 

* 5. Fica pica pica L. — Elster. 

Die üfervegetation des Wardar und seiner Nebenflüsse ist 
überall dichtbevölkert von Elstern. An den auwaldähnlichen 
Partien brüten sie zu Hunderten, oft nahe beisammen. Das Nest 
steht bisweilen in niederen Bäumen oder Büschen, oft unter 
Mannshöhe. In der niederen Vegetation der Bergabhänge fehlt 
sie gänzlich. 

* 6. Garrulus glandarius glandarius (L.). — Eichelhäher. 

Der Eichelhäher bewohnt mit Vorliebe die Abhänge und 
Schluchten der Gebirge, soweit sie höheren Baumwuchs auf- 
weisen. Er ist deshalb nicht allzu häufig anzutreffen. In dem 
Mischwald oberhalb Mawrowa, wo herrliche Bestände von uralten 
Tannen, Fichten, Eichen, Buchen abwechselten, brüten sie 
häufiger. Im Winter trifft man sie, oft zu kleinen Gesellschaften 
vereinigt, in den Wäldern umherziehend. 

7. Fyrrhocorax graculus (L.). — Alpendohle. 

Auf den hohen Felsgebirgen in der Umgegend von Prilep 
ist sie Brutvogel. Ausgenommene Jungvögel befanden sich in 
den Händen der Prileper Schuljugend. 

* 8. Sturms vulgaris vulgaris L. — Star. 

Der Star ist ein häufiger Brutvogel, der auch z. T. in 
Macedonien überwintert. Er brütet mit Vorliebe in hohlen Pla- 
tanen und nahm auch gern selbst die primitivsten Nistkästen an, 
die ihm unsere Truppen aushängten. Mitte Mai 1917 flog die 
erste Brut aus. Von da an sah man ständig Familien von 6 bis 


288 Otto Fehringer: 1 

8 Köpfen herumstreichen, die sich dann später zu gröfseren 
Flügen vereinigten. Gegen Ende Juni 1917 flogen aus dem 
gleichen Kasten zum 2. Male Junge aus. Da aber die 2. Brut 
so unmittelbar auf die erste folgte, da gleich nach dem Aus- 
fliegen der 1. Brut alte Stare um den Besitz des Nistkastens 
kämpften, da aufserdem bei den herumstreichenden Familien 
immmer Alte dabei waren, so liegt die Vermutung nahe, dafs 
die 2. Brut im gleichen Kasten von einem anderen Starenpaar 
ausgebracht wurde, ja es machte sogar den Eindruck, als ob das 
2. Paar auf das Leerwerden der Wohnung gewartet hätte. An 
warmen Novembertagen 1917 sah man zahlreiche Stare nach 
Schwalbenart in der Luft Insekten fangen. Im Winter hielten 
sie sich gerne in der Nähe von Weidetieren und Viehdepots auf. 
Die meisten schienen aber fortgezogen zu sein. 

9. Fästor roseus (L.). — Kosenstar. 

Im Mai 1917 liefs sich ein Schwarm Rosenstare von ca. 

30 Stück im Wardartale bei Gradec und Kaluckova nur flüchtig 
sehen. Im Sommer 1918 waren zahlreiche Schwärme in der 
Umgegend von Prilep sichtbar. Die Flüge zählten 20—50 Stück 
und waren in ständiger Bewegung. Einzeln oder paarweise be- 
kam ich sie nie zu Gesicht. 

* 10. Oriolus oriolus oriolus (L.). — Pirol. 

Vom 2. Drittel des April ab erschallen die Auwälder der 
Ebene von den herrlichen Flötenrufen der Pirole. Nach einiger 
Zeit werden die Pirole seltener, denn es bleiben nicht allzuviele 
in den Niederungen zur Brut zurück. Der gröfsere Teil begibt 
sich in höhere Lagen oder in nördlichere Gebiete. In den Gärten 
der gröfseren Ortschaften sucht man ihn selten vergeblich. Bei 
Ueskueb und Radusche, ebenso am Oberlauf des Wardar, war er 
direkt häutig. Gegen Ende Juni nahm der Gesang merklich ab. 
Obwohl die Pirole in den ebenen Auwäldern nicht in der Anzahl 
als Brutvögel zurückblieben, in der sie Ende April sich herum- 
trieben, so jagten sie doch schon recht eifrig ihre Weibchen und 
balzten mit lautem Gesang. Dabei hatte man auch Gelegenheit, 
von einzelnen Männchen den selteneren, halblauten, langanhalten- 
den Vorgesang zu hören. 

* 11. Coccothraustes coccothraustes coccothraustes (L.). — 
Kirschkernbeifser. 

Der Kirschkernbeifser lebt im Winter zerstreut in Gebüschen 
der Ebene und nährt sich hier vorzüglich von den Früchten des 
Judendorns (Palinurus), der die Wegränder einschliefst. Zur 
Brutpit sucht er die Gärten der Ortschaften auf und dringt auch 
bis in höhere Lagen vor. Im Juli trifft man herumziehende 
Familien, die treu Zusammenhalten. Zu dieser Zeit waren die 
Kröpfe angefüllt mit lauter kleinen grünen Raupen. 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


289 


*12. Carduelis chloris mühlei (Parrot). — Balkangrünling. 

Nach Mitteilung von Geheimrat Reichenow unterscheiden 
sich die gesammelten Bälge in keiner Weise von der typischen Form 
chloris. Die Grünlinge treiben sich den ganzen Winter über 
einzeln und in kleinen Gesellschaften herum. 

* Carduelis chloris macedonica (Rchw.). 

Brutvogel im Arazlital und in den Gärten der ebenen Ort- 
schaften. Anfang Juni sah man sie öfter familienweise umher- 
ziehen, wobei die Alten ihre Jungen vorwiegend mit Wolfsmilch- 
samen aus dem Kropfe fütterten. Gesang und Balzflug waren 
häufig zu beobachten. Selbst an schönen Wiutertagen konnte 
man Teile ihres Gesanges vernehmen. 

* 13. Carduelis carduelis halcanica Sachtl. — 

Balkan Stieglitz. 

Der Stieglitz ist das ganze Jahr hindurch zu beobachten. 
Während er im Herbst und Winter sich zu gröfseren Flügen 
zusammenschart, sondern sich die Paare gegen das Frühjahr zu 
ab, um ihre Brutbezirke zu beziehen. Sie brüten in der Ebene 
und im Gebirge und bauen ihre reizenden, kunstvollen Nester in 
Hecken und auf Obstbäumen. Eines dieser Nester machte in- 
folge der fast ausschliefslichen Verwendung von Pflanzenwolle 
einen fast weifsen Eindruck. Es stand in der Nähe von Gradec 
in einem von Clematis überwucherten Busche neben einem Baum- 
wollacker. Ein weiteres Nest stand auf einem Pflaumenbaum vor 
der Moschee in Plaus. Es hatte ebenfalls eine fast weifse Farbe, 
die aber von der Benutzung von Schafwolle herrührte. Anfang 
Juni führten die Stieglitze in der Ebene ihre halbflüggen Jungen 
spazieren. Den Gesang der Stieglitze konnte man bei gutem 
Wetter das ganze Jahr hindurch vernehmen. Die Eingeborenen 
schätzten den Stieglitz als Käfigvogel, und die Vogelfänger 
Ueskuebs fangen sie mit dem Lockvogel, neben dem ein Fang- 
abteil, mit Hanf geködert, sich beim Betreten durch Federkraft 
automatisch schliefst. Selbst im Juni wurden auf diese Weise 
Stieglitze erbeutet. Die Käfige, die den Stieglitzen zum Auf- 
enthalt dienten, waren z. T. recht geschmackvolle, geräumige 
Turmkäfige, an denen nur die Schublade fehlte. 

14. Spinus spinus (L.). — Zeisig. 

Ein kleiner Flug Zeisige wurde am 10. und 16. April 1918 
bei Hudova durchstreichend beobachtet. 

* 15. Acanthis canndbina hella (Cab.). — 

Dickschnahelhänfling. 

Den ganzen Winter über ziehen die Hänflinge in kleineren 
Scharen umher. Gegen das Frühjahr zu lockern sich die Be- 


290 


Otto Fehringer; 


stände, bis man im April nur noch Paare sieht, während kleine 
Trupps bis zu 30 Stück aus Männchen und Weibchen gemischt, 
bis Mitte Mai noch vereinzelt angetroffen wurden. Die dort 
verbleibenden Pärchen beginnen mit Anfang April in dem hüge- 
ligen Gelände mit Vorliebe in verwilderten Weinbergen mit dem 
Nestbau, und man sieht die Weibchen fleifsig Wolle im Schnabel 
herumtragen. Die Männchen machen zu dieser Zeit ihre pracht- 
vollen Balzflüge nach Art der Baumpieper und machen sich 
aufserdem noch durch ihren herrlichen Gesang und ihre in der 
Sonne weitleuchtende Brust auffallend bemerkbar. Gegen Mitte 
Mai begann die Zeit, wo man ununterbrochen alte Hänflinge 
ihre Jungen umherführen sah. Dies dauerte bis nach Mitte 
August. Von Ende August an bemerkte man wieder gröfsere 
Scharen. 

* 16. Serinus canaria serinus (L.). — Girlitz. 

Während der Girlitz den ganzen Winter über in kleineren 
Schwärmen umherzieht und besonders die Weideplätze, Brach- 
äcker und verwilderte Weinberge, die von Vogelmiere über- 
wuchert sind, besucht, wird er gegen den April zu auffallend 
seltener und verschwindet langsam in die dichter bewachsenen 
Seitentäler des Wardar und in die höheren Regionen, um dort 
zu brüten. Da er den ganzen Winter über durch seinen klir- 
renden Gesang eine auffallende Erscheinung ist, macht sich sein 
Verschwinden im Frühjahr sofort bemerkbar. 

* 17. VyrrhvHa pyrrhula germanica Brehm. — 

MittlererGimpel. 

Während des Winters traf man vereinzelt einige Gimpel 
in den Tälern des Wardar und seiner Nebenflüsse. Zur Brutzeit 
zogen sie sich aber in die höher gelegenen Hochwälder zurück. 
In dem Mischwald von Mawrowa (1800 m) brüteten sie nicht 
allzu selten. 

* 18. Iringilla coelehs coelehs L. Buchfink. 

Die meisten überwinternden Buchfinken sind Männchen; 
jedoch befanden sich — wie bei uns — darunter auch einige 
Weibchen. Im März erschienen dann immer auffallend viele 
Weibchen in der Ebene, und die Männchen begannen, ihren 
Schlag einzustudieren und sich um die Weibchen zu balgen. 
Im April verschwanden sie aus den Ebenen und zogen sich in 
die Seitentäler und in die höheren Gebirge zurück. Im Nicola- 
Tal gegenüber von Gradec fand man Nester auf horizontalen 
Aesten der Platanen kunstvoll gebaut vielleicht 30 Meter über 
dem Wardar. In dem prächtigen Mischwald bei Koinzko 
brüteten sie sehr häufig (600 m), desgl. in dem Wald von Mawrowa 
(1800 m). Mau traf auffallend viele Exemplare, die statt des 


Die Vogelwelt Macedoniens. 291 

Lockrufes pink pink den nachtigallenähnlichen Lockruf wid wid 
hatten. 

*19. Fringilla montifringilla mofitifringüla L. — Bergfink. 

Im Februar 1918 erschienen bei starkeni Schneefall grofse 
Scharen von Bergfinken, die sich in unmittelbarer Nähe der 
menschlichen Behausungen herumtrieben. Nach der Schneeschmelze 
verschwanden sie alle. 

* 20. Fetronia petronia macrorhynchos Brehm. — 
Balkan-Steinsperling. 

In der Umgegend Prileps trieben sich an den grünen Ab- 
hängen mit einzeln herausstehenden Felsblöcken viele Steinsperlinge 
herum, die im Juni 1918 ihre schreienden Jungen fütterten. Die 
Nester standen in Felsspalten und waren nicht zu erreichen. 
Der Lockton der Alten war ein duäit dwäit und hatte Aehnlich- 
keit mit dem der Girlitze. Von ihrem Gesang vernahm man 
nur Bruchstücke. Er ist weit besser als der der anderen Sper- 
linge und hatte Anklänge an Stieglitzgesang und Schwalbenge- 
zwitscher. Zwischenhinein verraten sie aber doch immer wieder 
ihre Zugehörigkeit zu den Sperlingen. Ihr Flug ist auf gröfsere 
Entfernung hin bogig. Wenn sie von einem Fels zum anderen 
fliegen, also eine Art Balzflug machen, so steigen sie erst etwas 
in die Höhe, haben dann ein eigenartiges Schweben, wobei sie 
dann noch vor dem Anfliegen an die Sitzstelle grauammerartig 
ihre Beine herabhängen lassen. 

*21. Fässer domesticus domesUcus (L.). — Haussperling. 

* 22. Fässer montanus montanus (L.). — Feldsperling. 

Beide Sperlingsarten kommen gemeinsam mit einander vor, 
sowohl in Dörfern und Städten als auch im Freien. Man fand 
ebensogut Feldsperlinge in Dörfern, wie man weit weg von jeder 
menschlichen Behausung Haussperlinge kolonienweise in Hecken 
und Bäumen in freistehenden kugelförmigen Nestern brüten sah. 

* 23. Fässer hispaniolensis Mspaniolensis (Temm.). — 
Weidensperling. 

Der Weidensperling bewohnt die Hudova-Ebene. In zwei 
einzelstehenden Gebüschgruppen bei Kaluckowa befanden sich 
zwei kleinere Brutkolonien. Die Alten führten ihre Jungen im 
Grase herum, wobei sie in grofsen Sprüngen Insekten fingen, 
womit sie ihre Jungen aus dem Kropfe fütterten. 

* 24. Miliaria calandra calandra (L.). — Grauammer. 

Der Grauammer ist in den ebenen Gebieten ein häufiger 
Standvogel, der sich aber im Winter zu oft grofsen Scharen zu- 


292 


Otto Fehringer: 


sammentut. Stellenweise ist er so häufig, dafs er zu manchen 
Zeiten den Grundton des Vogelgesangs ausmacht Zur Balzzeit 
singen die Männchen mit zitternden Flügelbewegungen ungemein 
häufig. Die Strophe ist durchschnittlich länger als hei uns in 
Deutschland didididididirrrr oder auch ci trrr trrr trrr. Im 
Mai führten die Alten mit rätschenden Tönen und grofser Auf- 
regung ihre Jungen herum. Zu den Standvögeln gesellen sich 
aber im Frühjahr zurückkehrende oder umhergezogene, die dann 
'plötzlich die Gegend auffallend mit Gesang erfüllen. Diese 
kamen 1918 am 6. März. 

* 25. Emheriga citrinella erythrogenys Brehm. — 
Oestlicher Goldammer. 

Zwei am 2. und 3. VII. gesammelte Männchen gehören der 
Untersuchung von Geheimrat Reichenow zufolge zu der mittel- 
europäischen Form mit etwas ins Grünliche ziehendem Gelb der 
Unterseite und nicht zu der unterseits lebhaft gelb gefärbten 
östlichen Form erythrogenys. Die Goldammern traf man nur 
winters in der Ebene an. Zur Brutzeit waren sie ziemlich häufig 
am Oberlauf des Wardar (Ebene bei Gosdivar, bis 1600 m) 
und bei Mawrowa an den Rändern des dortigen grofsen Misch- 
waldes (1800 m). 

* 26. Emberiza melanocephala Scop. — Kappenammer. 

Die Kappenammern kommen ziemlich spät an (1918 am 
5. Mai) und sind bis Anfang August wieder alle verschwunden. 
Sie bewohnen die Hudova-Ebene und das Wardar-Tal bis Kal- 
kandelen. Sie bevorzugen etwas dichtere und höhere Hecken. 
Gleich nach der Ankunft machen sich die Männchen durch ihren 
auffallenden Gesang und ihr liebetolles Betragen weithin be- 
merkbar. Sie sitzen dabei auf der Spitze eines Busches, halten 
den Körper horizontral und den einen Flügel senkrecht nach 
oben geklappt, wobei sie unaufhörlich ihren kräftigen und ange- 
nehmen Gesang erschallen lassen. Während des ganzen Mai 
hindurch sind die Männchen derart liebeblind, dafs man sie 
beinahe mit dem Stock totschlagen kann ; man kann ein singendes 
Männchen einige Male fehlen, ohne dafs es abstreicht. Sie haben 
auch noch einen Balzflug: Das Männchen senkt sich von seinem 
Sitz herab, flattert langsam über den Boden hin und erhebt 
sich dann wieder zu einem anderen erhabenen Sitz, wobei es 
ununterbrochen singt. Dieser Gesang ist dann öfter länger als 
die normalen Strophen und zeigt oft Anklang an Buchfinken- 
schlag, jedoch mit ammerartigem Anfang. Im Juni werden die 
Männchen auffallend scheuer; gegen Ende des Monats führen die 
Alten ihre Jungen herum und beginnen zu mausern. Von Mitte 
Juli ab verschwinden die meisten, wenigstens aus den Ebenen. 
In den Seitentälern hört man noch Alte mit ihren Jungen 
herumziehen bis Ende des Monats. Die Jungen haben einen 


Die Vogelwelt MacedonieDs, 


29B 


auffallenden Lockton, der wie djöll klingt und .dem der Grünlinge 
ähnelt. Es scheint also immer nur eine Brut stattzufinden. 

* 27. Emheriza cirlus L. — Zaunammer. 

Der Zaunammer ist der häufigste Ammer in den tieferen 
und mittleren Lagen Macedoniens. Sein Betragen ist goldammer- 
ähnlich. Vom Februar an hört man seinen ziemlich gleichförmigen 
Gesang, der aber bei genauerem Aufmerken selbst von den 
gleichen Individuen verschieden vorgetragen wird. Er klingt wie 
bi bi bi bi bi bi bi in gleicher Höhe und Stärke oder wie; 
dideeeee ähnlich dem Klappern der Zaungrasmücke. Später sang 
das gleiche Männchen: trlrlrlrlrlr und: rrrrrrr. Ein anderer 
sang: dededededede und: jejejejejeje, zuerst die einzelnen Töne 
noch genau unterscheidbar, später aber in so schneller Beihen- 
folge, dafs sie sich wie ein Triller anhörten. Zum Gesang wählten 
sich die Männchen innerhalb ihres Brutbezirkes immer die 
gleichen Lieblingsplätze, entweder einen hervorragenden Felsen 
oder die Spitze eines Strauches. Von Mitte Mai ab bis Anfang 
August sah man die Alten ihre Jungen herumführen. Im Winter 
sah man ganze Scharen umherstreichen, unter denen sich aber 
auch noch Zippammern und Goldammern befanden. 

* 28. Emherizä hortulana L. — Gartenammer. 

Der Ortoian ist an den steinigen Abhängen, die mit Quercus 
coccifera bestanden sind, ziemlich häufig. Er kommt Mitte April 
an und verschwindet erst verhältnismäfsig spät; denn man sah 
ihn noch im November bei Kaluckowa. Er bewegt sich gerne 
auf dem Boden, während das Männchen sich zum Singen meist 
auf die Spitze eines niederen Busches setzt. Der Lockton ist ein 
kräftiges und typisch ammerartiges didi, das diphtongähnlich 
und geprefst klingt und wobei der 2. Ton etwas höher und 
stärker als der erste ist. Aufserdem hat er noch als Lockton 
ein jäck, das an den Buchfink erinnert. Der Gesang ist in der 
Höhe und der Klangfarbe dem Goldammergesang sehr ähnlich. 
Er klingt wie: didididi^j.^^ oder dididi^g^ oder dilidüidül^^ 

29. Emberiza via eia L. Z i p p a m m e r. 

Zippammern trieben sich den ganzen Winter über in den 
Ebenen herum, waren aber nie sehr häufig. Bisweilen sah man 
sie auch in Gesellschaft von anderen Ammern. Bei dem grofsen 
Schneetreiben im Februar 1918 kamen sie überall an die Häuser 
und man erhielt viele Exemplare lebend. Im April verschwanden 
sie aus den Ebenen und zogen sich in die höheren Regionen 
zurück, wo sie brüteten. An den Abhängen nördlich von Prilep 
und auf den dortigen Höhen (1000—1400 m) brüteten sie nicht 
allzu selten. Im Juni 1918 konnte man dort die Männchen auf 


^94 


Otto Fehringeif: 


Felsklöcken sitzen .sehen und sich an ihrem angenehmen Gesang 
erfreuen. " Dieser Gesang ist äufserst schwer zu beschreiben, hat 
aber gar nichts ammerartiges. Am meisten Aehnlichkeit hat er 
mit dem Gesang der Braunelle. 

30. Emheriza pyrrhuloides reiseri Hart. — 
Balkan-Gimpelammer. 

In den Rohrbeständen des Katlanowo-Sumpfes waren sie 
zur Brutzeit nicht gerade selten ; es war mir aber nicht möglich, 
ein Exemplar zu erbeuten.' Der stammelnde Gesang war dem 
unserer Rohrammern sehr ähnlich. 

* 31. Melanocorypha calandra calandra (L.). — 
Kalanderlerche. 

Im Spätherbst und Winter trieben sich die Kalanderlerchen 
in ziemlich grofsen Scharen in der Hudova-Ebene herum. Bei 
dem grofsen Schneetreiben im Februar 1918 sah man Scharen 
bis zu 200 Stück, die einen sehr nahe herankommen liefsen. 
Besonders in der Nähe des Viehdepots hielten sie bis zur Schnee- 
schmelze aus und nährten sich von den Abfällen. Wenn man 
aus einer Schar einige herausschofs, so flogen die übriggebliebenen 
dicht über dem Boden streifend, davon, kehrten aber in einem 
Bogen fast genau wieder zur gleichen Stelle zurück, von der sie 
ausgeflogen waren, so dafs man von der gleichen Stelle aus, frei 
im Gelände stehend, mehrmals denselben Schwarm beschiefsen 
konnte. Auffallend war, dafs trotz des anhaltenden schlechten 
Wetters die Tiere sehr gut genährt, ja z. T. sogar recht fett 
waren. Wenn wir nicht ständig üeberflufs an Fleischnahrung 
gehabt hätten, so hätten wir bequem unsere Küche verbessern 
können. Recht auffällig war bei diesen Scharen der Gröfsen- 
unterschied zwischen Männchen und Weibchen. Anfang März 
verschwanden die Scharen aus der Hudova-Ebene. In der Um- 
gegend von üeskueb und nördlich davon auf steppenähnlichen 
Gebieten bei Kumanowo brüteten sie ziemlich häutig. Das 
Männchen machte die komischsten Balztänze um sein Weibchen, 
ähnlich wie die Haubenlerchen, wobei es unaufhörlich seinen 
prächtigen Gesang hören liefs. Dieser war zunächst feldlerchen- 
artig, ging aber dann bald in ein wahres Potpourri von anderen 
Vogelgesängen über. Die Gesänge von Hänfling, Grauammer, 
Stieglitz u. a. wurden mit wahrer Meisterschaft in verschiedener 
Tonstärke als zusammenhängendes Ganze vorgetragen. Der Ge- 
sang erfolgte in der Luft und auf dem Boden. Ein besonders 
begabtes Männchen, das nur leicht geflügelt war, lebte im Käfig 
in Deutschland noch über ein Jahr und zeigte, dafs es noch über 
einen grofsen Vorrat von anderen Vogelstimmen verfügte. Leider 
ging es durch einen unglücklichen Zufall zugrunde. 


295 


Die Yogeiwelt Macedonieud. 

* 32. Calandrella hrachydactyla moreaiica (Mühle). — 

^ Balkan-Stummellerche. 

Anfang April kehrt diese Lerche aus dem Süden zurück 
und macht sich bald durch ihren Gesang und ihren feldlerchen- 
ähnlichen Lockton bemerkbar. Am Anfang sind sie noch zu 
kleinen Gruppen von 6—10 Stück zusammen, sondern sich aber 
bald paarweise ab. Sie brüten ziemlich zahlreich in der Hudova- 
Ebene und auf den Bergabhängen mit Steppenvegetation. Das 
Männchen läfst seinen einfachen, aber angenehmen Gesang er- 
schallen vom Boden aus, von der Spitze eines Pfahles herab und 
in lerchenartigem Fluge. Mit zierlichen Schritten trippeln sie im 
Grase umher, wobei sie zwischenhinein mit beiden Beinen ge- 
legentlich Sprünge machen. Das auf einem Pfahl oder Weinstock 
sitzende Männchen macht während des Gesanges mit den Flügeln 
bisweilen zitternde und schlagende Bewegungen. Während des 
Gesanges im Fluge legen sie die Flügel abwechselnd an und 
breiten sie wieder aus, so dafs der Flug ein hüpfender wird. 
Der Gesang kann als stammelnd bezeichnet werden. Die einzelnen 
Strophen folgen sich mit kurzen Pausen und haben einen Cha- 
rakter wie die Strophe des Hausrotschwanzes ohne die gequetschten 
Töne. Die Strophen sind sehr ungleich und deshalb schwer zu 
beschreiben. Bald erinnern sie an den Schlag des Buchfinken, 
aber ohne bestimmten Takt, bald an die Strophe des Fitis, wo- 
bei aber jeder Ton stärkt gekürzt ist. Sehr oft vernahm man 
die Strophe: bibibibibi, ähnlich der des Turmfalken, bald aber 
spottete sie wie eine Haubenlerche, deren typische Locktöne sie 
vorzüglich nachahmte. 

* 33. Galerida cristata meridionalis Brehm. 

Balkan-Haubenlerche. 

Die Haubenlerchen sind überall in den Ebenen und auf 
den flachen Hügeln anzutreffen. Man hört ihren Gesang von 
Anfang Februar bis in den August und an schönen Herbsttagen. 
Zwar hört man auch dort Nachahmungen von Schwalbe, Hänf- 
ling, Heidelerche u. a., aber gegen unsere deutschen Exemplare 
sind es grofse Stümper, Von Mitte April ab fand man die 
Nester, die zierlich in den Boden hinein gebaut waren, mit 
4—5 Eiern bis zum Juli. Bemerkenswert ist noch, dafs man 
die Haubenlerchen häufig auf dünnen Zweigen der Quercus 
coccifera sitzen sah, wo sie sich sehr bequem und ungezwungen 
hielten. 

* 34. Lullula arhorea flavescens Ehmcke. — 
Oestliche Heidelerche. 

Die Heidelerche zog im Winter in gröfseren Scharen in 
der Wardar-Ebene umher, machte aber dabei gröfsere Streif- 
züge, so dafs man sie oft tagelang nicht zu Gesicht bekam. Als 


ä96 Otto Fehringer i 

Brutvogel traf man sie nur in mittleren und höheren Lagen, so 
auf der Plaus-Planina, bei Prilep und auf den Wiesen.bei Gos- 
divar und Mawrowa (1800 m). Den herrlichen Gesang konnte 
man fast das ganze Jahr hindurch hören; denn sie sang auch 
auf ihren Ueberwinterungspiätzen in der Ebene so laut und so 
schön wie an ihren Brutplätzen. 

35. ? Chionophilos alpestris halcanicus (Rchw.). — 
Balkan-Ohrenlerche. 

Oberhalb Mawrowa sang über einer grasbewachsenen Kuppe, 
etwa 2200 m hoch, eine Lerche, deren Gesang weniger kräftig 
als der einer Feldlerche war, sich von diesem, den man daneben 
zu hören Gelegenheit hatte, aber dadurch unterschied, dafs er 
Strophen anderer Vögel wie z, B. Goldammer brachte und 
solche Motive sehr oft wiederholte. Das Herablassen und Auf- 
steigen war wie bei der Feldierche. Leider war der Vogel so 
scheu, dafs es nicht möglich war, ihn zu erbeuten. Es war 
Anfang Juli 1918. 

* 36. Alauda arvensis cantarella Bp. — 
Südeuropäische Feldlerche. 

Die Feldlerchen überwintern in der Hudova-Ebene in 
kleineren und gröfseren Scharen. Im Dezember 1917 und Januar 
1918 sah man sie häufig bei Miletkowo, Dedeli, Kaluckowa und 
Hudowa. Bei dem grofsen Schnee im Februar 1918 waren sie 
am Viehdepot bei Hudova sehr häufig. Mitte März verschwanden 
sie allmählich und zogen sich in die höhergelegenen Wiesen 
zurück, ln der Ebene bei Gosdivar und oberhalb Maw- 
rowa (1800—2000 m) traf mansie im Juni und Juli sehr häufig 
an. An der gleichen Stelle, wo der Gesang der Ohrenlerche er- 
tönte, sangen viele Feldlerchen, sodafs der Unterschied sehr 
auffiel. 

* 37. Anthus mosellanus mosellanus (Gm.). ~ Brachpieper. 

Mitte April kehren die Brachpieper zurück und treiben 
sich zunächst noch in kleineren Gruppen von 6—10 Stück her- 
um. Später verteilen sie sich paarweise auf kurzrasiges, meist 
trockenes Gelände, mit Vorliebe auf Abhänge gegen die Ebenen 
hin. In der Umgegend von Prilep traf man im Juni die Paare 
nicht allzu selten. An seinem Brutplatz macht sich das 
Männchen bald durch Balzflug und Gesang angenehm bemerkbar. 
Sein Lockton ist ein ditrü, didlü, ditschri oder didili. Der Ge- 
sang ist eine Zusammensetzung dieser Locktöne.. Beim Balzflug 
steigt er erst schräg in die Höhe, beschreibt dann einige flache 
Bogen nach unten und gleitet dann schräg abwärts wieder zum 
Boden zurück. Jedesmal wenn er nach einem flachen Bogen 
wieder auf die Höhe gelangt ist, verweilt er etwas auf dieser 


Die Vogeiwelt Macedoniens. 297 

Höhe und läfst dabei seinen kurzen wohlklingenden Gesang , 
hören. 

* 38. Änthus trivialis (L.). — Baumpieper. 

Anfang April kamen die Baumpieper wieder zurück. An 
den Abhängen des Arazli-Tales machten sie fast den ganzen 
April hindurch ihre herrlichen Balzflüge. Aber noch Ende des- 
selben Monats sah man noch Gruppen von 8— 10 Stück, die an- 
scheinend noch auf dem Zug waren. Im Mai waren diese alle 
verschwunden, und man fand die Brutvögel in gröfseren Höhen, 
so z. B. am Oberlauf des Wardar im Juni und Juli. 

* 39. Änthus pratensis (L.). — Wiesenpieper. 

Die Wiesenpieper wurden nur im Winter am Wasser be- 
obachtet. Sie trieben sich am Wardar und seinen Zuflüssen 
herum. Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit waren sie spurlos 
verschwunden. Anfang April 1917 wurde ein Männchen erbeutet, 
das stark in der Mauser des Kleingefieders war und dessen 
Kehle einen rötlichen Schimmer hatte. 

* 40. Änthus spinoletta spinoletta (L.). — Wasserpieper. 

Der W’^asserpieper trieb sich den Winter über öfter an 
gleichen Plätzen herum wie der Wiesenpieper. Es waren meist 
nur kleine Gruppen von 4—5 Exemplaren. Zum Brutgeschäft 
zog er sich auf die Hochgebirge zurück. 

41. Budytes flavus flavus (L.). — Schafstelze. 

Anfang April bis Anfang Mai 1917 sah man Schafstelzen 
vereinzelt bei weidendem Vieh in der Hudova-Ebene. Nach 
dieser Zeit waren sie verschwunden und nirgends mehr zu sehen. 
Sie scheinen also für dieses Gebiet nur Durchzügler zu sein. 

* 42. Budytes flavus feldegg (Michah.). — Maskenstelze. 

Die Maskenstelzen sind in sumpfigem Gelände ziemlich 
häufig, so bei Mravinka, Marzalick und im Katlanowo-Sumpf. 
An der grofsen Strafse bei Ueskueb nach dem Katlanowo-See 
sah man sie häufig auf den Telegraphendrähten sitzen. Wenn 
man in die Nähe ihrer Jungen kam, stiefsen sie ihren Lockton 
aus, der Aehnlichkeit mit dem Grauammergesang hat. In ihrem 
sonstigen Benehmen zeigt sie grofse Aehnlichkeit mit der Schaf- 
stelze. 

* 43. Motacilla cinerea cinerea Tunst. 

Gebirgsbachstelze. 

Diese Bachstelze treibt sich den ganzen Winter über in 
den Ebenen herum und zieht sich zur Brutzeit in die schlucht- 
artigen Seitentälern zurück, die sie ziemlich zahlreich bewohnt. 

Joum. t Om. LXX. JfJaxg. AprÜ/Juli 1922. 20 


^98 


Otto Fehringer: 


Im Arazli-Tal und Nicola-Tal brütet sie häufig. Kommt mau : 
mit dem Jagdhund in die Nähe ihres Brutplatzes, so werden die 
Alten sehr aufgeregt und umkreisen den Störenfried in flatterndem 
Fluge, wobei das Männchen seinen kräftigen Gesang hören läfst, 
der grofse Aehnlichkeit mit den Strophen von Zaunkönig und 
Baumpieper hat und der wie frohlockend klingt, wenn man sich 
etwas weiter entfernt hat. 

* 44. Mötacilla alba älba L. — Weifse Bachstelze. 

Die weifse Bachstelze ist im ganzen Gebiet mit Ausnahme 
der höheren Gebirge Stand- und Brutvogel. Von Mitte Mai ab 
trifft man erwachsene Junge an. 

45. Certhia familiaris familiaris L. — Waldbaumläufer. 

* 46. Certhia brachydactyla brachydactyla Brehm. — 

Gartenbaumläufer. 

Den Gartenbaumläufer traf man den ganzen Winter über 
vereinzelt in den Baumbeständen der Ebenen an. Bei schönem 
Wetter konnte man ab und zu seine charakteristische Strophe 
hören. Den Waldbaumläufer im Winter zu beobachten oder zu 
erhalten, gelang mir nicht. Dagegen brüteten beide Arten 
neben einander in dem herrlichen Mischwald oberhalb Mawrowa 
(1800 m). So schwer es ist, die beiden Arten beim Beobachten 
mit dem Glas zu unterscheiden, so leicht ist es, die taktmäfsige, 
kurze Strophe des Gartenbaumläufers von dem netten zarten 
Liedchen des Waldbaumläufers auseinanderzuhalten. 

* 47. Tichodroma muraria (L.). — Mauerläufer. 

Der Mauerläufer ist an den steilen Felsabhängen der 
malerischen Radica-Schlucht keine seltene Erscheinung. Er 
wurde dort zur Brutzeit angetroffen. Im Winter scheint er 
auch in tiefer gelegene Schluchten herabzusteigen. 

* 48. Sitta euröpaea caesia Wolf. — 
Gelbbäuchiger Kleiber. 

Dieser Kleiber bewohnt die Waldbestände der tieferen, 
mittleren und höheren Lagen, z. B. Nicola-Tal, Koinzko, Salan- 
schak, Bapuna-Pafs. Er war an diesen Plätzen Standvogel; denn 
am Salanschak war er zu jeder Jahreszeit anzutreffen, und zwar 
in auffallender Häufigkeit, ln den Mischwäldern oberhalb Maw- 
rowa (1800 m) war er eine recht häufige Erscheinung. Die 
Alten fütterten Anfang Juli ihre zahlreiche Nachkommenschaft. 

* 50. Sitta neumayer neumayer Michah. — Felsenkleiber. 

In den Wintermonaten traf man den Felsenkleiber an den 
steilen Felsabhängen des Wardar-Tals und der Seitenschluchten. 


Die Vogeiwelt Macedoniens. 299 

Auch bei den wenig ausgedehnten Felspartien bei Valandova 
trieb sich ein Paar herum und machte sich durch seine auf- 
fallenden Rufe weithin bemerkbar. Zur Brutzeit traf man ihn 
an den schroffen Felwänden des eisernen Tores bei Demirkapu 
an den Felsabhängen um Prilep, an den steilen Felskuppen beim 
Kloster Treskovac und an ähnlichen Plätzen. An den genannten 
3 Orten sah man prachtvolle Nester, die teilweise zu fertigen 
Retortennestern ausgebaut waren. Die Lage der Nester war 
derart, dafs es unmöglich war, eines unversehrt zu erhalten. 
Alte und Junge machten sich durch ihr lautes Wesen so auf- 
fallend, dafs es ganz unmöglich war, sie zu übersehen. Das 
düü düü düü des Waldlaubsängers machte einen grofsen Teil 
der Locktöne und des Gesanges aus. Die Locktöne duit duit 
duit waren kürzer als bei unserem Kleiber. Einige Strophen 
klangen wie: bibibibibibibibibi, zuletzt immer langsamer werdend, 
oder wie: gib gib gib gibgibgibgib, oder wie: tschib tschib 
tschib tschib fschib^^g^^l Ihre Jungen schreien: wuit wuit wuit 

u. a. Bei diesen Kleibern ist es wie bei den unsrigen: man 
lernt ihren Stimmreichtum niemals aus. 

* 51. Farus major major L. — Kohlmeise. 

Die Kohlmeisen bewohnen alle Gebiete, wo etwas üppigere 
Vegetation vorherrscht. An den steinigen Abhängen, die nur 
mit Quercus coccifera bestanden sind, fehlt sie völlig. Auch in 
den hochgelegenen Wäldern oberhalb Mawrowa (1800 m) brütet 
sie häufig. 

* 52. Farns caerulens caeruleus L. — Blaumeise. 

Die Blaumeise war nirgends häufig anzutreffen. Im Winter 
trieb sie sich an den bewaldeten Ufern herum, im Sommer be- 
vorzugte sie die Obstgärten der Dörfer mittlerer Höhe. 

* 53. Parus ater ater L. — Tannenmeise. 

Die Tannenmeise brütet in den Mischwäldern oberhalb 
Mawrowa ziemlich häufig, bevorzugt aber auffallend die Wald- 
partien mit reinem Nadelholz. Im Juni und Juli 1918 zogen sie 
familienweise dort herum, wobei die fast erwachsenen Jungen 
noch gefüttert wurden. 

* 54. Farns Inguhris luguhris Temm. — Trauermeise. 

Die Trauermeise bewohnt das Wardal-Tal und die Seiten- 
täler bis zu mittlerer Höhe. Sie brütet mit Vorliebe in Pla- 
tanen und Maulbeerbäumen und macht sich durch ihren lauten 
Gesang so bemerkbar, dafs sie häufiger zu sein scheint, als sie 
wirklich ist. Der Lockton ist ein kohlmeisenähnliches dawewe. 
Die Gesangstrophen klingen zwar sehr verschieden, haben aber 
alle eine charakteristische Klangfarbe. Sie klingen wie: 

20 * 


Otto Fehringer: 


m 

löll/löll/löll/löll/löll/löll/löll oder fülpfülpfülpfülpfülpfülpfülp oder 
wädewädewädewädewädewädewäde oder Die 

Klangfarbe ist hierbei eine andere als bei der Kohlmeise. 
Da man im Arazli-Tal schon am 12. April brütende Weibchen 
fand und Anfang August ebendort Alte ihre frisch ausgeflogenen 
Jungen füttern sah, so darf man vermuten, dafs sie drei Bruten 
machen. 

* 55. Parus communis fruficeti Wallen gr. — 
Glanzköpfige Sumpfmeise, 

In den gemischten Waldungen am Salanschak brütete die 
Sumpfmeise und hielt sich auch im Winter dort auf. Im Juni 
und Juli 1918 traf man sie mit ihren Jungen im Mischwald ober- 
halb Mawrowa nicht gerade selten. 

* 56. Aegithdlos caudatm maceäonicus X caudatus. — 
Schwanzmeise. 

Im ganzen Gebiet des Salanschak (600—900 m) trieben sich 
im Winter Meisenschwärme herum. Oft sah man Gruppen von 
20—30 Stück Schwanzmeisen. Ab und zu sah man in deren 
Gefolge einen kleinen Buntspecht. Im Nicola-Tal konnte man 
zur Brutzeit ihren leise wispernden Gesang vernehmen. 

* 57. Anthoscopus pendulinus pendulinus (L.). — 

Beutelmeise. 

Die Beutelmeise macht sich bald durch ihren durchdringenden 
Lockton, der wie ein scharfes, langgezogenes S klingt, bemerkbar. 
Man traf sie fast stets in Weidenpflanzungen nahe beim Wasser. 
Ihr kunstvolles Nest hängt sie mit Vorliebe an schwankende 
Weidenzweige unmittelbar am Wasser. In den bewässerten 
Gärten um Ueskueb wurde ein Nest mit eben ausfliegenden 
Jungen Anfang Juni beobachtet. Das Nest war über 8 m hoch 
über den bewässerten Gartenbeeten; das Wasser wurde in 
schmalen Rinnen sehr weit hergeleitet; das ganze Gartengelände 
lag weit vom Wasser entfernt. 

* 58. Eegulus regulus regülus (L.). — Wintergoldhähnchen. 

* 59. Begulus ignicapillus ignicapillus (Temm.). — 

Sommergoldhähnchen. 

Wintergoldhähnchen trieben sich in kleinen Gruppen an 
den Abhängen um die Hudva-Ebene herum vom Herbst bis zum 
Frühjahr umher. Sie blieben nie lange in einer Gegend sondern 
hatten es immer eilig, ihren Aufenthalt zu wechseln. Zur Brut- 
zeit waren sie aus diesen Gegenden völlig verschwunden. Im 
Juni und Juli 1918 konnte man in den Mischwald oberhalb Maw- 
rowa beide Goldhähnchenarten mit ihren Jungen herumziehen 
sehen. Sie wohnten unmittelbar beieinander und waren durch 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


301 


ihren leicht auseinanderzuhaltenden Gesang gut zu unterscheiden, 
so schwer es auch für das Auge ist, die beiden Arten auseinander- 
zuhalten. 

* 60. Lanius minor Gm. — Schwarzstirnwürger. 

1918 kamen die Schwarzstirnwürger am 25. April an und 
bevölkerten gleich in grofser Anzahl die ganze Hudova-Ebene. 
Dort blieben sie auch zur Brutzeit und waren durchaus keine 
seltene Erscheinung. Auch in der Umgegend von Prilep brüteten 
sie nicht selten. 

*61. Lanius Senator Senator > niloticus — Rotkopfwürger. 

Der Rotkopfwürger brütete in vielen Paaren in der Wardar- 
Ebene bei Hudova und an den trockenen Abhängen, auch bei 
spärlichem Pflanzenwuchs. Im Jahre 1918 kehrten die ersten 
am 16. April zurück und begannen gleich mit dem Gesang. Im 
Mai hörte man sie selbst an ihren Brutplätzen nur sehr selten 
singen. Am 21. April 1918 konnte man an einem singenden 
Männchen bei Valandova ein ausgezeichnetes Spöttertalent fest- 
stellen. 

* 62. Lanius collurio collurio L. — Rotrücken-Würger. 

In der Nacht vom 20. auf 21. April 1918 kamen die rot- 
rückigen Würger an und belebten das ganze Gebiet in grofser 
Häufigkeit mit Ausnahme der höchsten Lagen. Sie waren in 
der Wahl ihrer Nistplätze sehr anspruchslos und bewohnten 
selbst trockene Hänge, die nur mit Quercus coccifera bestanden 
waren. Anfang Juni wurde auf einem Maulbeerbaum in der 
Hudova-Ebene ein Nest gefunden, das innen ganz mit weifser 
Verbandwatte ausgepolstert war, die anscheinend von dem in der 
Nähe befindlichen Lazarett stammte. Gegen Ende Juli sammelten 
sich diese Würger in sehr lockeren Verbänden. Von da ab traf 
man sie bis zum 10. August auf dem Rückzuge allenthalben sehr 
häufig. Am 10. November wurde bei Miletkovo ein Männchen 
beobachtet, dafs infolge einer schlechverheilten Flügelverletzung 
nicht wegziehen konnte. Bemerkenswert ist noch, dafs die 
meisten der alten Würger im Bindegewebe der Kopfhaut oft bis 
zu 10 Fadenwürmer (Nematoden) beherbergten. 

* Lanius excuhitor exculitor (L.). — Raubwürger. 

Der Raubwürger war den ganzen Winter über am Salan- 
schak, wo man ihn beim Mäusefangen beobachten konnte. Zur 
Brutzeit konnte man ihn bei Prilep im Juni 1918 in einigen 
Paaren beobachten, ob Lanius e. e. ist fraglich. 

* 64. Muscicapa striata striata (Pall.). — 

Grauer Fliegenschnäpper. 

Anfang April kehrten die grauen Fliegenschnäpper zurück 
und waren zuerst in den Ebenen recht häufig. Später verschwanden 


802 


Otto Fehringers 


sie grofsenteils, und nur wenige Paare blieben im Arazli-Tal, 
Nicola-Tal und Hudova-Ebene zurück, wo sie mit Vorliebe in 
hohlen Platanen nisteten. In den höheren Lagen wie z. B. 
Koinzko brüteten sie zahlreich. Im Herbst waren sie auf dem 
Rückzug überall zu finden und verschwanden erst Mitte Oktober 


* 65. Ficedula hypoleuca hypoleuea (Pall). — 
Trauerfliegenschnäpper. 

Von Mitte April bis Anfang Mai 1918 zogen viele Trauer- 
fliegenschnäpper in der Wardar-Ebene bei Hudova durch und 
hielten sich einige Tage dort auf. Im Mai waren alle ver- 
schwunden und wurden nirgends mehr beobachtet. Auf dem 
Rückzug im Herbst wurden keine gesehen. 


* 66. Ficedula alhicollis (Temm.). — Halsband- 
Fliegenschnäpper. 

In der ersten Hälfte des April 1918 kamen diese Fliegen- 
schnäpper zurück und waren besonders um die Mitte des Monats 
im Arazli-Tale ungemein häufig, wobei die Männchen ihre 
Weibchen herumtrieben und neckten. Gegen Ende des Monats 
waren sie aus dieser Gegend verschwunden und wurden nirgends 
mehr beobachtet. 


* 67. Fhylloscopus collyhita collyhita (VieilL). — 
Weidenlaubsänger. 

Während einige fixemplare in der Wardar-Ebene bei Hu- 
dova überwinterten und auch bei schönem Wetter ihren abge- 
hackten Gesang hören liefsen, kamen die ersten Zugvögel Anfang 
März 1918, und der Durchzug dauerte bis in die erste Hälfte des 
April hinein. In dieser Zeit hörte man überall ihren typischen 
Gesang. Im Juni und Juli 1918 hörte [man sie au ihren Brut- 
plätzen in dem Mischwald oberhalb Mawrowa sehr eifrig singen. 

* 68. Fhylloscopus trochilus trochilus (L.). — Fitislaubsänger. 

Nur auf dem Frühjahrs- und Herbstzug war dieser Laub- 
sänger zu beobachten. Am 18. April 1918 sangen einige Männchen 
m Nicolatal ihre anmutigen Lieder. Sie scheinen im ganzen 
Gebiet nirgends zu brüten. 

* 69. Fhylloscopus sibilatrix sibilatrix (Bechst.). — 
Waldlaubsänger. 

Am 28. April 1918 konnte man im Auwald bei Miletkovo 
einige Männchen laut und deutlich singen hören : Nicht nur ihre 
Strophe sibsibsibsibsirrrr sondern auch ihre melancholischen | 
djüü-Töne. Am 16. April 1918 war er aus dem Süden zurück- ; 
gekehrt. 


Die Yogelwelt Macedoniens. 


803 


* 70. Cetüa cetti mülleri Stres. — Macedonischer 

Seidenrohrsänger. 

Dieser äufserst lebhafte Vogel ist das ganze Jahr hindurch 
bemerkbar und hält sich mit Vorliebe in der Nähe des Wassers 
in den niederen mittleren Lagen auf. Schon im Januar Und 
Februar kann man an schönen Tagen seine weithin schallende 
Strophe vernehmen. Im März und April singt er sehr fleifsig, 
ja in schönen April- und Mainächten kann man seinen Gesang 
mit wenigen Unterbrechungen weithin schallen hören. Zur Balz- 
zeit, im April, sieht man die Männchen oft auf einem freistehenden 
Strunk oder einem über das dichte Gebüsch hervorragenden 
Zweig taktmäfsig Komplimente machen, als ob sie nach unten 
fortfliegen wollten. Zwischenhinein setzen sie sich dann wieder 
aufrecht, schmettern ihre Strophe heraus, wobei sie den Eindruck 
erwecken, als ob sie etwas schlucken müfsten. Ihr Gesang be- 
steht nur aus einer sehr charakteristischen Strophe: ti-tiwitiwi- 
tiwitiwi, nach dem ersten Ton immer ein typische Pause. Sonst 
leben sie im dichtesten Gestrüpp sehr versteckt, so dafs es 
schwer ist, sie zu erhalten. In ihren Bewegungen erinnern sie 
an Nachtigall und Zaunkönig. Auf dem Boden hüpfen sie mit 
aufgestelltem Schwanz herum. Im Winter sah man sie am Rande 
der Gewässer nach Nahrung suchen, die hauptsächlich in kleinen 
Gehäuseschnecken bestand. 

* 71. AcrocepJialus arundinaceus arundinaceus (L.). — 

Drosselrohrsänger. 

Der Drosselrohrsänger brütete häufig am Katlanovo-See. 
Auch auf den feuchten Wiesen der Umgebung hörte man seinen 
charakteristischen Gesang oft aus Weidenbüschen, die weit vom 
Wasser entfernt waren. 

* 72. Acrocephalus palustris (Bechst.). — Sumpfrohrsänger. 

Der Sumpfrohrsänger brütete am Katlanovo- Sumpf. Es 

waren ganz hervorragende Spötter dort, die Strophen der 
Schwalbe, der Nachtigall, des Distelfinken und andere Sachen 
mit wahrer Meisterschaft vortrugen. 

73. Acrocephalus scirpaceus scirpaceus (Herrn.). — 
Teichrohrsänger. 

Der Teichrohrsänger brütet direkt zahlreich im Sumpf- 
gebiet bei Mardzalik. 

* 74. Acrocephalus schoenohaenus (L.). — Schilfrohränge r. 

Am 28. April 1918 kehrte der Schilfrohrsänger zurück, 
trieb sich aber nur einige Tage an einem Platz südlich von 
Hudova herum. Im Mai traf man ihn häufig am Katlanovo-See 
und den benachbarten Sümpfen. Er ist leichter zu beobachten 


804 


Otto Fehringer: 


als die anderen Rohrsänger, da er gerne etwas frei an einem Rohr- 
stengel in die Höhe steigt und einen charakteristischen Balzflug 
ausführt. Auch im Gesang ist er leicht vom Teichrohrsänger 
zu unterscheiden, da er in den typischen Rohrsängergesang öfter 
hell und angenehm klingende Töne einschaltet. Oft beginnt er 
seinen Gesang mit dem Lockton der Maskenstelze, die an seinem 
Brutort sehr häuflg ist. 

* 75. Eippolais pallida elaeica (Linderm.). — Bla fs Spötter. 

Dieser Spötter (und nicht H. olivetorum^ wie es versehent- 
lich in „Orn. Mon. Ber.“ 1920 p. 57 heifst) kam am 20. April 
1918 bei Hudova an und machte sich durch seinen angenehmen 
Gesang bemerkbar. Der Gesang hält keinen Vergleich aus mit 
dem des Gartenspötters hinsichtlich der Kraft und der Abwechslung 
im Vortrag; jedoch ist die nahe Verwandtschaft auffallend. Die 
Töne bewegen sich mehr in gleicher Höhe, und die einzelnen Mo- 
tive werden sehr oft wiederholt. Er treibt sein Wesen haupt- 
sächlich in den dichten Kronen niedriger Bäume und steigt höchstens 
einmal im Gesangeseifer auf eine frei hervorstehende Spitze. 
Gegen ihre Jungen bezeugen sie eine grofse Anhänglichkeit und 
ziehen lange mit ihnen herum. Bis Mitte August sah man sie 
familienweise herumstreichen. Dann waren sie aus der Hudova- 
Ebene verschwunden. 

76. Hippolais icterina (Vieill.). — Gartenspötter. 

Am 28. April 1918 konnte man im Arazli-Tale den typischen 
Gesang eines Gartenspötters vernehmen und den Vogel sehen. 
Leider war es unmöglich, ihn zu erhalten. Er scheint auf dem 
Durchzug gewesen zu sein. Sonst gelang es nicht mehr, ihn 
festzustellen. 

77. Sylvia nisoria nisoria (Bechst). — Sperbergrasmücke. 

Am 6. Mai 1918 konnte eine Sperbergrasmücke im Auwald 
bei Miletkovo beobachtet werden. Sonst war sie weder als 
Durchzügler noch als Brutvogel irgendwie zu sehen. 

* 78. Sylvia hortensis crassirostris Cretzschm. — 
Oestliche Orpheusgrasmücke. 

Am 9. April 1918 waren die Orpheusgrasmücken zurück- 
gekehrt und belebten die trockenen Abhänge bei Hudova und 
des Arazli-Tales mit ihrem herrlichen Gesang. Zum Brüten 
blieben aber nur einige Paare an den genannten Stellen und 
weiter wardaraufwärts zurück. Im Juli waren sie dann wieder 
häufiger dort anzutretfen, und im August verschwanden sie wieder. 
Besonders unter den Mäunchen, die im April in gröfserer Zahl 
da waren, befanden sich ganz hervorragende Gesangeskünstler. 
Der Gesang ist eine Kombination von Sumpfrohrsänger und 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


30K 


grauer Grasmücke. Vom Sumpfrohrsänger stammt die Art des 
Vortrags verschiedener Motive, wovon jedes einigemal wiederholt 
wird, von der grauen Grasmücke stammt das orgelhaft Getragene 
in Ton und Klangfarbe. Einige besonders Begabte brachten 
Strophen der Singdrossel, der Nachtigall und ganze Gelbspötter- 
motive, andere verflochten Teile des Hänflingsgesangs, aber alles 
mit dem kräftigen Orgelton der grauen Grasmücke. Es war der 
herrlichste Gesang der ganzen dortigen Vogelwelt. 

79. Sylvia hippolais Tiippolais (L.). — Gartengrasmücke. 

Am 1. Mai 1917 sang eine graue Grasmücke bei Hudova, 
war aber am nächsten Tag verschwunden. 

* 80. Sylvia airicapilla atricapilla (L.). — Mönchsgrasmücke. 

Am 8. April 1918 kamen die Schwarzköpfe zurück und 
breiteten sich im ganzen Gebiet aus. Sie bevorzugten die Ge- 
büsche der Uferränder und Seitentäler, die Gärten der Dörfer 
und waren auch in den lichteren Teilen des Mischwaldes oberhalb 
Mawrowa (1800 m) anzutreffen, ln diesen hochgelegenen Wäldern 
hörte man ganz hervorragende Sänger mit amselartigem Vor- 
gesang und langandauerndem, herrlichem üeberschlag. Die 
dortigen Brutpaare hatten Anfang Juli 1918 flügge Junge. 

*81. Sylvia communis communis Lath. — Dorngrasmücke. 

* 82. Sylvia curruca curruca (L.). — Zaungrasmücke. 

Die Dorngrasmücke kommt Anfang April und verschwindet 
im September, die Zaungrasmücke erscheint schon Ende März 
und ist bis in den Oktober hinein noch anzutreffen.^ Beide Arten 
bewohnen mit Vorliebe die Hügel, selbst wenn diese nur mit 
Quercus coccifera bestanden sind. In buschreichem Gelände 
stellenweise häufig. Den gröfseren Höhen fehlen sie beide. 

* 83. Sylvia cantillans albistriata (Brehm.). — 
Weifsbartgrasmücke. 

Am 4. April 1918 kamen die weifsbärtigen Sänger an und 
machten sich durch Gesang und Balzflug bald bemerkbar. Sie 
bewohnten die trockenen Abhänge rings um die Hudova-Ebene 
herum, die von Quercus coccifera bestanden waren. Die ganzen 
Abhänge der Plaus Planina, besonders die Hügel bei Hudova, 
beherbergten sie zur Brutzeit. Von Mitte Mai ab beobachtete 
man die ersten ausgeflogenen Jungen, die sehr frühzeitig ihr 
kleines Nestchen verliefsen, so dafs man meist zu spät kam, 
wenn man sie zum Zwecke der Aufzucht ausnehmen wollte. Ihr 
Lockton ist ein tek tek. Der Gesang ist ein dorngrasmücken- 
artiges Geschwätz, hat aber grofse Aehnlichkeit mit dem Gesang 
des Teichrohrsängers. Zwischenhinein hört man Anklänge an 


806 


Otto Fehringer; 


den Gesang des Bluthänflings und anderer Sänger. Die Tonstärke 
ist nicht immer die gleiche, jedoch ist der Unterschied zwischen 
einem leisen Vorgesang und einer lauten Strophe nicht so deut- 
lich wie bei der Dorngrasmücke. Ihr Balzflug ist noch höher 
und schöner als der der Dorngrasmücke, mit dem er die gröfste 
Aehnlichkeit hat. Während dieses singt sie besonders anmutig 
und beendigt dann die Strophe etwas lauter, nachdem sie im 
nächsten Busch gelandet ist. 

* 84. Ägrohates gdlactotes syriacus (Hempr. u. Ehrenb.). — 
Oestlicher Heckensänger. 

Dieser Vogel bewohnte in einigen wenigen Brutpaaren die 
Ebene bei Kaluckova und die Abhänge bei Davidovo. An beiden 
Plätzen brütete er und fütterte Anfang Juli seine ausgeflogenen, 
halb ausgewachsenen Jungen. Sein Lockton ist tek tek, aufser- 
dem noch sst. Ferner hört man Töne wie: 

und titroi nnd tereterrrr. Solche und ähnliche Töne verbanden 
die Männchen zu einem stammelnden Gesang, der aber nicht 
unangenehm klingt. Allerdings mag die Hauptgesangeszeit schon 
vorüber gewesen sein. Beim Gesang setzt sich das Männchen 
mit Vorliebe frei auf einen hervorragenden Zweig und macht 
mit seinem Schwanz alle möglichen Bewegungen, indem er ihn 
in die Höhe schnellt und fächerförmig ausbreitet. Auf dem 
Boden bewegen sie sich mit grofser Behendigkeit und erwecken 
den Vergleich mit einem Blaukehlchen. 

* 85. Turdus pilaris L. — Wachholderdrossel. 

Diese Drossel bemerkte man nur auf dem Zuge. Sie trieb 
sich in grofsen Scharen in der Ebene bei Miletkowo im Februar 
und März 1918 herum. Sie hielt sich nahezu einen Monat an 
den gleichen Plätzen auf und benahm sich, wie wenn sie hier 
im Winterquartier wäre. Anfang April 1918 waren sie alle 
verschwunden. Auf dem Herbstzug wurde sie nicht bemerkt. 

* 86. Turdus philomelos philomelos Brehm und T. ph. hrehmi 
' Zedl. •— Nordische und mitteleuropäische 
Singdrossel. 

Einzelne Singdrosseln überwinterten bei Miletkowo im Winter 
1917/1918, wo sie auch schon Anfang Februar 1917 gesehen 
wurden. Im März 1917 und 1918 erfolgte dann der Hauptzug, 
der sich bis in den Anfang April hinein erstreckte. In den 
ersten Apriltagen konnte man noch in der Hudova-Ebene stu- 
dierende und halblaute Singdrosseln hören; dann aber verschwanden 
sie aus der Ebene und zogen sich in die Hochwälder der mittleren 
und höheren Lagen zurück. Mitte Mai 1918 traf man sie an 
ihren Brutplätzen bei Koinzko, Juni und Juli bei Mawrowa 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


807 


(1800 m), wo sie besonders abends ihre herrlichen Weisen bis 
in die beginnende Nacht hinein hören liefsen. Auffallend war 
dort die grofse Zahmheit der jungen, aber schon selbständigen 
Singdrosseln. — Nach der Bestimmung von Geheimrat Keichenow 
gehören zwei der gesammelten Bälge von Hudova vom 13. III. 
17 und 28.. III. 18 zur typischen nordischen Form, 3 von Milet- 
kovo 13. I. und 30. III. 18 und von Valandowa 7. III. 18 da- 
gegen zur Form hrehmi, 

* 87. Turdus viscivorus viscivorus L. — Misteldrossel. 

Die Misteldrossel überwintert in gröfserer Anzahl als die 
Singdrossel. Auf den Höhen bei Demirkapu, am Salanschak, im 
Nicola-Tal und an anderen Plätzen traf man sie im Dezember 
und Januar in kleineren Scharen an. Mitte Februar 1918 hörte 
man sie schon im Nicola-Tal ihre schwermütigen Weisen laut 
vortragen. Mitte April 1918 sang sie an der gleichen Stelle 
noch mit gleicher Kraft bis fast zum Ende dieses Monats. 
Später war sie dort nicht mehr zu hören. In den Mischwäldern 
bei Mawrowa (1800 m) sah man Ende Juni und Anfang Juli 
1918 die Alten ihre erwachsenen Jungen füttern. Am Abend 
erscholl der ganze Wald von Misteldrosselgesang. Es will bei- 
nahe scheinen, als ob diese Drosseln in tieferen Lagen ihre erste 
Brut erledigt und sich dann zur zweiten Brut in die höheren 
Regionen zurückzieht, wo sie ja erst spät mit der Brut beginnen 
kann. — Nach der Bestimmung von Geheimrat Reichenow ge- 
hören zwei der gesammelten Bälge, Hudova 16. XII. 17 und 
Demirkapu 6. XII. 17 zur typischen Form viscivorus^ 4, Hudova 
29. III. 18, Valandowa 24. II. 18, Miletkovo 30. III. 18 und Mav- 
rova 4. VII. 18, dagegen zur Form juhilaeus Luc. Zedl. 

88. Turdus musicus L. — Rotdrossel. 

Anfang und Mitte März 1917 wurden einige Rotdrosseln 
bei nafskalter Witterung und leichtem Schneegestöber bei Hu- 
dova beobachtet. Sie waren sehr aufgeplustert und suchten eifrig 
nach Nahrung. Im Frühjahr 1918 kamen einige zur Beobachtung 
zwischen Salanschack und Strumiza bei dem grofsen Schnee- 
treiben am 19. Februar. 

* 89. Turdus torquatus alpestris (Brehm). — Alpen drossel. 

Ende März 1918 trieben sich einige Ringdrosseln in der 
Hudova- Ebene herum und verschwanden wieder Anfang April. 
Später kamen sie nicht mehr zur Beobachtung. 

* 90. Turdus merula aterrimus (Mad.). — Oestliche Amsel. 

Die Amseln waren den ganzen Winter über in den Ebenen, 
aber nirgends sehr häufig. Im März kamen dann gröfsere 
Scharen aus dem Süden und blieben bis zum Anfang April hier. 


808 


Otto Fehringer; 


Dann zogen sie sich in die kühlen Seitentäler, die von Wasser 
durchströmt und von Buschwerk dicht bewachsen sind, zurück. 
Während einige Paare in diesen Tälern ziemlich weit unten 
schon brüteten, gingen die meisten zur Brutzeit höher hinauf 
und bevölkerten die höheren und mittleren Lagen. Im Juli sieht 
man dann wieder recht zahlreich alte und junge in der Ebene, 
wo sie sich besonders an Maulbeeren gütlich tun. Ihr Gesang 
ist etwas abweichend von dem unserer Stadtamseln. Die Strophen 
sind kurz, und die Motive werden des öfteren wiederholt, ähn- 
lich wie bei der Singdrossel. 

* 91. Monticola saxatilis (L.). -- Steindrossel. 

Die Steindrosseln kamen am 5. April 1918 zurück und 
hielten sich dann die ersten Tage in den trockenen Schluchten 
nicht weit über der Ebene auf. So konnte man zwischen Kaluk- 
kowa und dem Dorfe Plaus (150—300 m) den ganzen April 
über ihre herrlichen Flugspiele beobachten. Bei Koinzko konnte 
ein Weibchen beobachtet werden, das. in der ersten Hälfte des 
Mai in der Höhle einer steilen Felswand ca. 10 m über dem 
Boden der Schlucht sein Nest baute. Dieser Platz lag in etwa 
400 m Höhe. Sonst bevorzugten sie zum Nisten meist höher- 
gelegene Plätze. In ihrer Bewegung machen die Steinrötel den 
Eindruck eines grofsen Steinschmätzers. Ihre Balzflüge führen 
sie in der Weise aus, dafs sie sehr steil in die Höhe steigen 
und dann mit ausgebreitetem Schwanz oft fast senkrecht herab- 
gleiten. Oefter sieht man, wie sie im Balzflug eine grofse Schlucht 
überfliegen, wobei sie dann ihren Gleitflug unterbrechen, wieder 
steil in die Höhe steigen, von neuem wieder herabgleiten und 
dieses Spiel einigemale fortsetzen. Während des ganzen Balz- 
flugs, sowie vor- und nachher hört man ihren herrlichen Gesang, 
der vielfach Anklänge an ändere Vogelstimmen hat, ja bisweilen 
ganz aus fremden Vogelstimmen zusammengesetzt ist. Häufig 
kehrten Strophen der Misteldrossel und Singdrosselrufe wieder. 
Aber auch ein leiseres Geschwätz, das mit vielen unreinen Tönen 
untermischt ist und bisweilen starähnlich anmutet, hört man 
häufig, jedoch meist nur im Sitzen. 

92. Monticola solitarius L. — Blaudrossel. 

Diese schönen Vögel wurden nur an 2 Plätzen während 
ihrer Brütezeit beobachtet. Anfang Juni machte ein Blaudrossel- 
männchen herrliche Balzflüge am Eisernen Tor bei Demirkapu. 
Es safs auf einem Felsvorsprung und flötete seine Strophe. Dann 
erhob es sich schräg in die Luft und stürzte sich darauf mit 
etwas angezogenen Flügeln und ausgebreitetem Schwanz über 
100 m fast senkrecht herab und bremste erst dicht über dem 
Flufs, um dann auf einem Felsen im Strom Fufs zu fassen. Dar- 
auf ertönten wieder einige Strophen, bis der Vogel in fast senk- 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


m 


rechtem Fluge zum Ausgangsplatz zurückkehrte. Nach einigen 
Strophen begann dann das Spiel auf neue. Der 2. Platz, wo 
Blaudrosseln zur Beobachtung gelangten, waren die Felsenkuppen 
oberhalb Prilep beim Kloster Treskovac. Es war Mitte Juni. 
Der Gesang war stets einförmiger als bei der Steindrossel und 
klang meist melancholisch. 

* 93. Oenanthe oenanthe oenanthe (L.). 

Grauer Steinschmätzer. 

Ende März und Anfang April kehrten diese Steinschmätzer 
zurück und bewohnten das ihnen zusagende Gelände in grofser 
Anzahl. Besonders die Abhänge mit spärlicher Vegetation und 
die Kuppen mit kurzem Rasen und vielen Felsblöcken waren 
seine Lieblingsplätze. Er ging sehr hoch ins Gebirge hinauf, 
war aber in der unteren und mittleren Region am häufigsten. 
Zur Zugzeit und nach der Brut war er allenthalben auch in der 
Ebene anzutreffen. Am 29. April 1917 schlüpften die ersten 
jungen Steinschmätzer aus. Das Nest stand zwischen locker 
aufgeschichteten Steinen am Eingang eines ünterstandes bei 
Hudova am Fufs eines Hügels. Am 12.* Mai flog diese Brut 
aus. Mitte Juni sah man an der gleichen Stelle wieder frisch 
ausgeflogene Junge und Ende Juli solche zum dritten Male in 
geringer Entfernung vom vorigen Platz. Man darf also wohl 
wenigstens für die ebenen Gebiete 3 Bruten annehmen. Anfang 
Juli 1918 wurden oberhalb der Waldgrenze bei Mawrowa (ca. 
2000 m) Alte mit ausgeflogenen Jungen beobachtet. Anfang 
April 1918 gewährte ein Weibchen einige Tage hindurch den 
bei Hudova liegenden Soldaten grofse Unterhaltung, indem es 
vor der Fensterscheibe eines ünterstandes durch endlose Be- 
kämpfung seines Spiegelbildes die komischsten Bewegungen aus- 
führte. Bei der grofsen Häufigkeit des Vogels hatte man bequem 
Gelegenheit, sich an seinen netten Balzflügen und seinem ein- 
sachen Gesang zu erfreuen, bei dem er durch Häufigkeit zu er- 
tetzen versuchte, was ihm an Güte abging. Zwischen hinein 
sraf man auch einige Male Männchen, die in ihren üblichen Ge- 
lang auch Strophen anderer Vögel ganz nett einflochten. 

* 94. Oenanthe hispanica melanoleuca (Güld.). — 

Oestiicher Mittelmeersteinschmätzer. 

In der Umgegend Hudovas kam die schwarzkehlige Form 
dieses Steinschmätzers am 4. April 1918 an, während die weifs- 
kehlige Form erst am 5. April in der gleichen Gegend zu sehen 
war. Beide Formen kamen in annähernd gleicher Anzahl an den 
gleichen Orten vor, waren aber nirgends sehr häufig. Sie be- 
wohnten die Abhänge der Plaus-Planina bis zur Spitze, waren 
aber in niederen Lagen häufiger. Auch an den Steilabhängen 


310 


Otto Fehringeri 


des Wardar-Tals und der Seitentälchen waren sie anzutreffen. 

In ihrem Benehmen ähneln sie sehr dem grauen Steinschmätzer. 
Ihr Balzflug ist aber meist höher wie bei diesen. Im Gesang 
übertreffen sie den grauen Steinschmätzer bei weitem; denn sie 
verstehen es meisterhaft, Schwalbengesang und Stieglitzmotive 
in ihren Gesang zu verflechten. Einige Männchen begannen ihr 
Lied immer mit dem Gezwitscher der Rauchschwalbe und ahmten 
noch verschiedene Vogelstimmen bruchstückweise nach. Man 
hatte bei den vielen Exemplaren, die man anzuhören Gelegenheit 
hatte, immer den Eindruck, als ob die schwarzkehlige Form in 
der Gesangsleistung besser sei als die weifskehlige. 

* 95. Saxicola ruhetra (L.). — Braunkehliger 
Wiesenschmätzer. 

Am 16. April 1918 erschienen die Braunkehlchen bei Hudova. 
Bis Anfang Mai trieben sie sich in der Hudova- Ebene herum und 
liefsen allenthalben ihren Gesang hören. Dann waren sie aus der 
Ebene plötzlich verschwunden und wurden Ende Juni und Anfang 
Juli unterhalb des Mischwaldes bei Mawrowa (1800 m) mit flüggen 
Jungen angetroffen. Sie bewohnten dort Wiesen und kurzgrasige 
Abhänge mit verstreuten Felsblöcken und wenig Buschwerk. Sie 
sind viel seltener als das Schwarzkehlchen. 

* 96. Saxicola torquatus ruhicola (L.). — Schwarzkehlige r 1 
Wiesenschmätzer. ^ 

Während einige Schwarzkehlchen in der Hudova -Ebene ^ 
überwinterten, kamen die zurückkehrenden vom 1. März 1918 ab 
an ihren Brutorten an und bevölkerten in grofser Anzahl die mit 
Quercus coccifera bestandenen Abhänge. Sie brüteten von der 
Ebene an bis in mittlere Höhen, nach oben zu immer spärlicher 
werdend. Am 22. April waren am Fufs der Hügel bei Hudova 
die ersten Jungen ausgeflogen. Das Nest war auf dem Boden 
unter einem Busch der Quercus coccifera gut versteckt. Es war 
aus Würzelchen und Hälmchen gebaut und innen mit einer dicken 
Lage verfilzter Tierhaare schön rund und warm ausgepolstert. 
Das ganze Nest war ziemlich umfangreich und wimmelte von 
Ungeziefer. Bis in die erste Hälfte des August hinein sah man 
die Alten ihre rätschenden Jungen füttern, sodafs man wohl für 
die ebenen Gebiete 3 Bruten als Regel annehmen darf. Die 
Schwarzkehlchen waren ziemlich häufig und allenthalben sah man 
die Männchen frei auf den Spitzen der Büsche sitzen und von 
da aus ihren Balzflug unternehmen. Dabei lockten und sangen 
sie sehr fleifsig. Die Strophen erinnern an den Hausrotschwanz 
und die Braunelle. Einige wenige hatten auch etwas Spötter- 
talent und brachten die Strophe des Wendehalses, die Locktöne 
des Grünlings und andere Sachen. 


Die Vogelweit Macedoniens. Sll 

**'97. Phoenicurus pJioenicurus phoenicurus (L.). — 
GartenrotschwanÄ. 

Am ö. April 1918 kamen die Gartenrötel bei Hudova an, 
während sie 1917 schon Ende März gesehen wurden. Im Nicola- 
Tal war ihr Gesang den ganzen April über zu hören, und noch 
Anfang Mai sangen sie dort häufig. Die Vögel machten den 
Eindruck, als ob sie dort an ihrem Brutplatz wären. Ein 
Männchen besonders war während der ganzen Zeit immer an der 
gleichen Stelle mit seinem Weibchen zu beobachten und war 
durch seinen auffallenden Gesang besonders kenntlich, den er 
fast immer mit der Ortolan-Strophe einleitete. 

* 98. Phoenicurus ochrurus ater (ßrehm.). — 
Hausrotschwänz. 

Am 7. März 1918 kehrte der Hausrotschwanz zurück, während 
er 1917 schon im letzten Drittel des Februar gesehen wurde. 
Im Herbst trieben sich einige alte Männchen noch sehr spät in 
der Hudova -Ebene herum und wurden bis in den Dezember 
hinein bei Miletkowo beobachtet. Mitte Juni wurde er an den 
Felsen auf den Höhen in der Umgegend von Prilep (1400 m) 
brütend angetroffen. 

* 99. Aedon megarhynchos megarhynchos (Brehm). — 
Nachtigall. 

Am 6. April 1918 kamen die Nachtigallen bei Hudova an, 
während sie 1917 erst gegen Mitte dieses Monats gehört wurden. 
Sie sind sowohl in der Ebene als auch an den Abhängen und 
Seitentälern des Wardar-Tals sehr häufig und steigen bis ins 
mittlere Gebirge hinauf. Oberhalb des Dorfes Plaus und auf 
den Höhen um Prilep bis ca. 1000 m brüteten sie selbst bei 
spärlichem Gestrüpp. In den ebenen Gebieten fand man Anfang 
Juni, Mitte Juli und noch im Anfang August Junge, die noch von 
den Alten gefüttert wurden. Es dürfen also für die Ebene 
3 Bruten angenommen werden. Dementsprechend war auch ihr 
Gesang viel andauernder wie bei uns, und man konnte bis zum 
8. August Nachtigallenstrophen vernehmen. Dabei war sehr 
auffallend das Nachlassen des Gesangns zur Zeit, wenn die Jungen 
gröfser wurden, und das Wiedererstarken desselben zu Beginn 
der neuen Brut. Bei der grofsen Zahl der Nachtigallen war dies 
im Arazli-Tal und im Auwald bei Miletkowo in der Brutperiode 
1917 bequem festzustellen. Die einzelnen Brutpaare wohnten im 
Wardar-Tale an ihnen besonders zusagenden Plätzen ziemlich 
nahe beisammen, oft noch keine 100 m voneinander entfernt. 
Der Gesang der dortigen Nachtigall war im allgemeinen für den 
Gesangsliebhaber nicht sehr befriedigend. Dagegen sangen sie 
äufserst fleifsig und viele auch während der Nacht. Einige 
brachten neben ihren typischen Strophen das Gekicher des Turm« 


Otto Fehringer: 


Sl^ 

falken, Froschgequake und Grünspechtlaclien. Aber sie ersetzten 
an Fleifs, was ihnen an Güte abging und meinten es jedenfalls gut. 

* 100. Erithacus ruhecula ruhecula (L.). — Rotkehlchen. 

Die Rotkehlchen überwintern in der Hudova-Ebene bei Ka- 
luckova, Dedeli, Miletkovo und an anderen Orten. Im November 
hörte man lauten Herbstgesang, und an schönen Februartagen 
begannen sie von neuem. Im April verschwanden sie aus den 
Ebenen, und man traf sie zur Brutzeit auf den Höhen um Prilep 
(1400 m) und in dem Mischwald bei Mawrowa (1800 m), wo sie 
Ende Juni ihre soeben ausgeflogenen Jungen fütterten. Diese 
Gegend beherbergte durchweg ganz hervorragende Gesanges- 
künstler mit auffallend langen und äufserst lauten Strophen. 

* 101. Frunella modularis modularis (L.). — 
Heckenbraunelle. 

Die Heckenbraunelle überwintert in den ebenen Gebieten in 
ziemlicher Anzahl. Zwar lebt sie sehr versteckt und läfst sich 
nur schwer beobachten, aber ihre charakteristische Lockstimme 
verrät sie allenthalben. Den ganzen März hindurch kann man 
bei schönem Wetter ihren einfachen, aber ansprechenden Gesang 
hören. Mit Anfang April verschwindet sie aus den Ebenen und 
zieht sich in die höheren Regionen zurück. Anfang Juli 1918 
konnte man sie im Mischwald bei Mawrowa häufig beobachten, 
wo sie besonders den Rand des Waldes bewohnte und während 
des Gesanges freisitzend sich beobachten liefs. 

* 102. Troglodytes troglodytes troglodytes (L). — Zaunkönig. 

Der Zaunkönig überwintert in der Hudova-Ebene, vermutlich 
auch in den Gebirgen. Er ist nirgends häufig, doch an allen ihm 
zusagenden Plätzen das ganze Jahr über anzutreffen. Zur Brut- 
zeit findet man ihn im Nicola -Tal, Arazli-Tal und ähnlichen 
Plätzen, wo teilweise undurchdringliche Hecken stehen. An diesen 
Orten sah man ihn Mitte Juni 1917 seine Jungen füttern, wobei 
er fleifsig zwischenhinein sein lustiges Lied erschallen liefs. Im 
Mischwald bei Mawrowa (1800 m) und auch an tiefergelegenen 
Stellen konnte man ihn im Juni und Juli 1918 allenthalben fleifsig 
singen hören. Auch an schönen Wintertagen vernahm man in 
der Ebene seinen Gesang. 

* 103. Cinclus cinclus orientalis Stres. • Macedonischer 

Wasserschmätzer. 

An den Seitenbächen des Wardar ist die Wasseramsel keine 
seltene Erscheinung. Im Winter hält sie sich mehr am Unterlauf 
auf und steigt im Sommer etwas höher hinauf. In den höher- 
gelegenen Gebirgsbächen wie z. B. in der Radika-Schlucht trifft 
man sie häufiger. 


Die Vogeiwelt Macedoniens. 


8ia 


* 104. Hirundo rustica rustica L. und H. r. hoissonneauti Temm. — 

Balkan-Rauchschwalbe. 

Die erste Schwalbe erschien am 1. April 1918, die grofse 
Menge am 6. April 1918, während sie 1917 schon Ende März 
in Hudova einrückten. Sie brütet innerhalb der Gebäude und 
zieht 2 Bruten grofs. Sie ist fast nur auf die Ebene beschränkt. — 
Die gesammelten Stücke gehören nach dem Urteil Dr. Strese- 
manns der Form hoissonneauti an. 

105. Hirundo daurica rufula (Temm.). — 
Rostbürzelschwalbe. 

Diese Schwalbe wurde Mitte Juni bei Prilep in der Nähe 
der Ruinen von Kalimarco mit dem Glas beobachtet. Das rot- 
braune Band um die schwarzblau glänzende Kopfplatte konnte 
man beim sitzenden Tier deutlich sehen. Im Fluge glichen sie 
der Rauchschwalbe, die sich auch in der Nähe aufhielt. 

* 106. Delichon urhica meridionaXisjurhicd (L.). — 
Balkan-Mehlschwalbe. 

Die Mehlschwalbe trifft man in den Städten der Ebene, wo 
sie ihre Nester aufsen an die Häuser anklebt. Sie lebt auch an 
den Felswänden der Schluchten, weit weg von jeder menschlichen 
Behausung, und steigt ziemlich hoch im Gebirge empor. In der 
Radika-Schlucht konnte man im Juli 1918 einige ßrutkolonien 
feststellen. Die Kolonien enthielten 2 — 6 Nester, die unter dach- 
förmigen Felsvorsprüngen prachtvoll gegen den Regen geschützt, 
dicht aneinander hingeklebt waren. 

* 107. Eiparia riparia riparia (L.). — Uferschwalbe. 

In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1918 kehrten die 
Uferschwalben zurück. Gegen Ende des Monats sah man noch 
öfter Gruppen von ca. 50 Stück in der Hudova-Ebene herum- 
fliegen. Südlich von Miletkovo wurden am Wardar im Juni 1917 
zahlreiche Uferschwalben beobachtet, die ihre Brutkolonien in 
dieser Gegend gehabt haben müssen. Am 13. Juni 1917 wurde 
dort ein verunglücktes Exemplar lebend gefunden. 

♦ 108. Eiparia rupestris rupestris (Scop.). — Felsenschwalbe. 

Die Felsenschwalben traf man nur an einzelnen Plätzen an, 
wo sie in Kolonien brüteten. Am Eisernen Tor bei Demirkapu 
(100 m), an grofsen steilen Felsen oberhalb Prilep (1200— 1300 m) 
und an den Felswänden der Radika-Schlucht (1600 m) traf man 
sie zu vielen Exemplaren. Die Nester einer Kolonie standen 
immer in ziemlichen Abständen voneinander, oft meterweit von- 
einander entfernt. Sie waren ziemlich dünnwandig und hatten 
die Gestalt einer flachen Schüssel, die kunstvoll an den Felsen 
unter dem Schutze eines Vorsprungs angeklebt war, so dafs sie 

Jomn. f. Orn. LXX. Jahrg. April/Juli 1922. 21 


814 


Otto Fehringef; 


fast senkrecht von der Wand abstand. Von weitem machten 
diese Nester einen papierdünnen Eindruck, erwiesen sich aber, 
in der Nähe betrachtet, als sehr fest. Mitte Juni 1918 waren 
die Nester bei Prilep mit Jungen besetzt. 

109. Micropus apus apus (L.). — Mauersegler. 

Ende Mai 1917 trieben sich einige Mauersegler am Wardar 

herum unterhalb Miletkowo. Die letzten sah man am 5. August 
1917. Im Juni 1918 konnte man in und bei Prilep Mauersegler 
sehen und hören, so dafs mit Sicherheit angenommen werden 
kann, dafs er hier Brutvogel ist. Leider gelang es nicht, eines 
Exemplars habhaft zu werden. Am 19. Juli 1918 wurden wiederum 
einige Exemplare bei Miletkowo beobachtet. 

110. Micropus melha melba (L.). — Alpensegler. 

Dieser stattliche Segler wurde am 2. Juli 1918 oberhalb 

der Waldgrenze bei Mawrowa in 2 Exemplaren längere Zeit be- 
obachtet. Sonst liefs sich keiner mehr sehen. 

* 111. Caprimulgus europaeus meridionalis Hart. — Südlicher 
Ziegenmelker. 

Am 20. April 1918 kamen die Nachtschwalben in derHudova- 
Ebene zurück, während am 10. April 1917 schon ein halbver- 
hungertes Exemplar lebend gegriffen wurde. Im Auwald von 
Mitletkovo konnte man noch den ganzen Juli über die ganze 
Nacht hindurch ihr Knurren und Klatschen vernehmen. Auch 
an den Abhängen oberhalb Mitletkovo traf man sie zur Brutzeit 
in Gegenden, die nur spärlich von Buschwerk bewachsen waren. 
Erst wenn man in solchem Gelände im Freien übernachtete, 
merkte man, wie zahlreich die Nachtschwalbe war. 

* 112. Merops apiaster L. — Bienenfresser. 

Am 12. April 1918 kamen die Bienenfresser in Hudova an 
und kreisten in Höhen von ungefähr 200 m, wobei sie ständig 
ihren eigentümlichen Lockruf hören liefsen. Sie nisteten in Löfs- 
wänden in selbstgegrabenen Erdlöchern, meist 5—6 Paare nahe 
beieinander. Am häufigsten traf man sie in den Ebenen, aber 
sie stiegen auch bis ins mittlere Gebirge hinauf. Bei üeskueb 
lebte eine Brutkolonie von 6 Paaren in einer Lehmgrube. Zum 
Ausruhen benutzten sie meistens Telegraphendrähte oder den 
hervorragenden, dürren Zweig eines Baumes. Während sie sich 
grofsenteils nur von fliegenden Insekten zu ernähren schienen, 
konnte man sie gegen Ende Juni beim Verzehren von Insekten 
beobachten, die sie im Sitzen von Maulbeeren ablasen. 

* 113. TJpupa epops epops L. — Wiedehopf. 

Während die Wiedehopfe 1917 gegen Ende März zurück- 
kehrten, erschienen sie 1918 am 9. April im Arazli-Tal bei Hu- 


Die Vogel weit Macedoniens. 


Bi5 


dova. Sie brüteten in der Ebene und im Gebirge, doch traf 
man sie nirgends sehr häufig. Oberhalb Prilep bewohnten sie 
kurzgrasige Abhänge, die mit grofsen Felsblöcken übersät waren. 
Die Vögel safsen mit Vorliebe auf den Felsen herum und liefsen 
sich eifrig hören. 

* 114. Coracias garrulus garrulus L. — Blauracke. 

Am 20. April 1918 erschienen die Blauracken bei Hudova. 
Sie brüteten in Ebenen und im mittleren Gebirge. Sie nisten 
mit Vorliebe in hohlen Platanen, begnügen sich aber auch mit 
Erdlöchern. In der Lehmgrube bei üeskueb brüteten sie in 
einem Erdloch neben dem Bienenfresser. Hinter dem Dorfe 
Plaus belästigten 2 Blauracken einen Turmfalken, der ihrem 
Brutbaum zu nahe gekommen war, so lange, bis dieser das Weite 
suchte. Dabei hatte man Gelegenheit, ihre grofse Geschicklich- 
keit im Flug zu bewundern. 

* 115. Alcedö atihis atthis (L.). — Oestlicher 

Eisvogel. 

Der Eisvogel war Jahresvogel an den Gewässern der nie- 
deren und mittleren Lagen. Bei Valandova war er verhältnis- 
mäfsig häufig und an seinen Lieblingsplätzen immer zu beob- 
achten. 

* 116. Cueulus canorus canorus L. — Kuckuck. 

Bei Hudova hörte mau den ersten Kuckucksruf am 5. April 
1918. Auch 1917 kamen die Kuckucke in der ersten Hälfte des 
April zurück. Am Anfang waren sie gar nicht scheu und safsen 
ohne Deckung auf Pfählen und Aesten ganz frei. Mit fort- 
schreitender Jahreszeit wurden sie in den niederen Lagen immer 
seltener und verschwanden schliefslich ganz aus der Ebene. Im 
Juni und Juli 1818 traf man sie häufig in dem Mischwald bei 
Mawrowa (1800 m). Sie waren dort äufserst aufgeregt und 
scheu. Man konnte deutlich Kuckucke vernehmen, die immer 
eine grofse Terz riefen, während man unmittelbar nebendran 
von anderen Exemplaren die kleine Terz hörte. 

117. Dryocopus martius martius (L.). — Schwarzspecht 

Der Schwarzspecht wohnt im Hochwald bei Koinzko und 

im Mischwald bei Mawrowa (1800 m), wo er sich in 3 Paaren 
herumtrieb und oft beobachten liefs, besonders im Juni und 
Juli 1918. 

118. Ficus viridis dofleini Stres. — Balkan-G^rünspecht. 

119. Ficus canus canus Gm. — Grauspecht 

Diese beiden Spechte wurden in der Umgegend von ües- 
kueb und im Salanscbak beisammen das ganze Jahr hindurch 
beobachtet 


21 * 


816 


Ötto Fehringer: 

* 120. Dryöbates major halcanicus Gengl. & Stres. — Balkan- 

Blutspecht. 

Dieser Specht bewohnt die Baumbestände der Ebene wie 
z, B. bei Miletkowo, bei Gradec und bei Ueskueb. 

* 121. Dryöbates leucotos lilfordi (Sharpe & Dresser). 

Lilford-Specht. 

122. Dryöbates minor danfordi (Harg.). — Danfords 
Kleinspecht. 

Diese beiden Spechte bewohnten den Salanschak (600 bis 
800 m). Der Kleinspecht wurde nur einigemal im Winter dort 
beobachtet, wo er mit einer Schar Schwanzmeisen umherzog. 

* 123. Dryöbates medius medius (L.). — Mittelspecht. 

Der Mittelspecht kam nur an einigen Stellen in der Ebene, 
so bei Gradec, zur Beobachtung. 

* 124. Bubo bubo bubo (L.). — Uhu. 

Der Uhu scheint im ganzen Gebiet vorzukommen. Es ge- 
lang jedoch nur ein Exemplar aus Gradzko zu erhalten. 

* 125. Äsio otus otus (L.). — Waldohreule. 

Die Waldohreulen waren in den Baumbeständen der Ebene 
verhältnismäfsig häufig. Ein Nest stand ungedeckt in einem 
Weidenkopf und enthielt gegen Ende April 1918 sechs ver- 
schieden grofse Junge, die ohne Mühe aufgezogen wurden und 
die vorgelegten Mäuse und Spatzen nach einiger Zeit auf zwei 
Bissen verschluckten. Sie gediehen prächtig. Zur Zeit der Auf- 
zucht der Jungen sah man die Alten oft schon am frühen Nach- 
mittag umherfliegen. 

* 126. Otus scops scops (L.). — Zwergohreule. 

Ein Exemplar wurde am 19. Sept. 1917 bei Hudova lebend 
erbeutet. 

* 127. Garine noctua indigena (Brehm). — Balkan- 

Steinkauz. 

Das Steinkäuzchen ist in der ganzen Gegend weit ver- 
breitet. Es läfst sich das ganze Jahr hindurch, öfters auch am 
Tage, bequem beobachten. Es brütet in verfallenem Gemäuer 
und hohlen Bäumen. 

* 128. Strix aluco aluco L. ~ Waldkauz, 

Der Waldkauz ist in Salanschak häufig und brütet dort. 

* 129. Falco subbuteo subbuteo L. — Baumfalk. 

Der Baumfalk ist nirgends häufig anzutreffen. Er hielt sich 
in einigen wenigen Paaren zur Brutzeit in der Hudova-Ebene auf. 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


817 


* 130. Falco naumanni naumanni Fleisch. — Rötelfalk. 

Hinter dem Dorfe Plaus trieben sie sich den ganzen Sommer 
herum. Einige Paare haben dort gebrütet. 

* 131. Falco columbarius aesalon Tunst — Merlinfalk. 

Am 14. Febr. 1918 wurde ein Männchen unweit Hudova 
erbeutet. Wurde sonst nicht beobachtet. 

* 132. Falco tinnunculus tinnunculus L. — Turmfalk. 

Die Turmfalken sind äufserst häufig. Man sieht sie von 
Mitte Februar an bis Mitte Oktober. In Arazli und andern 
Dörfern, in Ueskueb und Nisch, allüberall trifft man diese Vögel 
an. Sie nisten mit Vorliebe unter den Dächern der Häuser und 
fliegen hier nach Art der Schwalben aus und ein. Kropf- und 
Mageninhalt, sowie die aufgefundenen Gewölle zeigen, dafs ihre 
Hauptnahrung in Käfern besteht. Auch konnte man sie beim 
Eidechsenfang beobachten. 

133. Aquila chrysaetos chrysaetos (L.). — Steinadler. 

* 134. Aquila heliaca heliaca Savigny. — Kaiseradler. 

Beide Adler trifft man ziemlich häufig. Bei der Abdeckerei 
in Hudova liefsen sie sich öfter sehen. Bei frischgefallenen 
Tieren stellen sie sich bald ein. Sie wurden leider viel ge- 
schossen. 

* 135. Buteo huteo huteo (L). — Mäusebussard. 

In der Hudova-Ebene konnte man den Mäusebussard öfter 
beobachten. Ein Männchen, das am 24. Februar 1918 erbeutet 
wurde, hatte 2 Vögel (anscheinend Meisen) im Kropf und die 
Reste einer Taube und zweier Amseln im Magen. Es mag ihm 
allerdings leicht gefallen sein, bei dem anhaltenden Schneewetter 
diese Vögel zu erbeuten; denn es wurden eine Menge Klein- 
vögel ermattet und halbverhungert gefunden. 

136. Accipiter gentilis galUnarum (Brehm). — Hühner- 
habicht. 

Den Habicht konnte man öfter in der Hudova-Ebene be- 
obachten. Häufig safs er in der charakteristischen Stellung auf 
Pfählen im Munitionsdepot Hudova. Er hielt sich den ganzen 
Sommer über dort auf. 

* 137. Accipiter nisus nisus (L.). — Sperber. 

In den ebenen Teilen des Gebietes war er mit Ausnahme 
der Brutzeit überall anzutreffen, jedoch nirgends häufig. Zur 
Brutzeit fand man ihn bei Gosdivar (1800 m). 


818 


Otto Fehringer 



* 138. Circus aeruginosus aeruginosus (L.). — R o h r w e i h e. 

Die Rohrweihe wurde bei Miletkowo in der Hudova-Ebene 
und bei Ueskueb im April und Mai an ihren Brutplätzen beob- 
achtet. Ein Nest wurde in ein Getreidefeld unmittelbar am 
Wasser in der Nähe von Miletkowo gebaut. Die Alten schleppten 
von weit her Reiser in ihren dünnen herabhängenden Fängen 
herbei. Später wurde das Nest verlassen und in der Nähe ein 
neues angelegt. Schon um die Mitte des März wurden verein- 
zelte beobachtet. 


* 139. Circus cyaneus cyaneus (L.). — Kornweihe. M 
Im Winter 1918 wurde 1 Exemplar beobachtet und erbeutet. |i 

140. Milvus milvus milvus (L.). — RoterMilan. |! 

Februar bis Anfang Mai 1917 bei der Abdeckerei bei Hu- || 
dova beobachtet. II 

* 141. Milvus migrans migrans (Bodd.). — Schwarzer |J 

Milan. |l 

Der schwarze Milan war im Nicolatal den ganzen Sommer |j 
über ständig zu beobachten. Am 2. Juni wurde dort ein Exem- m 
plar erbeutet. Wenn ein Milan am Aase sals, traute sich die p 
schwarze und schwarzgraue Gesellschaft nicht heran. % 

■ 

142. Neophron percnopterus percnopterus (L.). — Aasgeier. rj 
143. Gypaetus harhatus grandis Storr. — Lämmergeier. ||: 
* 144. Gyps fulvus fulvus (Habl.). — Gänsegeier. || 

145. Aegypius monachus (L.). — Mönchgeier. ■ 

Mönchsgeier und Lämmergeier waren sehr selten. Sie 
wurden an einzelnen Stellen beobachtet; Aasgeier und Gänse- 
geier dagegen waren häufig zu beobachten. Trotz des ausdrück- ^ 
liehen Verbots wurden die Geier von unseren Soldaten immer i; 
fleifsig beschossen, aber doch nur selten getroffen. Eine wesent- f 
liehe Abnahme war kaum zu verzeichnen. 


* 146. Ciconia ciconia ciconia (L.). — Weifser Storch. 
Der Storch kann in Mazedonien noch als häufig bezeichnet 


werden. Nur selten sieht man seine Nester auf Gebäuden. Da- 
gegen trifft man sie allenthalben auf Bäumen an. Ja man konnte 
grofse Platanen mit 3 und 4 Storchnestern sehen. Bei und in 
Valandova, bei Miletkowo und in der weiteren Umgegend von 
Ueskueb traf man zahlreiche Storchnester. Er wird von den 
Eingeborenen geschont, 


147. Ciconia nigra (L.). — Schwarzer Storch. 

Der schwarze Storch scheint in Nicola-Tal gebrütet zu 
haben, denn es wurden dort im Frühjahr und Sommer 191 
2 Exemplare beobachtet. 




Die . Vogelwelt Macedoniens. 


319 


* 148. Ardeä cinerea cinerea L. — Fischreiher. 

Am Wardar und seinen Nebenflüssen war der Fischreiher 
keineswegs selten. Am Katlanowo-See brütete er geradezu 
häufig. 

* 149. Ardea yurpurea purpurea L. — Purpurreiher. 

Am Doiransee und Katlanowo-See brütete dieser Reiher in 
ziemlicher Anzahl. 

1 50. Egretta alba alba (L.). — Silberreiher. 

Die Silberreiher brüteten zahlreich im Sumpfgebiet bei 
Mardzalik. 

* 151. Egretta garzeita gareetta (L.). — Seidenreiher. 

Mitte Mai 1918 kreisten öfter 5—6 Seidenreiher über dem 
Auwald bei Miletkowo. Sie scheinen in der Nähe ihren Brut- 
platz zu haben. 

152. Nycticorax nycticorax nycticorax (L.). — Nachtreiher. 

Den Nachtreiher sah man am Wardar und seinen Seiten- 
armen, besonders unterhalb Miletkowo, den ganzen Winter über 
und noch zu Beginn des Frühlings. Er war aber immer nur 
vereinzelt anzutreffen. Zur Brutzeit konnte er nicht beobachtet 
werden. 

* 153. Ixobrychus minutus minuius (L.). — Zwergrohr- 

dommel. 

Die Zwergrohrdommel konnte während der Brutzeit an 
einem Altwasser des Wardar längere Zeit beobachtet werden. 

154. Botaurus stellaris stellaris (L.). — Rohrdommel. 

An der gleichen Stelle, wo die Zwergrohrdommel brütete, 
wurde im März 1918 die Rohrdommel einigemal beobachtet. 
Später wurde sie nicht mehr gesehen. 

* 155. Anser albifrons (Scop.). — Bläfsgans. 

Das charakteristische Flugbild der Wildgänse sah man den 
Winter über sehr häufig. Sie liefsen sich in der Wardar-Ebene 
häufig zum Aesen nieder. 

* 156. Anas platyrhynchos platyrhynchos L. — Stockente. 

Die Stockente ist den ganzen Winter über auf dem Wardar 
häufig und brütet auf dem Katlanowo-Sumpf, bei Mardzalik und 
an anderen geeigneten Plätzen. 


m 


Otto Fehringers 


* 157. Anas crecca crecca L. — Krickente. 

Die Krickente konnte am Wardar und seinen Nebenflüssen 
häufig erlegt werden. Sie war aber nur im Winter dort anzu- 
treffen und war immer auffallend fett. 

158. Anas querquedula L. ~ Knäckente. 

1 59. Anas penelope L. — Pfeifence. 

160. Bafila acuta acuta (L.). — Spiefsente. 

Diese drei Enten wurden nur im Winter beobachtet und 
von den zahlreichen Jägern öfter erbeutet. 

* 161. Nyroca ferina ferina (L.). — Tafelente. 

Die Tafelente wurde bis zum Frühjahr 1913 am Wardar 
beobachtet. Sie war nicht gerade selten. Sie verschwand im 
April. 

* 162. Nyroca nyroca nyroca (Güld.). — Moorente. 

Die Moorenten trieben sich den ganzen Winter über aut 
dem Wardar und seinen Altwassern herum. Zur Brutzeit konnten 
sie am Katlanowo - See und bei Mardzalik häufig beobachtet 
werden. 

163. Mergus merganser L. — Gänsesäger. 

Um die" Mitte des Januar 1918 konnten diese schönen Vögel 
auf dem Wardar bei Gradsko beobachtet werden. Es war eine 
Gruppe von 10 Stück. Sie waren gar nicht scheu und nahmen 
absolut keine Notiz vom Beobachter, hielten sich aber genau 
aufser Schufsweite. Die Schar hielt sehr gut zusainmen und 
tauchte wie auf Kommando zur gleichen Zeit unter. Nachdem 
sie dann an verschiedenen Stellen wieder aufgetaucht waren, 
sammelten sie sich erst wieder, ruhten eine Weile aus, und nun 
begann das Tauchen von neuem. 

* 164. JBhalacrocorax carbo suhcormoranus (Brehm). — 

Grofse Scharbe. 

Die grofse Scharbe wurde den ganzen Winter über am 
Wardar beobachtet. Sie flogen oft in der Anordnung wie die 
Gänse. Eine grofse Brutkolonie mufste sich in der Nähe des 
Katlanowo-Sees befunden haben. 

* 165. Fhalacrocorax pygmaeus (Pall.). — Zwergscharbe. 

Die Zwergscharbe war den ganzen Winter über am Wardar 
und seinen Altwassern sehr häufig. Den ganzen Mai über konnten 
einige am Katlanowo -See beobachtet werden. Sie scheinen also 
dort Brutvögel gewesen zu sein. 

* 1 66. Fodiceps cristatus cristatus (L.). — Haubentaucher. 

Nur im Januar 1918 war ein Weibchen auf einem Altwasser 
des Wardar unterhalb Miletkowo zu sehen und war garnicht 
scheu. Es gelang, das Exemplar zu erbeuten. 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


321 


* 167. Poäiceps ruficollis ruficollis (Pall.). — Zwergtaucher. 

Im Januar 1918 konnten einige Zwergtaucher an der unteren 
Cerna hei Gradsko beobachtet werden. Sie brüteten am Kat- 
lanowo-See, wo man sie im Mai 1918 zwischen dem Schilf zahl- 
reich herumschwimmen sah. 

* 168. Charadrius duhius curonicus Gm. — 

Flufsregenpfeifer. 

Dieser Vogel konnte von Ende März an bis in den September 
hinein beobachtet werden. Er brütete im Ufersande des Wardar 
und seiner Nebenflüsse. Er trieb sich mit Vorliebe auf den 
flachen Kiesbänken herum. Mitte Mai 1917 fand man im Arazli- 
Tal Alte mit fast erwachsenen Jungen. Mitte Mai 1918 konnten 
auf einer Sandbank im Wardar bei Gradsko 2 Pärchen bei der 
Begattung beobachtet werden, die auffallend lange dauerte und 
oft wiederholt wurde. Die beiden Gatten liefen immer merk- 
würdig trippelnd auf sich zu und einander nach. 

* 169. Erolia alpina älpina (L.). — Alpenstrandläufer. 

Der Alpenstrandläufer wurde nur im Winter in der Hudova- 
Ebene beobachtet. Ein Schwarm von ca. 10 Stück trieb sich 
dort längere Zeit herum. Sie hielten nirgends lange stand, waren 
sehr scheu, flohen sogleich in reifsendem Flug weg. Nur im 
Januar 1918 waren sie zu sehen. Es gelang nur einmal ein 
Exemplar zu erbeuten. 

* 170. Tringa ochropus ochropus L. — Waldwasserläufer. 

Der Waldwasserläufer war nur über Winter an den Ufern 
des Wardar und liefs sich bequem beobachten und erlegen. Oft 
waren Gruppen bis zu 6—8 Stück beisammen. 

* 171. Tringa totanus Manns (L.). — Rotschenkel. 

Der Rotschenkel war den ganzen Winter über an den Ufern 
des Wardar bei Hudova häufig. 

172. Numenius arquata arquata (L.). — Grofs er Brachvogel. 

Auf den feuchten Wiesen bei Valandova und nördlich von 
Miletkowo war er öfter zu sehen. Er scheint bei Valandova 
Brutvogel zu sein. 

* 173. Vanellus vanellus (L.). — Kiebitz. 

Die Kiebitze waren im Winter nur spärlich anzutreffen. Von 
Mitte Februar ab sah man gröfsere Trupps von 20—40 Stück 
in der Hudova-Ebene. Bei dem grofsen Schnee sah man am 
17. und 18. Februar 1918 Gruppen von ca. 40 Stück häufig in 
der Gegend zwischen Salanschack und Strumitza genau von 
Westen nach Osten fliegen. Im Frühjahr sah man dann grofse 


322 


Otto Fehringer; 


Flüge von 500—600 Stück in der Hudova-Ebene. Während der 
Brutzeit waren sie aus diesem Gebiet verschwunden. 


* 174. Gallinago galUnago galUnago (L.). — Bekassine. 
Die Bekassine trieb, sich vereinzelt im Winter am Rande 
der flachen Gewässer bei Miletkovo herum. 


* 175. Scolopax rusticola rusticola L. — Waldschnepfe. 
Diese Schnepfe wurden nur im Winter beobachtet und er- 
beutet. In den Büschen unmittelbar am Wardar unterhalb 
Miletkowo war die Waldschnepfe verhältnismäfsig häufig anzu- 
treffen. 


* 176. Sterna hirundo hirundo L. — Flufs-Seeschwalbe. 
Diese Seeschwalbe konnte man den ganzen Sommer über 
am Wardar südlich von fludova beobachten. Sie mufs dort 
Brutvogel gewesen sein. 


177. Hydrochelidon nigra nigra (L.). — Trauerseeschwalbe. 

Nur zweimal gelang es, diese Seeschwalbe am Wardar zu 
beobachten: Das erste Mal, am 6. Januar 1918, unterhalb Hudova. 
Es war ein einziges Exemplar, das niedrig über dem Wasser 
dahinflog und sich aus nächster Nähe längere Zeit bequem be- 
obachten liefs. Das 2. Mal wurde bei Gradsko ein Paar am 
16. Mai 1918 beobachtet. 


* 178. Larus ridibundus L. — Lachmöve. 

Die LachmÖven wurden nur den Winter über am Wardar 
angetroffen. Sie waren dort sehr häufig. Zur Brutzeit waren 
sie alle verschwunden. 

* 179. Columba palumbus palumbus L. — Ringeltaube. 
Die Ringeltaube wurde gegen Ende Februar und März in 
der Hudova -Ebene beobachtet. In dem Mischwald oberhalb 
Mawrowa brütet sie häufig. 

* 180. Columba oenas oenas L. — Hohltaube. 

Den ganzen Winter über traf man die Hohltauben in der 
Hudova-Ebene, wo sie meist in gröfseren Scharen auf den Aeckern 
nach Futter suchten. Gegen Ende April sah man an den gleichen 
Plätzen nur immer noch kleine Gruppen von 4—5 Stück. 1917 
waren sie Anfang Mai noch im Nicolatal zu sehen und zu hören. 
Im Mischwald bei Mawrowa (1800 m) brütete diese Taube sehr 
häufig. 

181. Columba livia livia Gm. — Felsentaube, 

Die Felsentaube brütet an den Felswänden bei Valandova 
in unmittelbarer Nähe des obenerwähnten Kolkrabenhorstes. Auch 
am Eisernen Tor bei Demirkapu und an den steilen Felsen beim 


Die Vogelwelt Macedoniens. 


828 


Kloster Treskovac oberhalb Prilep waren gröfsere Brutkolonien. 
Unter den Tauben bei Valandova befanden sich neben den Felsen- 
tauben auch Haustauben, die den Felsentauben oft sehr unähnlich 
waren. Oft sah man beide Arten gepaart. 

* 182. Streptopelia turtur turtur (L.). — Turteltaube. 
Die Turteltauben kamen 1918 am 18. April bei Hudova an 

und verschwanden wieder Mitte August. Sie brüteten überall 
in ebenen und Gebirgswäldern. Recht häufig brüteten sie im 
Auwald bei Miletkowo. Aber auch im Mischwald bei Mawrowa 
(1800 m) brüteten sie noch zahlreich. 

183. Streptopelia decaocto decaocto (Friv.). — Türkentaube. 

In allen gröfseren Städten brütet diese nette Taube, be- 
sonders in Veles und Ueskueb und wird von der mohammeda' 
nischen Bevölkerung geduldet und geschützt. Sie brütet unter 
den Dächern und bleibt das ganze Jahr über da. 

* 184. Megalornis grus grus (L.). — Kranich. 

Am 30. März 1918 wurde ein Exemplar aus einer kleinen 
Schar auf einer Wiese bei Ueskueb erbeutet. 

185. Crex crex (L.). — Wachtelkönig. 

Der Wachtelkönig scheint in der Wardar-Ebene in der Nähe 
von Dedeli Brutvogel zu sein. Man konnte dort im Mai seinen 
Ruf hören. 

186. Fuliea ätra atra L. — Bläfshuhn. 

Das Bläfshuhn wurde nur im März 1918 einigemal bei 
Miletkowo gesehen. Es brütete am Katlanowo-See, wo es Ende 
Mai 1918 immer zu sehen war. 

187. Gallinula chhropus chloropus (L.). — Teichhuhn. 

Am Altwasser des Wardar bei Miletkowo brütete das Teich- 
huhn im Sommer 1918. Desgleichen an einem Tümpel zwischen 
Ueskueb und dem Katlanowo-See. 

* 188. Torzana parva (Scop.). — Kleines Sumpfhuhn. 

Wurde Anfang Juli 1918 bei Kumanowo beobachtet. 

* 189. F erdix perdix perdix (L.). — Rebhuhn. 

Von Anfang August an sah man die Völker in den Ebenen 
und auf den Hängen. Im März traf man sie nur noch paarweise. 
Sie brüteten in der Hudova-Ebene ziemlich häufig. 

* 190. Coturnix coturnix coturnix (L.). — Wachtel. 

Eine Wachtel wurde am 24. Februar 1918 bei dem grofsen 
Schnee verhungert aufgefunden. Sie brütete in der Ebene und 


324 Otto FebiiDger: Die Yogelwelt Macedoniens. 

auch hoch oben bei Gosdivar, wo man aus einer üppigen Wiese 
(1700 m) im Juni und Juli ihren Schlag vernahm. 

191. Älectoris graeca graeca (Meisn.). — Balkan-Steinhuhn. 

Auf den öden Abhängen mit nur ganz spärlichem Pflanzen- 
wuchs lebt das Steinhuhn das ganze Jahr hindurch ziemlich 
häufig. Oberhalb Demirkapu lebte es am gleichen Platz mit dem 
Rebhuhn zusammen. In Veles und Prilep konnte man bei den 
Eingeborenen gefangene Steinhühner sehen, die sich in sehr 
kleinen Behältern anscheinend wohl fühlten. Der eine Behälter 
machte den Eindruck einer Käseglocke; er bestand aus Weiden 
und war gerade so grofs, dafs er über das Huhn gestülpt werden 
konnte. Der Besitzer versicherte, es schon jahrelang zu besitzen. 


Mein ornithologischer Lebenslauf. 

Von Hans Freiherrn von Berlepsoli, Burg Seebach, 
Kreis Langensalza. 

Vielfachen Wünschen Folge gebend, werde ich versuchen 
zu schildern, wie ich zu meiner ornithologischen Tätigkeit und 
damit auf das Gebiet des Vogelschutzes gekommen bin, und mich 
dann fortschreitend darin betätigt habe, also meinen gewisser- 
mafsen ornithologischen Lebenslauf zu geben. Im Allgemeinen 
werde ich mich kurz fassen, nur in grofsen Zügen andeuten, und 
nur Begebenheiten oder Beobachtungen von allgemeinem Interesse 
eingehender ausführen. Ihren Abchlufs soll diese zusammen- 
hängende Schilderung mit Erscheinen der ersten Auflage des 
„Der gesamte Vogelschutz“ finden. Das meiste Spätere von Wert 
findet sich schon irgend anderswo aufgezeichnet. Ich gebe dieses 
deshalb nur noch datumweise. 

Geboren am 18. Oktober 1857 auf Burg Seebach, Kreis 
Langensalza. Die Freude an der Natur, an der Tier- speziell 
Vogelwelt ist ein Familienerbteil. Schon unser Wappen, 5 Sittiche, 
deutet darauf hin. 2 ) Mein Onkel war der bekannte, für die 


Anm. der Redaktion. Abdruck mit Quellenangabe gestattet. Für 
mehr populäre Zeitschriften, deren Leser vielfach wohl nicht im Besitz 
der S. 352 bis Schlufs genannten Fachliteratur sind, hat sich Freiherr von 
Berlepsch bereit erklärt, die auf diesen Seiten nur datumweise gegebenen 
Notizen näher auszuführen. 

2) Laut Wappensage nächtigte Kaiser Friedrich Barbarossa bei 
seinen Reisen durch das Land nach damaligem Brauch auf der Burg eines 
Berlevessen (erst im fünfzehnten Jahrhundert lautete sich Berlevessen in 
Berlepsch um). Als er am nächsten Morgen seinen Gastgeber in Kurz- 
weil mit unbekannten grünen Vögeln beobachtete, tadelte er ihn ob dieser 
für einen Rittersmann unziemlichen Beschäftigung. Berlepsch sagte; „Du 


Mein ornithologischer Lebenslauf. S25 

volkswirtschaftliche Bienenzucht bahnbrechende Imker. Mein 
Vater war grofser Stuhenvogelliebhaber. Ihm waren aber nur 
die allergewöhnlichsten Vögel bekannt. Schon die Brunelle war 
eine unbekannte Gröfse. Irgend welche ornithologische Bücher 
hesafs mein Vater nicht. So wurde ich schon als kleiner Junge 
eifriger Naturbeobachter und vom sechsten Jahre an hielt ich 
mir, mit Zeisig und Rotkehlchen beginnend, Stubenvögel. Die 
Insektenfresser meines Vaters fütterte niemand gewissenhafter als 
ich. Aus meinem 8. Jahre findet sich ein kleines angefangenes 
Büchelchen vor „Vogelnaturgeschichte“ mit der Dohle beginnend. 
„Die Dohle fst nicht ganz schwarz etc.“ Weit über den Anfang 
hin ich auch nicht gekommen ; jedenfalls aber doch ein Zeugnis, 
womit sich das Kindergehirn schon damals beschäftigt hat. 

Sehr früh mufs ich mich auch mit Aufzucht junger Vögel 
und Vogelfang befafst haben, jedenfalls war ich mit 10 Jahren 
schon recht weit in dieser Kunst. Brehms „Vogelfang“, den ich 
mir zu dieser Zeit von gesammelten Patengroschen als erstes 
ornithologischesWerk zulegte, vervollständigte diese meine Kennt- 
nis, und wurde von jetzt an mein liebstes Lesebuch. Ich hielt 
es für Ehrensache, jeden Vogel, den ich sah, auch fangen zu 
können. Meist wurden sie nur gründlich besehen, mit Hilfe meiner 
„Bibliothek“ festgestellt und dann wieder in Freiheit gesetzt. 

Schon als kleiner Junge war ich dem Waidwerk zugetan, 
und meinen Vater auf Hühnerjagd und Krähenhütte begleiten zu 
dürfen, zählt noch heute zu meinen schönsten Kindererinnerungen. 
Später begann dann in den Herbst- und Weihnachtsferien fast 
jeder Tag auf der Krähenhütte. Mit unserm alten Uhu hatte ich 
mich so eingelebt, dafs ich allein aus seinen Gebärden erkannte, 
welche Vogelart — auch kleine Singvögel — gerade vorüberflog. 
Dieser Jagd bin ich bis heute treu geblieben und verdanke ich 
ihr das untrüglichste Urteil über die Wandlungen des Bestandes 
unserer Raubvögel. Was kam einstmals und was kommt jetzt! 
Bussard und Turmfalke wurden schon zur Schulzeit geschont, dann 
erhielt auch der schöne Gabelweih Pardon, und seit Jahren schiefse 
ich überhaupt nur noch Hühnerhabicht und Sperber. Damit ist das 
Resultat natürlich auf ein Minimum gesunken. Die Naturbeob- 
achtung aus jenem Versteck ist aber die gleiche geblieben, und 
gewährt mir heute noch den gleichen Genufs wie einstmals. 


tust mir Unrecht. Du hättest mich vorerst fragen sollen, woher diese 
Vögel stammen. Ich weifs und tue sehr wohl, was einem Ritter geziemt. 
Wenn nötig und Gelegenheit führe ich mein Schwert, wenn aber Ruhe ist, 
halte ich auch solche Beschäftigung für erlaubt. So folgte ich Dir, als 
Du zum Kr^uzzug riefst, und von dorten brachte ich mir diese Sittiche mit.“ 
Barbarossa sah sein Unrecht ein und sagte ; „So sollst Du zum Andenken 
an Deine Kreuzfahrt und die heutige Begebenheit von jetzt an diese 
Vögel im Wappen führen.“ 


826 


Sans Freiherr von Berlepsch: 




Von meinem zwölften bis fünfzehnten Jahre war ich in 
einem Privatinstitut zu Bad Sulza in Thüringen. Die leider 
geringe Aufsicht ermöglichte es mir, mich anstatt mit den Schul- 
arbeiten fast nur mit ornithologischen Beobachtungen und Studien 
zu befassen. Besonders beschäftigte ich mich mit der Literatur. 
Unter dem Atlas, der grofsen lateinischen Grammatik etc. lagen 
während der Arbeitsstunden stets ornithologische Bücher. So 
war es nicht wunderbar, dafs ich es nach drei ein halb Jahren 
glücklich von Quarta bis Untertertia brachte. Ostern 73 kam 
ich mit Hängen und Fallen in die unterste Klasse der Kloster- 
schule Rofsleben. Dort noch weniger beaufsichtigt, fühlte ich 
mich nun völlig als Naturforscher. Zu Beobachtungen bot der 
grofse Ziegelrodaer Forst gute Gelegenheit, und auch in den 
Arbeitsstunden beschäftigte ich mich theoretisch wie praktisch 
ausschliefslich mit dem Tierreich. Alles Getier, dessen ich hab- 
haft werden konnte, wurde gefangen oder ausgenommen und mit 
nach Hause gebracht, sodafs unsere Zelle (Stube) bald mehr 
einer Menagerie als einer Schulstube glich. Das Schwierige 
war nur, dafs mich der inspizierende Lehrer nicht fassen durfte, 
denn Tiere auf der Zelle zu halten, war verboten. Alle Schwierig- 
keiten wurden aber überwunden, und den Tieren dabei das enge 
Gefängnis so traulich als möglich gestaltet. Waldkäuze wurden 
angefesselt, junge Vögel im halbgeöffneten Bücherschrank auf- 
gezogen, junge Füchse hausten in einem Kommodenschub, wilde 
Kanickel, umgelegte Wasserstiefeln als Röhren benutzend, unter 
den Betten. Waldmäuse wurden zur Domestizierung einfach 
freigelassen, und dieser mein erster Einbürgerungsversuch gelang 
so gut, dafs diese Waidbewohner nach Verlauf von 2 Jahren im 
ganzen Kloster bereits als Plage auftraten. Auch Schlangen, 
Kröten, Frösche und anderes Tierzeug fehlten natürlich nicht. 
Längere Zeit hatte ich einen jungen Rehbock als Stubengenossen. 
Dieser machte mir ganz besondere Schwierigkeiten. Das hungrige 
Tier verlangte auch nachts nach warmer Milch. Der strenge 
Zellenoberer hatte aber verboten, ihm durch Spiritusanzünden 
die Nachtruhe zu stören. Da war denn guter Rat teuer. Doch 
ich fand auch hier einen Ausweg: Ich erwärmte die Milch am 
Abend, gofs sie in die Saugflasche und band mir diese mit einem 
Handtuch beim Schlafengehen auf den Leib. So hielt dieser 
denn die Milch warm ; die Milch aber auch den Leib, was 
bei heifser Sommerszeit gerade keine Annehmlichkeit war. Aber 
die Sache klappte. Der Zorn des hohen Herren wurde nicht 
geweckt, und der Bock gedieh. 

Neben all diesem Kunterbunt beschäftigte ich mich aber doch 
auch schon direkt ernst wissenschaftlich, und manche Notizen 
in meinem Tagebuch — von Ostern 72 bis nach bestandenem 
Abiturientenexamen im Sommer 79, also von meinem 14. bis 
21. Lebensjahre habe ich genaues Togebuch geführt — legen 
Zeugnis hiervon ab. So stammt aus jener Zeit auch folgende, 


Mein ornithologischer Lebenslauf. 


32 t 


im Hinbliek auf meine spätere Tätigkeit gewifs nicht uninteres- 
sante Aufzeichnung. Auf eine abfällige Kritik Alfred Brehms 
über die Verwendung von Nistkästen, und seine Ansicht, dafs 
wir den Höhlenbrütern endgültig nur durch Wiederanzucht von 
alten hohlen Bäumen helfen könnten, schrieb ich: ,, Leider mufs 
ich Brehm zustimmen, die Nistkästen taugen nicht viel. Aber 
warten müssen, bis die Bäume alt und hohl werden, ist eine 
traurige Aussicht. Es kann doch mal anders werden, wenn es 
gelänge, die Kästen der Natur so täuschend nachzubilden, dafs 
sie von den Vögeln in gleicher Weise, wie die natürlichen Höhlen 
bezogen würden.“ Diese Notiz zeugt doch gewifs von ernster 
Erwägung. Dafs ich 20 Jahre später selbst den Schlüssel dazu 
finden würde, habe ich damals allerdings noch nicht geahnt. 
Doch, ob ernste Betätigung oder mehr Spielerei, für die Leistungen 
in der Schule war jedenfalls beides nicht förderlich. Denn wie- 
viel Zeit dem „Naturforscher“ bei all dieser Arbeit für die 
Schularbeiten übrig blieb, ist wohl einleuchtend. Den hohen 
Rang eines ultimus omnium erwarb ich mir immer von neuem, 
bis glücklicherweise Weihnachten 73 endlich der Verstandsknoten 
platzte. Meine mit vielen stattlichen 5 gezierte Zensur brachte 
mich zur Einsicht, dafs es so nicht weiter gehen könne, und dafs 
ich, um die Schule durchzumachen und das hatte ich mir vor- 
genommen — vorerst mal mit aller Naturwissenschaftlerei Schlufs 
machen, der Schüler vorerst auch etwas anderes lernen müsse. 
So kam denn ein Moment, der mir tatsächlich wohl mit einer 
der schwersten meines Lebens gewesen ist. Schon in den Ferien 
bestellte ich die ornithologischen Zeitschriften auf und nach 
Rofsleben zurückgekehrt, schaffte ich alles Getier ab. Dann 
packte ich alles, was ich an naturwissenschaftlicher Literatur 
und sonstigem Material besafs, in eine grofse Kiste, vernagelte 
sie gut, und gab mir das Wort, sie nicht eher wieder zu öffnen, 
bis ich nach Obersekunda versetzt sei. 

Nachdem ich mich so von aller naturwissenschaftlichen Be- 
tätigung losgesagt, legte ich mich mit gleicher Energie auf den 
mir im Grunde meines Herzens verhafsteu toten Schulkram, 
füllte die vielen Lücken in Kürze aus und kam in der vorschrifts- 
mäfsigen Zeit von 2Vi Jahren denn auch glücklich nach Ober- 
sekunda. 

Ich kann mich noch sehr wohl darauf besinnen, mit welcher 
Sehnsucht ich während dieser Jahre die unter dem Tische stehende 
Kiste immer betrachtete, wie aber auch die Aussicht auf die mir 
selbst gesetzte Belohnung mich immer erneut mit der langweiligen 
Schulwissenschaft beschäftigen liefs. Wie mir der Schmerzens- 
moment der Einsargung der Bücher noch lebhaft im Gedächtnis 
steht, ebenso erinnerlich ist mir auch meine Glückseligkeit, als 
ich sie nun wieder zum Lichte erstehen lassen durfte. Von jetzt 
an, Ostern 1876, habe ich denn mein Lieblingsstudium bis zur 
Stunde nicht wieder unterbrechen brauchen. 


828 Hans Freiherr von Berlepsch: 

Beobachtungen und Studium begannen nun mit doppeltem S 
Eifer von neuem. Auch hatte ich wieder Vögel und andere Tiere, 1 
alles aber doch schon mehr in gesetzteren Grenzen. Besondere | 
Freundschaft hielt ich mehrere Jahre hindurch mit einer Ratte | 
und einem jung aufgezogenen Rotkehlchen. Letzteres bewohnte | 
einen Teil meines Bücherschrankes. Die Ratte durfte sich in | 
unserer Zelle frei bewegen. Sie war anhänglich wie ein Hund, | 
machte nachts allerdings mitunter kleine Ausflüge, aber früh zum | 
Kafifeetrinken war sie stets wieder zur Stelle. Dann safs sie || 
neben mir auf meinem Pult und frühstückte mit. Auf dieses 
seltsame Tier werde ich von alten Schulgenossen noch oft an- 
geredet. Ji 

Auf dem Spielhof hing ich Nistkästen auf, aber trotz der f 
besten damaligen Ware, von Frühauf in Schleusingen bezogen, 
wie zu Haus auch hier mit nur wenig Erfolg. Aufser Spatzen 
waren nur zweimal Kohlmeisen und einmal ein Wendehals darin. 
Dafür, dafs letzterer von 9 Eiern nur 4 erbrütete, hatte icn da-p 
mals noch keine Erklärung. Ich nahm es einfach als Zufall hin. 
Zur Winterszeit wurden nach „bewährten Vorschriften“ Futter- 
bretter und -Plätze angelegt, aber schon zu jener Zeit erkannte 1" 
ich die Unzulänglichkeit all dieser Einrichtungen. Das Futter i 
verwehte, verregnete oder schneite zu, und so war es den Vögeln ^ 
gerade dann, wenn sie es bedurften, nicht mehr zugänglich. Auf 
Abhilfe habe ich aber noch nicht gesonnen: jurabam in verba ma-fj 
gistri — ich schwor auf die Worte des Meisters. Bedenken ^ 
stiegen mir aber schon als Schüler gegen die in "allen Büchern 
zu lesende zweite Brut der Stare auf. Da Stare zu Haus, in ,■ 
der Seebacher Gegend noch nicht heimisch waren, zog ich in " 
Rofsleben Junge auf und setzte sie das nächste Frühjahr zu Haus ; 
aus. Um die jungen Vögel nicht so lange füttern zu müssen, 
wollte ich sie aus der nach der Literatur kurz vor die grofsen 
Ferien fallenden zweiten Brut nehmen. Soviel ich aber im Walde 
Stare im April und anfangs Mai gefunden, im Juni und Juli war. 
nichts mehr von ihnen zu sehen. Im kommenden Jahre nahm i 
ich dann die erste Brut. Das Aussetzen blieb aber ergebnislos.!; 

Mit Erfolg habe ich in jener Zeit zu Haus Wellensittiche 
und den jetzt schon seit langen Jahren ausgestorbenen Karolina- 
sittich gezüchtet. 1) Letztere herrliche grüne Vögel mit gelb und 


Der Karolinasittich bewohnte einst in enormen Flügen Nord- 
amerika. Nach Einzug der Kultur richtete er an den Feldern und Obst- 
pflanzungen grofsen Schaden an, sodafs er von den Europäern ständig 
verfolgt wurde. In den siebziger Jahren vor. Jahrhunderts mufs er aber 
noch recht häufig gewesen sein, dafür spricht sein billiger Preis. Das 
Paar kostete damals 5 Taler. Auch entsinne ich mich, in Hamburg bei 
Fräulein Christiane Hagenbeck und Fockeimann in jener Zeit grofse Käfige 
voll dieser Vögel gesehen zu haben. In den neunziger Jahren kamen ^ 
durch Hagenbeck die letzten 8 nach hier und wurden von zwei zoologischen/ 


Mein ornithologischer Lebenslauf. 


B2Ö 


rotem Kopf von Gröfse und Gestalt, auch Flug des Turmfalken, 
bewohnten einen früheren Taubenschlag. Mit 2 Paar beginnend, 
hatten sie sich allmählich auf einige 20 Stück vermehrt. Des 
Taubenschlages entwöhnten sie sich mehr und mehr. Sie suchten 
ihn nm noch als Futterstelle auf. Brüten taten sie in natürlichen 
Höhlen zweier alter Linden. Da sie in geschlossenen Flügen 
meilenweit das Land durchstreiften, bat ich in den gelesenen 
Zeitungen von Zeit zu Zeit um Schonung. Eines Tages — es 
war gerade in den letzten Weihnachtsferien — waren nur noch 
einige sichtbar und am nächsten Tag waren alle verschwunden. 
Nachforschungen blieben erfolglos. Erst einige Jahrzehnte später 
hat sich das traurige Rätsel gelöst. In einer über 50 km von 
Seebach entfernten Dorfschänke fand sich eine ganze Anzahl 
verräucherter üeberreste von Karolinasittichen, und der Wirt 
berichtete, dafs Vater selig diese komischen Vögel einst innerhalb 
zweier Tage von der Hoflinde geschossen habe. Er entsinne sich 
noch seiner Erzählung, dafs um die zuerst gefallenen die anderen 
immev erneut herumgeflattert seien und sich so bis zum letzten 
hätten vernichten lassen. Also auch hier das alte Lied vom Ende 
jedes seltenen Vogels. 

Aufser mit Papageien machte ich zu Haus in geräumigen 
Volieren auch noch mit anderen Vögeln Züchtungs- ukd Ein- 
bürgerungsversuche. Diese Einrichtungen stellte ich immer 
während der Ferien soweit fertig, dafs die Vögel in meiner Ab- 
wesenheit dann nur noch gefüttert zu werden brauchten. 

Zum Schutz des Wildes hatte mein seliger Vater nach 
altem Brauch Tobinamburremisen. Ihren Unwert, ja ihre direkte 
Schädlichkeit für die Niederjagd erkennend, drängte ich den alten, 
gütigen Herrn schon seit länger, solche in Gehölze von Schwarz- 
und Weifsdorn umzuwandeln. Im Herbst 1876 gab er endlich 
meinen Bitten nach. In den Osterferien 1877 durchsetzte ich 
solche dann noch heimlich mit ausgeackerten Wurzeln einer 
alten Eichenbaumschule, und so entstanden in Seebach die ersten, 
meine heutigen ältesten Vogelschutzgehölze. 

üeber alle Beobachtungen und Erfahrungen während meiner 
Schulzeit habe ich genaues Tagebuch geführt und später manch 
wertvolle Aufzeichnungen darunter gefunden und verwerten können. 
So vergingen von jener denkwürdignn Auferstehung meiner or- 
nithologischen Bücher und Schriften die nächsten 3 Jahre, bis 
ich im Sommer 1879 mein Abiturientenexamen machte und als 
Fahnenjunker in das 11. Husarenregiment eintrat, dessen Garnison 
damals Düsseldorf war. 


Gärten fast mit Gold aufgewogen. Jetzt gehört der Karolinasittich nur 
noch der Geschichte an. Ein Gegenstück zur Wandertaube, und beide 
gewifs beredte Zeugnisse dafür, wie rasch, nachdem die Reihen erst ge- 
lichtet, die gänzliche Ausrottung einer Tiergattung vor sich geht. Das 
letzte Stadium besorgt dann die Inzucht. 

Jouxn. f. Om. LXX. Jahrg. April/Jali 1922, 


22 


830 


Sans Freiherr ton Berlepsch; 


Man wird sich über diese Berufswahl vielleicht wundern. 
In mir sind aber zwei Naturen: Das Interesse und die Liebe zur 
Natur und der Soldat. Der soviel geschmähte Militarismus ist 
und war von jeher mein Ideal. Er bedeutete mir schon damals 
nichts weiter als Pflichtgefühl und Gründlichkeit; auf jedem 
Gebiet die Grundbedingung zum Erreichen des Höchsten, der 
Wahrheit. Und einem Stand angehören zu dürfen, wo einer 
befiehlt, die andern das Maul halten müssen (leider „mufsten“) 
und gehorchen, hat mich stets mit höchstem Stolz erfüllt. Diesen 
idealen Zustand fand ich nur beim Militär. Auch glaubte ich, 
als Soldat mit der Natur noch die engste Fühlung halten zu 
können. Dieser Glaube hat mich nicht getäuscht. 

Wohl trat nun, wenigstens im Beobachten und Experimen- 
tieren, ein Stocken ein. Ich hielt mir zwar auch jetzt, wie stets 
während meiner Dienstzeit, Stubenvögel, aber zu mehr war vor- 
erst weder Zeit noch Lust vorhanden. Für meine lange Schul- 
zeit wollte ich mich entschädigen, mich nun erst mal gründlich 
austoben, und auch diesen Vorsatz habe ich gewissenhaft durch- 
geführt. Das lustige leichtlebige Düsseldorf war ja ganz der 
rechte Platz dazu. 

Meine Sehnsucht waren von jeher Reisen, und zwar gröfsere 
Reisen ins Ausland. Der Erreichung dieses Wunsches hat sich 
während meines ganzen Lebens alles andere beugen müssen. 
Schon Ausgangs Winter 1883 bot sich die erste Gelegenheit da- 
zu, und die kaum erlangte schöne Stellung als Regimentsadjutant 
gab ich für diesen Preis freudigen Herzens wieder auf. Im Stillen 
ordnete ich alle Verhältnisse für längere Abwesenheit, und so 
währte denn diese Reise volle Fünfvierteljahre. Am 23. Februar 
1883 verliefs ich Düsseldorf und kehrte erst am 23. Mai 1884 
wieder nach dort zurück. 

Ich machte mir ein festes Programm, ohne mich aber an 
die Zeit zu binden. Die Dauer der einzelnen Programmabschnitte 
sollten die Umstände ergeben. Die Angel, worum sich alles 
drehte, war Kenntnis von Land, Leuten und Vogelwelt. Früh- 
jahr und Sommer waren für die französische und deutsche 
Schweiz bestimmt. Nach achtwöchentlichem Aufenthalt in Mon- 
treux zur Erlernung der französischen Sprache, wozu ich mir 
Pension in einer kleinen, nur französisch verstehenden Beamten- 
familie gesucht hatte, verbrachte ich die übrige Zeit auf einer 
fortlaufenden Fufswanderung. Eine selbstkonstruierte, nur mit 
dem Allernötigsten versehene Reisetasche auf dem Rücken (Ruck- 
sack kannte man damals in Deutschland noch nicht), gutes Glas 
um. den Hals und festen Bergstock in der Hand, so durch- : 
wanderte ich, begleitet von meinem treuen Rattenfänger „Schnauz‘‘| 
die ganze Schweiz. Das war eine herrliche Zeit und begeistert 
schrieb ich in mein Tagebuch: „Die Beobachtung der Natur ist’ 
der höchste Genufs und die Grundlage alles Wissens.“ Wieviel 
Neues bot sich mir, und speziell auf ornithologischem Gebiet 



Meis oriiithologischer Lebenslauf. 881 

Die Alpenbrunelle, der herrliche Alpenmauerläufer, die Wasser- 
amsel, der Steinadler — zwar nur 2 Exemplare in Graubünden 
gesehen — Alpendohle und -Krähe, Schneehuhn und ganz be- 
sonders der Schneefink. Letzteren fand ich zum ersten Mal am 
4. Juli brütend in einer Fensternische des noch in Schnee und 
Eis liegenden St. Bernhard-Hospizes. ( Hier lernte ich auch die 
St. Bernhardiner an ihrer Wiege kennen. Ich war aber nicht 
wenig enttäuscht, nach unseren jetzigen Anforderungen an diese 
Hunderasse mehr oder weniger nur Fixköter zu finden. Auch der 
berühmte Barry, ausgestopft im Museum zu Bern, kann äufserlich 
nicht anders bezeichnet werden. Interessant ist aber, dafs alle 
auf dem Hospiz einst und jetzt gezüchteten und verwendeten 
Hunde kurzhaarig sind. Nach Auskunft der Mönche sind lang- 
haarige Hunde überhaupt nicht brauchbar, da sich zu viel Schnee 
ansetzen würde.) Aber auch andere, nicht spezielle Alpenvögel 
traten mir auf dieser Wanderung zum ersten Mal in der Natur 
entgegen. So der damals in Deutschland noch recht seltene 
Scbwarzspecht. Ich fand ihn samt Bruthöhle an der Simplon- 
strafse, und zwar letztere mit dem für den Westen Europas 
charakteristischen kreisrunden Flugloch. 

Meine Wanderung endete am 22. September in Lugano. 
Hier wurde zur Erlernung der italienischen Sprache für die 
nächsten 6 Wochen Aufenthalt bezw. Standquartier genommen, 
und zwar wieder in einer nur italienisch sprechenden Pension. 
Täglich hatte ich bei einem Schulmeister 3 Stunden Unterricht, 
im übrigen wurde die Zeit gröfsenteils auf den verschiedenen 
Vogelfanganlagen verbracht. Roccolo, Passata, Brescianella, Vogel- 
herd, Schlingen, Sprenkel, Leim, alles lernte ich durch Vermitt- 
lung meines Hauswirtes gründlich kennen, ja ich machte, um 
nicht Argwohn zu erregen, alle diese Scheufslichkeiten selber 
mit. Zu den entfernteren Anlagen mufste ich schon am Abend 
gehen. Das Nachtlager wurde dann mit dem Vogelfänger ge- 
teilt, wonach meist reichliche Einquartierung gewisser kleiner 
Tierchen zu spüren war. Das war nun zwar nicht gerade er- 
götzlich, wurde aber gern in Kauf genommen für alles Inter- 
essante, was ich hier hörte, sah und lernte. Die Stunden des 
Vogelfanges waren auch die ergiebigsten zur Beobachtung des 
Vogelzuges, und so zählen jene Stunden in den schmutzigen 
Vogelfängerhäuschen zu meinen schönsten ornithologischen Er- 
innerungen. Man soll übrigens ja nicht glauben, dafs diese 
Vogelfänger xbeliebige Kerle sind. Sie waren z. T. direkt ge- 
bildete Ornithologen, wenigstens auf biologischem Gebiet. Ohne 
solche aus der Praxis hervorgegangene Kenntnis würden sie ja 
auch gar nicht solch routinierte Fänger sein können. Für letztere 
Fähigkeit ist ersteres die unerläfsliche Vorbedingung. Die grofsen 
zusammenhängenden Anlagen gehörten vielfach reichen Herren aus 
Florenz und Mailand, in deren Diensten die Fänger standen. Als 
besonders gute Fänger werden die Pergamesen geschätzt. 

22 * 


IS2 Hans Freiherr von Berlepsch: 

Von Lugano wanderte ich langsam weiter durch die Po- 
ebene über Mailand nach Genua und dann an der herrlichen 
Riviera entlang bis Nizza. Auch diese Wanderung, immer in 
Begleitung meines treuen Freundes Schnauz, bot ornithologisch 
viel des Interessanten. Die enormen Massen der auf Märkten 
ausgelegten Vögel bestärkten mich in dem Urteil, dafs neben 
der Kultur doch auch dieser südliche Vogelfang unserer Ornis 
erheblichen Abbruch tue. Ueberall traf ich unsere heimischen 
Zugvögel, und hier ebenso gefährdet wie oben an den Seen. Hier 
wurden sie hauptsächlich durch den Vogelfang im Kleinen, be- 
sonders unter Anwendung des Käuzchens und die überall knal- 
lenden Schiefser vernichtet. 

Von Nizza schiffte ich mich nach Corsica ein, und nachdem 
ich auch diese interessante Insel, wie auch einen Teil von Sar- 
dinien innerhalb ö Wochen kreuz und quer durchstreift hatte — 
leider ohne der Sitta canadensis whiteheadi (Sharpe) ansichtig zu 
werden — , fuhr ich Mitte Dezember nach Afrika über. 

Die ersten 5 Wochen verbrachte ich in Gesellschaft eines 
französischen Offiziers in dem auf den Höhen des Atlas gelegenen 
herrlichen Hamam Mescoutine. Die den Erdboden auf weite 
Strecken unterminierenden siedend heifsen Quellen treten hier 
zutage, und geben der an und für sich schon recht heifsen 
Gegend einen fast tropischen Charakter. Dementsprechend ist 
die Flora und Fauna, und unsere europäischen Zugvögel nehmen 
hier gern für länger Winteraufenthalt. Unsere täglichen Jagd- 
ausflüge, wie auch das Ansitzen während der Nacht — auf 
Wildschweine, Steinhühner, Schakale, Hyänen (Löwen und Panther 
waren schon damals nur seltene Irrgäste) — boten zu Beobach- 
tungen ausgiebig Gelegenheit. 

Unvergefslich ist mir aus dieser Zeit ein Wanderflug der 
Stare, wie ich ihn zusammen mit einem solchen unserer Feld- 
lerche aus dem Monat April desselben Jahres in Apulien in dem 
Berichte des II. Internationalen Ornithologen-Kongresses 1890 
zu Budapest näher beschrieben habe. Ersteren gewahrte ich 
nachmittags gegen 2 Uhr. Er bewegte sich von NW nach SO. 
Er war etwa 1 km breit und über die Länge fehlt mir jede 
Schätzung. Diefse mufs aber viele 100 km betragen haben, 
denn bei einbrechender Dunkelheit war er noch in unveränderter 
Breite und Dichte. Der Lerchenzug hatte die entgegengesetzte? ' 
Richtung. Auch er mochte gleiche Breite haben und währtej*? 
auch über eine Stunde. Bei beiden Zügen handelte es sich|^ 
zweifelsohne um Millionen, ja vielleicht Milliarden von Indivi|p 
duen, und lernte ich die Laienauffassung verstehen, dafs anl ^ 
solchen Zügen die Vernichtung selbst vieler Tausende ohne Be- 
deutung sei. Der Fachmann kann sich dem aber nicht an- 
schliefsen. Er weifs, dafs die auf solchem Zuge in grofser Zahl 
vereinigten Vögel der Zusammenschlufs all der kleinen Wander- 
züge ist, deren jeder einer ganz bestimmten Gegend angehört. 


Mein ornithologischer Lebenslauf. 


333 


und während der ganzen Wanderung wohl auch mehr oder 
weniger in sich geschlossen bleiht. Nach ihrer Rückkehr ver- 
teilen sich alle diese Vögel wieder auf ihre engere Heimat, und 
bleibt dann der an solchen grofsen Wanderzügen relativ unbe- 
deutende Verlust gewifs nicht ohne Bedeutung. Mit eine Er- 
klärung des plötzlichen, scheinbar unerklärlichen Verschwindens 
gewisser Vogelarten io dieser oder jener Gegend. 

An diesen idyllischen Aufenthalt schlofs sich ein zwei- 
monatlicher Kamelsritt durch die Sahara. Hier traten mir nun 
zum ersten Mal die Wüstenformen entgegen und belehrten mich 
über die Mimikry und ihre Notwendigkeit, jedenfalls über ihren 
^ praktischen Wert. Die fahle Farbe der dort beheimateten Tiere, 
’ seien es Säugetiere oder Vögel, bietet diesen in dem meist jeder 
Deckung baren Gelände den einzigen Schutz. Auch die Tier- 
liebe der Mohammedaner lernte ich kennen. In entlegenen 
Oasen, wo der christliche Europäer nur selten hinkommt, waren 
die Vögel ohne jede Scheu und lebten vielfach mit den Menschen 
unter einem Dache. Besonders zutraulich fand ich die Wüsten- 
lerche Alauda isahellina, den Wüstensperling Fässer simplex 
saharae (Erl.) und die kleine Wüstenammer Emheriza sahari 
(LevailL). In einer kleinen Oase südwestlich Wargla waren 
letztere vollständig zu Haustieren geworden, frafsen während 
des Essens mit vom Teller und schliefen mit den Menschen im 
gleichen Raume. 

Den Rückweg nahm ich nach Tunis und fuhr von hier in 
den letzten Tagen des März nach Sizilien über. Nachdem ich 
auch diese Insel kreuz und quer durchwandert, einen Abstecher 
nach Malta gemacht und den Aetna bestiegen hatte, begann ich 
durch Italien allmählich die Rückreise. 

Auch in diesen Frühlingsmonaten sah ich noch manch 
ornithologisch Interessantes. So unsere Zugvögel auf ihrer Rück- 
wanderung; auch den im Frühjahr in Süditalien ebenso wie im 
Herbst im Norden des Landes blühenden Vogelfang. In Kala- 
brien erlebte ich den schon vorstehend geschilderten Lerchenzug, 
und am Fufse des Vesuvs und auf Capri sah und hörte ich 
enorme Mengen von Wachteln. Aus jeder Erdscholle strichen sie 
ab, und die ganze Gegend erschallte von ihren feinen Lockrufen. 
Den Schlag hörte ich aber nur selten. Die Wanderzüge im 
Frühjahr sind schwächer als im Herbst und dementsprechend 
natürlich auch das Fangresultat geringer. Die Märkte zu be- 
suchen, versäumte ich auch jetzt keine Gelegenheit. Ich fand 
, die Vögel durchweg im vermauserten Hochzeitskleid. 

Nach 7 a Jahren kam ich endlich Ende Mai 84 wieder zum 
Regiment zurück, und wurde der detachierten Schwadron in dem 
kleinen Orte Benrath zugeteilt. Dort verblieb ich, bis ich be- 
reits im Februar 1886 eine neue Reise nach Südamerika antrat. 

Diese Benrather Zeit war höchst idyllisch und ermöglichte 
1 mir eine äufserst rege ornithologische Betätigung. Die Kaserne 


884 


Hans Freiherr von Berlepsch; 


und die Reitplätze lagen in dem an den Rhein anstofsenden 
Schlofspark, der Exzerzierplatz inmitten des Königlichen Staats- 
forstes, und alle Anmarschwege führten gleichfalls durch Wald 
und Heide. Der Königliche Dienst, fern, des Hohen Regiments- 
stabes, erlaubte all diese Gelegenheiten reichlich auszunutzen. 
Mit dem Königlichen Oberförster stand ich natürlich auf bestem 
Fufse, und Büchse, Flinte, Netze, Fernglas sowie ein guter Hund 
gehörten zur ständigen Ausrüstung. 

Auch im Vogelschutz war ich tätig und datiert aus dieser 
Zeit eine schon öfters angeführte Beobachtung. Ein Reserve- 
offizier meines Regiments hatte in Benrath eine Kunsttöpferei, 
und benutzte ich diese Gelegenheit, mir von dieser Nistkästen 
anfertigen zu lassen. Sie waren in der damals üblichen Form, 
also ein walzenförmiger Topf mit flachem geraden Boden und 
abnehmbarem Deckel. Der Winter 1884/85 war besonders streng. 
Nach Neujahr hatten wir viele Wochen hohen Schnee und wieder- 
holt fiel das Thermometer bis unter 20 Grad. Zur Winterszeit 
hatte ich auf die Kästen bezw. Nisttöpfe, jetzt Urnen genannt, 
nicht weiter geachtet, als ich sie aber im Frühjahr neu in 
Ordnung bringen wollte, fand ich in ihnen verschiedene tote 
Vögel, Meisen, Kleiber, Feldsperling und ein Rotkehlchen. Die 
nächstliegende Erklärung war und ist mir auch heute noch, dafs 
solche erfroren sind. Ich bin später öfter hierauf zurückgekommen. 

Dieser Mifserfolg liefs mich erneut des einstmaligen Aus- 
spruchs Alfred Brehms gedenken, dafs alle Nistkästen nutzlos 
seien. Gleichzeitig brachte er mich aber auch auf den Ge- 
danken, doch mal Beobachtungen anzustellen, welche Art 
natürlicher Nisthöhlen überhaupt von den Vögeln haupt- 
sächlich zu Niststellen gewählt werden, um danach eventuell 
Verbesserungen der Kästen vornehmen zu können. 

In diese Benrather Zeit fällt nach dem leider im Sommer 
84 erfolgten frühen Tode meines guten Vaters die Anlage des 
Seebacher Parkes, Mein Plan hierzu stammt schon aus meiner 
Kinderzeit: ein deutscher Wald mit Wasser und Blicken. In 
der Voraussicht, vorerst selbst nicht nach dort zu kommen, 
nahm ich nur kleine, 3 jährige Pflanzen. Auf einer Photographie 
aus jener Zeit erscheint der Park deshalb mehr wie ein Kar- 
toffelfeld. 

Im Februar 1886 trat ich eine achtmonatliche Reise nach 
Südamerika an. Diese Reise war lange vorbereitet. Schon als 
Sekundaner legte ich mir den Weg zurecht, der mich durch eine 
noch völlige Terra incognita führen sollte. Die Bekanntschaft 
mit Dr. von den Steinen nach seiner bekannten Forschungsreise 
am oberen Xingu liefs mich dann meinen Weg nur mehr südlicFLn 
legen, durch das noch völlig unbekannte östliche Paraguay undn ^ 
die hinteren Teile der dort anstofsenden südlichen Provinzenj 
von Brasilien. Auch wurde der vor der Heimreise geplante Ab- 
stecher nach der Mündung des Amazonas vereitelt, indem ich| 


Mein ornithologischer Lebenslauf. 


835 


zur Durchquerung des ürwaldgürtels anstatt der angenommenen 
4” 5 Wochen über 3 Monate gebrauchte. 

Als letzte Vorbereitung für diese Reise wurde Spanisch 
gelernt,, das rasche Abbalgen erneut geübt und die zoologischen, 
speziell ornithologischen Burmeisterschen Werke studiert. Diese 
kamen auch in mein bescheidenes Reisegepäck, und Professor 
Burmeister gab mir in Buenos Ayres noch persönlich in liebens- 
würdigster W^eise eingehende Belehrung, Glücklicherweise fand 
ich noch in zwölfter Stunde in Hauptmann Geifsel vom Infanterie- 
Regiment 39 einen Reisegefährten. Uns führte weniger Freund- 
schaft, als gemeinsame Interessen zusammen, und konnten wir 
unsere bescheidenen Kenntnisse in günstiger Weise gegenseitig 
ergänzen. Geifsel war leidlicher Botaniker und speziell recht 
guter Anthropologe. Alle oft wirklich nicht geringen Beschwerden 
und Fährlichkeiten hat er treulich mit mir geteilt. 

Diese Reise galt vornehmlich ornithologischen Studien und 
es trat mir in diesen tropischen und subtropischen Zonen natür- 
lich auf Tritt und Schritt Interessantes und Neues entgegen. 
Dieses alles aufzuzählen würde für vorliegenden Zweck zu weit 
führen. Ich werde deshalb in Folgendem nur dessen eingehen- 
der Erwähnung tun, was während jener Zeit auf meine ornitho- 
logische und speziell spätere vogelschützerische Tätigkeit be- 
fruchtend und klärend gewirkt hat. Dies waren vornehmlich 
3 Beobachtungen. 

Ehe ich das ürwaldgebiet verliefs, war es Spätherbst und 
Winter — Mai, Juni, Juli — geworden. Trotzdem zogen all- 
abendlich ungeheure Schwärme der Amazonenpapageien ~ Ama- 
eona festiva (L.) und Amazona Dufresnei (Sw.) — auch kleinere 
Flüge der dortigen 3 Arasarten — Ara chloropterus (Gray), Ara 
Ararauna (L.) und Anadorhynchns Leari (Bp.) ihren Brutplätzen 
wieder zu, und nächtigten in ihren alten Nisthöhlen. Eingehende 
Beobachtungen kurz vor der Nacht — allmähliges Dunkelwerden 
gibt es unter diesen Breitengraden bekanntlich nicht — und am 
frühen Morgen belehrten mich aufserdem, dafs nicht nur 1 oder 2, 
sondern oft 4—5 Vögel in einer Höhle übernachteten. Dies 
brachte mich auf den Gedanken, ob es in unseren Breiten nicht 
eventuell ebenso sei. Meine späteren Beobachtungen haben dieses 
bestätigt. Auch hierzulande, also wohl auf der ganzen Erde, 
kehren alle Höhlenbrüter, jedenfalls soweit sie Standvögel sind, 
auch aufserhalb der Brutzeit jeden Abend in die Nisthöhlen 
zurück. Teilweise Ausnahmen machen nur die, welche, wie z. B. 
die Stare in grofsen Schwärmen im Röhricht, Epheu oder ähn- 
lichen Deckungen Unterschlupf suchen. Hier in unseren Breiten 
finden sie so auch Schutz gegen Kälte. Auch schlafen, wie dort, 
so auch hier vielfach mehrere Vögel zusammen in einer Höhle. 
Ja, zu Anfang des Winters, ehe im Kampf ums Dasein ihre 
Reihen wieder gelichtet sind, findet man die Höhlen oft förmlich 
von Vögeln vollgestopft. Allein in einer kleinen Meisenhöhle 


886 


Hans Freiherr von Berlepsch: 



wurden schon bis 9 Meisen, 3 Kohl- und 6 Sumpfmeisen gefunden. 
Diese Feststellung hat auf dem Gebiet des Vogelschutzes eine 
garnicht hoch genug einzuschätzende Wandlung gezeitigt. Nahm 
man doch früher die Nistkästen, um sie länger zu konservieren, 
nach der Brutperiode vielfach ah und brachte sie erst im nächsten 
Jahre nach Eintritt guten Wetters wieder an ihre Plätze. Ich, 
und wohl auch andere werden sich gewifs noch entsinnen, wie 
spekulative Nistkästenfahrikanten ihre Ware gerade dadurch be- 
sonders anzupreisen suchten, dafs sie an ihren Kästen Vor- 
kehrungen getroffen hätten, solches leicht bewerkstelligen zu 
können. Jetzt wissen wir, dafs die Höhlenbrüter die Nisthöhlen 
im Winter ebenso benötigen, wie zur Brutzeit, und dafs somit 
jener Vogelschutz geradezu eine systematische V e r n i c h t u n g 
der Vögel war. 

Die zweite Beobachtung jener Reise ist den Freibrütern zu 
gute gekommen. Die Mafsnahmen, wie wir sie jetzt so erfolg- 
reich zu deren Schutz in Anwendung bringen, sind gleichfalls 
das Ergebnis jener Reise. Sie gründen sich auf eingehende 
Beobachtungen der in der noch unberührten jungfräulichen Natur 
gewählten Nistplätze. Der tiefe dunkle Urwald ist tot wie das 
Waldinnere auch bei uns. Ja, es wird unglaublich klingen, dafs 
ich in meinem Tagebuch sieben aufeinanderfolgende Tage ver- 
zeichnet habe, während deren ich irgend ein lebendes Tier, 
Amphibien und Schlangen inbegriffen, überhaupt weder sah noch 
hörte. Die feuchte fieberschwangere Atmosphäre würde in kürzerer 
oder längerer Zeit jedes höhere Lebewesen töten. Nur gewisse 
Insektenarten gedeihen hier, und wurden uns gerade während 
jener Tage zur höllischen Pein. Nur an den Ausläufern der 
Wälder, an den Flufsläufen, oder sonstigen lichteren Stellen findet 
sich das in unserer Phantasie gebildete Urwaldleben. Besonders 
reich ist hier die Vogelwelt. Hier treffen wir die verschiedensten 
Sumpf-, Raub-, Sing-, Klettervögel, alles bunt durcheinander. 
Hier ziehen, mich lebhaft an unsere winterlichen Krähenschwärme 
erinnernd, nach Tausenden zählende Flüge der bereits erwähnten 
Papageienarten, sich schon auf mehrere Kilometer Entfernung 
durch ihr Geschrei verratend. Hier sitzen träge Geier, hier fliegen 
behende Falken. Dort hüpft ein merkwürdig gelber Gegenstand, 
scheinbar eine lange Gurke in dem Dunkel der Baumkrone her- 
um, bis wir gewahr werden, dafs dies ja nur der Schnabel des 
dazu gehörigen Pfefferfressers ist. Enorme Massen kleiner In- 
sektenfresser befliegen die hohlen Bäume oder andere besonders 
reiche Nahrungsquellen, und werden gleichzeitig wieder in Massen 
von den sich um sie sammelnden Raubvögeln genommen. Un- 
behindert und unverargt. Nützlich und schädlich hat die mensch- 
liche Brille hier noch nicht gesichtet. 

Diese Gelände waren denn auch die Dorados der Beob- 
achtungen, und hier war es auch, wo ich in dem reichlichen^ 



Mein ornithologischer Lebenslauf. 


337 


Unterholz, vornehmlich aus einer langnadligen Dornenart be- 
stehend, unzählige Nester fand. Es war mir aber auffallend, 
dafs der Nesterreichtum bei annähernd gleicher Art und Menge 
des Unterholzes, wie auch annähernd gleicher Beschattung sehr 
wechselnd war. An manchen Stellen fehlten Nester fast gänzlich, 
während sie anderwärts so dicht standen, dafs die Gehölze von 
weitem wie mit dichtem Moos überzogen erschienen. Bei wieder- 
holter Beobachtung fand ich die Erklärung hierfür. Die Büsche 
werden zu den begehrten Nestträgern, abgesehen von dem Ueber- 
ünd burchwuchern der Schlinggewächse, erst durch nachstehenden 
eigenartigen Vorgang. In dem feuchten Klima der Urwälder 
geht das Werden und Vergehen sehr rasch vor sich. Vielfach 
sind die Baumstämme unten schon zerfallen, während oben 
Zweige und Holzklötze noch in Massen in den Schlinggewächsen 
hängen bleiben. Durch Wind, abstreichende Vögel und andere 
Ursachen fallen diese Stücke dann allmählich herab das war 
für uns übrigens gar nicht ohne Gefahr. Mein Begleiter Geifsel 
entging einmal nur mit genauer Not dem Tode — und schlagen 
das darunterstehende Gesträuch entzwei. Unterhalb der so ent- 
standenen Bruchstellen treiben die schlafenden Augen und bilden 
quirlförmige Verästelungen, und hauptsächlich hierauf 
standen die unzähligen Nester. Ich sah also, dafs 
es weniger auf den Stand und die Art der Büsche ankam, als 
vielmehr auf ihre Beschaffenheit. Je mehr sie durch vorstehend 
geschilderten Vorgang deformiert waren, desto mehr Nester standen 
darin. Jetzt entsann ich mich auch, dafs mir Aehnliches schon 
auf meiner früheren Reise in Afrika am Südabhang des Atlas- 
gebirges entgegengetreten war. Damals hatte ich mir aber weiter 
keine Rechenschaft darüber gegeben. Diesen Wahrneh- 
mungen verdanken die jetzigen Vo'gelschutz- 
gehölze nun lediglich ihre Entstehung. Ich ver- 
suche auf künstlichem Wege in relativ kurzer Zeit das Gleiche 
zu erzeugen, was ich hier im Laufe langer Zeitepocben von selbst 
entstanden fand. Man versteht also jetzt unter Vogelschutzgehölz 
eine aus bestimmten Holzarten zusammengesetzte Pflanzung, in 
der durch entsprechende Pflege, besonders Schnitt, die gleichen 
guten Nistgelegenheiten geschaffen werden, wie sich solche einst- 
mals von selbst bildeten und in den Urwäldern auch jetzt noch 
zu finden sind. 

Eine dritte Beobachtung hat mich zu den Grundsätzen der 
Winterfütterüng geführt. Dies waren jene schon erwähnten hohlen 
Bäume, oft von enormen Dimensionen, sowie auch andere mehr 
oder weniger geschützte Nahrungsquellen. Letztere wurden durch 
übereinandergefallene und allseitig von Schlinggewächsen, Moos, 
Farren etc. überwucherte Baumstumpfen und abgebrochene Baum- 
kronen gebildet. In den faulen und morschen Wänden dieser 
Gebilde finden die Vögel einen ewig gedeckten Tisch, und was 
das Wesentlichste ist, mehr oder weniger wettersicheren Unter- 


388 


Hans Freiherr von Berlepsch: 



schlupf. Dort in den Tropen ist solches ja zwar bedeutungslos,' 
wie schwerschwiegend ist dies aber gewesen, als sich solche 
Gebilde dereinst auch bei uns gefunden haben. Und so hat die 
Erinnerung an jene Vorratskammern des Urwalds mich später 
auf den Gedanken gebracht, solche auch wieder bei uns zu 
schaffen, und mich so die oberste Bedingung für jede Winter- 
fütterung gelehrt iWettersicherheit. 

Dies die drei wichtigen Beobachtungen jener Reise. Hin- 
sichtlich des Schutzes unserer Vögel wohl mit die wichtigsten 
Stellen, die ich überhaupt im Buche der Natur gelesen habe. 

Auf der Heimreise konnte ich mich in der brasilianischen 
Provinz St. Paulo von den Schäden einer sinnlos ausgeführten 
Kultur überzeugen. Dieses. einst herrliche mit einem das ganze 
Jahr hindurch gleichmäfsig warmem Klima gesegnete Waldgebiet 
hatte die idealsten Kaffeeplantagen gezeitigt. Die blinde Habgier 
der Facenderos entwaldete aber immer mehr, bis allmählich das 
Klima derart verändert worden ist, dafs jetzt die Kaffeepflanzen 
alljährlich erfrieren, und so grofse Strecken schon verlassen, 
Öde und wüst liegen. 

In Bahia verliefs ich die amerikanische Erde wieder. Eine 
sich allmählich angesammelte kleine Menagerie begleitete mich. 
Die gesammelten Vogelbälge war ich genötigt gewesen, im zwei 
grofsen Kisten zwei deutschen Ansiedlern anzuvertrauen. Eine 
kam nach einem Jahr, und zwar in noch ganz guter Verfassung, 
die andere leider nie an. Da mir solches aber von vornherein 
nicht ausgeschlossen schien, batte ich jeden Vogel aufserdem 
genau beschrieben und konnte so 103 verschiedene Arten be- 
stimmen. Darunter haben sich nach Urteil meines verstorbenen 
Vetters, des bekannten und speziell für Südamerika mafsgebenden 
ornithologischen Systematikers, Grafen Berlepsch anscheinend 
aber nur 2 neue Stücke gefunden. Alle übrigen waren, besonders 
durch die Werke Professor Burmeisters, als schon bekannt an- 
zuseben. 

Es wird mir schwer, von dieser Reise nicht noch anderes, 
und gewifs für jedermann Interessantes zu sagen. So unsere 
Begegnung mit noch im völligen Urzustand lebenden Indianer- 
stämmen, unsere Fährlichkeiten in den Sumpfgebieten, das noch 
an homerische Zeiten erinnernde Leben der Facenderos u. a. m. 
Doch ich will den Rahmen dieser Arbeit nicht übersteigen. 

In die Zeit nach meiner Rückkehr bis zu meiner Versetzung 
im Frühjahr 1889 in das 15. Husarenregiment nach Waudsbeck 
fallen die weitere Ausgestaltung des in den Jahren 1884 und 85 
angelegten Seebacher Burgparkes, die ersten mehrfach mifsglückten 
Versuche, nach den urwaldlichen Vorbildern Vogelschutzgehölze 
anzulegen, bezw. schon vorhandene darnach umzubilden, sowie im 
Frühjahr 1888 eine nochmalige achtwöchige Reise nach Italien. 

Diese galt hauptsächlich der Nachprüfung der Beobachtungen 
aus den Jahren 1883 und 84. Ich wählte wiederum die Zugzeit, 



Mein ornithologiscber Lebenslauf. 


339 


besuchte wie früher das obere Seengebiet, die Gegenden um Rom 
und Neapel, und weilte abermals, und zwar diesmal 3 Wochen, 
auf dem mir liebgewonnenen Capri. Wesentlich neue Beob- 
achtungen habe ich von dieser Reise nicht zu verzeichnen; die 
Zugerscheinungen, die Stätten des Vogelfanges, ja meist auch 
die Vogelfänger, meine alten Bekannten, waren noch die gleichen 
wie früher. Nur lernte ich damals eine ganz eigentümliche Sitte 
kennen, durch welche jährlich auch viele Tausende, von Vögeln 
kläglich zu Grunde gehen. Ob ihrer Sonderbarkeit, und da sie 
wohl nur wenigen bekannt sein dürfte, halte ich sie wert, hier 
näher zu beschreiben. Ich schildere den für ganz ünteritalien 
üblichen Brauch, wie ich auf Capri selbst Zeuge davon war. 

Am Sonnabend vor Ostern wird bekanntlich in der katho- 
lischen Kirche der Freude über das bevorstehende Fest besonderer 
Ausdruck verliehen. Diese Freude wurde nun, und wird wohl 
auch jetzt noch auf folgende Weise versinnlicht. In dem Moment, 
in dem der Priester das Gloria anstimmte, wurde vor dem Altar 
Feuerwerk abgebrannt, eine Musikkapelle fiel in stürmische Weisen, 
und jeder fromme Kirchgänger liefs als Sinnbild des zu Gott 
steigenden Gebetes einen bis dahin verborgenen Vogel fliegen. 
Welch Durcheinander dies gab, ist wohl denkbar. Die armen 
Geschöpfe flogen gegen die brennenden Altarkerzen, von denen 
sie mit versengten Gliedmafsen zu Boden fielen, viele stiefsen 
sich an den seitlichen Fenstern die Köpfe ein, und noch andere 
fanden ein rasches Ende unter den zahlreichen Füfsen. Das 
traurigste Los aber traf die, welche ihrer Bestimmung gemäfs 
gen Himmel stiegen, d. h. oben in die Glaskuppel flogen. Hier 
waren sie nun beständig der brennendsten Sonne ausgesetzt, 
mochten sie an den Scheiben flattern, oder zur Verlängerung 
ihrer Leiden auf irgend einem Vorsprung ruhen. Das Ende aller 
war Verhungern und Verdursten. Einige ertrugen die Qualen 
merkwürdig lange; noch am nächsten Tage sah ich in der Kuppel 
2 graue Steinschmätzer flattern. Es war mir ein trauriger An- 
blick, aber die armen Tiere zu erlösen, stand nicht in meiner 
Macht. 

Hier sehen wir die Vogelvernichtung und -Quälerei nicht 
nur als Symptome der niederen Volksklassen, sondern sanktioniert 
und direkt befohlen von gelehrten Leuten und christlichen Seel- 
sorgern. Mich hatte der ganze Vorgang so entrüstet, dafs ich 
mir fest vornahm, in den nächsten Jahren unter Begleitung 
meines wütenden Uhus dieser „Feierlichkeit“ nochmals beizu- 
wohnen, und dann dem Geistlichen dieses „Vögelchen“ an den 
Kopf zu werfen. Leider ist nichts daraus geworden. Ich habe 
Capri seitdem noch nicht wieder besuchen können. 

Auch meine Beobachtungen über natürliche Nisthöhlen setzte 
ich weiter fort, und es fiel mir allmählich auf, wie viele der ver- 
schiedensten Vogelarten sich alter Specbthöhlen bedienen. Ohne 
auf den Gedanken zu kommen, solche künstlich nachbilden zu 


340 


Hans Freiherr von Berlepsch: 


wollen, oder auch nur näher zu untersuchen, liefs ich mir, ge- 
wissermafsen instinktiv, doch schon äufserlich an die jetzigen so- 
genannten Berlepsch’schen Nisthöhlen erinnernde Nistkästen her- 
stellen. Es waren vom Drechsler in der Weise ausgebohrte 
Rullen, dafs die Kästen aufser dem aufgenagelten Dache, schon 
aus nur einem Stück bestanden. Ihre Haltbarkeit und’ die Er- 
folge damit waren auch schon günstiger als die der alten Bretter- 
kästen. Etliche waren bis vor wenigen Jahren intakt geblieben. 
Infolge des durch die Art ihrer Herstellung bedingten hohen 
Preises konnte es sich aber nur um relativ wenige Stücke handeln. 

Während des nun folgenden Aufenthaltes in Wandsbek habe 
ich dort an Ort und Stelle nennenswerte Beobachtungen wohl 
gar keine gemacht. Ornithologisch konnte ich mich dort nur 
durch öfteren Besuch der Hamburger zoologischen Handlungen 
des zoologischen Gartens und Hagenbeck’s betätigen. Auf üebungs- 
reisen und während der Manöver kam ich östlich der Elbe zum 
ersten Mal in d^s Brutgebiet der Nebelkrähen und erkannte ihre 
nur geographische Verschiedenheit von der Rabenkrähe. Ich fand 
im Grenzgebiet viele Bastardierungen, und im Mai 1890 bei 
Güstrow eine Raben- und eine Nebelkrähe als richtiges Brutpaar. 
Zu meinem Bedauern war ich dienstlich verhindert, an dem im 
Mai 1890 stattfindenden II. Internationalen Ornithologen-Kongrefs 
zu Budapest persönlich teilzunehmen. Ich sandte aber einen 
Vortrag „Die Vernichtung unserer Zugvögel im Süden und der 
daraus resultierende Schaden“ (siehe „II. internationaler Ornitho- 
logen-Kongrefs. Budapest 1890“), ein Ergebnis meiner Reisen 
der Jahre 1883, 84 und 88. 

Seit Juli desselben Jahres hatte ich die feste Vermutung, 
den^ Steinsperling wieder neu für Deutschland aufgefunden zu 
haben. Während meines Hochzeitsaufenthaltes auf meinem See- 
bacher Forsthaus kamen wir auf unseren Wanderungen auch nach 
der einsamen im Hainichwalde am Abhang zum Werratal gelegenen 
Burg Haineck. Hier hörte ich mir völlig unbekannte Vogel- 
stimmen, hatte damals aber keine Zeit zu weiterer Beobachtung. 
Nach der Oertlichkeit wagte ich aber auf den Steinsperling zu 
schliefsen, wie es sich nach 2 Jahren, im Sommer 1892, auch als 
richtig ergeben sollte. 

Zu Haus machte ich in jener Zeit erfreuliche Fortschritte 
in Anlage und Ausgestaltung der Vogelschutzgehölze. Ich er- 
kannte den hohen Wert des Weifsdorns, und dafs nicht nur ein 
einmaliges, sondern jährliches Zurückschneiden zu der erstrebten 
richtigen Quirlbildung erforderlich ist. Dafs ich damals für 
vogelscbützerische Zwecke auch noch den Schwarzdorn hoch ein- 
schätzte, ist nicht wunderbar; erst die Zeit konnte mich lehren, 
dafs ein endgültiges Urteil über den Wert der verschiedenen 
Holzarten nur nach mehr-, ja langjähriger Erprobung möglich 
ist. Was sich anfänglich gut bewährt, zeigt sich vielfach später 
als weniger brauchbar, bezw. auch ganz unbrauchbar. So kann 


Mein ornithologischer Lebenslauf. S4l 

der Schwarzdorn den fortlaufenden Schnitt, anderes die zu- 
nehmende Beschattung, den seitlichen Druck etc. nicht vertragen, 
oder gestaltet sich unter den veränderten Verhältnissen doch 
mehr oder weniger um. Es können deshalb das Studium und 
die langjährigen Erfahrungen des Einzelnen 
wohl bei keiner vogelschützerischen Betätigung freudiger begrüfst 
und mit mehr Vorteil verwertet werden, als gerade beim Schutz der 
Freibrüter, besonders bei Anlage geschlossener Vogeischutzgehölze. 

Im Winter 90 auf 91 wandte ich zum ersten Male als 
Fütterung für freilebende Vögel die Futtermischung mit Fett an. 
Hierzu führte mich die Erfahrung, dafs Fett allen Vögeln eine 
willkommene und als Wärme erzeugende Substanz besonders 
zuträgliche Nahrung ist. Meine Bemühungen nach den urwald- 
lichen Vorbildern wettersichere Winterfütterungen herzustellen, 
blieben aber trotz allem Nachdenken und vielfacher Versuche 
vorerst noch erfolglos. 

ln Erkenntnis der Notwendigkeit, nach nunmehr schon 
sechsjährigem Tode meines Vaters mich mal eingehender um Be- 
sitz und Familie zu kümmern, liefs ich mich im Herbst 1891 
ä la suite stellen, und wohnte bis Frühjahr 93 mit meiner Frau 
und unserer damaligen kleinen Tochter auf jenem schon vorer- 
wähnten Forsthaus. Galt jene Zeit auch weniger ornithologischen 
Studien, als vielmehr eingehenden Bekümmerns um Gut und 
heimatliche Verhältnisse, so erübrigte ich doch immerhin auch 
Zeit für ersteres. 

Die Talgfütterung führte mich zum Futterbaum, und haben 
wir diesem dort in der Einsamkeit manche unterhaltende Stunden 
und interessante Beobachtungen zu verdanken. Im Frühjahr 92 
prüfte ich den Wert des alten, abgefallenen Laubes. Ein stets 
gut besetztes Vogelschutzgehölz säuberte ich zur Hälfte von 
solchem, in der anderen Hälfte liefs ich das Laub unberührt 
liegen. Der Versuch zeitigte ein überzeugendes Ergebnis. Die 
Nester standen danach fast ausschliefslich in letzterem Teil. Ich 
führe dies weniger darauf zurück, dafs sich in dem Laub manche 
Nahrung findet, als vielmehr darauf, dafs das trockene Laub bei 
jeder Berührung raschelt, und so den Vögeln der natürlichste 
Schutz gegen ihre Feinde ist. 

Im Sommer gleichen Jahres fand ich den schon seit zwei Jahren 
vermuteten Steinsperling endgültig auf. Auch dieser Begebenhei 
möchte ich eingehender Erwähnung tun, da sie sich mit auf meinen 
leider schon so früh verstorbenen Vetter, den bedeuteten Ornitho- 
logen, Grafen Berlepsch bezieht. Mehrere Gänge nach Burg 
Haineck waren schon ergebnislos verlaufen, bis ich Anfang Juni jenen 
unbekannten Ton erneut hörte und gleich darauf mehrerer Paare 
des mir bis dahin noch völlig fremden Steinsperlings ansichtig 
wurde. Nach der eingehenden Beschreibung Naumanns war er 
unschwer zu erkennen. Ich kam in den Besitz einer ganzen 
lebenden Familie, der beiden Alten, fünf Jungen und auch eines 


34 ^ 


Sans f'reihert von Berlepsch: 


Eies. Graf Berlepsch hielt die Tatsache für so unmöglich, dafs 
er persönlich zu mir kam, und sich erst durch Kenntnisnahme 
der Beweisstücke überzeugen liefs. Vier der Jungen setzte ich 
wieder in Freiheit, eins, ein schönes cf wurde mir aber ein 
langjähriger, selten zahmer und unterhaltender Stubengenosse. 
Das alte Pärchen gab ich später an den Berliner Zoologischen 
Garten, wo man Brutversuche damit vornehmen wollte, es aber 
leider bald durch Ratten umkam. 

So war nach fast 100 Jahren, seit Naumanns Zeiten der 
Steinsperling das erstemal wieder für Deutschland nachgewiesen. 
Die Nester standen in Mauerspalten, circa 30 m hoch, aber stets 
so, dafs ein freier Abflug nach den Feldern möglich war. Je 
nach Höherwerden des die Burg umgebenden Waldes wählten 
sie auch höhere Niststellen. Als dann der Wald die Burg 
gänzlich überwachsen hatte, verliefsen sie diese. Seit 1905 habe 
ich die Steinsperlinge (|prt nicht mehr beobachtet. 

Recht gute Fortschritte machte ich in der Nistkästenfrage. 
Ich kam zu der klaren Erkenntnis, dafs allen Höhlenbrütern die 
liebsten Wohnungen alte Spechthöhlen sind, fing an, mir solche 
zu verschaffen und näher zu untersuchen. Ich hoffte daraus 
vielleicht Anhalt zu finden, die Nistkästen erfolgreich zu ver- 
bessern. Als unbedingtes Erfordernis erkannte ich die spitz- 
ovale Bodenform, und fand damit nun auch Erklärung für so 
viele Fehlbruten, speziell für jene Brut des Wendehalses aus 
meiner Schulzeit (siehe S. 328), die aus 9 Eiern nur 4 Junge 
zeitigte. Etliche Höhlen dieser Art fertigte ich mir an und 
fügte sie in Seebach und im Forsthausgarten zwischen die bereits 
hängenden. Um den teuren Drechsler zu umgehen, stellte ich 
sie jetzt auf folgende Art her: Ich spaltete die Rulle in 2 Teile, 
höhlte jede Hälfte mit Meifsel und Dengel für sich aus, und 
nagelte sie dann wieder zusammen. Schon nach Jahresfrist 
zeigte sich aber das Unzulängliche dieser Anfertigung. Durch 
ungleichmäfsiges Trocknen und Werfen der beiden Teile wurden 
die Höhlen, gleich den anderen alten, rissig und dadurch nicht 
mehr wettersicher. 

Meine nun schon seit 2 Jahrzehnten — seit meiner Kind- 
heit — fortgesetzten Versuche, den Star in Seebach anzusiedeln, 
blieben noch immer erfolglos. Natürliche Höhlen gab es damals 
dort noch nicht, und die vielen besonders für sie angebrachten 
Nistkästen — die bekannten alten Holzkübel — hatten sie noch nie 
bezogen. Erst nach der Brutzeit fanden sich Stare dort ein 
und waren dann allerdings ebenso häufig als anderswo. Oben 
im Walde, nur 10 km von Seebach entfernt, nisteten sie dagegen 
in Massen, sowohl in natürlichen Höhlen, als auch in den unten 
in Seebach verschmähten Kästen. Gewifs ein Beweis, wie schwierig 
der Staar dort, wo er noch nicht heimisch, überhaupt anzusiedeln 
ist. Im Inneren des Mansfelder Seekreises ist’s ganz unerklär 
licherweise bis jetzt noch nicht gelungen. 


Mein ornithoiogiscber Lebenslauf. 84S 

Zweite Bruten der Stare habe ich übrigens auch da- 

mals nicht wahrnehmen können. Ende Mai, nach Ausfliegen 
der ersten Brut, waren alle Stare aus dem Walde ver- 
schwunden. Hierbei fiel mir zum erstenmal auf, dafs dies 

Verschwinden ganz plötzlich, innerhalb weniger Tage ge- 

schah, und zwar gleich nach dem Ausfliegen der Jungen. Ein- 
gehende Beobachtungen in den nachfolgenden Jahren ergaben 
dann die eigenartige Lebenserscheinung, dafs die Stare nach 
Ausfliegen der Jungen nur noch 1 bis 1 V 2 Tage im Brutrevier 
verbleiben. Danach ziehen sie viele Meilen weit fort, um dort 
die gefürchteten grofsen Flüge zu bilden. Die Stare, die dem 
Obstzüchter, Weinbergbesitzer etc. oft so lästig fallen, sind also 
nicht die in jener Gegend erbrüteten, sondern fremde Stare. 
Solche Feststellung wird manchem als eine vage Behauptung 
erscheinen und ist gewifs auch nicht leicht festzustellen. Im 
allgemeinen werden die abziehenden Stare gleich wieder durch 
Zuzügler aus anderer Gegend ersetzt, und der Abzug der Brut- 
stare tritt dadurch gar nicht in Erscheinung. Somit wäre dieser 
Vorgang an anderer Oertlichkeit gewifs auch mir entgangen. 
Die Cammerforster Gegend ermöglicht aber diese Beobachtung, 
indem es hier nur Brutstare gibt, nach deren Abzug aber keine 
anderen Zuzüge stattfinden. Man kann die Bewohner Cammer- 
forst’s hierzu beglückwünschen, denn so sind bis zur Reifezeit 
nicht nur die Wälder, sondern auch die anstofsenden grofsen 
Kirschplantagen frei von jeglichen Staren. Eine Schädigung 
dieser Anlagen durch Stare, soviel auch dort jährlich in den 
von mir aufgehangenen Höhlen erbrütet werden, hat noch nie 
stattgefunden. 

Im März 92 nahm ich zum ersten Mal den ,,nun sieben- 
jährigen Seebacher Burgpark in Angriff. Es war eine energische 
Durchforstung, zum Teil auch Umgestaltung erforderlich, und 
wie energisch ich vorging, mag sich daraus ergeben, dafs meine 
gute selige Mutter angesichts der „Verwüstung“ laut zu weinen 
begann. Gleichzeitig vervollständigte ich den Park auf alle mittel- 
europäischen Holzarten, durchsetzte ihn an passenden Stellen 
mit zahlreichem Weifsdorn und trug auch sonst überall dem 
Vogelschutz Rechnung.' Für die nächsten Jahre waren die sich 
schon gebildeten Nistgelegenheiten allerdings erst mal wieder 
zerstört worden. Doch was kann es helfen, bei jeder Garten- 
und Parkanlage darf stets nur das erstrebte Zukunftsbild als 
Richtschnur dienen, und da müssen Säge und Messer schonungs- 
los in ihre Rechte treten. 

Dafs in unserem Waldidyll bald eine kleine Menagerie ent- 
stand, bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung. Auch meine 
Frau ist, bezw. war grofse Tierliebhaberin. 

Im Frühjahr 1893 fand ich erneute Anstellung bei den 
14. Husaren in Cassel. Meine ornithologische Tätigkeit erfuhr 
dadurch durchaus keine Unterbrechung. Die herrliche Karlsaue, 


Ui 


Hans Freiherr von Berlepsch : 


Wilhelmshöhe, sowie das andere ausgedehnte Wald- und Wiesen- 
gelände boten sogar ungeahnte Fundgruben auf diesem Gebiet. 
Dazu war ich der Heimat so nahe, dafs ich mit ihr in ständiger 
Fühlung bleiben und so das dort Begonnene und Geschaffene selbst 
weiter leiten konnte. Dankbar mufs ich das Verständnis und die 
Unterstützung meiner Bestrebungen bei den Zivil- als auch den 
Militärbehörden anerkennen, üeberall liefs man mir bereitwillig 
freie Hand. So legte ich im Jahre 1895 in der Karlsaue die 
noch jetzt bestehenden Vogelschutzgehölze an, war in der Lage, 
mir zu meinen Spechthöhlenstudien selbst reichliches Material 
zu verschaffen; — nur mit der Winterfütterung kam ich nicht 
vorwärts. So verblieb ich denn noch ausschliefslich bei dem 
Futterbaum. Dieser hat ja auch viel Gutes. Er entspricht un- 
seren besten natürlichen Futterquellen. Aber doch eben nur 
unseren Futterquellen, also den Futterquellen, wie sie uns 
in der durch die Kultur verdorbenen Natur noch übrig geblieben 
sind, und ist somit auch mit ihren Mängeln behaftet. Er ist 
nicht unbedingt wettersicher, wie die mir aus dem Urwald be- 
kannten idealen Futtersteilen. Auf eine solche Fütterung mufste 
ich, soviel ich darüber auch nachdachte und experimentierte, 
noch immer verzichten, uud zwar noch eine ganze Reihe von 
Jahren. 

Die ornithologisch befruchtendste Zeit waren aber die drei 
Jahre, die ich vom Jahre 95—98 bei den 8. Husaren in Pader- 
born verbrachte. Ja, ich mufs sagen, dafs ich durch diesen 
Aufenthalt überhaupt erst in die Lage kam, meine Hauptarbeit 
der letzten Jahrzehnte, das Nisthöhlenstudium zum Abschlufs 
zu bringen. Ich kann jene Zeit immer nur wieder als ein gnä- 
diges Gesckenk höherer Vorsehung betrachten. Wo ich ging 
und stand, war ich inmitten interessantester Natur, und so 
boten sich selbst während des Dienstes reichliche Beobachtungen. 

Das ergiebigste Feld war die grofse freie Senne, jene aus- 
gedehnte Heidelandschaft, durchsetzt — wenigstens damals 
noch — mit morastigen Sümpfen, vereinzelten Waldkomplexen, 
und abgeschlossenen, von kleinen, aber uralten Eichenhainen 
umgebenen Bauernhöfen. Der Westfale ist von Natur miß- 
trauisch und zurückhaltend, trotzdem stand ich bald mit all 
den biederen Sennebauern auf bestem Fufs. Manche Morgen- 
und Abendstunden habe ich auf ihrer Scholle verbracht. Nach- 
dem sie erst Vertrauen zu mir gefafst, liefsen sie dem „komischen 
Rittmeister“, wie sie mich zu bezeichnen pflegten, zu allem, für 
sie unverständlichen Beginnen, freie Hand. 

Als besonders günstig erkannte ich diese vereinzelt liegen- 
den Gehöfte, die Biologie der Spechte kennen zu lernen. Spechte 
sind dort auf jedem Gehöft vertreten, doch immer nur in einem 
Paar, bezw. in je einem Paar derselben Art. Jeder weitere Ein- 
dringling wird sogleich energisch befehdet und wieder vertrieben. 
Trotzdem fand ich aber viele Höhlen gleichen Fluglochs, also 


Mein ornitbologischer Lebenslauf. 


345 


von der gleichen Art gezimmert. In der Literatur, auch im 
Naumann, suchte ich vergeblich um Aufschlufs. Diesen brachte 
mir erst das Frühjahr 1897. Auf einem Gehöft bestätigte ich je 
1 Paar grofser Bunt- und Grünspechte, auf einem anderen je 
1 Paar dieser beiden Arten und auch noch 1 Paar Kleinspechte. 
Ich suchte nun alle Nisthöhlen bezw. deren Fluglöcher sorg- 
fältig auf, besorgte mir dazu passende Fafspfropfen, und verkeilte 
sie damit. Das Ergebnis war höchst überraschend und belehrend: 
Alle 3 Spechtarten gingen sofort erneut an die Arbeit, machten 
aber viel mehr Höhlen, als sie zu einer Brut benötigten. Am 
meisten die Buntspechte — auf dem einen Gehöft gerade ein 
Dutzend — , weniger die Grünspechte — 3 und 4 — am wenigsten 
— nur 2 — der Kleinspecht. Von den Höhlen des Buntspechtes 
waren 4 durch neue Löcher unterhalb der verkeilten nach den 
alten Höhlen entstanden, die der Grünspechte und des Klein- 
spechtes waren durchweg neu. Alle Höhlen waren aber nur an 
faulen Stellen begonnen, und je nach deren Ausdehnung ganz 
oder nur teilweise vollendet. Alle waren aber doch genügend, 
anderen kleinen Höhlenbrütern schon als Wohnung zu dienen. 
Selbstbezogen hatten die Spechte nur je eine Höhle, die anderen 
waren, und zwar auch schon bei der ersten Brut, von Garten- 
rotschwanz, Kleiber, Wendehals, Meisen, Feldsperling und eine 
des Grünspechtes vom Wiedehopf besetzt Eine Anzahl der nur 
begonnenen, von anderen Höhlenbrütern aber bereits bezogen 
gewesenen Höhlen habe ich mir damals herausgeschnitten und 
befinden sich in meiner Seebacher Sammlung. 

Dieser ganze Vorgang ist sowohl für die Biologie der Spechte, 
als auch der anderen Höhlenbrüter von gröfstem Werte. Er zeigt 
den Nutzen der Spechte in einem noch ganz besonderen Lichte. 
Er liefert eine demonstratio ante oculos ihrer ihnen von der 
Natur gesetzten Aufgabe, Baumeister für die anderen Vögel zu 
sein. Meine schon früher gemachte Beobachtung, dafs alle 
Höhlenbrüter Spechthöhlen besonders bevorzugen, fand hierdurch 
ihre volle Bestätigung. Jetzt erst war ich mir endgültig klar, 
dafs eine allen Anforderungen entsprechende Nisthöhle lediglich 
die genaue^ Nachbildung der Spechthöhle sein mufs. Die suc- 
cessive Untersuchung von mehr als 100 dieser Höhlen brachte 
das überraschende Ergebnis, dafs den Nisthöhlen aller Specht- 
arten genau dieselbe Bauart zu Grunde liegt, sie nur in der 
Gröfse verschieden sind. Nun formte ich die bis jetzt apgefer- 
tigten Höhlen dementprechend noch weiter um — bis 1896 hatte 
ich sie noch mit zylindrischer Bohrung und auch kurzen Sitz- 
hölzern — bis endlich 1897 die genaue Kopie der natürlichen 
Spechthöhle, die jetzige sogenannte „Berlepsch’sche Nisthöhle“, 
fertig war. 

Besonders förderlich war die Paderborner Zeit auch der 
üeberwindung der technischen Schwierigkeiten ihrer Anfertigung. 
Im Jahre 96 glaubte ich allerdings hierin schon zu einem 

Joum. t Om. LXX, Jahrg. April/Julä 1922. 23 


S46 Hans Freiherr von Berlepsch: 

Abschlufs gekommen zu sein, erfuhr aber nach mühsamen und 
recht kostspieligen Versuchen eine arge Enttäuschung. Ich dachte 
mir die Sache damals so, einen Bohrer zu konstruieren, der 
gleichzeitig die Röhre als auch die spitzovale Nestmulde forme, 
diesen an irgend eine rotierende Maschine zu spannen, und so 
nach einer genauen Anleitung die Herstellung der Höhlen jedem 
Interessenten selbst zu überlassen. Zu Versuchen liefs ich mir 
erst nur einen kleinen Bohrer von 4 cm Durchmesser machen, 
und hiermit glückte die Bohrung auch sehr gut. Anders, als ich 
nun zu den richtigen Dimensionen von 9 und 15 cm Durchmesser 
kam. Die an der Peripherie jetzt viel raschere Umdrehung setzte 
jedes Hirnholz noch vor Vollendung der Bohrung einfach in 
Flammen. Damit war dieser Versuch recht drastisch abgeschlossen, 
und mit dem in Remscheid für unverhältnismäfsig hohe Kosten 
hergestellten Bohrer hatte ich mir nur eine neue Enttäuschung 
erkauft. Zum Andenken daran liegt er noch in der Seebacher 
Sammlung. Später mufste ich allerdings einsehen, dafs ich bei 
diesem Verfahren, auch wenn der Bohrer endgültig funktioniert 
haben würde, doch nicht hätte verbleiben können, da ich damit 
nur zylindrische Bohrungen erzielte. 

Zur gleichen Zeit lernte ich hier in Westfalen das Holz- 
schuhmachergewerbe kennen, und hierauf baute ich nun erneut 
meine Hoffnungen. Ich liefs meinen Kammerforster Holz- 
arbeiter Fröbe nach dort kommen, und ihn auf dem Besitz meines 
alten Brigadekameraden Freiherrn von Brenken in dieser Kunst 
ausbilden. Dieser, sowie ein Holzschuhmacher Münstermann zu 
Brenken in Westfalen fertigten nun mit von mir etwas umgeformten 
und gleichfalls von einem westfälischen Schmied hergestellten 
Werkzeugen bis Winter 1897 die Höhlen. Die Sache ging ganz 
gut, aber sowohl Preis — eine Höhle konnte nicht unter 1 Mark 
hergestellt werden — als auch die Menge der jährlich fertigzu- 
stellenden Höhlen ~ ich kam nicht über 10,000 — liefsen im 
Hinblick auf einen Weltartikel, und dies mufsten diese Höhlen 
werden, wenn sie von allgemeinem Nutzen sein sollten, doch noch 
viel zu wünschen übrig. 

Da machte ich im Herbst 1897 auf einer Kavallerie-Uebungs- 
reise die Bekanntschaft des Sägewerksbesitzers Hermann Scheid 
und wufste ihn für die maschinelle Herstellung der Höhlen zu 
interessieren. Scheid fafste die Sache energisch an, liefs in 
England eine besondere Bohrmaschine konstruieren und legte 
mir am Neujahrstag 1898 die erste damit hergestellte tadellose 
Höhle vor. Jetzt erst war ich nach nunmehr fünfzehnjährigen 
Beobachtungen, Versuchen, und wie ich wohl sagen darf, recht 
mühsamer Arbeit zu dem erstrebten Ziele gekommen. Es war 
sowohl die richtige Höhle gefunden, — nicht erfunden, mit einer 
Erfindung hat die Nachbildung der natürlichen Spechthöhle, also 
der Natur, gewifs nichts zu tun — als auch die Möglichkeit, sie 
zum Gemeingut der ganzen zivilisierten Welt zu machen. Damit 


Mein ornithoiogischer Lebenslauf. 


84t 


war der Schutz und die Erhaltung unserer Höhlenbrüter in ein 
neues und gesegneteres Stadium getreten. 

Ich übertrug nun Scheid Anfertigung und Vertrieb, und er 
hat dies zu meiner und gewifs jedes einsichtigen Fachmanns 
gröfster Zufriedenheit bis zur Stunde beibehalten. 

Hierbei mufs ich aber auch eines mir später sehr schmerz- 
lichen, leider aber nicht wieder gut zu machenden Fehlers ge- 
denken, indem ich Abstand nahm, diese Höhlen gesetzlich schützen 
zu lassen. Trotz vielfacher Vorstellungen einsichtiger und er- 
fahrener Leute glaubte ich hierdurch der guten Sache einen 
besonderen Dienst zu leisten und diese Höhlen bald überall 
nach meiner Vorschrift hergestellt und verwendet zu sehen. 
Scheid sollte sich sein Monopol allein durch seine tadellose Ar- 
beit erwerben. Hierin habe ich mich in damaliger Unkenntnis 
des so vielfach zutage tretenden unlauteren Geschäftsgebarens 
und der Indolenz und Gleichgültigkeit der Menschheit aber 
gründlich getäuscht. Zwar tauchten sehr bald allenthalben so- 
genannte V. Berlepsch’sche Nisthöhlen auf, die jedoch aufser des 
fälschlich beigelegten Namens nichts weiter mit solchen gemein 
haben, und durch deren Verwendung, als meist völlig wertloser 
Fabrikate, der guten Sache eine ernste Gefahr entstanden ist, 
Es ist dies direkt ein wunder Punkt in meinem Leben. Eine 
Patentierung, wodurch ich die Anfertigung in der Hand behalten 
hätte, wäre sowohl für die Sache, als natürlich auch für mich 
und meine Familie von gröfstem Nutzen gewesen. Heute sage 
ich mir, dafs ein nur mit normalen Glücksgütern gesegneter 
Mensch überhaupt kein Recht hat, die materielle Frucht jahre- 
langer Arbeit und vornehmlich auch jahrelanger, durchaus nicht 
unbedeutender Ausgaben sich und den Seinigen zu entziehen. 
Und der Trost guter Freunde, dafs eine materielle Beteiligung 
meinerseits der so raschen Anerkennung und Verwendung der 
Höhlen hinderlich gewesen sein würde, ist auch nicht stich- 
haltig. Wie so viele Beispiele beweisen, bricht sich das Gute 
stets Bahn, und jeder vernünftige Mensch findet es nur ganz 
selbstverständlich, dafs der, von dem es ausgeht, neben dem 
Danke auch noch einen materiellen Vorteil hat. Doch wie gesagt, 
es ist geschehen und läfst sich nun nichts mehr daran ändern. 
Später habe ich den Fehler dadurch einigermafsen wieder gut- 
zumachen versucht — allerdings nur für den Konsumenten — 
indem ich mir ein Warenzeichen gesetzlich schützen liefs und 
solches nur Scheid zu führen erlaubte. So kann sich wenigstens 
der Käufer, indem er nur Höhlen mit diesem Warenzeichen ver- 
wendet, vor Täuschung und damit vor Schaden bewahren. Eine 
grofse Freude ist es mir* aber, wie rasch und allgemein sich diese 
Höhle eingebürgert hat. Sowohl in Deutschland, als auch im 
Auslande werden kaum noch Höhlen anders als in dieser Form 
angefertigt, und jüngere Leute wissen vielfach garnicht, dafs 
man einst andere gehabt hat. 


23 * 






m 


Hans Freiherr von Berlepsch ; 


Doch auch noch zu anderen biologischen Beobachtungen 
bot das liebe Westfalenland Gelegenheit. Interessante Beob-^ 
achtungen machte ich in dieser Zeit über den Wiedehopf, und 
zwar sowohl über seine Ernährung, als über eine ganz eigen- 
tümliche Art seiner Verteidigung. Lange konnte ich nicht er- 
kunden, was für seltsam geformte Insekten die alten Wiedehopfe 
ihren Jungen zutrugen. Weder ein gutes Glas, noch Unter- 
suchung des Nestes gaben Aufschlufs. Endlich pflöckte ich ein 
schon fast flügges Junges vor einem Schlagnetz an, und fing so 
den Alten noch vor Abgabe der Atzung. Infolge des Schreckens 
liefs er solche fallen, und ergab sie sich als Teile der Maulwurfs- 
grille. Später konnte ich beobachten, dafs dieses grofse schäd- 
liche und von den meisten anderen Vögeln gemiedene Insekt 
auch den Alten eine Lieblingsnahrung ist, und sie in Erlangung 
dieses unterirdischen Schädlings eine ganz besondere Routine 
besitzen. Sie erkennen die dicht unter der Erdoberfläche be- 
findliche Wohnung an der darüber abgestorbenen Grasnarbe, 
schlagen hier mittels ihres langen Schnabels ein und holen so 
Alte wie Brut heraus. 

Die zweite Beobachtung machte ich infolge eines zu jener 
Zeit in „Natur und Offenbarung“ erschienenen Aufsatzes eines 
katholischen Geistlichen. Danach sollte der Wiedehopf oberhalb 
des Schwanzes eine besondere Drüse haben, mittels deren er 
seine Feinde mit einer ätzenden Flüssigkeit bespritze. Dieser 
seltsamen Sache mufste doch auf den Grund gegangen werden. 
An geschossenen Exemplaren war auch mit Zuhilfenahme einer 
Lupe nichts von einer Drüse oder dort mündenden Kanals zu 
entdecken. Da erhielt ich ganz zufällig Aufschlufs bei Auf- 
meifselung eines Nestes, indem ich diese sehnsüchtig gesuchte 
Flüssigkeit plötzlich recht unangenehm im Gesicht und Augen 
verspürte. Alle schon fast flüggen Jungen lagen, Front nach 
vorwärts, fest auf dem Bauche, die Schwänze fächerartig nach 
rückwärts flach auf den Rücken gedrückt, und darüber hinweg 
bespritzten sie ihren Angreifer mit einer übelriechenden, bei- 
zenden braunen Flüssigkeit. Auffallend war die Treffsicherheit, 
und‘ zwar einerlei, ob sie wie oben geschildert im Nest lagen, 
oder von mir nach beliebiger Richtung hin in der Hand gehalten 
wurden. Das Treffobjekt blieb stets mein Gesicht. Genau das- 
selbe erfuhr ich bei einem zweiten Neste. Nun machte ich auch 
Versuche mit einem am Nest gefangenen Alten. Auch dieser 
spritzte, doch nicht mit der Gewandtheit und Treffsicherheit der 
Jungen. Er vermochte den Schwanz nicht so dicht, wie die] 
Jungen auf den Rücken zu legen. Die seltsame Drüse und die] 
darin vermeintliche Flüssigkeit ist aber. Legende. Wie ich deuti 
lieh sehen konnte, geschieht das Spritzen aus dem zugleich mit deni| 
Schwänze rückwärts gebogenen After, und die Flüssigkeit ist der| 
bekannte, übelriechende dünnflüssige Kot. Dieser ist allerdings- 
in diesem Affekt noch weit dünner, als ihn derWTedehopf sonst! 


Mein ornithologischer Lebenslauf. 


849 


schon hat, und zwar auch bei den Alten: ein hellbraunes, mit 
vielen verdauten Insektenteilen durchsetztes Wasser. Ein diese 
Flüssigkeit untersuchender Chemiker analysierte sie als einen 
braunen, beifsenden, mit vielen kleinen Algen durchsetzten Urin. 
Die Algen stimmen aber wohl nicht; als solche hat er zweifels- 
ohne die verdauten Insektenteile gehalten. 

Eingehend beschäftigte ich mich nochmals mit der Frage 
des mehrmaligen Brütens der Stare. Ich kam auch hier zu der 
Erkenntnis, dafs die Stare nur einmal brüten. In Westfalen gibt 
es allenthalben viele Stare, und auf einem benachbarten Gute 
hausten sie an einem Hausgiebel gleich den Tauben. Hier war 
es also gewifs nicht schwer, ein abschliefsendes Urteil zu be- 
kommen. Alle vermeintlichen zweiten Bruten sind lediglich ver- 
unglückte erste Bruten, andernfalls müfste die zweite Brut doch 
annähernd so zahlreich sein, als die erste. Das ist aber nicht 
im entferntesten der Fall. Während z. B. an jenem Giebel im 
Mai wohl an 100 Paare brüteten, habe ich im Juni des Jahres 
1896 nur 4, im Jahre 97 sogar nur noch 1 Paar feststellen 
können. Eine Ausnahme machen nur die friesischen Inseln. 
Dort findet eine regelrechte zweite Brut statt, die aber auch 
ebenso zahlreich als die erste ist. 

Zum ersten Mal trat mir auch das Birkwild in Freiheit 
entgegen. Seltsamerweise war die auf der ganzen Senne be- 
lebteste Stelle, die Galoppierbahn von 5 Schwadronen, der be- 
liebteste Balzplatz. Veranlassung war zweifelsohne die hier 
kurzgetretene Heide, wie sie die Hähne zu ihren Liebestänzen 
besonders bevorzugen. Manchen Abend und Morgen habe ich im 
Schirm gesessen. Die Nacht wurde in mit einer Plane abge- 
decktem Krümperwagen verbracht. Im ersten Jahre 1896 ward 
es Pfingsten, ehe ich den ersten Hahn streckte. Die Beob- 
achtungen, auch von Heidelerche, Bekkassine, sowie der ver- 
schiedenen Zugvögel war zu interessant, um sie mir durch einen 
Schufs zu stören. 

Währenddessen vervollkommten sich in Seebach und Cassel 
die Vogelschutzgehölze, sodafs ich mir im Jahre 1898 mit dem 
erforderlichen Werdegang endlich im Klaren war. 

In diesem Jahre beschäftigte ich mich auch nochmals mit 
der Biologie der Spechte und zwar, auf experimentellem Wege 
festzustellen, durch welche Sinnesorgane die Spechte die in den 
Baumstämmen befindlichen Insekten, bezw. Insektengänge, die 
von aufsen nicht ersichtliche Astfäule und sonstigen inneren 
faulen Stellen ermitteln. Die Forscher sind sich hierüber nicht 
einig. Es wird angenommen, dafs sie es röchen, Altum glaubt, 
dafs sie es durch das Gehör herausfänden und E. v. Homeyer, 
dafs sie sich durch den beim Hacken erzeugten Ton leiten liefsen. 
Hierüber glaube ich durch folgendes Experiment Klarheit erlangt 
zu haben : Ich fing mir ein Paar grofse Buntspechte (Dendrocopus 
major) und setzte sie in eine geräumige Voliere, welche unter 


850 


Hans Freiherr von Berlepsch: 


anderem auch mit je 3 abgeschnittenen Weiden- und Erlen- 
stämmen von 30—40 cm Durchmesser ausgestattet war. Diese 
Stämme bohrte ich derart an, dafs sich 1—3 cm weite Kanäle 
ergaben, und an den den Bohrlöchern entgegengesetzten Seiten 
noch 3, 6 und 9 cm gesundes Holz stehen blieb, ln einige 
dieser Kanäle tat ich lebende, in andere tote Mehlwürmer und 
einige liefs ich leer und verschlofs sie dann alle mit eisernen 
Pfropfen. (Die Pfropfen, hinter welchen sich lebende Würmer 
befanden, hatten einen feinen Luftschacht.) Nun beobachtete 
ich, ob und in welcher Weise diese Kanäle von den Spechten 
aufgefunden, und welche zuerst angeschlagen werden würden. 
Das Ergebnis war die klare Erkenntnis, dafs die Spechte von 
den lebenden wie toten Würmern jedenfalls nichts verspürten, 
die Stellen, hinter welchen sich die Kanäle, also hohle Räume 
befanden, aber mit absoluter Sicherheit erkannten, auch durch 
9 cm gesundes Holz hindurch. Die Bäume wurden von den 
Spechten in üblicher Weise berutscht und behackt, lieber den 
Kanälen verweilten sie, hackten bald kräftiger und nach erstaun- 
lich kurzer Zeit hatten sie ein unregelmäfsiges mehr oder weniger 
zylindrisches genau in den Kanal mündendes Loch gezimmert. 
Als der erste Einschlag über lebenden Würmern erfolgte, glaubte 
ich schon, dafs Altum recht habe. Danach endigten aber mehrere 
Löcher in leeren Kanälen, ehe solche wieder auf lebende und 
tote Würmer stiefsen. Daraus ist wohl der Schlufs berechtigt, 
dafs sich die Spechte bei dieser Arbeit lediglich durch die Per- 
kussion und den dadurch erzeugten Ton leiten lassen. Somit hat 
also E. V. Homeyer richtig vermutet. 

lieber alle meine Beobachtungen und Versuche auf dem 
Gebiete des Vogelschutzes hatte ich die Absicht, erst später, 
nachdem ich mal meinen Abschied genommen, literarisch tätig 
zu werden, als gewissermafsen ganz zufällig der Stein schon 
früher ins Rollen kam. Im Dezember 1895 hielt ich in dem 
„Verein für Naturkunde“ zu Cassel einen Vortrag „Lösung der 
Vogelschutzfrage durch Schaffung geeigneter Nistgelegeuheiten“. 
Ein Mitglied schrieb ihn stenographisch nach und ersuchte mich 
nach einiger Zeit, ihn drucken lassen zu dürfen. Von Cassel 
verbreitete sich die Arbeit weiter, und so kam 1896 meine erste 
gröfsere Arbeit in die Oeffentlichkeit. Da mich diese nicht be- 
friedigte, brachte ich in der „Ornithologischen Monatsschrift“ 
bald eine Ergänzung, bis mir im Sommer 1898 ein Kuraufenthalt 
gegen einen Ischiasanfall Zeit verschaffte, die erste Auflage des 
„Der Gesamte Vogelschutz, seine Begründung und Ausführung“ 
zu schreiben. Er erschien Anfang 1899 im Verlag von Eugen 
Köhler in Gera, erlebte innerhalb 6 Jahren seine 9. Auflage und 
wurde während dieser Zeit in sechs fremde Sprachen übersetzt. 
Die 9. und letzte Auflage erschien 1904 im Verlag von Hermann 
Gesenius zu Halle a. S. 



Mein ornithologischer Lebenslauf. 


851 


Im „Gesamten Vogelschutz“ soll zum Ausdruck gebracht 
und bewiesen werden, dafs Vogelschutz — d. h. natürlich der 
ernste, wissenschaftliche, wohl zu unterscheiden von den vielen 
Laienspielereien — lediglich ein Korrektiv der von uns Menschen 
verdorbenen Natur ist; dafs wir die Natur aber nur durch die 
Natur selbst korrigieren können, bezw, ihre getreue Nachbildung. 
Alle anderen Mafsnahmen, alle Erfindungen auf dem Gebiete des 
Vogelschutzes sind Unsinn, und der Hauptgrund allen Mifs- 
erfolgs, so besonders auch allen Mifserfolgs früherer Zeit. Somit 
verwahre ich mich auch gegen nichts energischer, als gegen die 
„Ehrende Anerkennung“, nutzbringende Erfindungen gemacht zu 
haben. Alle meine zum Schutze unserer Vögel angewandten und 
empfohlenen Mafsnahmen sind lediglich die Kopie der Natur, 
die Nachbildung gewisser mir in der Natur entgegengetretener 
Momente. Die Beobachtung der Natur und der daraus ge- 
zogene Schlufs sind allein aber noch nicht mafsgebend. Der 
Beobachtung mufs das Experiment folgen. Erst aus Beobachtung 
und^ Experiment ergibt sich die Wahrheit, ergeben sich die für 
den Vogelschutz nutzbringend zu verwertenden Mafsnahmen. Nur 
darin liegt deren Wert und nur daraus erklärt sich der mit ihnen 
erzielte Erfolg. 

„Unter Abtretung aller meiner Rechte“ übergab ich das 
Buch an den „Deutschen Verein zum Schutze der Vogelwelt“. 
Wiederum eine Tat, woraus mir kein Dank, aber auch weder 
der Sache noch dem Verein besonderer Nutzen erwachsen ist. 
Ueber das „warum“ bin ich mir jetzt ganz im Klaren, möchte mich 
aber nicht näher darüber aussprechen. Es weckt bei mir zu 
traurige Erinnerungen und Erfahrungen. 

Damit zusammenhängend ist auch seit 1904 keine weitere 
Auflage dieses Buches erschienen. Dankbar bin ich deshalb dem 
Verband der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches, dem Lehrer 
Hiesemann, Oberstleutnant Henrici und ganz besonders Sanitäts- 
rat Dr. Ramdohr, dafs sie seit 1907 die Lücke durch das Buch 
„Lösung der Vogelschutzfrage nach Freiherrn von Berlepsch“ 
ausfüllten. Alles was ich wert hielt, der Oeffentlichkeit wissen 
zu lassen, ist dort gewissenhaft fortlaufend mitgeteilt worden. 
Wenn ich nun trotzdem selbst nochmals die Feder ergreife, die 
zehnte Auflage des „Gesamten Vogelschutzes“ erscheinen zu 
lassen, so geschieht es mit dem aufrichtigen Wunsche und in 
der Hoffnung, dafs dadurch dem „Hiesemann“ keine Schädigung 
erwachsen möge. Ich habe nur das wohlbegreifliche Bedürfnis, 
das, was ich für wert halte, der Nachwelt zu hinterlassen, ihr 
selbst zu sagen. 

Wie eingangs gesagt, soll die zusammenhängende ornitho- 
logische Biographie hiermit ihren Abschlufs finden. Meine wei- 
tere Betätigung auf diesem Gebiet folgt nachstehend nur noch 
datumweise. 


852 Hans Freiherr von Berlepsch: 

Herbst 1898 Zurückversetzung nach Cassel. 
Ich bezog eine Wohnung in der Karlsaue, welch letztere mir 
von der Königlichen Regierung zu Beobachtungen und weiteren 
Versuchen offiziell zur Verfügung gestellt wurde. 

In den Jahren 1899 und 1900 erfolgreiche 
Akklimatisationsversuche mit der chinesischen Nachtigall {Leio- 
trix lutea) siehe „Ornithologische Monatsschrift“ 1902 S. 193 
„Akklimatisationsversuche mit Leiotrix lutea (Scop.)“. 

1900 Anlage eines weiteren Vogelschutz- 
gehölzes unter Verwertung aller bis jetzt gesammelten Erfahrungen. 
Ein Schulbeispiel für alle dergleichen Anlagen. Der in „Lösung 
der Vogelschutzfrage nach Freiherrn von Berlepsch von Martin 
Hiesemann“ ersichtliche Musterplan eines Vogelschutzgehölzes 
deckt sich genau mit diesem Gehölz in der Natur. 

Im Sommer 1901 erster Besuch des Riesen- 
gebirges. Beobachtungen über Accentor alpinus^ Anthus spipo- 
letta und Erithacus titis. Das schwarze Männchen von Erifhacus 
tisis tritt gerade im Hochgebirge häufig in Erscheinung, während 
laut Literatur Er. titis dort fehlen und durch Er. cairii vertreten 
sein soll. Siehe nachstehend „Schlufsstein zur Erifhacus cairii 
Literatur“. Die Alpenhraunelle fand ich in 5 Brutpaaren. 

Im Herbst 1901 nochmals sechswöchentliche 
Reise nach Oberitalien und Korsika. Besuch der von früher be- 
kannten Zugstationen, Fangplätze und Märkte. Der Fang hat 
wegen Abnahme der Zugvögel nachgelassen, sonst noch die alten 
Verhältnisse. In Korsika abermals vergebliches Bemühen Sitta 
canadensis whiteheadi (Sharpe) aufzufinden. Im Frühjahr wird 
es durch den dann vernehmbaren Lockton leichter gelingen. 
Siehe „Vernichtung unserer Zugvögel in Italien im Lichte ge- 
rechter Beurteilung“ Ornithologische Monatsschrift 1902 S. 301. 

Im Winter 1901/02 fand ich endlich die 
Lösung der Winterfütterung, und zwar ganz plötzlich und un- 
vermittelt während einer besonders langweiligen Predigt in der 
Kirche. Die von der Decke herabhängenden elektrischen Be- 
leuchtungskörper hatte ich schon oft angesehen, jetzt mit einem 
Mal zeigten sie mir den Weg zur Futterglocke und weiter zum 
Futterhaus. Beides bewährte sich in der Praxis, und so ergab 
sich das Prinzip zur wettersicheren Winterfütterung, also der 
Fütterungsart freilebender Vögel, die allein von Nutzen ist, ja 
den Vögeln nicht direkt zum Verderben gereichen kann. Denn 
bei jeder anderen Art der Winterfütterung ist das Futter den 
Vögeln doch nur bei normaler Witterung, also nur so lange zu- 
gänglich, als sie es eigentlich nicht bedürfen. Bei starkem 
Schneefall, Rauhreif, Glatteis, also in den Zeiten der Not, ist es 
aber verdeckt und die an diese Futterstellen gewöhnten Vögel 
sind nun erst recht dem Verderben preisgegeben. Jahrzehntelang 
hatte ich in Erinnerung der idealen Futterstellen des Urwaldes 
vergeblich nach solchen gegrübelt, jetzt fiel es mir unerwartet 


Mein ornithologischer Lebenslauf. 353 

im halben Schlafe zu. Ja, es geht im Lehen komisch her. Ein 
Moment stiller Beschauung gibt uns oft mehr, als jahrelange 
mühevolle Arbeit. 

1902 und 1903 ward mir durch Beobachtung 
im Freien und in der Gefangenschaft endgültige Klarheit über 
Erithacus cairii. Den so lang gespukten Erithacus cairii gibt 
es gar nicht. Der vermeintliche Erithacus cairii ist das ein- 
jährige, noch im Jugendkleid befindliche und auch darin brütende 
Männchen von Erithacus titis. Siehe „Schlufsstein zur Erithacus 
cairii Literatur“ in „Proceedings of the Fourth International 
Ornithological Congrefs. London June 1905“. 

Im Sommer 1903 Reise nach der Schweiz. 
Interessante Beobachtungen über den Schneefink und sein Brut- 
geschäft. Photographische Aufnahme aus unmittelbarer Nähe. 
Wiederum viele iv^^^männchen im Hochgebirge gesehen. Siehe 
vorstehend. 

Im April 1905 nahm ich in der Erkenntnis, 
dafs ich bei fernerem Dienen nicht mehr die nötige Zeit für die 
ornithologische Betätigung finden könnte, den Abschied. Danach 
achtwöchentlicher Aufenthalt in England. Teilnahme am V. inter- 
nationalen Ornithologen -Kongrefs. Vortrag „Schlufsstein zur 
Erithacus cairii Literatur“ siehe vorstehend. Interessante Be- 
obachtungen über das dortige Rotkehlchen. Es ist völlig Ver- 
treter des in England fehlenden Hausrotschwänzchens, inmitten 
der Ortschaften und Gärten. 

Im Sommer 1905 in meinem Walde be- 
sonders überzeugender Beweis für den Nutzen, der uns aus sach- 
gemäfsem Vogelschutz erwächst. Als der gesamte mehrere 
Quadratmeilen grofse nördlich von Eisenach gelegene Hainichwald 
gänzlich vom Eicbenwickler (Tortrix viridana) kahl gefressen war, 
blieb der mir davon gehörige Waldteil, in welchem damals bereits 
seit 20 Jahren über 2000 Nisthöhlen aufgehängt waren, völlig 
davon verschont, Auf meinen Antrag vom preufsischen Land- 
wirtschaftsministerium besichtigt und festgelegt. Näheres siehe 
„Lösung der Vogelschutzfrage nach Freiherrn von Berlepsch“ von 
Martin Hiesemann. VI. Aufl. S. 59 u. 60. 

1904, 06 und 07 abermaliger längerer Be- 
such des Riesengebirges, und zwar 1907 im Januar. Erfolglose 
Bemühungen, den Accentor alpinus zu dieser Zeit irgendwo in 
niedrig gelegenen Tälern, an Düngerstätten etc. aufzufinden. 
Daraus ziehe ich den Schlufs, dafs die Alpenbraunelle nicht, wie 
bisher angenommen, Strich- sondern Zugvogel ist. 

1906 folgte ich im April einer Einladung 
des vor einigen Jahren verstorbenen Herrn Bach auf seine da- 
malige Besitzung Schlofs Ottendorf Kreis Sprottau in Schlesien 
zur Birkhahnbalz. Er stellte mir in Aussicht, 300 Hähne auf 
einmal um den Schirm zu haben. Meine darnach gewifs grofsen 
Erwartungen wurden aber noch übertroffen. Nicht 300 Hähne, 


854 


Hans Freiherr yon Berlepsch: 


ebensogut konnte man 5- oder 600 sagen. Die ganze Heide, ein 
Hochmoor war früh und abends buchstäblich von schleifenden, 
kollernden und kämpfenden Hähnen bedeckt. Gewifs ein einzig 
dastehender Anblick. Gleichzeitig konnte ich von meinem Schirm 
aus Kraniche, den grofsen Brachvogel, Bekassinen, Heidelerchen 
u. andere Vögel auf dem Zuge beobachten. Auch Sprünge von 
30—50 Stück Rehwild kamen zu Gesicht. Ein Herr im Neben- 
schirm schofs am ersten Morgen in etwa iVj Stunden 17 Hähne. 
Ich nutzte 3 Tage lediglich ' zu Beobachtungen, schofs erst am 
letzten Morgen und streckte 11 Hähne. Später ist das Moor 
kultiviert worden und sind damit auch diese idyllischen Jagd- 
gründe verschwunden. 

Im Frühjahr 1907 Reise nach Oesterreich 
und Ungarn. Von Wien aus Besuch der Lobau, der südlich von 
dort gelegenen Auwaldungen, des ehemaligen Beobacbtungs- und 
Jagdgeländes Kronprinz Rudolfs. Damals zur Verfügung des 
österreichischen Thronfolgers, Erzherzogs Franz Ferdinand. Hier 
waren und sind wohl auch jetzt noch die gröfsten Kormoran- 
horste Mitteleuropas. Bei keinem Vogel tritt ihre Anpassungs- 
fähigkeit mehr in Erscheinung als bei den Kormoranen. Dieselbe 
Kormoranart {Fhalacrocorax carho), welche hier ihre Nester auf 
die höchsten Spitzen der Pappeln bauen, fand ich im nördlichen 
Norwegen und auf den Lofoten in Ermangelung von Bäumen 
platt auf der Erde bezw. Felsen nistend. Hierbei zeigt sich 
allerdings der Hang, die Nester wenigstens so hoch als möglich 
zu stellen, indem sie die neuen auf die alten aufbauen. So ent- 
stehen je nach Zahl der übereinander stehenden Nester mit der 
Zeit ganz hohe Säulen. Die höchste aus sieben Nestern be- 
stehende betrug IY 2 ni. Besuch der verschiedenen vogelreichen 
Seengebiete und der dortigen Vogelschutzanlagen. Der bekannte 
ungarische Ornithologe, Herr von Chernel, jetzt nach dem Tode 
von Otto Hermann, meines alten väterlichen Freundes, Präsident 
der Ungarischen Ornithologischen Centrale, mein steter liebens- 
würdiger Begleiter und Führer. 

Im Frühjahr 1907 Uebernahme der Insel 
Memmert als Vogelschutzkolonie. Nach wiederholten Eingaben 
an das Landwirtschaftsministerium, die zwischen Norderney und 
Borkum gelegene unbewohnte Insel Memmert zu einer staatlichen 
Vogelschutzkolonie zu machen, übergab im Frühjahr 1907 die 
Regierung mir solche. 1908 schlofs sich mir in der Fürsorge um 
den Memmert noch Graf Wilamowitz an, dieser für die Wissen- 
schaft und auch soziale Aufgaben leider zu früh verstorbene 
Prachtmann. Mit Unterstützung der Herren Otto Leege und 
Hafenmeister Niemeyer wurde alles Erforderliche hergerichtet. 
Die Insel ist seitdem ein geschütztes Reservat der Nordseeornis. 
Die erzielten Erfolge sind über alles Erwarten günstig, siehe die 
Aufsätze über die Brutkolonie Memmert von mir und hauptsächlich 
Otto Leege. „Ornithologische Monatsschrift“ 1908—1920. 


Mein ornithologischer Lebenslauf. 


855 


1908. Zur Feststellung, welches Gewicht 
den Zuleitungen zu und zwischen den verschiedenen Vogelschutz- 
anlagen beizumessen ist, legte ich ein weiteres einen halben 
Morgen grofses Vogelschutzgehölz an. Dieses liegt ganz isoliert 
inmitten des Feldes, fern aller anderen Anlagen und mit diesen 
auch durch keine Pflanzung, Bäume oder Sträucher verbunden. 
Auch habe ich in diesem Vogelschutzgehölz die Hochbäume fort- 
gelassen, um so auch deren Wert als Anziehungsobjekt für die 
Vögel mal genau feststellen zu können. Im Laufe der Jahre hat 
sich nun klar gezeigt, dafs sowohl Zuleitung wie Hochbäume für 
die Auffindung und Annahme durch die Vögel höchst gewichtige 
Bedingungen sind. Das Gehölz wurde anfänglich gar nicht, und 
wird auch jetzt im älteren Zustand im Verhältnis zu anderen 
unter sich in Verbindung stehenden Gehölzen nur spärlich be- 
nistet. Seine wenigen Bewohner sind nur ausgesprochene Feld- 
vögel, Goldammern, Sumpfrohrsänger und Hänflinge. 

Unbeabsichtigt hat dies Gehölz aber noch einen ganz anderen 
interessanten und gewichtigen Beweis erbracht. Während nämlich 
alle anderen Vogelschutzgehölze und sonstigen von Vögeln be- 
wohnten Anlagen hiesiger Flur völlig frei von Insektenschäden 
sind, wurde und wird dieses Gehölz alljährlich, je nach seiner 
Benistung, mehr oder weniger von Schädlingen, speziell Blatt- 
wespen heimgesucht. In den ersten Jahren waren die Blätter 
der Weifsdorn und Rosen völlig zerstört. Gewifs ein untrüglicher 
Beweis dafür, dafs meine sonst überall von Vögeln bewohnten 
Anlagen nur durch diese von Insektenschäden bewahrt bleiben. 
Ohne unsere Vögel würde es hier und besonders an den nach 
Tausenden zählenden Weifsdornpfianzen, aufserhalb von Vogel- 
schutzanlagen einem der gefährlichsten Schädlingsträger, zweifel- 
los ebenso aussehen, wie in anderen vogelarmen Geländen. 

1908 Teilnahme als Gast des Herrn Pro- 
fessors Dr. Alexander Koenig an dessen 3. wissenschaftlichen ornitho- 
logischen Reise nach Norwegen, Spitzbergen und der Bäreninsel. 
Zum ersten Mal trat mir die Arktis in ihrer überwältigenden 
Grofsartigkeit entgegen. Kennenlernen und eingehende Beob- 
achtungen der Eismeerfauna. Siehe „Avifauna Spitzbergensis. 
Forschungsreisen nach der Bäreninsel und dem Spitzbergen- 
archipel mit ihren faunistischen und floristischen Ergebnissen. 
Alexander König. Bonn 1911.“ Zeitlebens wird mein Dank un- 
auslöschlich sein. Allein schon, so lange Zeit nur mit solchen 
Gesinnungsgenossen zusammen zu wirken, ist ein Genufs, den 
nur der wohl richtig schätzen kann, dem er zuteil ward. Diese 
Reise ward auch die Veranlassung zu den 2 anderen nordischen 
Reisen 1909 und 1910. Hier leckte ich Blut. 

1908 Staatliche Autorisation meiner See- 
bacher Ornithologischen Versuchsstation für Vogelschutz. Ich 
stellte den Ornithologen Friedrich Schwabe als meinen Vertreter 
und Leiter des ganzen Betriebes an und seit 1909 Hermann 


356 


Hans Freiherr von Berlepsch: 


Petzold und Hugo Pfers als Gehilfen. Ersterer für die äufsere 
Station, die rein praktischen Mafsnahimen, letzterer für das Büreau. 

Im Herbst desselben Jahres in Seebach die 
ersten ornithologischen Lehrgänge über Vogelschutz. Gewifs ein 
Markstein in der Geschichte dieses Gebietes! 

Seit 1909 beschäftige ich mich eingehend 
mit den sogenannten Nisturnen. Ein schwieriges Problem, indem 
die Beobachtungen und Erfolge der einzelnen Jahre je nach den 
Witterungsverhältnissen sehr verschieden sind. Und so hat es 
lange gedauert, bis ich mir ein abgeschlossenes Urteil über die 
Urnen Zutrauen durfte. Was ihre Annahme durch die Vögel 
betrifft, so werden sie zwischen gute Holzhöhlen aufgehangen, 
meist gemieden, wo sie dagegen allein angebracht sind, infolge 
der an den meisten Orten herrschenden Wohnungsnot, recht gut 
angenommen. Bei einem Ersatz natürlicher Nistgelegenheiten 
kommt es aber in erster Linie nicht darauf an, wie er angenommen 
wird, sondern auf den dauernden Erfolg damit, besonders auf 
das Gedeihen der darin gezeitigten Bruten, und dieses mufs, die 
Resultate au den verschiedenen Orten und der verschiedenen 
Jahre zusammenfassend, unbedingt als negativ bezeichnet werden. 
So fanden sich z. B. in dem niederschlagsreichen Jahre 1913 von 
den auf meiner seebacher Station aufgehängten Urnen 47®/o niit 
abgestorbenen Bruten. In allen mit junger Brut besetzten Nist- 
höhlen bildet sich warme feuchte Luft, welche sich an den Wänden 
niederschlägt. Von den Holzwänden wird die Feuchtigkeit ab- 
sorbiert, an den Tonwänden wird sie aber in Folge deren Ab- 
dunstung nach aufsen namentlich bei Niederschlägen oder 
Temperaturwechsel von warm zu kalt — verdichtet und fällt als 
Tropfen in den Niststoff. Hierdurch geht der Niststoff allmählich 
in Fäulnis über, und die Bruten darin verloren. Aber nicht nur 
die abgestorbenen Bruten sind in Betracht zu ziehen, sondern 
es hat sich gezeigt, dafs auch von den zum Ausflug gelangenden 
JuDgen viele doch nicht lebensfähig sind und darnach noch ein- 
gehen. Somit mufs ich nach einer nun zwölfjährigen Beobachtung 
und Prüfung der Urnen solche als schädlich bezeichnen. Uebrigens 
nur eine erneute Bestätigung des beim Vogelschutz allgemein 
geltenden Grundsatzes, dafs sich alles der Natur nicht Ent- 
sprechende als schädlich erweist. 

1909 und 1910 abermalige Reisen nach dem 
nördlichen Eismeer. Das erstrebte Ziel, Franz Josefsland, kann 
wegen zu vielen Eises beide Mal nicht ganz erreicht werden. 
Weitere ausgiebige Beobachtungen der arktischen Fauna, beson- 
ders der Elfenbeinmöwe (Fagophila ehurnea) an der Nordwest- 
küste Nowajasemljas. Hier eine starke Brutkolonie. Aufserdem 
auch gutes Jagdergebnis auf Vierfüfsler. Schofs unter anderm 
niehrere starke Blaurobben, eine Sattelrobbe, eine Klappmütze, 
eine bisher noch wenig bekannte Zwergspezies der Ringelrobbe 
{Fhoca foetida pygmaea\ ein Renntier und einen Eisbären. 


Mein ornithologischer Lebenslauf. S5? 

1910 hatte ich auf dem Rückweg von dieser 
arktischen Reise einen Vorstofs in das Brutgebiet der Seiden- 
schwänze geplant. Von Narvick fuhr ich mit der Lapplandbahn 
nach Kiruna, um von hier zu Fufs in Begleitung eines Lap-pen 
weiter nach Nordosten vorzudringen. Durch die Literatur, be- 
sonders die Schriften Middendorfs, war ich über die im Sommer 
dort herrschende Muskitenplage unterrichtet und hatte mich 
dementsprechend — Mückenschleier, Butterbrodpapier, Salbe etc. 
— eingerichtet. Trotzdem wurde ich aber derart zerstochen, 
dafs ich schon am zweiten Tage nicht mehr weiter konnte und 
total vergiftet liegen bleiben mufste. Mein Lappe war völlig 
immun dagegen. Ein nochmaliger Versuch hatte das gleiche 
Ergebnis, und so sah ich mich traurigen Herzens gezwungen, 
diese hochinteressante Expedition aufzugeben. Aller Wahrschein- 
lichkeit nach ist es übrigens einst auch Linne so ergangen. 
Durch die von dem grofsen Forscher eigenhändig in das dortige 
Kirchenbuch eingetragenen Worte: „Hic stetimus, ubi est terrae 
finis.“ (Leider habe ich es selber nicht gelesen, hörte erst in 
Christiania davon) erfahren wir jedenfalls, dafs er hier von 
weiterem Vordringen Abstand nehmen mufste. Anders sind 
diese Worte doch wohl nicht zu deuten. 

1910 wurde es mir möglich, für die Vogel- 
schutzstation 3 zusammenhängende Säle und 2 Zimmer zur Ver- 
fügung zu stellen. Dadurch konnten Geschäftszimmer, Vortrags- 
saal, Sammlung und Arbeitszimmer nebeneinander gelegt und 
besonders das gesamte Lehrmaterial in viel übersichtlicherer 
Weise zur Anschauung gebracht werden. Bis dahin lagen die 
vorhandenen Räume getrennt, und der Unterricht hatte in Er- 
mangelung eines Vortragssaales in der Dorfschenke abgehalten 
werden müssen. 

1911/14 Um- und Ausbau der alten, aus 
dem 12. Jahrhundert stammenden Seebacher Burg. Dabei Ein- 
bau über 100 künstlicher Nistgelegenheiten, die, z. T. schon vom 
ersten Jahre an, alle gut bezogen werden. Jetzt sind die nach 
Süden zu gelegenen, auch die Niststeine von Form und Gröfse 
der Nisthöhle B, gröfstenteils vom Turmsegler — Apus apus — 
bewohnt. Ich hoffe damit gezeigt zu haben, dafs bei Wieder- 
herstellung und Umbau alter Burgen die vorhandenen Nist- 
gelegenheiten nicht, wie es bisher stets geschah, vernichtet zu 
werden brauchen, sondern gerade viele neue geschaffen werden 
können. 

Seit 1913 mache ich Versuche mit von 
Professor Dr. Schaffnit an der Landwirtschaftlichen Hochschule 
Poppelsdorf inprägnierten Nisthöhlen. Es handelt sich hierbei 
um zwei Feststellungen: 1. ob diese inprägnierten Höhlen in 
gleicher Weise, wie die nichtinprägnierten angenommen werden, 
und die Bruten keinen Schaden darin erleiden. 2. ob diese 
Höhlen bez. Haltbarkeit die darauf gesetzten Hoffnungen erfüllen. 


m 


fians J'reiherr ton Berlepsch: 


Bez. ersterer Beobachtung liegt ein abgeschlossenes Urteil vor. 
Die Höhlen werden sowohl von den verschiedenen Vogelarten 
angenommen, als auch gesunde Bruten darin gezeitigt. Die 
zweite Beobachtung kann naturgemäfs erst nach längerer Zeit 
als abgeschlossen betrachtet werden. Erst der Befund nach 
wenigstens 15 Jahren kann hierfür mafsgebend sein. Ich habe 
jetzt eine Anzahl dieser Höhlen auf und in feuchte Erde gelegt, 
in der Erwägung, dafs man nach deren Befund auch schon früher 
einen berechtigten Schlufs wird ziehen können. Sollte sich die 
Inprägnierung bewähren, so wäre dies gar nicht hoch genug an- 
zuschlagen. Vom Holz können wir nicht abgehen. Höhlen aus 
anderem Stoff sind unnatürlich und haben sich für die Vögel 
endgültig stets als schädlich erwiesen. An luftigen, trockenen 
Steilen bleiben Höhlen zwar 20 Jahre und länger gesund, in 
feuchtem Gelände tritt der Vergang aber schon viel früher ein. 

1913 Anlage eines 1 Morgen grofsen Brut- 
geheges für Rebhühner unter Verwertung der bei der Nistweise 
der Hühner beobachteten biologischen Momente. Schon in den 
ersten Jahren ergab sich, dafs die Beobachtungen und die daraus 
gezogenen Schlüsse richtig sind. Die Anlage wird nicht nur 
während des Herbstes und Winters als Unterschlupf, sondern 
auch jährlich von 1 bis 2 Paaren als Nistgelände benutzt Näheres 
siehe „Der gesamte Vogelschutz“ X. Aufl. 

Dies wird nun voraussichtlich die letzte gröfsere Anlage 
gewesen sein, die ich auf dem Gebiete des Vogelschutzes be- 
nötige. Mein ganzer Besitz ist jetzt dem Vogelschutz dienstbar 
gemacht, die Mafsnahmen dazu, Nisthöhlen, Nistgelegenheiten für 
Freibrüter, Winterftitterungsanlagen, Fallen für Vogelfeinde etc. 
sind über das gesamte Gelände verteilt Mit in Summa 11 Morgen 
Fläche befinden sich an 9 verschiedenen Stellen direkte Vogel- 
schutzgehölze und weitere 51 Morgen sind im Interesse des 
Vogelschutzes angepflanzt und werden nach dem Prinzip der 
Vogelschutzgehölze behandelt Dazu kommt der gesamte Wald 
mit auch etwa noch 2000 Nisthöhlen. So bin ich in der Lage, 
alles, was ich zum Schutze der Vögel tue und lehre, mit Bei- 
spielen in der Natur belegen zu können und durch überzeugende 
unmittelbare wie mittelbare Erfolge einwandsfrei zu erhärten. 

Vom 1. August 1914 bis 12. Dezember 1918 
im Felde, in Belgien, Ostpreufsen, Polen, Rufsland, Frankreich 
und Baltenland. In letzterem seit Sommer 1918 als Leiter einer 
Forstinspektion auf den Inseln Oesel, Dagoe und Moon. 

Während des Bewegungskrieges der ersten IV 2 Jahre im 
Osten bot sich zu ornithologischen Beobachtungen und Studien 
weder Zeit noch Gelegenheit. Dagegen habe ich während des 
darauf folgenden Stellungskrieges viel und eingehend beobachten 
können. In Frankreich traten mir als bis dahin in der Natur un- 
bekannt die Zaunammer {Emberiza cirlus) und der Zwergtrappe 
(Otis Utrax) entgegen. Von ersterem ist das Männchen ein sehr 


Mein ornithologiitcher Lebenslauf. ^59 

schöner Vögel, aber mit sehr häfslichem Gesang. Ihre Lebens- 
weise ist die der Goldammer. 

Eine interessante Beobachtung machte ich am Nest der 
Misteldrossel. Es war völlig das Nest der Singdrossel, also mit 
glatt ausgetrichenem Nestnapf. In diesem steht ein weiteres, 
eng verwobenes weiches, nicht ganz 1 cm starkes Nest aus ganz 
dünnen Pflanzenrispen. Dieses gewissermafsen zweite Nest hat 
keine Verbindung mit ersterem, aus dem es unbeschädigt her- 
ausgenommen und wieder hineingedrückt werden kann, lieber 
beides siehe Ornithologische Monatsberichte 1918, 26. Jahrgang, 
No. 3/4 S. 39-41. 

Sehr eingehende Beobachtungen konnte ich im Frühjahr 
1918 über den Zwergtrappe machen, worüber ich noch eingehend 
im Journal für Ornithologie berichten werde. Fern von jeder 
Literatur währte es lange Zeit bis ich über dies seltsame Tier, 
besonders über seine Balz zur Klarheit kam. Obgleich ich von 
Ende März an jeden freien Morgen und Abend ihm widmete, 
habe ich den Balzton doch erst am 22. Mai als solchen erkannt. 
Bis dahin glaubte ich, dafs das überall vernehmbare eigentüm- 
liche Zirpen von einem mir unbekannten Insekt herrühre. Erst 
als ich mir inmitten dreier Balzplätze ein tiefes, oben gut ab- 
gedecktes Beobachtungsloch grub, kam ich zur Klarheit. Dar- 
nach machte die Beobachtung rasche Fortschritte, sodafs ich 
jetzt über diesen Vogel, besonders seine Balz, wohl gänzlich 
unterrichtet bin. Am 25. Mai nahm ich zum ersten Mal ein 
"Gewehr mit, und trotzdem habe ich alsdann noch 14 Männchen 
zur Strecke gebracht. Das Wildbret gab einen vorzüglichen 
Braten und die Bälge sind alle gut präpariert zur Heimat gelangt. 

Seit dem entsetzlichen Kriegsende bin ich 
wieder in Seebach. Meine Versuchs- und Musterstation für Vogel- 
schutz hat in den 4 V 2 Kriegsjahren, besonders in den äufseren An- 
lagen — Vogelschutzgehölze, Nisthöhlen, Winterfütterung viele 
Einbufse erlitten. Als einziger Beamter war Friedrich Schwabe zu- 
rückgeblieben. Er konnte nicht allem gerecht werden. Seine Zeit 
ward schon reichlich durch die ihm allein obliegende literarische 
Tätigkeit in Anspruch genommen. Nach nunmehriger Rückkehr 
aller an der Station beteiligten Kräfte ist schon vieles wieder 
in Ordnung gebracht, und darf ich hoffen, durch energische Arbeit 
bald alles wieder auf den früheren Stand gebracht zu haben. 

Wie weit meine Station seit ihrer staatlichen Anerkennung 
bis jetzt von der Allgemeinheit in Anspruch genommen worden 
ist, mag sich aus folgendem ergeben. Sie wurde besucht von 
2505 Personen (darunter 53 Ausländer). Es wurden abgehalten 
82 fünf- bis sechstägige Lehrgänge mit 1662 Teilnehmern (da- 
runter 10 Ausländer). Auf Vortrags- oder Besichtigungsreisen 
durch mich oder Herrn Schwabe entfallen 527 Tage. Aufserdern 
habe ich jährlich einen Jahresbericht, dieses Jahr den 14 ten, 
herausgegeben, worin nicht nur alle Beobachtungen und Ergeh- 


äeO Sans Freiherr von Berlepsch: 

nisse auf meiner Station, sondern auf dem ganzen Gebiet des 
Vogelschutzes mitgeteilt und kritisch besprochen werden. 

Weniger oder gar nicht hat mein Vogelreservat der Nordsee, 
die Insel Memmert gelitten. Nur im Frühjahr 1919 ward ein 
Teil der Eier geraubt. In den Kriegsjahren genügten die staat- 
liche Autorität und die Bemühungen meines bisherigen Bevoll- 
mächtigten, Herrn Otto Leege zu Ostermarsch, die Insel vor 
räuberischen Einfällen zu bewahren. Nach wie vor sind vom 
1. Mai bis 15. Sept. 1 oder 2 Wärter angestellt. Nach Ablauf 
der ersten Pachtperiode und in Folge Todes meines bisherigen 
Mitpächters, des Grafen Wilamowitz, ist seit dem 1. Dez, 1920 
Herr Leege Mitpächter geworden. Hierdurch hat sich nichts 
geändert. Die Verwaltung des Memmert hat schon immer dem 
nur 2 Stunden entfernt wohnenden Heern Leege obgelegen. 

1921 erneuter Beweis der Bedeutung des 
Vogelschutzes für den Pflanzenschutz. Abermals ist der nörd- 
lich von Eisenach gelegene Hainichwald einer Raupenkalamität, 
diesmal dem Buchenspinner (Dasychira pudibunda) zum Opfer 
gefallen. Nur mein mitten darin gelegener, nun schon über 
30 Jahre durch sachgemäfsen Vogelschutz geschützter Wald ist 
davon verschont geblieben. Wiederum erscheint er wie eine 
grüne Oase inmitten des völligen Kahlfrafsgebietes. Gleichzeitig 
liefert dieser Fall den Beweis für die Richtigkeit meiner Beob- 
achtung, dafs Singvögel durchschnittlich 50 m um ihr Nest 
herum als Jagdgebiet benötigen. Auf Grund dieser Feststellung 
bin ich mit den äufsersten Nisthöhlen im allgemeinen 50 m von 
der Grenze meines Waldes entfernt geblieben, nur an der Süd- 
ostecke habe ich sie auf einer kurzen Strecke direkt an der 
Grenze angebracht. Es zeigt sich nun, ,dafs in ersterem Fall die 
Waldesgrenze auch zugleich, und zwar in schroffster Weise, die 
Grenze zwischen dem geschützten und verwüsteten Gebiet ist, 
dagegen auf jener Strecke, wo die Höhlen an der Grenze hängen, 
auch der benachbarte Cammerforster Wald in einer Tiefe von 
50 m gleichfalls vom Raupenfrafs verschont geblieben ist. 

Der Tatbestand wurde Ende September durch Geheimrat 
Professor Dr. Appel und Regierungsrat Dr. Schwarz, Direktor 
bezw. Mitglied der „Biologischen Reichsanstalt für Land- und 
Forstwirtschaft Berlin-Dahlem“ an Ort und Stelle geprüft und 
durch einen Aufsatz „Die Bedeutung des Vogelschutzes für den 
Pflanzenschutz“ im „Nachrichtenblatt für den deutschen Pflanzen- | 
schutzdienst“ festgelegt. 

Dies ist etwa der 70, verbürgte Fall dieser Art, und wird 
man hoffentlich nun allgemein zur Einsicht kommen, dafs wir in 1 
einem naturgemäfsen Vogelschutz überhaupt die einzig wirklich f 
erfolgreiche Schädlingsbekämpfung besitzen. Ja nach 40 jähriger | 
intensivster Betätigung auf diesem Gebiete ist es mir ganz un- 
verständlich, wie man als Schädlingsbekämpfer Raubinsekten und il 
Vögel miteinander vergleichen kann. Ich verkenne den Wert 


Mein ornithoiogischer Lebenslauf. 


361 


ersterer durchaus nicht, aber sie sind doch von ihren Wirten 
abhängig, und somit erst eine Begleiterscheinung der schäd- 
lichen Insekten. Ihre Hülfe kann deshalb immer erst kommen, 
nachdem genügend schädliche Insekten vorhanden sind, die 
Kalamität also schon erheblich fortgeschritten, die von ihr 
befallene Fläche schon z. T. verwüstet ist. Wie ganz anders 
die Vögel! Diese, immer in genügender Menge vorhanden, ver- 
hindern überhaupt den Anfang jedes erhöhten Raupenfrafses, und 
doch wohl nur dieses kann das von uns Erstrebte sein, nur 
dieses uns zum Segen gereichen. 

Dies ein nüchternes, wahrheitsgetreues Bild meiner orni- 
thologischen Betätigung seit meiner frühesten Kindheit üeber- 
blicke ich diese ganze Zeit, so darf ich wohl auch an mir die 
Wahrheit jener Worte bestätigt finden: Können ist Wissen, aber 
Wissen ist Arbeit! 


Zur Theorie des Vogelzuges. 

Von H. Freiherr Geyr von Sohweppenburg. 

Im Januarheft 1919 dieser Zeitschrift brachte Herr von 
Lucanus, dem wir schon manche schöne Arbeit über den Zug 
und Flug der Vögel verdanken, eine wertvolle Zusammenstellung 
der hauptsächlichen Ergebnisse der Vogelberingung und knüpfte 
daran mancherlei Eröterungen besonderer und allgemeiner Art. 
Ich kann einige Ansichten des Verfassers nicht ganz teilen, und 
sie gaben mir den Anlafs zu den folgenden Bemerkungen.^) 

Heber den aufserorden tlichen Wert des Beringungs- 
experiments für die Ornithologie kann unter verständigen Menschen 
nur eine Meinung herrschen. An Stelle der auf Vermutung und 
Annahme aufgebauten Theorie steht jetzt die sichere Tatsache, 
sagt V. Lucanus, und „alle Hypothese hört auf“ Thiene- 
mann.2) Das ist richtg, aber nur dann, wenn man von den Er- 
gebnissen nur dem Beweiskraft zuerkennt, wie und soweit es 


Die vorstehende Arbeit wurde im Sommer 1919 in der Schweiz 
geschrieben. Ebenfalls im Sommer oder Herbst 1919 sandte ich sie 
an Herrn Prof. Schalow mit der Bitte, sie an Herrn Prof. Reichenow 
weiterzugeben, sie zuvor aber Herrn v. Lucanus zur 
Kenntnisnahme vorzulegen. Infolge der Druckschwierigkeiten 
konnte sie erst jetzt erscheinen. Form und Inhalt der Arbeit blieben im 
wesentlichen unverändert, und es ist daher erklärlich, dafs auf das Vogel- 
zug-Buch von Herrn v. Lucanus nicht eingegüngen werden konnte, da es 
etwa 2 Yj Jahre später erschien als ich die Arbeit aus den Händen gab. 

2) Die Vogelwarte Rossitten, Monatshefte für den naturwiss. Unter- 
richt VII, S. 812. 

Jouru. f. Om. LXX. Jahrg. April/Juli 1922. 


24 


S6^ 


H. Freiherr Geyr von Schweppenburg. 

wirkliche Tatsache ist, — sonst sind solche Schlufsfolgerungen 
vielfach nicht besser aber gefährlicher als die alten, da sie be- 
gründeter scheinen ohne es zu sein. 

Ehe ich auf gewisse Einzelheiten eingehe, scheint es nötig, 
einige Grundbegriffe der Vogelzugforschung etwas näher zu be- 
trachten, Begriffe, über die Unklarheit herrscht, die aber unbe- 
dingt einigermafsen festgestellt werden müssen, ehe man sich in 
Auseinandersetzungen über ihre Anwendung auf bestimmte Fälle 
einlassen kann. Es sind dies die Bezeichnungen „Breite 
Front“ und „Zugstrafse“. Gleich hier sei gesagt, dafs eine 
vollkommene Klarstellung schwer ist, und dafs sie auch mir im 
Folgenden nicht gelungen ist; aber ich hoffe, die Unklarheiten 
ein wenig aufgehellt zu haben. 

In der Ornithologie werden die Bezeichnungen „Zugstrafse“ 
und „Breite Front“ meist als Ausdruck für zwei verschiedenartige 
Zugtypen gebraucht und stehen, sich gewissermafsenausschliefsend, 
einander gegenüber, was auch v. Lucanus, wie seine Aus- 
führungen auf S. 60 zeigen, annimmt. Unter den Vogelkennern 
gibt es welche, die mehr diesen, andere, die jenen Zugtyp als 
den herrschenden oder vorherrschenden anuehmen. Das Richtige 
dürfte auch hier der goldene Mittelweg sein; beide Typen finden 
sich in der Natur mehr oder weniger scharf ausgeprägt, der 
zweite wohl als der häufigere. 

Am bekanntesten dürften die „Zugstrafsen“ durch das Buch 
P a 1 m ö n s geworden sein, und Palmen gilt seit dem Er- 
scheinen seiner trefflichen Arbeit als der Prototyp der Zug- 
strafsenanhänger. Es wird dabei aber manchmal übersehen, dafs^ 
der finnländische Forscher das Wort „Zugstrafse“ gar nicht in 
dem ihm heute offenbar eigenen, engeren Sinne angewandt hat. 
Er versteht, wie aus zahlreichen Stellen seiner Arbeit* *) klar 
hervorgeht, darunter neben dem engumschriebenen Weg, den eine 
gröfsere Menge von Zugvögeln längs bestimmter Küsten und 
dergleichen einschlägt, offenbar auch jeden in bestimmter Himmels- 
richtung vom einzelnen Vogel zurückgelegten Zugweg und über- 
haupt den räumlichen Verlauf jeder Zugerscheinung, wenn sie 
nur regelmäfsig und jedes Jahr auf annähernd den gleichen 
Wegen sich vollzieht. Als Gegensatz dazu ergibt sich aus seiner 
Darstellung eigentlich nur das inbezug auf Himmelsrichtung 
(und Zeit) ganz regellose Ziehen. Der Ausdruck Breite Front, 
der nur nebenbei gebraucht wird, fällt beiPalmön unter, 
nicht neben den Begriff „Zugstrafse“. 

Im übrigen gibt der Verfasser keine genauen Definitionen 
und gebraucht innerhalb weniger Seiten (193—195) eine Menge 
Bezeichnungen, welche sämtlich unter seine Zugstrafsen, zum 
Teil aber entschieden unter den heutigen Begriff der Breiten 


Ueber die Zugstrafsen der Vögel, Leipzig 1876. 

*) s. S. 42, 142, 252. 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


368 


Front fallen : * Strafse, Zugstrafse, Strafsennetz, Wege, Zugwege, 
Linien, Zugliiiien, Gürtel, Bahnen, Hauptbahnen, Bahnnetze, 
Flächen. 

Aus alle dem geht hervor, dafs Palmen eigentlich ganz zu 
Unrecht als so krasser und unbedingter Vertreter unserer heutigen 
„Zugstrafsentheorie“ angesehen wird. Seine Ausführungen und 
die Einzeichnungen auf der Karte beziehen sich, soweit sie auf 
Tatsachen beruhen (und soweit sie rot eingezeichnet sind), wie 
er ausdrücklich betont, nur auf die S. 49 seiner Schrift aufge- 
geführten hochnordischen Arten. Für diese sind seine Angaben 
vermutlich im wesentlichen zutreffend, und bei diesen Vögeln 
kann man mit der weiter unten zu gebenden Einschränkung 
vielfach von Zugstrafsen sprechen. 

Alles aber, was Palmön über andere Arten sagt, also sehr 
viel von dem, was S, 177 folgt, hat stark hypothetischen Charakter, 
wie denn auch der Verfasser auf sich die Worte v. Midden- 
dorffs anwendet „dafs zahlreichere Erfahrungen, . . ., in manchen 
Zugwegen, die ich angegeben habe, mehr Spuren der Wanderlust 
meiner Phantasie als Flügelschläge aufdecken werden.“ Das 
trifft sicherlich auf viele seiner Flufsstrafsen zu, die ja auf der 
Karte nur schematisch und fein punktiert angegeben sind. Im 
übrigen hat Palmen die Landvögel, für welche die Breite Front 
wohl als .die häufigere Zugform angesehen werden kann, fast gar 
nicht in den Bereich seiner Erörterungen gezogen, nimmt von 
ihnen aber offenbar nicht selten eine Zugform an, welche gut 
mit unserem heutigen Begriff und der weiter unten gegebenen 
Kennzeichnung der Breiten Front übereinstimmt. Es mufs also 
ausdrücklich betont werden, dafs P a l m ö n , welcher das Zug- 
problem schon vor fast einem halben Jahrhundert in so vor- 
trefflicher Weise beleuchtete, durchaus nicht als einseitiger An- 
hänger der Zugstrafsen bezeichnet werden kann, d er Zugstrafsen 
nämlich, wie wir sie heute im Gegensatz zur Breiten Front ver- 
stehen. 

Wenn v. Lucanus S. 20 seiner Arbeit sagt, „dafs wir uns 
eine Vogelzugstrafse nicht als eine schmale Linie im Sinne einer 
Landstrafse vorstellen dürfen, sondern dafs sie in breiter Front 
verläuft“, so kann man dem ersten Teil dieses Satzes wohl zu- 
stimmen, dem ganzen aber durchaus nicht, denn darin wird, 
wenn auch vielleicht nicht ganz beabsichtigter Weise, einfach ge- 
sagt: Zugstrafse = Breite Front, was dann allerdings alle 

1) Bei einigen der von P a 1 m d n gewählten 19 Arten Soma” 
teria spectabilis^ Histrionica stelleriy Larus glaucus^ Fagophila 
ehurnea und Mergulus alle — kann man allerdings m. A. n. weder 
von Zugstrafsen noch von Breiter Front reden, da diese Arten meist nur 
allmählich durch die Eisverhältnisse süd- oder westwärts gedrückt werden, 
sich längs gewisser Küstenstrecken verteilen und kaum ansgesprochenen 
Zug weit südwärts zeigen. 


24 * 


§64 fl. Freiherr Öeyr von Schwe ppenburg s 

Meinungsverschiedenheiten verschwinden lassen würde. Auch 
Zugstrafse = Zuggebiet (S. 60) besagt nicht viel, und als ver- 
fehlt dürfte die auf gleicher Seite gegebene Definition der 
Zugstrafse bezeichnet werden: „Man hat daher unter der Be- 
zeichnung „Zugstrafse“ ein breites, aber doch abgegrenztes Zug- 
gebiet zu verstehen.“ Breit ist ein ziemlich vager Begriff, wenn 
er nicht in Beziehung zu irgend einer anderen räumlichen Aus- 
dehnung gesetzt wird. Auch wenn man von einer schmalen Linie 
im Sinne unserer Verkehrswege absieht, kann z. B. 1000 m bald 
als breit, bald als schmal bezeichnet werden, je nachdem, auf 
welche andere Gröfse man es bezieht. „Zuggebiet“ ist ebenfalls 
ein Begriff, unter dem ich mir nichts sehr Bestimmtes vorstellen 
kann. Und irgendwie „abgegrenzt“ ist schliefslich jede Zuger- 
scheinung inbezug auf den Raum, innerhalb von Grenzen voll- 
zieht sich jeder Zug einer Vogelart. 

Gewifs hat v. Lucanus, wie schon bemerkt, Recht, wenn 
er davor warnt, sich eine Zugstrafse etwa so schmal wie unsere 
Verkehrswege vorzustellen, aber ich bin doch der Meinung, dafs 
wir auf die Begriffe des menschlichen Lebens, die uns allen ge- 
läufig sind, zurückgreifen müssen, wenn wir einige Klarheit und 
Sicherheit in die Ausdrücke Zugstrafse und Breite Front bringen 
wollen, denn in Beziehung auf Verhältnisse des menschlichen 
Lebens sind sie ja wohl gewählt worden. 

Ich werde daher auch zur besseren Veranschaulichung meiner 
Ansichten ein Beispiel aus dem menschlichen Leben wählen, 
selbst auf die Gefahr hin, meinen Lesern etwas langweilig zu 
werden. 

Ich bitte also, ein Blatt des Atlasses aufzuschlagen, auf dem 
Nord- und Mitteldeutschland sowie Holland dargestellt sind. 
Dann wollen wir annehmen, dafs die Einwohner der Provinz 
Brandenburg und jene von Mecklenburg im Winter nach Holland 
wandern, um dort den Winter in milderem Klima zu verbringen. 
Die Entfernung zwischen den beiden Ländern mögen wir uns 
bedeutender vorstellen, als sie in Wirklichkeit ist. Das Zwischen- 
gelände soll zunächst überall eben und gleich gut gangbar sein, 
etwa so wie es der Luftraum für den Vogel ist. 



Figur 1. 


Die Ortsveränderung dieser Menschen würde nun, voraus- 
gesetzt, dafs jeder den Wunsch hätte, möglichst schnell nach 
Holland zu kommen, so vor sich gehen, dafs alle von ihrem 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


865 


Wohnorte aus auf nahezu geraden und unter sich ziemlich pa- 
rallelen Wegen, welche das Zwischengelände in ziemlich gleich- 
mäfsiger Weise bedecken, nach Westen streben würden. Figur 1 
gibt ein schematisches Bild dieses Vorganges; Die Bewohner von 
Mecklenburg und der Uckermark würden also schliefslich etwa 
in Friesland und Drenthe, die aus der Gegend von Berlin und 
aus der Neumark im Geldernschen, die aus der Südmark und 
Niederlausitz in Nordbrabant und Südholland ankommen. Bei 
Betrachtung der Gesamtbewegung würden wir sagen können, 
dafs diese Menschenmengen sich in Breiter Front gegen 
Westen bewegt haben. 

An diesem Urteil würde sich nichts ändern, wenn die Be- 
wegung zeitlich nicht einheitlich verlaufen wäre, sondern wenn 
sie sich z. B. nach und nach während des ganzen Oktobers voll- 
zogen hätte. Auch der Umstand, dafs etwa je die sämtlichen 
Bewohner gröfserer Städte z. B. von Schwerin, Neustrelitz und 
Kottbus gleichzeitig und vereint den gleichen Weg ziehen, würde 
uns in unserer Ansicht, dafs wir es mit einer in Breiter Front 
vor sich gehenden Gesamtbewegung zu tun haben, nicht irre 
machen können. Ebensowenig der Umstand, dafs vermutlich in 
der Mitte des Durchgangsgebietes die Bewegungslinien infolge 
dichterer Bevölkerung dichter liegen würden als im Norden und 
Süden. 

In Figur 2 wird folgendes veranschaulicht: die Wander- 
bewegung der Mecklenburger und Brandenburger soll im all- 
gemeinen unter den gleichen Bedingungen vor sich gehen wie 



Figur 2. 


im erstgenannten Fall, und ganz Holland vom Norden bis zum 
Süden soll besiedelt werden. Aber wir denken uns, das Meer 
schiebe sich in der Gegend der Wesermündung und des Jade- 
busens weiter und mächtiger nach Norddeutschland hinein. 


Es soll natürlich in den folgenden Darstellungen durch die Be- 
wegung von rechts nach links nicht stets ausgedrückt werden, dafs die 
Zugbewegung von 0. nach W. erfolgt, es sind eben nur schematische 
Darstellungen, die auf die verschiedensten von Vögeln eingeschlagenen 
Zugrichtungen passen. 


866, H. Freiherr Geyr von Schweppenburg; 

Dann würden die Bewohner Nordmecklenburgs zunächst noch 
annnäbernd denselben Weg einschlagen können, wie er in Fig. 1 
angegeben wurde. Im Verlaufe ihrer Reise werden sie aber ge- 
zwungen sein, etwas nach Süden auszubiegen, um die Meeres- 
bucht zu umgehen. Infolgedessen wird sich nun für einen Be- 
obachter am Südrande dieser Bucht ein stärkerer Durchmarsch 
wandernder Menschen bemerklich machen, besonders dann, wenn 
sich die Bewegung innerhalb weniger Tage vollzieht. 

Nach Umgehung des Wassers werden sich die Menschen- 
mengen wieder mehr auseinanderziehen, um teilweise den nörd- 
lichsten Teil von Holland zu erreichen. Wenn es sich nun 
darum handelt, die Art dieser in Fig. 4 gezeigten Gesamt- 
bewegung zu bezeichnen, so könnte uns, meine ich, die örtliche 
Zusammendrängung an der Meeresbucht nicht hindern, auch in 
diesem Falle von einer „Breiten Front“ zu sprechen. 

Wieder einen andern Sonderfall versuchte ich in Figur 3 
verständlich zu machen. Die allgemeinen Voraussetzungen sind 



dieselben wie bisher, aber wir denken uns etwa in der Gegend 
von Hannover ein nicht sehr umfangreiches, aber steiles Berg- 
land, welches den nach Westen wandernden Menschen in dem 
im übrigen überall gleich gut zu begehenden Gelände ein schwer 
zu überwindendes Hindernis bietet. 

Die auf den Bergstock treffenden Wanderer werden nun 
vermutlich nicht versuchen, ihn unter mehr oder weniger grofsen 
Anstrengungen zu übersteigen, um auf dem kürzesten Wege nach 
Holland zu gelangen. Sie werden vielmehr, wenn sie in die 
Nähe des Berges kommen, also etwa, wenn sie ihn deutlich am 
Horizont erscheinen sehen, rechts und links ausweichen und 
ihn umgehen. Dann werden an beiden Seiten des Hindernisses 
ähnlich wie im vorigen Fall stärkere Ansammlungen von Wan- 
derern stattfinden. Auch unter diesen Umständen wird uns 
keiner Unrecht geben, wenn wir sagen, dafs die Brandenburger 
und Mecklenburger in „Breiter Front“ nach Holland ziehen. 

Bisher hatten wir angenommen, dafs das zu durchziehende 
Zwischengelände überall auf dem gröfsten Teil seiner Breiten- 
ausdehnung gleich gut gangbar sei. Der Figur 4 liegt nun 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


867 


die Annahme zu Grunde, dafs quer zur Wanderrichtung ein Flufe 
das Gelände durchschneidet, der nur eine gangbare Furt be- 
sitzt, oder wir können uns denken, dafs es ein steilwandiger 



Figur 4. 


Gebirgszug sei, der nur an einer Steile einen niederen Sattel, 
einen Pafs aufweist. Dann wären die Wanderer gezwungen, 
in der Eichtung auf diese gangbare Stelle hin sich zusammen 
zuschliefsen und nach üeberwindung des Hindernisses wieder 
auseinander zu gehen, um die in ganz Holland liegenden 
Winterquartiere zu erreichen. Unter der oben erwähnten An- 
nahme, dafs Heimat und Winteraufenthalt unserer Wanderer- 
genügend weit auseinander liegen, würden wir auch in diesem 
Falle trotz der örtlichen starken Zusammendrängung sagen 
können, dafs die Bewegung als Ganzes betrachtet in Form der 
Breiten Front verläuft. 

Eine besondere Art der Bewegung in Breiter Front stellt 
Fig. 6 dar. In diesem Fall soll zwar auch das ganze holländische 



Figur 6. 


Gebiet besiedelt werden, aber die Wünsche der Wanderer in 
Bezug auf die zu wählenden Quartiere gehen aus irgend welchen 
Gründen zum Teil auseinander. Die meisten werden nun vielleicht 
auch den kürzesten Weg einschlagen, aber andere werden 
aus diesem oder jenem Grunde Richtungen wählen, die zu der 
gröfseren Zahl der Parallelwege in irgend welchem spitzen Winkel 
verlaufen. Dieses Bild entspricht nun allerdings ‘nicht mehr so 
ganz dem Begriff, den wir uns von einer Bewegung in breiter 
Front machen, bei welchen wir uns meist einen einigermafsen 
gleichgerichteten und parallelen Verlauf der Einzelwege vor- 
stellen. Immerhin dürfen wir auch diese Form unter die Wander- 
bewegungen in Breiter Front einreihen. 


868 


H. Freiherr Gejr von Schweppenburg; 


Dasselbe können wir in dem in Figur 5 dargestellten Fall 
tun, für welchen wir annehmen, dafs Holland den Sommersitzen 
der Einwanderer eine schmalere Front zukehrt. Besonderer 
Erläuterungen bedarf es wohl nicht. 



Figur 5. 

Wir haben bisher stets von „Breiter Front‘‘ gesprochen, 
ohne diesen Begriff selbst genauer zu definieren, — in der An- 
nahme, dafs meine Leser sich davon auch so ein ziemlich klares 
Bild machen konnten. Ehe wir jedoch zur näheren Betrachtung 
der Massenbewegung auf der Strafse, in „Strafsenform“, den 
Zugstrafsen übergehen, halte ich es für nötig, doch noch einige 
Augenblicke bei den Begriffen an sich zu verweilen. 

Der Ausdruck „Breite Front“ wird vielen namentlich von 
militärischen Verhältnissen her bekannt sein. Unter einer Be- 
wegung in Breiter Front verstehen wir eine solche, bei der sich 
eine gröfsere Anzahl von Menschen (oder Lebewesen überhaupt) 
in bestimmter, einigermafsen einheitlicher Richtung derart fort- 
bewegt, dafs die vorderste „Schicht“ der in Bewegung befindlichen 
Menge senkrecht oder annähernd senkrecht zur Bewegungs- 
richtung eine aus zahlreichen Personen gebildete Reihe von 
relativ weiter Ausdehnung bildet. Es ist nicht nötig, dafs die 
Breitenausdehnung stets gröfser ist als die Tiefenausdehnung, 
das ist abhängig von der Zahl der beteiligten Personen und den 
Tiefenabständen, die sie einhalten. Jedenfalls mufs aber die 
überwiegende Anzahl der durch die Tiefenausdehnung senkrecht 
oder annähend senkrecht zur Bewegungsrichtung gelegten Schnitte 
ein gleiches oder ähnliches Bild ergeben wie die vorderste Reihe, 
wie die „Front“. 

In der Literatur über den Vogelzug werden die Bezeich- 
nungen Breite Front und Zugstrafse als entgegengesetzte, 
sich gewissermafsen ausschliefsende Begriffe angewandt. Demnach 
könnte man denken, der Gegensatz zur Breiten Front im eben 
näher bezeichneten Sinne sei Strafse. Dafs dies tatsächlich nicht 
der Fall ist, wissen wir. Der Gegensatz zur Bewegung in Breiter 
Front ist die Bewegung in schmaler Front, in der Reihe, der 
Reihenmarsch. Bei diesem* ist — vorausgesetzt dafs es sich um 
die gleiche Anzahl der Lebewesen handelt, wie im vorigen Fall — 
die vorderste Reihe schmal, besteht aus relativ wenigen Personen 
und ist von erheblich geringerer Ausdehnung als die Tiefe der 
sich bewegenden Menge. Jeder durch die Tiefenausdehnung 
senkrecht oder annähernd senkrecht zur Bewegungsrichtung ge- 
legte Schnitt mufs in der überwiegenden Anzahl der Fälle gleich 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


369 


der vorderen Querreihe schmal sein. Eine so angeordnete Menschen- 
menge kann sich nun unter gewissen Voraussetzungen besonders 
gut und leicht auf einer Strafse fortbewegen, der sie 
sich in ihren Raumverhältnissen gut anpafst — daher die eigent- 
lich nicht ganz korrekte Gegenüberstellung Breite Front — Zug- 
strafse. 

Was man sich unter einer Strafse hauptsächlich vorstellt, 
weifs jeder: Es ist ein schmaler, aber relativ (im Verhältnis zum 
Weg) breiter Geländestreifen, der durch besondere Behandlung 
für starken menschlichen Verkehr hergerichtet ist und sich meist 
auf weitere Entfernungen hin in ziemlich einheitlicher Richtung 
erstreckt (Provinzialstrafsen , Chausseen, Heerstrafsen). Dem 
Wege fehlen einige dieser Eigenschaften, worauf hier nicht näher 
eingegangen werden soll. 

Der Sprachgebrauch unterscheidet aber noch in einer für 
uns wichtigen Weise zwischen den Worten „Strafse“ und „Weg“ 
im Hinblick auf den Einzelmenschen. Man gebraucht das Wort 
Weg auch für die abseits jedes eigentlichen Weges von einem 
einzelnen Menschen zurückgelegte Entfernung. Man sagt z. B. 
„man konnte an den Spuren im Schnee sehen, welchen Weg er 
gemacht hatte“ auch dann, wenn ein Verirrter von jedem richtigen 
Weg abgekommen war. „Strafse“ braucht man in ähnlichem 
Sinne nur in dichterischen Wendungen. Daraus folgt, dafs die 
vom ziehenden Vogel zurückgelegte Strecke zwar stets als Zug- 
weg, nicht aber als Zugstrafse bezeichnet werden kann. Er kann 
aber in gewissen Fällen einer Zugstrafse folgen bezw. mit 
andern Artgenossen in einer Zugstrafse ziehen, worauf weiter 
unten zurückzukommen sein wird, nachdem wir uns vorher mit 
der „Zugstrafse“, ähnlich wie weiter oben mit verschiedenen 
Formen der Breiten Front, etwas näher bekannt gemacht haben. 



In Figur 7 sehen wir eine schematische Darstellung, der 
folgende Annahme zu Grunde liegt: Die Bewohner von Mecklen- 
burg und der Mark sind durch die Ungangbarkeit des Zwischen- 
geländes verhindert, in Breiter Front nach ihren in Holland ge- 
legenen Wintersitzen zu wandern. Es gibt nur einen guten 
Weg in westlicher Richtung, welcher etwa wie die jetzige Bahn- 
linie Berlin-Hannover — Osnabrück — Salzbergen verlaufen mag. 
Diese Wanderer werden daher bestrebt sein, nach und nach An- 


370 


H. Freiherr Geyr von Schweppenburg : 


schlufs an diese Strafse zu gewinnen. Sie werden auf ihr gegen 
Westen ziehen, und wenn sie in der Nähe der holländischen 
Grenze ankommen, werden sie auseinanderstrehen, um je ihren 
Sonderaufenthalt zu suchen. Von der ganzen Bewegung können 
wir sagen, dafs sie sich in Form des Strafsenmarsches vollzogen 
hat. Dafs es keine Bewegung in Breiter Front ist, und wodurch 
sie sich von ihr unterscheidet, sieht jeder ein. 



Figur 8 und 9 stellt ähnlich wie Figur 2 und 3 die Fälle 
dar, in welchen der gerade Verlauf der gangbaren Strafse 
durch ein gröfseres Wasser oder einen Gebirgszug unmöglich 
wird. Eine nähere Erklärung darf ich mir wohl ersparen. 

Wenn wir unsere bisherigen Ausführungen mutatis mutandis 
auf den Vogelzug anwenden, so können wir etwa folgende De- 
finitionen für den in Breiter Front und in Zugstrafsenform 
verlaufenden Zug gehen: 

1. Der Zug einer Vogelart vollzieht sich auf Breiter Front, 
wenn die Vögel eines gröfseren, ausgedehnten Brutgebietes 
auf zahlreichen, getrennten Wegen den Zug ausführen, sodafs 
die Gesamtheit der Zugwege im Verhältnis zur Breitenaus- 
dehnung — im Grofsen und Ganzen senkrecht zur Zugrichtung — 
des Brutgebietes ebenfals breit ist und, etwa in eine Karte 
eingezeichnet, für den gröfsten Teil des Verlaufs im Verhältnis 
zum Brutgebiet kein schmales, strafsen förmiges Bild ergibt. 
Es ist dabei nicht ausgeschlossen, dafs zeit- und strecken- 


Oder auch Winterquartiers! 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


371 


weise die ziehenden Vögel näher zusammentreten und Bilder 
ergeben, wie sie in Fig. 2 und 3 dargestellt sind. 

, 2. Der Zug einer Vogelart vollzieht sich in Form einer Zug- 
s t r a f s e , wenn der bei weitem gröfste Teil der Vögel eines 
ausgedehnten, gröfseren Brutgebietes für den gröfsten oder 
wenigstens einen grofsen Teil der Zugstrecke annähernd 
die gleichen (und in verschiedenen Jahren gleichbleibenden) 
Wege benutzt, die so nahe beieinander liegen, dafs ihre Ge- 
samtheit — etwa in eine Karte eingezeichnet — im Verhältnis 
zur Breitenausdehnung des Brutgebfetes — im grofsen und 
ganzen senkrecht zur Zugrichtung — schmal, „strafsenförmig“ 
erscheint. 

Aus diesen Definitionen und aus der gesamten bisherigen 
Darstellung geht hervor, dafs man an und für sich nicht nach 
lokalen, in räumlicher und zeitlicher Hinsicht nicht genügend 
Beobachtungsmateriai umfassenden Beobachtungen beurteilen kann, 
0 b eine Vogelart diesen oder jenen Zugstyp folgt, — auch 
dann nicht, wenn die beobachteten Vögel etwa einer Küste 
oder einem Flufs folgen. Auch auf die absolute Zahl der lokal 
beobachteten Vogelmengen kommt es an und für sich nicht 
an, sie genügt nicht, um zu beurteilen, ob Teile einer Breiten 
Front oder eine Zugstrafse vorliegen. Ein Brutgebiet von grofser 
Tiefenausdehnung und einer reichen Vogelbevölkerung kann z. B. 
Teile seiner breiten Zugfront reicher beschicken, als es 
einem anderen weniger tiefen, spärlicher bevölkerten Gebiet für 
seine „Zugstrafse“ möglich ist. 

Der Umstand, dafs dies nicht genügend berücksichtigt wird, 
gibt oft Anlafs zur Verwirrung der Begriffe, und auch Herr 
V. Lucanus dürfte sich in seiner Arbeit nicht ganz frei davon 
gehalten haben. Von einem Punkte oder einer Gegend, wo aus 
irgend welchen Gründen, z. B. aus den in Fig. 2 und 3 gezeigten, 
zur Zugzeit sich gröfsere Mengen von Vögeln zeigen, heifst es 
dann: „hier geht eine Zugstrafse vorbei“ und „dieser oder jener 
Vogel zieht auf dieser Zugstrafse“. Es handelt sich dabei aber 
keineswegs immer um die eigentlichen, oben näher gekennzeich- 
neten Zugstrafsen, an deren enger umschriebenem Begriff wir 
unbedingt festhalten müssen, wenn wir zu einiger Klarheit ge- 
langen wollen. 

Für diese „falschen“ Zugstrafsen, zu welchen ich z. B. für 
viele der dort vorkommenden Arten auch die Kurische Nehrung 
rechne, sollte man ein anderes Wort gebrauchen, um ständige 
Verwechslungen und Unklarheiten zu vermeiden. Ich schlage 
vor, sie „ M a s s e n z u g w e g e “ zu nennen. Palmön, der 
zu diesem Punkt sehr gute Ausführungen bringt 2), nennt sie 


Oder auch Winterquartiers! 
2) a. a. 0. S. 284 ff. 


S72 


H. Freiherr Geyr von Schweppenburg : 


Heerstrafsen, eine Bezeichnung, die wegen ihrer Aehnlichkeit mit 
„Zugstrafse“ besser zu vermeiden ist. 

Die eigentlichen Zugstrafsen sind, wie mir scheint, einiger- 
mafsen selten, die Massenzugwege nicht, und viele der an einem 
Ort mit gutem Vogelzug beobachteten Vogelkenner sind geneigt, 
solche „Zugstrafsen“ zu vermuten und zu konstruieren. Herr 
V. Lucanus meint (S. 60), dafs an der Küste die Zugstrafse 
als solche deutlich zu Tage trete, während im Binnenlande der 
Eindruck der eigentlichen Zugstrafse mehr oder weniger ver- 
loren gehe. Ich bin anderer Ansicht und würde lieber sagen, 
dafs an der Küste leicht der Eindruck der Breiten Front ver- 
loren geht und falsche Zugstrafsen vorgetäuscht werden können. 

Der Leser, der meinen etwas langweiligen Ausführungen 
bis hierher gefolgt ist, wird vielleicht sagen, dafs auch in den 
von mir gebrachten Definitionen und Erklärungen die verschie- 
denen Formen, unter denen der Vogelzug wirklich stattfindet, 
weder ganz klar umschrieben noch sämtlich erfafst sind. Ich 
mufs ihm zustimmen, glaube aber nicht, dafs es möglich ist, 
diese Mängel ganz zu vermeiden. Die. Zugerscheinungen sind 
manchmal verwickelt und gehen ineinander über, sodafs jeder 
Einzelfall nicht immer unter einem der Haupttypen unterzu- 
bringen ist. 

Ein Fall z. B., auf den keine meiner beiden Definitionen 
pafst, ist der folgende, in Fig. 5 dargestellte: Die Vögel eines 
langen, schmalen Brutgebietes, etwa die Seevögel einer langen 
Küste (Norwegen) ziehen in der Richtung der Längsaxe dieses 
Gebietes zu ihren Winterquartieren (etwa den Küsten Englands 
und Frankreichs). Es würde sich da ein Zugbild ergeben, für 
welches die Definition der Zugstrafse nicht ganz pafst, weil die 
Summe der Zugwege im Verhältnis zur Breitenausdehnung des 
Brutgebietes nicht schmal ist. Die Definition der Breiten Front 
pafst wohl besser, und tatsächlich steht die Zugerscheinung 
diesem Typ auch am nächsten, obschon es eigentlich 
nicht so aussieht. Immerhin wird mancher hier nicht ganz mit 
Unrecht von einer „Zugstrafse“ sprechen, wenn sie auch von 
einer Zugstrafse, wie wir sie bei Ciconia beobachten, nicht un- 
wesentlich abweicht. Auf derartige Erscheinungen beziehen sich 
die meisten der von Palmen angegebenen, weiter oben er- 
wähnten Zugstrafsen. So gibt es noch andere zweifelhafte 
Fälle — etwa der Zug einer Vogelart von einem ziemlich iso- 
lierten Inselgebiet {Änser hrachyrhynchus von Spitzbergen nach 
England), aber ich kann hier nicht auf alle diese Spezialfälle 
näher eingehen. 

Bei einem Worte, das schon Palmen, wenn auch 
nicht in irgend einem bestimmten Sinne anwendet, müssen 
wir noch einige Augenblicke verweilen — Zugbahnen. Das 
Wort Bahn hat im Sprachgebrauch mancherlei Bedeutung: Wenn 
wir von der Eisenbahn, der Bahn eines Planeten um die Sonne 


2ur Theorie des Vogelzuges. 

oder der Bahn eines Geschosses sprechen, so hat Bahn etwa die 
gleiche Bedeutung wie Weg, und in diesem Sinne kann es also 
in der Terminologie der Zugerscheinungen nicht gebraucht werden. 
Wir sprechen aber auch von einer Reitbahn und Eisbahn, von 
einer Bahn Tuchstolf, der Bahn einer Tapete, von einer Zelt- 
bahn, und namentlich im Sinne der drei letztgenannten Ausdrücke 
wollen wir das W'ort benutzen. Die Fläche eines Teppichs kann 
aus Stoffbahnen zusammengesetzt sein, die Tapetenwandfläche 
eines Zimmers ist aus Tapetenbahnen zusammengeklebt, und die 
Gesamtfläche eines Militärzeltes besteht aus Zeltbahnen; in allen 
diesen Fällen ist die Bahn der verhältnismäfsig schmale aber meist 
lange Teil einer gröfseren Fläche. Die Gesamt zugerscheinung 
eines Zuges in Breiter Front kann in ihrem Verlauf auch als 
eine breite Fläche dargestellt werden, und mit Z u g b a h n 
bezeichnen wir daher einen Teil einer solchen Breiten-Front- 
Fläche. Wir können diesen Ausdruck benutzen, wenn wir einen 
Teil einer in Breiter Front vor sich gehenden Zugerscheinung 
besonders besprechen wollen. Das Gesamtgebiet, auf welchem 
also z. B. der Zug der über Rossitten ziehenden Nebelkrähen 
in Erscheinung tritt, können wir als Zugbahn, als Teil des in 
Breiter Front stattfindehden Gesamtzuges östlicher Krähen be- 
zeichnen. Auch eignet sich der Ausdruck für gewisse zeitlich 
und räumlich enger und schärfer begrenzte Teilzugserscheinungen, 
wie sie v. Lucanus unter dieser Bezeichnung von der Wald- 
schnepfe erwähnt, für den Verlauf gewisser „Schnepfenzugwellen“. 

Wir haben nun, um es nochmals kurz zu wiederholen, die 
folgenden Fachausdrücke für den Vogelzug näher gekennzeichnet 
und angenommen: Der Zug einer Vogelart kann sich in Form 
der Zugstrafse oder auf Breiter Front vollziehen. 
Gröfsere Teile einer Breiten Front nennen wir Zugbahnen. 
Zugstrafse, Breite Front und Zugbahn setzen sich aus Zug- 
wegen zusammen, womit jede vom einzelnen Zugvogel zurück- 
gelegte Zugstrecke zu bezeichnen ist. Massenzugwege 
nennen wir solche, geographisch meist enger begrenzte Oert- 
lichkeiten, an welcher sehr reger Zug stattfindet, von dem wir 
aber nicht sagen wollen oder können, dafs, ob und inwieweit 
er von Teilen einer Zugstrafse oder einer Breiten Front her- 
rührt. 

Ich kann nun zu den Punkten der Arbeit des Herrn 
V. Lucanus übergehen, mit denen ich nicht ganz einverstanden 
bin — ohne damit sagen zu wollen, dafs meine Ansicht die un- 
bedingt richtige ist. Ich folge im allgemeinen der Darstellung 
des Verfassers, erwähne jedoch einige Angaben seines 11. Teils, 
Schlufsfolgerungen, jeweils unter der betreffenden Art, auf die 
sich die Bemerkung bezieht, i) 


Ich setze voraus, dafs meine Leser die Arbeit von Herrn v. L. 
zum Vergleich zur Hand haben. Da mir hier in der Schweiz nur sehr 


874 


H. Freiherr Gejr von Schweppenburg s 

Die Tatsache, dafs ein auf den Scilly-Inseln beringter Pw/- 
finus puffinus nach zwei Jahren bei Finistere in Frankreich 
erlegt wurde, beweist an sich nicht, dafs dieser Vogel in den 
zwei Jahren in seiner Heimat „verblieben“ ist. In dieser Zeit 
konnte er sehr wohl, wie manchmal jüngere Vögel, sehr fern von 
seiner Heimat umhergestreift sein. 

Bei der Lachmöwe {Larus ridibundus) ist es sehr ver- 
lockend, von Zugstrafsen zu sprechen. Ich meine aber, dafs man 
nicht gut sagen kann, dafs der Zug nactf dem eigentlichen Zug- 
strafsentyp vor sich geht. Wenn dies der Fall sein soll, so 
müfsten mindestens die Mitglieder einer örtlich dicht bei ein- 
ander wohnenden Kolonie einigermafsen den gleichen Weg ziehen. 
Das ist nun keineswegs der Fall. Im Gegenteil; wir sehen z. B. 
die Möwen von Rossitten gleich nach verschiedenen Richtungen 
auseinanderstreben, obschon es ihnen an sich leicht wäre, sämtlich 
der Meeresküste zu folgen, in deren Nähe sie brüteten oder er- 
brütet wurden, und ähnlich machen es die Lachmöwen aus den 
anderen Kolonien. Auch pafst es nicht zur eigentlichen Zug- 
strafse, dafs ein bedeutender Teil der Vögel schon so nahe der 
Heimat auf der „Zugstrafse“ überwintert, wie es die Rossittener 
tun, die nicht selten an der pommerschen Küste, an der Eib- 
und Wesermündung verbleiben. 

Der als sicher angenommene Zug Rossittener Möwen rhein- 
aufwärts, der nicht eben wahrscheinlich aussieht, bedarf noch 
sehr der Bestätigung. Die wenigen Rossittener Vögel, welche 
am Rhein unterhalb Basel erlegt wurden, können sehr wohl solche 
sein, welche der Donau folgend in das Gebiet der bayrischen 
Möwen gelangten und mit diesen rhein abwärts wanderten. 

Wenn man den Zug der Lachmöwen, insbesondere jener von 
Rossitten, charakterisieren wollte, so könnte man etwa sagen: Sie 
streben, um winterwärmere Quartiere zu erreichen, nach ver- 
schiedenen Richtungen auseinander, welche eigentlich nur das 
gemeinsam haben, dafs sie sämtlich in der westlichen Hälfte 
der Windrose verlaufen. Die Vögel halten sich im allgemeinen 
an die Nähe von Gewässern und scheinen auf je einer Herbst- 
reise nur in Ausnahmefällen wieder eine nördlichere Gegend auf- 
zusuchen, nachdem sie schon weiter südlich waren. 

Ob das Erscheinen Rossittener Möwen an der Küste von 
Mittelamerika wirklich auf regulären Zug zurückzuführen ist, er- 
scheint mir einigermafsen fraglich, wenn man die Tatsache be- 
rücksichtigt, dafs der Zugdrang bei dieser Möwe kein sehr starker 
ist, wa§ sich aus dem Ueberwintern io den oben erwähnten so 
heimatnahen Orten ergibt. Ehe ein regelrechter Zug in 
so weit entfernte Gegenden wirklich nachgewiesen ist, scheint es 


wenig Literatur zur Verfügung steht, mufs ich die Angaben im wesent- 
lichen so nehmen, wie sie v. L. gibt, ohne die eigentlichen Quellen zu 
Rate ziehen zu können. 


Zur Theorie des Vogelzuges. 875 

mir richtiger, anzunehmen, worauf ja wohl schon von anderer 
Seite hingewiesen wurde, dafs solche Möwen, indem sie mit 
anderen Arten den ausfahrenden Schiffen folgten, weit vom Lande 
abgerieten, sich nicht mehr zur europäischen Küste zurückfanden 
und so in europaferne Länder gelangten — wobei dann immer- 
hin die allgemein westliche Tendenz des Lachmöwenzuges mit- 
wirkend gewesen sein mag. Wenn eine so weite Ausdehnung 
der Wanderung in der Natur ihres Zuges läge, so wäre es einiger- 
mafsen auffallend, dafs die Vögel einerseits die gewaltige Ent- 
fernung bis Mittelamerika zurücklegen, anderseits an der afri- 
kanischen Küste wohl kaum in gröfserer Zahl irgendwie weit 
nach Süden Vordringen, ohschon diese Küste ganz in der Zug- 
richtung eines bedeutenden Teiles dieser Möwen liegt, nämlich 
jener, die schon den französischen und iberischen Gestaden 
folgten. 

Herr von Lucanus meint (S. 54), dafs der nördliche Zug 
eines Teiles der besprochenen Lachmöwen darauf hindeute „dafs 
die Lachmöwen in Süddeutschland, Böhmen und Ungarn ur- 
sprünglich aus nördlichen Gebieten hier eingewandert sind“. 
Ich habe an anderer Stelle dieses Journals die Ansicht ausge- 
sprochen, dafs die Weismann-Palmensche Hypothese: „Zugweg = 
Einwanderungsweg“ für manche Arten ziemliche Wahrscheinlich- 
keit habe. Ich meine aber, dafs die Lachmöwe mit ihren nach 
allen möglichen Richtungen fächerförmig austrahlenden Zugwegen 
ein sehr schlechtes und unwahrscheinliches Beweismaterial zu der 
genannten Hypothese abgibt — ganz abgesehen davon, dafs die 
Verhältnisse während und nach der Eiszeit eine solche Besiedelung 
von Westen und Norden her — besonders für Ungarn — sehr 
wenig glaubhaft erscheinen lassen. 

Dafs der nördliche Zug der Lachmöwe erst durch das 
Ringexperiment bekannt geworden sei, ist richtig, dafs man 
aber eine solch überraschende und wundersame Erscheinung des 
Vogelzuges vorher wohl niemals geahnt oder vermutet hätte 
(p. 54), das kann nicht zugegeben werden. Ich selbst habe z. B. 
in einer besonderen Arbeit ^) auf den eigentümlichen Zug des 
Alpen-Wasserpiepers nach Norden bis zum Niederrhein und der 
holländischen Grenze hingewiesen — eine Tatsache, die für 
Norddeutschland übrigens schon durch den alten Blasius 
bekannt war. 

Es ist möglich, dafs Aqv Merg. serrator vom Greifswalder 
Bodden der Elbe und Moldau auf seinem Zuge nach Steiermark 


J. f. 0. Januarheft 1917. 

*) Ornithol. Jahrb 1910 unter dem irreführenden Titel ^^Anth. 
spinoletta im Rheinlande brütend**, wobei das „brütend** ein eigen- 
mächtiger Zusatz des Setzers!! ist, dem meine Ueberschrift wohl nicht 
genügte. 


S7o fl. Freiherr 6eyr von Schweppenburg : 

folgte, um dies aber als „wahrscheinlich“ zu bezeichnen, dazu 
genügen die Unterlagen nicht. 

Sehr interessant sind die Ergebnisse, welche der Ringver- 
such bei der Spiefsente gezeitigt hat, doch meine ich, die Schlüsse, 
die Herr v. Lucanus daraus zieht, gehen weiter als die fest- 
stehenden Tatsachen es zulassen. Obschon diese Ente ein 
zweifellos hervorragender Flieger ist, scheint mir die Reise ganz 
um Spanien herum und wieder nach Norden hin, um ins nörd- 
liche Italien zu gelangen, doch einigermafseh unwahrscheinlich, 
zumal A. acuta einen Flug durchs Binnenland durchaus nicht 
scheut und z. B. in Westdeutschland und der Westschweiz auf 
dem Durchzuge nicht selten ist. Die Tatsachen, wie sie das 
Ringexperiment gibt, nötigen nicht zu dieser Annahme, sondern 
sie lassen sehr wohl die Möglichkeit zu, dafs ein Teil der in Fanö 
gezeichneten Enten sich durch das westliche Binnenland be- 
gibt — worauf die auf Maas und Seine erbeuteten hindeuten — , 
um das Mittelmeer in der Gegend des Löwengolfes zu erreichen. 
Auch mögen sie das südliche Frankreich von der Viscaya-See 
zum Mittelmeer kreuzen. 

Inwiefern die beiden im Frühjahr im Ural bei Perm und 
bei Kiew erlegten Enten auf einen in nördlicher Richtung 
begonnenen Herbstzug hindeuten, sehe ich nicht ein. Soviel ich 
auf meiner Karte feststellen kann, liegt Perm und somit auch 
der 200 km östlich davon gelegene Erlegungsort der einen Ente 
nördlicher als Fanö. Der Vogel braucht also keineswegs 
erst nördlich gezogen sein. Ob die Ente von Kiew wirklich dort 
brütete^), geht aus den Angaben v. Lucanus’ nicht sicher 
hervor. Auch die sicher festgestellte Tatsache des Brütens 
würde an sich nicht beweisen, dafs diese Ente, wenn sie im 
Herbst vorher über Fanö zog, auch damals von Kiew kam, 
denn wie Verfasser vorher angegeben hat, zeigten sich andere 
Enten wenig heimattreu. Mir erscheint folgende Annahme 
nicht unwahrscheinlich: Der Vogel, der irgendwo am nördlichen 
Mittelmeer, etwa in den Lagunen Venedigs überwinterte, machte, 
um im Frühjahr nach Hause zu kommen, nicht den von v. Lu- 
canus angenommenen Umweg um Spanien herum, sondern zog 
quer durch Ungarn seiner nord russischen Heimat zu und berührte 
dabei das an seinem Wege liegende Kiew, wo er aus irgend 
welchem Grunde blieb. 

Der Küsten weg dieser Enten von „8000 km“ wäre mit 
einem oder zwei Fragezeichen zu versehen. Die Zahl an 
sich hat zwar nichts Unwahrscheinliches an sich, denn die Reste 
einer jungen A acuta^ welche ich mitten in der Zentralsahara 
fand, lassen es nicht unmöglich erscheinen, dafs einzelne Spiefs- 
enten die Grofse Wüste durchqueren, um etwa am Tsad oder 
am Niger zu überwintern. Das wäre nicht auffallend, denn wenn 


Das Datum au sich beweist es nicht. 


2ur Theorie des Vogelzuges. 


S77 

ich mich recht entsinne, habe ich diese Ente seinerzeit wieder- 
holt auf dem Weifsen Nil südlich Chartum gesehen 

Der Zug des Kiebitzes läfst sich, soviel von ihm bisher be- 
kannt ist, wohl noch ganz gut unter dem Begriff der „Breiten 
Front“ unterbringen, wenn wir deren verschiedene Variationen 
berücksichtigen. 

Dafs der Totanus totanus aus Pommern, um zur Rhone- 
mündung zu gelangen, der Küste gefolgt ist, erscheint mir zum 
mindesten sehr zweifelhaft, da dieser Vogel, der so häufig 
im Binnenland brütet, einen Flug über Land gewifs nicht scheut 
und dort während des Zuges auch nicht selten ist. 

Bei der Waldschnepfe sprechen die vorliegenden Tatsachen 
am allerwenigsten von allen bisher behandelten Vogelarten für 
einen eigentlichen Zugstrafsenzug. Dennoch’ spricht Herr v. 
L u c a n u s wiederholt von deren „Zugstrafsen“ und stellt sie 
auf seiner Karte auch als s t r a f s e n f ö r m i g e Einzeichnungen 
dar, die sich kreuzen, von einander entfernen, sich nähern und 
zusammentreten und manchmal einen Verlauf zeigen, von dem 
man in Zweifel sein kann, ob er überhaupt nur der wirklichen Zug- 
r i c h t u n g entspricht, Dafs der Zug der Waldschnepfe nicht 
so recht zu dem Bild pafste, das wir uns von einer Zugstrafse 
machen, hat wohl auch v. Lucanus empfunden. So spricht 
er z. B. von Zuggebieten, Zuglinien und bringt (S. 21) den in 
anbetracht all’ der diesbezüglichen Meinungsverschiedenheiten 
und Diskussionen einigermafsen erstaunlichen Satz : „Da die 
Zugstrafsen auf Breiter Front verlaufen . . ! ! 

Bei der Waldschnepfe findet sich wie auch bei anderen 
Arten die Erscheinung, dafs gewisse Gegenden beim Zuge nur 
einmal im Jahre häufig besucht werden. So ist z. B. die Insel 
Rügen wegen ihres vortrefflichen Schnepfenzuges im Frühjahr 
bekannt, während dort im Herbste nur wenige an getroffen werden. 
Diese Erscheinung läfst verschiedene Erklärungen zu : Es ist 
möglich, dafs die Schnepfen, welche der über Rügen gehenden 
Zugbahn angehören, stets io einigermafsen gleichen Etappen 
ziehen, welche so liegen, dafs Rügen zwar im Frühjahr, nicht 
aber im Herbst in ein Rastgebiet fällt. Wahrscheinlicher ist 
aber vielleicht folgendes: Man kann die Zugwege der in Breiter 
Front ziehenden Vögel mit Lichtstrahlen vergleichen. Treffen 
die Strahlen auf ein Hindernis, so werden sie aufgefangen oder 
abgelenkt und hinter dem Hindernis entsteht ein strahlenloser 
Raum, ein Schatten. So ähnlich wird auch hinter einem Vogel- 
zughindernis (etwa wie Fig. 4 und 5) ein Gebiet vorhanden sein, 
in welchem keine oder nur wenige Zugvögel erscheinen. Wir 
können sagen, dieses Gebiet liege im Z u g s c h a 1 1 e n. Ein 
solches Hindernis kann nun wie in Fig. 3 ein Gebirge sein, es 


1) Diese gute Bezeichnung wurde wohl zuerst von W. K p b e 1 1 
1902 eingeführt. 

Joum. t Om. LXX. Jahrg. AprÜ/Juli 1922, 


25 


S7S Et. Freiherr Geyr von Schweppehburg : 

kann aber auch eine grofse Wasserfläche sein, welche von Land- 
vögeln manchmal ungern überflogen wird. Es ist nun möglich, 
dafs die Waldschnepfen bei ihrem SW. gerichteten Herbstzuge 
einen Längszug über die Ostsee vermeiden, wodurch dann Rügen 
in den Zugschatten der See zu liegen käme. 

Beim Storch {Cic, ciconia) bin ich einmal insoweit gleicher 
Meinung wie Herr von Lucanus, als es sich bei diesem 
Vogel wohl tatsächlich um einen Zugstrafsenzug handelt. Zu 
gewissen Punkten der Ausführungen des Verfassers möchte ich 
aber einige Bemerkungen machen, v. Lucanus glaubt, dafs 
auch die westdeutschen und holländischen Störche, die nach 
Südwesten wandern, ursprünglich von Osten kamen und die Zug- 
richtung nach SW. neu erworben haben. Das ist sehr wohl 
möglich und, da es nicht irgendwie bewiesen werden kann, eine 
Sache von mehr oder weniger grofser Wahrscheinlichkeit. Ich 
hatte an anderer Stelle die ebensowenig beweisbare Vermutung 
ausgesprochen, dafs die westlichen Störche ursprünglich von SW. 
einwanderten und demgemäfs ihren alten Einwanderungsweg als 
Zugweg benutzen. Als Stütze dieser Ansicht kann man anführen, 
dafs Ciconia in Kleinafrika und Spanien häufig oder nicht selten 
brütet und früher auch in Frankreich anscheinend verbreitet 
war. (Dr. Hartert in litt.) 

Herr von Lucanus vermutet, dafs der Zug der west- 
lichen Störche 0 weiterhin der nordafrikanischen Küste folge, um 
Anschlufs an die östliche Zugstrafse zu erhalten, oder dafs er quer 
bzw. in südlicher Richtung durch die Sahara führe. Er neigt 
den vorliegenden Beobachtungen zufolge mehr letzterer Ansicht 
zu. Das wird wohl das Richtige sein, denn der Zug längs der 
nordafrikanischen Nordküste kommt mir in hohem Grade un- 
wahrscheinlich vor.* *) Widersprechen mufs ich aber dem ver- 
ehrten Verfasser, wenn er sagt „sodafs eine Durchquerung der 
Sahara keineswegs ungünstiger erscheint als der Zug längs der 
nordafrikanischen Küste.“ Tatsache ist, dafs der Storch auf 
letztgenanntem Wege kaum irgendwo die ausgesprochene, eigent- 
liche Wüste zu berühren braucht und stets entweder durch an- 
gebautes Gelände oder über nicht allzu schlechte Steppen ziehen 
kann, die immerhin noch einen Jahresniederschlag von über 
200 mm haben und also vermutlich einigermafsen reich an 
Orthopteren und Reptilien sein werden. Wie es mit den Flufs- 
läufen, der üppigen Vegetation und dem Weideland aussieht. 


^) Handelte es sich bei dem Marburger Storch übrigens nicht 
um Marburg a. d. Dr. in Oestreich? 

*) Merkwürdig ist die Beobachtung, die Pr. Ferrouillat aus Oued- 
Marsa, Golfe de Bougie, Algerien in der Revue fran 9 . d’Ornithologie, 
No. 110, 1918 mitteilt. Danach soll dort an der Küste im Frühjahr 
ein lebhafter Zug von Westen nach Osten stattflnden. 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


879 


welche den quer durch die Wüste längs des Ahaggarherglandes 
und Tibesti ziehenden Störchen „gute Lebensbedingungen“ hieten, 
das haben meine Leser aus der Reisebeschreibung entnehmen 
können, die ich in diesen Blättern über meinen Aufenthalt in 
den Tuaregbergen gegeben habe. Ich habe dort keine Gegend 
angetroffen, wo ein nur einigermafsen grofser Storchenzug eine 
im bescheidensten Mafse ausreichende Nahrung gefunden hätte. 
Ein Einzelstorch könnte sich an besonders günstiger Stelle ein- 
mal vom unmittelbaren Hungertode retten, besonders wenn er 
so glücklich wäre, eine der schnellen, im Gestein lebenden 
Agamen (Ä. hihroni) oder gar einen kleinen üromastix zu er- 
beuten, oder einige ermattete kleinere Zugvögel. 

Der günstigste Weg für die aus Spanien und Kleinafrika 
nach Süden ziehenden Störche würde vermutlich der längs der 
Westküste Afrikas sein, wobei die eigentliche Wüstenreise — 
vom Cap Juby bis in die Gegend des Senegal — etwa 1300 km 
betragen würde. Wesentlich schlechter treffen es schon jene, 
die etwa über die Gegend von Laghouat nach dem Niger ziehen; 
sie dürften eine Wüstenreise von rund 1800 km vor sich haben. 
Ganz ungünstig ist schliefslich der Weg, den Herr v. Lucanus 
angibt — etwa in südöstlicher Richtung längs der innersaharischen 
Gebirge — , denn da müfsten die Wanderer über 2000 km durch 
meist ganz öde Wüste zurücklegen, wozu sie bei einer Tages- 
leistung von 200 km zehn Tage gebrauchen würden, was wohl 
nur wenige überstehen könnten. Wie günstig der westlichste 
dieser drei Wege im Verhältnis zu dem etwa über In Salah 
führenden wäre, geht aus folgenden Niederschlagszahlen hervor i): 
Das unter 27® 58' an der Westküste gelegene Cap Juby hat noch 
eine jährliche Regenmenge von durchschnittlich 225 mm, während 
das am zweiten Wege aber noch wesentlich nördlicher unter 
30® 33' gelegene El Golea nur etwa 30 mm! aufweist, und das 
mit C. Juby etwa auf demselben Parallel aber ebenfalls an dem 
zweiten Weg gelegene In Salah (27® 17') gar in manchen Jahren 
überhaupt keine mefsbaren Niederschläge erhält. 

Es wird wohl meist und so auch von Herrn von Lucanus 
angenommen, dafs die westlichen Störche nach Südafrika ziehen. 
Ich möchte das auch vermuten, aber so ganz sicher ist es nicht. 
Es ist nämlich auffallend, dafs diese Störche, die zum Teil schon 
Anfang August ihre Heimat verlassen und in der ersten Hälfte 
dieses Monats schon Mitten in der Sahara bei In Salah ange- 
troffen wurden, nicht vor Mitte November — nach der Mitteilung 
des ornithologischen Comitees in Südafrika *) — in Südafrika ein- 
treffen sollten. Da diese Störche nicht selten schon Mitte und 


Nach H. Leiter in Abh. d. K. K. Geograph. Gesellsch. in Wien, 
VIII, 1909. 

2) Siehe die Arbeit von v. Lucanus S. 30. 


25 * 


880 H. Freiherr Geyr von Schweppenburg ; 

Ende Februar wieder in ihrer Heimat erscheinen ^), so müfsten 
sie, wenn sie zur Rückreise ebenso lange Zeit gebrauchen, — 
etwa 3V2 Monate — schon ziemlich bald nach ihrer Ankunft in 
Südafrika erneut sich auf die Reise begeben. Sie könnten aller- 
dings die Rückreise etwas schneller ausführen, aber ganz klar 
liegt die Sache nicht. Es müfsten vor allem, wenn dies einmal 
wieder möglich ist, zahlreiche Störche in Kleinafrika beringt 
werden, was nicht schwer ist, da sie dort strichweise massenhaft 
und soviel ich sah, ziemlich niedrig auf Bäumen brüten.* *) 

Bei Sperber {Acc, nisus) und Bussard {B. buteo) läfst 
unser verehrter Verfasser wieder die unglückliche Rheinzugstrafse 
in Erscheinung treten, obgleich ich gerade hinsichtlich dieser 
Fälle schon an anderem Orte®) darauf hingewiesen habe, dafs 
diese Raubvögel der Feldbeobachtung zufolge nicht dem Rhein 
folgen, sondern ihn etwa, wie so viele andere Tagzugvögel, in 
SW-Richtung kreuzen. Herr v. Lucanus scheint meiner Ver- 
sicherung nicht recht geglaubt zu haben, wenn er trotzdem an 
dieser „Zugstrafse“ festhält. Das ist einmal ein offenkundiger 
Fall, in welchem das Ringexperiment zu falschen Schlüssen 
führt, wenn man mehr daraus herauslesen will, als wirklich mög- 
lich ist und ergänzende Feldbeobachtungen nicht genügend be- 
achtet. 

Unter seinen Bemerkungen über den Zug der Schwalben 
führt Herr v. Lucanus eine Mitteilung von Barrington aus der 
Zeitschrift British Birds an. Durch einige unglückliche Umstände ist 
das Zitat des Zettelinhalts, welchen der Vogel trug, falsch in 
Druck gekommen , auch handelt es sich nicht um eine 
Schwalbe, sondern um einen Segler.^) Der Herausgeber 
von British Birds hielt übrigens die ganze Geschichte für einen 
schlechten Scherz. Aber wenn man dies auch nicht tun sollte, 
so kann man sich doch keineswegs der Schlufsfolgerung von 
Herrn von Lucanus anschliefsen, dafs nämlich „die Schwalben 
auf ihrem Zug durch Afrika dem Lauf des Nils folgen“. Denn 
erstens kann solch ein E i n z e 1 f a 1 1 kaum zu so weitgehendem 
Schlufs berechtigen, und zweitens liegt Suakin nicht am Nil. 

Die Angabe, dafs eine Bomb, garrula nach 52 Tagen 
650 km vom Beringungsort entfernt war, steht fest, nicht aber, 
dafs dieser Vogel „in 52 Tagen 650 km zurückgelegt“ hat und 

^) Mathey - Dupraz berichtet in „Der ornithol. Beobachter“ XVI, 
S. 119, dafs in Montmirail, Westschweiz, sogar schon am 4. Januar 1919 
ein Flug Störche beobachtet wurde. 

*) Mitte Juni 1914 sah ich über Biskra einen grofsen Zug Störche 
hinfliegen; das werde wohl solche gewesen sein, die nicht brüteten und 
sich in der Steppe herumtrieben. 

®) J. f. 0. Januarheft 1917, S. 58. 

Die richtige Aufschrift des Zettels lautet: Mary Elsam, Suakin, 
Egypt 10. 8. 86. 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


381 


dafs dies eine „tägliche Durchschnittsleistung von 12 V 2 km er- 
gibt“. Das ist ebensowenig richtig, wie wenn ich etwa sagte, 
dafs ein Mensch, den ich heute in Berlin sehe und nach 50 Tagen 
in Köln antreife, deswegen zum Zurücklegen der Strecke Köln— 
Berlin 50 Tage gebraucht bzw. eine Durchschnittsmarschleistung 
von 10 km pro Tag zu verzeichnen hat. 

Dies wären etwa die wesentlichsten Bemerkungen, 
die ich, lediglich der Sache wegen, zu den speziellen 
Ausführungen von Herrn v. Lucanus zu machen habe. Es 
mögen noch einige folgen, welche den allgemeinen Teil der Ar- 
beit betreffen. S. 57 erwähnt v. Lucanus die von Thiene- 
mann mitgeteilte Tatsache, dafs im strengen Winter 1917 zahl- 
reiche Lachmöwen an der zugefrorenen Nordseeküste verweilten 
und zu Grunde gingen, obschon sie sich doch leicht in südlichere 
Gegenden hätten in Sicherheit bringen können. Er knüpft daran 
die Bemerkung „dafs der ganze Zug nur reflexmäfsig vor sich 
geht, und jegliche üeberlegung dabei fehlt“. Ich stimme der 
Ansicht von Herrn v. L. im wesentlichen zu, aber nur „reflex- 
mäfsig“ darf man die Tätigkeit des Ziehens doch wohl nicht 
nennen. Zwischen einer reflexmäfsigen Handlung und einer mit 
üeberlegung ausgeführten gibt es doch wohl noch auf Grund 
anderer seelischer Vorgänge ausgeführte Handlungen. Nach 
den Beobachtungen Gätkes ziehen über Helgoland auch spät im 
Winter nicht selten Vögel, deren Hauptzugzeit längst vorbei 
ist und die nur durch stärker einsetzende Kälte zum Ziehen be- 
wogen wurden. Auch kann man ausgesprochene und starke 
Rückzüge nach Süden, wie ich sie im Frühjahr wiederholt 
bei einem Wettersturz beobachtete, nicht wohl als krasse Reflex- 
bewegung deuten, wenn auch gewifs nicht viel üeberlegung dabei 
waltet. 

Den von amerikanischen Ornithologen festgestellten Zug 
des Charadrius fulvus bezweifelt Herr v. Lucanus und hält 
es für möglich, dafs die auf den Hawaiischen Inseln beobachteten 
Regenpfeifer Brutvögel der polynesischen Inseln sind. Das 
möchte ich für höchst unwahrscheinlich halten, denn die poly- 
nesischen Inseln sind ornithologisch wohl so bekannt, dafs ein 
dort häufig brütender Regenpfeifer den Forschern kaum ent- 
gangen wäre. Auch wäre es sehr merkwürdig, dafs ein Regen- 
pfeifer in Sibirien und Nordamerika und dann wieder in der 
gleichen Form in der Südsee brüten sollte, die Identität der 
hawaiischen Vögel mit den nordischen steht ja wohl fest. 

Nachdem v. Lucanus die zweifellos westliche Tendenz 
des Zuges europäischer Vögel erwähnt hat, bemerkt er (S. 55), 
dafs auch die in Europa nicht eben selten erscheinenden ameri- 
kanischen Vögel z. B, verschiedene Drosseln auf westlichem 
Fluge, also über den nördlichen Grofsen Ozean und durch ganz 
Eurasien zu uns gelangen dürften. Das mag hin und wieder 
einmal der Fall sein, ist aber schon darum ziemlich unwahr- 


882 H. Freiherr Geyr von Schweppenburg ; 

scheinlich, weil in Nordamerika die ganze Tendenz des Zuges 
nicht wie bei uns eine südwestliche, sondern eher eine südöst- 
liche ist, und sie daher versprengte Vögel leichter auf den At- 
lantischen Ozean und nach Europa als auf den Pacific und nach 
Asien führen dürfte. Immerhin verdient die Anregung von 
Herrn v. Lucanus weitere Beachtung. 

In diesem Zusammenhang mag auf gewisse geophysikalische 
Verhältnisse hingewiesen werden, von denen ich nicht weifs, ob 
sie schon einmal in Bezug auf den Vogelzug erörtert wurden.^) 
Bekanntlich dreht sich beim Umschwung der Erdfeste nach 
Osten mit ihr die ganze Lufthülle und auch ein in derselben 
fliegender Vogel. Bei diesem Umschwung dreht sich ein Punkt 
desto schneller, je näher er dem Aequator liegt, weil in der 
gleichen Zeit immer gröfsere Entfernungen zurückgelegt werden 
müssen. Bei Bewegungen, welche in der Richtung der Längen- 
grade stattfinden, machen sich diese Verhältnisse nun sehr wohl 



Fig. 10. 


bemerkbar, indem bei derartigen Bewegungen auf der nördlichen 
Halbkugel eine Ablenkung nach rechts, auf der südlichen eine 
Ablenkung nach links stattfindet. Bekannte Beispiele sind die 
Passatwinde, Meeresströmungen, Flufsläufe (Richthofen), ja sogar 
bei Eisenbahnbewegungen will man diesen Einflufs festgestellt 
haben. 

Für den Vogelzug würde sich daraus nun folgendes ergeben, 
was die Zeichnung Fig. 10 erläutern mag: Ein Vogel, der in 


Herr von Jordans sagte mir nachträglich, er habe darüber ge- 
lesen, erinnerte sich aber nicht mehr wo. 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


383 


der Richtuflg eines bestimmten Meridians —N A— • genau nach 
Süden zieht, wird, wenn er keine unbewufste Korrektur vor- 
nimmt, nicht mit diesem Meridian in A auf den Aequator treffen. 
Er wird vielmehr, da er mit seiner Rotationsgeschwindigkeit 
stets etwas hinter jener der überflogenen südlichen Punkte 
zurückbleibt, rechts von A in A^ auf den Aequator treffen, 
treffen. Fliegt er nun, wie etwa der Storch, über den Aequator 
hinaus, so wird er wiederum nicht südlich von A^ in S^ landen, 
sondern mit einer Abweichung nach links in S, welches, wenn 
NA = AS ist, wohl genau südlich von N liegt. Daraus folgt, 
dafs ein Vogel, welcher genügend weit über den Aequator zieht, 
trotz der Ablenkung den angestrebten Ort erreichen kann. Bei 
einem Vogel, welcher nur bis zum Aequator zieht, ist das nicht 
der Fall; er wird statt in dem angestrebten A in A^ landen. 
Beim Rückzug im Frühjahr findet das Umgekehrte statt: Er 
gelangt mit gröfserer Rotationsgeschwindigkeiten in Breiten, 
welche eine kleinere haben und eilt dadurch der rotierenden 
Endfeste nach rechts, nach Osten voraus. Er wird also trotz 
seines nach Norden gerichteten Fluges nicht in N^ sondern in 
N, in seiner alten Heimat landen. Es ist zu beachten, dafs die 
Körperachse des ziehenden Vogels und somit die Richtung seines 
aktiven Fluges in unserem Beispiel stets genau Süd-Nord bzw. 
Nord-Süd gerichtet bleibt, wenn auch sein auf der Erde proji- 
zierter Flugweg einen von der NS-Richtung abweichenden Ver- 
lauf zeigt, üebrigeus wird sein Zugweg nicht wie in unserer 
schematischen Zeichnung eine gerade Linie, sondern eine ge- 
krümmte, etwa einen Teil einer Ellipse bilden. Zur genauen und 
wissenschaftlich exakten Beantwortung wird man 
diese ganze Frage wohl am besten einem Geophysiker vorlegen, 
mein mathematisches Verständnis ist dafür zu gering. Ich glaube 
kaum, dafs diese ganzen Verhältnisse eine wesentliche Rolle im 
Vogelzüge spielen, — oder sollte vielleicht das auffallende regel- 
mäfsige Erscheinen mancher Sibirier in Europa damit etwa 
Zusammenhängen?? Die Abweichung nach rechts ist für gleiche 
Entfernungen desto gröfser, je weiter im Norden der Vogel 
seinen Zug beginnt. Für einen Zugvogel, der sich auf seiner 
Wanderung an Landmarken hält, etwa an eine Küste, einen 
Flufslauf, würde die passive Ablenkung wegfallen. 

Herr v. Lucanus nimmt wohl mit einigem Recht an, dafs 
der Zuginstinkt und mit ihm der Sinn für den einzuschlagenden 
Zugweg von den alten Vögeln auf die Jungen vererbt wird. Der 
Zug gewisser junger Vögel ohne die Alten und manche andern 
Erscheinungen sprechen für diese Annahmej die damit aber nicht 
unbedingt bewiesen wird. Es fragt sich, ob dieses Problem nicht 
auch dem Experiment zugänglich sei. Theoretisch mufs das 
entschieden bejaht werden. Man brauchte nur möglichst viele 
Storebeier aus Holland mit solchen aus Ostpreufsen zu ver- 
tauschen, und die daraus schlüpfenden Jungvögel zu markieren. 


884 


H. Freiherr Geyr von Schweppenburg : 


dann würden die Resultate des Versuches nicht lange auf sich 
warten lassen. Der ganze Versuch wäre beim Storch, der an 
sich sehr geeignet dazu wäre, mit vielerlei Unzuträglichkeiten, 
Mühen und Kosten verknüpft. Immerhin kann er vielleicht doch 
einmal in bescheidenem Mafse durchgeführt werden. Leichter 
würde er schon bei der Lachmöwe zu bewerkstelligen sein, aber 
leider gehen gerade bei diesem Vogel die Zugwege von ver- 
schiedenen Kolonien so ineinander über, dafs gute und einwand- 
freie Ergebnisse kaum zu erwarten sein dürften. 

Zum Schlüsse wollen wir noch einen Blick auf die der 
Arbeit v. Lucanus’ beigegebene Hauptkarte werfen. Die Ueber- 
schrift dieser Karte „Darstellung der Hauptzug richtungen“ 
ist vorsichtig, und in diesem Sinne könnte man die eingezeichneten 
Linien allenfalls gelten lassen, aber sie brächten uns nicht 
eben viel Neues. In den Erläuterungen lesen wir jedoch nichts 
mehr von Richtungen, sondern „Ä. Westliche Küsten s t r a f s e , 
B. Binnenland strafse“ usw., und das fordert die Kritik her aus. 

Als „Zugstrafsen“ in unserem und in dem auch von 
Lucanus ursprünglich anerkannten, aber nicht konsequent du^‘ ch- 
geführten Sinne kann man die eingezeichneten Linien nicht be- 
zeichnen, da die ausreichenden Unterlagen zur Konstruktion 
solcher Zugstrafsen meines Erachtens in den meisten Fällen 
fehlen. Man könnte einwenden: es sind wissenschaftliche, aufs 
Papier projizierte Hypothesen. Aber die Iiypothetische 
Natur sieht mau diesen Strafsen nicht an, und der Autor kenn- 
zeichnet sie nicht als solche. Wenn wir an dem Unterschied 
von „Zugstrafse“ und „Breite Front“ festhalten, so mufs ich leider 
sagen : Zugstrafsen wie die Linien B, C und D sind nicht 
sicher festgestellt. 

Die westliche Küstenstrafse hat ja zweifellos nicht nur für 
die Palmen’schen Wasservögel, sondern auch für andere eine 
gewisse Bedeutung und Berechtigung. Für welche Land- 
vögel aber hat sie eine solche Berechtigung, welche Landvögel 
ziehen z. B. aus Deutschland der Linie A folgend über Gibraltar 
nach Kleinafrika hinein? Auf Grund welcher Angaben liefs sich 
der Verlauf dieser Linie durch die Normandie und Bretagne 
konstruieren? Auf Grund welcher sicheren Unterlagen die 
Krümmung der „Binnenlandstrafse“, um dem Rhein zu folgen?? 
Woher wissen wir, dafs die von Schweden über Rügen nach Nord- 
deutschland kommenden Land vögel — denn die Linie kommt 
der Zeichnung nach aus dem Binnenland — in der von 
Lucanus angedeuteten Weise in die Küstenstrafse eintreten und 
ihr folgen? Und so könnte ich' noch verschiedene Fragen stellen, 
ohne eine befriedigende Antwort zu erhalten. Ich kann nur 
wiederholen, dafs die Unterlagen zur sicheren Konstruktion 
solcher „Strafsen“ heute noch fehlen, und dafs derart all- 
gemein gehaltene Angaben und Zeichnungen theoretischer 
Strafsen unsere Kenntnis der Zugerscheinungen heutigentages 


Zur Theorie des Vogelzuges. 


385 


kaum fördern. Es kommt darauf an, möglichst viele Zugwege 
der einzelnen Arten durch Kingexperiment und Feldbeobachtung 
festzustellen und in Karten einzutragen, eine Forschungsarbeit, 
der sich die Vogelwarten mit so grofsem Erfolg widmen. 
Und wenn dann aus möglichst verschiedenen Gegenden vielleicht 
hundert mal so viel genaue Angaben vorliegen als heute, dann 
kann man vielleicht die Frage beantworten, ob alle die S. 58 
der Arbeit von Lucanus genannten Vögel in Form der Zugstrafse 
oder der Breiten Front ziehen und ob sich irgendwelche Haupt» 
zugstrafsen feststellen lassen. 

Nachschrift. Aus besonderen Gründen möchte ich hin- 
sichtlich der vorstehenden Arbeit noch folgendes bemerken: 

1. Da ich darin naturgemäfs nur solche Fragen behandelt habe, 
in denen ich mit Herrn von Lucanus nicht übereinstimme, so 
möchte bei einigen Lesern vielleicht der Eindruck erweckt werden, 
als urteile ich über die ganzen, der Vogelzugforschung so wert- 
vollen Veröffentlichungen des Herrn v. Lucanus abfällig, nament- 
lich auch über sein Vogelzug-Buch, welches aber bei Abfassung 
dieser Arbeit noch gar nicht erschienen war. Meine Kritik 
wendet sich nur gegen vereinzelte Punkte, die mir 
wissenschaftlich angreifbar schienen, über die man aber ver- 
schiedener Ansicht sein kann. Soweit diese Punkte in das Buch 
des Herrn von Lucanus Aufnahme fanden, ist meine Kritik auch 
dagegen gerichtet, was aber gewifs dem grofsen Wert jener Ver- 
öffentlichung für die Vogelzugforschung keinen Abbruch tun kann. 

2. Um jeden Verdacht zu vermeiden, als neige ich den Ansichten 
gewisser, wissenschaftlich nicht ernst zu nehmender Gegner des 
Ringversuches zu, erkläre ich ausdrücklich, dafs ich durchaus ein 
Freund der Beringung bin und die diesbezügliche Tätigkeit der 
Vogelwarten für wissenschaftlich sehr wertvoll halte. 

Hann. Münden, 20. II. 1922. 


Erwiderung auf die Arbeit des Freiherrn Geyr von 
Schweppenburg „Zur Theorie des Vogelzuges^^ 

Von Friedrich, von Lucanus. 

In vorstehender Arbeit unterzieht Freiherr v. Geyr meine Aus- 
führungen in „Zug und Wanderungen der Vögel Europas nach 
den Ergebnissen des Ringversuchs“ (Journal für Ornithologie 1919) 
einer eingehenden Kritik, die ich nicht unbeantwortet lassen 
kann, da durch die Zweifel, die Herr v. Geyr erhebt, manch’ 
wertvolle Errungenschaft der modernen Vogelzugforschung in 
einer mir nicht gerechtfertigt erscheinenden Weise angetastet wird. 
Mit Rücksicht auf den durch die Teuerung bedingten Raummangel 


886 


Friedrich von Lucanus: 


unserer Zeitschrift mufs ich mich freilich darauf beschränken, 
nur die wichtigsten Punkte, die für das Zugproblem besondere 
Bedeutung haben, hervorzuheben, ohne damit etwa den übrigen 
Bemerkungen Geyr’s zuzustimmen. — 

Die weitausholende Schilderung v. Geyr’s der Begriffe 
„Weg, Strafse, Bahn, Geländestreifen etc.“ ist für die Beurteilung 
des Wesens des Vogelzuges nur von untergeordnetem Wert, da 
es sich schliefslich nur um die Deutung einzelner Begriffe handelt, 
deren Gebrauch mehr oder weniger auf persönlicher Auffassung 
beruht. Freiherr v. Geyr legt diesen Betrachtungen die auf der 
Erdoberfläche herrschenden Verhältnisse mit ihren vielseitigen 
Hindernissen, die überall störend auf den menschlichen Verkehr 
einwirken, zu Grunde. Dieser Vergleich scheint mir wenig glück- 
lich gewählt zu sein, denn im freien Luftraum gibt es keine der- 
artigen Hindernisse, die den Flug der Vögel beschränken. Die 
Verhältnisse im Luftraum sind also gänzlich anders als auf der 
Erde, und können daher nicht ohne weiteres mit einander ver- 
glichen werden. 

Die Definitionen Geyr’s der Bezeichnungen „Zugstrafse, 
Breite Front, Massenzugwege“ bringen nichts grundlegend neues; 
denn diese Begriffe sind in gleicher oder doch ähnlicher Weise 
bereits von älteren Autoren angewendet worden. Die Erklärung, 
die V. Geyr für seinen Ausdruck „Massenzugweg“ gibt, den er 
anstelle der Palmön’schen Bezeichnung „Heerstrafse“ wählt, kann 
jedoch wenig befriedigen. Er sagt: „Massenzugwege nennen wir 
solche, geographisch meist enger begrenzte Oertlichkeiten, an 
welchen sehr reger Zug stattfindet, von dem wir aber nicht 
sagen wollen oder können, dafs, ob und inwieweit er von Teilen 
einer Zugstrafse oder einer breiten Front herrührt“. Diese De- 
finition ist ein so unsicherer Begriff, dafs man in der Praxis 
damit rein garnichts anfangen kann. Findet an begrenzten Oertlich- 
keiten regelmäfsig in den Zugperioden starker Zug 
statt, so ist es wohl das einfachste und natürlichste von einer 
Zugstrafse zu sprechen, anstatt noch einen neuen Begriff aufzu- 
stellen, der nur Unklarheit erzeugt und die ganze Sache kompli- 
ziert macht. Meist dürfte das, was v. Geyr „Massenzugweg“ 
nennt, nichts anderes sein, als der besonders frequentierte Teil 
einer Zugstrafse, wie z. B. die kurische Nehrung, auf der im 
Frühjahr und Herbst regelmäfsig ein starker Vogelzug stattfindet. 

Bei seinen theoretischen Erwägungen läfst sich unser Autor 
sogar dazu verleiten, in Verbindung mit seinem recht unsicheren 
Begriff des „Massenzugwegs“ von falschen Zugstrafsen zu sprechen, 
und er trägt kein Bedenken, diese Bezeichnung sogar für die 
kurische Nehrung mit ihrem gewaltigen Vogelzüge anzuwenden. 
Mir will es geradezu absurd erscheinen, die kurische Nehrung 
mit ihrem regelmäfsig, stark in Erscheinung tretenden Vogel- 
züge ein „falsche“ Zugstrafse zu nennen, zumal sie im Bereich 
der durch den Ringversuch mit völliger Sicherheit nacbgewiesenen 


Erwiderung auf die Arbeit des Freiberrn Geyr von Schweppenburg, 387 

westlichen Küstenstrafse liegt, was ihren Charakter als Zugstrafse 
deutlich kennzeichnet. 

Wir müssen froh und dankbar sein, wenn wir in der Er- 
forschung des so überaus schwierigen Zugproblems endlich über- 
haupt soweit sind, bestimmte Zuggebiete oder Zugstrafsen er- 
kennen und festlegen zu können; hier aber noch einen Unterschied 
zwischen „falschen“ und „richtigen“ Zugstrafsen machen zu 
wollen, ist nach dem heutigen Stande der Vogelzugforschung 
nicht möglich. Solche rein theoretischen Sophistereien mögen 
ja schön klingen, aber sie haben keinen praktischen Wert; sie 
erzeugen nur Schwierigkeiten und arten schliefslich in eine un- 
nütze Wortfechterei aus. Der Ausdruck „falsche Zugstrafse“ 
liefse sich höchstens dann anwenden, wenn an einer begrenzten 
Oertlichkeit, wo kein regelmäfsiger Vogelzug stattfindet, 
ausnahmsweise ein starker Vogelzug in Erscheinung tritt, 
wie es z. B. bei plötzlichem Wettersturz oder aus anderen 
Gründen geschehen kann. In diesem Fall tut man aber besser 
überhaupt nicht von Zugstrafsen zu sprechen. Aber eine Oert- 
lichkeit, die sich durch regelmäfsigen, starken Vogelzug 
auszeichnet, eine falsche Zugstrafse nennen zu wollen, mufs 
nach meiner Ansicht heillose Verwirrung der Begriffe erzeugenl — 

Freiherr v. Geyr bezeichnet es als verfehlt, die Zugstrafse 
als ein „breites, aber doch abgegrenztes Gebiet“ aufzufassen, 
wie ich es in meiner Arbeit getan habe. Er meint die Be- 
zeichnung „breit“ sei ein „ziemlich vager Begriff, wenn er nicht 
in Beziehung zu irgend einer anderen räumlichen Ausdehnung 
gesetzt werde“, und „begrenzt sei schliefslich jede Zugbewegung 
in Bezug auf dem Raum“. Unter „begrenzt“ habe ich in meinen 
Darlegungen solche Zugbewegung gemeint, die sich innerhalb 
einer gröfseren für den Zug zu Gebote stehenden Fläche, wie 
die Gesamtausdehnung des Kontinents, nur auf einem beschränkten 
Raume vollzieht, wie es z. B. beim Zuge des weifsen Storches 
der Fall ist. Dieser zieht nicht quer durch ganz Europa in 
direkt südlichem Fluge nach Afrika, sondern sein Zug verläuft 
auf einer ganz bestimmten, enger begrenzten Bahn, die gesetz- 
mäfsig vorgeschrieben ist. Der Zug der in Mittel- und Osteuropa 
heimischen Störche geht eben über den Balkan, Kleinasien und 
Palästina nach Afrika, der Zug der westlichen Brutvögel über 
Frankreich, Spanien und Gibralt